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Full text of "Geschichte des Reichstages zu Speier im Jahre 1529. Mit einem Anhange ..."

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'7 




Julius Ney, 

P£ftrrer in Bpaier« 



Mit einem Maoge ODgednickter Uteo nnd Briefe. 



Separatabdruck aus den Mittheilungen des 
historlsdiien Vereins der Pfalz. 




Hamburg. 

CommimiousTerUg der Agentur des RaulieQ Haoiws. 
1880. 



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iielik 



des 



Reichstages zu Speier 



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von 



Julius Ney, 

Pfkrrer in Bpeler. 



Hit einem Inhaoge UDgedmckter Iktenjnd Briefe. 



Stparatabdruck aus den Mittheilungen des historischen 
Vereins der Pfalz. 



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Hamburg. 

OommisftioDtTerbtg der Agentur dee Bauheii HAaaeB. 

1880. 



" 13 



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L. OUardone'sohe Buctadnickerel. Tonn. Daniel Kranzbäbler in Spei«r. 



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Vorwort 



Die Geschichte der grossen Reichsversammlung, welcher 
die protestantische Kirche ihren Namen verdankt, ist zuerst 
von Joh. Joach. Müller in seiner 1705 zu Jena erschienenen Historie 
von der evangelischen Stände Protestation und Appellation 
ausfuhrlich dargestellt worden. Während mehr als hundert 
Jahren ist dieses verdienstvolle Werk in Verbindung mit den bei 
Sleidan und Seckendorf gegebenen Ausführungen die Hauptquelle 
für jenen Reichstag geblieben. Erst die dreihundertjährige 
Gedachtnissfeier der Speierer Protestation im Jahre 1829 gab 
wieder Anlass zur Herausgabe mehrerer Schriften^ welche die 
Geschichte jenes denkwürdigen Ereignisses zum besonderen 
Gegenstände hatten. Tittmann in Leipzig, Zinunermann in 
Darmstadt, Johannsen in Kopenhagen und Gass in Breslau 
beschäftigten sich mit derselben, ohne jedoch dabei aus neuen 
Quellen zu schöpfen. Dagegen war die von A. Jung in seinen 
Beitragen zur Reformation gegebene 1830 erschienene Geschichte 
des fraglichen Reichstages eine werthvoUe Bereicherung der 
historischen Literatur und bleibt bis heute wegen der derselben 
beigegebenen Briefe und Akten aus dem Strassburger Archive 
unentbehrlich. 

Seitdem ist eine eingehende besondere Darstellung der 
Geschichte des Reichstages von 1529 nicht mehr erschienen. 
Die kürzere Erzählung derselben, welche in dem 1858 zu 
Gotha herausgegebenen Retscher -Almanache aus der Feder 
von Dr. Ebrard sich findet, stützt sich wesentlich auf jene 
Arbeit vcm Jung. Auch die aus Anlass der Gründung des 
Retscher- Vereins um dieselbe Zeit gewechselten Streitschriften 
haben wenig zu einer weiteren Aufhellung der Geschichte jener 



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IV 

Reichsversammlung beigetragen, da es den Verfassern dabei 
nur auf die Lösung der weniger wichtigen, in vorliegender 
Schrift auf Qrund der Urkunden wohl endgültig entschiedenen 
Frage über das Sitzungslocal des Reichstags ankam. Um so 
mehr und bedeutenderes zuverlässiges Material ist in den 
grossen Werken von Bucholtz und Ranke, sowie in zahlreichen 
seit fünfzig Jahren veröffentlichten Specialforschungen über die 
Geschichte <Jer Reformationszeit niedergelegt. Vor Allem ist 
hier K. Th. Keims schwäbische Reformationsgeschichte zu 
nennen, welche den Reichstag von 1529 mit besonderer 
Ausführlichkeit behandelt und durchweg aus den ersten Quellen 
schöpft Ebenso enthalten die im Corpus Reformatorum 
herausgegebenen Briefe Melanchthons , sowie die von Klüpfel 
in seinen Urkunden des schwäbischen Bundes im Auszi^e 
abgedruckten Briefe des Memminger Reichstags - Gesandten 
Joh. Ehinger mancherlei, was den älteren Bearbeitern des 
Gegenstandes unbekannt geblieben war. 

Mein Amt als Pfarrer in der Stadt, in welcher vor 
350 Jahren jene Versammlung tagte, legte mir den Wunach nahe, 
zunächst zu meiner eigenen Belehrung die Geschichte derselben 
gründlicher kennen zu lernen. Die Zuvorkonunenheit der 
betreffenden Archiworstände machte es mir möglich, dabei 
ausser dem nothwendigen gedruckten Materiale auch eine Reihe 
wichtiger, bisher grossentheils unbekannter Archivalien zu 
verwerthen. Die Verwaltung des kgl. baier. allgemeinen 
Reichsarchivs gestattete mir nicht nur, die in den derselben 
unterstellten Archiven vorhandenen einschlägigen Aktenstücke 
einzusehen, sondern gab mir auch wichtige Fingerzeige über 
den Inhalt derselben und genehmigte, dass die Akten hierher 
gesendet und in den Localitäten des kgl. Kreisarchivs benützt 
werden durften. Auch die reichhaltigen schon von Ranke 
benützten Akten der Reichsstadt Frankfurt durfte ich in den 
Räumen des hiesigen Krdsarchivs studiren. Die mir durch 
höchsten Erlass des kgl. StaatsminLsteriums des kgl. Hauses 
und des Aeussern wohlwollend zugestandene Erlaubniss zur 
Benützung des kgl. baier. geheimen Haus- und Staatsarchivs 
machte es nur möglich, während eines Aufenthaltes in München 
die sowohl in dem herzoglich bairischen, als auch in dem 



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pfälzischen Theile desselben vorhandenen werthvollen Schätze 
kennen zu lernen. In gleich zuvorkommender Weise wurde 
mir gestattet, von den in dem kgl. würt. Staatsarchive zu 
Stuttgart und dem städtischen Archive zu Augsburg vorhandenen 
hieher gehörigen Aktenstücken Einsicht zu nehmen. Ebenso 
wurde mir das hiesige Stadtarchiv auf das bereitwilligste geöffnet. 
Endlich unterstützten mich die Verwaltungen der hiesigen kgl. 
Lycealbibliothek, der grossherzoglichen Universitätsbibliothek 
in Heidelberg und der kgl. Hof- und NationalbibKothek in 
München bei meinen Studien in einer Weise, ' welche mich zu 
aufrichtigem Danke verpflichtet. Diesem Danke gegen Alle, 
welche meine Arbeit förderten, hiermit öffentlich Ausdruck zu 
geben, ist mir ein tiefgefühltes Bedürfniss. 

Indem ich nun die vorliegende Schrift als Frucht dieser 
Studien der Oeffentlichkeit übergebe, bin ich mir der Mäi^el 
derselben nicht unbewusst Gerne hätte ich meine archivalischen 
Nachforschungen noch mehr ausgedehnt und namentlich über 
die Vorgänge vom 19. bis zum 25. April weitere urkundliche 
Nachrichten zu gewinnen gesucht. Aber ich wollte das 
aktenmässige Material doch nicht noch weiter anwachsen sehen, 
und glaubte auch auf Grund der von mir eingesehenen Akten 
ein Bild jenes wichtigen Reichstages geben zu können, welches, 
wenn auch nicht auf absolute Vollständigkeit, so doch, weil 
unmittelbar aus den Urkunden entnommen, auf Treue und 
Verlässi^eit Anspruch machen kann. 

Die Beilagen zu gegenwärtiger Arbeit enthalten ungedruckte 
Akten und Briefe über den Reichstag, deren Beigabe manchen 
Lesern nicht unwillkommen sein wird. Die Orthographie der 
Originalien habe ich bei dem Abdrucke derselben beibehalten 
und nur zur Erleichtenmg des Verständnisses die Interpunktion, 
sowie damit zusammenhängend den Gebrauch der grossen 
Anfangsbuchstaben leise geändert Ausserdem habe ich die 
in einzelnen Aktenstücken jener Zeit bis in*s Unerträgliche 
gehende Häufung von Buchstaben, soweit dieselbe ersichüich 
blos den einzelnen Copisten zur Last zu legen war, gemildert 
und z. B. statt vssschuss vsschuss, statt vnnd vnd, statt 
entpfanngenn entpfangen gesetzt Die Rücksicht auf den 
Raum nöthigte mich, auf die Wiedergabe der wichtigsten 



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VI 

Aktenstücke mich zu beschränkea. Nur die Briefe der Nördünger 
Abgeordneten wurden, obwohl in denselben manche Notizen 
sich finden, welche von geringerer Wichtigkeit sind, dennoch in 
ihrem ganzen Wortlaute abgedruckt, um an diesem Beispiel 
einen Begriff von den mancherlei Gegenständen zu geben, 
welche bei Gelegenheit einer Reichsversammlimg die Gemüther 
der Reichstc^sgesandten bewegten. 

Es ist ein bedeutsames Stück allgemeiner deutscher Ge- 
schichte, welches wir darzustellen versuchten. Wir haben das- 
selbe zunächst für die Mitglieder des historischen Vereins der 
Pfalz geschrieben, bei denen wir, weil eine pfalzische Stadt der 
Schauplatz der geschilderten Ereignisse war, ein besonderes 
Interesse für dieselben voraussetzen zu dürfen glaubten. Mc^e 
auch der weitere Leserkreis, welchem wir unsere Schrift hienüt 
zu übergeben wagen, dieselbe wohlwollend aufnehmen! 



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iBlialtsflbersicliL 



Seite 

1. Politische and kirchliche Verhältnisse yor dem Reichs- 
tage im Allgemeinen 1 

2. Verhandlungen über die Wahl Ferdinands zum römischen 
Könige und die Auflösung des schwäbischen Bundes . . 10 

3. Das Ausschreiben des Reichstages und die damit zusammen- 
hängenden Verhandlungen 25 

4. Vorbereitungen der Stadt Speier zu dem Reichstage . . 32 

5. Der Einzug der Fürsten und Reichstagsgesandten ... 42 

6. Die zur Majorität gehörigen Theilnehmer an dem Reichstage 51 

7. Die der Minorität angehörenden Theilnehmer an dem 
Reichstage 73 

8. Eröffnung des Reichstages. Die kaiserliche Proposition . 96 

9. Die Bestellung des Ausschusses 112 

10. Die Verhandlungen des Ausschusses ttbor die Olaubensfrage 121 

11. Die Begründung der Abstimmungen im Ausschusse. Out- 
achten über die Olaubensfrage und Instructionen für ein- 
zelne Ausschussmitglieder 133 

12. Die Verhandlungen des Ausschusses über die anderen 
Propositionspunkte. Weitere Begebenheiten bis zum 

8. April 148 

13. Die Verhandlungen vom 3. April. Einschttchterungsver- 
suche gegen die Städte und Supplication derselben. Ver- 
handlungen der Stände und des Ausschusses bis zum 

9. April 163 

14. Die Sitzungen der Stände vom 10. und 12. April. Be- 
schwerde der evangelischen Fürsten und Stände ... . 178 

15. Verhalten der einzelnen Städte zu dem Beschlüsse der 
Stände vom 12. April. Ausschliessung Daniel Miegs von 

dem Reichsregimente 190 

16. Die Sitzungen der Stände vom 13., 14., 16. und 17. April. 
Vorbereitungen zu einem Bündnisse der evangelischen 
Fürsten und Städte 206 



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vni 

Seite 

17. Die Sitzung vom 19. April. Proteatation der evange- 
lischen Fürsten und Stände 223 

18. Die erweiterte Protestationsschrift vom 20. April . . . 236 

19. Vergeblicher Vermittlungsversuch. Unterschrift und Be- 
siegelung des Abschiedes. Weitere Verhandlungen der 
Mehrheit mit den evangelischen Fürsten bis zum 24. April 255 

20. Weitere Begebenheiten in diesen Tagen. Schluss des 
Reichstages. Appellation der evangelischen Stände . . 268 

21. Abreise der Fürsten und Beichstagsgesandten. Scbluss- 
bemerknngen 281 

Beilagen. 

I. Aus der markgräflich Brandenburgischen 

Abtheilung des kgl. bair. Kreisarchivs 

Bamberg. 

1. 30. Nov. 1528. Ausschreiben des Reichstags 291 

2. 6. Febr. 1529. Vollmacht des Markgrafen Georg für Hans 

von Seckendorf 294 

3. Febr. Instruction ftlr Hans von Seckendorf zum Reichs- 
tage in Speier 295 

4. 25. März. Lazarus Spengler an Georg Vogler .... 297 

5. 27. März. Der Rath von Nürnberg an Markgraf Georg . 298 

6. Ende März. Gutachten eines ungenannten Gelehrten über 

die kaiserliche Instruction 299 

7. Endo März. Gutachten der sächsischen und hessischen 
Räthe über das Ausschussbedenken 301 

8. Anfangs April. Zweites Gutachten der sächsischen und 
hessischen Räthe über das Ausschussbedenken .... 304 

9. lufitte April. Bedenken des Markgrafen Georg .... 305 

n. Aus den Heilbronner Akten des kgl. wttrtem- 
bergischen Staatsarchivs zu Stuttgart. 

10. 12. April. Hans Riesser und Johann Balderni^nn an 
Heilbronn 306 

11. Mitte April. Relation der Heilbronner Abgeordneten über 

den Verlauf des Reichstags 308 

XU. Aus den Akten der Reichsstadt Nördlingen 
im kgl. bair. Reichsarchive zu München. 

12. 28. Febr. Jacob Widemann und Georg Mair an Nördlingen 312 

13. 3. März. Widemann und Mair an Nördlingen • . . . 314 

14. 8. März. Widemann und Mair an Nördlingen . . • 315 



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IX 

Seite 

15. 10. März. Bürgermeister und Bath von Nördlingen an 
Widemann und Mair 316 

16. 11. März. Widemann und Mair an Nördlingen . . . 318 

17. 20. März. Widemann und Mair an Nördlingen ... 318 

18. 24. März. Widemann und Mair an Nördlingen . . . 323 

19. 9. April. Widemann an Nördlingen 324 

20. 15. April. Widemann an Nördlingen 329 

21. 16. April. Widemann an Nördlingen 332 

22. 19. April. Der Rath von Nördlingen an Widemann und 
Mair 333 

23. 20. April. Widemann an Nördlingen 334 

24. 20. April. Mair an Nördlingen 336 

25. 25. April. Widemann und Mair an Nördlingen . . . 336 

IV. Aus dem kgl. bair. geheimen Staats- 
archive zu München. 

26. 3. Febr. Kaiser Karl V. an Kurfürst Ludwig von 

der Pfalz 337 

27. 14. Febr. Kaiser Karl V. an Kurfürst Ludwig . . . 388 

V. Aus dem kgl. bair. Kreisarchive zu 

Würzburg. 

28. 13. Jan. König Ferdinand an Bischof Conrad von Würzburg 339 

29. 19. Febr. Instruction des Bischofs von Würzburg für seine 

nach Speier abgeordneten Räthe 340 * 

30. 5. März. Die Würzburger Räthe an Bischof Ck)nrad . 342 

31. 8. März. Die Würzburger Räthe an Bischof Conrad . 344 

32. 12. März. Bischof Conrad von WOrzburg an König 
Ferdinand 344 

33. 15. März. Relation der Würzburger Räthe über die 
Eröf&iung des Reichstags 345 

84. 18. März. Bericht der Würzburger Räthe über die Be- 
stellung des Ausschusses 346 

35. April. Bericht der Würzburger Räthe über die Ankunft 
der Fürsten und Botschafter, sowie über das Oefolge des 
Bischofs von Würzburg 347 

36. April. Outachten des Bischofs von Würzburg über das 
Ausschussbedenken 349 

37. Ende April. Schlussbericht der Würzburger Räthe . . 350 

VI. Aus der kgl. bair. Hof- und National- 

bibliothek zu München. 

38. April. Bericht über den Einzug der Fürsten in Speier 351 



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X 

Seite 

Vn. Ans dem Stadtarchive zu Augabarg. 

39. 23. Febr. Wolfgang Langenmantel an den Bath von 
Augsburg 353 

40. 15. März. Matth. Langenmantel an Augsburg . . . 354 

41. 22. März. Matth. Langenmantel an Augsburg . . . 354 

42. 5. und 8. April. Herwart, M. Langenmantel und Hagk an 
Augsburg 355 

43. 13. April. Die Augsburger Gesandten an Ulrich Eech- 
linger und Anton Bimel, Bürgermeister in Augsburg • 356 

44. 15. und 17. April. Die Augsburger Gesandten an Augsburg 356 

45. 19. ApriL Herwart und M. Langenmantel an Augsburg 357 

Vin. Aus dem städtischen Archive zu 
Frankfurt a. M. 

46. 12., 19. und 30. März. Fürstenberg an Frankfurt . . 357 

47. 7. April. Fürstenberg an Frankfart 358 

48. 11. April. Fürstenberg an Frankfurt 359 

49. 15. und 17. April. Fürstenberg an Frankfurt ... 359 

50. 17. April. Fürstenberg an Frankfurt 360 

IX. Aus dem Archive der Stadt Speier. 

51. Verordnung über die während des Reichstages von Wirthen 

und Gastgebern zu berechnenden Preise 361 

Register 363 

Berichtigungen 368 



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1. Politisohe amd kirehliohe Terhältnüise vor dem Reichs- 
tage im Allgemeinen. 

Auf dem 1526 zu Speier gehaltenen, zahlreich besuchten 
Reichstage war trotz des anfänglich herrschenden Zwiespaltes 
schliesslich ein einstimmiger Beschluss in Sachen der Religion 
zu Stande gekommen. Kaiser Karl V., seit Jahren von Deutsch- 
land abwesend, hatte zwar durch seinen Bruder, den Erzherzog 
Ferdinand und seine anderen Gommissarien das entschiedene 
Verlangen gestellt, dass die Stände des Reiches von dem alten 
Herkommen in Kirchenlehre und Gebräuchen in keiner Weise 
abvrichen. Namentlich begehrte er die strenge Durchführung 
des Wormser Edictes, welches Luther und seine Anhänger mit 
da* Acht belegte und seine Lehre verbot. Aber die evangelischen 
Fürsten und Stände Hessen sich auf einen derartigen Beschluss 
nicht ein. Zudem war das Verhältniss des Kaisers zu dem 
Pabste durch die von Letzterem dem Gegner Karl's, König 
Franz L von Frankreich gewährte Unterstützung, welche zur 
Zeit des Zusammentrittes des Reichstages in der am 22. Mai 
1526 geschlossenen Ligue von Cognac ihren offenen Ausdruck 
fand, erheblich geändert worden und es schien dem Kaiser 
nicht mehr gerathen, sein Verhältniss zu den der Reformation 
geneigten Fürsten Deutschlands noch zu verschlimmem. Unter 
diesen Umständen hielt man es auf beiden Seiten für das 
zweckmässigste, die definitive Entscheidung über die Glaubens- 
angelegenheiten zu verschieben. Demgemäss wurde in dem 
am 27. August 1526 publicirten Reichstagsabschiede mit 
Stinmieneinbelligkeit beschlossen, eine Gesandtschaft an den 
Kaiser zu senden und denselben zu bitten, baldmöglichst iu 

1 



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2 

eigner Person nach Deutschland zu kommen und dafür Sorge 
zu tragen, dass binnen höchstens anderthalb Jahren zur Bei- 
legung der Glaubensstreitigkeiten ein freies allgemeines Goncil 
oder mindestens eine Nationalversammlung in deutsch^i Landen 
gehalten werde. Bis dahin sollten alle Stände des Reiches in 
Sachen des Wormser Edicts »für sich also leben, regieren und 
halten, wie ein jeder Solches gegen Gott und kaiserliche Majestät 
hoflfet und vertrauet zu verantwortenc. 

Seit jenem Beschlüsse fandai drei Jahre lang über die 
Glaubensfira^e keine öfiientlidien Verhandlungen statt Durch 
denselben war ein gesetzlicher Boden zur Befestigimg und 
weiteren Ausbreitung der Reformation gegeben, deren Grund- 
sätze in immer weiteren Kreisen durchgeführt wurden. In 
Kursachsen, in Hessen und anderen Gebieten wurde die 
Organisation des evangelischen Kirchenwesens vollendet; an 
vielen anderen Ort^i schickte man sich an, das dort g^ebene 
Beispid zu befolgen, wobei man sich zuweilen zur Rechtf^ügung 
seines Vorgehens ausdrücklich auf die angeführte Bestimmung 
berief. ') Aber eben dies rief i)ei den der Reformation abge- 
neigten Fürsten und Stände eine immer wachsende Erbitterung 
gegen deren Freunde hervor. Dieselbe wimie noch bedeutend 
gesteigert durch die Pack'schen Händel Allzu leicht hatte 
Landgraf Philipp von Hessei dem Kanzleiverweser des Herzogs 



So antwortete der Bath von Bentlingen dem Abte Melchior 
von Königsbrann auf dessen Verlangen, statt dnrch den von der 
Stadt aufgestellten verheiratheten Prediger „die göttlichen Aemter 
dnrch die von ihm eingesetzten Vicari und Helfer verfügen zn 
lassen**, im November 1528: „Dieweil der Abschied des jüngst 
gehaltenen Reichstags zn Speier entbftlt, dass etc., so bleiben wir 
billig dabei, und hat uns darum Niemand zu rechtfertigen oder 
einigen Eintrag zu thnn, dieweil wir mit Verantwortung an kaiser- 
liche M&jestftt daroh obbemelten Abschied gewiesen sind.** J. 0. 
FüsiBgy Relation, wie es mit der Reformation der Stadt Reatlingen 
hergegangen. 1717. S. liS. Ebenso berief sich die Stadt Memmingen 
auf dem im November 1528 zu Ulm gehaltenen Stftdfcetage sor 
Rechtfertigung ihres Vorgehens in Sachen des Qlaabens auf jenen 
Artikel des Abschieds. K. KlQpfel» Urkunden des schwäb. Bundes^ 
IL Stuttgart 1853. S. 330. 



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Georg von Sachsen, Otto von Pack, Glauben geschenkt, als 
dieser ihm Ende 1527 von einem Bündnisse Mittheilung machte, 
welches mehrere katholische Fürsten zu Breslau gegen die 
Lutherischen geschlossen haben sollten. Und jeder bei ihm 
etwa noch bestehende Zweifel wurde beseitigt, als ihm Pack 
im Februar 1538 eine Abschrift des angeblichen Bundesvertrages 
vorlegte. Hienach sollten sich König Ferdinand, die Kurfürsten 
Albrecht von Mainz und Joachim von Brandenburg, Cardinal- 
erzbischof Matthäus von Salzburg, die Bischöfe Wigand von 
Bamberg und Conrad von Würzburg und die Herzoge Georg 
von Sachsen, Wilhelm und Ludwig von Baiern verbündet 
haben, um den Kurfürsten von Sachsen, wenn derselbe Luther 
auszuliefern und den alten Glauben in seinem Lande wieder 
aufzurichten sich weigere, und den Landgrafen von Hessen 
zu überfallen und ihre Länder unter sich zu theilen. Es ist 
heute allgemein anerkannt, dass jene Abschrift gefälscht und 
ein derartiger Vertrag in Wirklichkeit nicht geschlossen worden 
war. Als Landgraf Philipp seinen Schwiegervater Herzog 
Georg von der ihm gemachten Mittheilimg in Kenntniss setzte, 
antwortete dieser sofort, er wisse nicht das Mindeste von einem 
sokhen Bündnisse, und wer das Original der angeblichen 
Urkunde gesehen zu haben behaupte, sei ein verzweifelter, 
ehrloser, meineidiger Bösewicht. Ebenso stellten die übrigen 
in der dem Landgrafen vorgelegten Abschrift genannten Fürsten 
jede Betheiligung an einem derartigen Bündnisse in Abrede. 
Aber schon war der stürmische Landgraf, welcher sofort 
umfassende Rüstungen getroffen hatte und einen AngriflF nicht 
abwarten zu sollen glaubte, in das Gebiet des Bischofs von 
Würzburg eingefallen und bedrohte die Bambergischen und 
Mamzischen Lande. Zu Blutvergiessen kam es zwar nicht, 
aier da Landgraf Philipp von den nicht gerüsteten Bischöfen 
Ersatz seiner Kriegskosten begehrte, so bedurfte es der Ver- 
mittelung der Kurfürsten Ludwig von der Pfalz und Richard 
von Trier, um den Landgrafen zur Zurückziehung seiner 
Truppen zu bewegen. Am 5. Juni 1528 wurde zu Schmal- 
kalden ein Vertrag des Landgrafen mit den Bischöfen von 
Würzburg und Bamberg und am 14. Juni bei Gelnhausen mit 
dem Kurfürsten von Mainz aufgerichtet, der zwar die Kriegs- 

1* 



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gefahr vorerst beseitigte, aber bei jenen Bisehöfen und begreif- 
licher Weise auch bei den übrigen katholischen Ständen eine 
am so grössere Missstimmung gegen die lutherischen Stände 
und namentlich den Landgrafen hervorrief, als auf Grund des 
Vertrages der Kurfürst von Mainz und der Bischof von Würz- 
burg eine Kriegsentschädigung von je 40,000 Gulden, der von 
Bamberg eine solche von 580,000 Gulden an Philipp zahlen 
musste. Ausserdem mussten sich die Bischöfe verpflichten, dass 
sie Hessen und Sachsen mit den Ihren nicht vom Worte 
Gottes drängen wollten. Zwar Wurden nach einem späteren, 
am 30. Dezember 1528 zu Worms ebenfalls unter Vermittelung 
des Kurfürsten von der Pfalz abgeschlossenen Vertrage die 
Verbriefüngen der Bischöfe wieder herausgegeben ; da der Land- 
graf aber die ihm bereits bezahlten Summen nicht zurückzugeben 
hatte, so wurde damit jene Erbitterung nicht beseitigt, welche 
besonders in den massgebenden Kreisen des schwäbischen 
Bundes einen hohen Grad erreichte. *) 

Auch die Stellung des Kaisers zu dem Pabste war mittler- 
weile wieder eine bessere geworden, und eben damit nahm die 
von 152C bis 1528 durch den Kaiser in Deutschland beobachtete 
grössere Zurückhaltung in den religiösen Fragen ein Ende. 
Karl V. war der Sache der Reformation in Folge der ihm 
gewordenen Erziehung, wie der geistigen Atmosphäre, in welcher 
er nach Ranke's treflTendem Ausdrucke lebte, zu keiner Zeit 
zugethan gewesen, suchte ihr vielmehr stets nach Kräften 
entgegenzuwirken. Durch die von Clemens VIL in Italien 
beobachtete feindliche Politik hatte er gezwungen werden 
können, seine Waffen gegen den Pabst zu wenden. Ja die 
deutschen Landsknechte hatten unter Georg von Fnmdsberg am 



*) Ueber die Pack'schen Handel 8. F. B. v. Bucholtz, Geschichte 
der Regierung Ferdinand des Ersten. Wien 1832. Band 3, S. 361 — 388. 
Leop. V. Ranke, dentsche Oeschicbte im Zeitalter der Reformation. 
4. Auflage. Leipzig 1868. Band III, S. 29—35. Viele der darauf 
bezüglichen Urkunden bei J. G. Walch, Dr. Mart Luthers sämmtliche 
Schriften. Halle 1745. Band 16, 8. 444—521. Eine Abschrift des 
Worroser Vertrages findet sich in Sammelband 2 des bischöflich 
Bambergischen Theiles des k. b. Kreisarchivs zu Bamberg. FoL 194 ff. 



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6, Mai 1527 Rom erstürmt mid den Pabst in der Engelsburg 
eingeschlossen. Aber wenn dies auch den Kaiser von entschie- 
denen Massregeln gegen die Anhänger imd Begünstiger Luthers 
in Deutschland abhielt, so änderte es doch an seiner religiösen 
Gesinnung Nichts. Schon in seiner ersten Instruction für 
seinen Gesandten an Clemens VII. nach dessen Gefangen- 
nahme (Juli 1527) gibt Karl V. nicht nur seiner unver- 
änderten Ergd}enheit gegen den Pabst Ausdruck und spricht 
seinen Wunsch aus, »seiner Heiligkeit Hand und Füsse zu 
küssen I ihn in vollkommene Freiheit herzustellen und mit 
eigner Hand ihn wieder auf seinen Stuhl einzusetzenc, sondern 
er redet auch von der Nothwendigkeit, dafür zu sorgen, dass 
eine Ausrottung der irrigen Secten Luthers erfolge.*) Und 
die Massregeln, welche er in den Niederlanden gegen die 
Lutheraner ergriff, bewiesen, dass es ihm mit dieser Sorge 
Ernst war. Als die politischen Verhältnisse darum dem Kaiser 
den Wunsch nahe legten, mit dem Pabste Frieden zu schliessen, 
damit er seinen übrigen Feinden in Italien, besonders dem 
Könige Franz von Frankreich um so energischer zu begegnen 
vermöge, die ihm bisher versagte Belehnung mit dem König- 
reiche Neapel erhalte und endlich von dem Pabste als Kaiser 
gekrönt werde, da war es gewiss die geringste Schwierigkeit 
bm den Verhandlungen, den Kaiser zmn Versprechen energischerer 
Massnahmen gegen die Reformation Luthers zu bestimmen. Im 
Laufe des Jahres 1528 schlössen sich nun Kaiser und Pabst 
wieder enger aneinander an. Letzterer hatte von dem Augen- 
blicke seiner Befreiung an allen AulBforderungen des Königs 
Franz und der anderen Theihiehmer der Ligue, sich mit ihnen 
auf s Neue gegen den Kaiser zu verbünden, Widerstand geleistet, 
und auf die Zumuthung, denselben kraft seiner päbstlichen 
Machtvollkommenheit der kaiserlichen Würde zu entsetzen, soll 
er in richtiger Erkenntniss der wirklichen Sachlage geantwortet 
haben, das sei ein gefahrliches Unternehmen, da sich in Folge 
dessen vielleicht ganz Deutschland von der Kirche trennen 
werde. Am 6. October 1528 kehrte der Pabst auf dringende 
Einladung der kaiserlichen Gesandten nach Rom zurück, welches 



») Buoholtz m, 99. 



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6 

er 10 Monate vorfier wie ein Flüchtling verlassen hatte, und 
wenn er auch von diesem Zeitpunkte an noch hin und wieder 
durch einzelne Kundgebungen zeigte, dass sein Misstrauen 
gegen den Kaiser nicht völlig beseitigt war, so war es ihm 
doch von nun an ernstlich um Frieden mit demselben zuthun. 
Schon am 2. September 1528 hatte er an den Kaiser un Sinne 
von Friedensvermittlungen geschrieben, und die am 8. Januar 
1529 erfolgende Sendung des in der Christnacht geweihten 
Hutes und Schwertes an den kaiseriichen Feldherm, Prinz 
Philibert von Oranien, der vor zwanzig Monaten bei der 
Eroberung Roms die päbstlichen Gemächer im Vatican einge- 
nommen hatte, gab einen neuen Beweis der Friedensgeneigtheit 
des Pabstes. Den gleichen Wunsch nach Frieden hatte auch 
der Kaiser durch seine Gesandten an Clemens zu erkennen 
gegeben, und es ist nur eine Wiederholung des durch diese 
dem Pabste längst Gesagten, wenn Karl im April 1529, da 
eben der Speierer Reichstag seinen Anfang genommen hatte, 
in einem Briefe an den Pabst versichert, derselbe werde ihn 
stets als treuen und ergebenen Sohn erkennen, als einen besseren, 
denn die, welche der Pabst für solche halte. Die Einnahme 
Roms sei keineswegs auf seinen Befehl geschehen; er sei dem 
heiligen Stuhle ein viel zu gehorsamer und demüthiger Sohn 
und bereit, für denselben seine Person und Alles, was er habe, 
zu opfern. Und wenn er ihn dann einladet, zum Abschlüsse 
des Friedens nach Spanien zu kommen, und ihm verspricht, 
ihn dort aufzunehmen, wie nur ein ergebener Sohn seinen 
Vater empfangen könne, er werde bei den Friedensverhand- 
lungen seinen guten Willen in jeder Weise erkennen, wenn er 
schliesslich in jenem Briefe seine Person und seine Güter Gott 
und der päbstlichen Heiligkeit als dessen Stellvertreter zur 
Verfügung stellt, so mag man die Form dieses Schreibens 
theilweise auf Rechnung der üblichen Hofsprache stellen, hat 
aber keinen Grund, deren Aufrichtigkeit zu bezweifeln.*) 
Zwar wurde der förmliche Friedensvertrag zwischen Kaiser 
und Pabst erst nach dem Schlüsse des Speierer Reichstags am 



^) S. dieses Schreiben bei Lanz, Dr. K., Correspondenz des 
Kaisers Karl V. Leipzig 1844. Band 1. 296. 



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29. Juni 13S9 zu Barcellona abgeschlossen. Ab^ nachdem im 
October 15S8 Pabst Clemens durch seinen Nuntius am kaiser- 
lidien Hofe Karl auf das dringendste hatte auffordern lassen, 
sich der Religion mehr als bisher anzunehmen und wenigstens 
dafür Sorge zu tragen, dass den Neuerungen, in denen man 
bereits weiter gehe, als Luther, und zur Leugnung von Taufe 
und Ab^idmahl vorgeschritten sei, ein Ziel gesetzt werde, 
so konnte sich der Kaiser keinem Zweifel darüber mehr hin- 
geben, dasB ein schärferes Vorgehen gegen die Anhänger 
der Reformation eine der ersten Bedingungen eines Friedens 
mit dem Pabste sei. ^) Der Kaiser war darum schon längere 
Zeit Yor dem Reichstage zu Speier entschlösse, das 
vollständig durchzuführen, wozu der Friede von Barcel- 
lona ihn bald nach demselben förmlich verpflichtete, mit 
seinem Bruder F^dinand alle mögliche Mühe aufzuw^iden, 
um der verpestenden Krankheit des Lutherthums entgegenzu- 
wirken und die Gemüther der Irrenden zur wahren christlichen 
Religion zurückzuführen. Zu diesem Behufe wolle der Pabst 
alle in seiner Macht stehenden geistlichen Mittel gebrauchen; 
würden aber diese fruchtlos bleiben und die Irr^iden die 
Stimme des Hirten nicht hören und in ihren Irrthümern hart- 
näckig und verstockt beharren, so habe Kaiser Karl und König 
Ferdinand gegen sie Gewalt anzuwenden und die Christo 
angcthane Schmach nach Kräften zu rächen. Der Pabst aber 
wolle dafür besorgt sein, dass auch die übrigen christlichen 
Fürsten ein so heiliges Werk nach Vermögen unt^stützten. •) 



^) S. zn der vorausgehenden Darlegung Bänke m, 21 und 81 ff. 
und Bucholtz m, 136 ff. 

^) S. den Friedensvertrag bei J. Dumont, corps universal 
diplomatique du droit des gens. A la Haye 1726. tome IV. partie 11, 
S. 1 ff. Der oben angeführte Passus lautet in seiner Hauptstelle 
wörtlich: Cum... nee minus Caesareae Majesiati cordi sit, ut huic 
pestifero morbo congruum antidotum praeparari possit : Ideo actum 
extitit et conventum, quod Caesar et Serenissimus Hungariae rex ejus 
frater .... omnem operam possibilem adhibebunt in hujasmodi erroribns, 
81 &8 est, sedandis, errantiumque animis alHciendis, ut ad rectos 
Christianae religionis tramites redeant, ipsamque religionem et 



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s 



Hätte bei den Entschliessongen der imd&a hohen ftiider, 
des Kaisers Karl und Königs Ferdinand, die Rädudcht auf die 
Verhältnisse Deutschlands den Ausschlag gegeben, so hätten sie 
sich wohl gegen die Freunde der Reformation zuvorkommender 
gezeigt. Die äussere Macht des habsburgischen Hauses in 
Deutschland hatte damals zwar emen mächtig^i Aufschwung 
genommen. Nicht nur hatte Ferdinand schon 1521 sofort nach 
seiner Ankunft aus Spanien, wo er erzogen war, ausser von den 
fünf österreichischen Erblanden auch von dan zwei Jahre fräher 
durch den schwäbischen Bund dem Herzoge Ulrich abgenom- 
menen Herzogthume Wurtemberg Besitz genommen, sondern ec 
war auch, nachdem sein Schwager, König Ludwig von Ungarn 
und Böhmen in der imglücklichen Schlacht bei Mohacz am 
29. August 1526 das Let>en gelassen hatte, dessen Erbe 
geworden. Trotz der Bemühungen des Herzogs Wilhelm von 
Baiem, die böhmische Krone für sich zu erlangen, vrar 
Ferdinand am 24. Februar 1527 ziun Könige von Böhmen 
gekrönt worden und behauptete sich im unbestrittenen Besitze 
dieses schönen Landes, zu welchem damals noch Schlesien 
und Mähren gehörte. Und auch in Ungarn war er zu Press- 
burg mit Stimmenmehrheit zmn Könige gewählt und am 
5. November 1527 zu Stuhlweissenburg als solcher gdurönt 
worden, nachdem sein Gegenkönig, der Woiwode Johann Zapolya 
mit Waffengewalt zum Rückzuge in seine Erbgebiete genöthigt 
worden war. Aber eben in Ungarn waren die Erfolge des 
Königs Ferdinand nur zeitweilige gewesen. Die Anhänge* von 
Johann Zapolya, der von einem Reichstage in Stuhlweissen- 



fidem apostolicamque sedem yerbo aui facto laedere soa 
pertnrbare non praesumant. In qua re ipse etiam sanetissimus 
dominns noster salubribas illis spiritnalibns antidotis eommisso 
grogi ovibusque errantibns, tamquam eoramnnis pastor et pater 
consnlens, omnem possibilem medelam pariter adbibere conabitar: 
qnod 81 pastoris vocem non andiverint, Caesarisque mandata 
npglexerint, et in hisee erroribus obstinati et pertinaces permanserint, 
Ann Citetar quam iereninimui Hun^arine ei BoimitM rex contra %Uo$ eormm 
lotfiUUii vim di$trim^enif Hiaimmqut Ckri$io it^riam pro viribu$ uietMeentmr, 
curabitqne sua sanctitas nt oaeteri Ohristiani prinoipes . . . tarn 
sanoto operi etiam pro viribiu assistant 



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9 

bürg zum Könige gewählt und von dem französischen Könige 
und dem Sultan als solcher anerkannt war, machten Ferdinand, 
welchen durch den drückendsten Grddmangel durchgi-eifende 
Massregeln unmöglich wurden, imm^ mehr zu schaffen, und der 
mächtige, damals auf dem Gipfel seiner Macht stehende Sultan 
Suleiman II., nachdem er bisher immer und zuletzt 1526 vor 
Mdiacz den Christen gegenüber siegreich gewesen war, traf 
die ausgedehntesten Rüstungen, um Ungarn von Neuem 
anzugreiC»! und entweder für sich zu erobern oder dem darum 
sich eifrigst bemühenden Woiwoden Johann als seinem 
tributpflichtigen Vasallen zu überlassen. Und dass er dabei 
nicht an den deutschen Grenzen stehen zu bleiben, sondern 
alle Schrecken des Kri^es, wie die Türken soldien zu führen 
pflegten, auch weiter nach Oesterreich und Deutschland zu 
tragoi gedachte, darüber konnte kein Zweifel bestehen. Die 
Gesandten, welche König Ferdinand 1528 an den Sultan geschickt 
hatte, waren von den Türken mit höhnendem Uebermuthe 
empfangen und während neun Monaten als Gefangene zurück- 
gehalten worden. Und als sie der Sultan endlich am 20. März 
1529, da eben der Speierer Reichstag begonnen hatte, nach 
Deutschland zurückkehren Hess, gab er ihnen die Antwort 
mit auf den Weg: »Euer Herr hat seither unsere iJachbarschaft 
nicht erfahren, er wird sie aber hinfort erfahren. Ich werde 
persönlich zu ihm kommen mit aller Macht und ihm in 
eigener Person die Festungen zustellen, welche er von mir 
begehrt hat. Erinnert ihn also, dass er Alles zubereite und 
ausrüste, um uns gut empfangen zu können.€ ») Schon vorher im 
Februar war dem Könige Ferdinand eine Zuschrift des Sultans 
von ähnlichem, wenn auch weniger drohendem Inhalte zuge- 
kommen; doch in Ermangelung eines der türkischen Sprache 
kundigen Uebersetzers hatte er erst mehrere Monate später, 
als Suleiman bereits mit einem gewaltigen Heere g^en Ungarn 
und Deutschland aufgebrochen war, Kenntniss von dem Inhalte 
jenes Schreibens erhalten. Aber dass es der Zusammenfassung 
aller Kräfte Deutschlands bedurfte, um dem Angriffe eines so 

') 8. den Gesandtschaftsbericht von Habordancz und Weichsel* 
berger bei Bacholtz m, 592 ff. 



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10 

furchtbaren Feindes zu begegnen, dass darum die damalige 
Sachlage nicht dazu angethan war, diu^ch einen Wechsel der 
Politik in der Glaubenssache die zahlreichen der Reformation 
geneigten deutschen Reichsstände dem Kaiser und dan Könige 
Ferdinand zu entfremden, das hat sich zwar erst nachträglich 
für Jedermann herausgestellt, als un October 1529 Suldman 
alle Greuel des Krieges nach Ungarn und bis nach Oesterreidi 
trug, mit einem gewaltigen Heere von 250,000 Mann vor Wien 
stand und allgemeiner Schrecken ganz Deutschland ergriff; 
aber König Ferdinand wenigstens hätte es schon vor dem 
Zusammentritte des Reichstages erkennen können. Schon im 
Januar 1529 hatte Stephan Bathor aus Ofen an denselben 
geschrieben, der König möge in beiderlei Richtung gefaast 
sein, sowohl den Feind zu empfangen, als auch anzi^eifen, 
und der Bischof von Erlau berichtete in einem Briefe vom 10, 
Februar: »Ich sehe für dieses Reich grössere Stürme bevor, 
als je zuvor seit Menschengedenken, welche nicht anders als 
durch die Gnade des unsterblichen Gottes gekillt werden 
mögen«. Und als der Reichstag begonnen hatte, da lieSea 
immer neue Nachrichten ein, welche auf das dringendste zur 
Einigkeit hätten auffordern müssen. 



2. Verhandlungen über die Wahl Ferdinands smn rSmisohen 
ESnige und die AnflSsnng des schwäbischen Bandes. 

Doch an Einigkeit fehlte es. Auch solche Fürsten und 
Stände, welche es in den Glaubensfragen mit dem Pabste 
hielten, waren in Folge der gewaltigen in den letzten Jahren 
erfolgten Zunahme der habsburgischen Macht gegen das Haus 
Oesterreich von Misstrauen und Eifersucht erfüllt. Dies zeigte 
sich vor Allem bei den im Jahre 1528 von Kaiser Karl wieder 
aufgenommenen Verhandlungen wegen der Wahl seines Bruders 
Ferdinand zum römischen Könige. Da weder Ranke noch 
Buclioltz Näheres über diese Verhandlungen berichten, die 
Darstellung derselben aber zur Beleuchtung der politischen 



*) Bucholtz m, 271 ff. 



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11 

Verhättiiisse in Deutschland zur Zeit des Reichstages nicht 
unwesentlich ist, so möge ein etwas ausführlicheres Eingehen 
auf dieselben gestattet sein. 

Schon im Jahre 1525 hielten sowohl Kaiser Karl als sein 
Bruder eine Wahl Ferdinands zum römischen Könige für 
erwünscht. Auch hatten bereits einige Kurfürsten zu dem Ende 
Unterhandlungen mit Ferdinand angeknüpft. Da aber Karl, wie 
er am 29. November 1526 seinem Bruder schrieb, ^) es für uner- 
lässlich erachtete, dass vor der Wahl eines römischen Königs 
er selbst zum Kaiser gekrönt sei, weil nicht gleichzeitig zwei 
römische Könige sein könnten, so unterblieben weitere förmliche 
Verhandlungen, so lange das Zerwürfniss von Kaiser und Pabst 
eine baldige Krönung KarPs nicht erwarten Hess. Einer der 
Gründe, welche Karl bestimmten, im Juli 1529 Spanien zu ver- 
lassen und nach Italien zu gehen, lag desshalb, wie er am 11. 
Januar 1530 an Ferdinand schrieb, ^) darin, dass er vom Pabste 
gekrönt werden wollte, damit sein Bruder römischer König 
werden könne. Schon 1528 aber hatte der Kaiser die Verhand- 
lungen über die Wahl Ferdinands zum römischen Könige wieder 
aufgenommen, nachdem seine besseren Beziehungen zu dem 
Pabste seine Krönung in nähere Aussicht stellten. In dem kur- 
pfalzischen Theile des kgl. geheimen Staatsarchivs in München 
befindet sich ein starker, die Correspondenz des Kurfürsten Ludwig 
von der Pfalz enthaltender Band mit vielen auf die Königswahl 
bezüglichen Aktenstücken, welche in Verbindung mit den bei 
Bucholtz imd Ranke gegebenen Nachrichten nachstehendes 
Bild der Verhandlimgen ergeben. 

Am 18. April 1528 schrieb der Kaiser aus Spanien an 
seinen Bruder, er gedenke einen Gesandten nach Deutschland 
zu schicken, um dort bei den Fürsten und besonders bei dem 
schwäbischen Bunde eine lebhaftere Betheiligung der Deutschen 
an dem Kriege gegen König Franz von Frankreich zu bewirken. 
Es war dies der unter dem Namen des Frohstes von Waldkirc/i 
bekannte kaiserliche General-Orator und Vicekanzler Balthasar 



1) Bncholtz m, 414. 

2) Lanz, 360. 



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12 

Merkel oder Märklin/) Bischof von Malta. Von niederer Herkunft, 
aber in politischen Missionen wohl erfahren, wie er denn als 
Vertreter des Bischofs von Constanz schon an den Reichstagen 
von 1512 und 1521 theilgenommen hatte, war er jetzt viel- 
geltend bei seinem kaiserlichen Herrn und hochangesehen bei 
den Fürsten und Ständen des Reiches, in deren Reihe er 
selbst eingetreten war, seitdem er nach der 1527 erfolgten 
Resignation des mit der Reichsacht belegten Bischofes von 
Hildesheim zu dessen Nachfolger postulirt und ausserdem 
Coadjutor des Bischofes Hugo von Constanz geworden war. 
Dem Letzteren folgte er noch im Jahre 1529 nach dessen zeit- 
weiligem Rücktritte als Fürstbischof. Es war eine überaus 
ausgedehnte Thätigkeit, welche Waldkirch seit seiner Ankunft 
in Deutschland entwickelte. Zunächst sollte er den Fürsten 
und Ständen die Gründe darlegen, welche den Kaiser zur 
Absagung des auf den Sonntag Invocavit 1528 nach Regens- 
burg angesetzten Reichstags veranlasst hatten. Von euiem 
fürstlichen Hofe zum andern, von einer Stadt zur andern 
reisend, suchte er überall im Sinne des Kaisers zu wirken. 
Hier forderte er zu grösserer Unterstützung des Kaisers in seinen 
auswärtigen Kriegen auf, vne in Augsburg, wo er Namens des 
Kaisers im August 1528 bei dem schwäbischen Bunde freilich 
erfolglos zu Gewährung eines Reiterdienstes gegen Frankreich 
aufforderte, *) und bei dem Kurfürsten Ludwig von der Pfalz, 
von dem er unter Ueberreichung eines Missives des Kaisers 
das Gleiche begehrte. Dort machte er den Willen des Kaisers, 
jede weitere Neuerung in Glaubenssachen zu verhüten, aufs 
entschiedenste geltend. So in Strassburg, wo er den Rath iiji 
Namen des Kaisers bei der alten Religion zu bleiben ermahnte 
und die Adeligen mit Verlust ihrer Lehen bedrohte, wenn sie 
sich nicht der Abschaffung der Messe widersetzten, in Speier, 
wo er Bischof Georg veranlasste, von dem Pfalzgrafen Ludwig 
von Zweibrücken die Vertreibung der lutherischen Prediger aus 
Kleeburg und Bergzabern zu begelu-en, und wieder in Augsburg, 



^) Geb. in Waldkirch 1479, gest. in Trier 153 L 
') Klttpfel, Dr. K«, Urkunden zur Geschichte des Schwab. 
Bundes, II, 326 ff. 



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11 

wo er dem Rathe erklärte, der Kaiser sei der Stadt ungnädig, 
weil sie am alt^i Glauben nicht festgehalten hätte. Noch 
entschiedener soll er sich, wohl ebenfalls in Augsburg, gegen 
Memmingen ausgelassen haben; wenigstens erinnert Bürger- 
meister Ehinger von da später von Speier aus daran, dass 
Waldkirch ihn und den Prediger Ambr. Blaurer henken zu 
lassen gedroht habe. Jetzt finden wir ihn in Schmalkalden, 
wo er im Juni 1528 an der erwähnten Friedensvermittelung 
zwischen Landgraf Philipp von Hessen und den Bischöfen von 
Bamberg und Würzburg sich betheiligt, dann in Prag, wo er 
Anfangs September dem Könige Ferdinand über seine bis- 
herigen Verhandlungen berichtet und wegen des beabsichtigten 
Reichstages sich mit ihm beräth; jetzt bei dem Kurfürsten 
Joachim von Brandenburg, dann bei dem Kurfürsten Johann 
von Sachsen, dem er sagt, -Herzog Heinrich von Braun- 
schweig habe in Spanien dem Kaiser angezeigt, dass der 
Kurfürst und Landgraf Philipp andere Reichsstände mit 
Gewalt zu ihrer Religion zwingen wollten. Ein reger brief- 
licher und durch Boten geführter Verkehr mit den verschiedensten 
Fürsten und mit König Ferdinand liess ihn auch in der kurzen 
Zeit, wo er, wie im Januar 1529, sich in der Probstei zu 
Waldkirch aufhielt, nicht zur Ruhe kommen. ') 

Aber neben dieser öffentlich entfalteten Thätigkeit Wald- 
kirchs ging eine andere an den kurfürstlichen Höfen einher, 
wobei die Verhandlungen im tiefsten Geheimnisse gepflogen und 
ausser den betreflfenden Fürsten selbst nur ihren vertrautesten 
Räthen bekannt gegeben wurden. Schon bei dem Tage zu 
Schmalkalden hatte der Probst dem Kurfürsten Ludwig, nachdem 
er ihm zuerst in Gegenwart der kurfürstlichen Räthe die übrigen 
Anliegen des Kaisers, z. B. wegen des Reiterdienstes, vorgetragen 



*) Ranke HI, 103. J. P. Gelbert, M. Joh. Baders Leben und 
Schriften etc. Neustadt 1868. S. 189 f. Joan. Sleidani Warhafiftigo 
Beschreibmig allerley Geschichten, so sich bei Regierung des Kaysers 
Oarali V. begeben. Ed. durch M. Ose. Schadäum. Strassb. 1621. 
S. 154. Veit Ludw. von Seckendorf, Bist, des LntherthumS; ttbers. 
von El. Frick. Lp«g. 1714. S. 918 u. 954. Klüpfel, a. a. 0. S. 842. 
K. Th. Keim, schwäb. Reformationsgesch. Tttb. 1855. S. 78 ff. 



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u 

hatte, nach Entfernung aller Räthe unter vier Augen noch 
mitgetheilt, Kaiser Karl hege aus vielen Gründai und besonders 
zur besseren Erhaltung eines beständigen Friedens im Reiche 
den Wunsch, dass neben ihm ein anderes Haupt im Reiche 
erwählt werde. Daran hatte er Namens des Kaisers die Bitte 
geknüpft, dazu zu helfen, dass dessen Bruder Ferdinand zum 
römischen Könige erwählt werde ; der Kaiser sowohl wie König 
Ferdinand werde ihm Solches zu Gnaden nimmermehr vergessen. 
Der Kurfürst antwortete zunächst ausweichend, er könne schon 
wegen der anderen Verhandlungen, welche ihm dazu keine Zeit 
Hessen, In einer so wichtigen Angelegenheit nicht sofortige 
Antwort geb^i; doch erklärte er sich bereit, wenn Waldkirch 
ihn in Heidelberg besuche, weiteren Bescheid zu ertheilen. Aber 
auch hier, wo sich Waldkirch bald darnach einfand, erklärte 
der Kurfürst zwar im Allgemeinen seine Bereitwilligkeit, dem 
Kaiser, wie dem Könige Ferdinand in Allem, was dem Reiche 
zu Nutz und Frieden gereichen möge, zu Willen zu sein, fügte 
aber hinzu, er vermöge nicht eher etwas zu bewilligen, bis ihm 
eine förmliche Vollmacht des Kaisers für Waldkirch, darüber 
mit ihm zu verhandehi, vorgelegt sei. Schon damals war er 
entschlossen, seine Stimme, wenn er sie überhaupt für König 
Ferdinand abgebe, so theuer wie möglich zu verkaufen. 
Namentlich geb^i die in München vorhandenen kurpfälzischen 
Akten den Beweis, dass der Kurfürst ausser verschiedenen 
untergeordneten Punkten damals schon die ihm später 1531 
bei der wirklichen Wahl auch neben der Zahlimg von 
160,000 Gulden baar zugestandene Verpfändung der Landvogtei 
Hagenau an ihn zu fordern entschlossen war, über deren 
Erträgnisse er während des Reichstages von Speier aus, wo 
diese Verhandlungen fortgesetzt wurden, im Geheimen durch 
vertraute Diener genaue Erhebungen machen liess. ^) 

Wie mit Kurfürst Ludwig, so hatte Waldkirch schon im 
Sommer 1528 mündliche und schriftliche Unterhandlungen über 



^) Die oben gemachten Angaben gründen sich auf Corre- 
spondenzen und Notizen in dem im Texte erwähnten Aktenbande, 
besonders auf die dort Fol. 149 ff., 195 ff. und 201 sich findenden 
Aktenstücke. 



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16 

die Königswahl mit dem Kurfürsten Albrecht von Mainz 
gepflogen» welcher damals zu dem Kurfürsten von der Pfalz 
in so vertrautem Verhältnisse stand, dass sie im Winter 1528/29 
sich gegenseitig in lebhaftem, theils brieflich, theils durch 
Gesandte geführtem Verkehre über ihre Unterhandlungen mit 
Waldkirch in genauer Kenntniss hielten und in stetem Einver- 
ständnisse mit einander verfuhren. Ebenso war Waldkirch, 
wie Erzbischof Albrecht am 11. Nov. auf Grund einer ihm 
gewordenen Mittheilung des Probstes an Kurfürst Ludwig 
schrieb, auch bei Albrechts Bruder, Kurfürst Joachim von 
Brandenburg gewesen und hatte ihn in dieser Sache »ganz 
gutwillig, mehr als er gemeint«, gefunden. Selbst mit dem Kur- 
fürsten von Sachsen hatte Waldkirch, wie aus Andeutungen in 
den kurpfalzischen Akten erhellt, wegen der Königswahl unter- 
handelt, und gewann aus denselben den Eindruck, Kurfürst 
Johann, der ein guter frommer Mann sei, werde sich auch 
weisen lassen. Von Unterhandlungen Waldkkchs mit den 
beiden noch übrigen Kurfürsten von Köln und Trier über die 
Königswahl haben wir zwar in den Münchener Akten keine 
ausdrückliche Erwähnung gefunden, doch ist um so weniger 
daran zu zweifeln, dass solche stattfanden, als Waldkirch 
auf dem Tage zu Schmalkalden wenigstens mit dem Erz- 
bischofe von Trier zusammengetroffen war, der schon 1526 
sich den darauf gerichteten Wünschen des Kaisers willfährig 
gezeigt hatte. 

Wie sehr es dem Kaiser darum zu thun war, dass diese 
durch einen so thätigen und gewandten Agenten geführten Vor- 
verhandhmgen zum Ziele führten, dafür geben den Beleg zwei 
in den angeführten Akten enthaltene Schreiben des Kaisers an 
Kurfürst Ludwig aus Burgos vom 3. und aus Toledo vom 
14. Februar 1529. In dem ersten derselben ertheilt Karl dem 
Probste Waldkirch die* von Ludwig begehrte Volhnacht und 
fügt eigenhändig hinzu: „Thut auf diesmal bei mir das Beste; 
das will ich bei Euch auch thim,€ In dem zweiten aber spricht 



') S. Bacholtz III, 416. Ferner in dem zoletzt oitirten Akten- 
bande des geh. k. bair. Staatsarchivs Fol. 146 and 149 ff. / 



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er ihm in den verbindlichsten Wort^i seinen Dank für das 
Entgegenkommen aus, welches der Kurfürst nach Waldkirchs 
Berichte auf dessen Anbringen bewiesen habe. *) 

So sehr alle Betheiligten bemüht waren, über diese auf 
dem Reichstage zu Speier eifrig fortgesetzten Verhandlungen das 
strengste Geheimniss zu bewahren, so konnten sie doch nicht 
verhindern, dass das Gerücht über dieselben auch zu Anderen 
drang. So äussert der Memminger Reichtagsabgeordnete 
Johannes Ehinger bereits am 15. März, nachdem er kaum in 
Speier angekommen war, die Vermuthung, dass man dort 
wegen eines römischen Königs unterhandle, *) Noch früher 
aber hatte Herzog Wilhelm von Baiern davon Kenntniss 
erhalten, und er war nicht gewillt, diesen Verhandlungen 
unthätig zuzusehen. Längst hatte das gewaltige Wachsthum 
der österreichischen Macht das Misstrauen der mächtigen 
bairischen Herzoge Wilhelm und Ludwig erweckt, welche, 
obwohl sie in kirchlichen Fragen mit Karl und Ferdinand 
harmonirten, ja mit noch grösserer Entschiedenheit als König 
Ferdinand dem Eindringen der Reformation widerstanden, doch 
in allen anderen Fragen aus politischen Gründen fast immer 
auf Seite der Gegner Oesterreichs standen. Schon um die 
böhmische Krone hatte sich Herzog Wilhelm nicht ohne Aus- 
sicht auf Erfolg mitbeworben. Noch ernstlicher waren seine 
Anstrengungen, die Wahl Ferdinands zum römischen Könige zu 
vereiteln und die Kurfürsten für seine eigene Wahl zu gewinnen. 
Es stand ihm dabei in der Person semes Kanzlers Dr. Leonhard 
von Eck ein Staatsmann zur Seite, der dem Probste von 
Waldkirch weder an Begabung und Gewandtheit, noch an 
Erfahrung und unermüdlicher Thätigkeit etwas nachgab. Mit 
Recht nennt der Geheimschreiber des Pfalzgrafen Friedrich, 
Hubert Thomas Leodius ^) Eck, wie Homer den Odysseus, einen 
vielgewanndten und sagt von ihm, er habe stets darauf gedacht, 
seinen Herren und vornehmlich dem Herzoge Wilhehn, der in 



*) K. b. geh. Staatsarchiv, knrpftllzische Akten. Pasc. **•/!• 
*) ürk. des schw. B. ü, 337. 

^) Huberti Thomae Leodii Annales Palatini etc. Frankfurt 
a665. S. 88. 



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17 

seinem stolzen Sinne bald nach der königlichen, bald nach der 
kaiserlichen, bald nach der kurfürstlichen Würde trachtete, den 
Weg zur Erlangung seines Wunsches zu bahnen. Schon auf 
dem Nürnberger Reichstage von 1524 hatte Eck nach dem 
Berichte des Leodius bei Gelegenheit der Aufrichtung eines 
neuen Erbvertrages zwischen den verwandten bairischen und 
pfölzischen Fürsten den Kurfürsten Ludwig von der Pfalz darauf 
hingewiesen, dass das bairisch-pfalzische Haus das älteste und 
edelste in ganz Europa sei und so gut wie irgend ein anderes 
auf die Kaiserkrone Anspruch zu machen berechtigt sei. Derselbe 
warf dann dem Kurfürsten vor, er habe nicht nur bei der 
Kaiserwahl seine eigenen Ansprüche vergessen, sondern es auch 
geschehen lassen, dass das dem pfalzischen Hause zustehende 
Reichsvicariat dem Regimente übertragen worden sei. Bei einem 
bald darauf in Heidelberg stattfindenden Armbrustschiessen, bei 
welchem 20 Fürsten, vornehmlich aus dem bairisch-pfälzischen 
Hause, zugegen waren, hatte Herzog Wilhelm nicht verhehlt, 
dass er selbst die römische Krone zu erlangen wünsche, und 
der Kurfürst scheint ihm auch damals, wie bei einer späteren 
Zusammenkunft der Fürsten in Ellwangen, das Versprechen 
gegeben zu haben, ihn darin zu unterstützen. *) 

Nach diesen Vorgängen Hess sich erwarten, dass der 
hochstrebende Herzog Wilhelm auch jetzt versuchen werde, 
die Wahl Ferdinands zum römischen Könige zu verhindern, 
sobald er von den neuen darüber angeknüpften Verhandlungen 
Kenntniss erhielt. Diese Kenntniss scheint ihm kurz vor dem 
Beginne des Speierer Reichstages geworden zu sein. Alsbald 
bemühten sich die bairischen Herzoge darum, möglichst 
viele der damals sehr zahlreichen Fürsten aus dem Hause 
Baiem-Pfalz zu frühzeitigem, persönlichem Erscheinen auf 
dem Reichstage zu bestimmen. Sie Hessen dab^i erklären, 
dass sie sich entschlossen hätten, beide in Person imd bei 
Zeiten zu dem Reichstage zu kommen, weil sie wichtige, das* 
Haus Baiem angehende Sachen mit den übrigen bairischen 
und pfälzischen Fürsten besprechen wollten. Wir gehen gewiss 
nicht fehl, wenn wir annehmen, dass diese wichtigen Ange- 



1) Ranke U, 116 und 294. Buoholtz m, 416. Leod. p. 89 ff. 



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18 

legenheiten vor Allem in der im tiefsten Geheimnisse geschehen- 
den Betreibmig der Wahl des Herzogs Wilhelm zmn römischen 
Könige bestanden. 

In dem erwähnten, vornehmlich die Correspondenz des 
Km'fursten Ludwig enthaltenden Aktenbande des kgl. bair. 
geheimen Staatsarchives befindet sich eine Relation des kur- 
pfalzischen Hofmeisters Ludwig von Fleckenstein ^) über den 
auf den 2. Februar 1529 kurz vor dem Speier^ Reichstage in 
Ulm berufenen schwäbischen Bundestag, welchem er als 
Gesandter des Kurfürsten von der Pfalz beiwohnte. Derselbe 
war allein unter den kurfürstlichen Räthen in die von diesem 
mit König Ferdinand gepflogenen Verhandlungen über die 
Königswahl vollständig eingeweiht und hatte noch im Januar 
dem Kurfürsten Albrecht von Mainz im Auftrage seines Herrn 
persönlich von allem in dieser Beziehung Geschehenen Mit- 
theilung gemacht. Wie nun Fleckenstein berichtet, brachte 
Eck, welcher im Auftrage der bairischen Herzoge ebenfalls an 
dem Bundestage theihiahm, sofort nach Fleckenstein*s Ankunft 
bei seiner ersten vertraulichen Unterredung mit ihm auch die 
Frage der Königswahl zur Sprache. Es gehe das Gerächt, dass 
man einen König machen wolle, und wenn dies auch Sache 
der Kurfürsten sei, so stehe nicht zu bezweifeln, dass es 
geschehen werde, falls der Kaiser es wünsche. Eck fügte 
hinzu, er wisse, dass, wenn einer vom Hause Baiem dazu 
genommen werde, es sich seine Herren viel tausend Gulden 
kosten Hessen; auch jedem der geistlichen Kurfürsten könnten 
sie viel tausend Gulden „in's Maul werfen". Von König 
Ferdinand*s Wahl aber sagte er, wohl auf Grund nicht voll- 
kommen zutreffender Information, Trier werde dieselbe auch 
nicht gerne sehen ; man sollte doch bedenken, ob man sie nicht 
verhindern könnte. Seinen Herren aber sei es nicht zu ver- 
denken, wenn sie von Ferdinand^s Wahl Nichts wissen wollten. 

Auf dem Ulmer Bundestage kam es zu weiteren Verhand- 
lungen über diesen Gegenstand schon desshalb schwerlich, 
weil Fleckenstein, der in seinen eigenen Aeusserungen eine 
vorsichtige Zurückhaltung beobachtet zu haben scheint, zu 



*) A. a. 0. Fol. 185 ff. 



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solchen' keine Vollmacht hatte. Es ist aber nicht zu bezweifeln^ 
dass, als bald darauf die beiden bairischen Herzoge in Gemein- 
schaft mit ihrem Schwager, dem Pfalzgrafen und späteren 
Kurfürsten Otto Heinrich von Pfak-Neuburg *) und , wie es 
scheint, auch dem Erzbischofe von Salzburg und dem Bischöfe 
von Augsburg^ zu dem Speierer Reichstage reisten, wohl 
schon auf der Durchreise durch Heidelberg, jedenfalls aber in 
Speier selbst theils in den Tagen vor der Eröflthung des 
Reichstages, theils während desselben derartige Verhandlungen 
des Herzogs Wilhelm mit einzelnen Kurfürsten stattfanden. 
Und diese Besprechungen blieben nicht ohne jeden Erfolg, 
Darüber, was die anderen Kurfürsten thaten, ist uns zwar 
nichts Näheres bekannt. Aber ohne Frage ist die von Bucholtz«) 
erwähnte, später nicht ausgeführte Uebereinkunft des Kurfürsten 
Albrecht von Mainz mit Herzog Wilhelm vom 31. Juli und 
3. August 1529, in welcher Cardinal Albrecht gegen eine Baar- 
zahlung von 100,000 Gulden und andere Zugeständnisse den 
Herzog Wilhelm zum römischen Kaiser oder König zu wählen 
verspricht, schon zu Speier wenigstens vorbereitet worden. 
Und obwohl Kurfürst Ludwig von der Pfalz, wie erwähnt, 
während des Reichstages mit König Ferdmand wegen dessen 
Wahl verhandelte und demselben damals schon die Bedingung 
der Ueberlassung der Landvogtei Hagenau stellte, so hat doch 



') K. b. geh. Staatsarchiv in einem Acta comitialia Spirensia 
1529 signirten Pfalz-Nenbxu-ger Aktenbande. 

*) Der Erzbischof von Salzburg und der Bischof von Augs- 
burg kamen zwar mit Pfalzgraf Friedrich schon am 9. Mftrz, einen 
Tag vor den bairischen Herzogen und Otto Heinrich, in Speier an. 
Da aber Eck dem Fieckenstein sagte, jene Bischöfe wollten mit 
seinen Herren nach Speior reisen, so scheint es, dass die gemeinsame 
Reise bis Heidelberg geschah , dass aber Herzog Ludwig, Wilhelm 
und Otto Heinrich, vielleicht gerade zur Besprechung dieser Ange- 
leg«nheiten, sich einen Tag länger b^ Knrftürst Ludwig aufhielten, 
als Jmm. Auch den Bischof von Wttrzburg hatten die bairischen 
Herzoge besonders eingeladen, die Reise nach Speier in ihrer 
Oeeellschafb zu unternehmen, wohl um schon durch ihre vornehme 
Reisegesellschaft zu imponiren. 

») ffl, 415. 



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20 

offenbar auch er das Ansinnen, seine Stimme seinem Verwandten 
Herzog Wilhelm zu geben, nicht ganz zurückgewiesen. Das nach 
Stumpfs Bericht in den kurpfalzischen Wahlakten liegende 
Concept eines Votums für Herzog Wilhelm liefert uns den 
Beweis dafür. ^) Indess scheint es damals nach beiden Seiten 
bei Vorbesprechungen geblieben und zu bindenden Zusagen 
nicht gekommen zu sein. Sprachen doch für beide Bewerber 
um die Königskrone dringende Gründe, für Herzog Wilhelm 
ausser dem Interesse des bairisch-pfalzischen Fürstenhauses 
vor Allem die gegenüber den beständigen, gerade damals 
besonders grossen Geldverlegenheiten des Königs Ferdinand ^ 
um so bemerkenswerthere Zahlungsfähigkeit des Herzogs 
von Baiern, für König Ferdinand das ganze Gewicht, welches 
die Autorität des Kaisers in die Wagschale werfen konnte, 
die Menge der äusseren Vortheile, welche derselbe zum 
Entgelt für die Wahl seines Bruders einem Fürsten zuwenden 
konnte, endlich die Rücksicht auf den Bruder des Kurfürsten, 
Pfalzgraf Friedrich, welcher gerade in jener Zeit wieder durch 
die glänzendsten, von den Kaiserlichen ihm gemachten Vor- 
spiegelungen zum treuesten Parteigänger des Hauses Oesterreich 
geworden war. 

So waren es nicht die Glaubensangelegenheiten allein, 
welche zur Zeit des Speierer Reichstages die Gemüther der 
Fürsten und Staatsmänner bewegten und in Partheien spalteten. 
In kaum geringerem Grade, wenn auch während des Reichs- 



1) Bucholtz m, 415. 416. 

^ Beständig kamen Klagen aus Ungarn über den völligen 
Mangel aller ' noth wendigen Geldmittel an König Ferdinand. Auch 
eine Anleihe von 48,000 Gulden, welche Ferdinand unmittelbar 
vor dem Reichstage, am 9. Februar 1529, bei Fugger in Augsburg 
machte, konnte den Bedürfnissen so wenig abhelfen, dass der Geld- 
mangel des Königs bei den Besuchern des Reichstages zu Speier 
ein öffentliches Geheimniss war. 8. Karl Oberleitner, Oesterreichs 
Finanzen und Kriegswesen unter Ferdinand I. in dem Archive für 
Kunde österreichischer Geschichtsquellen. Band 22, S. 41. Ehingers 
Bericht vom 12. April 1529 in den Urkunden des schwäb. 
Bundes. S. 344. 



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21 

tages weniger zu offenem Zwiespalte hervorbrechend und in 
den öffentlichen Reichstags- und Ausschusssitzungen nicht 
besprochen, t)estanden um rein weltlicher Dinge willen 
Partheiungen unter den Fürsten imd Ständen, welche in 
den vertrauten, durch öffentliche Documente kaum nach- 
weisbaren Besprechungen der Fürsten unter sich und in den 
Berathungen derselben mit ihren Käthen sich dennoch ohne 
Zweifel kund thaten. 

Wie tiefgehend diese Partheiimgen theilwelse waren, 
erhellt unter Anderem aus den Berathungen über die Auflösung 
des schwäbischen Bundes^ welche bereits um diese Zeit von 
einzelnen Ständen lebhaft gepflogen wurden. Nachdem diese 
im Jahre 1488 geschlossene Vereinigung zu bedeutender Macht 
gediehen war imd noch im schwäbischen, fränkischen und 
Salzburger Bauernkriege bei Niederwerfung der Aufstände 
eine sehr erfolgreiche Thätigkeit entwickelt hatte, waren all- 
mählig in ihrem Schoosse immer grössere Dissidien hervor- 
getreten. Unter dem Einflüsse der katholischen und namentlich 
der bairischen Fürsten, deren Kanzler Leonhard von jßck im 
Bundesrathe fast Alles durchsetzte, hatte sich der Bund in der 
Glaubensfrage ganz auf die Seite der Gegner der Reformation 
gestellt und, da viele Bundesglieder und besonders die Städte 
derselben anhingen, unter diesen Unzufriedenheit erregt 
Zudem gefiel es manchen Fürsten nicht, dass sie dem Bundes- 
rathe unterworfen sein sollten, in welchem Städte und Prälaten 
mit ihnen gleichberechtigt waren und ein gewandtes Mitglied 
wie Dr. Eck die Mehrheit nach seinem Willen lenkte. ^) Doch 
auch bei den Bundesgliedern, welche im Bundesrathe meist 
ihren Willen durchzusetzen vermochten, bestand gegen Andere 
eine lebhafte Erbitterung. Namentlich war dies in Folge der 
Packischen Wirren der Fall gegenüber dem Landgrafen Philipp 
von Hessen und Nürnberg, welches man im Verdacht hatte, 
den Rüstungen des Landgrafen gegen die Bischöfe Vorschub 
geleistet zu haben. Der Bund verlangte desshalb von den 
Bischöfen von Würzburg und Bamberg Aufkündigung dar 



^) S. die spätere Aeasserung des Landgrafen Philipp bei 
Bänke m, 322. 



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22 

Bundesverwandtschafl mit dem Landgrafen, *) mid wenn auch 
der erwähnte Wormser Vertrag vom 30. Dezember 1528 formell 
die Einigkeit zwischen den Bundesgliedem wieder herstellte, 
so zeigen doch die öffentlichen Verhandlungen auf dem Ulmer 
Bundestage im Februar 1529 und die geheimen Besprechung^ 
daselbst, in welche uns die oben berührte Relation Flecken- 
steins einen Einblick gewährt, dass der Fortbestand des 
schwäbischen Bundes damals schon in Frage gestellt war. 

Bei den hier berichteten Unterredungen Ecks mit Flecken- 
stein brachte Eck mehrfach die Sprache auch auf die Erneuerung 
des Bundes und äusserte sich dabei in einer Weise, aus welcher 
hervorgeht, dass er offenbar Nürnberg und überhaupt die 
grössere Selbständigkeit beweisenden Städte nicht in dem 
neuen Bunde sehen wollte. Er hatte desshalb besonders mit 
dem Abgeordneten der Stadt Ueberlingen geredet und ihn 
gewonnen oder, wie er sich selbst ausdrückte, bestochen, so 
dass er Fleckenstein versichern konnte, die oberländischen 
Städte würden keinen Einwand erheben, wenn auch die grossen 
Städte nicht in den Bund aufgenommen würden, von denen 
doch nur Meuterei ausginge. Am Dienstag und Mittwoch nach 
Invocavit — 16. und 17. Februar — beriethen sich die kur- 
fürstlichen und fürstlichen Räthe über diese Frage imd kamen 
zu dem Resultate, wenn der Bund sich enden werde, so würde 
man einen neuen Bund am besten mit König Ferdinand 
schliessen, da man dann- auch den Kaiser auf seiner Seite 
habe. Man müsste zu demselben aber mehr Leute ziehen, als 
die Fürsten, welche bisher im Bunde waren. Zweckmässig 
wäre es, die Städte Augsburg imd Ulm zu dem neuen Bünd- 
nisse beizuziehen, da an denselben viele kleinere Städte hingen 
und die bei deren Weglassung zu befürchtende Aufrichtung 
eines Gegenbundes dadurch verhütet werden könnte. Von der 
Zulassung Hessens und Sachsens zu dem Bunde wurde auch 
geredet, aber Bedenken dagegen ausgesprochen. Eck hob bei 
diesem Anlasse besonders hervor, es wäre wichtig, dass die 
bairischen und pfalzischen Fürsten frühzeitig auf dem Speierer 
Reichstage erschienen, um dort, nachdem sie sich unter einander 



>) BuchoUz m, 386. 



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23 

geeinigt, vor Ankunft der grossen Masse der Reichstagsbesucher 
mit König Ferdinand auch über diesen Punkt zu verhandeln. ^) 

In der That beriethen sich auch während des Speierer 
Reichstages die drei pfälzischen Fürsten, Kurfürst Ludwig, 
Pfalzgraf Friedrich und Pfalzgraf Otto Heinrich in Gegenwart 
ihrer vornehmsten Räthe am 18. März über die Erstreckung 
des schwäbischen Bundes, wobei dieselben zu dem Resultate 
kamen, der Bund habe bisher in vielen Dingen mehr Schaden 
als Nutzen gebracht. Ein Bündniss mit dem Könige Ferdinand 
und mit den Herzogen von Baiem sei mehr als genug. Doch 
solle man den Bund nicht eher abgehen lassen, bis man einen 
»Beschlüsse habe, d. i, bis das neue Bündniss förmlich abge- 
schlossen sei.*) 

Auch die Beschlüsse jenes Ulmer Bundestages zeigen uns 
die weitgehende Entfremdung der massgebenden Bundesfürsten 
von einem Theile der Städte. In einer Klagesache, welche die 
Deutschherren gegen Nürnberg bei dem Bunde erhoben, wurde 
am 11. Februar die Pön wider diese Stadt erkannt und am 26. 
Februar die von Klüpfel in den Urkunden des schwäbischen 
Bundes veröffentlichten Beschwerdeartikel gegen dieselbe Stadt 
aufgestellt und an Nürnberg übersandt. Den grössten Unwillen 
bei den Städten erregte es aber, dass der Memminger Bürger- 
meister Hans Keller, welcher von seiner Stadt zum Uhner 



^) S. den in den kurpfälzischen Akten des k. geheimen Staats- 
archivs in München enthaltenen Band : Correspondenz des Kurfürsten 
Ludwig, Fol. 185 ff. Die Relation ist sehr flüchtig, jedenfalls nur 
für Fleckenstein's eigenen Gobraaoh beim mündlichen Vortrage, mit 
Abkürzungen und Vieles auch dem Sinne nach nur andeutend, ge- 
schrieben. Wir geben das oben Bemerkte aus dieser Relation, so wie 
wir dieselbe auffassen, mit Vorbehalt wieder, da bei der uns zur Durch- 
sicht derselben knapp zubemessenen Zeit ein Irrthum in der Entzifferung 
und dem Verständnisse einzelner Aeusserungen nicht ausgeschlossen ist. 

*) S. die offenbar bei den betr. Sitzungen sofort — äusserst 
flüchtig und schwer leserlich — für den eigenen Gebrauch nieder- 
geschriebenen Notizen eines p^lzischen Rathes in den kurpfUlzischen 
Akten des k. bair. geh. Staatsarchives, Sign. 103/1, unter der 
üeberschrift: „Bedenken und Rathschläge Verzeichnusse in des 
heiligen Rom. Reichssachen zu Speyer etc. XXIX." 



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24 

Bundesrathe Namens der Städte abgeordnet wurde, am 11. 
Februar aus der Bundesversammlung ausgewiesen wurde, weil 
in Memmingen kurz vorher die Messe abgethan worden sei. 
Schon zuvor, Ende Juli 1528, hatten die dem Bimde angehören- 
den Städte auf dem Städtetage zu Esslingen es anerkannt, 
dass wegen der Haltung des Bundes in den Religionsangelegen-' 
heiten eine engere Verbindung der Städte unter einander 
MTÜnschenswerth sei. Das Reichsregiment hatte hierauf sofort 
eine Mahnung an die Städte gerichtet, sich in keine dem 
Kaiser und Reiche oder dem bisherigen Bunde entgegenstehende 
Verbindung einzulassen. Zu einem förmlichen Bündnisse 
der Städte kam es in Folge dessen nicht; doch fühlten die 
Bundesstädte die dem Abgesandten von Memmingen zugefügte 
Schmach, schon weil derselbe nicht von Memmingen allein, 
sondern von den Bimdesstädten insgemein deputirt worden sei, 
als eine ihnen selbst widerfahrene. Der Rath von Memmingen 
ersuchte sogleich am 18. Februar den Bundeshauptmann 
Neidhard, alsbald desshalb einen Städtetag nach Ulm auszu- 
schreiben, um die zu treffenden Massregeln zu berathen. In 
der That wurden die sechs Städte Esslingen, Kempten, Kauf- 
beuarn, Dinkelsbühl, Biberach und Wörth beauftragt, die Sache 
Memmingens auf dem folgenden Bundestage zu Augsburg im 
Juni 1529 als ihre eigene zu vertreten. Und die erfreuliche 
Einigkeit, in welcher wir alle Reichsstädte im Anfange des 
Speierer Reichstages sehen, ist gewiss zum Theile eine Nach- 
wirkung jenes Ulmer Bundesbeschlusses, da durch denselben 
die Städte in der durch manche frühere Vorgänge bei ihnen 
hervorgerufenen Befürchtung bestärkt wurden, man beabsichtige 
sie um ihr Stimmrecht zu bringen. ^) 



^) S. za der obigen Auseinandersetzang KlUpfel 11, 332 ff. u. 347. 
Die dort nicht gegebenen Angaben sind in der angeführten Flecken- 
stein'schen Relation enthalten. Das Schreiben der Stadt Memmingen 
an den städt. Bundeshanptmann Neidhard findet sich in den Beichstags- 
akten der Stadt Reutlingen im k. würtemb. Staatsarchive zu Stuttgart. 
Auch das in Beilage 4 abgedruckte Schreibon von Laz. Spengler an 
6. Vogler eröffnet uns einen Einblick in die zwischen den päbst- 
licben und lutherischen Bundesgliedern bestehende Spannung. 



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26 

Weitere auf dem Ulmer Bundestage besprochene Differenzen 
einzelner Bundesglieder unter sich, deren Ausgleichung theil- 
weise auf den Speierer Reichstag verschoben wurde , werden 
spater berührt werden und können als weniger erheblich an 
dieser Stelle, wo nur ein Ueberbück über die wichtigsten zur 
Zeit des Reichstages obwaltenden politischen Verhältnisse und 
Strömungen gegeben werden soll, übergangen werden. Die über 
diese Verhältnisse im Vorstehenden gegebene Darstellung aber 
recapituliren wir in folgenden Sätzen: 

Von aussen drohte dem deutschen Reiche in dem geplanten 
Angriffe der Türken die ungeheuerste Gefahr, welche es während 
seines ganzen Bestandes zu bestehen hatte. Doch war diese 
Gefahr kaum irgend Jemand in ihrer ganzen Grösse und Nähe 
bereits zum Bewusstsein gekommen. Weil mächtiger als durch 
sie wurden die Gemüther durch andere Fragen bewegt, unter 
denen die Religionsangelegenheit in erster Linie stand. Der 
Kaiser, eben auf dem Punkte, mit dem Pabste Frieden zu 
schliessen, war fest entschlossen, dem weiteren Fortschreiten 
der Reformation mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten, 
und fand dabei bei seinem Bruder, König Ferdinand und bei 
den durch die Pack'schen Händel erbitterten katholischen 
Fürsten ebenso entschlossene Unterstützung, wie bei den der 
Reformation geneigten Ständen furchtlosen Widerstand. Wenn 
so die Religionsfrage die Stände in zwei offenbar einander 
schroff entgegenstehende Partheien trennte, zwischen denen 
einzelne Unentschiedene schwankend die Mitte hielten, so hatten 
andere Fragen, wie die der Wahl eines römischen Königs und 
der Eimeuerung des schwäbischen Bundes, weitere Partheiungen 
zur Folge, die mehr im Hintergnmde spielten, aber doch das 
Ihre dazu beitrugen, dass es auch in dieser gefahrvollen Zeit der 
deutschen Nation an der so wünschenswerthen Einigkeit fehlte. 

3. Das Anssohreiben des Beichstages und die damit 
zusammenhängenden Verhandinngen. 

Kaiser Karl V., welcher seit dem Worraser Reichstage von 
Deutschland abwesend war, hatte in dieser Zeit die Regierung 
des Reiches nur durch nach Deutschland gesendete Mandate 
und Instructionen führen können; ein Eingreifen des Kaisers 



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26 

in Einzelheiten der Verwaltung war durch die weite Entfernung 
Spaniens von Deutschland ausgeschlossen. Die unmittelbare 
Führung der Reichsregianng war dem Reichsregimente oder 
ReichsrcUke anvertraut, dessen Zusammensetzung und Competenz 
.in der am 26. Mai 1521 zu Worms aufgezeichneten Regiments- 
ordnung genau bestimmt war. *) 

^) Dasselbe bestand aus dem jeweiligen kaiserlichen Statthalter, 
der in der Regel von fdrstlichem Stande, mindestens aber ein Graf oder 
Freiherr sein sollte, als Vorsitzenden und aus 22 Mitgliedern. Vier von 
diesen ernannte der Kaiser, zwei als solcher, zwei wegen seiner deutschen 
Besitzungen. Sechs weitere Stellen besetzten die KurfQrsten, von denen 
je einer in vierteljähriger Abwechselung in Person zu sitzen hatte, 
während die anderen fünf ihre Käthe abordneten. Ein weiteres Mitglied 
wurde von sechs weltlichen Fürsten in der Art bestimmt, dass alle 
Vierteljahre ein anderer derselben einen Beisitzer zu stellen hatte. In 
derselben Weise wechselten sechs geistliche Fürsten vierteljährlich mit 
der Ernennung eines Beisitzers ab. Die hiezu berechtigten weltlichen 
Fürsten waren 1526 Pfalzgraf Friedrich, Herzog Georg von Sachsen, 
Herzog Wilhelm von Baiem, Markgraf Casimir von Brandenburg, 
Herzog Heinrich von Mecklenburg und Markgraf Philipp von Baden, 
die geistlichen der Erzbischof von Salzburg und die Bischöfe von 
Bamberg, Würzburg, Speier, Strassburg und Augsburg. Ferner 
hatten die Prälaten ein Mitglied des Regiments zu stellen, wobei 
die Aebte von Salmansweiler, Schussenried , Sanct ComeUen und 
der Probst von Berchtesgaden je ein Vierte^ahr zu sitzen hatten, 
ebenso die Grafen und Beichsfreiherren. Je zwei weitere Beisitzer 
hatten die Beichsstädte zu senden, wobei im ersten Quartale des 
Jahres Köln und Augsburg, im zweiten Strassburg und Lübeck, im 
drittel Nürnberg und Goslar und im vierten Frankfurt und Ulm 
das Recht und die Pflicht der Abordnung hatten. Die letzten sechs 
Regimentsräthe sollten Personen aus der Ritterschaft, Doctoren und 
Licentiaten sein, und von den sechs Kreisen, dem fränkischen, 
bairischen, schwäbischen, oberrheinischen, westphälischen und nieder- 
sächsischen je einer ernannt werden. Die dem Regimente noth- 
wendigen Secretäre und Schreiber hatte der Kurfürst von Mainz 
als Reiphserzkanzler zu ernennen. Alle Regimentsräthe und Secretäre 
genossen für ihre Person und für ihre Diener, ihr Hof- und Haus- 
gesinde völlige Freiheit von Zöllen und anderen derartigen Abgaben. 
S. die Regimentsordnung von 1521 bei Lünig, des deutschen Reicha- 
Archivs Partis generalis continuatio. Lpzg. 1718. S. 850 — 857. 



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27 

Seit 1527 hatte dasselbe seinen Sitz in Speier, wohin es 
in Ausführung eines Beschlusses des Speierer Reichstages von 
1526 von Esslingen mit dem Reichskammergerichte verlegt 
worden war. ') Ein auf den März 1528 nach Regensburg aus- 
geschriebener , später in den Mai verschobener Reichstag war 
durch ein kaiserliches Edict vom 10. April 1528 wieder abge- 
kändigt worden. Ebenso wurde ein Regimentstag, welcher 
später der Pack'schen Unruhen wegen auf den 1. Juli 1528 
nach Speier ausgeschrieben und zu welchem neben den anderen 
in der Reichsordnung bestimmten Färsten auch Kurfürst 
Ludwig von der Pfalz berufen worden war, durch Regiments- 
erlass vom 4. Juli 1528 wieder abgesagt, da jene Händel 
inzwischen durch den Schmalkalder Vergleich beigelegt waren. 
Doch erklärte es das Regiment gleichzeitig für nothwendig, 
dass in Bälde ein Reichstag gehalten werde, um über eine 
Reihe wichtiger Rcichsangelegenheiten zu berathen. Da die 
Berufung eines Reichstages aber nicht in der Befugniss des 
Regimentes lag, so erstattete es Bericht an den Kaiser mit dem 
Ersuchen, baldmöglichst einen anderen Reichstag anzusetzen. ') 

Der Kaiser ging auf diesen Antrag ein und bestimmte 
sofort die Fureten, welche auf dem auszuschreibenden Reichs- 
tage seine Stelle als Commissarien vertreten sollten, da er 
selbst die Rückkehr nach Deutschland und persönliche Theil- 
nahme an dem Reichstage noch nicht ermöglichen zu können 
erklärte. Die kaiserliche Vollmacht für diese Commissäre ist 
vom 1. August 1528 aus Valladolid datirt imd bezeichnet als 
Berathungsgegenstände für den Reichstag den Widerstand * 
gegen die Türken, die »Jrrsale unseres heiligen christlichen 

') Der Speierer Abschied hatte bestimmt, dass die Verlegung 
noch vor Michaelis 1526 geschehen solle. S. Lünig a. a. 0. S. 465 
und Walch, Luthers Schriften. Band 16, S. 277. Doch fanden 
wir noch einen Begimentsbescheid vom 6. Februar 1527, weicher 
aus Esslingen datirt ist. Der früheste uns zu Gesicht gekommene 
Eriass des Reichsregiments von Speier aus trägt das Datum vom 
10. September 1527. 

*) S. ein Schreiben des Regiments an Kurfürst Ludwig d. d. 
Speier 4. Jnli 1528 in dem kurpfUlzischen Theile des kgl. b. geb. 
Staatsarchivs Manchen ^^^/i. 



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28 

Glaubens«, den Unterhalt des Regiments imd Kammergerichtes 
und Alles, was sonst zur Ehre, Ruhe, Friede, Einigkeit und 
guter Polizei im heiligen Reiche dienen könne. Sie beruft sich 
dabei auf das Reichstagsausschreiben, welches allerdings erst 
mehrere Monate später wirklich erfolgte, zu dessen Erlass in 
seinem Namen aber offenbar der Kaiser unter gleichzeitiger 
Ertheilung der nothwendigen Directive seine Commissäre und 
das Regiment bervoUmächtigte. Als Vertreter des Kaisers beim 
Reichstage werden in jener Vollmacht bestimmt sein Bruder 
König Ferdmand, der Probst von Waldkirch, Pfalzgraf Friedrich* 
der Bruder des pfalzischen Kurfürsten, Herzog Wilhebn von 
Baiem, der Grosskanzler des Königs Ferdinand, Bischof Bern- 
hard von Trient, und Herzog Erich von Braunschweig. Als Eröff- 
nungstag des Reichstages ist in dem Gewaltbriefe der Sanct 
Blasientag — 3. Februar — 1529 und als Ort desselben Speier 
bestinunt ^) 

Indessen war diese Vollmacht bis zum 13. September 
weder dem Könige Ferdinand, noch dem Probste Waldkirch 
oder Prinzen Friedrich bekannt Kurz vorher war Letzterer 
bei dem Könige m Prag gewesen und hatte sich auf dessen 
dringendes Ersuchen bestimmen lassen, an Stelle des Königs 
Ferdinand als Statthalter das Präsidium des Reichsregiments 
zu übernehmen.*) Nach Pfalzgraf Friedrich war Probst 
Waldkirch nach Prag gekommen, um theils, wie erwähnt, 
Ferdinand über den Erfolg seiner Bemühungen wegen seiner 
Wahl zmn Könige zu berichten, theils ihn über die ihm genau 
bekannten Absichten des Kaisers eingehender zu instruiren, 
als dies auf schriftlichem Wege füglich geschehen konnte. Von 
dem zukünftigen Reichstage war Beiden damals nur bekannt, 
dass der Kaiser demnächst einen solchen bestimmen werde ; 
Zeit und Ort desselben war noch eine offene Frage. Der 
Kaiser scheint dem Könige Ferdinand in dieser Beziehung 
entweder eine nachträgliche Abänderung der von ihm provi- 



') Derselbe ist abgedruckt bei Walch, a. a. 0. S. 315 ff, und 
bei J. J. Maller, Historie von der evang. Stände Protestation etc. 
Jena 17tf5. 8. 14 ff. 

») Leod. Annal. 115. 



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29 

sorisch gegebenen Bestimmungen freigegeben oder, wie es 
wahrscheinlicher ist, da er in seiner Wahlcapitulation aus- 
drücklich gelobt hatte, ausser in Nothfallen keinen Reichstag 
ohne Wissen imd Willen der sechs Kurfürsten anzusetzen, in 
dem Gewaltsbriefe für die Einstellung von Zeit und Ort des 
Reichstags vorläufig noch eine Lücke gelassen zu haben, welche 
erst bei seiner Bekanntgabe von dem Reichsregimente im Ein- 
vernehmen mit Ferdinand ausgefüllt wurde. 

Dem Könige Ferdinand aber war, wie aus der in dem 
Münchener geheimen Staatsarchive noch vorhandenen Corre- 
spondenz des Pfalzgrafen Friedrich mit seinem Bruder, dem 
Kurfürsten Ludwig hervorgeht, die Stadt Speier als Malstatt 
des künftigen Reichstages wenig angenehm, da er des drohenden 
Türkenkriegs wegen eine so weite Entfernung von seinen 
Qrblanden für bedenklich hielt. Er wünschte desshalb die 
Äbhaltimg des Reichstages in dem ihm gelegeneren Regensburg 
und wenn es dort nicht anginge, wenigstens in Augsburg. 
Doch war ihm nicht weniger daran gelegen, dass die Kurfürsten 
und Fürsten den Reichstag vollzählig besuchten und derselbe 
nicht wieder , wie der zu Regensburg hn Mai 1527, wegen 
Ausbleibens der Fürsten resultatlos verHefe. Aus diesem 
Grunde wendete sich König Ferdinand am 13. S^tember 1528 
an den damals in seiner Residenz zu Neumarkt weilenden 
Pfalzgrafen Friedrich mit dem Ersuchen, bei seiner demnächstigen 
Abreise an den Rhein mit den vier rheinischen Kurfürsten 
darüber zu verhandeto, ob sie sich nicht dazu verstünden, 
auch w^m der Reichstag in dem ihnen weniger gelegenen 
Regensburg tagen würde, doch daselbst persönlich zu erscheinen. 
Er verhehlte sich nicht, dass diese Verhandlungen wenig Aussicht 
auf Erfolg hatten, da die genannten Kurfürsten schwerlich die 
Malstatt des Reichstages vom Rheine bringen lassen Avürden, 
und Hess sich darum bei einem gerade bei ihm weilenden 
Diener des Pfalzgrafen dahin vernehmen, dass er, wenn der 
Besuch des Reichstages in Regensburg oder Augsburg von den 
Kurfürsten am Rhein nicht zu erwarten wäre, sich auch die 
Ansetzung desselben nach Speier gefallen lassen wolle. Ferdinand 
meinte mit einer Zuvorkommenheit, welche vielleicht durch 
die gerade mit dem Kurfürsten schwebenden Verhandlungen 



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über die Königswahl veranlasst war, es werde in Speier neben 
den Reichshandlungen auch Gelegenheit zu Jagd und anderen 
Lustbarkeiten sein, an d^ien er mit dem Kurfürsten von der 
Pfak in dessen Gebiete nicht wenig Lust haben möchte, 
wobei ihm eine Erneuerung und Befestigung der begonnenen 
Freundschaft mit dem pfalzischen Kurfürsten von besonderem 
Werthe wäre. Indess beweist die erwähnte Correspondenz, 
dass die Bemühungen des Königs Ferdinand, die Malstatt des 
Reichstages in eine seinen Erblanden nähere Stadt zu verlegen, 
immerhin ernstlicher Natur waren. Pfalzgraf Friedrich ver- 
handelte im Namen Ferdinands noch von Neumarkt aus 
desshalb mit seinem Bruder, dem Kurfürsten, und dann von 
Speier aus, wohin er zur Uebemahme des Regimentspräsidiums 
Mitte October*) gekommen war, durch Vermittlung des Kur- 
fürsten Ludwig mit den übrigen rheinischen Kurfürsten, 
namentlich dem Erzbischofe von Mainz. Der Erfolg zeigt, dass 
die Antworten der Kurfürsten gegen die Abhaltung des Reichs- 
tages in Augsburg oder Regensburg in der That Bedenken 
äusserten. Kurfürst Ludwig wenigstens erwiderte dem Pfalz- 
grafen unter dem 12. October 1528 aus Alzei, so gerne er 
dem Könige Ferdinand zu Diensten sei, müsse er doch die 
Malstatt zu Augsburg oder Regensburg für gar zu weit ent- 
fernt halten und besorge, ein dort abgehaltener Reichstag 
werde wenig besucht werden. König Ferdinand, welcher 
noch in einer Zuschrift aus Wien vom 21. October bei 
dem Pfalzgrafen die Nothwendigkeit betont hatte, dass der 
Reichstag in Bälde angesetzt werde, erhob dann auch keinen 
Einspruch, als in Folge der vorausgegangenen Verhandlungen 
das Reichsregiment den Reichstag nach Speier ausschrieb. 
Doch machte er noch am 11. Dezember 1528 durch eine aber- 
malige Zuschrift ah Pfalzgraf Friedrich aus Brück an d^ 
Mur den Versuch, von den rheinischen Kurfürsten die Zusage 
zu erhalten, dass sie auch im Falle einer Verlegung des Reichs- 
tages nach Regensburg oder Augsburg denselben in Person 
besuchen würden. Da aber die Antworten der übrigen Kur- 
fürsten kaum entgegenkommender ausfielen, als die des Kur- 



>) Circa divi Galli festum. (16. Oct) Leod. 115« 



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31 

forsten Ludwig, welcher aus Worms am 27. Dezember an 
seinen Bruder schrieb, er wolle die Malstatt des Reichstages in 
des Königs Bedenken stellen, gedenke auch den Reichstag zu 
besuchen, wenn er nicht durch die »geschwinden Läufe« oder 
die Schwachheit seines Leibes verhindert werde, so verblieb es 
bei der Bestimmung der Stadt Speier zum Orte der Abhaltung 
der bevorstehenden Reichsversammlung. ^) 

Das Reichstagsausschreiben, ^ welches von dem Reichs- 
regimente ausging und aus Speier vom 30. November 1528 
datirt ist, trägt die Unterschrift des Pfalzgrafen Friedrich. In 
demselben drückt der Kaiser zunächst §ein Bedauern aus, 
wegen des Krieges mit dem Könige von Frankreich seine Absicht, 
baldigst nach Deutschland zu kommen, jetzt noch nicht 
ausfahren zu können. Er erinnert sodann an die von dem 
Erbfeinde der Christenheit, dem Türken, gegen das deutsche 
Reich geplanten Angriflfe, wobei die christlichen Feinde des 
Kaisers geradezu beschuldigt werden , den Sultan zu seinen 
Angriffen aufgereizt zu haben. Die Zwietracht unter den 
Ständen wegen des christlichen Glaubens habe noch zuge- 
nommen und trotz den Befehlen des Kaisers zu Aufruhr und 
gewaltsamem Bruche des Landfriedens geführt und eine 
kräftige Abwehr gegen den Türken verhindert. Der Kaiser 
habe desshalb beschlossen, auf den J2. Februar (hierin weicht 
das Ausschreiben von der oben berührten Vollmacht ab, welche 
den Sanct Blasientag — 3. F*ebruar — zur EröflEhung des 
Reichstages bestimmt) nächsten Jahres einen Reichstag zu 
Speier zu halten. Es werden sodann die Fürsten und Stände 
in herkömmlicher Weise aufgefordert, an dem bestimmten 
Tage in eigener Person zu erscheinen oder sich bei triftiger, 
eidlich zu bekräftigender Verhinderung durch mit der erforder- 



^) Die obige Darstellung gründet sich auf die Correspondenz 
des KurfOrsten Ludwig mit Pfalzgraf Friedrich in der kurpfUlzischen 
Abiheilang des k. b. geh. Staatsarchivs. Fascikel *^®/i. Die erwähn- 
ten Schreiben des Pfalzgrafen Friedrich finden sich dort im Originale, 
die des Königs Ferdinand in Abschrift und die des KurfUrsten 
Ludwig im Concepte. 

*) S. Beilage 1. 



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liehen Vollmacht ausgerüstete Gesandte vertreten zu lassen. 
Auf dem Reichstage sollte darüber berathen und beschlossen 
werden, wie den Türken Widerstand geleistet und die »Irrung 
und Zweiung im heiligen Glauben« bis zu dem künftigen 
Gondle, dessen Abhaltung ebenfalls auf dem Reichstage 
beschlossen werden sollte, »in Ruhe und Frieden gestellt« 
werden könne. Ausserdem sollten alle weiteren von den 
kaiserlichen Gommissarien oder von dem Reichsregimente mit 
Vorwissen derselben vor den Reichstag gebrachten Gegenstande 
in Berathung gezogen und namentlich auch über die Auf- 
bringung der Mittel zur Unterhaltung des Regimentes imd des 
Kammergerichtes Beschluss gefasst. werden. SchUesslich wurde 
noch nachdrücklich zu rechtzeitigem Erscheinen aufgefordert, 
damit nicht, wie sonst oft geschehen sei, die rechtzeitig An- 
kommenden »mit Verdruss, schweren Kosten und nachtheiliger 
Verzehrung der Zeit« auf die anderen Stände warten müssten. 
Es wurde beigefügt, dass zehn Tage nach dem bestimmten 
Termine ohne Rücksicht auf die Ausgebliebenen die Verhand- 
lungen des Reichstages begonnen und rechtskräftig zu Ende 
geführt werden sollten. 

Eine dem Drucke des Ausschreibens auf besonderem 
Blatte beigelegte Nachschrift verlegt »aus beweglichen Ursachen« 
den Eröflfnungstermin vom 2. auf den 21. Februar. 

4. Yorbereitongen der Stadt Speier an dem Reichstage. 

So war denn die alte Stadt Speier endgültig zur Malstatt 
des abzuhaltenden Reichstages bestimmt Es war nicht das 
erste Mal, dass eine derartige glänzende Versammlung in ihren 
Mauern tagen sollte. Mit Vorliebe wurde sie gerade in jener 
Periode zur Abhaltung grossefr Versammlungen gewählt. Waren 
doch von 1496 bis 1528 sechs allgemeine deutsche Städtetage 
daselbst gehalten worden, und erst vor nicht drei Jahren 1526 
hatte die grosse von zahbeichen mächtigen Fürsten besuchte 
Reichsversammlung zwei Monate lang in Speier getagt. 

Ueberhaupt war dieser Zeitraum einer der glänzendsten 
in der bald zweitausendjährigen ruhmreichen Geschichte der 
Stadt Speier. Unbestritten gehörte sie damals zu den ange- 



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33 

seheneren unter den deutschen Städten. Die Gunst, welche 
der Todtenstadt der deutschen Kaiser von diesen erwiesen 
worden war, im Vereine mit der Tüchtigkeit ihrer Bürger 
hatte dieselbe schon im zwölften Jahrhundert so hoch 
gestellt, dass Bernhard von Clairvaux, allerdings nicht ohne 
oratorische Uebertreibung, von ihr sagte, ihr Ruhm sei in der 
ganzen Welt. In den folgenden Jahrhunderten war die Bedeu- 
tung Speiers noch gewachsen. Der Venediger Botschafter 
Alois Mocenigo, welcher 1548 an den Senat seiner Vaterstadt 
über seme Beobachtungen in Deutschland berichtete, sagt in 
seiner Relation von den deutschen Städten, dass einige der- 
selben sehr reich und mächtig seien, und zählt dann unter 
den hervorragendsten Städten in Oberdeutschland neben Nürn- 
berg, Augsburg , Ulm , Strassburg, Frankfurt und Mainz auch 
die Stadt Speier auf. Ihre Bedeutung wuchs noch dadurch, 
dass seit 1527 das Reicliskammergericht und das Reichs- 
regiment, also die oberste gerichtliche und administrative 
Behörde des Reiches, in Speier ihren Sitz hatten, wo ersteres 
bis zur Zerstörung der Stadt im Jahre 1689, letzteres bis zu 
seinem bald nach 1531 erfolgten Aufhören verblieb. 

Es war eine nicht geringe Aufgabe für den Rath der 
Stadt, für den angekündigten Reichstag und namentlich für 
die Unterbringung der fürstlichen und anderen Besucher des- 
selben die nöthigen Vorbereitungen zu treffen. Denn wenn 
auch Speier eine für jene Zeiten bedeutende Stadt war, so war 
sie doch nach unseren heutigen Begriffen von nur bescheidenem 
Umfange. Die ausschweifenden Vorstellungen, welche über die 
damalige Grösse der Stadt von manchen jetzigen Bewohnern 
derselben gehegt werden, entsprechen der Wirklichkeit nicht. 
Die äussere Ausdehnung Speier's war nicht grösser, sondern 
eher etwas geringer, wie heute. Während Speier im Jahre 
1873 1538 Hauptgebäude und 1775 Nebengebäude zählte, wm-den 
bei einer vor dem Reichstage von 1542 von dem Ratbe ange- 
ordneten Zählung der Häuser der Stadt nur 812 für bewohnbar 
erklärt, imter ihnen nur 210 sogenannte Herrenhäuser, in 
welchen Betten und Pferdeställe zur Verfügung standen.^) 



*) C. Weiss, Gesch. der Stadt Speier. Speier 1876. S. 72. 

3 



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34 

Wenn nun auch diese Gebäude, wie heute noch aus den bei 
der vandalischen Zerstörung der Stadt im Jahre 1689 theilweise 
unversehrt gebliebenen ansehnlichen Fundamenten und Kellern 
zahlreicher Gebäude ersehen werden kann, zum grossen Theile 
stattlicher und geräumiger waren und namentlich mehr 
Stockwerke besassen;*) als dies jetzt durchschnittlich der 
Fall ist, so war es doch gewiss ein schwieriges Unter- 
nehmen, in einer Stadt von diesem geringen Umfange einen 
Reichstag aufzunehmen, bei welchem es sich um wochenlange 
würdige Unterkunft und Verpflegung der mächtigsten, sonst in 
geräumigen Schlössern residirenden Fürsten mit glänzendem 
Gefolge handelte. Nahmen doch an dem Reichstage von 1529 
König Ferdinand und fünf andere Kurfürsten, ein weiterer 
Erzbischof und noch 10 Bischöfe nebst 12 anderen theilweise 
mächtigen Herzogen und Pfalzgrafen, also im Ganzen 29 
Füi'sten mit einem bei Einzelnen nach Hunderten zählenden 
Gefolge Theil, neben denen noch viele Prälaten, Reichsgrafen 
und Freiherren, die Botschafter der nicht persönlich erschienenen 
Fürsten und Stände, sowie fast aller Reichsstädte untergebracht 
werden mussten. Da auch die Letzteren ausnahmslos Diener 
und Pferde bei sich hatten,*) so ist es gewiss keine übertriebene 

^) Die Häuser der Städte Speier und Worms müssen im 16. 
Jahrhundert eine ansehnliche Höbe gehabt haben, wenn sie Caspar 
Bruschius bei der Beschreibung seiner Reise durch Deutschland um 
1550 zu dem Worte Anlass geben (s. Gasp. Brusch. Chronologia 
monast. Germ. ill. Norimb. 1682. p. 709): 

Inde et Vangionum Nemetumque accessimus urbes, 
Tangentesque harum Sidera pene domos. 

^ Die von Dr. Barack herausgegebene Zimmer'sdbe Chronik (Bibl. 
des liter. Ver. in Stuttgart, Band 91—94. Tüb. 1869) schildert in 
Band 3,S.429 in ergötzlicher Weise das Aufsehen, welches es unter den 
Beichsständen machte, als der einfache Bijrgermeister des Reichsstadt- 
chens Buchau 1542 zu Fuss und ohne Dienerschaft reiste und also „per 
pedes geen Speir yff den reichstag geritten" kam. Man nannte ihn dess- 
halb spottweise den Apostel. Die gedachte Chronik erzählt uns auch 
sonst, besonders in Band 3 und 4, viele für die Sittengeschichte äusserst 
interessante Züge aus dem Leben, welches in den Jahren von 1529 bis 
zur Mitte des 16. Jahrh. die Mitglieder des Kammergerichts und 
andere vornehme weltliche und geistliche Herren in Speier führten. 



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i6 

Schätzung, wenn man die Zahl der ausser den Fürsten aufzuneh- 
menden Herren von Adel und gelehrtem Stande auf 500, die 
der Diener, reisigen und anderen Knechte auf mindestens 1500 
veranschlagt, Hiezu kam noch eine grosse Zahl von Geschäfts- 
leuten, Supplieanten und Neugierigen, welche aus Anlass eines 
Reichstages zusammenströmten. Werden doch allein aus der 
ziemlich entl^enen und wenig bedeutenden Stadt Nördlingen 
acht Personen namhaft gemacht, welche während des Reichstages 
theils vorübergehend, theils bleibend sich in Speier aufhielten. 
Heute wäre es kaum ausführbar, einer solchen Zahl 
vornehmer Gäste für längere Zeit entsprechende Unterkunft in 
Speier zu beschaffen. Doch auch in jenen Tagen Hess es sich 
nur dadurch ermöglichen, dass die Ansprüche, welche selbst 
den besseren Ständen Angehörende zumal bei derartigen 
Gelegenheiten auf Bequemlichkeiten machten, ungleich geringer 
waren, als gegenwärtig. Wenn es nicht anders ging, so Hessen 
es sich damals auch Gebildete gefallen, ein Schlafzimmer mit 
vielleicht zehn bis zwölf Personen zu theilen. Ja selbst daran 
nahm man keinen besonderen Anstoss, mit einem wildfremden 
Menschen nöthigenfalls in einem Bette zu schlafen. Erzählt 
uns doch der Geheimschreiber und Gesandte des Pfalzgrafen 
Friedrich, Leodius, dass er, der von dem Kaiser wohlauf- 
genommene Botschafter eines angesehenen Fürsten, bei seiner 
Anwesenheit am kaiserlichen Hofe in Piacenza im October 
1529 froh war, daselbst endlich einen Wirth zu finden, bei 
welchem er in einem mit sechs Betten belegten Zimmer mit 
einem völlig Unbekannten das Bett theilen konnte. Freilich 
wurde es ihm äusserst unbehaglich, als er nachträglich 
inne ward, dass sein Schlafkamerad ein Raubmörder war, 
welcher, als Leodius bereits ein anderes Nachtquartier gefunden 
hatte, in der Meinung, Jener sei noch sein Bettgenosse, den 
Nachfolger desselben ermordete imd beraubte. ') Dass auch 
in Speier während der Reichstage ein Gastzimmer häufig, ja 
in der Regel von mehreren Gästen und ein Bett von zwei 
Personen belegt war, geht aus der vom Rathe für die Zeit des 
Reichstages festgestellten »Taxirung der Wirthe und Gastgeber« 



Leod. 137 f. 

3* 



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36 

hervor, in welcher zweischläfrige Betten als Regel vorausgesetzt 
werden. Aber auch bei aller Einschränkung der Bedürfnisse 
der Gäste, sowie der Bürger der Stadt, welche die von ihnen 
selbst benützten Zimmer auf das Aeusserste reducirten, ja 
wenn ein mächtiger Fürst ihre Wohnung zur Herberge für 
sich oder sein Gefolge begehrte, dieselbe freiwillig oder unfrei- 
willig ganz räumten, war es nur bei der genauesten Ordnimg 
möglich, für alle Gäste entsprechende Quartiere zu finden. Die 
im Jahre 1526 bestehenden Verhältnisse hatten sich gewiss in 
der Zwischenzeit in dieser Hinsicht nicht geändert. Damals 
aber schrieben die Gesandten des Bischofs von Bamberg an 
ihren Herrn von Speier aus, wenn er den Reichstag noch 
besuchen wolle, so müsse er schleunigst Quartiere für sich 
bestellen lassen; denn die Herbergen seien hier etwas klein 
und nicht so leicht wie in Augsburg und Nürnberg zu be- 
kommen. ^ Und Markgraf Ernst von Baden klagte in demselben 
Jahre in einem Schreiben an den Rath von Speier ^), es sei 
seinem Diener trotz allen Bemühungen nicht gelung^i, für 
ihn auf den Reichstag eine Wohnung zu finden. 

Darum stellte der Rath der Stadt vor dem Reichstage 
besondere Commissionen auf, welche alle Häuser und Stallungen, 
auch die Betten zu besichtigen und diejenigen Quartiere zu 
bestimmen hatten, in welchen Fürsten untergebracht werden 
konnten. Den Bürgern aber wurde imtersagt, irgend eine 
Herrschaft ohne vorausgegangene Anzeige bei den Bürger- 
meistern in ihre Häuser aufzunehmen. Wer Stallung hatte, 
musste sie in Stand setzen und zur Verfügung stellen. Den 
Besitzern von Scheuem wurde befohlen, etwa noch ungedroschene 
Frucht dreschen zu lassen und die Scheunen zu räumen, damit 
sie ebenfalls als Stallungen verwendet werden könnten. Zudön 
sorgte der Rath, wie ein desshalb an den Markgrafen von 
Baden gerichtetes Schreiben ausweist, dafür, dass aus dem 
Schwarzwalde ausreichendes Bauholz nach Speier geflösst wurde, 



^) K. b. Kreisarchiv Bamberg in einem die bischöfl. Bam- 
bergische Beichscorrespondenz von 1520 bis 1540 enthdtenden 
Bande. Fol. 162. 

^) Archiv der Stadt Speier. Fase. 156. 



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87 

mit welchem dami hölzerne Nothstallungen, sowie wohl auch 
Baraken zm* Aufnahme von Fremden, die' in den Häusern nicht 
unterkommen konnten, errichtet wurden. In den Gasthöfen 
fanden nur die wenigsten Reichstagsbesucher Unterkunft. Die 
grosse Mehrzahl derselben wohnte in Privathäusern, wo sie 
auch meistens ihre Verpflegung nahmen.^) 

Mit der Vorsorge für die nöthigen Wohnungen hing die 
Verproviantirung der Stadt zusammen, für welche umfassende 
Vorkehrungen getroffen wurden. Zwar waren auch die Fürsten 
selbst bemüht, für ihr Gefolge das Nothwendige herbei- 
zuschaffen, wie z. B. der Bischof von Würzburg ein ganzes 
Schiff mit Proviant nach Speier sandte. ^) Ebenso waren ohne 
Zweifel die Speierer Handelsleute darauf bedacht, dass sie 
reichlichere Vorräthe als in gewöhnlicher Zeit zur Verfügung 
hätten. Doch konnte, wenn nicht am Ende dennoch unter Um- 
ständen Mangel eintreten sollte, auch der Rath der Stadt sich 
der Verpflichtimg nicht entziehen, auf die Herbeischaffung des 
Nothwendigen seine Aufmerksamkeit zu richten. Namentlich 
musste für mindestens 2000 Pferde gesorgt werden, welche die 
Fremden mitbrachten. Darum liess der Rath durch seine 
Kormneister 800 Malter Hafer einkaufen, welche theils den 
Fürsten bei ihrem Einzüge als Ehrengeschenk überreicht, 
theils wieder verkauft werden sollten. Ebenso wurde für einen 
ansehnlichen Mehlvorrath Sorge getragen, um auch für den 
Fall vorgesehen zu sein, dass wegen kleinen Wassers auf den 
Bachmühlen nicht gemahlen werden könnte. Auf Rechnung 
der Elendherberge und des Gutleuthauses wurden 62 Fuder guten 



^) So nahmen z. B. die Gesandten von Nördlingen nur in der 
ersten Nacht nach ihrer Ankunft ihre Wohnung in dem Wirths- 
haase znr Krone and zogen dann zu dem Protonotar des kaiser- 
lichen Kammergerichts, Caspar Hammerstetten. Beilage 12. Auch 
der Memminger Gesandte Ehinger wohnte und ass in einem Privat- 
hause, ürk. d. schw. B. IE, 337. Dass überhaupt die Gesandten 
der Reichsstädte bei Beichs- oder Städtetagen zu Speier in der 
Begel Privatwohnungen hatten, erhellt aus den in Fascikel 167, 
Nnm. 7 des Speierer Stadtarchivs aufbewahrten Bechnnngen reichs- 
städtischer Gesandten ILber die Kosten ihrer Verpflegung. 

*) S. Beilage 35. 



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88 

Gebirgsweines angekauft, über welche der Rath zu verfugen 
hatte. Den Bäckern, Metzgern und Fischern wurde streng- 
stens anbefohlen, während des Reichstages reichliche Vorräthe 
an Weiss- lind Roggenmehl, an gutem Rind- und anderem 
Fleische und an Fischen aller Art zu halten. Bäcker, welche 
es in dieser Zeit an den nothwendigen Vorräthen fehlen Hessen, 
sollten nicht nur bestraft werden, sondern es sollte ihnen auch 
»zu ewigen Tagen« untersagt sein, in Speier zu backen. * 

Die grösste Fürsorge wurde den VicttMlienmärlUen aller 
Art zugewendet. Während sonst die Speierer Märkte von 
auswärtigen Verkäufern nur mit Beschränkung besucht werden 
durften, wurden jetzt Fremde nicht nur zum Besuche der 
Märkte zugelassen, sondern sogar ausdrücklich aufgefordert. 
Auf das genaueste wurde verordnet, wo die einheimischen 
und fremden Bäcker, Metzger und Fischer ihre Waare feil 
halten sollten; für den Markt von Gemüse, Wein, Holz, Heu 
und Stroh, von Vieh, von Obst und Getreide wurden besondere 
Plätze bestimmt, wobei zu den herkömmlichen Marktplätzen 
theilweise noch andere hinzutraten, damit ja auch bei starker 
Befahrung der Märkte die nothwendigen Räume nicht fehlten. 

Wie der Rath der Stadt so für Beschaffung einer genügen- 
de Menge von Nahrungsmitteln aller Art sorgte , so traf er 
auch Massregeln gegen die üebervortheilung der Fremden. Er 
bedurfte dazu nicht erst einer ausdrücklichen Auflfordwung, 
wie sie König Ferdinand vor dem Reichstage von 1542 aus 
Prag an den Rath von Speier richtete.^) Zu diesem Zwecke 
wurde nicht nur aller Vorkauf durch Zwischenhändler auf den 
Märkten strengstens untersagt, sondern es wurden auch, wie 
bereits 1526, genaue Taxen festgesetzt, an welche die Schlächter, 
sowie die Wirthe und Gastgeber sich zu halten gebunden 
waren. Trotzdem klagten die Gesandten des Bischofs von 



^) In einer Zuschrift aas Prag vom 7. Dec. 1541 beauftragt 
König Ferdinand den Bath der Stadt, „ Ordnung furzunemen, das 
in dem getrankb vnd andern Essenden Pherberten ein leidlich mass 
gehalten vnd . . . . nit zugesehen oder gestattet werde, die Frembden 
mit hoher oder vnpillicher Schätzung zu vberladeu oder zu besweren.** 
Stadtarchiv Speier, Fascikel 156. 



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39 

Bamberg 1526: »denn es ist alle Ding hie gantz und sonderlich 
die zerung theüer.c Einen Begriff aber von dem, was man 
damals theuer nannte, 'erhalten wir, wenn wir hören, dass eine 
Mahlzeit von zweierlei Fleisch mit allem Zubehör und einerlei 
gutem Wein nicht über sechs Kreuzer, eine solche von dreierlei 
Fleisch mit zweierlei Wein nicht mehr als acht Kreuzer kosten 
durfte. Für ein »zweituchiges Herrenbett, in dem zwei liegen 
mögen«, durften höchstens drei Kreuzer, für ein »Lotterbett« 
aber nur ein Kreuzer für die Nacht berechnet werden. Das 
von den Wirthen bei solchem Anlass den Gästen Gebotene 
war offenbar reichlich und gut. Wenigstens schreibt Spalatin 
von dem Beichstage von 1526, sein gnädiger Herr, der Ghur- 
fürst von Sachsen, habe ihm und den andern 700 Personen, 
welche er zu Speier speiste, »wahrlich überschwenklich gütlich 
gethan.« ^) Und der Memminger Beichstagsgesandte Joh. 
Ehinger schreibt am 15. März 1529, er esse zu Hause; denn 
im Wirthshause möchte sich einer an Fischen und dergleichen 
Speisen wohl krank essen. ^) 

Unter solchen Umständen ist es erklärlich, wie es der 
sparsame und strenge Graf Wilhehn von Henneberg seinem 
Sohne, dem Grafen Berthold zum ernsten Vorwurf machen 
konnte, dass derselbe auf dem Augsburger Beichstage von 
1530 mit 5 Pferden in 6 Wochen mit 100 fl. nicht ausgekommen 
sei, obwohl er bei dem Kurfürsten Johann von Sachsen Futter 
und alle Nothdurft voraus habe. Hatte doch Graf Wilhelm 
selbst bei dem Speierer Beichstage von 1526 mit 12 Pferden 
in 10 Wochen nur 340 fl. gebraucht und dabei noch seinen 
Sohn, den Coadjutor von Fulda, bei sich gehabt imd mit diesem 
»ein ehrlich Wesen mit viel Gastunng ehrlicher Leute gehabt.« •) 



^) Spalatini Annales in J. B. Menckenü Scriptores remm 
Germanicaram. Lips. 1728. tom. U. S. 661. 

«) Urk. d. schw. B. 337. 

^ 8. 0. Brückner, Graf Wilhelm von Henneberg nnd der 
Reichstag in Augsburg in den neuen Beitr. zur Gesch. deutschen 
Alterthuais. 3. Lief. Meiningen 1867. S. 136. Auf dem Beichstage 
zu Augsburg 1525 verzehrte der bischöfl. Bambergische Gesandte 
mit 9 Pferden und Bedienten in 7 Wochen 180 Gulden. S. Jäck, 
Gesch. von Bamberg. 251. 



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40 

Aber auch die Wirthe vermochten bei solchen Preisen 
recht wohl zu bestehen. Denn keinenfalls waren die Fleisch- 
taxen 1529 höher, als 1544, wo die für die Zeit des Reichstages 
von dem Rathe festgesetzten Preise für eine Mahlzeit bereits 
von 6 auf 10 Kreuzer gestiegen waren. Damals aber waren 
die Schlächter das Pfund gutes Mastochsenfleisch zu 6 Pfennig 
oder Vli Kreuzer, die meisten anderen Fleischsorten zu 5 
Pfennig zu verkaufen gehalten. ^) 

Die vorsorgenden Massnahmen des Rathes betrafen weiter 
die öffentliche Sicherheit, namentlich in Feuersgefahr. Den 
fremden Gästen wurde bei späteren Speierer Reichstagen durch 
kaiserliche Verordnung grosse Vorsicht mit Licht und Feuer 
empfohlen. Den Thurmwächtern auf dem Dome und Altpörtel 
wurde doppelte Wachsamkeit zur Pflicht gemacht, die Nacht- 
wachen verstärkt und aufs genaueste bestimmt, was bei etwa 
entstehendem Feuerlärm zur Aufrechthaltung der Ordnung, 
sowie zur Löschung des Feuers zu geschehen habe. Schlitten 
mit grossen, gefüllten Wasserzubern sollten bereit gestellt 
werden und die ersten mit Wasser auf der Brandstätte 
ankommenden Personen eine Geldbelohnung erhalten. Die 
Feuerhacken, Fackeln, Eimer, Leitern und Löschgeräthe sollten 
in Ordnung gehalten sein und durch die Barfüsser und 
Predigermönche mit den andern zum Löschen bestimmten 
Personen ohne Verzug auf die Brandstätte gebracht werden. 
200 wohlgerüstete Bürger sollten sofort beim Sturmläuten 
mit ihren Gewehren bei der neuen Stube (dem jetzigen 
Rathhause) sich versammeln und dort weitere Befehle erwarten. 
Alle Zimftgenossen sollten in den dazu bestimmten Zunftstuben 
zusanunenkommen, alle fremden Gäste aber, sowie die ein- 
heimischen Dienstleute ihre Häuser nicht verlassen. Dazu 
sollten die Stadtthore geschlossen und auf diese Weise jede 
Ausbeutung etwa ausbrechenden Feuers zur Störung der 
Ordnung durch fremdes Gesindel verhütet werden. 

Auch sonst wurde Alles gethan, um jede Unordnung m 
verhüten. Die Bürger, welche die Bürgermeister in der Hand- 



*) 8. die betr. gedruckte Polizeiverordnung in den Akten des 
Beichstags von 1544. Speierer Stadtarchiv, Fa8cikel 171. 



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• ^1 

habung der Ordnung unterstützen sollten, wurden genau 
bestimmt, und allen Inwohnern ernstlichst durch den Rath 
befohlen, sich gegen Jedermann, besonders gegen alle fremden 
Herrschaften »züchtiger Rede, ehrbaren Wesens bescheidentlich 
zu halten.« 

Aehnliche Ermahnungen gingen wenigstens bei späteren 
Reichstagen in Speier von Seiten des Kaisers oder seines 
Stellvertreters an alle Reichstagsbesucher, denen durch wohl 
in der Stadt öffentlich angeklebte kaiserliche Verordnungen 
nachdrücklich eingeschärft wurde, sich friedUch imd geleitlich 
zu halten, keinen Rumor oder Schlägerei anzufangen, bei Zeiten 
in den Herbergen zu sein und auf den Gassen keinerlei Unruhe 
oder Geschrei zu machen, des Nachts nur mit Laternen über 
die Strasse zu gehen und sich alles ungebührlichen und 
betrüglichen Spieles zu enthalten. Schalksnarren, Spielleute 
und andere »leichtfertige Leute« oder »Freiharten« durften 
sich Niemand aufdrängen. 

Die Fürsorge des Rathes erstreckte sich ferner darauf, 
dass die Stadt in ihrer äusseren Erscheinung sich würdig 
repräsentire. Darum stellte derselbe für die Zeit des Reichs- 
tages Missstände ab, welche zu anderer Zeit geduldet wurden. 
So ordnete er an, dass alle »Wasser- und Küchenkändel«, die 
von oben herab in die offene Strasse gingen, unter die Erde 
^ geführt würden. Es wurde verboten, Borde oder Verkaufs- 
gegenstände der Höcker auf die Strasse zu stellen. Alle Un- 
sauberkeiten, welche sonst einfach in den Bach geschüttet 
vnirden, sollten jetzt aus der Stadt gefülui: werden. Die 
Schweinställe der Bäcker und Fischer sollten aus der Stadt in 
die Vorstädte verlegt werden, »geschmacks imd Unsuberkeit zu 
verhüten«. 

Auch sonst wurde für eine würdige Repräsentation der 
Stadt Sorge getragen. Zu diesem Behufe mussten die Bürger 
ihre Harnische und Gewehre, wie die dazu gehörende Tracht 
in Ordnung bringen, um nicht nur bei Geßlhrdung der öffent- 
lichen Ruhe ihren Dienst zu thun, sondern auch bei dem Ein- 
züge der Fürsten Ehrendienste zu leisten. Die städtischen 
Geschütze wurden bereit gehalten und eine Anzahl von Bürgern 
zu ihrer Bedienung bestimmt. Endlich wurden die herkömm- 



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42 

liehen Ehrengeschenke beschafft, welche dem Könige, sämmt- 
liehen Fürsten und den Gesandten der Städte bei ihrem Einzüge 
von der Stadt überreicht wurden. ^) 

Unter solchen Vorbereitungen des Rathes und ähnlichen 
Seitens der Bürger sahen dann die Bewohner von Speier ohne 
Zweifel mit nicht geringer Spannung dem Termine entgegen, 
welcher in dem Reichstagsausschreiben für die Eröffnung der 
grossen Versammlung bestimmt war. 

Schon vor diesem Tage aber zeigte sich ein ungewohntes 
Leben in der Stadt, Den öffentlichen und Privatgebäuden war 
ein schmuckeres Aussehen gegeben, die hölzernen Nothbauten, 
Stallungen und Garküchen waren vollendet und an die zur 
Aufnahme der Gäste bestimmten Quartiere wurde die letzte 
Hand gelegt. Die Märkte wurden reichlicher als sonst befahren. 
Geschäftsleute und Supplicanten kamen in immer grösserer 
Zahl von allen Seiten herbei. Auch allerlei verdächtiges 
Gesindel Hess sich blicken, fahrende Spielleute, Schalksnarren, 
Zigeuner, um theils gegen Lohn ihre zweifelhaften Künste zu 
üben, theils in anderer Weise bei dem bevorstehenden Zusammen- 
flusse von Menschen ihren Vortheil zu suchen. Nachdem 
schon früher die Marschälle und Furiere der den Reichstag 
besuchenden Fürsten nach Speier gekommen waren, um im 
Einvernehmen mit dem Rathe für ihre Herrschaften Quartiere 
zu bestellen, fanden sich nun die Küchenmeister und Einkäufer 
derselben ein, um ihre Massnalunen zu treffen, damit die Fürsten 
bei ihrem bevorstehenden Einzüge Alles vorbereitet fanden. 

6. Der Einzug der Ffirsten und Beiohstagsgesandten. 

Trotz der in dem Ausschreiben enthaltenen ernsten Er- 
mahnung zu rechtzeitigem Erscheinen fehlte doch viel dazu, 
dass der Reichstag an dem bestimmten Termine hätte eröffnet 
werden können. Die Unsitte, bei solchen Veranlassungen zu 



^) 8. zu der ganzen oben gegebenen Darstellung die betreffende 
Polizeiverordnnng in dem Speierer Stadtarchive, Fascikel 169. Die- 
selbe hat nach Form und Inhalt viele Aehnlichkeit mit der von Lünig 
(Reichsarcbiv, part^ general. contin.p. 641 ff.) veröffentlicbten „Ordnung 
und Satsnng auf dem Eeichstage zu Begensbnrg Anno 1541 gehalten.^ 



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43 

spät zu kommen, war in den Reichsständen viel zu tief ein- 
gewurzelt, als dass man jene Mahnung nach ihrem Wortlaute 
aufgefasst hätta Indessen bewirkte jene Clausel immerhin 
eine Beschleunigung gegen früher, indem diesmal der Reichstag 
doch 22 Tage nach dem bestimmten Termine eröffnet werden 
konnte, während bei dem auf den I.Mai 1526 ausgeschriebenen 
vorigen Speierer Reichstage die Verhandlungen erst am 25. 
Jimi, also fast acht Wochen später begonnen worden waren. 
Bei späteren Gelegenheiten fiel man jedoch wieder in den alten 
Missbrauch zurück. Schon der im folgenden Jahre in Augs- 
burg gehaltene berühmte Reichstag nahm z. B. statt am 1. Mai 
erst am 20, Juni seinen Anfang und auch die 1544 zu Speier 
tagende Reichsversammlung wurde statt am 10. Januar erst 
am 21. Februar eröffnet. 

Der erste von allen in Speier einziehenden Fürsten war 
König Ferdinand, Wie schon aus den bereits erzählten Ver- 
handlungen mit den rheinischen Kurfürsten über die Malstatt 
des Reichstages hervorgeht, war es demselben sehr darum zu 
thun, dass die Fürsten möglichst vollzählig und frühzeitig in 
eigener Person in Speier erschienen. Er wendete sich desshalb 
von Innsbruck aus, wo er am 6. Januar angekommen war, 
theils schriftlich, theils durch besondere Abgesandte an eine 
Reihe von Fürsten und wies darauf hin, dass er, obwohl seine 
Anwesenheit in seinen Landen jetzt dringend geboten wäre, 
sich dennoch unter Hintansetzung der Bedürfnisse seiner Erb- 
lande in seine oberösterreichischen Länder begeben habe, um 
an dem bestimmten Termine zur Eröffnung des Reichstages in 
Speier zu erscheinen. Mit Berufung darauf richtete er dann 
an jene Fürsten das dringende Begehren, doch ebenfalls zu 
rechter Zeit und in Person den Reichstag zu besuchen. Solche 
Zuschriften des Königs ergingen, alle aus Innsbruck vom 13. 
Januar datu-t, an den Bischof von Würzburg und an die Pfalz- 
grafen Otto Heinrich und Philipp von Neuburg, sowie an 
Pfalzgfaf Ernst, Bischof von Passau. Vom gleichen Tage ist 
die Instruction an. Graf Hoyer von Mansfeld, welcher im Auf- 
trage des Königs mit demselben Anbringen zu dem Kurfürsten 
von Sachsen kommen sollte. Derselbe entledigte sich dieses 
Auftrages jedoch nicht persönlich, sondern durch einen Herrn 



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44 

Philipp von Eberstein, welcher erst am 19. Februar, zwei Tage 
vor dem bestimmten Eröfl&imigstermine, in Weimar eintraf. 
Bei den Herzogen Wilhelm und Ludwig von Baiem war im 
Auftrage Ferdinands der Cardinalerzbischof von Salzburg 
zweimal erschienen und brachte es dahin, dass sie beide ver- 
sprachen, den Reichstag in Person zu besuchen. Dass ausser 
an diese auch noch an andere, vielleicht alle hervorragenden 
Fürsten dasselbe Begehren des Königs gerichtet wurde, ist 
kaum zu bezweifeln. ^) 

Aber auch König Ferdinand traf nicht rechtzeitig in 
Speier em. Erst Mitte Februar befand sich der Kammerfurier 
desselben dort und stellte an den Rath der Stadt das Begehren, 
zu gestatten, dass von der Wohnung des Königs eine Thüre 
durch die Stadtmauer gebrochen werde, damit derselbe einen 
Ausgang in emen Garten und in das Freie gewinne. Der Rath 
schlug dies Begehren aber ab und entschuldigte sich bei dem 
Könige mit semer Rücksicht auf die Consequenzen und auf die 
dann gefährdete Sicherheit der Stadt, worauf der König in 
eigener Zuschrift an den Rath erklärte, dass er auf seinem 
Begehren nicht bestehen und dem Rathe gnädig bleiben wolle. ■) 
König Ferdinand selbst brach erst an dem zum Anfange des 
Reichstages bestimmten Tage von Innsbruck aus nach Speier 
auf. Sein Gefolge, welches bei dem Reichstage von 1526 aus 



^) Die Instraction ftir den Grafen von Mansfold und Antwort 
des Kurfürsten von Sachsen ist abgedruckt bei J. J. Müller, Eist. 
V. d. ev. St. Protest 448 fif. Müller bezieht dieselbe irrthümlich auf 
den Beichstag von Augsburg ip Folge einer Nachlässigkeit, welche 
jedenfalls darin ihre Erklärung findet, dass das betr. Aktenstück 
in dem Archive durch ein Versehen in den den Beichstag zu 
Augsburg behandelnden Fascikel gelegt wurde. Die andern Schrei- 
ben finden sich in dem Würzburger Kreisarchive (Reichstagsakten 
Band 13) und dem k. bider. geh. Staatsarchive (Pfalz-Neuburger 
Akten ^^^/a, herzoglich baier. Akten ^^^/s). Die Mission des Erz- 
bischofs von Salzburg ist erwähnt in der Relation Fleckensteins 
über den ülmer schwäbischen Bundestag. 

^ Die Correspondenz hierüber befindet sich in dem städtischen 
Archive zu Speier (Fase. 169) und ist abgedruckt in F. X. Bemling, 
der Retscher zu Speier. Erstes Heft. Speier 1858. S. 97 f» 



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46 

600 Berittenen bestanden hatte, war diesmal nur halb so 
gross. Sein Geldmangel, welchem auch die Anleihe bei 
Fugger nicht abgeholfen hatte, mochte ihn veranlassen, 
diesmal nur mit 300 Pferden zu reisen. Ueber Reutte, 
Kempten und Meramingen, wo er am 23. Februar verweilte, zog 
Ferdinand Tags darauf nach Ulm. Hier liess er die eben 
tagende Versammlung des schwäbischen Bundes vor sich 
bescheiden und ersuchte dieselbe noch persönlich, das Ansinnen 
seiner Gesandten, welche um eine »ganze Hülfec des Bundes 
nachsuchen sollten, in Anbetracht der »geschwinden Läufe« zu 
gewähren. *) 

Seinen Einritt in Speier hielt König Ferdinand am 
Donnerstag nach Oculi, dem 4. März, elf Tage nach dem im 
Ausschreiben bezeichneten Eröflfhungstermine. Eine feierliche 
Eänholung , wie dieselbe von der Stadt den Kaisern und 
römischen Königen bereitet zu werden pflegte, fand damals, 
da Ferdinand noch nicht römischer König war, nicht statt ^) 
Dagegen zogen dem Könige als dem kaiserlichen Statthalter 
die Mitglieder des Reichsregiments entgegen und empfingen 
ihn am Gestade des Rheines. In seiner Begleitung befanden 
sich ausser den wohlgerüsteten Reisigen und zahlreichem 
niederem und höherem Hofgesinde Bischof Bernhard von 
Trient imd der Statthalter von Würtemberg, Freiherr Georg 
Truchsess von Waldburg. Der Frankfurter Reichstagsgesandte 
berichtet ausdrücklich, dass König Ferdinand bei seinem Einzüge 
nicht, wie in Frankfurt die Rede gegangen war, die königliche 



^) S. die erwähnte Relation Fleckensteins über den Ubner 
Bundestag in dem k« b. geb. Staatsarchive. Ueber Ferdinands 
Aufenthalt in Memmingen vergl. Keim, schw. Reformationsgesch. 86. 

^ Noch als Ferdinand unmittelbar nach seiner Krönung zum 
römischen Könige am 24. Januar 1581 in Speier seinen Einscug hielt, 
empfing ihn der Rath weder im Felde, noch an den Stadtthoren 
und trug ihm auch die Schlüssel der Stadt nicht entgegen. Aus- 
drüoklich wird in der in dem Speierer Stadtarchive (Fase. 152) 
darüber vorhandenen Relation bemerkt, dass man das nicht für 
nothwendig erachtete, weil die Stadt Speier dem Künige Ferdinand 
noch nicht geechworen hatte. 



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46 

Krone getragen hatte.*) In seiner Wohnung angekommen, 
wurden ihm von den vom Rathe der Stadt hiezu Verordneten 
die herkömmlichen Ehrengeschenke dargebracht, welche wohl 
auch bei diesem Reichstage, wie 1526, aus einem Fuder Wein, 
40 Malter Hafer und 2 Rheinsalmen bestanden. ^) 

Als Ferdinand in Speier eintraf, fand er nodi sehr wenige 
Reichsstände daselbst. Von Fürsten war, wie bemerkt, noch 
nicht ein einziger eingezogen ; aber auch von den Botschaftern 
waren nur wenige angekommen. Die Gesandten des Bischofs 
von Würzburg, welche am 24. Februar, drei Tage nach dem 
bestimmten Termine, nach Speier kamen, trafen niu- einen 
einzigen Reichstagsgesandten, Christoph Tetzel von Nürnberg, 
anwesend, welcher seit dem 19. Februar in Speier verweilte. 
Am 25. Februar traf der Kanzler des Kurfürsten von Mainz, 
Caspar von Westhausen ein; ihm folgten am nächsten 
Tage die Gesandten der Stadt Nördlingen, sodann die von 



^) Schreiben Fürstenberg's an Frankfurt vom 12. Mftrz. 
Seckendorf S. 949 und nach ihm unter Anderen Dr. Ebrard in 
seiner kurzen Geschichte des Reichstages von Speier (in dem Betscher- 
Almanacb. Gotha 1858) nimmt irrthümlich den 5. März als Tag des 
Einzugs des Königs Ferdinand an. 

') Aus der Polizeiverordnung von 1529 gebt nur hra^or, dass 
auch bei diesem Reichstage an den König, die Fürsten und Stände 
die Ehrengeschenke der Stadt überreicht werden sollten. Die ent- 
sprechende Verordnung von 1526 bestimmt für Erzherzog Ferdinand 
die oben bezeichneten Gaben ; jeder Kurfürst sollte Va Fuder Wein, 
80 Malter Hafer und einen Salm erhalten, den Botschaftern eines 
Kurfürsten oder anderen Fürsten, den PiHlaten und Grafen des 
Reichs sollte je Va Ohm Wein verehrt werden. Den Botscbaftem 
der Städte sollte ebenfalls das herkömmliche Geschenk dargebracht 
werden, welches indess in jener Verordnung nicht näher bestimmt 
ist. Fase. 169 des städtischen Archives in Speier. Als Ferdinand 
1531 als römischer König nach Speier kam, wurden die Geschenke 
für denselben auf 2 Fuder Wein, welche 58 Gulden kosteten, und 
50 Malter Hafer erhöht, und ihm ausserdem noch ein „silbern 
verdeckt vsswendig vnd inwendig verguldt" im Werthe von 85 
Gulden überreicht. Auch die Beamten und Diener des Königs er- 
hielten damals Geschenke an Geld von 1 bis 6 Gulden. Fase. 152. 



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47 

Goslar, von Weissenburg in Franken und andere. Die Mehr- 
zahl der Reichsstände kam indess*erst nach König Ferdinand 
in Speier an. 

Von nun an aber kamen von allen Seiten die Reichstags- 
gesandten in immer grösserer Zahl, und auch die Fürsten, 
welche die Reise nicht schon früher angetreten hatten, machten 
sich nunmehr auf den Weg. Fast taglich fand der feierliche 
Einzug irgend eines Fürsten statt, wobei die strengste Etikette 
beobachtet wurde. 

Es war bei Reichstagen Herkommen, dass die Fürsten 
zu Pferde in die Stadt einzogen; dies wurde so strenge ein- 
gehalten , • dass 1544 Graf Wolfgang von Barbi, als es ihm 
wegen ünpässlichkeit unmöglich war, in Speier wie die übrigen 
dmwr eiterig es sich besonders ausbitten musste, in einem mit 
4 Pferden bespannten, behängten Wagen seinen Einzug halten 
zu dürfen.*) Den später ankommenden Fürsten ritten, wenn 
ihr bevorstehender Einzug bekannt geworden war, die früher 
in der Stadt erschienenen mit ihrem Gefolge entgegen und 
geleiteten sie in feierlichem Zuge nach der Stadt, so dass es 
an grossem Schaugepränge für die Neugierigen fast an 
keinem Tage fehlte. Wir haben über den Einritt der Fürsten 
aus dem Jahre 1529 zweierlei Nachrichten,^) denen wir 
Folgendes entnehmen. Dem Könige Ferdmand folgte am 7. März 
der Probst von Waldkirch und Bischof von Hildesheim, der 
aber keinen feierlichen Einritt hielt, so dass seine Anwesenheit 
erst etliche Tage nach seiner Ankunft bekannt wurde. 
Zwei Tage später kamen um 3 Uhr der Cardinalerzbischof 
von Salzburg und der Bischof von Augsburg, welche einen 
feierlichen Einritt hielten und von dem Könige , der ihnen 
entgegen geritten war, in die Stadt geleitet wurden. An dem- 
selben Tage kamen eine Stunde später ohne vorausgehende 
Meldung auch der Bischof Georg von Speier und sein Bruder, 
Pfalzgraf Friedrich an und ritten sofort vor die Herberge des 
Königs, der sie dort mit allen Ehren empfing. Tags darauf, 
am 10. März, Nachmittags zwei Uhr hielten die Herzoge 



Seckendorf 2252. 

^ S. Beilage 85 und 88. 



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48 

Wilheim und Ludwig von Baiem, sowie Pfalzgraf Ottheinrich 
ihren Einzug. Jene hatten ein glänzendes Gefolge von über 300 
Berittenen mitgebracht. König Ferdinand mit allen bereits 
früher angelangten Fürsten ritt ihnen vor die Stadt entgegen 
und geleitete sie in ihre Herbergen. Sogleich, nachdem dies 
geschehen war, ritten sie wieder zur Stadt hinaus, um die 
Erzbischöfe und Kurfürsten von Mainz und Köln in ihre Ab- 
steigquartiere zu begleiten, von denen Ersterer 200 wohlge- 
rüstete Pferde mit sich führte. 

Am 12. März ritt ausser dem Bischof von Bamberg, welcher 
um zehn Uhr »ungewamter Sachen« seinen Einzug hielt, Nach- 
mittags um ein Uhr Kurfürst Ludwig von der Pfalz em und 
wurde wie üblich von den Fürsten ausserhalb der Stadt 
empfangen und feierlich in die Stadt geleitet. Tags darauf 
kam Kurfürst Johann von Sachsen mit Fürst Wolfgang von 
Anhalt an, wobei er, wie er seinem Sohne schreibt, im Unter- 
schiede von den meisten andern Fürsten, auf den Landfrieden 
sich verlassend, keinen Harnisch führte. Auch ihm ritten 
König Ferdinand und die übrigen Fürsten entgegen und gelei- 
teten ihn in die Stadt Ueber sein Gefolge im Jahre 1529 ist 
uns nichts aufbewahrt. Dagegen hatte derselbe 1526 400 Pferde 
bei sich und damals während des Reichstags nach Spalatins 
Bericht, wie bemerkt, täglich 700 Personen zu versorgen. 

Inzwischen waren auch verschiedene Gesandte angekommen, 
so am 10. März der Abgeordnete von Memmingen, Tags darauf 
der von Frankfurt, am 12. März die Gesandten von Strassburg. 
Auch die Abgeordneten von Augsburg, Metz, Reutlingen, Rothen- 
burg a.T. und anderen, namentlich schwäbischen Städten kamen 
noch vor der Eröffnung des Reichstages in Speier an, und die 
Gesandten fast aller übrigen Stände folgten dann in kurzer Frist. 

Dienstag den 16. März, nachdem die Eröffiiungssitzung 
bereits stattgefunden hatte, zog Morgens Markgraf Philipp 
von Baden und Nachmittags ein Uhr der Deutschordensmeister 
Walther von Kronberg ein. Ihnen folgte Tags darauf der 
Kurfürst von Trier mit gewappnetem Gefolge, welchem nach 
dem Gebrauche wieder der König mit allen vorhergemeldeten 
Fürsten entgegenritt. Doch verzögerte sich seine Ankunft 
länger, als man vermuthete, so dass der König und die meisten 



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Fürsten nicht mehr im Felde auf ihn warten wollten und wieder 
heimkehrten. Nur der Kurfürst von Sachsen mit dem Fürsten 
von Anhalt harrte aus und geleitete ihn in die Stadt,' wo er 
ankam, als alle andern Fürsten mit ihrem Gefolge bereits 
abgesattelt hatten. König Ferdinand begab sich nun sofort 
zu Fuss in die Herberge des Trierer Kurfürsten, um ihn zu 
begrüssen und seine Umkehr zu entschuldigen. Tags darauf, 
am 18. März, kam Landgraf Philipp von Hessen an, »wohl 
gerüst mit zweihundert pferden, wol angethan mit hämisch, 
spyess und hauben, an Tross und Wagenpferd mit 8 Trom- 
mettem und ein hörbauken und zwölf Trabanten.c König 
Ferdinand war am Morgen dieses Tages bei Tagesanbruch auf 
die Jagd geritten und traf unterwegs zu dem Landgrafen. 
Da er aber auf denselben übel zu sprechen war, so begnügte 
er sich damit, ihn auf dem Felde zu empfangen, und ritt dann 
sogleich auf einem andern Wege in die Stadt, ohne ihm das. 
übliche Geleite zu geben. Nur der dem Landgrafen befreundete 
Kurfürst von Sachsen nebst dem Erzbischofe von Köln geleitete 
ihn in die Stadt. In den folgenden Tagen kamen dann 
noch am 30. März Herzog Heinrich der Jüngere von Braun- 
schweig und der Bischof von Strassburg, am 2. April der 
Coadjutor Von Fulda, am folgenden Tage Morgens Markgraf 
Georg von Brandenburg und Nachmittags der Bischof von 
Würzbm^ an, welcher seinen aus 120 Pferden bestehenden 
»reisigen Zeuge in Rheinhausen wieder umkehren Hess. Den- 
noch brachte derselbe noch ein Gefolge von 19 Adeligen und 
gelehrten Käthen ohne die niederen Diener nach Speier mit 
und hatte dort 10 Tische und darüber regelmässig zu speisen. 
Spater erschienen am 4. April der päpstliche Legat Graf Thomas 
Picus von Mbandula, am 12. Bischof Heinrich von Worms 
und Utrecht und Herzog Georg von Pommern, und zuletzt am 
20. April, kurz vor dem Schlüsse des Reichstages, die Herzoge Erich 
von Braunschweig, Ernst und Franz von Lüneburg, sowie Bischof 
Paulus von Chur. Bei diesen allen fand, wohl weil die mittlerweile 
im Gange befindlichen Geschäfte des Reichstages dies verhinder- 
ten, keine Einholung durch die übrigen Fürsten mehr statt. ^) 

^) Siebe die Beilagen 35 und 38. Die dort nicht enthaltenen 
Notizen sind ans Briefen von Beicbstagsgesandten entnommen. 

4 



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50 

Man kann sich denken, welch bewegtes Thun und Treiben 
sich von nun an in den Strassen der Stadt entfaltete. Sollen 
wir uns aber von diesem ein klares Bild machen, so werden 
wir noch einiger Aeusserlichkeiten gedenken müssen, welche 
zur Veranschaulichung desselben gehören. 

In einer Zeit, in welcher man auf die strenge Beobach- 
tung der freilich in andern Stücken ziemlich rohen Etikette 
so viel hielt, wie damals, machte die Kleidung der Fürsten 
selbst und ihrer Beamten und Diener ein wesentliches Stück 
der Repräsentation aus. Auf dem Reichstage zu Augsburg im 
Jahre 1530 trug z. B. König Ferdinand bei seinem Einritte 
einen glänzenden goldenen Wappenrock mit silbernem Tuch 
unterlegt und darüber zerschnitten. Die ihn und Kaiser Karl 
begleitenden Herren hatten sammetne und seidene Kleider 
angelegt, mit grossen goldenen Ketten, trugen aber keinen 
Harnisch, die Pagen endlich waren in gelbeft oder rothen Sammt 
gekleidet. Alle ritten auf den edelsten Rossen. Das Gefolge 
der Kurfürsten von Sachsen und von Brandenburg trug leder- 
farbene Kleidung ; die Leute der Erzbischöfe von Mainz und Köln, 
der Bischöfe von Würzburg und Speier waren in Roth gekleidet, 
die des Markgrafen von Brandenburg in Grün, des Deutsch- 
ordensmeisters in Schwarz, die des Bischofs von Eichstädt in 
Grau. Dabei waren natürlich die Nuancirungen der Farben, 
sowie die Embleme und Abzeichen, endlich der Schnitt der 
Kleidung verschieden, bei den einen nach deutscher, bei den 
andern nach welscher Manier. ^ 

Wenn uns auch über die Tracht der Fürsten und ihres 
Gefolges auf dem Speierer Reichstage keine derartigen Einzel- 
heiten ausdrücklich berichtet werden, so wurde es doch auf dem- 
selben ähnlich gehalten, wie aus einigen uns aufbewahrten Nach- 
richten mit Bestimmtheit geschlossen werden kann. Bedenken 
wir nun, dass das während eines Reichstages hier wogende 
Leben sich in den wenigen Strassen entfaltete, in denen sich 
der Hauptverkehr der Stadt noch heute bewegt, nämlich in 
der Maximiliansstrasse und zwar, da der Bach damals noch 
nicht überwölbt war, besonders auf dem eigentlichen Markte 



») Ranke III, 168 ff. Walch XVI, 862 und 870 ff. 



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zwisch«! Münze und Dom und dann etwa noch in der nächsten 
Umgebung des Doms, Rathhofs und Retschers, auf dem Bar- 
fusser Kirchhofe (bei dem jetzigen Burgerhospitale), am Weiden- 
berge, in der Wormser Strasse und vor dem Altpörtel, so 
kann man sich einen Begriff des bewegten Thuns und Treibens 
mach^i, welches Speier während der Zeit eines Reichstages in 
jenen Strassen das Gepräge einer Grossstadt aufdrückte. Dabei 
fand der lebendigste Verkehr nach allen Richtungen in Deutsch- 
land statt Zahlreiche Männer kamen aus entlegenen Gegenden 
des Reichs, um wenigstens etliche Tage auf dem Reichstage 
anwesend zu sein. Tag für Tag kamen reitende und andere 
Boten aus allen Gegenden an und gingen ab. Städte wie 
Strassburg imd Nürnberg sandten fast täglich reitende Boten 
hin und her; aber auch kleine Städte, wie Nördlingen und 
Dinkelsbühl scheuten die Kosten nicht, während eines Reichs- 
tages mehrmals eigene Boten hierher zu senden, um den Bot- 
schaftern ihre Instructionen zu überbringen und deren Briefe 
in Empfang zu nehmen. Ueberall in Deutschland und darüber 
hinaus war man, wie viele uns aufbehaltene Briefe beweisen, 
gespannt auf Nachrichten über die Berathimgen und Beschlüsse 
der grossen, zu Speier tagenden Versammlung. Ausser durch 
Privatbriefe wurden solche Nachrichten in dem ganzen Reiche 
auch durch gedruckte fliegende Blätter verbreitet. Wir geben 
in Beilage 38 den Abdruck eines solchen, sehr wenig sorg- 
faltig abgefassten fliegenden Blattes unter der Ueberschrift: 
Neue zeyttung von Speier, nach einem in der k. Hof- und 
Staatsbibliothek zu München vorhandenen Exemplare. 

6. Die BOT Majorität gehörigen Theilnehmer an dem 
Reichstage. 

Bevor wir dazu übergehen, die Verhandlungen des Reichs- 
tages selbst zu schildern, gedenken wir zum besseren Verständ- 
nisse derselben der bedeutenderen Fürsten und Staatsmänner, 
welche an der Versammlung theilnahmen. 

Vor Allem tritt uns König Ferdinand *) entgegen, der, 
erst .26 Jahre alt, schon als der einzige Bruder des Kaisers 

*) Geb. 1503, König von Böhmen und Ungarn seit 1527, 
römischer König 1531, Kaiser 1558, gest. 1564. 

4* 



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52 

und dessen Statthalter im Reiche unter sämmtlichen anwesen- 
den Fürsten unbestritten die erste Stelle einnahm. Die von 
den Türken seinen Landen drohende Gefahr war gross, imd 
gewiss war es eine seiner ersten Sorgen, von dem Reiche einen 
ausgiebigen Beistand gegen diesen Erbfeind des christlichen 
Glaubens zu erlangen. Aber nicht weniger lag es ihm am 
Herzen, theils seinem kaiserlichen Bruder zu Gefallen, theils 
der eigenen Neigung folgend, jede weitere Ausbreitung der 
Reformation zu verhindern. Kurz vor seiner Abreise zum 
Reichstage hatte er aus Wien am 16. November 1528 unter 
Erneuerung seines am 20. August 1527 aus Ofen ergangenai 
Mandates einen neuen strengen Erlass »zu Ausreutung der 
neuen verdammten, verführerischen und ketzerischen Lehrenc 
in seinen Erblanden publiciren lassen. ^) Aus Stuttgart hatte 
er unmittelbar vor dem Reichstage jn einem Mandate vom 
12. Februar 1529 seinen würtembergischen Unterthanen streng- 
stens gebieten lassen, in der bevorstehende^! Passionszeit die 
Fasten zu halten. ^) Von Innsbruck aus hatte er seinen Abge- 
sandten Grafen Rudolf von Sultz nach Feldkirch gesendet und 
dort mit den fünf streng am alten Glauben hängenden schwei- 
zerischen Kantonen Luzern und den vier Waldstädten am 18. 
Februar 1529 ein Bündniss verabredet, dessen erster Artikel 
bestimmte, dass die Verbündeten bei dem alten Glauben imd 
Sacrament ohne jede Veränderung bleiben wollten, während 
der zweite festsetzte, dass, w^m Jemand in k. Maj. oder der 5 
Orte Gebiet käme, der den alten Glauben oder das Sacrament 
freventlich antasten, dawider heimlich oder öflfenüich predigen 
oder das Volk sonst davon abwendig machen würde, derselbe 
an Leib und Leben gestraft werden solle. Noch vor dem 
Schlüsse des Reichstages wiu-de dieses Bündniss am 22. April 
in Waldshut förmlich abgeschlossen.*) In Speier stellte er 

^) Das Mandat vom 20. August 1527 ist abgedruckt bei Walch 
XVI, 433 ff. Von dem anderen Erlasse liegt ein Abdruck bei den berzogl. 
bairischen Akten im kgl. bair. geh. Staatsarchive. Aktenband ^^*/5. 

^ K. wttrt. Staatsarchiv. 

^ K. würt. Staatsarchiv. Wenn bei fiucholtz III, 411 als 
Tag der Btindesabrede der 29. (1) Februar 1529 angegeben wird, 
80 liegt offenbar ein Druckfehler vor. 



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53 

nach Ankunft des Kurfürsten von Sachsen an diesen das 
Begehren, dass die von ihm mitgebrachten evangelischen 
Geistlichen das öflfentliche Predigen unterlassen sollten, und 
als der Kurfürst sich darauf nicht einliess und, weil wohl 
ebenfalls auf Veranlassung des Königs durch die Pfarrer und 
dai Rath von Speier die Kirchen den evangelischen Predigern 
verschlossen wurden, nun in seiner Herberge predigen liess, 
verbot er seinen Hofgesinde aufs strengste den Besuch dieser 
Predigten. *) Es ist nicht zu verwundem, dass die Gesinnung 
Ferdinands gegen die Evangelischen in ganz Deutschland 
bekannt wurde. So schrieb Luther am 12. Februar 1529 an 
Nie. Amsdorf, man erzähle sich unglaubUche Dinge ^ von 
Ferdinands Tyrannei, und der den Ereignissen in Speier nahe- 
stehende Job. Ehinger findet es ganz glaublich, dass sich 
Ferdinand habe merken lassen, er wolle Leib und Gut daran 
setzen, die neue Secte auszurotten. *) 

Unter den Käthen des Königs, welche denselben nach 
Speier begleiteten, ist in erster Linie zu nennen sein bei ihm 
in höchsten Gnaden stehender Grosskanzler Bischof Bernhard 
Cles von Trient^ selbst ein Fürst des Reiches und einer der von 
dem Kaiser zu seiner Stellvertretung beim Reichstage ernannten 
Commissarien. Eine reiche Erfahrung stand ihm, der seit 
1521 an allen Reichstagen theilgenommen hatte, zur Seite. 
Pallavicino nennt ihn einen Mann von unvergleichlichem Eifer 
für die Religion und grosser Klugheit.') Und einige von 
BuchoHz im Auszuge wiedergegebene Briefe desselben aus dem 



') S. das in einem auf dem Augsb arger Beichstage gestellten 
Gutachten hierüber Berichtete bei J. J. Mttller 491. Seckendorf 949. 
Ehmger in den Urk. des schw. B. m, 337. 

*) S. Luthers Briefe, herausgegeben von de Wette. Band HI, 
S. 422: „Mira de Ferdinandi tyrannide et exaetionibns hie dicantur**. 
Bhingers Brief vom 12. April in den Urk. d. 8chw. Bundes 343. 

') P. Sforz. Pallavic., concilii Tridentini hietoria, Col. Agripp. 
1717, S. 114, b. Auch K. Stögmann (in den Sitzungsberichten der 
philos.-hist. Olassc der kais. östr. Akademie, Band 24, 8. 162) 
spricht dem Bischof Bernhard Cles staatsmännischen Takt und 
persönliche Liebenswürdigkeit zu. Zum Bischöfe von Trient war 
er 1515 erhoben worden. Er starb 1539. 



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54 

Januar 1530 lassen uns denselben in der That als einen Mann 
von staatsmännischem Blicke erkennen, welcher sich auch, 
nachträglich wenigstens, über die vollständige Erfolglosigkdt 
der auf dem Reichstage zu Speier geschehenen Bemühung^ 
um die Zurückdrängung der Reformation keinen Illusionen 
hingab. ') Wir können es wohl als eine Belohnung für seinen 
in der Sache des Pabstes auch zu Speier entwickelten Eifer 
betrachten, dass Bischof Bernhard ein Jahr später am 29. März 
1530 in Bologna zur Würde eines Cardinais erhoben wurde. 

Ein weiterer hochangesehener Begleiter des Königs 
Ferdinand nach Speier war dessen Statthalter in Würtemberg, 
Freiherr Georg Truchsess von Waldburg, der oberste Feldherr 
des schwäbischen Bundes im Bauernkriege. Vor dem Reichs- 
tage hatte sich derselbe im Januar in Begleitung des mit ihm von 
dem Tage zu Worms heimkehrenden Dr. Leonhard von Eck zu 
König Ferdinand begeben und mit diesem, wie es scheint, wegen 
des Ausschlusses des Landgrafen Philipp aus dem schwäbischen 
Bunde und weiterer Strafe gegen denselben verhandelt. Ist 
auch das Ergebniss dieser Besprechungen nicht klar nachzu- 
weisen, so finden sich doch Spuren dafür, dass König Ferdinand 
sich nicht abgeneigt zeigte, strafende Massregeln eintreten zu 
lassen, und zweifellos ist, dass Truchsess, wie dies Eck wünschte, 
in diesem Sinne auf den König einzuwirken suchte. *) Auf dön 
Reichstage war er nebst seinem Bruder Wilhelm Vertrauens- 
mann einer grösseren Zahl von Reichsgrafen und Reichsfrei- 
herm und unterzeichnete, wie in seinem eigenen Nam«i, so 
auch für diese und das Haus Oesterreich den Abschied. 

Zu dem Gefolge des Königs, aus welchem noch Graf 
Nicolaus von SaltHy Joh. Fernbergery sein erster Secretär, und 
der von König Ferdinand zur Abstimmung für das Herzogthum 



^) Derselbe schreibt u. A. am 7. Januar 1530: „Von dem 
Tage der Abreise Seiner Majestät nach Spanion an sind wir auf 
allen Reichstagen gewesen und können aus Erfahrnug behaupten, 
dass von jedem Reichstage in's Schlimmere gearbeitet worden ist, 
wie et die ProietiationeH, welche sn/etel %u Speier gemachi worden sind, heteugen,** 
Bucholtz m, 429. 

^ S. die oft berührte Relation Fleckensteins über den Bundes- 
tag von Ulm im k. b. geh. Staatsarchive zu München. 



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55 

Wfirtemberg bevollmächtigte Dr. Beatus Weidmann genannt 
werden, ist auch Dr Joh, Faber zu rechnen, damals noch 
Domherr von Costnitz und Basel, bald nach dem Reichstage 
1530 zuni Bischöfe von Wien erhoben. Alle gleichzeitigen 
Bmchte schreiben diesem Manne einen weittragenden Einfluss 
auf die Beschlüsse des Reichstags zu, und die Freunde der 
Rdbrmation schildern einstimmig die Thätigkeit desselben in 
Speier als eine so unheilvolle, dass ein kurzer Blick auf das 
Leben Fabers dadurch gerechtfertigt erscheint. Geboren zu 
Leutkirch 1478, war derselbe später in den Dominicanerorden 
ehigetreten und hatte es durch seme hohe Begabung und 
eifrige Thätigkeit 1518 zum Generalvicar des Bischofs von 
Costnitz gebracht Ursprünglich der humanistischen Richtung 
zugethan, zeigte sich Faber anfanglich der Reformation nicht 
abgeneigt und trat namenUich dem Ablasshandel entgegen. 
Aber seit 1522 trat eine Wendimg bei ihm ein. Er wurde einer 
der heftigsten Gegner der Reformatoren und trat bald in Schriften, 
wie in seinem 1523 erschienenen Ketzerhammer (malleus haere- 
ticorum), bald in mündlichem Wort, wie auf den Disputationen 
zu Zürich 1523 und zu Baden 1526, gegen dieselben mit 
äusserster Schärfe auf. Schon an dem Speierer Reichstage von 
1526 hatte Faber als Vertreter der Bischöfe von Basel und 
Costnitz hervorragenden Antheil genommen. *) Das Vertrauen 
des Königs Ferdinand besass er in so hohem Grade, dass der- 
selbe ihn m seine Umgebung zog, zu seinem Rathe und 
Beichtvater machte^ und bereits 1527 und 1528 zu wichtigen 
diplomatischen Sendungen in Spanien imd England verwendete. 
Das Gewicht seines Votums auf dem Reichstage, auf welchem 
er als Gesandter der Bischöfe von Basel, Brixen und Constanz, 
sowie des Probstes von Waldkirch als Bischofs von Hildesheim, 
der Aebte von Reichenau und Murbach, sowie seiner Vater- 
stadt Leutkirch ohnehin ein siebenfaches Stimmrecht auszuüben 
hatte, wurde durch sein Ansehen bei dem Könige, sowie durch 



') Damals hatte der bekannte Hamanist Hermann vom Busche 
folgendes Distichon auf Faber extemporirt: Tempora quid faciunt? 
Fairem olim Christas habebat Fabrum: nunc hostem coepit habere 
Fabmm. Spalat. Annal. bei Menken II, 660. 



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56 

seine Thätigkeit als Hofprediger desselben noch erhöht. Als 
solcher predigte er während des Reichstags häufig im Dome, 
freilich, wenn wir dem Zeugnisse Melanchthon's in seinen Briefen 
trauen dürfen, in polternder, wenig erbaulicher Weise und 
leidenschaftlicher Sprache. Die Polemik gegen die Lutheraner 
war ihm dabei die Hauptsache. So rief er in einer Predigt 
am Palmsonntage aus, die Türken seien besser als die Lutheraner; 
denn Jene hielten doch wenigstens die Fasten, welche diese 
verletzten. Ein andermal sagte er, er wolle lieber die h. 
Schrift ver\^erfen, als die alten Irrthümer der Kirche. In einer 
dritten Predigt setzte er auseinander, was eine Maus verzehre, 
wenn sie eine geweihte Hostie anbeisse. Melanchthon meint, 
es wäre eine lange Ilias zu erzählen, wenn man alle Lästerungen 
aufzeichnen wolle, die von ihm zu hören seien. Die Sonne 
habe noch nichts Unverschämteres gesehen, als Faber, den der 
sonst in seinem Urtheil so milde Melanchthon überhaupt von 
Speier aus in einer Weise charakterisirt, welche einerseits von 
seiner tiefen Verachtung gegen denselben, anderseits von der 
wichtigen und einflussreichen Rolle, welche Faber auf dem 
Reichstage spielte, Zeugniss gibt *) Jedenfalls trug die Thätig- 
keit Fabers dazu wesentlich bei, dass die Mehrheit des Reichs- 
tages von ihren schroffen Beschlüssen in Sachen des Glaubens 



^) S. die Briefe Melanchthona vom 22. März, 30. März und 
2L April im Corpus Reformatorum I, p. 1041, 1045 und 1059 f; 
ferner Mel.'s commentarias in Danielem prophetam im Corp. Bef. 
vol. XIII, p. 906. An Camerarias schreibt er über ihn: Fabro 
nihil scripsi, nolo enim hominem staltissimum et impudentissimum 
hoc afiTicere honore, ut glorietur, se mecum pugnasse. (Corp. Ref. I, 
1059.) An Justus Jonas schreibt er mit Beziehung auf Faber 
(Corp. Ref. I, 1041): Bona pars principum non abhorret a consiliis 
pacis. Sed sunt in Ulis consiliis quid am homines plebeii, sine censu, 
qui seditiosis clamoribus obruunt sententias principum. Talibus 
nebulonibus coguntur credere illi ipsi, qui rernm potiuntur. Am 
23. April schreibt er wieder an Camerarius (Corp. Ref. I, 1061): 
Cyclops ille nunc ferocom se facit, quia a regibus auditur. Oeco- 
lampadius nennt den Faber gar in einem Briefe vom 1. April 1529 
an Melanchthon ö rixroiv, xov dvxix^iöxov ov TCQodQOfzo^j dXXd 
Tta^ovros xij^v^. Scult. Annal. p. 237. 



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sieh in keiner Weise abbring^i Hess. Von seiner Erbilterung 
gegen die Lutherischen aber gibt uns auch das von Ranke 
angeführte unverdächtige Zeugniss des Erasraus einen Beleg, 
bei welchem er auf der Reise nach Speier einkehrte und sich 
in einer Weise aussprach, dass Erasmus nur Krieg und 
Gewaltthat erwartete. ^) 

Ausser König Ferdinand und Bischof Bernhard von Trient 
waren, wie erwähnt, noch der Probst von Waldkirch, von 
welchem oben die Rede war, die Pfalzgrafen Friedrich und 
Wilhelm nebst Herzog Erich von Braunschweig von dem 
Kaiser zu seinen Commissarien auf dem Reichstage bestimmt 
worden. Unter diesen tritt Ffalegraf Friedrich, Bruder und 
später Nachfolger des Kurfürsten Ludwig von der Pfalz, bei 
den Verhandlungen am meisten in den Vordergrund. Am 9. 
December 1482 zu Winzingen geboren, war derselbe zur Zeit 
des Reichstages ein Mann von 47 Jahren. In allen vornehmen 
und feinen Künsten wohl erfahren, galt er als Muster eines 
ritterlichen Cavaliers. Dem Kaiser Karl, für den er schon zur 
Zeit der Kaiserwahl eifrigst gewirkt hatte, und seinem Bruder 
Ferdinand war er aufrichtig ergeben, so wenig Lohn auch 
seine früher dem habsburgischen Hause geleisteten Dienste 
ihm eingetragen hatten. Noch hatte er die Hoffnung nicht 
aufgegeben, mit dem Kaiser in Verschwägerung zu treten imd 
durch dessen Hülfe der drückenden Geldnöthe enthoben zu 
werden, in denen er in Folge seines bei nur schmalem Ein- 
kommen glänzenden, fast verschwenderischen Hofhaltes be- 
ständig lebte. Und zwar war es damals die zweitjüngste 
Schwester des Kaisers, Marie, die 23jährige verwittwete Königin 
von Ungarn, auf deren Hand sich der bereits alternde arme 
Pfalzgraf Hoffnung machte. Noch nicht gewitzigt durch die 
früher gemachten Erfahrxmgen, traute der sanguinische Friedrich 
leichtgläubig den durch Waldkirch und wohl auch König 
Ferdinand in vorsichtigen Andeutungen gemachten Ver- 
sprechungen und Hess sich dadurch und durch geschickte seiner 
Tüchtigkeit gespendete Schmeicheleien bestimmen, nicht nur 
vor dem Reichstage das Präsidium des Reichsregiments imd 



Banko m, 105 nach Erasmi ^istolae II, 1220. 



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68 

später die ehrenvolle, aber bei dem Zustande des Reichsheeres 
wenig dankbare Stelle eines obersten Feldherm des Reiches 
im Türkenkriege zu übernehmen, sondern auch auf dem Reichs- 
tage selbst die Sache des Kaisers und des Königs mit grossem 
Eifer zu betreiben.*) An den religiösai Bewegungen jener 
Zeit scheint Pfalzgraf Friedrich wenig persönliches Interesse 
gehabt zu haben ; dieselben kamen für ihn nur, soweit sie die 
Politik berührten, in Betracht In seiner Umgebung fehlte es 
schon damals nicht an Männern, deren katholische Recht- 
gläubigkeit nicht ganz unverdächtig war, und als Kurfürst 
liess er später, dazu freilich mehr von seinen Unterthanen 
gedrängt, als aus eigenem Antriebe, in seinen Landen 1545 
eine von Melanchthon ausgearbeitete evangelische Kirchen- 
ordnung einführen. Trotzdem erscheint er auf dem Speierer 
Reichstage als der redegewandte Wortführer der kaiserlichen 
Commissarien, so oft es gilt, im Namen des Kaisers zum 
strengen Festhalten an dem alten Glauben aufzufordern. Von 
den Räthen des Pfalzgrafen, welche in Speier zu seinem Gefolge 



*) Dass Waldkii'ch vrirklich Friedrich derartige Zusagen machte, 
beweist eine in dem mehrgenannten die Correspondenz des Kur- 
forsten Ludwig enthaltenden Aktenbande des kgl. bair. geh. 
Staatsarchivs Fol. 149 £f. sich findende AuCceichnung. Hienach 
antwortete W. auf die Beschwerde des Pfalzgrafen wegen seiner 
Schulden, er habe davon mit dem Kaiser geredet „vnd ratslag 
gemacht, wie sein gnad zu frieden gestelt solt werden als mit 
ainem weib oder dem Rom. kay. Ampt in neapolis und anderem'' . . ., 
es sei „vff der ban, ime die königin von vngarn zu geben**; 
König Ferdinand habe ihm (Waldkirch) gesagt, „der königin gemut 
vnd anders zu spier anzuzeigen oder zu stuckgartten, so sie zu- 
sammen komen.** Dass diese Versprechungen von Waldkirch aus- 
gingen, unterliegt, obwohl dessen Namen hier nicht ausdrücklich 
genannt wird, keinem Zweifel. Wie ernstlich Friedrich diese Ver- 
sprechungen nahm, zeigt die Sendung seines Oeheimschreibers 
Hubert Thomas Leodius nach Italien zu Kaiser Karl im Herbste 
1529, bei welchem derselbe förmlich um die Hand der Königin 
anhalten sollte. Wie er auch diesmal von dem Kaiser hingehalten 
wurde, erz&hlt Leod. 136 ff. und 144 ff. und nach ihm L. H&usser, 
Gesch. der Bhemisohen Pfalz« Heidelberg 1856. Band I, 576 £. 



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59 



gehörten, wird uns nur sein Kanzler Freiherr Georg von Heideck 
namhaft gemacht, welcher von ihm früher schon mehrfach in 
Staatsgeschäften gebraucht vorden und 1526 mit ihm am Hofe 
des Kaisers in Spanien gewesen war. 

Von den hochstrebenden Entwürfen des mächtigen Pfalz- 
grafen und Herzog's Wilhelm von Baürn^) zu München, 
welchen der Kaiser ebenfalls zu seinem Gommissäre auf dem 
Reichstage bestimmt hatte, ist bereits die Rede gewesen. Zu 
Speier traten diese Bestrebungen in den Hintergrund; in der 
hier vor Allem behandelten brennenden Frage betreffe des 
Glaubens stand Herzog Wilhelm mit voller Ueberzeugung auf 
Seite der eifrigsten Gegner der Reformation, deren Eindringen 
in seine Gebiete er mit allen Mittebi verhinderte. Von seinem 
Kanzler, dem erwähnten gewandten Staatsmanne jLeowÄard von 
Eck, welcher bei ihm Alles galt und ihm nach J. E. Jörg's^ 
zutreffendem Worte in jungen Jahren ein besorgter Vater, 
später ein innig geliebter Freund war, wurde Herzog Wilhelm 
auch zu Speier in einer Weise unterstützt, welche seinen 
Einfluss noch bedeutend erhöhte. Auch die Gegenwart seines 
mit ihm gemeinschaftlich (zu Landshut) regierenden und in 
allen wichtigeren Fragen zusammengehenden Bruders, des 
Herzogs Ludwig,^) konnte das Gewicht seines Votums nur 
verstärken. 

Der letzte der kaiserlichen Commissarien war Herzog 
Erich von Braunschweig ^) (zu Kaienberg und Göttingen), der 
bereits auf dem Speierer Reichstage von 1526 kaiserl. Gommissär 



^) Geb. 1493, reg. seit 1508, gest. 1550. 

^ J. E. Jörg, Deutschland in der Revolutionsperiode von 
1522 bis 1526. Freiburg i. B. 1851. S. 336. Jörg erwähnt an 
dieser Stelle ein damals anter den Beichsständen umgehendes nicht 
unbegründetes Spruch wort: „Was Eck nicht bewirken kann, 
mag kein Anderer versuchen." Eck war geboren 1480 und 
starb 1550. 

8) Geb. 1495, gest. 1550. 

*) Geb. 1470, reg. seit 1495, gest. 1540. Dem Eindringen 
des Lutberthruns in seine Lande stellte derselbe einen gemässigten 
Widerstand entgegen. Nach seinem Tode führte seine Wittwe 
Elisabeth die Reformation im Lande Kaienberg ein. 



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60 

gewesen war, diesmal aber schon darum nicht in den Vorder- 
grund trat, weil er arst am 20. April, wenige Tage vor dem 
Schlüsse des Reichstags in Speier ankam. 

Von den in Speier erschienenen Kurfürsten wäre Ludwig V, 
von der PfaU^) seiner ganzen bisherigen Stellung nach am 
ersten zu einer Vermittelung der beiden einander gegenüber- 
stehenden Partheien geeignet gewesen. Den Beinamen des 
Friedfertigen, welchen man dem besonnenen, ernstöi und 
gemessenen Fürsten gab, erwarb er sich durch die von ihm 
stets beobachtete Politik der Versöhnung. In den Streitigkeiten 
der letzten Jahre war er, wie dies auch in den spätem Jahren 
geschah, stets als Vermittler aufgetreten. Auch in der religiösen 
Frage stand er zwischen den Partheien, wie Häusser von ihm 
sagt, im Stillen wohl überzeugt von der Nothwendigkeit einer 
Reform, doch nicht dazu geschaffen, selbst nach irgend einer 
Seite hin den Anstoss zu geben. Hatte er einerseits, wohl in 
Folge des Bauernaufstandes, 1526 den Befehl des Besuches der 
Messe erneuert, so gebot er andererseits den Anhängern der 
alten Kirche Mässigung und hatte an der Universität in Heidel- 
berg Männer zugelassen, welche wie Simon Grynäus und 
Hermann vom Busche als begeisterte Freunde Luthers und 
Melanchthons bekannt waren. Auch auf dem Reichstage zu 
Speier zeigte er sich zu einer Vermittelung geneigt und liess in 
den Ausschusssitzungen in diesem Sinne wirken. Doch wiesen 
ihm schon seine Beziehungen sowohl zu dem Könige Ferdinand, 
wie zu seinem Schwager, Herzog Wilhelm von Baiern seinen 
Platz schliesslich auf Seite der Reichstagsmehrheit an, um so 
mehr als auch seine auf dem Reichstage anwesenden Brüder, 
theils durch persönliche Neigung, theils durch ihre Interessen 
veranlasst, es mit dem Könige Ferdinand hielten. Dennoch 
mag es seinem Einflüsse mit zuzuschreiben sein, wenn es auf 
dem Reichstage nicht zu noch weiter gehenden Beschlüssen 
kam, wie einzelne Mitglieder der Reichstagsmehrheit sie 
wünschten. Die bedeutendsten der Staatsmänner, welche ihn 
nach Speier begleiteten, waren sein schon mehrfach genannter 
Hofmeister Ludwig von Fleckcnstein, und ValenUn Schenk, Herr 



') Qeb. 1478, regierte seit 1508, geet. 1544. 



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61 

von Erhaehy beide seit Jahren in den kuipfälzischen Staats- 
geschäften mit Erfolg verwendet und des vollen Vertrauens des 
Kurfürsten sich erfreuend. 

Aehnlichen Sinnes wie Kurfärst Ludwig war auch sein 
Bruder Pfaljsgraf Georg, Bischof von Speier. ^) Trotz der vor 
dem Reichstage von 1596^ an ihn ergangenen Mahnung des 
Pabstes Clemens, sich des Glaubens der Väter anzunehmen, 
bewies sich Bischof Georg doch gegen die Anhänger der 
Reformation so nachsichtig, dass das Domkapitel am 17. 
Januar 1528 klagte, die lutherische Secte nehme am Hofe und 
in der persönlichen Umgebung des Bischofs und im ganzen 
Bisthum immer mehr überhand, und ihn ersuchte, das abzu- 
stellen. Der bischöfliche Hofmeister Philipp von Hehnstadt 
war der Hinneigung zur Reformation besonders verdächtig. 
Doch schritt auch Bischof Georg mitunter gegen Anhänger 
Luthers ein^) und liess sich, wie bemerkt, durch Waldkirch 
bestimmen, den Pfalzgrafen Ludwig von Zweibrücken zur Ent- 
fernung der lutherischen Prediger aufzufordern. 

Ein anderer auf dem Reichstage anwesender Bruder des 
Kurfürsten war PfaUffraf Heinrich^ Coadjutor von Worms mid 
Bischof von Utrecht, *) welcher kurz vor dem Reichstage alle 
weltlichen Rechte über sein Bisthum Utrecht gegen eine jähr- 
liche Pension von 4000 Gulden an die niederländische Regie- 
rung des Kaisers abgetreten hatte und sich auch in anderen 
Stücken .demselben, wie es scheint, ergeben und willfahrig 
zeigte,^) aber erst spät, am 12. April, zu Speier eintraf. 



1) Geb. 1486, Bischof seit 1513, gest. 27. Sept. 1529 am 
englischen Schweisse. 

^ Bemling, welcher in seinem ürkmidenbuche diese päbst- 
licbe Znschrifb mit richtigem Datum (16. Mai 1526) abdruckt, 
verlegt im Texte seiner Geschichte der Bischöfe dieselbe durch ein 
Versehen vor den Reichstag von 1529. Bemling, Gesch. der Bischöfe 
von Speier. Mainz 1854. Band IL 265. 

^ Bemlmg a. a. 0. 252 f. 

*) Geb. 1487, Coadjutor von Worms seit 1523, Bisehof zu 
Utrecht seit 1524, gest. als Bischof von Freising 1552. 

^) Ranke m, 9. Seckendorf, 937. 



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feg 

^wei weitere Brüder von Kurfürst Ludwig waren mt 
dem Reichstage zwar nicht persönlich anwesend, aber durch 
Botschafter vertreten, und zwar PfaUffrqf Philipp, Bischof von 
Freising, ^) durch seinen Kanzler Dr. Matthäus Luchs, und 
Pfalzgraf Johann, Administrator des Bisthums Regensburg,^) 
durch seinen Kanzler Dr. Augustin Ross, welcher auch von 
zwei reichsunmittelbaren Abteien in Regensburg zu ihrer Ver- 
tretung bevollmächtigt war. 

Von den in Neuburg residirenden Söhnen des frühe ver- 
storbenen Pfalzgrafen Rupert, ebenfalls eines Bruders des 
Kurfürsten, wohnte Pfalzgraf Otto Heinrich^) dem Reichstage 
persönlich bei. Von der später bewiesenen Hinneigung zur 
Reformation, welche Otto Heinrich 1556 als Kurfürst in der 
Pfalz durchführte, war damals bei dem Pfalzgrafen noch wenig 
zu bemerken. Sein Oheim und früherer Vormund, Pfalzgraf 
Friedrich, und vielleicht mehr noch die Herzoge Wilhelm und 
Ludwig von Baiem, mit deren jüngsten Schwester Susanna er 
seit einem halben Jahre vermählt war und in deren Gesellschaft 
er nach Speier reiste, übten jedenfalls auf das Verhalten Otto 
Heinrich's auf dem Reichstage einen massgebenden Einflüss. 
Aus seinem Gefolge in Speier wird uns Kum von Rechberg 
genannt, welchen er bereits bei anderen Reichstagen als seinen 
Bevollmächtigten verwendet hatte. 

Ausser den Genannten übten noch drei weitere Fürsten 
aus dem bairisch-pfälzischen Haase auf dem Reichstage ihr 
Stimmrecht aus, Pfalegraf Ernst, *) Administrator des Bisthums 
Passau, ein Bruder der Herzoge Wilhelm und Ludwig von 
Baiem, welcher in Speier durch den Passauer Domherrn Dr. 
Stephan Rösslin repräsentirt wurde, Pfalzgraf Ludwig von 



^) Geb. 1480, Bischof von Freising seit 1498, gest. 1541. 

2) Geb. 1488, ßisfjhof von R. seit 1507, gest. 1538. 

^) Geb. 1502, nach dem Tode seines Vaters zunächst unter 
der Vormundschaft des Pfalzgrafen Friedrich 1504 Herr von Neu- 
burg und Sulzbach, Kurfürst seit 1556, gest. 12. Februar 1559. 

*) Geb. 1500, Bischof von Passau seit 1517, später bis 1564 
Erzbischof von Salzburg, gest. 1560« 



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Zujeämicken,^) welchen Dr. Wilhelm Sessler, und Pfdlegra/ 
Johann IL ^ von Simmem, welchen Albrecht Than vertrat. 

So waren es nicht weniger als sieben Fürsten aus dem 
blühend^i bairisch-pfälzischen Hause, fünf weltliche und zwei 
geistliche, welche dem Speierer Reichstage persönlich bei- 
wohntai, und fünf weitere, zwei weltliche und drei geistliche, 
welche ihre Gesandten dahin abordneten. Mit einander enge 
verbunden durch nahe Blutverwandtschaft oder Verschwägerung 
und durch die gemeinsamen Interessen ihres Hauses, trennten 
sie ihre Wege nicht gerne von einander, und die weltlichen 
Fürstien des pfälzischen Hauses wenigstens bewiesen das auch zu 
Speier dadurch, dass sie sich in gemeinsamen Sitzungen mit ihren 
Staatsmännern über ihre Haltung in den wichtigeren auf dem 
Reichstage zur Berathung kommenden Fragen verständigten.*) 

Kurfürst Joachim von Brandenburg,^) welcher in Speier 
ebenfalls erwartet worden war, erschien nicht selbst auf dem 
Reichstage, Hess sich aber durch seine Räthe Melchior Barfuss, 
Commenthur des Johanniterordens zu Schwarz, und Balthasar 
Bück vertreten. Es besteht kein Zweifel, dass Kurfürst Joachim, 
dessen G^nahlin Elisabeth 1528 wegen der ihrer evangelischen 
Gesinnung drohenden Anfechtungen an den Hof des Kurfürsten 
von Sachsen geflüchtet war, seine Reichstagsgesandten im 
Sinne des Festhaltens an der alten Kirche instruirt hatte. 



^) Oeb. 1502, gest. 1582. Derselbe war ein eifriger Freund der 
Eeformation, welche um jene Zeit durch Schwebel in seinem Gebiete 
bereits fast voUstftndig durchgeführt war. Obwohl Pfalzgraf Ludwig 
noch 1529 eine neue Kirchenordnung für das Herzogthum herausgeben 
liess, so stimmte sein Vertreter zu Speier doch mit der Majorität. 

*) Geb. 1492, reg. seit 1505, gest. 1557, Vater des späteren 
Karfürsten Friedrich HI. des Frommen von der Pfalz. Gegen die. 
Beformation verhielt sich Pfalzgraf Johann immer ablehnend ; in 
späteren Jahren trat er ihr sogar schroff entgegen und war mit 
den protestantischen Anschauungen seines Sohnes Friedrich durchaus 
nicht einverstanden. Vergl. A. Kluckhohn, Friedrich der Fromme, 
KnrfQrst von der Pfalz. Nördlbgen 1879. S. 2 ff. 

^ In dem knrpfälzischen Theile des k. bair. geh. Staats- 
archives sind noch Protokolle solcher Sitzungen aufbewahrt. Sign, ^®'/i. 

«) Geb. 1484, reg. seit 1499, gest. 1585. 



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64 

Ein noch heftigerer Widersacher der Reformation, als 
Kurfürst Joachim, war der bekannte Herzog Georg von 
Sachsen.^) Derselbe hatte den Reichstag ebenfalls zu besuchen 
beabsichtigt, aber dann Krankheits halber sein Vorhaben aufge- 
geben. Dagegen ordnete er seine Räthe nach Speier ab, welche 
zwar wegen einer zwischen den sächsischen und bairischen Her- 
zogen bestehenden Irrung betreffs des von ihnen bei den Reichs- 
tagen einzunehmenden Platzes in den öffentlichen Sitzungen nicht 
erschienen und desshalb auch den Abschied nicht unterzeichneten, 
aber doch eine von ihrem Herrn ihnen mitgegebene Instruction 
durch den mainzischen Kanzler zur Verlesung bringen Hessen. 
Kurz vorher — am 19. December 1528 — hatte Herzog Georg, 
durch einen heftigen Brief Luthers in Sachen des Packschen 
Bündnisses veranlasst, eine nicht weniger leidenschaftliche 
Erklärung gegen Luther öffentlich ausgehen und dieselbe im 
Februar 1529 auch in Speier anschlagen lassen. Man kann 
sich denken, dass die von dem erbitterten Herzoge seinen 
Räthen mitgegebene Instruction im Sinne des entschiedensten 
Vorgehens gegen die Reformation gehalten war. ^) 

Persönlich war in Speier der Neffe Erich's von Braun- 
schweig, Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig- 
Wolfenbüttel ^) anwesend, welcher auf diesem Reichstage ver- 



*) Geb. 1471, reg. seit 1500, gest. 1539. Erasmus, welcher 
in jener Zeit mit Herzog Georg in Briefwechsel stand, äussert in 
einem Brief vom 1. April an Claudius Javandus, dass Manche 
glaubten, der wirkliche Grund des Ausbleibens des Herzogs liege 
nicht in seiner Krankheit, einem nicht unbedenklichen Schienbein- 
leiden. Er schütze jenes Leiden nur vor, besuche aber in der 
That nur desshalb den Reichstag nicht, um nicht durch sein Ver- 
halten in der Olaubensfrage mit seinem Schwiegersohne, dem Land- 
grafen Philipp von Hessen, und mit dem Kurfürsten von Sachsen 
in Collision zu kommen. S. Erasmi epistolarum libri XXXI. Tiond. 
1642, lib. 20, ep. 78. uns scheint diese Annahme, welche auch 
Erasmus als blosse Vermuthimg bezeichnet, ganz unbegründet zu sein. 

^ Seckendorf 937 und 951. Fürstenberg's Bericht aus Speier 
vom 11. April 1529 im Frankfurter städtischen Archiv. Bucboltz HI, 
379, Anm. 

«) Geb. 1489, reg. seit 1514, gest* 1568. 



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65 

miitelnd auftrat, obwohl er damals schon die Ausbreitung der 
Reformation in seinen Landen nach Kräften, wenn auch nicht 
immer mit Erfolg, zu verhindern suchte und später ein unver- 
söhnlicher Gegner derselben wurde. Schon an dem letzten 
Reichstage zu Speier hatte er mit einer Begleitung von 40 
Berittenen theilgenommen. Nach Rückkehr von einem Besuche 
bei dem Kaiser in Spanien und aus Italien, wohin er dem kaiser- 
lichen Heere 10,000 Mann deutscher Hülfstruppen zugeführt hatte, 
wohnte Herzog Heinrich unmittelbar vor dem Reichstage am 
20. Februar am Hofe Johannas von Sachsen einem Turniere bei.*) 
Dem V^kehre mit diesem mag sein gemässigtes Auftreten auf dem 
Reichstage zuzuschreiben sein, auf welchem er auch seinen 
Bruder, den Erzbischof Christoph von Bremen vertrat. In seiner 
Begleitung befand sich sein Rath Ewald von Baumhoch, welcher 
auch von Graf Johann von Oldenburg bevollmächtigt war. 

Eine vermittelnde Stellung nahm in Speier Markgraf 
Philipp I. von Baden ^) zu Sponheim ein, welcher zugleich 
seinen Bruder, den Markgrafen Ernst von Baden-Durlach vertrat. 
Auf dem Reichstage von 1526 war er kaiserlicher Commissär 
gewesen und hatte einen der Reformation ergebenen Prediger, 
Franz Irenicus, bei sich. ®) Auch später, wo er in Stellvertretung 
des Königs Ferdinand das Regimentspräsidium führte, galt er 
für einen Begünstiger der Reformation, so dass Kaiser Karl 1527 
seinen Bruder aufforderte, die Vollmacht zu seiner Vertretung 
zu widerrufen. Inzwischen hatte der Markgraf aber seine Haltung 
in den religiösen Fragen geändert, seinen Prediger entlassen 
und nach einem Besuche .Waldkirchs bei ihm im Juni 1528 
die Wiedereinführung mancher Ceremonien von den EJvange- 
lischen in seinem Grebiete gefordert. *) Doch zeigt sein Verhalten 
auf dem Reichstage, dass die schroffen zu Speier beschlossenen 
Massregeln von ihm nicht gebilligt wurden. Da seine 1522 verstor- 
bene Gemahlin Elisabeth eine Tochter des kinderreichen Kurfürsten 



*) Melanchtbon'ß Brief d. d. Weimar 20. Febr. 1529 im Corp. 
Ref. I, 1088. 

«) Geb. 1479, gest. 1538. 

^ Spalatini Annales beiMencken 11, 658. Keim, schw. Bef. 51. 

*) Bücholtst m, 891. Keim, 79 f. 

6 



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Philipp von der Pfalz war, so war auch er durch Verschwäge- 
rung mit dem weitverzweigten pfalzischen Kurhause verbunden. 

Das Gleiche war der Fall bei dem Herzoge Georg L vm% 
Pomniern, ^) welcher zugleich im Namen . seines Bruders und 
Mitregenten Herzog Barnim an dem Reichstage theilnahm. In 
den religiösen Fragen war er der alten Kirche ergeben. Da 
er jedoch erst spät — am 12. April — in Speier eintraf, so konnte 
er keinen bedeutenden Einfluss auf die Verhandlungen üben. 

Von den übrigen auf dem Reichstage nicht in Person 
anwesenden, aber durch besondere Gesandte vertretenen welt- 
lichen Fürsten ist ausser zwei Herzogen von Meckl«iburg 
Herzog Johann von Jülich^ Cleve und Berg ^) zu nennen, welcher, 
auf Erasmischem Standpunkte stehend, in den Glaubensfrag«! 
gegen die kirchlichen Missbräuche sich erhob, ohne der Refor- 
mation sich anzuschliessen, obwohl er dieselbe schon in Folge 
der Verbindung seiner Tochter Sibylle mit dem Kurprinzen 
Johann Friedrich von Sachsen näher kennen gelernt hatte. 
Eine unentschiedene Haltung zeigte er auch in der seinen 
Gesandten zum Speierer Reichstage mitgegebenen Anweisung, 
in den die Religion betreffenden Fr^tgen sich von der Majorität 
nicht zu trennen. Seine Gesandten zum Reichstage waren der 
auch in der Pfalz begüterte, sein höchstes Vertrauen geniessende 
Wirich VII. von Dhun^ Graf von Oberstein und Falkenstein,^) 
welcher, wie er den evangelischen Ständen am 1. April erklärte, 
für seine Person dem Worte Gottes anhing, aber die ihm 
gegebene Instruction nicht ignoriren durfte, imd Dr. Joh. von 
Dockheim, genannt Fries, 

Endlich waren noch die beiden geforsteten Grafen WUr 
heim und Hermann von Henneberg in Speier vertreten, Ersterer 
durch einen seiner Räthe (Dr. Pet. von Gondelsheim), Letzterer 
durch seinen Sohn Graf Berthold von Hemieberg.*) Beider 

^) Geb. 1493, vermählt 1513 mit Amalie von der Pfah 
(gest. 1525), gest. 1531. 
' ^ Gest. 1589. 

^) S. über denselben Lehmann und Heintz in den Mittheilnngen 
des historischen Vereins der Pfalz, Heft m, 121 ff. und IV, 19 f. 

*) Ein Bmder Bertholds, Graf Georg, war 1626 mit ihm 
auf dem Speierer Reichstage und starb daselbst. Er *^ wurde im 



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67 

Haltung in der brennenden Frage scheint unentschieden gewesen 
zu sein. Graf Berthold wohnte der Messe bei Eröffnung des 
Reichstages nicht bei und schloss sich hierin an den Kurfürsten 
von Sachsen ;4n, mit welchem er nach Speier gekommen war, 
trat aber später den Mehrheitsbeschlüssen bei. 

Auch zahlreiche reichsunmittelbare Grafen und Freiherren 
nahmen an dem Reichstage Theil. Von denselben standen auf 
Seiten der Majorität ausser (jrtaf Dietrich von Manderscheid der 
erfahrene Graf Bernhard von Solms^ zugleich Vollmachtträger 
der wetterauischen und vieler anderer Grafen, die Grafen Carl^ 
Wolfgang und Ludwig von OeUingen, Graf Günther von Schwarz- 
bürg, die Graf en Albrecht, Georg und Wolfgang von Hoh&nlohe, 
der oben genannte Rath des Königs Ferdinand Graf Hoyer 
von Mansfeld, Graf Philipp von Hanau- Lichtenberg und die 
Herren Adam von Wolf stein und Gangolf von Hohen-Geroldsech,^) 
welcher zugleich von seiner Schwester, der Aebtissin von Buchau, 
Vollmacht trug. Graf Georg von Schauenberg hatte seinen 
Sohn Graf Hans, die Herren Reuss-Plauen den Domdechanten 
von Köln, Heinrich Betiss von Plauen und andere Grafen und 
Herren ihre Räthe zu ihrer Vertretung bevollmächtigt. 

Von den geistlichen Fürsten wäre der Bruder des Kurfürsten 
Joachim von Brandenburg, der JSTwi/wrÄ^, Erzbischof und Cardinal 
Aufrecht von Mainz, *) wenn er ganz seiner persönlichen Neigung 
hätte folgen können, wohl am liebsten vermittelnd aufgetreten, 
wie er dies nebst dem ihm damals enge verbundenen Kur- 
fürsten Ludwig von der Pfalz in den nächstfolgenden Jahren 



Dome beigesetzt. S. Spalatini Annal. bei Mencken ü, 661. Der 
haushälterische Graf Hermann von Henneberg gibt seinem Vetter 
Berthold and dessen Verhalten auf dem Reichstage kein sehr ehren- 
volles Zeugniss, wenn er seinem Sohne Wolfgang am 12. Juni 
1530 schreibt (s. Brückner a. a. 0. 135): „Wir vermerken auch, 
dass dein gemaet dahin steht, mit viel überlanger Zehrung, gast- 
ladnng des nachts vnd anderer vnnothdarft nach vnserm vetter graf 
Bertholden vnd nach andern zu richten, welche da meinen, mit fressen 
und sanfen ein gut geachrei zu erlangen vnd damit verdient zu werden.^ 

>) Gest. um 1548. 

*) Geb. 1490, Erzbischof von Magdeburg seit '1513 und von 
Mainz seit 1514, Cardinal seit 1518, gest. 1545. 

5» 



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68 

so häufig that. Wenn die Reichstagsakten von solcher ver- 
mittelnden Thätigkeit Albrechts Nichts zu berichten haben, so 
lag das einmal daran, dass seine Stellung als Erzbischof von 
Mainz und Magdeburg ihm seinen Platz bei der Reichstags- 
melirheit anwies, dann aber gewiss auch an der von den 
Packschen Wirren her bei ihm zurückgebliebenen Verstimmung. 
Der übereilte Zug des Landgrafen war ja auch gegen ihn 
gerichtet gewesen. Doch war sein Verhalten in den brennenden, 
auf dem Reichstage verhandelten Fragen ein gemässigtes und 
rücksichtsvolles. So konnte auf diesem Reichstage eine zwischen 
Kurmainz und Kursachsen seit vielen Jahren schwebende 
Irrung wegen des Rechtes der »Umfrage« bei den Reichsver- 
sammlungen durch einen förmlichen unter Vermittelung des 
Kurfürsten von der Pfalz abgeschlossenen Vertrag beseitigt 
werden. Unter den in Speier anwesenden Räthen des Kur- 
fürsten wird in den uns bekannten Akten nur sein Kanzler 
Dr, Caspar von Westhatisen y welcher zugleich die Aebtissin 
von Essen auf dem Reichstage zu vertreten hatte, und ein 
uns sonst nicht weiter bekannter Rath Dr. Fhüipp Seiler genannt. 

Der Kurfürst und ErBhischof von Trier ^ Richard von 
Greifenklau, ^) war seit 1526 vollständig für den Kaiser gewonnen, 
von welchem er seitdem eine Pension von 6000 fl. bezo^. Doch 
war auch er, obwohl er schon als Bischof mit der Reichstags- 
mehrheit stimmte, versöhnUchen Massregeln nicht abgeneigt 
Mit Landgraf Philipp von Hessen noch von der WaflTenbrüder- 
schaft in der Sickingischen Fehde her befreundet, hatte er 
durch seine Vermittelung wesentlich dazu mitgewirkt, dass aus 
den Unruhen im Jahre 1528 nicht ein verheerender Krieg 
entstand. 

Welche Stellung der Kurfürst von Köln, Graf Hermann 
von Wiedy^) in späterer Zeit zur Reformation emnahm, ist 
bekannt. Seit 1536 war es kein Geheimniss mehr, dass er 
derselben geneigt war, und sein Versuch, die Reformation in 
seinem Gebiete durchzuführen, kostete ihm den KurfürstenhuL 
Zur Zeit des Reichstages von Speier jedoch war von reforma- 



1) Knrfttrst seit 1511, gest. 1531. 

^ Geb. 1477, Erzbiscbof seit 1515, resignirto 1545, gest. 1652. 



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69 

torißchen Tendenzen bei ihm noch Nichts zu bemerken. Mag 
er auch in kirchenrechtlicher Beziehung schon 1528 eine freiere 
Stellung gegen Rom eingenommen haben, wie sein Verfahren 
gegen den in Rom vielgeltenden Probst von Xanten, Johann 
Ingenwinkel, beweist,*) so erhellt doch schon aus der im 
September 1529 unter seinen Augen, wenn auch nicht auf 
seinen Antrieb zu Köhi erfolgten Hmrichtung der Lutheraner 
Adolf Clarenbach und Peter Flysteden, dass er damals in 
seinen Anschauungen noch ganz auf dem Boden der alten 
Kirche stand. Von dem in Aussicht gestellten Concile aber 
mag er die Beseitigung der in der Kirche vorhandenen Miss- 
stände und zugleich Vermeidung einer völligen Kirchentrennung 
erwartet haben. 

Unter den Begleitern des Kurfürsten von Köln ist hervor- 
zuheben Graf Dietrich von Manderscheid, ^) in Staatsgeschäften 
wohl bewandert, welcher auch in seinem eigenen Namen auf 
der Grafenbank Sitz und Stimme hatte und ausserdem die 
Stadt Dortmund bei dem Reichstage vertrat, der gelehrte 
Domherr Chraf Hermann von Ntienar und der hochbegabte, 
damals kaum 30jährige Dr. Johann Gropper^ bekannt durch 
seine spätere Mitwirkung an dem Religionsgespräche in 
R^ensburg. 

Von den übrigen in Speier anwesenden noch nicht genann- 
ten geistlichen Fürsten war der bedeutendste der ErzUschof 
von Saleburg, Cardinal Matthäus Lang, ®) der schon bei Kaiser 
Maximilian hochangesehene Staatsmann. Längst nahm der- 



*) Er Hess denselben wegen seiner üebergriffe in die erz- 
bischöflichen Bechte verhaften und zwang ihn zur Abbitte. S. C. 
ErafiFt, Mittheilungen aus der niederrheinischen Beform ations- 
geschichte, in der Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins. 
Band 6, 273. 

*) Der berühmte Qeschichtschreiber Joh. Sleidanus war in 
dem Gebiete des Grafen geboren und seit etwa 1525 Erzieher 
seines Sohnes, mit welchem zusammen auch der hochverdiente 
Organisator des evangelischen Schulwesens in Strassbnrg, Joh. 
Stnrm, erzogen wurde. 

^ Geb. 1468 in Augsburg, zuerst Bischof von Gurk, dann 
Cardinal und seit 1520 Erzbischof von Salzburg, gest. 1540, 



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70 

selbe, welchen einst die Mitglieder des Augsburger Domkapitels, 
als ihn der Pabst 1500 auf Antrieb des Kaisers zum Dom- 
probste ernannt hatte, seiner bürgerlichen Abkunft wegen 
nicht hatten anerkennen wollen, seinen Platz unter den bedeu- 
tenderen Reichsfürsten ein. Während Cardinal Lang ursprüng- 
lich der humanistischen Richtung zugethan war, wird seine 
damalige Stellung in der religiösen Frage durch die im folgen- 
den Jahre zu Augsburg von ihm gethane Aeusserung gekenn- 
zeichnet: »In dieser Sache gibt es nur vier Wege. Entweder 
folgen wir euch; das wollen wir nicht; oder ihr folgt uns; 
das könnet ihr nicht, wie ihr sagt ; oder man muss vermitteln; 
das ist unmöglich; oder ein jeder Theil sucht, wie er den 
anderen aufhebe.« ^) 

Die beiden Bischöfe von Bamberg^ Weigand von Redwitz,*) 
und von Würzburgy Conrad von Thüngen,®) gegen welche der 
Zug des Landgrafen von Hessen im Jahre zuvor zunächst 
gerichtet war, hatten in Folge dessen an denselben erhebliche 
Rüstungsentschädigungen zahlen müssen. Begreiflicher Weise 
trug das nicht eben dazu bei, die ohnehin wenig wohlwollende 
Stimmung Beider gegen die Lutheraner zu verbessern. Bischof 
Conrad hatte anfanglich nicht im Sinne, persönlich an dem 
Reichstage theilzimehmen, obgleich König Ferdinand und die 
Herzoge von Baiem ihn durch besondere Briefe darum ersucht 
hatten. Er ordnete desshalb seine Räthe Dr. Marsüius Pren- 
ninger und den Domherrn Martin von Ussigheim*) zu seiner 
Vertretung nach Speier ab. Durch besondere Schreiben 
an König Ferdinand, den Bischof von Trient mid Dr. Faber 
entschuldigte er sein Nichterscheinen bei diesen. Als aber 
König Ferdinand ihn von Speier aus in einem zweiten Briefe 
dringend um persönliches Erscheinen ersuchte und ihn beson- 
ders auf die Wichtigkeit der bevorstehenden Verhandlungen 
in den Glaubensangelegenheiten hinwies, entschloss sich der 



^) S. die Bealencyklopädie von Herzog in dem Artikel : Erz- 
bisthum Salzbarg. Ranke m, 179. 

2) Bischof seit 1522, gest. 1556. 

») Oeb. um 1466, Bischof seit 1519, gest. 1540. 

*) Gest. 1546. Dr. Prenninger starb 1534. 



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71 

Bischof noch nachträglich, zum Reichstage zu kommen, auf 
welchem er, wie die seinen Gesandten mitgegebene Instruction 
beweist, eifrigst im Sinne des alten Glaubens wirkte. 

Der Bischof von Strasshurg, Wilhelm Graf zu Hohenstein, ^) 
war voll guten Willens, von ihm erkannte Missstände im sitt- 
lichen Leben abzustellen, hatte aber der in Strassburg sehr 
frühe eindringenden Reformation nach Kräften entgegengewirkt. 
Die Eifolgloslgkeit dieses Bemühens, welche in der unmittelbar 
vor dem Reichstage von der Strassburger Bürgerschaft 
beschlossenen förmlichen Abschaffung der Messe zu Tage trat, 
trug ohne Zweifel dazu bei, ihn zum Anschlüsse an alle gegen 
die weitere Ausbreitung der Neuerungen gerichteten Beschlüsse 
zu bestimmen. Das Gleiche war der Fall bei dem Bischo/e 
von Chur, Paulus Ziegler von Zieglerberg, ^) m dessen Bischofs- 
stadt Chur trotz seiner entgegengesetzten Bemühungen schon 
seit 1526 die Reformation eingeführt worden war. Doch kam 
Bischof Paulus erst am 20. April in Speier an, als die Prote- 
station bereits geschehen war und der Reichstag seinem 
Schlüsse entgegeneilte. 

WaUhervon Oronhergj^) Administrator des Hohenmeister- 
amts des deutschen Ordens, war nur dem Namen nach ein 
hoher Reichsfürst, da der Hochmeister Albrecht von Branden- 
burg das Ordensland Preussen zu einem weltlichen Erbfürsten- 
thum gemacht hatte. Da eine Wiedergewinnung Preussens, 
mit welchem Walther später 1530 von dem Kaiser förmlich 
belehnt wurde, ohne jedoch jemals in seinen Besitz kommen 
zu können, nur möglich war, wenn den Neuerungen ein Ziel 
gesetzt wurde, so veranlasste ihn schon sein eigenes Interesse, 
sich der Reichstagsmehrheit anzuschliessen. Aehnlich verhielt es 
sich mit dem gelehrten Coadjutor von Fulda, Johann, *) dem Sohne 
des Grafen Wilhelm von Henneberg, und mit dem Fürstabt 
Kraß von Hersfeldy welche beide persönlich an dem Reichstage 
theilnahmen. 



1) Beilage 29 und 36. 

^ Bischof seit 1507, gest. 1541. 

•) Bischof seit 1508, gest. 1541. 

*) Gest. 1543. 

») Gest. 1541, 



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72 

Der treffliche Bischof von Augsburg ^ Christoph von Stadion, *) 
gehörte zu den mildesten und gemässigtsten Mitgliedern der 
Reichstagsmehrheit, wie er auch im folgenden Jahre zu Augs- 
burg mit Eifer und Geist für em mildes den Frieden förderndes 
Vorgehen des Reichstags eintrat. ^) 

Durch besondere Botschafter waren in Speier noch die 
Erzbischöfe von Besan^on und Riga und die Bischöfe von 
Eichstädt, Osnabrück, Münster, Basel, Lüttich und Ratzeburg 
vertreten, welche mit Ausnahme der Gesandten des Bischofs 
von Osnabrück alle von Anfang an auf Seiten der Reichstags- 
mehrheit standen. 

Die Botschafter des Bischofs von Osnabrück mid Paderborfi, 
Erichs, Herzogs von Braunschweig-Grubenhagen, ^) waren Graf 
Albrecht von Mansfeld und Dr. Ludwig Huler, Kammergerichts- 
procurator in Speier, beide entschiedene Anhänger Luthers 
und auch in ihrer Eigenschaft als Botschafter auf dem Speierer 
Reichstage anfanglich in diesem Sinne thätig. 

Von reichsunmittelbaren Prälaten waren in Speier nur die 
beiden Aebte Rüdiger Fischer*) von Weissenburg und Gerwig 
Blaurer von Weingarten^) (in Würtemberg) persönlich in 
Speier anwesend, die übrigen durch Botschafter vertreten. Die 
schwäbischen Abteien hatten ihre Vertretung grossentheils dem 



1) Bischof seit 1517, gest. 1543. 

«) Müller, Eist. v. d. Protest., 707 S. 

^) Geb. um 1477, Bischof von Osnabrück seit Febr. und von 
Paderborn seit Nov. 1508, gest. 1532. 

*) Abt seit 1500. Des Klosterlebens müde, hatte derselbe 
1524 um Geld von Pabst Clemens VII. eine Bulle erlangt, durch 
welche die Abtei Weissenburg in ein weltliches Stift verwandelt 
wurde. Nach seinem Tode 1545 wurde die nunmehrige Probstei 
Weissenburg mit dem Bisthum Speier vereinigt. Remling, Gesch. d. 
Bisch, von Speier n, 309. Gasp. Bruschii chronol. monast. Germ.p.24. 

^) Abt seit 1520, gest. 1567. Derselbe war aus Constanz 
und ein Oheim des bekannten Reformators Ambros. Blaurer. Wenn 
wir der Zimmer'schen Chronik (11, 571 ff.) trauen dürfen, so führte 
Abt Gerwig, wie sonst, so auch auf den von ihm besuchten Reichs- 
tagen ein wenig eAauliches Leben und war bei den weltlichen 
Reichsständen ziemlich unbeliebt. 



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73 

in staatsmänniscben Geschäften wohl erfahrenen Abte Gerwig 
und einem Dr. der Rechte Johann König aus Tübingen anver- 
traut. Die im königl. würtemb. Staatsarchive zu Stuttgart 
aufbewahrten Missivbücher des Klosters Weingarten geben ein 
Bild von der ausgedehnten und einflussreichen Thätigkeit jenes 
Mannes, von welchem später der Erzbischof von Lund an 
Kaiser Karl schrieb, er habe seit den Tagen Maximilian*s bei 
allen Reichstagen und in den Versammlungen des schwäbischen 
Bundes in Kriegs- und Friedenszeiten mitgewirkt und geniesse 
ein solches Ansehen, dass er die übrigen Prälaten zur Leistung 
alles ihnen nur Möglichen bestimmen könne. *) Die gleich- 
zeitigen Reichstagsberichte geben Zeugniss für die durch Abt 
Gerwig auch zu Speier entwickelte Rührigkeit und seinen dort 
geübten Einfluss, welcher vielleicht dadurch noch gemehrt 
wurde, dass sein Bruder Christoph Plarer seit mehreren Jahren 
Beisitzer des Reichsregimentes war. Von den Bevollmächtigten 
der übrigen Prälaten ist nur derjenige des Probstes Wolfgang 
von Berchtesgaden zu nennen, Dr. Simon Reibeisen, Dechant 
des Sanct Guidostifts zu Speier, welcher von Jacob Sturm ^) 
als einer der einflussreichsten und thätigsten Mitglieder der 
Majorität erwähnt wird. 

• 
7. Die der Minorität angehSrenden Theilnehmer an dem 

Reichstage. 

Unter den in Speier anwesenden, der Sache der Refor- 
mation ergebenen Fürsten nahm Kurfürst Johann von Sachsen ^) 
die erste Stelle ein. Von dem ersten Auftreten Luther's an 
hatte er seiner Lehre die freudigste Theilnahme gewidmet; 
von ganzem Herzen schloss sich der anspruchslose, ernste und 
tief religiöse Mann an dieselbe an und folgte in allen wichtigen 
2Ieitfragen Luther*s bestimmendem Einflüsse. In vorgerücktem 
Alter erst war er zur Regierung gekommen; der feine durch- 
dringende Geist seines Bruders und Vorgängers Friedrichs des 



^) Gutachten des Erzbischofs von Land vom März 1536 bei 
Lanz, Staatspapiere, 205 f. 

^ Jung, Gesch. des Beichstags zu Speier, IV, 
8) Geb. 1467, reg. seit 1525, gest. 1582. 



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74 

Weisen fehlte ihm ; aber der hohe in seinem ganzen Verhalten 
zu Tage tretende sittliche Ernst, die aufrichtige Ergebenheit, 
welche er dem Kaiser in Wort und That bewies, die Besonnen- 
heit, welche er in seinem Thim bewährte und mit welcher er 
auch seinen ungestümen Verbündeten, den Landgrafen Philipp, 
vor übereilten Schritten zurückzuhalten suchte, erwarben ihm die 
Hochachtung auch seiner politischen Gegner. Schon an dem 
vorigen Speierer Reichstage hatte der Kurfürst mit sehr 
grossem Gefolge in Person theilgenommen und sich dort mit 
Entschiedenheit zu der Sache der Reformation bekannt Seit 
1526 hatte er die Neuoi^anisation der evangelischen Kirche 
in seinen Landen fortgesetzt und durch die unmittelbar vor 
dem Reichstage von 1529 beendigte Kirchenvisitation vollendet 
Um so weniger konnte er gewillt sein, dimsh einen Mehrheits- 
beschluss das neu Geschaffene wieder in Frage stellen zu lassen. 

Von den Begleitern und Räthen des Kurfürsten zum 
Reichstage werden uns genannt Graf Albrecht von Mans/eldy 
Haiis von Minkwitz und Christoph von Taubenheim, welch 
letzterer vor dem Speierer Reichstage nach Ulm gegangen 
war, um dort auf dem schwäbischen Bundestage im Auftrage 
des Kurfürsten denselben gegen den Verdacht zu rechtfertigen, 
dass er die Feinde des Bund^ in seinen Landen verberge. *) 

Als Kanzleischreiber und Notar hatte der Kurfürst Leonhard 
Stettner bei sich, welcher bei Aufnahme der Appellations- 
urkunde als Notar fungirte. Auch der bekannte kursächsische 
Kanzler Georg Brück (Pontanus) war, wie aus einer Aeusserung 
Melanchthons in einem Briefe hervorgeht, ein hervorragender 
Rathgeber des Kurfürsten während des Speierer Reichstages 
und in alle Verhandlungen eingeweiht^) 

Der kurfürstliche Rath Hans von Planife war schon 
längere Zeit vor dem Reichstage als Beisitzer des Reichsregiments 
in Speier. Seine Eigenschaft als Regimentsrath, als welcher 



1) Seckendorf 987. 

^ Melanchthon schreibt am 14. Juni 1529 an Justns Jonas, 
er werde ihm die ganze Geschichte des Reichstages mittheilen: 
Nam quae fuerit ^eititaifiq totins conventns praeter me et Pontanum 
nemo seit. Corp. Eef. I, 1076. 



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75 

er der Pflicht gegen seinen Landesherrn enthoben war, brachte 
ihn in so nahe Berührung mit König Ferdinand, dass der zu 
Weimar zurückgebhebene Kurprinz Johann Friedrich dessen 
Verkehr mit dem Könige für nicht unbedenklich hielt. Es 
scheint, dass diese Bedenken nicht ganz unbegründet waren. 
Sonst hätte Planitz, der noch am 25. December 1528 aus 
Speier an den Kurfürsten missbilligend über das Einschreiten 
des Reichsregiments gegen reformatorische Bewegungen berichtet 
hatte, sich schwerlich dazu bestimmen lassen, bei der später 
zu erzählenden Ausweisung Mieg's aus dem Regimente das 
Wort zu führen. *) 

Als theologischen Ratligeber hatte Kurfürst Johann, da 
er Luther wegen der über ihn ausgesprochenen Reichsacht 
nicht mitzunehmen wagen durfte, Philipp Melanchthon bei sich. 
Derselbe war am 20. Februar aus Wittenberg nach Weimar 
gekommen und hatte das an diesem Tage von dem Kurfürsten 
veranstaltete Turnier mit angesehen. Von da aus bis Speier, 
wo er in einem kleinen Hause eines alten Priesters ^) Herberge 
nahm, reiste er in der Begleitung des Kurfürsten. Bei den 
Verhandlungen des Reichstages tritt seine Person zwar nirgends 
in die Oeflfentlichkeit, aber die lebhafte uns erhaltene Corre- 
spondenz, welche er mit seinen Freunden, besonders mit 
Joachim Camerarius in Nürnberg und mit Justus Jonas theils 
von Speier aus, theils nach dem Reichstage von Wittenberg 
aus führte, liefert den Beweis, wie hoch sein Rath geschätzt 
wurde und mit welch ängstlicher Gewissenhaftigkeit er seine 
Rathschläge ertheilte. Dafür zeugen auch die Vorwürfe, welche 
er sich nach dem Reichstage noch Monate lang über die mit 
seiner Zustimmung beobachtete Haltung des Kurfürsten gegen 
die Anhänger Zwingiis machte. Wäre es auf dFe persönliche 
Neigung Melanchthons angekommen, so hätte sich derselbe 
von jeder auch nur berathenden Theilnahme an den Staats- 
geschäften femgehalten. »Glücklich, wer mit den öflfentlichen 



1) S. Seckendorf 986 f. und 950. Jung S. XXXI. 

^ In hospitio domunculae sacerdotis cujusdam senis, neqna- 
qoam mali hominis. S. Joach. Camerarius, de Phüippi Melancb- 
thoni» ortu etc. Lips. 1566. p. 115. 



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Angelegenheiten Nichts zu thun hatlc So schreibt er am 17. 
Mai mit besonderer Beziehmig auf den Speierer Reichstag an 
seinen Freund Gamerarius. ^) Sein Hauptint^esse wend^ sich 
der friedlich bauenden literarischen Thätigkeit zu, welche er 
auch während des Reichstages eifrigst fortsetzte. In Speier 
schrieb er seine Vorrede zum Römerbriefe. Von hier aus sorgte 
er für den in Hagenau geschehenden Druck seines dem Könige 
Ferdinand gewidmeten Commentares zum Propheten Daniel. 
Hier verfasste er auch die Vorrede zu demselben, in welch«: 
er Ferdinand mit freimüthigen und eindringlichen Worten 
bittet, doch in der Glaubensfrage beide Theile zu hören und 
die Einigkeit der Christenheit nicht dm*ch gewaltsame Unter- 
drückung des einen Theiles, sondern durch Reinigung der 
Eirchenlehre zu fördern. Keinen dauernderen Ruhm könne ^ 
sich erwerben, als wenn er auf diese Weise der Kirche den 
Frieden wiedergäbe. Schliesslich bittet Melanchthon, ihm seine 
freimüthige Sprache zu verzeihen, zu welcher er sich in einer 
Zeit, in der man vielfach der Weisheit vergesse und die 
Gewalt regieren lasse, getrieben gefühlt habe. Melanchthon 
gab dieser Vorrede ein lateinisches Gedicht bei: Germania ad 
regem Ferdinandum. In demselben fordert er den König im 
Namöti des durch den Bauernkrieg verwüsteten, jetzt von den 
Türken bedrohten, bisher unbesiegten Deutschlands zum Kampfe 
gegen die Türken auf, auf welche schon der Prophet Daniel 
in dem Bilde des letzten schrecklichen Thieres (Dan. 7, 7 flf.) 
in prophetischem Geiste hingewiesen habe. Doch bevor Fer- 
dinand zum Kampfe gegai die äusseren Feinde schreite, möge 
er in der Heimath durch Beilegung der religiös^i Wirren einen 
sicheren Frieden herstellen. Das sei eine eines so grossen 
Königs würdige That. Ebenso möge Ferdinand seine Sorge 
den jetzt vielfach verachteten edebi Künsten und Wissenschaften 
zuwenden und sich damit hohen Ruhm erwerben. *) 



») Corp. Eef. I, p. 1067. 

^ Corp. Bef. I, p. 1052 ff. Die zuletzt erwähnte Stelle lautet 
wörtlich : 

Sed prius eztemos quam progrediaris in hostes, 
Certa tibi pax est constitaenda domi, 



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11, 

Als Hofprediger war Johann Agricola, ^) nach seiner 
Geburlsstadt auch oft M. Eisleben genannt, mit dem Kurfürsten 
nach Speier gekommen. Schon 1526 hatte derselbe unter 
grossem Zulaufe, sowohl während des Speierer Reichstags, als 
auf der Reise dahin, ^) in evangelischer Weise gepredigt. Auch 
diesmal geschah das wieder. Melanchthon rühmt ^) die 
Mässigung, welche Agricola in seinen Predigten bewies, 
und fügt hinzu, dass er zu seiner Freude das Gerücht, 
derselbe huldige Zwinglischen Anschauungen, unbegründet 
gefunden habe. 

Mit Kurfürst Johann von Sachsen war auch auf dem 
Speiser Reichstage Landgraf Philipp von Hessen *) auf das 
engste verbunden. Schon 1526 hatte er bei Bestellung der 
Herberge für sich und den Kurfürsten von Sachsen darauf 
Rücksicht genommten, dass ihre Absteigquartiere möglichst 

Sedandique graves de religione tomnltas. 

Hoc regem tantam, qnantas es ipse, decet. 

^ec minor ingenuas stndiis florentibus artes, 

Ac fovisse sacras sit tibi cura deas, 

Quae spretae sine honore jacent hoc tempore passim. 

Hac re nulla tibi gloria major erit. 

^) Geb. 1492 in Eisleben, seit 1525 Prediger an der Nicolai- 
kircbe daselbst, gest. 1566 als brandenbnrgischer Hofprediger in 
Berlin. 

*) So z. B. am 16. Juli 1526 in der 8. Bartholomftuskirche 
SQ Frankfurt. S. G. E. Steitz, Tagebuch des Canoniens Wolfg. 
Königstein ans den Jabren 1520 bis 1548. Frankfart a. M. 1876. 
S. 110. Der gut päbstliche Eönigstein sagt dort von Agrico\a, er 
sei der Intberischen Secte anhängig, doch bei seiner ersten Predigt 
in Frankfurt „moderate herausgefahren*'. In einer Tags darauf in 
der Sanct Leonhardskircbe gehaltenen Predigt habe er dagegen von 
der Messe gepredigt und alle Ceremonien verachtet. — Die von 
Agricola 1526 in Speier gehaltenen Predigten (über den Colosser- 
brief) wurden 1527 zu Wittenberg gedruckt und sind uns erhalten. 
8. Oelbert, a. a. 0. 144. 

') In einem Briefe an Justus Jonas vom 22. März 1529: 
Corp. Ref. I, p. 1041: Neque diligentiam neque moderationem 
deddero in Islebio. 

*) Geb. 1504, reg. seit 1509, gest. 1566. 



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78 

nahe bei einander lägen. *) Auch bei diesem Reichstage hatten 
beide Fürsten, welche erst kurz vor demselben am 20. Februar 
auf dem zu Weimar gehaltenen Turniere beisammen gewesen 
waren und sich wohl dort schon über wichtigere Fragen 
geeinigt hatten, entweder eine gemeinsame Herberge oder ihre 
Wohnungen lagen doch in unmittelbarer Nähe von einander. *) 
So konnte ein steter, bis in Einzelnste gehender Verkehr und 
eine Verständigung über alle auf dem Reichstage verhandelten 
Fragen zwischen beiden Fürsten stattfinden, deren Eigenschaften 
sich in glücklicher Weise gegenseitig ergänzten. Die Besonnen- 
heit und Milde des Kurfürsten bewahrte den ungestümen 
Landgrafen vor allzu raschem und übereiltem Vorgehen, und 
die jugendliche Begeisterung des thatkräftigen Landgrafen Hess 
die rechte Zeit zu energischem Vorgehen nicht versäumen. 



^) In einer Zuschrift an den Bath von Speier d. d. Gassel, 
Freitag nach Misericord. Dom. 1526 ersucht er den Bath, derselbe 
wolle dem Kurfürsten von Sachsen, welcher ihn um Besorgung 
eines Quartieres in Spoier gebeten habe, „eine gute Herbe, die 
vnser eingenommenen Herberge nae gelegen sey, bestellen." Stadt- 
archiv Speier. Fase. 156. 

*) S. Neue Zeitung etc. in Beilage 38. Nach einer in Speier 
gehenden Sage soll Kurfürst Johann seine Wohnung in der Herd- 
gasse in dem jetzt Deiferschen Hause gehabt haben. Indess erhellt 
aus Spalatins Annalen, dass das Quartier des Kurfürsten 1526 in 
dem Hause des Doctor Jac. Sehen ck zunächst der Johanniskirche, 
also in der Johannisgasse war. Damit stimmt zusammen, dass die 
Behausung des Gaplans P. Mutterstadt, in der 1529 die Appella- 
tionsurkunde aufgenommen wurde, ebenfalls in der Johannisgasse 
lag. Spalatin erzählt nämlich (bei Mencken H, 659), dass Pfalz- 
graf Johannes von Hundsrück (Simmern) 1526 den Kurfürsten 
Johann besucht habe imd dass dann „inter coenandum m aedibut 
Doeu Jaeobi SchenelW^ irgend ein Gespräch geführt worden sei. An 
einer anderen Stelle (S. 661) berichtet dei^selbe von einer 
unpassenden Predigt , welche ein gewisser Tnberinns am 
Sonntage nach Maria Himmelfahrt in der Sanet Johanniskirche 
neben der Wohnung des Kurfürsten und Landgrafen (in divo 
Johanne ad hospitinm principis nostri et Hessorum) zu halten 
gewagt habe. 



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n 

Letzterer war es auch, welcher mit staatsmännischer Weisheit 
die Abgeht der Gegner, unter den Evangelischen Zwietracht 
zu säen, durchschaute und die volle Einigkeit derselben während 
des ganzen Reichstages zu erhalten wusste. Wie der Landgraf 
schon vor dem Reichstage von 1526 den Kurfürsten veranlasst 
hatte, an sein Gefolge einen Befehl zu erlassen, durch welchen 
dasselbe strengstens ermahnt wurde, sich auf der Reise nach 
Speier und beim Reichstage daselbst durch ein massiges und 
nüchternes Leben des EvangeUums würdig zu beweisen, so 
hielt er mit Jenem ohne Zweifel auch diesmal darauf, dass 
seine Leute keinerlei Aergerniss gaben. ^) Von den Anhängern 
der Reformation wurde Philipp desshalb in Speier hoch 
gefeiert So ehrte ihn der bekannte gekrönte Poet Hermann 
vom Busche mit einem lateinischen und deutschen Gedichte, 
das er zu Speier öflfentlich anschlagen Hess, welches im 
Deutschen mit den Worten begann: »Nimm zu in Gottes 
Gebot und Lehre, Philipps von Hessen, Fürst und Herre.«^) 
Von den Begleitern des Landgrafen zum Reichstage wird 
uns sein Rath Balthasar von Schrauteniach genannt, welcher 
grosses Vertrauen bei Philipp genoss und auch bei dem Reichs- 
tage von 1526 mit ihm in Speier gewesen war. Als theologischen 
Beirath und als Hofprediger hatte er Erhard Schnepfe) bei 
sich, einen tüchtigen, redegewandten Prediger, von dem später 
der Nürnberger Patrizier Hier. Baumgartner sagte, er sei der 
einzige Prediger, welcher noch einen Schnabel habe, christlich 
und beständig zu singen. Auch Melanchthon erkennt die in 
Schnepf s Predigten hervortretende Gelehrsamkeit und Beredtheit 
an, fügt aber hinzu, dass er für seine Person eine knappere 
Redeweise vorziehe. Während Agricola in seinen zu Speier 
gehaltenen Predigten mehr thetisch, positiv aufbauend verfahren 
zu haben scheint, fehlte bei Schnepf auch die direkte Polemik 



*) Seckendorf 771 f. Spalat. Annal. bei Mencken 11, 658. 

2) S. Wig. Lauze, hess. Chronik. Kassel 1843, S. 165. 

«) Geb. 1495 in Heilbronn, seit 1528 Prof. theol in Mar- 
burg, später Generalsuperintendent in Würtemberg, gest. 1558 in 
Rostock. 



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80 

nicht. Namentlich trat er, wie Ehinger in einem seiner Briefe 
aus Speier mit Freude berichtet, geradezu gegen die Messe auf. ^) 
Der Dritte der zu Speier anwesenden evangelischen Fürsten 
war Markgraf Georg von Brandenburg^) zu Kureuth und 
Ansbach. Ein aufrichtig frommer Mann und eifriger Freund 
der Reformation, hatte er in Gemeinschaft mit dem Rathe von 
Nürnberg nach seines Bruders Casimir Tode 1528, unbekümmert 
um den Protest des Bischofs von Bamberg, eine Kirchen- 
visitation angeordnet, die Feier des Frohnleichnamsfestes 
abgeschafft, die des h. Abendmahles unter l)eiderlei Gestalt 
eingeführt und beiden Gebieten eine Kirchenverfassung nach 
evangelischen Grundsätzen gegeben. Das Reichstagsausschreiben 
hatte ihn erst am 5. Februar in dem seit 1523 von ihm 
erworbenen Jägerndorf in Schlesien getroffen, wo er sich 
damals kurze Zeit aufhielt. Ausser Stande, nun noch persön- 
lich rechtzeitig zu Speier zu erscheinen, ordnete Markgraf (Seorg 
sofort seinen Hofmeister Hans von Seckendoff-Aberdar^) mit 
Vollmacht und emgehender, sein ganzes Verhalten regebider 
Instruction*) zum Reichstage ab, und kehrte dann, sobald es 
ihm möglich wurde, in seine fränkischen Lande zurück, in 
welchen er am 25. März ankam. So konnte Markgraf Georg 
erst am 3. April in Speier einziehen, wo er im Vertrauen auf 
Gottes Schutz sich allen Schritten der evangelischen Stände 
mit Entschiedenheit anschloss. Er wurde dabei unterstützt 
von den ihn begleitenden Räthen. Zwar der erwähnte Hans 



^) ürk. des schwäb. Bandes ü, 342. S. Melanchthon's Brief 
an Jastus Jonas vom 22. März, in welohem er Schnepf doetam 
sane hominem et copiosam in docendo nennt, jedoch beifügt: Scis 
autem, me pressum orationis genus magis amare. Corp. Ref. I, 
p. 1041. Jene Aeusserung Baumgartner's über Schnepf findet sich 
in seinem Briefe von dem Augsburger Reichstage an Laz. Spengler. 
S. Hausdorf, Lebensbeschreibung L. Spengler. Nürnberg 1741. S. 74. 
Auch Bucholtz (11, 381, Anm.) erwähnt jene Aeusserung, schreibt 
sie jedoch irrtbümlich einem „Würtemberger" Patrizier zu. 

«) Geb. 1484, gest. 1543. 

^ Schon seit 1486 m markgräflichen Diensten, gest. 1535 in 
Ansbach. 

^) Beilage 8. 



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81 

von Seckendorf betrachtete die Reformation mehr aus staats- 
männischem Gesichtspunkte und wie er früher wegen der dama- 
ligen politischen Lage von der Kirchenvisitation abgerathen hatte, 
so mag er auch zu Speier vor weitergehenden Schritten gewarnt 
haben. Um so eifriger evangelisch gesinnt war aber der ver- 
diente markgräfliche Kanzler Georg Vogler. Ausser diesen Beiden 
waren noch die Secretäre des Markgrafen Alexim Frauentraut 
und Pancratius SaUniann mit ihm nach Speier gekommen. Auch 
einai Prediger brachte der Markgraf mit,^) doch haben wir 
den Namen desselben in den Akten nicht finden können. 

Nicht weniger entschieden, als Markgraf Georg, stand 
Herzog Ernst von Braunschweig-länehurg *) zu Celle für die 
Sache der Reformation ein. Am Hofe seines mütterlichen 
Oheims, des Kurfüi'sten Friedrich des Weisen, war er mit dem 
Kurprinzen Johann Friedrich unter der Leitung Georg Spalatins 
erzogen worden, mit Luther in persönliche Berührung gekommen 
und ein begeisterter Freund der evangelischen Sache geworden. 
Als er dann nach dem unglücklichen Ausgange der Hildesheimer 
Stiftsfehde und der Achterklarung gegen seinen Vater frühe, 
1521, zur Regierung gelangt war, gehörte es zu seinen ersten 
Sorgen, das Kirchenwesen in seinem Gebiete in evangelischer 
Weise zu ordnen. Mit ihm Hand in Hand ging sein gleich- 
gesinnter jüngerer Bruder und Mitregent (seit 1527) Herzog 
Franz von Lüneburg,^) mit welchem er bereits dem Speierer 
Reichstage von 1526 beigewohnt hatte. Zu dem Reichstage 
von 1529 kamen die beiden Brüder erst am 20. April, als die 
öffentliche Protestation bereits geschehen war. Doch hatte ihr 
Kanzler Johann Förster *) dem Reichstage von Anfang an beige- 
wohnt und an allen Schritten der Evangelischen theilgenommen. 

Der Letzte der in Speier erschienenen evangelischen Fürsten 
war Fürst Wolf gang van Anhalt^) zu Köthen und Zerbst, der 



') Ehingers Brief vom 12. April in den Urkunden des schwftb. 
Bundes 844. Pfarrer bei Jung XVm. 
«) Geb. 1497, gest. 1546. 
^ Geb. 1508, gest. 1549. 
*) Gest. 1547. 
^) Geb. 1492, gest. 1566. 

6 



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82 

bekannte Freund und Förderer der Reformation, welcher mit 
Kürfärst Johann am 13. März nach Speier kam und sich in 
allen Fragen enge an ihn anschloss. 

Auch von den anwesendai reichsunmittelbaren Grafen 
standen Etliche auf Seiten der Minorität und wenn sie sich 
gleich an der späteren Protestation nicht förmlich betheiligten, 
so zeigten sie doch durch Nichtunterschrift des Abschiedes, 
welches ihre Stellung war. Zu ihnen gehörte ausser dem im 
Gefolge des Kiufürsten von Sachsen erschienenen Grafen 
Albrecht von Mansfeld besonders Graf Georg von fVertheim, 
welcher schon 1524 mit dem kursäcbsischen Gesandten und den 
Städten gegen den zu Nürnberg aufgerichteten der Reformation 
wenig günstigen Reichstagsabschied sich erhoben hatte. *) 

Auch Graf Wilhelm von Fürsienbergy der bekannte unter- 
nehmende Kriegsmann, stand zu Speier, schon in Folge seiner 
engen Verbindung mit der Stadt Strassburg, um derentwillai 
ihn Bischof Wilhelm spottweise den Grafen von Strassbui^ zu 
nennen pflegte, bereits ganz auf Seite der Anhänger der 
Reformation, wie er denn im October dem Marburger Religions- 
gespräche beiwohnte und 1535 nach Zurückführung des 
Herzogs Ulrich nach Würtemberg in seinen Territorien 
die Reformation einführte. Dageg^i gehörte sein Bruder Graf 
Friedrich II. zu den ^itschiedenen Gegnern der neuen Lehre. *) 

Zur Minorität des Reichstages sind neben den genannten 
wenig zahlreichen Fürsten und Grafen noch sämmtliche Ver- 



^) Gelbert, a. a. 0. 65. Graf Georg hatte auch an dorn 
vorigen Speierer Reichstage theilgenommen. In seiner Gegenwart 
hatte damals der kurpf^lzische Foldhauptmann Eberhard von Erbach, 
sein Schwager, auf dem Krankenbette andächtig das h. Abendmahl 
unter beiden Gestalten empfangen. Spalat. annal. bei Mencken II, 
659. Graf Georg war geb. etwa 1487, seit 1509 Mitregent seines 
Vaters, seit 1521 alleiniger Regent, starb 17. April 1530. Ueber 
seine Theilnahme am Bauernkriege s. J. Aschbach, Gesch. der Grafen 
von Wertheim. Frkft. 1843. I, 296 ff. 

^ S. über beide Grafen: Riegler, Graf Friedrich 11. von Pürsten- 
berg etc. in der Zeitschrift für die Geschichte von Freibnrg i. Br., Band 11, 
275 ff. Dr. E. Münch, Gesch. des Hauses n. Landes Fürstenberg, n. Bd. 
Aach. n. Lpzg. 1830. Graf Wilhelm war geb. 1492 und starb 1549. 



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83 

treter der Städte zu rechnen, welche wenigstens anfeuiglicb 
unter einander fest zusammenhielten. Schon die formelle 
Behandlung der Geschäfte bei den Reichstagen hatte die 
Städte in eine gewisse oppositionelle Stellung hineingetrieben 
und zu gemeinsamem Auftreten auch für den Fall aufigefordert, 
dass sie in der Beurtheilung einer auf dem Reichstage ver- 
handelten Frage materiell nicht ganz übereinstimmten. Denn 
obwohl man die Reichsstädte regelmässig auf die Reichstage 
berief, so war ihnen doch von den übrigen Reichsständen dort 
keine beschliessende und entscheidende Stimme zugestanden. 
Vielmehr war es Gebrauch geworden, dass die Kurfürsten, 
Fürsten, Prälaten und Grafen zuerst ohne Zuziehimg der 
Städte ihre Berathungen hielten, und erst nachdem sie ihre 
Beschlüsse gefasst hatten, dieselben den Botschaftern der 
Städte mitthdlten, welche dann genöthigt waren, ohne zuvor 
mit ihrem Gutachten gehört zu sein, die von den anderen 
Ständen gefassten Beschlüsse einfach anzunehmen. Sie hatten 
desshalb schon nach einem Beschlüsse des Speierer Städtetages 
von 1523 an den Kaiser eine Gesandtschaft mit der Bitte 
gesendet, den Städten wieder volles Stimmrecht einzuräumen, 
wie sie es früher gehabt. Auch auf den Reichstagen von 
1524 und 1526 hatten sie ihre Beschwerde wieder vorgebracht, 
aber ohne den gewünschten Erfolg. ^) Dazu kam, dass auch 
die mat^iellen Interessen die Städte auf volle Einigkeit hin- 
wiesen und dass sie längst ihre Stärke darin gefunden hatten, 
die Beschwa^den einer einzelnen Stadt als ihre gemeinsame 
Sache zu behandeln und einmüthig für Abhülfe einzustehen. 
Diese Einigkeit der Städte zeigte sich auch auf dem Reichstage 
von 1529 und stellte selbst solche Städte anfänglich in die 
Reihen der Minorität, welche, da sie von den hergebrachten 
Ceremonien weder abgewichen waren, noch abzuweichen 
gedachten, für sich selbst mit der Mehrheit hätten stimmen 
können. Dass freilich diese Einigkeit nicht für die ganze Dauer 
des Reichstages vorhielt, wird die weitere Darlegung ergeben. 
Ueberdies stand in den angesehensten der Reichsstädte, 
welche auf die übrigen durch ihre eigene Bedeutung, wie durch 

^) Chr. 6. Bnders, Repertorinm jnris publioi et feudalis. Jena 
175L a 1094. Urk. dee schw. Bond, ü, 245. 

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hervorragende Tüchtigkeit ihrer Vertreter einen bestimmenden 
Einfluss übten, die Bürgerschaft mit Begeisterung für die 
Giaubensemeuerung ein. So war in Nürnberg schon seit 1524 
die Reformation durchgeführt und durch die 1528 im Nürn- 
berger Gebiete gehaltene Eirchenvisitation die Organisation 
der Kirche in evangelischem Sinne vollendet worden. Gelehrte 
von einer Bedeutung, wie Joachim CameraritM,^) der Freund 
Melanchthons, welcher denselben während des Reichstages zu 
Speier besuchte, und Eoban Hesse wirkten dort seit Jahren. 
Staatsmänner, wie der Senator Hieronymus Baumgartner, 
Clemens Volkheimer imd namentlich der Rathschreib^ Lazarus 
Spengler,^ dessen Bedeutung weit über seine einfache Stellung 
hinausging, und Andere hatten dort mit eb^iso viel Eifer wie 
Einsicht die Sache der Reformation vertreten. Nach Speier 
waren von Nürnberg Bürgermeister Christoph Tetael^ Christo]^ 
Kress und Bernhard Baumgartner, der Bruder des Hierony- 
mus B., abgeordnet worden, welche von dem Syndicus Michael 
von Kaden und von Eucharius Ulrich als Secretären begleitet 
waren. Chr. Tetzel war schon am 19. Februar, als der Erste 
unter allen Reichstagsgesandten, in Speier erschien^i und 
suchte von dort aus auch andere befreundete Städte, wie 
Strassburg, zu möglichst früher Beschickung des Reichstages 
zu veranlassen.^) 

In Strassburg, wo die Bürgerschaft in den ersten Jahren 
Jiach dem Beginne der Reformation in ihrer gross^i Mehrheit 
für dieselbe eingetreten war, hatte man unmittelbar vor dem 



^) Geb. 1500, seit 1526 Rektor des Gymnasiums in Nürnberg, 
gest. 1574 in Leipzig. 

') Odb. 1479, Bathschreiber seit 1506, gest. 1534. 

^) A. Jung, Gesch. des Reichstags zu Speier in dem Jahre 
1529. Strassb. u. Lpzg. 1830. 8. 1. Nach einer mir aus dem Nürn- 
berger Stadtarchive, welches aber über Reichsangelegenheiten nur 
sehr wenig enthält, freundlichst vermittelten Notiz ist in den dor- 
tigen Akten nur die Abordnung von Eress und Baumgartner er^ 
wähnt. Doch besteht kein Zweifel, dass auch Chr. Tetzel nicht 
nur während des Reichstages zu Speier war, sondern auch unter 
den Abgeordneten eine hervorragende Stelle einnahm. Kress war 1484 
geboren und wurde 1580 von Kaiser Karl in den Adelstand erhoben. 



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85 

Reichstage die Messe förmlich abgeschafift. Das Gerücht^ dass 
die Stadt Strassburg dies beabsichtige, war frühe auch an das 
kaiserlidie Regiment zu Speier gelangt, welches, d«r damals 
herrsch^dai Strömmig folgend, in Folge dessen am 21. De- 
c^nb» 1528 die Regimentsaräthe Graf Ulrich von Helfenstein 
mid Sebastian Schilling nach Strassburg sandte, um den Rath 
der Stadt bei Vermeidung der Ungnade des Kaisers und des 
Königs Ferdinand eindringlich von der Ausfährung dieser 
Absicht, wenn sie wirklich bestehen sollte, abzumahnen. 
Wenigstens solle man vor dem nahen Reichstage nicht zu 
einer Abstellung der Messe schreiten, zu der auch der letzte 
Speierer Abschied nicht berechtige. Der Rath von Strassburg 
erklärte den Gesandten, um der Wichtigkeit der Sache willen 
keine sofortige Antwort geben zu können und den grossen 
Rath darüber befragen zu müssen, worauf Jene nach Spei^ 
zurückkehrten. Als dann am 20. Februar 1529 der grosse 
Rath yersammelt wurde, beschloss derselbe, trotz jener Mahn- 
ung des Regiments, welche mittlerweile durch dasselbe schrift- 
lich in Erinnerung gebracht wordai war, mit Stimmenmehrheit, 
»die Messe abzustellen, bis aus göttlicher Schrift bewiesen würde, 
dass sie ein gottgefällig Werk seit. Dieser Beschluss wurde 
durch Zuschrift von demselben Tage dem Regimente formlich 
mitgetheilt *) Welche Verwickelungen dann auf dem Reichstage 
aus diesem Vorgehen entstanden, wird später erzählt werden. 
Die Vertreter der Stadt Strassburg beim Reichstage waren 
Jacob Sturm und der Ammeister Matthias Pfarrer.^ Ersterer, 
ein Schüler des berühmten Humanisten Jac. Wimpheling, war 
ohne Zweifel einer der bedeutendsten Männer in dieser Ver- 
sammlung. Wie er seit seinem Eintritte in den Rath seiner 
Vaterstadt (1524) das einflussreichste Glied in diesem war, so 
übte er auch zu Speier in dem Rathe der Städte einen vor- 



») S. die betr. Aktenstttcke bei Jung, 8. LXIV bis LXXVIL 
*) Sturm geb. 1489, gest. 1553. S. über ihn A. Jung, Gesch. 

der Reformation der Kirche in Strassburg. Strsbg. u. Lpzg. 1880. 

S. 185 ff« Ueber Pfarrer s. ebenda 104. Die Bemerkung des 

Erasmus über Sturm findet sich in Epistolarum D. Erasmi Hot^r- 

dami libri XXXL Lond. 1642. p. 1260, 



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86 

waltenden Einfluss aus. Eine gediegene wissensehaftliche Bild- 
ung vereinigte sich bei ihm mit emer auch von den Gegnern 
anerkannten Charakterfestigkeit. Vor dem Reichstage zu Spei^ 
(im Februar 1529) rühmt Erasmus, dass nicht allem Strass- 
burg, sondern fast ganz Deutschland den Rathschlägen Sturm's 
sehr vid zu danken habe. Eline bei der Schwfllstigkeit der 
damaligen diplomatischen Sprache besonders seltene Einfach- 
heit und Klarheit der Darstellung in Verbindung mit einem 
guten Vortrage und einer ruhigen und würdigen Haltung 
machte ihn zu einem geschätzten Redner und zum natürlichen 
Wortführer der Städte in den Reichsversammlungen. Auch 
Pfarrer war, wenn gleich an Bedeutung weit hinter Sturm 
zurückstehend, in Staatsgeschäften wohl erfahren und in 
Strassburg wegen seines milden, bescheidenen und ft*eundlichen 
Wesens bei Jedermann beliebt. Die gründlichen Berichte imd 
die Briefe der Strassburger Abgeordneten sind von Jung in 
seiner Geschichte des Reichstages zu Speier wörtlich abgedruckt 
und eine Hauptquelle für diese Darstellung. 

Weniger weit als in Nürnberg und Strassburg waren die 
religiösen Reformen in Ulm gediehen, wo erst zwei Jahre 
später durch Herausgabe der s. g. Reformartikel die Organi- 
sation des evangelischen Kirchenwesens vollendet wurde. Indess 
war die Frohnleichnams-Procession bereits 1527 abgeschafft 
worden und man ging eben vor dem Reichstage damit um, 
die Messe vollständig abzustellen. Doch war die Ausführung 
bisher noch unterblieben. In Speier war die Stadt Ulm ausser 
durch einen Daniel Schleicher durch den Bürgermeister Bern- 
hard Besserer vertreten, welcher in Ulm bisher zu besonnenem 
Vorgehen in den Glaubenssachen gemahnt und namentlich die 
Abschaffung der Messe verhindert hatte, aber dennoch die 
Stütze der evangelischen Parthei daselbst gewesen war und in 
Speier auch vor weiter gehenden Schritten nicht zurückschreckte. 
Dieselben hatten auch Vollmacht von der Stadt Jswy, in welcher 
seit 1627 Paul Fagius aus Rheinzabern wirkte.*) 

^) S. über die Reformation in Ulm J. C. Funkons Reforma« 
tions-Historie. Ulm 1730. 8. 695 ff. und C. Th. Keim, die Refor- 
mation der Reichsstadt Ulm. Stuttgart 1851. Eine treffende Charak- 
teristik B. Besserers gibt Keim 6. 100 f. 



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87 

Dagegen war die Stadt Constanjt wegen ihres Vorgehens 
in den religiösen Fragen mehr als andere angefeindet Schon 
1527 hatte das ganze Domcapitel desshalb die Stadt verlassen 
und war nach Radolfzell übergesiedelt Mit Zürich und Bern 
war die Stadt in Bürgerrecht getreten, was ihr vom Reichs- 
regimente als eine Art Treubruch an dem Reiche angerechnet 
wurde.*) Auch die Messe war dort bereits förmlich abgeschafft 
und die Bilder und Altäre aus den Kirchen theilweise gewalt- 
sam entfernt worden. Die Stadt Constanz gehörte desshalb 
zu denen, welche zu Speier wegen ihrer Haltung am heftigsten 
angeklagt wurden, und die Reichstagsakten erzählen uns viel 
von den Beschwerden, welche bald das Reichsregiment, bald der 
Gonstanzer Bischof, bald die Ritterschaft gegen die Stadt erhoben, 
hl Spei» war Constanz durch Conrad Zwick vertretai. Der Reichs- 
tagsgesandte der Ck)nstanz benachbarten Stadt lAndcM^ welche 
ebenfalls die Messe abgestellt hatte, hiess Hans FambüMer. 

In Memmingen^ wo zuerst Dr. Joh. Schappeler und nach 
dessen Flucht besonders Simpert Schenk wirkte und seit No- 
vember 1528 Ambrosius Blaurer dem Rathe zur Seite stand, 
war ebenfalls kurz vor dem Reichstage, Ende December 1528, 
die Messe förmUch abgeschafft word^oi, und an Ostern 1529 
wurde dort das h. Abendmahl zum ersten Male in beiderlei 
Gestalt nach evangelischem Ritus gefeiert Die Stadt erUtt dess- 
halb heftige Anfeindungen, und als der Bürgermeister Johannes 
Keller vwi da durch die Stadt im Februar 1529 zum schwäbi- 
schen Bundestage als Bundesrath deputirt wurde, hatte man 
ihn, wie bereits erzählt, seinen Sitz nicht einnehmen lassen, 
weil die Stadt Memmingen »unsers allergnädigsten Herrn Edict 



^) In einem ^^^/a gezeichneten Fascikel der herzoglich bairi- 
scben Abtheilong des k. geh. Staatsarchivs zu München findet sieb 
mit dem Datum 16. Febr. 1528 ein vierstimmig gesetztes Spottlied 
auf die Stadt wegen der dort eingeführten Reformation und ibres 
Anschlusses an die Schweiz. Die Anfangsworte der vier Verse sind 
hervorgehoben und lauten: Constantz Soll Gestraft werden. Der 
erste Vers beisst wörtlich : „Constantz, o we, am Bodensee, dem Reich 
mit aid verbunden, du hast im Qeist am allermeist ein bösen sein 
gefanden, mit luters gschriffc dein Hertz vergift, gen Zorch vnd Bern 
geschworen, des hastu auch der Eltern lob, dazu dein Er verloren.** 



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88 

zuwider das heilig hochwurdig Sacrament und die Haltung der 
heiligen Messe freventlich abgethan und va'boten« habe.') 
Nach Speier hatte die Stadt ihren Bürgermeister Johannes 
Ehinger von Guottenau abgeordnet, den Bruder des bei 
Karl V. vielgeltenden kaiserlichen Rathes ührich Ehinger. Die 
interessanten Berichte, welche Job. Ehinger über den Reichstag 
an den Rath von Memmingen erstattete, sind von Elüpfel in 
seinen Urkunden des schwäbischen Bundes^) im Auszuge ab- 
gedruckt und bilden eine nicht unwichtige Quelle für die 6e- 
sdiichte des Reichstages. Dieselben zeigen uns Ehinger als 
einen muthigen und eifrigen Freund der Reformation, welcher 
das Eintreten für dieselbe als Gewissenspflicht betrachtete, der 
indess von persönlicher Eitelkeit nicht ganz frei war. 

War man auch in Kempten noch nicht so weit vorge- 
gangen, wie in den Nachbarstädten Memmingen und Lindau, 
so ging man doch auch dort mit dem Gedanken um, die Messe 
abzustellen, und der Reichstagsgesandte der Stadt, dessen 
Namen in den von uns eingesehenen Akten nicht genannt ist, 
schloss sich, wenn auch zögernd, zu Speier dem Vorgehen der 
übrigen evangelischen Städte an. 

Die Stadt NörcUingen hatte sich bisher, obwohl auch 
dort die lutherische Predigt nach dem Vorgange Nürnbergs 
und Ulms Eingang gefunden und namentlich Theobald Gerlach 
aus Billigheim in der Pfalz (Billicanus) seit 1522 dort gewirkt 
hatte, von entschiedeneren Schritten fem gehalten. Auch 
nahmen andere mit einem gewissen Antonius Forner aus 
Nördlingen schwebende frrungen, welche die materiellen hi- 
teressen der Stadt berührten und während des Reichstages 
beim Regimente und Kammergerichte verhandelt wurden, die 
Abgeordneten der Stadt zu Speier so sehr in Anspruch, dass 
die religiösen Fragen für sie mehr in den Hintergrund traten. 
Dennoch standen dieselben, hierin von dem Rathe ihrer Vater- 
stadt unterstützt, zu Speier den Städten Nürnberg und Ulm 
kräftig zur Seite. Die Berichte dieser Gesandten, des Alt- 



>) 8. oben S. 23 £. und ürk. d. schw. B. II, 338. S. aach Keim, 
Bcbwäb. Ref. gesch. 85 ff. 
^ Band H, 337—345. 



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89 

bürgermeisters Jacch Wtedemainny welcher schon 1526 die Stadt 
Nördlingra zu Speier vertreten hatte, und des Stadtschreibers 
Georg Maier sind in dem allgemeinen kgl. b. Reichsarchive 
zu Manchen aufbewahrt imd in den Beilagen theils wörtlich, 
theils un Auszuge abgedruckt. 

In Hettbronn war die evangelische Lehre ebenfalls ein- 
geführt, die Messe aber mit Rücksicht auf die dort bestehende 
Comthurei des deutschen Ordens nicht abgeschafft worden. 
In Speier war die Stadt durch ihren Bürgermeister Hans 
Riesser und durch Johann Baldermann vertreten, von denen 
ein Reichstagsbericht im kgl. würtemb. Staatsarchive noch 
vorhanden und von uns benützt worden ist. Mit grossem 
Eifer trat die Stadt Reutlingen für die Reformation ein. Die- 
selbe hatte die Messe in den Kirchen der Stadt schon damals 
emgestellt. Nach Speier hatte Reutlingen seinen Bürgermeister 
Jast Weiss gesendet') 

Die Stadt Sanct Gallen, welche zu Speier noch einmal 
als deutsche Reichsstadt auftrat, war daseilbst durch ihren 
Stadtschreiber Christian Friedbold, einen Freund Zwingll's, 
vertreten. In dieser Stadt hatte der Rath immittelbar vor dem 
Reichstage, am 23. Februar, die Altäre aus dem Münster ent- 
fernen und die Heiligenbilder' verbrennen lassen; am 7. März 
fand dann die erste evangelische Predigt in dieser Kirche statt. 
Der Abt von Sanct Gallen, Franz von Geissberg, welcher am 
23. März starb, hatte, durch seine Krankheit verhindert, selbst 
nach Speier zu gehen, den Abt Gerwig von Weingarten beauf- 
tragt, seine Beschwerde gegen die Stadt dem Reichstage 
vorzutragen.*) Die Städte Weisscnburg im Nordgau (in Franken) 
und Windsheim standen schon wegen ihrer engen Verbindung 



^) Ein Schreiben desselben aus Speier vom 20. Mftrz ist im 
kgl. würtemb. Staatsarchive zu Stuttgart vorhanden und in Füsing*8 
Reformationsgeschichte der Stadt Bentlingen (Reutlingen 1717) 
S. 145 f. abgedruckt 

*) S. ein Schreiben des Abtes Franz vom 16. März in dem 
Miasivbach des Klosters Weingarten im k. würt. Staatsarchive. 
Sonlt. Annal. 11, p. 191. Merle d*Aabignö, Qesch. der Ref. Deutsch. 
Stuttg. 1861. Band IV, 370. 



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90 

mit Nürnberg fest zur Minorität Erstere Stadt war durch 
Hans Wolf, letztere durch ßürgermdster Sebastian Hagenstein 
vertreten.*) 

Während die vorgenannten Städte sich später alle der 
Protestation anschlössen, lässt sich in der Stellung der äbrigen 
Reichsstädte ein Schwanken erkennen, welches es zur 
Betheiligung derselben an diesem äussersten Schritte nicht 
kommen liess. Die Stadt Köln hatte an dem katholischen 
Glauben entschieden festgehalten und hielt zur Zeit des Reichs- 
tages bereits die später im September daselbst hingerichteten 
Lutheraner Ciarenbach und Flysteden ihrer evangelischen 
Lehre halber gefangen. Trotzdem schlössen sich die Kölner 
Gesandten anfanglich aus politischen Gründen den übrigen- 
Städten an. Den Reichstag hatte Köln ausser durch Arnold 
van Siegen^ welcher im ersten Quartale 1529 Namens der Städte 
im Reichsregimente gesessen hatte imd beim Beginne des 
Reichstages desshalb in Speier anwesend war, noch durch 
Johann von Beyd und Peter BelUngshausen beschickt 

In Augsburg war die Mehrheit der Bevölkerung der 
Reformation zugethan; doch hielten einflussreiche Bürger, wie 
die Fugger und Andere, an dem alten Glauben fest Man 
war desshalb daselbst mit den Neuerungen nur langsam vor- 
gegangen. Noch am 19. März 1529 erliess der Rath der Stadt 
ein strenges Mandat, bei schwerer Strafe Bilder, Gemälde und 
andere »Gedächtnisse« nicht zu schmähen oder zu beschädigen,*) 
Man hatte in Augsburg zuerst beabsichtigt, den für das ^ste 
Quartal 1529 von Augsbiu*g in das Reichsregiment nach Speier 
deputirten Wol/gang Langenmantel auch mit der Vertretung 
der Stadt beim Reichstage zu beauftragen. Als derselbe das 
aber ablehnte, schon weil er als Regimentsrath seines Eides 

^) Hagenstein nahm auch an dem Reichstage zu Augsburg 
für seine Vaterstadt Theil. Die von demselben aas Augsburg ge- 
schriebenen Briefe bat Höohstetter in dem 37. Jahresberichte des 
bist. Vereins fttr Mittelfranken veröffentlicht. Seine Berichte über 
den l^ierer Beichstag finden sich, wie mir aus Windsheim freund- 
lichst roitgetheilt wurde, in dem dortigen Archive nicht mehr vor. 

^ Ein gedrucktes Exemplar dieses Mandates befindet sich im 
Stadtarchive zu Augsburg. 



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gegen Augsburg entbunden sei, und dringend bat, wegen der 
wichtigen auf dem Reichstage zur Verhandlung kommenden 
Gegenstände, an denen den Städten nicht am wenigsten gelegen 
sei, die Versammlung durch besondere Botschafter zu beschicken, 
ordnete -der Rath den Rathsherm Matthäus Langenmantd und 
den Stidtschreiber Johann Hagh zu seiner Vertretung nach 
Speier ab und gesellte diesen später vom S7. März an noch d^i 
einflussreichen Conrad Herwart bei. Während Erstere in ihren 
Anschauungen mit den Nürnberger und Strassburger Abge* 
ordneten im Wesentlichen übereinstimmten, suchte Letzter» 
einen förmlich^i Bruch mit der Majorität, wo immer möglich, 
zu vermeiden. Seinem Einflüsse ist es vornehmlich zuzuschreiben, 
dass die Stadt Augsburg, deren Rath im folgenden Jahre unter 
den Augen des Kaisers seine Unterschrift zu dem Augsburger 
Reichstagsabschiede zu verweigern wagte und, wie die von 
ihm ausgehenden Instructionen beweisen, schon 1529 sich den 
Schritten Nümberg's und Ulm's anzuschliessen wünschte, an der 
Speierer Protestation sich nicht betheiligte. Die interessante 
Correspondenz der Stadt Augsburg mit ihren Reichstagsgesandten 
befindet sich vollständig in dem dortigen trefflich geordneten 
Stadtarchive.^) 

In Aachen^ welches Leonhard von Edelband und Peter 
Jud nach Speier gesandt hatte, Esslingen, welches durch seinen 
altgläubigen Bürgermeister Holdermann vertreten war, und 
Met/K, welches Joh. von Nibrücken und Peter Danner deputhi:e, 
fehlte es zwar nicht an Freunden der Reformation, aber man 
war doch zu einem entschiedenen Vorgehen wenig geneigt. 
In höherem Grade war das der Fall bei Rothenburg a. T. 
(vertreten durch Bonifamus Wemitser), Worms,^ dessen einer 
Vertreter, der Stadtschreiber Johann Glans, bei Verhinderung 
des Jacob Sturm das Wort für die Städte führte, und bei 



^) S. Auszüge aus dieser Correspondenz in den Beilagen. 

^ Hier war 1527 der wiedertäuferiscbe Prediger Jacob Kautz 
(ans Orossbockenbeim) vertrieben und durch den Ratb der von 
Strassbnrg empfohlene Leonbard Brunner als evangelischer Stadt- 
prediger berufen worden. — Der andere Gesandte von Worms hiess 
Peter Krapf. 



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98 

Schwäbisch HaUy wo Joh. Brenz wirkte und schon 1527 die 
Messe abgethan worden war. Die letztgenannte Stadt iiess 
zwar durch ihren Vertreter Änt. Hoffmeister den Speierer 
Abschied unterzeichnen, schloss sich aber, von der öffentlichen 
Meinung der Bevölkerung gedrängt, sofort nach dem Reichstage 
vollständig an die protestirenden Städte an und wagte es im 
folgenden Jahre bereits, die Unterschrift des Augsburgar Ab- 
schieds zu verweigern. Nach Speier hatte Hall ursprünglich noch 
einen zweiten Gesandten, Namens Büschler, abgeordnet, berief den- 
selben aber noch vor Unterzeichnung des Abschieds wieder ab. 

In Frcmkfurt o. M. wirkten schon seit 1522 lutherische 
Prediger und die Bevölkerung der Stadt war ziun grössten 
Theile der Reformation zugethan; aber der Rath hatte sich 
noch nicht officiell für dieselbe erklärt. Ihr Reichstagsgesandter, 
Fküipp von Fürstenberg, der gelehrte Freund Ulrichs von Hütten, 
war für seine Person für ein energisches Vorgehen. Den ihm 
von dem Frankfurter Rathc zugehend^i Auftrag, sich von dem 
Kaiser nicht zu trennen und den Abschied zu unterzeichnen, 
führte er zwar aus, aber nicht ohne es dem Rathe anzudeuten, 
dass er das nur ungern thue.') 

Die Reichstagsgesandten der Städte Ueberlingen, Hagenau 
und Colmar, welche letztere auch Vollmacht für die übrigen 
Reichsstädte d^ elsässischen Landvogtei, darunter Landau und 
Weissenburg, hatten, waren mit denen von Rottweü und 
Ravensburg die Ersten, welche privatim und öffentlich erklärten, 
mit dem Vorgehen der übrigen Städte nicht einverstanden zu 
sein. Bei den Städten im schwäbischen Oberlande Ueberlingen, 
Ravensburg und Rottweil erklärt sich das schon aus dem 
überwiegenden Einflüsse Faber's auf dieselben. Bei Ueber- 
lingen, wo das Constanzer Domcapitel seit seiner Entfernung 
aus der Bischofsstadt Wohnung genommen hatte und Pfarrer 
Schlupf ganz im Sinne Faber's wirkte, kam noch die Ein- 
wirkung Eck's dazu, welcher bereits auf dem Ulmer Bundes- 
tage, wie bemerkt, Ueberlingen für seine Pläne gewonnen hatte. 



^) S. die schon von Ranke benützte Beichstagscorrespondenz 
in dem Stadtarchive Frankfurt. Reiohstagsakten Band 4B. Aussttge 
aus derselben geben die Beilagen. 



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93 

In Rottweil, dem ^tze des kaiserlichen Hofgerichts, war zwar 
in Folge der Thätigkeit des evangelisch gesinnten Stadtarztes 
Val. Anshehn, dem später der Heiligkreuzpfarrer Conr. 
Stäcklin zur Seite stand, wohl die Hälfte der Bürgerschaft für 
die Sache der Reformation gewonnen. Aber der Rath der 
Stadt wollte von derselben nichts wissen und batte desshalb 
mehrfach Ck)nflicte mit der Bevölkerung. Hier wirkte ausser- 
dem die Furcht mit, es möchte bei einer dem Könige Ferdinand 
nicht genehmen Abstimmung das kaiserliche Hofgericht von 
dort verlegt werden, wie das waiige Monate später König 
Ferdinand und die Regierung zu Innsbruck in der That der 
Stadt Rottwdl ausdrücklich androhte. Die hierauf noch 1529 
folgende Vertreibung von 402 Lutheranern aus Rottweil war 
ohne Zweifel mit die Folge jener Drohungen.*) Wenn die 
Vertreter der Städte Rottweil und Ueberlingen, Conrad Mock 
und Caspar Domsperger, bald darauf von dem Kaiser den 
Ritterschlag erhielten, so waren es gewiss besonders ihre Ver- 
dienste um den alten Glauben, welche Karl V. belohnen wollte. 
Die Stadt Goslar hatte ihren Bürgermeister, den eifrig 
lutherisch gesinnten Christian oder Carsten Bdlder nach Speier 
abgeordnet, welcher nicht lange vor dem Reichstage den be- 
kannten Theologen Nicol. Amsdorf zur vollständigen Durch- 
führung der Reformation nach Goslar berufen hatte. Derselbe 
stand in Speier längere Zeit auf Seite der Opposition, entschied 
sich aber zuletzt doch, den Abschied zu unterzeichnen. Ebenso 
entschlossen sich die Vertreter der Städte Nordhatisen, der 



*) S, über diese Vertreibung Scult. Annal. p. 254. Die Origi- 
nalscbreiben des Königs Ferdinand d. d. Lintz 8. Aug. 1529 und 
der Innsbmcker Regierung vom 6. Aug. 1529 liegen in den Akten 
der Reichsstadt Rottweil (Cista 12, Lat. 1, Fase. 4) im k. würtemb. 
Staatsarchive. In ersterem Schreiben heisst es nach einer Ermah- 
nung, bei der rechten christlichen Lehre zu verbleiben, wörtlich: 
„Wo aber Jr . . Euch diesem oberzelten leichtfertigen wesen anhengig 

machen, trügen wir fttrsorg, solichs möcht euch zu vnstatten 

raicheni vnd enüich vrsach geben, daz das kaiserlich Hofgericht 
voa euch an ander ort gelegt vnd verendert wurde. Ob nun solichs 
gemainer Statt Rottweil zu nutz oder nachtheil raiche, habt Jr bei 
Euch zu bedenken/ 



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u 

Stadtschreiber Michel Meyenburg, und Begenslmrg^ Ambros. 
Amann und Johann Hummel, erst In der letzten Stunde, sich 
den Beschlüssen der Mehrheit zu fügen. Das Gleiche war 
wahrscheinlich auch noch bei mehreren anderen Städten der 
Fall. Da aber bestimmte ausdrückliche Nachrichten darüber 
nicht vorliegen, so glauben wir eine AuMhlung der Städte, 
von weldien wu* dies vermuthen, unterlassen zu können. Wir 
föhren nur noch an, dass ausser den genannten Städten noch 
Dinkelsbühl, MiMhausen, Schwäbisch Gmünd, Wetdar, Weil die 
l^tadt, Ofenburg, Friedberg in der Wetterau, Bchweinfurt^ 
Wimpfen, Aalen, Bopfingen, Kaufbeuem, welches sich zuerst 
durch die Augsburger Gesandten repräsentiren zu lassen be- 
absichtigte, aber dann doch in der Person des Hans Ruf einen 
eigenen Bevollmächtigten nach Speier schickte, und Wangen 
durch besondere, aber auf dem Reichstage in keiner Weise in 
den Vordergrund tretende Abgeordnete vertreten waren. Die 
Städte Biberach und Giengen hatten den Gesandtai von Ulm 
Vollmacht zu ihrer Vertretung ertheilt Einige weitere Städte, 
wie Donauwörth und Buchhom, hatten ebenfalls besondere Abge- 
ordnete in Speier, welche aber weder an der Protestation 
theilnahmen, noch den Abschied unterzeichneten, vielleicht weil 
sie zu dem ersten Schritte den Muth nicht fanden, den Abschied 
durch Unterzeichnung förmlich zu billigen sich aber ebenso- 
wenig entsdiliessen konnten. 

Die Stadt Speier selbst hatte ebenfalls ihre Vertreter auf 
dem Reichstage, deren Namen uns aber in den Akten nicht 
aufbewahrt sind,^) Auch hier hatte die Reformation in der 
Bürgerschaft und im Klerus zahlreiche Anhänger gefunden. 
Werner von Goldberg, Pfarrer an der Sanct Martinskirche, 
hatte schon vor 1523 unter vielem Zulauf in lutherischer 
Weise gepredigt und war in Folge dessen seiner Pfarrei ent- 
setzt worden. Auch der Ereuzpfarrer im Allerheiligenstifte, 
der Domschulmeister Heinrichi der Augustinerprior, Michael 



') Wahrscheinlich waren es die beiden Bürgermeister des 
Jahres 1529, Adam von Berstein tind Friedrieh Menrer. Ersterer 
war ip vornehmen Kreisen wohl angesehen. S. ttber ihn Zinnner*80he 
Chronik m, 197 f. 



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Diller, und der Pfarrer zu Sanct Egidien, Anton Eberhard, 
standen frühe auf Seite Luther's. Der Speierer Domvicar 
Jacob Beringer gab 1527 eine deutsche mit Bildern gezierte 
Uebersetzung des neuen Testamentes heraus, welche durch 
die Uebersetzung der Stelle Römer 3,28 {allein durch den 
Glauben) und etliche vpn ihm dem Texte beigefügte Glossen 
den Nachweis liefert, dass derselbe, wenn er auch nicht ge- 
radezu gegen den herkömmlichen Glauben polemisirte, doch 
der evangelischen Lehre zugethan war. Während des Bauern- 
krieges hatte am 24. April 1525 auch der Rath der Stadt 
Speier durch seine angesehensten Glieder, als deren Wortführer 
der langjährige Stadtschreiber Dieter Drawel auftrat, an die 
damals sehr zahlreiche Geistlichkeit der Stadt ^) das förmliche 
Verlangen gestellt, »dass das Wort Gottes in allen Pfarren, 
Klöstern und Kirchen gepredigt werden solle, lauter und klar, 
ohne alle menschliche Erdichtung und Zusätze. Während des 
Reichstages von 1526 war der Zulauf der Bürgerschaft zu den 
in den Herbergen der lutherischen Fürsten gehaltenen Predigten 
ein ausserordentlicher. Doch liess sich der Rath von da an zu 
keinem weiteren Schritte in Sachen des Glaubens mehr herbei, 
wohl besonders desshalb, weil die Stadt Speier schon als Sitz des 
Regiments und Kammergerichtes zu besonderer Rücksichtnahme 
genöthigt war. Als auf dem Reichstage von 1526 Bischof Wilhelm 
von Strassburg Namens des Kaisers an den Rath die Mahnung 
richtete, sich kerne Glaubensneuerungen zu Schulden kommen zu 
lassen, sprach der Rath zwar den Wunsch aus, dass die ver- 
heissenen Verbesserungen endlich ausgeführt würden, versprach 
aber doch, im Aeusserlichen des Gottesdienstes Nichts zu ändern, 
sondern die Beschlüsse eines Reichstages oder des bevorstehenden 
allgemeinen Concils abzuwarten. So stand auch bei deta Reichs- 
tage von 1529 die Stadt Speier mit ihren Sympathien auf Seiten 
der Minderheit, ohne sich jedoch zu einer Betheiligung an weiter 
gehenden Massnahmen derselben entschliessen zu können.*) 

^) Die Domgebtlicbkeit allein zfthlte 112 Personen; dazn 
kamen die Oeistlichw an den 8 Stifts- and 9 anderen Pfarrkirchen 
und die Mönche in den zahlreichen Klöstern. 

') Yergl. J. F. W. Spati, das evangelische Speier etc. Frankenthal 
1778, S. 21 £ F.X.Bemling, Gesch. der Bischöfe zu Speier, Mainz 



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8. Die ErSfflaang des Beiehstagee. Die kaiserliolie 
Proposition. 

In den ersten Tagen nach Ankunft des Königs Ferdinand 
zu Speier konnte der Reichstag, da die Zahl der daselbst 
anwesenden Fürsten und Botschafter zu gering war, noch 
nicht eröffnet werden. Doch fanden täglich Berathungen im 
Regimente statt, an welchen der König theilzunehmen pflegte. 
Ueber den Gegenstand dieser Berathungen, sowie über die 
gefassten Beschlüsse drang nichts Bestimmtes in die Oeflfent- 
lichkeit. Ausserdem füllten Verhandlungen einzelner Stände 
unter sich und mit dem Regimente und Kammergerichte über 
ihre besonderen Angelegenheiten diese Tage aus. Die Streitsache 
der Stadt Nördlingen mit Anton Forner, welche in den Reichs- 
tagsberichten der dortigen Abgeordneten, wie die Beilagen 
zeigen, eine so bedeutende Stelle einnahm und in den ersten 
Tagen ihrer Anwesenheit zu Speier. ihr Interesse fast aus- 
schliesslich beschäftigte, kann uns als Beispiel der mannichfachen 
Dinge dienen, welche einzelne Stände neben den grossen 
Reichsangelegenheiten in Anspruch nahmen. So war Handels- 
städten, wie Köln und Augsburg, viel daran gelegen, dass die 
Interessen ihrer in Geschäften in Frankreich weilenden Mit- 
bürger möglichst gewahrt würden, falls, wie man es für 
möglich hielt, auf dem Reichstage ein Zug gegen Frankreich, 
beschlossen würde. Ueberhaupt schlössen sich die Abgesandten 
der Städte in dem richtigen Vorgefühle, dass es sich bei den 
bevorstehenden Verhandlungen um Dinge handeln werde, 
welche vor Allem die Reichsstädte angehen, jetzt schon enge 
aneinander. 

Dass beim Reichstage selbst die Hülfe gegen die Türken 
und die Religionsangelegenheit neben der Unterhaltimg von 
Regiment und Kammergericht die Hauptgegenstände der Be- 



1854. Band 11, 249 ff. xmd ürkundenband 11, 414. RemUng, das 
Beformationswerk in der Pfalz. Mannheim 1846, S. 55 ff. und 
C. Weiss, Qesch. der Stadt Speier. Speier 1876. S.63ff. Wir glaubten 
das Verhalten der Stadt Speier zur Reformation etwas eingehender 
bertlhren zn müssen, weil sie Sitz des Reichstages war. 

^) S. die betr. Oorreq>ondenz im Angsborger Archive. 



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91 

rathungen bilden würden, war den Ständen schon aus dem 
Reichstagsausschreiben bekannt. Und dass die Verhandlungen 
über die Glaubensfrage alle anderen an Wichtigkeit übertreffen 
würden, wäre aus der ganzen Sachlage leicht zu erkennen 
gewesen. Das Verfahren des Reichsregiments gegen Strass- 
burg imd des schwäbischen Bundes gegen Memmingen in 
Verbindung mit dem Auftreten des Probstes von Waldkirch 
konnte nicht in Zweifel darüber lassen, dass man auch in 
Speier gegen die Evangelischen einzuschreiten versuchen werde. 
Der lutherische Prediger Conrad Sam in Ulm stand mit seiner 
Anschauung gewiss nicht allein, wenn er in einem Briefe vom 
5. März schrieb, alle Hoffnungen der »Gottlosen« beruhten auf 
dem Speierer Reichstage, auf welchem sie Christus und die 
Tarken zugleich zu verschlingen hofften.*) Dennoch schrieb 
ein so einsichtiger Mann, wie Phil von Fürstenberg, noch 
am 12. März nach Frankfurt, er glaube nicht, dass diesmal 
über den Glauben verhandelt werde, da das erste Anliegen 
auf Beschafftmg von Geld gegen den Türken gerichtet sein 
werde. So sehr wusste man den Inhalt der beim Reichstage 
zur Verlesung kommenden Instruction geheim zu halten. Und 
so wenig hielt man es für wahrscheinlich, dass man in einer 
Zeit derartiger Bedrängung durch äussere Feinde die Einig- 
keit der Stände durch Aenderung früherer Beschlüsse in der 
Glaubenssache in Frage stellen werde. 

Trotzdem war die Stimmung der Stände bereits eine 
gespannte. Selbst die bedächtigen, von ihren besonderen 
Geschäften ganz in Anspruch genommenen Gesandten von 
Nördlingen, welche ihre Stadt nach ihrer Ankunft zu Speier 
wegen ihrer besonnenen Haltimg in der Glaubensfrage beglück- 
wünschen zu sollen glaubten, wissen am 11. März von »gott- 
losen Praktikenc zu reden, welche man gegen die Städte und 
das Evangelium üben wolle. ^) Mit der Ankunft des Kurfürsten 
von Sachsen am 13. März trat jene Spannung noch mehr 
hervor« Zwar war Kurfürst Johann bei seinem Einritte von 
König Ferdinand nebst allen anderen bereits erschienenen 



1) KehD, 8chw. Ref. 88. 
^ Beilage 12 und 16. 



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98 

Fürsten feierlich eingeholt worden. Doch bald änderte sieb 
die Haltung der anderen Fürsten gegen ihn, wie es scheint 
weil sein Auftreten es bei aller Mässigung doch bezeugte, dass 
er für die Sache der Reformation muthig eingehen werde. 
Wie schon auf dem Reichstage von 1526, so Hessen er imd 
nach seinem Beispiele die anderen evangelischen Fürsten auch 
diesmal nach der Sitte über den Thüren ihrer Heri)ergen ihre 
Wappen anbringen und um dieselben die Inschrift setzen: 
V. D. M. I. E. (verbum domini manet in etemum, Gottes Wort 
bleibt in Ewigkeit, nach Jes. 40,8). Die gleichen Buchstaben 
waren an den Aermelaufschlägen der Livreen seiner sämmt- 
lichen Diener angebracht.*) Schon 1526 hatte der KurRirst 
seine Prediger Agricola und Spalatin nach Speier mitgenommen, 
welche, da der Bischof von Speier auf Betreiben Ferdinands 
denselben die Kirchen verschlossen hatte, abwechsehid mit dem 
von Landgraf Philipp mitgebrachten Magister Adam von Fulda 
in den Höfen ihrer Absteigquartiere unter ausserordentlichem 
Zulaufe täglich m evangelischer Weise predigten.^ Auch dies- 
mal suchte es Kurfürst Johann sofort nach seiner Ankunft zu 
erreichen, dass seinem Hofprediger Agricola für die evangelischen 
Gottesdienste eine Kirche eingeräumt werde. Als sich aber 



*) Wig. Laaze, hess. Chronik 165. Spalatin (Annal. bei 
Mencken 11, 658) weiss von bitteren Scberzreden 2u benchten, 
welche schon 1526 zwischen Katholiken und Lutheranern desshalb 
gefallen seien. Als Jemand spottend bemerkt habe, jene Buchstaben 
bedeuteten wohl: Verbum Domini manet in ermelis, habe ihm ein 
Evangelischer sofort schlagfertig entgegnet: Nein, es bedeutet: 
Yivus diabolus manet in episcopis. Scultetus erzählt uns in 
seinen Annalen (IT, 251) dieselbe Geschichte von dem Reichstage 
von 1529 und nennt uns als den Spötter Dr. Joh. Faber, als 
seinen Gegner aber den Landgrafen von Hessen, welcher ihm 
erwidert habe, die Bedeutung jener Worte sei: Verbum diaboll 
manet in episcopis. Nie. Holtmann berichtet noch eine andere in 
Speier spottend gegebene Auslegung jener Buchstaben: Vss, Da 
Meist Indt Ellende. (Hinaus! Du musst in*6 Elend.) Bouterweck 
in der Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 4. Bd. 312. 

*) Spalat. Annal. bei Mencken II, 658. Bzorii Annal. Eoclesiast. 
p. 637. 



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99 

unter ikn damaligai Umständen kein Pfarrer fand, welcher 
dazu bereit gewesen wäre, und auch der Rath der Stadt Speier 
sich nicht dazu verstand, die üeberlassung einer Kirche zu 
verfügen,^) liess der Kurfürst auch diesmal die Predigten in 
dem Hofe seiner Wohnung halten, wobei nach Ankunft des 
Landgrafen Philipp Agricola und Schnepf täglich mit emander 
abwechselten. Schon am Tage nach der Ankunft des Kur- 
fürsten, am Sonntage Judica, wurde die erste Predigt gehalten, 
welche nach Ehinger's Berichte ausser von dem Kurfürsten 
und seinen Käthen von gegen 1000 Personen besucht war. 
König Ferdinand mit den übrigen kaiserlichen Commissarien 
stellte zwar, wie schon erzählt wurde, das Ansinnen an den 
Kurfürsten, die Predigten einzustellen, und als sich der Kurfürst 
dazu nicht verstand, verboten Ferdinand und seinem Beispiele 
folgend andere Fürsten, selbst der gemässigte Kurfürst von der 
Pfalz, ernstlich, diese Predigten zu besuchen.*) Aber ausser 
dem Hofgesinde jener Fürsten kehrte sich kaum Jemand um das 
Verbot; eine immer wachsende Menschenzahl, welche sich an 
Festtagen auf mehrere Tausend belief, wohnte den Predigten 
bei.') Von der Bedeutung, welche beide Theile diesen Pre- 
digten beilegten, zeugen die Verhandlungen, welche bei dem 



^) Müller, Eist. v. d. Protest. 490 f. 552. 

^ Ehinger^s Beriebt vom 15. März in den ürk. d. schw. B. II, 
337. Jnng IQ. Schreiben von Minkwitz bei Seckendorf 937. 

^ Nach Seckendorf 950 schrieb der Kurftlrst am 21. März 
seinem Sohne, dass an diesem Tage Vor- und Nachmittags bei 
8000 Menschen den Predigten angewohnt hätten. Bemling (in 
seiner Schrift: Das Beformationswerk in der Pfalz S. 72 nnd in 
dem ersten Hefte der Betscher zu Speier S. 71 f.) hält diese An- 
gabe für unglaubwürdig, da die Gottesdienste nicht in dem Dome 
oder in einer grossen Kirche, sondern in den Wohnungen stattgefunden 
h&HeD. Derselbe abersieht aber, dass diese Predigten nicht in 
geschlossenen Räiunen, sondern unter freiem Himmel („in Bogen 
nnd Luft*', Müller 552) gehalten wurden. Die Thatsache des 
auMerordentlich starken Besuchs dieser Predigten ist zu vielfach 
urkundlich bezeugt, als dass sie bestritten werden könnte. Spalatin 
(Annal. 658) schreibt schon von den 1526 gehaltenen Predigten: 
^ünd mag euch in Warheit schreiben, dass teglich ser viel Folks 

7* 



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100 

Reichstage zu Augsburg im folgenden Jahre zwischen dem 
Kaiser und den evangelischen Fürsten darüber gepflogen wur- 
den, ob die Geistlichen der Letzteren dort sollten {»redigen 
dürfen. Als Kaiser Karl es schliesslich durchsetzte, dass wäh- 
rend des Reichstages nur die Theologen predigen durften, 
welche er selbst dazu bestimmte, betrachtete er das als einen 
grossen Gewinn. Am 8. Juli 1530 schrieb er seiner Gemahlin, 
es sei das ein sehr guter Anfang für das, was er wünsche, 
da es mit diesen Reden früher so übel ergangen sei. Eines, 
was auf früheren Reichstagen am meisten Schaden gebracht 
habe, seien die Red^i dw Prediger gewesen, welche die luthe- 
rischen Fürsten mitgebracht hätten.*) Die evangelischen Für- 
sten verstanden sich indess zu diesem Zugeständnisse nur unter 
der Bedingimg, dass auch die katholischen Fürsten ihre Theo- 
logen nicht predigen lassen durften, wenn sie der Kaiser nicht 
dazu besthnmte. Sie dachten dabei vor Allem an Joh. Faber, den 
Hbfprediger des Königs Ferdinand. Auch noch auf dem Speiser 
Reichstage von 1544 war es dem Kaiser sehr darum zu thun, 
dass die protestantischen Fürsten ihre Hofprediger wenigstens 
nicht in Kirchen predigen liessen. Als der hessische Hof- 
prediger Dionysius Melander in der Dominicanerkirche predigte, 
Hess der Kaiser zunächst den Landgrafen Philipp ersuchen, 
von den Predigten in offener Kirche oder dem Predigerkloster 
Abstand zu nehmen, und als der Landgraf das verweigerte, 
Hess Karl durch den Rath der Stadt die Kirche sperren. Doch 



zQr Predigt kompt. Ja an Feyertagen etlich viel tausend Menachen, 
daninter etlich Ffirsten, Grafen, Ritterschafb und Botschaften sind/ 
Und in einem von MttUer (552) angeführten Berichte ans dem 
Jahre 1530, wo die Tbatsachen noch Jedermann in der Erinnerung 
waren, heisst es nach Erzählung der Verweigerung der Kirchen : „dass 
Gottes Wort .... vor etwo vnd gewonlich ains, zwey bis drey, auch 
viertausend Menschen ... in Regen vnd Lufft hat müssen gepredigt 
werden , . . . do sie in ihren Kirchen kaum einen geringeren theil 
dargegen gehabt. ** Die let'Zte Angabe stimmt vollständig mit der des 
Kurfürsten Johann, der die Besucher von Vor- und Nachmittags 
zusammenrechnet. 

^) G. Heine, Briefe an Kaiser Karl V., geschrieben von seinem 
Beichtvater 1530 bis 1532. Berlin 1848. S. 11, Anm. 



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101 

konnte er auch damals nicht verhindern, dass trotzdem noch 
später während des Reichstages entweder in den Herbergen 
oder im Ereuzgange des Dominicanerklosters in evangelischer 
Weise gepredigt wm'de.*) 

Die schon in den Vorgängen betreffs der Predigten her- 
vortretende Spannung wurde noch gemehrt durch die Haltung 
des Kurfürsten und seines Gefolges gegenüber den kirchlichen 
Fastengeboten. Dass die Fasttage damals noch allgemein be- 
obachtet wurden, erhellt schon aus der von dem Rathe aus- 
gegebenen Taxirung der Wirthe und Gastgeber, in welcher 
die »Fleischtagec mid die »Fischtagec strenge unterschieden 
werden. Auch dem Könige Ferdinand war es sehr darum zu 
thun, dass den Kirchengeboten in diesem Stücke nicht öffent-' 
lieh entgegengehandelt werde, wie sein beim Beginne der 
Fastenzeit am 12. Februar aus Stuttgart für Würtemberg 
erlassenes Verbot des Fleischessens an Fasttagen beweist 
Doch schon 1526 hatten sich die evangelischen Fürsten an die 
Fastengebote nicht gekehrt, und als Ferdinand von ihnen 
begehrte, an Fasttagen wenigstens öffentlich kern Fleisch zu 
essen, hatten sie, da sie auch den Schein nicht auf sich laden 
wollten, dass sie Menschensatzungen als für ihr Grewissen ver- 
bindlich betrachteten, nach gemeinsamer Berathung geantwortet, 
sie könnten das nicht ^) Als Kurfürst Johann 1529 in Speier 
ankam, stand man eben mitten in der Fastenzeit. Dass, wie 
das schon auf dem Conv^t^ zu Coburg im Februar 1528 
mit dem Markgrafen Georg v^einbart worden war, weder 
er, noch seine Begleiter die Fastengebote hielten, konnte um 
so weniger imbemerkt bleii)en, als die Tafel unmittelbar nach 
der im Hofe gehaltenen Predigt stattfand und die Fleischspeisen 
un Angesichte der Zuhörer aus den Küchen durch den Hof 
m die Speisesäle getragen wurden.®) Wenn nun auch König 
Ferdinand, durch die Erfahrung von 1526 belehrt, diesmal 

^) Aug. von Droffel, Kaiser Karl V. und die römische Curie 
1544 — 46. Erste Abtb. in den Abhandlungen der bist. Classe der 
k. bair. Akademie der Wissenschaften XIII, 2. S. 146 f. 

^) Spalat. Annal. bei Mencken U, 658. 

^ Seckendorf 777. Pfarrer und Sturm bei Jung, m und IV. 
Melanchtbon bei Müller, Hist. v. d. ev. St Protest. 498« 



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102 

keinen Versuch gemacht haben sollte, dagegen förmlich ein- 
zuschreiten, so wurde doch jedenfalls seine und der übrigen 
katholischen Fürsten Stimmung gegen die evangelischen Fürstwi 
durch die in so demonstrativer Weise geschehende Nichtbeachtung 
seines wohlbekannten Wunsches nicht gebessert Auch Hessen 
er und die an ihn sich anschliessenden Fürsten diese ihre 
Stimmung gleich in den ersten Tagen deutlich genug erkennen. 
Dem Kurfürsten von Sachsen hatte bis zum 21. März, wie er 
an diesem Tage seinem Sohne schrieb, noch Keiner der an- 
wesenden Fürsten den üblichen Besuch gemacht,^) und als 
Landgraf Philipp von Hessen in Speier einzog, zeigte, wie 
erwähnt, König Ferdinand seine Gesinnung deutlich genug, 
*mdem er es unterliess, nachdem er auf dem Felde ihn be- 
grüsst hatte, denselben, wie alle übrigen Fürsten, in die Stadt 
zu geleiten. Selbst die Leute des friedliebenden Kurfürsten 
von der Pfalz zeigten ein so kühles Benehmen gegen die 
Evangelischen, dass Graf Albrecht von Mansfeld klagte: »Pfalz 
kennt keinen Sachsen mehr.c«) Auch andere Begleiter der 
Fürsten und Abgeordnete der Städte spürten es, dass eine 
schwüle Luft herrschte, wie sie einem schweren Gewitter vor^ 
auszugehen pflegt. Sturm schrieb: »Wie ich die Personen 
ansehe, wird nicht viel zu erlangen sein. In Summa : Christus 
ist wieder in den Händen des Kaiphas und Pilatus.«^) Ehinger 
meinte am 15. März, die Päbstlichen lägen dem Könige gar 
viel in den Ohren, das werde zuletzt die Sache gar verderben.*) 
Und Melanchthon schrieb nach seiner Ankunft in Speier seinem 
Freunde Camerarius, noch auf keinem Reichstage seien so 
viele Bischöfe und Prälaten gewesen, und diese gäben sogar 
durch ihre Mienen zu erkennen, wie sehr sie die Evangelischen 
hassten und was sie im Schilde führten.*) 

So war die Stimmung der Gemüther eine aufgeregte und 
gespannte, als endlich am Montage nach Judica, dem 15. März, 

Seckendorf 950. 
^ Seckendorf 93S, 
«) Jung IV. 

*) Urk. d. schw. B. H, 337. 

*) Oorp. Bef. I, Num. 589. „Et quidem vnltu significant, 
qaantam nos oderint et quid macbinentar.** 



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103 

die Eröffaung des Reichstages stattfand. Die anwesenden 
Fürsten und Botschafter versammelten sich Morgens sechs Uhr 
in dem Rathhofe mid zogen von da nach dem in nächster 
Nähe gelegenen Dome, um der dort feierlich gesungenen Messe 
beizuwohnen. Im Chore stellten sich die Fürsten auf, wobei 
rechts vom Hochaltare zunächst König Ferdinand stand. 
Rechts neben ihm war, wie uns ein Bericht aus jener solche 
Dinge sehr wichtig nehmenden Zeit gewissenhaft mittheilt, 
ein Stand freigelassen worden. Daran reihten sich die Plätze 
der Kurfürsten von Mainz und Köln, sodann d&c des Kurfürsten 
von der Pfalz. Es folgte dann Herzog Ludwig von Baiem 
und Pfalzgraf Heinrich.^) 

Der Kurfürst von Sachsen, Fürst Wolfgang von Anhalt 
und Graf Berthold von Henneberg wohnten, imi an ihrer 
religiösen Stellung keinen Zweifel zu lassen, der Messe nicht 
bei und kamen, während dieselbe gesungen wurde, im Rath- 
hofe an, in welchen König Ferdinand, gefolgt von den kaiser- 
lichen Gommissären und den übrigen Fürsten und Ständen, 
nach Beendigung der Messe wieder zurückzog, um dort in den 
herkömmlichen feierlichen Formen^) im Beisein aller Stände 
den Reichstag zu eröfiftien. 

Pfalzgraf Friedrich führte hiebei im Namen der kaiser- 
lichen Commissarien das Wort und übergab den Ständen nach 
kurzen einleitenden Worten die kaiserliche Vollmacht für die 
anwesenden Commissäre, welche zugleich die Stelle des erst 
kurz vor dem Schlüsse des Reichstages in Speier eintreffenden 
Herzogs Erich von Braunschweig vertraten. Nach Verlesung 
dieser Vollmacht wurde die kaiserliche Proposition oder In- 
struction zur Kenntniss der versammelten Stände gebracht. 
Sodann ergriff König Ferdinand selbst das Wort und richtete 
an die Stände in deutscher Sprache die dringendste Bitte, sie 
möchten doch die ausserordentliche dem Königreiche Ungarn 
und dem deutschen Reiche von den Türken drohende Gefahr 



*) Beilage 38. 

^ Die bei Abhaltnng eines Reichstages beobachteten Gebränche 
smd angebend geschildert in Chr. Lehmann*s Chronica der freyen 
Beichs-Stadt Speier. Frkft. 1698. S. 959 ff. 



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104 

bedenken. Er habe üb^ den bevorstehenden Einfall derselbe 
nur allzu sichere Berichte. Man werde dem Sultan gewiss mit 
geringerem Kraftaufwande begegnen können, wenn man ihm 
jetzt entgegentrete, wo sein Angriff noch auf fremde Lande 
(Ungarn) gerichtet sei, als wenn man abwarte, bis derselbe in 
die deutschen Lande selbst emgefallen sei. Schimpflich werde 
es sein, wenn der Sultan, welcher mit einem Heere von 300,000 
Mann sich gegen Ungarn wende, diese grosse Truppaizahl 
schneller durch weite, schwierige imd verlassene Länder bis 
an die deutschen Grenzen führe, als die deutschen Fürsten ein 
Heer bei so vielen Bequemlichkeiten und Erleichterungen die 
Donau hinab geführt hätten. Wenn die Türken die Deutschen 
überwältigten, dann werde ihre Macht der ganzen Welt er- 
schrecklich. Wenn aber Deutschland ihrem Trotze widerstehe, 
werden dieselben zu ihrem Schaden inne werden, dass in der 
That der alte Ruhm des deutschen Volkes als eines unüber- 
windlichen berechtigt sei. 

Die Fürsten und Stände Hessen nun die Gommissarien 
um Abschriften der kaiserlichen Vollmacht und Instruction 
bitten, worauf in Gewährung dieses Ersuchens die Secretäre 
der verschiedenen Stände am Nachmittage desselben Tages 
wieder zusanunenberufen wurden, damit ihnen Vollmacht und 
Proposition in die Feder dictirt werde. Aufs strengste wurde 
denselben dabei zur Pflicht gemacht, die verlesenen Schriften 
Niemand als ihren Herren mitzutheilen, wie auch zuvor bei der 
öffentlichen Sitzung durch den Marschall des Reiches die Geheim- 
haltung der Verhandlungen ernstlichst eingeschärft worden war.*) 

Aus der Proposition der kaiserlichen Commissäre, welche 
die Stelle der bei den heutigen Parlamenten üblichen Thron- 
rede vertrat, theilen wir hier Folgendes mit: Die kais. Com- 
missäre bestätigen darin zunächst im Auftrage des Kaisers den 
Empfang des von dem Reichstage zu Regensburg 1527 be- 
schlossenen Abschiedes. Auch der Kaiser habe, wie die dort 
versammelten Stände, die baldige Ans^tzung eines anderen 
Reichstages für gut angesehen und darum durch das Regiment 

^) Beilage 17 und 83. Jnng IV. Vergl. auch Bdcholtz m, 258 f. 
and die Berichte des M. Langenmantel vom 15. and Fürstenbergs 
vom 19. März im Aagsborger and Frankforier Stadtarduve. 



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106 

auf Invocavit 1528 einen zweiten Reichstag nach Regensburg 
ausschreiben lassen. An diesem habe der Kaiser persönlich 
theihiehmen wollen. Als ihm dies dann unmöglich geworden 
sei, habe der Kaiser desshalb und aus anderen Gründen, welche 
er den meisten Fürsten und Standen durch seinen General- 
orator, den Probst von Waldkirch, habe mittheilen lassen, den 
Reichstag wieder abgekündigt und verschoben. 

Seitdan sei aber Nachricht gekommen, dass d^ Sultan, 
der im vergangenen Sommer einige Pässe in Ungarn und 
Groatien eingenommen, das Land verheert und viele tausend 
Menschen als Sclaven weggeführt und nun die meisten Pässe 
und Festungen berdts in seiner Gewalt habe, in diesem Früh- 
ling seine Angriffe wiederholen und auf das deutsche Reich 
ausd^men werde. Nur die Hülfe der vereinigten christlidien 
Mächte (»der gemeinen Christenheitc) könnte demselben wider- 
stehen. Diese Nachrichten über die Türken, sowie die frr- 
thümer im christlichen Glauben, welche trotz aller früheren 
kaiserlichen Mandate imd Reichstagsabschiede im Reiche immer 
weiter gediehen seien und einen einmiUhigen Widerstand der 
gemeinen Christenheit gegen die Türken verhindert hätten, hätten 
den Kaiser zur Ansetzung dieses Reichstages bewogen. Der- 
selbe bedauere sehr, dass die Verhältnisse, insbesondere die 
Feindseligkeit des Königs von Frankreichs, mit dem er in Friede 
zu leben sich aufrichtig bemühe, ihm immer noch nicht ge- 
statteten, in das Reich zu kommen und den Reichstag, wie er 
sich dessen schuldig erkenne, persönlich zu besuchen, und 
bitte die Stände, seine nothgedrungene Abwesenheit vom Reiche 
zu entschuldigen und an seiner Statt mit seinen Gommissarien 
auf dem Reichstage zu berathen und das Nothwendige zu 
beschliessen. 

Zuvörderst begehre der Kaiser, die von den Türken 
drohende Gefahr zu beherzigen. Die von denselben zunächst 
bedrohten Lande Ungarn und Groatien könnten dem Sultan 
keinen derartigen Widerstand leisten, dass sein Einbruch in 
Ungarn und dann in die deutschen Lande verhindert werde. 
Die Stände möchten doch sowohl über eine kräftige »eilendec, 
als auch eine entsprechende »beharrlichec oder dauernde 
Hülfe berathen und unverzüglichen Beschluss fassen. Jetzt, 



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106 

wo der Angriflf der Türkei noch auf fremde Lande geschehe, 
sei ein Sieg mit geringeren Opfern möglich, als wenn man 
zum eigenen Schaden dem Beispiele Anderer folge, welche vor 
wenig Jahren Denen, die zunächst vor ihnen bei den Türken 
gelegen gewesen seien, nicht Beistand leisten wollten, jetzt 
aber b^eits die nächsten geworden und dem Angriffe der 
Türken zunächst ausgesetzt seien. 

Was weiter den christUchen Glauben anlange, so bekümmere 
es den* Kaiser sehr, dass in der deutschen Nation zur Zeit 
seiner Regierung so böse und verderbliche IrrthOmer ent- 
standen seien und immer weiter um sich gegriffen hätten. 
Das gereiche nicht nur Gott zur Schmach und Unehre, sondern 
es sei daraus auch im Reiche Empörung, Aufruhr, Krieg, 
Jammer und Blutvergiessen entzündet und den kaiserlichen 
Geboten damit gröblich zuwider gehandelt worden. Der Kaiser 
sehe das mit dem äussersten Missfallen xmd sei, wie er als 
oberstes Haupt der Christenheit dazu verpflichtet sei, keineswegs 
gewillt, dem femer zuzusehen. 

Wenn der letzte Regensburger Abschied (von 1527) ein 
in spätestens einem bis anderthalb Jahren abzuhaltendes all- 
gemeines Concil oder wenigstens eine Nationalversammlung 
für das >zweckmässigste Mittel zur Beilegung der Religions- 
streitigkeiten erkläre, so antworte der Kaiser, dass auch er ein 
General-Concil für fruchtbar erkenne; doch habe die Berufung 
»füglichc nicht von dem Kaiser allein ohne Mitwirkung des 
Pabstes ausgehen können und desshalb verschoben werden 
müssen. Nachdem aber nunmehr das Verhältniss von Kaiser 
und Pabst sich geändert habe, werde die Abhaltung eines 
Concils von dem Pabste nicht länger verweigert werden, wie 
der Pabst in der That vor der Abreise Waldkirch's aus Spanien 
dem Kaiser geschrieben habe, er wolle ein solches »gerne 
fördernc.i) Der Kaiser wolle nunmehr die baldige Berufung 



^) Diese Behauptung stimmt wenig zu dein, was sonst über 
die Stellung dos Pabstes Clemens zu dem projectirten Ooncile be- 
kannt ist. Schreibt doch des Kaisers Beichtvater, Cardinal von 
Osma, am 8. Oet. 1580 an Karl aus Rom, der Pabst verabscheue 
das Wort Concil, wie wenn man ihm den Teufel nenne. S. Heine, 



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107 

eines Concils bei der päbstlichen Heiligkeit kräftigst betreiben. 
Bis zu sokkem Cancüe aber verbiete der Kaiser aufs ernstlichste 
bei strenger Strafet bei des Reiches Acht wwd Aberacht, irgend 
Jemand mit Einziehung geistlicher und weltlicher Obrigkeit zu 
vergewalHgen oder zu unrechtem Glauben oder ukten Secfen zu 
verleiten, wie das bish^ an etlichen Orten geschehen sein 
möge. Wenn dennoch von Jemand irgend etwas wider den 
christlichen Glauben vorgenommen werde, so sollten die be- 
nachbarten Stände dem Vergewaltigten zu Hilfe kommen. Die 
Bestimmung des letzten Speierer Abschiedes, dass Jeder sich 
in Sachen des Glaubens bis zum Concile so halten solle , wie 
er es gegen Gott und den Kaiser zu verantworten traue, sei 
bisher von vielen Ständen nach ihrem Gefallen ausgelegt 
worden, und sei daraus »grosser Unrath und Missverstand 
wider unseren allerheiligsten Glaubenc, auch Ungehorsam der 
Unterthanen gegen ihre Obrigkeiten und vieles andere Nach- 
theilige entstanden. Den Kaiser befremde das sehr. Damit 
nun dieser Artikel nicht femer nach Jedermanns Belieben 
gedeutet werden könne, hebe der Kaiser denselben hiemit auf, 
cassire und vernichte ihn, ,Jetzo als dann vnd dann als jetzo'\ 
aUes aus kaiserlicher Machtvollkommenheit, befehle auch den 
Standen, an Stelle jenes Artikels die oben geforderten Be- 
stimmungen bezüglich der Religionssache in den Reichstags- 
abschied zu setzen. Das wolle sich der Kaiser zu Kurfürsten, 
Fürsten und Ständen uiigeweigert versehen. 

Der dritte Gegenstand der Berathung sollte der Unterhalt 
des Reichsregiments und des Kammergerichts sein, der von den 



Briefe an Kaiser Karl Y., 48. Und zur Zeit des Speierer Reichs- 
tags war es nicht anders. So wagten es die kaiserlichen Gesandten 
beim Pabste nicht, demselben die in Bezug auf das Concil in Speier 
gepflogenen Verhandlungen vollständig mitzutheilen. Und als am 
24. April 1529 Andreas del Burgo dem Pabste sagte, er möge 
sich vor dem Concile nicht fürchten, denn der Kaiser wünsche 
mehr die Ruhe der Welt und namentlich Italiens, als die Neue- 
rungen und Unordnungen, welche Concilien mit sich zu bringen 
pflegten, verhehlte Clemens seine grosse Freude darüber nicht. 
8. einen Bericht des kais. Gesandten Micer Mai an den Kaiser vom 
11. Mai 1529 bei Heine 281. 



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103 

standen nur bis Michaelis 1527 bewilligt sei. Seitdem habe der 
Kaiser Regiment mid Kammergericht auf seine Kosten unterhaltai 
müssen. Die versammelten Stande sollten nun über den weiteren 
Unterhalt beider Behörden beschliessen und zugleich dafür Sorge 
tragen, dass kein Stand über V^mögen beschwert werde. Endlich 
erscheine es aus verschiedenen Gründen, besonders wegen der den 
Türkenkrieg betreffenden Verhandlungen, als zweckmässig, Regi- 
ment imd Kammergericht von Speier nach Regensburg zu vwlegen. 

Am Schlüsse der Proposition begehren dann die kaiser- 
lichen Gommissäre in des Kaisers imd im eigenen Namen, 
zunächst über die genannten drei Pimkte, an welchen am 
meisten gelegen sei und die keinen Verzug leiden könnten, zu 
berathen. Dann könnte auch noch über Anderes verhandelt 
werden. Eine schleunige Beschlussfassung werde dem gemeinen 
Wesen zu gute kommen imd von kaiserlicher Majestät mit 
aller Gnade erkannt werden. 

Dies der Inhalt der Proposition, für deren Verfassa* 
Jacob Sturm, wohl nicht mit Unrecht, den Probst von Wald- 
kirch ansieht.^) Es lässt sich nicht leugnen, dass dieselbe 
geschickt abgefasst ist Der erste Theil derselben enthält eine 
beherzenswerthe Wahrheit, wenn darin die Stände darauf auf- 
merksam gemacht werden, dass ihr eigenes Interesse sie darauf 
hinweise, dem Sultan jetzt schon mit Energie entgegenzutreten, 
wo er noch ein benachbartes Land bedrohe, und durch unver- 
zügliche energische Massnahmen jedes weitere Vordringet des- 
selben aufzuhalten. In der That kann man es nur mit Be- 
schämung sehen, wie das mächtige deutsche Reich in jener 
Ungeheuern Gefahr mit Mühe und Noth nach Monaten etliche 
tausend Mann zum Feldzuge gegen die Türken zusammen- 
brachte, welche nicht einmal gleichzeitig mit den Türken bis 
in die Nähe von Wien kamen und schwerlich auch nur diese 
von Suleiman belagerte herrliche Stadt zu entsetzen im Stande 
gewesen wären, wenn nicht der heldenmüthige Widerstand der 
Vertheidiger der Stadt und die vorgerückte Jahreszeit den Sultan 
zum Abzüge genöthigt hätten. Aber so berechtigt die Mahnung 
des Kaisers zu kraftvollem, einmüthigem und raschem Vor- 

») Jung IV. 



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109 

gehen gegen die Türken war, so ungerecht war es, der Re- 
fonnation Schuld zu geben, dass bisher eine Vereinigung der 
Christenheit gegen die Türken nicht stattgefunden habe, wie 
das in der Proposition deutlich genug geschah. Nicht die 
Reformation hatte die Ligue zwischen Frankreich, England, 
Venedig und dem Pabste gegen das Haus Habsburg zu Stande 
gebracht. Und auth in Deutschland waren die eifrigsten 
Gegner des Kaisers und des Königs Ferdinand nicht evangelische 
Stände, wie Kurfürst Johann, dessen Ergebenheit gegen den 
Kais^ in allen Versuchungen sich bewährte und welcher selbst 
nach den harten Beschlüssen des Speierer Reichstages, da er 
selbst die Angriffe des Kaisers befürchten musste, der während 
des Tagens des Reichstages geschehenden Mahnung Luther's 
folgend, hinter den anderen Ständen in Stellung von Hülfs- 
mannschaft nicht zurückblieb, sondern katholische Stände, wie 
die Herzoge von Baiern, welche mit dem durch den Sultan 
begünstigten Feinde Ferdinands in Ungarn, Johann Zapolya, 
in beständiger Verbindung standen.^) Die Hauptschuld an 
solchem kraftlosen Vorgehe des Reiches lag aber an seiner 
Verfassung, welche es fast nothwendiger Weise mit sich 
brachte, dass jeder einzelne Fürst und Stand von den all- 
gemeinen Lasten möglichst wenig auf sich zu nehmen nicht 
ohne Erfolg sich bemühte. 

Weitaus der wichtigste Theil der Proposition war der 
zweite Punkt d erselben, welcher die religiöse Frage betraf. 

') S. die Belege dassn in: Quellen nnd Erläuterungen zur 
bairiseben nnd deutschen Geschichte. Vierter Band. München 
1857. Es wird damit nicht in Abrede gestellt, dass die Herzoge 
Wilhelm und Ludwig, als im September und October 1529 die 
von den Türken kommende Gefahr Deutschland und Baiern un- 
mittelbar bedrohte, mit grosser Energie an mögliclist rascher Bei- 
bringung starker Httlfstruppen arbeiteten. Die Beweise für solchen 
Eifer finden sich für diese Zeit zahlreich in den Archiven. In hohem 
Qrade lag es ihnen aber aach damals am Herzen, dafQr Sorge zu 
tragen, dass die gewährten Hülfleistangen nur wider die Türken und 
nicht wider den Woiwoden Johann gebraucht nnd, sobald irgend 
nfSglich, zurückgezogen würden. S. ein aus dieser Zeit stammendes 
Blatt in Band '^^/s der faerzogl. bair. Abtheilung des k. b. geh. 
Staatsarchivs. Fol. 492. 



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110 

Mit Recht bezeichnet Bucholtz die in ihr gemachten Vorschläge 
als den letzten katholischer Seits gemachten Versuch, auch in 
Abwesenheit des Kaisers noch einen dem^Wormser Edicte mög- 
lichst entsprechenden Zustand herbeizuführen. In ungewöhnlich 
harten Formen wird darin unzweideutig der feste Wille des 
Kaisers angekündigt, mindestens alles weitere Vordringen der 
Reformation zu verhindern und seine gegen dieselbe gerichteten 
bisher unausgeführten Befdile zum Vollzuge zu bringen. Für 
die Unruhen der letzten Jahre, bei denen besonders an die 
Bauernkriege zu denken ist, werden ohne Weiteres die Glaubens- 
neuerungen verantwortlich gemacht Das^strenge Verbot, irgend 
Jemand bei Vermeidung der Reichsacht mit Einziehung d^ 
geistlichen und weltlichen Obrigkeit zu vergewaltigen oder den 
neuen Secten anhängig zu machen, schien sich zwar zunächst 
gegen Landfriedensbruch zu wenden, war aber, wie leicht zu 
erkennen war, besonders dazu bestimmt, die bischöfliche Juris- 
diction auch über der Reformation zugefallene Geistliche in 
ihrem vollen Umfange wiederherzustellen und jede weitere 
Verbreitung der Reformation unmöglich zu machen. Geradezu 
eine Verletzung des geltenden Rechtes, 'ein Eingriff des die 
Formen der in Spanien herrschenden absoluten Monarchie 
rücksichtslos auf das deutsche Reich übaixagenden Kaisers 
in die Rechte der Reichstände war es aber, wenn der Kaiser 
in dieser sogenannten Proposition die mit Zustimmung der 
kaiserlichen Bevollmächtigten von allen Beichsständen eifistimmig 
zum Reichsgesetze erhob^ie Bestimmung des vorigen Speierer 
Reichstages, welche den einzelnen Ständen bis zum Gondle 
das einstweilige Reformationsrecht bewilligte, „at«5 TcaiserUcher 
MachtvoWcommenheil^^ ohne Befragung der Beichsstände aufhebt 
und cassirt. Man hat zwar in Abrede gestellt, dass diess der 
Sinn der Proposition sei, welche vielmehr nur eine Vorlage 
an die Stände sei. Aber der Wortlaut lässt keinen Zweifel 
darüber, dass der Kaiser die Aufhebung jenes Artikels nicht 
von der Zustimmung der Stände abhängig gemacht wissen, 
sondern aus eigener Competenz verfügen will. Nur die Er- 
setzung derselben durch andere Bestimmungen gibt er der 
Beschlussfassung der Reichsstände anheim, weicht aber auch 
hierin von dem Herkonunen ab, indem er nicht etwa das 



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111 

»Begehrent joder »Ansinnenc, sondern den „Brf^M' an die 
Stände richtet, an Stelle jener Bestimmung die vorher in der 
Proposition geforderten zu beschliessen. Dass auch die Stände 
dies so auffassten, beweist das später von dem Bischöfe von 
Wurzburg abgegebene Gutachten (Beilage 36), in welchem 
derselbe hervorhebt, dass es den Ständen nidit gebühre, nach 
der durch kaiserliche Majestät geschehenen Aufhebung jenes 
Artikels sich noch in Disputation darüber einzulassen. Auch 
Melanchthon schrieb nach der Eröfi&iung des Reichstags ein- 
fach, jene Bestimmung sei abgeschafft worden (abrogatum est), 
und Kurfürst Johann schrieb am 17. März seinem Sohne, es 
sei ein kaiserlicher Befehl vorgelesen worden, so scharf, wie 
weder er noch ein anderer dergleichen je gehört. Das Be- 
schwerUchste an demselben sei, dass der vorige Speierer Ab- 
schied damit aufgehoben werde.') 

Seckendorf berichtet, die auf päbstlicher Seite stehenden 
Stände hätten schon zuvor von dieser Instruction Kenntniss 
gehabt Wenn dies nun auch bei den Fürsten, welche zugleich 
kaiserliche Commissäre waren, unstreitig der Fall war, so ist 
es doch, in solcher Allgemeinheit gesagt, kaum richtig. Wenig- 
stens zeigt die Instruction, welche der Bischof von Würzburg 
am 19. Februar 1529 seinen Gesandten nach Speier mitgab 
(Beilage 29), nichts von einer Kenntniss der Einzelheiten der- 
kaiserUchen Proposition. Soviel ist allerdings sicher, dass 
Probst Waldkirch auf seinen Reisen durch das Reich die 
katholischen Fürsten in die Intentionen des Kaisers im Allge- 
meinen eingeweiht hatte und dass dieselben durch den Inhalt 
der ihren eigenen Absichten entgegenkommenden Proposition 
nicht so überrascht waren, wie die Evangelischen, welche trotz 
der herrschenden Spannung so wenig auf eine derartige Propo- 
sition gefasst waren, dass Luther am Tage der Reichstags- 
eröflFnung an Nie. Amsdorf schrieb, er hoffe Gutes von dem 
Reichstage; auch ein Goncil, dessen nahes Zusammentreten ihm 
also als das Aeusserste erschien, könne nicht viel schaden, 
scheine ihm aber nicht wahrscheinlich. 2) Welchen Eindruck 

*) Sefckendorf 949. Corp. Ref. I, Num. 589. 
^ Luthers Briefe, herausgegeben von de Wette. Berlin 1827. 
Band IE, 480. 



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112 

die Bestimmungen der Instruction desshalb auf die Evange- 
lischen machten, ist aus den uns aufbehaltenen Briefen ersicht- 
lich. Melanchthon nennt in dem mehrerwähnten Briefe vom 
15. März an Camerarrus die verlesenen Befehle des Kaisers 
ganz erschreckliche (Tcdw ijpoßBQd), Er fügt hinzu: »Du weisst, 
dass ich Vieles an den Unseren anders wünsche; aber hier 
will man nicht unsere Fehler verbessern, sondern die gute 
Sache unterdrücken«.^) Und Fürstenberg schreibt am 19. März 
nach Frankfurt, wenn der zweite Artikel vollzogen würde, 
müsste solche Empörung, Blutvergiessen und Verderben in 
deutschen Landen daraus erfolgen, wie in viel hundert Jahren 
nicht erhört worden sei. Bei ihnen Allen stand darum auch 
sofort der Entschluss fest, einer Beschlussfassung der Stände 
im Sinne der Proposition kräftigst entgegenzuwirken. 

9. Die Bestellung des Aossohnsses« 

Nachdem die Secretarien von der kaiserlichen Vollmacht 
und Instruction Abschrift genommen hatten, wurde auf den 
folgenden Tag, Dienstag den 16. März, früh wieder eine Sitzung 
aller Stände anberaumt. Die Stände des Reiches theilten sich 
damals, wie wir zum besseren Verständnisse der in dem Folgen- 
den mehrfach erwähnten Formen hier erinnern, in drei besondere 
Collegien, das kurfürstliche, in welchem Kurmainz den Vorsitz 
führte, das fürstliche, in welchem Salzburg und Oesterreich 
abwechsehid präsidirten, und das städtische Collegium, in der 
das Directorium von der Stadt geführt wurde, in welcher 
gerade der Reichstag gehalten wurde. Zu dem Fürstenrathe 
gehörten auch die Prälaten und Grafen. Die Prälaten waren 
in zwei, die Grafen und Herren in vier Bänke verlheilt, deren 
jede nur eine Gesammtstimme hatte, während die Fürsten so 
viel Stimmen hatten, als sie Länder besassen, denen das 
Stimmrecht zustand. Die Städte waren in zwei Bänke getheilt, 
die rheinische und die schwäbische. Jedes der drei Collegien 



^) Corp. Bef. I, Num. 589. Scis molta me soliiom in nostris 
desiderare, sed hoo loco Bon id agitor, ui nosl^ra viiia oorrigantnr, 
illod agitar, ut optima causa opprimator. 



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118 

hielt seine Sitzungen, welche durch den Erbmarschall angezeigt 
wurden, in einwn besonderen Gemache und berathschlagte für 
sich. Welches der beiden fürstlichen CoUegien mit seinen Berath- 
ungen zuerst fertig war, zeigte seine Beschlüsse dem anderen an, 
und zwar der Kurfürstenrath durch den Mainzer Kanzler im Bei- 
sein eines kurpfalzischen Gesandten, der Fürstenrath abwechselnd 
durch den Salzburger Kanzler und einen österreichischen Ge- 
sandten. Wenn die Beschlüsse beider Collegien nicht überein- 
stimmten, verhandelten dieselben weiter miteinander, bis sie 
sich zu einem einstimmigen Gutachten verglichen hatten. Dann 
erst wurde das reichsstädtische CoUegium mit seinem Votum 
vernommen und im Falle der Uebereinstimmung der gemein- 
same Beschluss der drei Stände durch den Erzbischof von 
Mainz als Erzkanzler des Reichs oder in seiner Stellvertretung 
durch den Kanzler desselben zur Kenntniss des Kaisers oder 
seiner Commissarien gebracht^) 

Nach dieser herkömmlichen Ordnung kamen auch bei 
jener Sitzung die drei Collegien in ihren »verordneten Stuben« 
zusammen und b^athschlagten, zunächst jedes für sich, über 
die in der kaiserlichen Instruction enthaltenen Punkte. Als 
sich die beiden fürstlichen Stände über ihre Ansicht geeinigt 
hatten und den zu sich erforderten Städten ihren Beschluss 
mittheilten, stellte sich heraus, dass alle drei Collegien sich 
unabhängig von einander zu vollkommen übereinstimmenden 
Beschlüssen geeinigt hatten. Dieselben gingen dahin, dass man 
den kaiserlichen Gommissären erwidern wolle, die Fürsten 
und Stande hielten es nicht für thunlich, über den ersten und 
dritten Artikel der Proposition wegen der Türkenhülfe und 
des Unterhalts von Regiment und Kammergericht zu ver- 
handebi, bevor der mittlere, die Glaubensangelegenheiten und 
das Gewissen betreffende Punkt erörtert und erledigt sei. 
D^m bevor man Hülfe in fremde Lande senden könne, müsse 
man wissen, dass man im deutschen Reiche selbst im 
Frieden bei einander wohnen könne. Es sei nicht natürlich 
oder billig, m fremden Landen Hülfe zu thun und sich selbst 



^) Baders, Bepertorium juris public! etc. Jena 175L S. 1127 f. 
Chr. Lehmanni Chronica der Stadt Speier. Frkft. 1698. S. 960. 

8 



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lU 

zu verlassen, wie das jeder Verständige erkennen möge. Wenn 
aber eine Einigung in jener vornehmsten Frage erfolgt sei, seien die 
Stände bereit, nach Vermögen auch eine Hülfe gegen die Türken 
zu gewähren, erkenneten sich auch als Christen dazu verpflichtet ") 

Zu diesem Beschlüsse wirkten die Freunde und Gegner der 
Reformation in gleicherweise mit, da sie Alle die Glaubensange- 
legenheit für die wichtigste von allen hielten. So hatte der Bischof 
von Würzburg in der seinen Gesandten mitgegebenen Instruction 
dieselben angewiesen, darauf hinzuwirken, dass auf dem Reiciis- 
tage zuerst darüber verhandelt werde, wie man die deutsche 
Nation wieder gleich anderen christlichen Königreichen zur Einig- 
keit des Glaubens bringen möge. Erst wenn dies der Fall 
sei, stehe zu hoflfen, dass (Sott der deutschen Nation auch 
über die Türken den Sieg verleihen werde, während sie ohne 
das nur das Gericht Gottes desshalb zu gewärtigen habe.*) 

Dagegen gingen über die Form der zu pflegenden Be- 
rathungen die Ansichten auseinander. Die geistlichen Fürsten 
mit ihrem Anhange wollten die Verhandlungen möglichst be- 
schleimigt wissen, weil sie hofften, bei solcher Beschleunigung 
die mit ihren eigenen Tendenzen übereinstimmenden in der 
Proposition dargelegten Absichten des Kaisers am ersten ver- 
wirklicht zu sehen. Sie widersetzten sich desshalb dem Seitens 
anderer Stände gemachten Vorschlage, zur gründlicheren Be- 
ratliung der kaiserlichen Instruction einen Ausschuss nieder- 
zusetzen, wie das bei früheren Reichstagen ebenfalls gesch^en 
sei.^) Namentlich die Städte wünschten einmüthig die Be- 
rathung durch einen Ausschuss, damit es ihnen möglich werde, 
durch ihre Abgeordnete zu demselben auf die Verhandlungen 
selbst Einfluss zu üben, während sie bei sofortiger Behandlung 
im Plenum sich erst äussern konnten, wenn die beiden anderen 
Collegien ihre Beschlüsse bereits gefasst hatten. Doch setzte 
man die Beschlussfassung hierüber vorerst aus, da man noch 
das Eintreflfen einiger Fürsten abwarten wollte, deren Ankunft 
für die nächsten Tage angekündigt war.*) Es waren dies 



Beilage 17. 

^ Beilage 29. 

') M. Langenmantel an Augsburg am 15. März. 

*) Jung IV. 



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115 

Markgraf Philipp von Baden und der Deutschmeister Walter 
von Gronberg, welche noch am Dienstage einzogen, nebst dem 
Kurfürsten von Trier, welcher ihnen Tags darauf folgte. Die 
Lutherischen hofften wohl, dass auch der Landgraf von Hessen 
noch rechtzeitig eintreffen werde, um entweder persönlich oder 
durch einen seiner Räthe zu dem Ausschusse gezogen zu 
werden. Doch wurde sein Donnerstag den 18. März Nach- 
mittags erfolgender Einzug nicht abgewartet, sondern an diesem 
Tage bereits Morgens sieben Uhr eine zweite Sitzung der 
Stände gehalten, in welcher man über die am 16. März 
berathenen Fragen weiter verhandelte und sich definitiv über 
die den kaiserlichen Commissären zu gebende Antwort einigte. 

In dieser Sitzung entschieden sich die Kurfürsten und 
Fürsten für die Bestellung eines Ausschusses zur Berathung 
der kaiserlichen Proposition und wiederholten zugleich ihren 
Beschluss, in demselben über den mittleren Artikel der In- 
struction zuerst zu verhandeln. In dem Ausschusse sollten 
zwei Kurfürsten persönlich sitzen und die anderen durch ihre 
Räthe vertreten sein; das Collegium der Fürsten sollte zu 
demselben zwei geistliche und zwei weltliche Fürsten in Person 
und die Räthe von je zwei weiteren geistlichen und weltlichen 
Fürsten abordnen; ferner sollten ein Prälat und zwei Grafen 
oder Herren zu dem Ausschusse gehören. Für die Städte 
sollte die rheinische und schwäbische Bank je ein Ausschuss- 
mitglied ernennen. Der Beschluss der beiden höheren CoUe- 
gien wiurde sodann durch den Mainzer Kanzler den Städten 
mitgetheilt, welche ihr Einverständniss mit jenem Beschlüsse 
erklärten und für die rheinische Bank Strassburg, für die 
schwäbische Nürnberg zu jenem Ausschusse deputirten. Die 
Ausschussmitglieder aus dem kurfürstlichen und fürstlichen 
Stande wurden den Städten noch nicht mit Namen bezeichnet, 
waren aber von den beiden fürstlichen CoUegien bereits be- 
stimmt.*) 

Noch am 18. März wurde die Antwort der Stände dem 
Könige Ferdinand und den übrigen kaiserlichen Commissären 
in üblicher Weise mitgetheilt. Dieselbe erklärte im Anschlüsse 

*) Jung V. 

8* 



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116 

an die kaiserliche Proposition zunächst die persönliche An- 
wesenheit des Kaisers im Reiche wegen der mancherlei jetzt 
herrschenden Unordnungen für dringend nothwendig und theilte 
dann den Beschluss der vereinigten Stände mit, aus den an- 
geführten Gründen zuerst über die Glaubensangelegenheiten 
zu verhandeln, sowie die Berathungen darüber zunächst einem 
Ausschusse anheimzugeben. Zugleich wurden die zu diesem 
Ausschusse abgeordneten Fürsten und Räthe namhaft gemacht. 
Da dieser Beschluss theilwcise dem Könige Ferdinand nicht 
genehm war, so wurden die Stande alsbald zu einer erneuten 
Berathung in einer weiteren Sitzimg auf Freitag den 19. März, 
Morgens sieben Uhr, beschieden. Hier erklärte König Ferdinand 
in Person, mit der Bestellung des Ausschusses seien die kaiser- 
lichen Commissäre einverstanden; dagegen sei es bisher nicht 
Gebrauch gewesen, dass bei den Verhandlungen der Reichstage 
von der in der kaiserlichen Proposition bestimmten Ordnung 
abgewichen worden sei. Das geschehe aber, wenn man den 
zweiten Punkt der Instruction vor dem ersten berathschlage. 
Er begehre darum, dass man, da ohnedies der Artikel vom 
Glauben keiner langen Berathung hedüffe^ vor Allem über den 
ersten Punkt der Proposition verhandle und also zunächst über 
die gegen die Türken zu treflfenden Massregeln beschliesse. 
Wolle man sich dazu nicht verstehen, so solle doch wenigstens 
über beide Artikel gleichzeitig berathen und beschlossen werden. 
Die beiden fürstlichen CoUegien entschieden sich nun in ge- 
sonderter Berathung, alle in der Proposition berührten Punkte 
im Ausschusse mit einander zur Hand zu nehmen und auch 
über dieselben gleichzeitig Beschluss zu fassen. Die Beschlüsse 
des Ausschusses sollten dann den Ständen mitgetheilt und 
diesen die definitive Beschlussfassung vorbehalten werden. Da 
auch der Städterath sich damit einverstanden erklärte, so 
konnte noch an demselben Tage, Nachmittags ein Uhr, der 
bestimmte Ausschuss zu seiner ersten Sitzung zusammentreten.') 



*) Bucholtz 392 f. Vorgl. Beilage 17 und die Reichstags- 
relation der Heilbronner Abgeordneten im k. würtemb. Staats- 
archive, sowie die Berichte M. Langenmantels vom 22. und Fürsten- 
bergs vom 19. März. 



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117 

Bucholtz zieht aus der angeführten Bemerkung des Königs 
Ferdinand, dass der Artikel vom Glauben keines grossen 
Rathschlags bedürfe, den Schluss, derselbe habe die ernste 
Vornahme der Religionsangelegenheit für die Rückkehr des 
Kaisers vorbehalten wissen wollen. Uns scheint in jenen 
Worten Ferdinands eher die Andeutung zu liegen, die Stände 
würden es nicht wagen, gegen den so bestimmt ausgesprochenen 
Befehl des Kaisers andere Beschlüsse zu fassen, als dieser sie 
wünsche , • und desshalb zu ihrer Berathung nicht viel Zeit be- 
dürfen. Das spatere Verhalten Ferdinands, namentlich den 
Städten gegenüber, dürfte geeignet sein, diese Verrauthung zu 
rechtfertig^i, welche auch Fürstenberg in seinem Briefe vom 
19. März anzudeuten scheint, wenn er sagt, was das auf sich 
habe, dass der Kaiser oder seine Commissäre den Artikel vom 
Glauben statt, wie billig, an den ersten an den zweiten Platz 
gestellt hätten, werde von Manchem in Zweifel oder Verdacht 
gezogen. 

Es bleibt noch übrig, die Männer namhaft zu machen, 
welche in den Ausschuss deputirt wurden, in dessen Hände 
die nächsten und voraussichtlich auch entscheidenden Verhand- 
lungen über die kaiserliche Proposition gelegt waren. In Person 
sassen in demselben die Kurfürsten Richard von Trier und 
Johann von Sachsen, Cardinalerzbischof Matthäus Lang von 
Salzburg und Bischof Christoph von Augsburg, Herzog Ludwig 
von Baiern und Markgraf Philipp von Baden, femer für die 
Prälaten Abt Gerwig von Weingarten und für die Grafen und 
Herren Graf Bernhard von Solms und Gangolf Herr von Hohen- 
geroldseck. Für den Kurfürsten von Mainz war sein Kanzler 
Dr. Kaspar von Westhausen, für den von Köln Graf Dietrich 
von Manderscheid , für Kurfürst Ludwig von der Pfalz sein 
Hofmeister Ludwig von Fleckenstein zum Ausschusse abge- 
ordnet. Ein Rath des brandenburgischen Kurfürsten wird uns 
nicht als Ausschussmitglied namhaft gemacht, weil, wie es 
scheint, die Gesandten desselben zur Zeit der Ausschussbestell- 
ung noch nicht in Speier eingetroffen waren. An Stelle des 
Bischofs Conrad von Würzburg sass dessen Kanzler Dr. Mar- 
silius Prenninger, für Bischof Hugo von Constanz Dr. Johann 
Faber, für den Herzog Wilhelm von Baiern Dr. Leonhard von 



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118 

Eck und für Herzog Heinrich von Braunschwelg dessen Rath 
Ewald von Baumbach in dem Ausschusse. Von den rheinischen 
Städten war Jacob Sturm, von den schwäbischen Christoph 
Tetzel zu Ausschussmitgliedern gewählt.*) 

Als dieser Ausschuss zusammentrat, sprachen einzelne 
lutherische Reichstagsgesandte von Städten noch die Hoffnung 
aus, es werde durch den Ausschuss ein der Reformation 
einigermassen günstiger Reichstagsabschied vorbereitet werden. 
So schrieb der Bürgermeister Weiss von Reutlingen am 20. 
März an den Rath seiner Vaterstadt,*) sie möchten sich wegen 
des zweiten Artikels der Proposition nicht beunruhigen; es sei 
zu dessen Berathung ein Ausschuss gebildet worden, der ohne 
Zweifel mit Gottes Hülfe einen Bericht geben werde, durch 
den Friede und Einigkeit erhalten werden könne. Tiefer 
Blickende sahen die Sache schon damals freilich anders an 
und erkannten, dass bei dieser Zusammensetzung des Aus- 
schusses wenig für die Evangelischen zu hoffen war.^) Nur 
drei der Mitglieder desselben standen entschieden für die Sache 
der Reformation ein, Kurfürst Johann, Jacob Sturm und 
Christoph Tetzel, von denen aber die beiden Letzteren trotz 

*) Müller 24. Bucholtz 392. Beilage 34. Langenmantela Bericht 
vom 22. März. Die in den verschiedenen Archiven sich findenden 
Angaben über die Ansschassmitglieder stimmen nicht in allen Ein- 
zelheiten überein. In den Würzburger Akten wird irrthümlich statt 
des brannschweigischen Bathes von Barunbach der hessische Rath 
von ßchraatenbach, statt des Herrn von Geroldseck Graf Ulrich von 
Helffenstein, und statt Christoph Tetzel Eress von Nürnberg genannt. 
Auch in den Nördlinger Akten wird Kress statt Tetzel als Aasschass- 
mitglied bezeichnet. Bucholtz, welcher, ohne seine Quelle anzugeben, 
doch offenbar aas Beichstagsakten schöpft, macht ebenfalls in Folge 
von Lesefehlem theilweise abweichende Angaben. Wir haben oben 
im Texte die Namen eingestellt, welche ans nach Vergleichung der 
verschiedenen Angaben als die richtigen erscheinen. Bei den bo- 
deatenderen Mitgliedern ist ohnedies ein Irrthum aasgeschlossen, 
da sie in allen Akten übereinstimmend genannt werden. 

«) Füsing 145. 

^ So Jacob Sturm, wenn er um diese Zeit schreibt: „Besorg, 
wie ich die Personen, so hie sind, ansehe, es werde nitt viel za erlangen 
sein." Jang IV. 



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119 

der persönlichen Bedeutung Sturms auf die übrigen von den 
Fürsten deputirten Ausschussmitglieder schon als Abgeordnete 
von Städten nur wenig Einfluss zu üben vermochten. Kurfürst 
Johann aber, so hoch angesehen er auch persönlich selbst bei 
seinen Gegnern war, hatte doch die Eigenschaften der Rede 
nicht, welche ihm einen bedeutenderen Einfluss bei den Be- 
rathungen möglich gemacht hätten. Leider war Landgraf 
Philipp von Hessen erst einige Stunden nach der Bestimmung 
der Ausschussmitglieder durch die Fürsten nach Speier ge- 
kommen und schon dadurch die Hoflftiung der Augsburger 
Gesandten') vereitelt worden, er werde in den Ausschuss erwählt 
werden und in demselben für die evangelische Sache wirken 
können. Den genannten drei Freunden der Reformation standen 
im Ausschusse die eifrigsten Feinde derselben gegenüber, be- 
sonders Faber und Eck, Cardinal Lang und Abt Gerwig, alle 
ebenso entschlossen, die günstige Gelegenheit zur Zurückdräng- 
ung des Lutherthums auszunützen, wie gewandt und für ihre 
Zwecke unermüdlich thätig. Von den übrigen fünf, theils 
persönlich, theils durch ihre Räthe im Ausschusse vertretenen 
geistlichen Fürsten waren zwar der Bischof von Augsburg und 
die Erzbischöfe von Köln und Mainz gemässigt gesinnt; aber 
ihre Stimme gaben sie alle, schon um ihre eigenen Interessen 
zu wahren, im Sinne der Reactlon gegen die Neuenmgen der 
leteten Jahre ab. Ebenso stimmte auch Herzog Ludwig von 
Baiem. So standen den drei lutherischen Stimmen zehn ent- 
schieden katholische im Ausschusse entgegen, welche schon für 
sich die absolute Majorität im Ausschusse hatten. Es konnte 
darum die, wie es scheint, von den übrigen fünf Mitgliedwn 
des Ausschusses, namentlich aber von Kurfürst Ludwig von 
der Pfalz und Markgraf Philipp von Baden, versuchte Ver- 
mittelung um so weniger Erfolg haben, als sie dieselbe im 
Ausschusse mit geringem Nachdrucke übten und der entschie- 
denen Willensmeinung des Kaisers und dem Drängen des Königs 
gegenüber wenig Selbstständigkeit in kirchlichen, ihrem persön- 
lichen Interesse femer liegenden Fragen an den Tag legten. 



^) LangenmantelB Briefe vom 15. und 22. März im Augsbnrger 
Stadtarchive. 



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120 

Ndben diesem gemeinsamen Ausschusse aller Stände be- 
stellten die Städte noch einen besonderen Ausschuss unter 
sich zur Vorberathung aller auf dem Reichstage zur Verhand- 
lung kommenden Fragen, damit derselbe zunächst über den 
mittleren Artikel berathe und den von den Städten zu dem 
grossen Ausschusse Verordneten zur Seite stehe. Als Mitglieder 
dieses Städteausschusses wurden von der rheinischen Bank 
Sturm imd Pfarrer von Strassburg, Fürst^ibarg von Frank- 
furt, der Stadtschreiber Meyenburg von Nordhausen und ein 
Abgeordneter von Köln, von der schwäbischen aber Matthäus 
Langenmantel und Hagk von Augsburg, Tetzd und Michael 
von Kaden aus Nürnberg, Besserer von Ulm und Ehinger von 
Memmingen bestimmt.^) Alle diese waren der Reformation 
geneigt ausser den Gesandten von Köln, welche aber aus poli- 
tischen Gründen und wegen Zerwürfnissen, die Köln mit der 
Geistlichkeit hatte, sich den Schritten der anderen Städte- 
gesandten ebenfalls anschlössen. 

Ausser dem obigen grossen zur Berathung der Haupt- 
fragen bestimmten Ausschusse wurden von den Fürsten für 
weniger wichtige Angelegenheiten einige weitere Ausschüsse 
gewählt. Zu dem Ausschusse »zu kgl. Maj.« gehörten D.Wolf 
von Thum, Chr. von Taubenheim und Räthe der Bischöfe 
von Eichstädt imd Basel. Die Vorlagen der Kammergerichts- 
und Halsgerichtsordnung sollten der Domprobst von Speier 
imd ein Würzburger Rath, der braunschweigische Dr. Ewald 
von Lambad und der badische Kanzler berathen. Ein anderer 
Ausschuss, welcher aus dem Salzburger Rathe Tr^nberg und 
dem Freisinger Kanzler Dr. Luchs, Kunz von Rechberg für 
Pfalz-Neuburg imd Balth. von Schrautenbach für Hessen be- 
stand, hätte wegen der Monopole, der Münze und der Polizei 
zu verhandeln. Die eingereichten Supplicationen und der Be- 
richt des kaiserlichen Fiscals Matt sollten durch je einen Rath 



1) Beilage 17. ürkmiden des schwäb. Bandes ü, 387 f. Die 
Angaben stimmen auch hier nicht alle überein. Die Nördlinger 
hierin nicht genau unterrichteten Gesandten nennen statt Nordhausen 
Worms. Langenmantel führt dagegen Köln nioht unter den zum 
Ausschusse deputirten Städten an. 



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121 

des Bischöfe von Eichstädt und des Markgrafen Georg von 
Brandenburg geprüft werden. Zur Visitation des Regiments 
und Kammergerichts wurden endlich der Bischof von Strass- 
burg und Pfalzgraf Ottheinrich, der Augsburgische Kanzler 
Dr. Conrad und der herzoglich Jülich'sche Rath Dr. Decker 
(auch Job. von Dockheim, gewöhnlich Fries genannt) bestimmt*) 

10. Die Verhandlungen des Aussehnsses Ober die 
Glaubensfrage. 

Von hohem Werlhe würde es nun sein, wenn klare, 
objektiv geführte Protokolle oder andere eingehende Nach- 
richten über die einzelnen Ausschuss-Sitzungen uns zu Gebote 
stünden und es ermöglichten, über die Verhandlungen in dem 
grossen Ausschusse, wie sie nun fast täglich gepflogen wurden, 
genauen Bericht zu erstatten. Leider vermochten wir aber 
vollständige derartige Protokolle oder Nachrichten nicht auf- 
zufinden. Das kaiserlich österreichische Reichsarchiv in Wien, 
in welches, wenn wir nicht irren, auch die Akten der Mainzer 
Kurfürsten als der Erzkanzler des Reiches übergegangen sind, 
enthfilt nach dem Zeugnisse des Archivdirektors Joseph Chmel^) 
weder Sitzungsprotokolle noch andere Akten über den frag- 
lichen Reichstag. Die anderswo sich findenden Nachrichten 
sind naturgemäss lückenhaft und geben kein vollständiges Bild 
dieser Verhandlungen. Dennoch können wir auch aus den 
vorliegenden Quellen ein ziemlich verlässiges Bild des Ganges 
der Verhandlungen im Allgemeinen und der Haltung der 
bedeutenderen Mitglieder des Ausschusses entwerfen. Diese 
Quellen bestehen auäser aus den mehrerwähnten uns aufbe- 
wahrten Berichten verschiedener Reichstagsabgeordneter, von 
denen hier besonders die von Jung abgedruckten Briefe der 
Slrassburger Abgeordneten von Bedeutimg sind, aus den S. 23 



*) Die obigen Namen der Mitglieder der kleinen Ausschüsse 
sind genannt in einem Acta comit. Spirens. 1529 ttberschriebenen 
mit ^^^k signirten Aktenbande der Pfulx-Nuabnrgor Abtboilung des 
k. bair. geh. Staatsarchivs in München. 

^ Bei Bemling, der Betscher eu Speier. 11. Heft. Bpeier 1858. 
8. 43, Anm. 



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122 

erwähnten Aufzeichnungen über die Sitzungen des kurpfalzischen 
Geheiraeraths während des Reichstags, welche reichliche Be- 
ziehungen auf die jeweiligen Verhandlungen des Ausschusses 
enthalten. Hienach hatten die Ausschussverhandlungen über 
die Glaubens&age nachstehenden Verlauf. 

Bereits am 19. März Nachmittags ein Uhr wurde die erste 
Sitzung des Ausschusses gehalten, in welcher wohl die Con- 
stituirimg desselben stattfand und beschlossen wurde, in dem 
Ausschusse zunächst über die Glaubrnsfrage zu berathen. Der 
ganze Ausschuss war in diesem Beschlüsse einig, da Alle an- 
erkannten, dass vor einer Verständigung über diese wichtigste 
Frage eine Berathung über die anderen Punkte zu keinem 
Ziele führen konnte. In den folgenden Tagen wurden von den 
einzelnen fürstlichen Ausschussmitgliedem die Gutachten ihrer 
Räthe, von den anderen die Instructionen ihrer Vollmachtgeber 
erholt. Zugleich aber entwickelte der Ausschuss eine ausser- 
ordentliche Thätigkeit. Fast täglich wurden Sitzungen ge- 
halten, in denen Dr. von Eck mit Faber und Abt Gerwig einen 
so dominirenden Einfluss gewannen, dass ein evangelischer 
Abgeordneter schreiben konnte, wie Dr. Eck den schwäbischen 
Bund regiere, so regiere er auch mit den oben Genannten den 
Reichsrath.*) Auch Melanchthon deutete darauf hin, wenn er 
um dieselbe Zeit schrieb, ein guter Theil der Fürsten sei zwar 
dem Frieden nicht abgeneigt, doch etliche plebejische Menschen, 
ohne Ansehen und Namen, verwirrten bei den Berathungen 
durch ihr tumultuarisches Geschrei die Ansichten der Fürsten.*) 
Dr. Faber suchte bei den Fürsten in und ausser den Ausschuss- 
sitzungen besonders dadurch in seinem Sinne zu wirken, dass 
er auf die Folgen hinwies, welche nach seiner Ansicht die 
evangelische Lehre gehabt habe und noch haben werde.') Die 
Unordnungen, welche an einigen Orten, namentlich in der 
Schweiz, bei Einfühnmg der Reformation und Entfernung 
der Bilder aus den Kirchen vorgekommen waren, verwerthete 



^) Brief Ehingers vom 28. M&rz in den Urk. des schwftb. 
Bandes II, 339. 

«) Corp. Ref. I, 1041. 8. oben ß. 56, Anm. 
») Pfarrer an Bütz am 21. März bei Jung VL 



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123 

er in geschickter Weise für seine Absichten ; die neuerdings in 
mehreren Städten erfolgte Abschaffung der Messe wurde von 
ihm und Eck gleichfalls in seinem Sinne benützt und das Ver- 
fahren der Städte dabei nicht ohne gehässige Uebertreibungen 
geschildert. So behauptete Eck selbst Sturm gegenüber, wer 
in Mommingen das Sacrament haben wolle, müsse von dem 
Bürgermeister besondere Erlaubniss dazu haben; man müsse 
dann die geweihte Hostie ausserhalb der Stadt holen und dem 
betreflFenden Geistlichen besonderes sicheres Geleite geben. 
Aehnliches wurde von anderen Städten ausgesagt, bei welchen 
nicht immer, wie dies bei Memmingen der Fall war, durch 
den anwesenden städtischen Reichstagsgesandten etwaige Un- 
wahrheiten sofort berichtigt werden konnten.*) Dinge, welche 
in keines Menschen Gedanken, geschweige Thun fielen, wurden 
von Faber als die nothwendigen Consequenzen der Reformation 
hingestellt.*) In diesen Tagen war es, wo er — am 21. März — 
in einer Predigt die Türken für besser als die Lutheraner 
erklärte. Zugleich benützte er die Streitigkeiten zwischen Luther 
und den Schweizer Reformatoren über die Lehre vom h. Abend- 
mahl, um die Evangelischen unter einander zu entzweien, und 
richtete seine Angriffe vor Allem auf Zwingli und die ihm an- 
hangenden oberdeutschen Städte, wie Constanz, Strassburg, 
Lindau und Memmingen, in der Hoffnimg, bei diesen Angriffen 
auch von den Lutheranern unterstützt zu werden. Es war 
besonders das Verdienst des zwar im Ausschusse nicht selbst 
vertretenen, aber durch seinen täglichen engen Verkehr mit 
Kurfürst Johann auf diesen einen bedeutenden Einfluss übenden 
Landgrafen Philipp, dass diese Taktik vereitelt wurde und die 
evangelischen . Fürsten und Städte, wie während des ganzen 
Reichstags, so auch schon im Ausschusse zusammenhielten, da 
sie erkannten, dass nach Unterdrückung des einen Theils die 
Reihe bald an den anderen kommen würde.^) 



') ürk. des schw. B. 339 f. 8. auch Beilage 20. 

*) Pfarrer am 21. März bei Jung VI. 

^ Frühe hatte der einsichtsvolle Sturm jene Machinationen 
durchschaut. Schon am 24. März schrieb er an den Strassburger 
Stadtschreiber Peter Bütz: „Wie mich die Sach ansieht, ist es 



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124 

Die ^ste Ausschuss-Sitzung, über deren Verlauf wir etwas 
genauere Nachrichten haben, fand Montag den 22. März statt, 
nachdem aber, wie es scheint, bereits in früheren Sitzungen 
über die Frage verhandelt worden war.*) Hier wurden zuerst 
die die Glaubensfrage betreffenden Artikel des letzten Speierer 
Abschieds und der diesmaligen kaiserlichen Instruction vor- 
gelesen und mit einander verglichen, worauf die einzelnen 
Ausschussmitglieder in der hergebrachten Ordnung mit ihren 
Gutachten vernommen wurden. Zuerst erklärte der Kurfürst 
von Trier, er habe sich bisher dem Wormser Edicte gemäss 
gehalten, und stimmte dann dafür, dass der von dem Kaiser 
in der Proposition gegebene Bescheid , nach welchem die be- 
kannte Bestimmung des Speierer Abschieds von 1526 aufgehoben 
sei, erfüllt und also im Reichstagsabschiede zum Reichsgesetze 
erhoben werde. Dieselbe Erklärung gab Graf Manderscheid im 
Namen des Kurfürsten von Köln ab. Fleckenstein, welcher 
hierauf im Namen des pfalzischen Kurfürsten zu stimmen hatte, 
gab ein Votum ab, aus dem die Absicht seines Herrn klar 
erhellt, zu »lavirenc, wie sich die Akten bezeichnend ausdrücken. 
Man solle erwägen, wie man dem den Glauben betreffenden 
Artikel der kaiserlichen Instruction eine Milderung machen 



alles dahin gespielt, domitt man eine Trennnng zwischen Sachsen, 
Hessen, Nürnberg vnd uns in causa sacramenti et missae mache, 
ut oppressa nna post facilios opprimator et altera." Jnng IX. Sturm 
war es vielleicht auch, wdcher Oecolampad in Basel von der Sachlage 
in Konntniss setzte und ihn dadurch veranlasste, am 1. April an 
Melanchthon nach Speier zu schreiben, um eine Annäherung beider 
Theile herbeizuführen. Charakteristisch ist, was Oecolampad in diesem 
Briefe über Faber schreibt : „Non ignoramns hie, quae 6 rixrtov .... 
istic fabricet Philippica (de Macedone inquam, non de te, nostro 
vere candido) fraude, ut nobis primum negotium faciat, quo deinde 
et V08 quoque invadat." Scult. annal. ü, 237. 

^) Aus dem Schreiben des M. Langenmantel vom 22. März 
scheint hervorzugehen, dass die Sitzung an diesem Tage stattfand. 
Die im Texte gegebenen Nachrichten entnehmen wir ausser aus 
diesem Briefe besonders aus Notizen in den S. 23 erwähnten 
„Bedenken und Rathachlägen" etc. Indess ist hier kein Datum 
angegeben. 



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126 

könne, damit man bis zu dem Concile Friede mit einander 
hätte und Jeder glauben möge, was er sich gegen (Jott zu 
verantworten getraue. Es wäre gut, Wege zu suchen, dass 
die Stande des Reichs in Frieden bei dem Ihren bleiben 
könnten. *) 

Hierauf gab der Kurfürst von Sachsen seine Stimme 
dahin ab, man solle bei dem letzten Speierer Abschiede bleiben. 
Cardinal Lang von Salzburg und die anderen Bischöfe oder 
ihre Räthe, sowie der Mainzer Kanzle Westhausen stimmten, 
wie zu erwarten war, dafür, dass man nach dem Befehle des 
Kaisers sich richt^i solle. Markgraf Philipp von Badai mit 
der weltlichen Fürstenbank endlich sprach sich dafür aus, dass 
Mittelwege gesucht werden sollten. Bei der schliesslichen Ab- 
stimmung überstimmten die Geistlichen, welche auf ihrem 
Sinne beharrten, die übrigen Ausschussmitglieder, ^) wobei sie 
jedoch ohne Zweifel von einigen weltlichen Stimmen, nament- 
Uch von Dr. Eck imd wohl auch von Herzog Ludwig von 
Baiem unterstützt wurden. Dagegen stand, wie aus der von 
Herzog Heinrich in Gemeinschaft mit dem Markgrafen Philipp 
noch in den letzten Tagen des Reichstags versuchten Ver- 
mittelung hervorgeht, der Braunschweiger Gesandte und wahr- 
scheinlich auch Graf Bernhard von Solms zu den eine Ver- 
mittelung wünschenden Fürsten. Leider berichtet indess unsere 
Quelle nicht ausdrücklich, welches das Votum der letztgaiannten 
Stände in dieser Ausschuss-Sitzung war. Dennoch glauben 
wir das Verhältniss der Stimmen in dieser Ausschuss-Sitzimg, 
wenn in ihr alle Glieder desselben zugegen waren, dem 
vrirklichen Sachverhalte entsprechend anzugeben, wenn wir 
annehmen, dass die acht geistlichen Stimmen mit Eck und 
Herzog Ludwig entschieden für die vollständige Ausführung 
des kaiserlichen Befehles waren. Diesen zehn Stimmen standen 
die drei von Kurfürst Johann, Sturm und Tetzel gegenüber, 

^) S. in den oft erwähnten ,,Bedenken und Bathschl. Verzeichn." 
die Anfzeichnung über die Sitzung des pfälzischen Geheimerathes 
vom 6. p. Judica (20. März). 

') Ans der „Relation Hoffmeisters'' (Fleckensteins) in den 
erwähnten „Bedenken vnd Bathschl. Verzeichn.": „ist mit den 
pfaffen vberstimpt, wollen vff Jrem 63m beliben.'* 



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126 

welche die Aufrechterhaltung des vorigen Speierer Abschieds 
begehrten, während die Stimmen der übrigen fünf (Pfalz, 
Baden, Braunschweig, Solms und Geroldseck) schliesslich dahin 
gingen, den kaiserlichen Befehl nicht ganz bei Seite zu setzen, 
aber ihn doch nur mit Milderungen in den Abschied auf- 
zunehmen. 

Bezüglich des Votums der Abgeordneten der Städte er- 
fahren wir aus dem Berichte des M. Langenmantel vom 22. 
März , ^) dass der Städteausschuss sofort nach seine* Gon- 
stituirung desshalb in Berathimg trat und zunächst den Augs- 
burger Stadtschreiber Hagk, den Nürnberger Syndicus Michael 
von Kaden und den Stadtschreiber von Nordhausen beauf- 
tragten, jeder für sich ein Gutachten zu verfassen und dem 
Ausschusse als Grundlage zu weiterer Berathung vorzulegen. 
Als dann in einer späteren Sitzung des Städteausschusses diese 
Gutachten zur Verlesung kamen, wurde das von Kaden ange- 
fertigte, obwohl man es als ein sorgfaltig abgefasstes anerkannte, 
verworfen, weil man es für zu scharf und ein so entschiedenes 
Auftreten noch nicht für angezeigt hielt. Das durch den 
Stadischreiber von Nordhausen verfasste Bedenken wurde 
ebenfalls nicht angenommen, weil es dem Ausschusse »etwas 
dunkel und unverständliche schien. Dagegen wurde das Con- 
cept des Johann Hagk nach einigen vom Ausschusse ange- 
brachten Verbesserungen gebilligt und wurde also, nachdem 
in einer allgemeinen Versammlung der Städtegesandten diese 
sich einverstanden erklärt hatten, zur Grundlage des von Sturm 
und Tetzel abgegebenen Votums im grossen Ausschusse, welches 
im Wesentlichen ebenso, wie das des Kiufürsten von Sachsen 
darauf hinauslief, dass der vorige Speierer Abschied in Kraft 
bleiben solle. Wenn man auf dem kaiserlichen Befehle be- 
harren wolle, könne daraus nur grosse Unruhe im Reiche 
entstehen. Man möge desshalb bis zum Concile bei den be- 
währten Bestimmungen des Speierer Abschieds bleiben. Bei 
Abschaffung desselben ßllle man sein -ürtheil ohne gehöriges 
Verhör und Erörterung ; in diesem Falle habe auch ein Goncil 



*) Augsburger Archiv. 8. auch den Brief der Nördlinger Ge- 
sandten vom 20. März in Beilage 17. 



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127 

keinen Zweck mehr, da die Sache, über welche auf demselben 
weitläufig verhandelt werden solle, dann ja bereits entschieden 
sei. So das bereits am 20. März beschlossene Gutachten der 
Städte. 

Doch fehlte es schon bei dieser Beschlussfassung der 
Städtegesandten nicht an abweichenden Stimmen. Die Ober- 
länder Städte, namentlich Ueberlingen, Ravensburg und Kauf- 
beuem, zu denen ohne Zweifel auch Rottweil gehörte, erklärten 
jetzt schon, der Speierer Abschied sei bei ihnen übel verstanden 
und missbraucht worden imd eine Erläuterung desselben sei 
desshalb nach ihrer Meinung allerdings angezeigt. Andere 
Städte hielten eine solche Erläuterung für zulässig, wenn die- 
selbe nur nicht die geistliche Jurisdiction der Bischöfe wieder- 
herstelle. Wieder andere Abgeordnete, unter ihnen Besserer 
und Hagk, fassten für den Fall der Erfolglosigkeit der Be- 
mühungen der Evangelischen bei dem Ausschusse bereits eine 
entschiedenere Supplication der Städte an die Reichsstände in's 
Auge, welche auch an den König Ferdinand und die anderen 
kaiserUchen Gommissäre gebracht werden sollte. 

In der That vermochten es, wie bemerkt, die evangelischen 
AusschussmitgHeder nicht zu verhindern, dass die Mehrheit des 
grossen Ausschusses schon am 22. März in dreimaliger Umfrage 
beschloss, dem Reichstage vorzuschlagen, dass der Artikel des 
vorigen Speierer Abschieds, welcher es den Reichsständen frei- 
gab, sich bis zmn Concile in Sachen des Glaubens so zu 
halten, wie es sich Jeder gegen Gott und den Kaiser zu ver- 
antworten getraue, aufgehoben und an dessen Stelle der in der 
kaiserlichen Proposition enthaltene Artikel angenommen werden 
solle, durch welchen die früheren kaiserlichen Mandate erneuert 
und Strafen gegen die Uebertreter ausgesprochen wurden. 
Jedoch solle der Artikel »nicht so heftig«, wie in der Vorlage, 
gefasst, sondern »gemildert« an die gemeinen Stände gebracht 
werden. Dieser letzte Zusatz wurde offenbar auf Andrängen 
der »Mittelwege suchenden« Ausschussmitglieder beigefügt und 
\(m der Mehrheit als ein nicht geringes Zugeständniss an die 
evangelischen Stände aufgefasst Freilich war die dann be- 
schlossene Milderung der Art, dass der Augsburger Gesandte 
sie eine »vermeinte« nennt, »die uns gebittert gedünkt«. Der 



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128 

Kurfürst von Sachs^i, Sturm und Tetzel, welchen sich hierin 
auch der Markgraf von Baden anschloss, traten diesem Be- 
schlüsse entschieden entgegen und verlangten eine Abschrift 
des Beschlusses, sowie eine Bedenkzeit, um die Sache noch- 
mals reiflich überlegen zu können. Die der Mehrheit ange- 
hörenden Ausschussmitglieder wendeten aber ein, das sei gegwi 
den Gebrauch, und Hessen es nicht einmal zu, dass eine Ab- 
schrift des Beschlusses genommen wurde. Vergebens erwid^ten 
Kurfürst Johami und die Städtegesandten, diese Sache sei so 
hochwichtig, dass man in derselben wohl auch von den her- 
kömmlichen Gebräuchen abweichen dürfe.') Die Ausschuss- 
mehrheit beharrte auf ihrem Beschlüsse und verlangte die 
strengste Geheimhaltung desselben, so lange derselbe nicht an 
die Stände gebracht sei. 

Doch wurde auf den folgenden Tag, Dienstag den 23. 
März, Nachmittags zwei Uhr eine neue Sitzung des grossen 
Rathes anberaumt, um nochmals über die Angelegenheit zu 
berathen. In dieser Sitzung, über deren Verlauf im Einzelnen 
uns keine weiteren Nachrichten zu Gebote stehen, vnirden die 
Mehrheitsbeschlüsse des Ausschusses betreffs der Glaubensfrage 
neu formulirt und in einer etwas veränderten Fassung oder 
Milderung^ wie die vermittelnden Fürsten glaubten, definitiv 
angenommen.*) Dieselben hatten im Wesentlichen folgenden 
Inhalt: 



') Langenmantel am 22. März: „Dagegen H^:^og Hans vnil 
die von Steten geredt, das dise Sachen so hochwichtig, das derhiUben 
die notturfft mer, dan die gepreuch anzusehen sey.'* 

*) Ueber den Tag, an welchem diese Beschlüsse im Ausschasse 
endgültig gefasst wurden, stimmen die Nachrichten nicht ganz über- 
ein. Langenmantel schreibt am 22. März ausdrücklich: „Aber wie 
dem allem, so sollen vnd werden die von des Beichsvssschuss 
morgen vmb zwo vren nach mittera tag widerumb zusamenkommen 
vnd weiter von Sachen reden." Und Sturm (bei Jung XI) schreibt 
am 25. März: „Es ist auch sither Zinstag nitt me gehandelt worden 
der helgen Zitt halb." Hienach hätte die letzte Sitzung des Aus- 
schusses vor Ostern Dienstag den 23. März stattgefunden. Anderer- 
seits verlegt Jung (S. 21) und nach ihm Ranke (S. 106) diese 
Sitzung auf Mittwoch den 24. März, zu wekher Annahme ihn wohl 



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m 

Die zum Ausschusse deputirten Stände hätten die Propo- 
sition des Kaisers bezuglich der Religionsangelegenheiten gründ- 
lich erwogen. Das Erbieten des Kaisers, für das baldige 
Zusammentreten eines Concils Sorge zu tragen, möge von dem 
Reichstage mit imterthänigem Danke angenommen und die 
Bitte beigefügt werden, der Kaiser wolle als oberster Vogt und 
Haupt der Christenheit, da die Sache keinen längeren Verzug 
leide, »gnädiglich fördemc, dass ein frei christlich General- 
concilium spätestens binnen eines Jahres ausgeschrieben und 
darnach längstens in zwei Jahren ^) zu Metz, Köbi, Mainz, 
Strassburg oder einer anderen gelegenen Stadt deutscher 
Nation gehalten werde, damit die deutsche Nation in dem 
heil, christlichen Glauben vereinigt und der schwebende Zwie- 
spalt erörtert werden möge. Sollte aus irgend einem Grunde 



der Umstand bestimmt, dass die Btiehu der Strassboiger Gesandten 
Ober jene Beschlüsse vom 24. Mlürz datirt sind. Auf eine Ans- 
schusssitzung am 24. März deutet indeas auch eine Notiz in den 
oft erwähnten knrpfUlzischen „Bedenken vnd Bathschläge Verzoieh- 
nnssen" hin, wo es von einer Gehoimerathssitzung „vff annunciationi 
marie" (25. März) heisst: „Erwogen was gestern gehandelt nemlich 
eins national vnd generalconsiliums.^ Doch könnte hiemit auch, 
wenn kein lapsus calami vorliegt, eine Verhandlung des pfälzischen 
Geheimeraths gemeint sein. Dem bestimmten oben angeführten 
Zeugnisse Sturms folgend glaubten wir den 23. März als den Tag 
der Sitzung annehmen zu müssen. 

') Diesen Termin scheint der Beschluss des Ausschusses ur- 
sprünglich bestimmt zu haben. Sturm schreibt wenigstens in seinem 
Briefe vom 24. März (Jung VII), der Aussschuss habe beschlossen, 
den Kaiser um Ausschreiben eines Concils in einem Jahre zu er- 
suchen „vnd nach dem Vsschreiben in zwei Jahren anzufahen." 
Da auch in den bisohöfl. Würzburger Akten der Beschluss des Aus- 
schusses ebenso dargestellt wird („vnd in 2 Jahren den nechsten 
darnach angefangen*')» so liegt hier kaum ein blosser Gedächtniss- 
oder Schreibfehler vor. Es ist wohl als ein Zugeständniss der 
Mehrheit an die vermittelnden Stände zu betrachten, dass in dem 
Ausschnssgntachten und nach demselben in dem Abschiede jener 
Termin schliesslich auf 1 bis VI» Jahre herabgesetzt wurde 
(„vnd darnach zum längsten in einem Jahr oder anderthalben ange- 
fangen.'' Müller 26. Walch XVI, 325 und 880). 

9 



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130 

das allgemeine Concil nicht zu Stande kommen, dessen sich die 
deutsche Nation zu kaiserlicher Majestät und päbstlicher Heilig- 
keit aber keineswegs getrösten wolle, so möge doch der Kaiser in 
der gedachten Frist eine allgemeine Vea-sammlung aller Stande 
deutscher Nation ausschreiben und selbst dabei erschemen. 

Da aber der bekannte Artikel des letzten Speierer Ab- 
schieds, nach dem sich Jeder halten solle, wie er es gegen 
Gott und den Kaiser zu verantworten getraue, bei Vielen 
missverstand^i und zur Entschuldigung »allerlei erschrecklicher 
neuer Lehren und Sekten« missbraucht worden sei, so solle 
man, um solches abzuschneiden und weiterem Abfall zu wehren, 
beschliessen — wir citiren den folgenden wichtigen Passus 
wörtlich, — y4^s di^enigen, so bei dbgedacktem Kaiserlichen Edikte, 
— dem Wormser — Jns anher blieben, nun hinfüro auch bei 
demselben Edikt bis zu dem künftigen ConcUio verharren und 
ihre Unterthanen dazu halten sollen und woüen, und aber bei 
den anderen Ständen, bei denen die anderen Lehren entstanden 
und eum TheU ohne merklichen Aufruhr, Beschwerung und 
Gefährde nicht abgewatidt werden mögen: soU doch hinfüro alle 
weitere Neuerung bis eu künftigem Concilio, so vid möglich und 
menschlich, verhütet werden. Und sonderlich soU Etlicher Lehre 
und Sekten, so vid die dem hochwürdigen Sacra^nent des wahren 
Frohnleichnams und Bluts unseres Herrn Jesu Christi entgegen, 
bei den Ständen des heiligen Reichs deutscher Nation nicht ange- 
nommen, noch öffentlich hinfüro zu predigen gestaltet oder zuge- 
lassen; dessgleichen sollen die Aemter der heiligen Messe nicht 
abgethan, auch niemand an den Orten, da die neue Lehre über- 
hand genommen, die Messe zu halten oder zu hören verboten, 
verhindert oder davon gedrungen werden/^ 

Gegen die längst verbotene Wiedertaufe solle ein ernstes 
Strafmandat erlassen werden. Neu eingeschärft sollten werden 
die auf den beiden letzten Reichstagen in Nürnberg bewilligten 
Artikel betreffs der Prediger, dass dieselben in ihren Predigten 
Alles, was den gemeinen Mann gegen die Obrigkeit aufregen 
könnte, vermeiden, nur das heilige Evangelium nach Auslegung 
der von der h. christlichen Kirche approbirten Schriften und 
keine »disputirlichen Sachen« lehren, sondern das Concil 
erwarten sollten, und betreffs der Presse oder, wie man sich 



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131 

damals ausdruckte, des Drucks, dass keine Schmähschrift aus- 
gehen imd Alles durch den Druck zu Veröffentlichende zuvor 
durch von der Obrigkeit zu verordnende verstandige Personal 
besichtigt werden, also nach heutiger Ausdrucksweise eine 
strenge Gensur stattfuiden solle. 

Ferner solle der Kaiser bei Verlust der Lehen, Regalien 
und Freiheit^i strengstens gebieten, — wir fuhren der Wich- 
tigkeit dieser Stelle wegen hier wieder den schwerfalligen 
Wortlaut an, — „dass hie zwischen Ansetzung und HaUung 
gedachten Concüii keiner von geistlichem oder weltlichem Stand 
den andern hinfüro mit Entziehung und EnhoArung der Obrig- 
keilen, Güter, Rent, Zins und Herkommen mit der Thal zu 
keinerlei Weise vergewaltigen soUe; welcher aber wider dieses 
kaiserlicher Majestät Gebot ichts Gewältigs oder Thäiliches vor- 
nehmen und handein umrde, derselbe oder dieselben sollen also 
mit der That in ihro kaiserlicher Majestät Acht und Aberacht, 
doch mit vorhergehender Dedaration gefallen sein.^^ Schliesslidi 
schlägt das Ausschussgutachten vor, den in Worms und Speier 
beschlossenen Landfrieden fest zu halten. Sollte derselbe den- 
noch gebrochen werden, so solle der »Nächstgesessenec auf 
Erfordern dem Vergewaltigten zu Hülfe kommen. 

Dies der Inhalt des trotz aller Bemühungen der Minder- 
heit von dem Ausschusse beschlossenen »Bedenkensc in der 
Glaubenssache. Seinem Wortlaute nach mochte dasselbe 
nicht allzu gefährlich für die evangelische Sache scheinen. 
Die kaiserliche Instruction war durch das Bedenken in der 
That in etlichen Punkten gemildert Während die kais^liche 
Proposition, zwar nicht mit ausdrücklichen Worten, aber doch 
deutlich genug für alle, auch die evangelischen Stände das 
Wormser Edict für sofort verbindlich erklärt und ausdrücklich 
sagt, dass der Kaiser einer Vernachlässigung desselben »femer 
zuzusehen und zu gestatten keineswegs gemeint sei,€ gestattet 
der Beschluss des Ausschusses den Ständen, bei denen die 
Reformation zur Durchführung gekommen war, ausdrücklich, 
die Veränderungen vorerst bis zum Ck)ncile beizubehalten. 
Auch dass nicht, wie die kaiserliche Proposition wollte, wer 
andere Stände mit der That der »Obrigkeiten etc. entwehrte, 
»alsbald de facto, ohne weitere Declaration und Erklänmg 

9* 



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132 . 

der Reichsacht verfallen sein sollte, sondern wenigstens eine 
vorausgehende besondere Achterklärung vorbehalten blieb, 
war eine unleugbare Milderung, welche ohne Zweifel von den 
vermittelnden Ständen durchgesetzt worden war. Trotzdem 
blieb der Ausschussbeschluss auch in dieser Fassung für die 
Evangelischen völlig unannehmbar. So schloss die Bestimmung, 
dass die Stände, welche bisher das Wormser Edikt gehalten 
hätten, auch femer dabei bleiben sollten, jede weitere Aus- 
breitung der Reformation in allen Gebieten aus, in denen sie 
bisher noch keinen Eingang gefunden hatte, — eine doppelt 
gefährliche Anordnung in jenen Tagen, wo derselben von 
Monat zu Monat neue Grebiete erschlossen wurden. In nicht 
wenigen Theilen des Reichs, namentlich in Städten stand man 
ja eben im Begriffe, der Reformation auch äusserlich zuzufallen, 
welche von den Gemüthern längst mit Freuden begrüsst worden 
war, und hatte nur mit der vollständigen Durchführung der- 
selben bisher aus irgend welchen Gründen noch ge^gert 
War so diese Bestimmung dazu angethan, den weiteren Fort- 
schritten der Reformation Halt zu gebieten, so sollte die andere, 
dass dort, wo die anderen Lehren entstanden seien und ohne 
grosse Verwirrung nicht wohl abgethan werden könnten, alle 
weitere Neuerung verhütet werden solle, die gründliche prin- 
cipielle Durchführung der Reformation 'in den Gebieten ver- 
hindern, in welchen sie Eingang gefunden hatte. Der weitere 
Vorschlag, dass die Messe nirgends abgethan, noch die Abhal- 
tung oder der Besuch derselben verboten werden dürfe, sollte 
den Katholiken freie Religionsübung in evangelischen Gebieten 
sichern, ohne jedoch den Evangelischen das gleiche Recht in 
katholischen Landestheilen zu gestatten. Zudem schloss der 
Passus von der Abendmahlslehre die Anhänger Zwingli's von 
der den Lutherischen noch bis auf Weiteres gewährten Duldung 
ausdrücklich vollständig aus. 

Sehr wichtig war auch die Bestimmung, dass bei Strafe 
der Acht Niemand seine Obrigieiten^ Güter und Zinsen sollten 
entzogen werden dürfen, da in demselben indirekt eine Aner- 
kennung und neue Bestätigung der geistlichen Jurisdiction da: 
Bischöfe lag. Wenn die Obrigkeit der Bischöfe wieder bestätigt 
wurde, so wurde ihnen damit das Recht wieder zugestandöi, 



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133 

nicht bloss innerhalb ihrer weltlichen Gebiete, sondern im 
ganzen Bereiche ihrer ehemaligen EHöcesen die Prediger ein- 
und abzusetzen. Eine Bestimmung, welche, wenn sie di^rch- 
geföhii worden wäre, 'der Sache der Reformation besonders 
verderblich werden musste. Mit Recht sagt Ranke ^) von jenem 
Gutachten : »Genug, wenn die Abgewichenen auch nicht ausdrück- 
lich angewiesen wurden, in den Schooss der verlassenen Kirche 
zurückzukehren, so ist doch unleugbar, dass, wenn sie ihn annah- 
men, die noch in den Anfangen ihrer Bildung begriflfene evange- 
lische Welt dadurch in Kurzem wieder zu Grunde gehen musste.c 

11. Die Begrfindnng der Abstimmungen im Ausschüsse. 

Gutachten über die Glanbensfrage und Instructionen 

für einzelne Ansschussmitglieder. 

Nachdem wir im Vorstehenden den Verlauf der Ausschuss- 
berathungen über die Glaubensfrage im Allgemeinen geschildert 
haben , beabsichtigen wir nun näher darzulegen , auf welche 
Weise die einzelnen Partheien ihre Abstimmung begründeten. 
Wenn dies auch nicht bezüglich jeder abgegebenen Stimme 
möglich ist, so sind wir doch in den Stand gesetzt, auf Grund 
authentischer Aktenstücke die Gesichtspunkte anzugeben, welche 
einzelne Ausschussmitglieder der verschiedenen Richtungen bei 
den Berathungen des Ausschusses geltend zu machen beauf- 
tragt waren. Da dieselben Argumente ohne Zweifel auch 
später sowohl bei den Verhandlungen der Stände im Plenum, 
als auch bei privaten Unterredungen und Berathungen der 
Reichstagsbesucher immer wieder vorgebracht wurden, so glauben 
wir dieselben an dieser Stelle eingehender darstellen zu sollen. 

Was eines der entschieden katholischen Ausschussmit- 
glieder, der bischöflich Würzburger Kanzler Dr. Prenninger, 
in dem Ausschusse vorzubringen hatte, war ihm durch die 
Instruction vorgeschrieben, welche Bischof Conrad seinen 
Räthen bei ihrer Abreise nach Speier mitgegeben hatte. 



^) m, 107. S. auch die von Bänke dort angeführte Aeosse- 
nmg Fürstenbergs in seinem Briefe vom 7. April über die Bedea- 
tong der Worte: Obrigkdt und Herkommen. 



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134 

Datirt auch diese Instruction vom 19. Februar, also aus einer 
Zeit, wo dem Bischöfe die kaiserliche Proposition noch nicht 
bekannt war, so blieb sie doch ohne Zweifel für die Thätig- 
keit Prenninger's im Ausschusse massgebend. Hienach hatte 
sich derselbe bezüglich des im Reichstagsausschreiben als 
zweiter Berathungsgegenstand erwähnten Artikels vom christ- 
lichen Glauben in folgender Weise zu äussern: 

Wenn zuerst erwogen werden solle, wie die Entzweiung 
im christlichen Glauben zu beseitigen wäre, so sei dazu vor 
Allem nöthig, sich mit Gott zu versöhnen und ihn einmüthig 
um seinen Beistand zu bitten, ohne welchen auch ein Sieg 
gegen den Türken niemals erlangt werden könne. Es liege 
aber am Tage, dass in deutscher Nation nicht allein Zwiespalt 
im Glauben bestehe, sondern fast so viele Glauben seien, als 
Städte und Flecken, wobei Jeder seine eigene Meinung allein 
für die gerechte erkenne und alle anderen als ungerecht und 
wider das Evangelium erkläre. Hieraus sei viel Widerwille, 
Ungehorsam und sogar Blutvergiessen entstanden. Es sei zu 
fürchten, dass Gott, durch diesen Missglauben schwer erzürnt, 
desshalb solche Heimsuchung gesandt habe und noch schwerere 
senden werde, wenn man nicht Gott »in dem einigen re^JUen 
Glauben um Gnade und Barmherzigkeit ansuchen und bittenc 
werde. Wie nur Ein Gott sei, so könne auch nur ein einziger 
rechter Glaube sein, in dem die Christen einig und nicht 
zwiespältig sein sollten. Wenn man also im Glauben uneinig 
sei, so müsse ein Theil auf unrechtem Wege sein und in der 
Irre gehen. Es sei zu besorgen, dass, bevor dieser Zwiespalt 
beseitigt sei, der Kampf gegen die Türken des göttlichen 
Segens entbehren und fruchtlos bleiben werde. Darum müsse 
auf dem Reichstage vor Allem darauf gedacht werden, die 
deutsche Nation »wiederum in Einigkeit des Glaubens anderen 
christlichen Königreichen gleiche zu bringen. Erst dann könne 
man hoffen, mit Gottes Hülfe auch den Sieg gegen die Türken 
zu erlangen. 

So massvoll diese Instruction lautete, so unzweifelhaft ist 
der Gedanke darin ausgesprochen, dass die der Reformation 
anhängenden Stände »zu dem rechten einigen Glauben« zurück- 
zukehren hätten, welcher im Sinne des Bischofs natürlich kein 



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135 

anderw war, als der katholische. Die Forderung der Pro- 
position, den vorigen Speierer Reichstagsbeschluss aufzuheben, 
konnte von dem Vertreter des Bischofes darum nur als be- 
rechtigt hingestellt v^erden und wurde von ihm jedenfalls in 
der in seiner Instruction angegebenen Weise damit begründet^ 
dass der Zorn Gottes auf dem deutschen Reiche ruhen werde, 
wenn der Zwiespalt im Glauben noch länger andauere. Der- 
selbe sprach sich ohne Zweifel dafür aus, dass j«ie Bestimm- 
ung des letzten Speierer Abschieds nicht blos, wie die Aus- 
schussmehrheit schliesslich beschloss, eine Interpretation erfahre, 
sondern, wie dies der Kaiser wollte und >aus kaiserlicher 
Machtvollkommenheit« bereits in der Proposition gethan habe, 
mit ausdrücklichen Worten förmlich aufgehoben werde. In 
diesem Sinne äusserte sich wenigstens später, nachdem das 
Ausschussbedenken bereits den Ständen mitgetheilt war, in 
den allgemeinen Reichstags -Sitzungen nach Einholung des 
Gutachtens seiner Räthe der mittlerweile in Speier erschienene 
Bischof von Würzbi^g selbst, indem er erklärte, dass eine 
Elrläuterung des vorigen Speierer Abschiedes nach seinem Er- 
achten nicht thunlich sei ; denn es gebühre den Ständen nicht, 
nachdem jener Artikel durch den Kaiser aufgehoben sei, sich 
noch darüber in Disputation einzulassen. Das von dem Aus-» 
Schüsse beschlossene Gutachten sei in diesem Stücke »über 
Seiner Gnaden Verstand«. Doch wolle, wenn die Stände zu 
solcher Beschlussfassung berechtigt sein sollten und die kaiser- 
lichen Gommissarien dieselbe zuliessen, der Bischof es sich 
auch gefallen lassen. 

Auch für seine Abstimmung bezüglich des in dem Aus- 
schreiben in Aussicht genommenen Concils hatte Dr. Prenninger 
in der von Würzburg mitgenommenen Instruction bestimmte 
Verhaltungsmassregeln. Hienach sollte er die Abhaltung eines 
solchen für nothwendig erklären und dafür stimmen, dass 
Diejenigen, denen es gebühre und zustehe, um Ansetzung eines 
General-Conciliums durch die Stände gebeten werden sollten; 
ein solches allgemeines Concil werde zu vielen Sachen nützlich 
und dienstlich sein. Dagegen war er angewiesen, wenn von 
irgend einer Seite eine Nationalversammlung in Anregung 
gebracht würde, sich entschieden dagegen zu erklären. Denn 



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136 

eine Beschlussfassung aber den Glauben stdie nicht in A& 
Macht der deutschen Nation, sondern wenn etwas Beständiges 
beschlossen werden sollte, so müsste es durch alle Nationen 
und ein allgemeines Concil geschehen. Andemfiails werde es 
von Unkräften sein und keinen Bestand haben. Doch erklärte 
sich Bischof Conrad selbst später auch mit dem von dem 
Ausschusse hinsichtlich einer Nationalversammlung gefassten 
Beschlüsse einverstanden und sprach sich sogar dahin aus, 
dass es »wohl bedachte sei.^) Immerhin sehen wir, dass der 
Beschluss des Ausschusses in diesem Punkte im Schoosse der 
Ausschussmehrheit selbst auf Widerspruch gestossen und gegen 
den Wunsch der ^tschiedener katholischen geistlichen Stände 
gefasst worden war. 

Während die Würzburger Akten in die von einem Gliede 
der streng katholischen Mehrheit bei den Ausschussverhand* 
lungen geltend gemachten Gesichtspunkte einen Blick eröffnen, 
ist aus den mehrerwähnten Aufzeichnungen über die Sitzungen 
des pfälzischen Geheimerathes während des Reichstages die 
Haltung des kurpfalzischen Hofmeisters Fleckenstein ersichtlich, 
welcher nach dem Wunsche seines friedfertigen Herrn im 
Ausschusse zwischen den beiden einander gegenüber stehenden 
Partheien eine Vermittelung zu bewirken ernstlich bemüht war. 
Sogleich nach der Bekanntgabe der kaiserlichen Proposition 
hatte sich Fleckenstein dahin zu erklären, dass der Kurfürst 
geneigt sei, in dem Punkte des Glaubens mit den anderen 
Ständen über Alles zu verhandeln, was dem Kaiser zu Nutz 
und der gemeinen Christenheit und allen Sachen eu Frieden 
und Einigkeit dienen möchte. Und ohne Zweifel war es dem 
Kurfürsten sehr ernstlich um Erhaltung des Friedens und der 
Emigkeit zu thun. Die Geltung des vorigen Speierer Abschieds 
hätte er gewiss aufrecht zu erhalten gesucht, wenn es irgend 



') Die obige Darstellung gründet sich auf die in dem kgl. 
Kreisarchive Würzbarg enthaltenen fürstbischöflichen Beichstags- 
akten (Band XUl), namentlich die Instruction fDlr die bischöflichen 
Beichstagsgesandten vom 19. Februar und das Ontachten der 
Würzburger Bftthe zu dem Bedenken des Ausschusses. S. Beilage 
29 und 36. 



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187 

möglich gewesen wäre, ebne dem Willen des Kaisers mid der 
Meinung der Mehrzahl der übrigen Stande zu oflfen entg^en- 
zuhandein. Andererseits fehlte ihm freilich die Energie, einen 
schroffen Mehrheitsbeschluss der Stande durch entschiedenes 
Auftreten zu verhindern. Diese den Evangelischen wohlwollende, 
aber wenig energische Haltung des Kurfürsten tritt in allen 
Berathungen hervor, welche er während des Reichstages mit 
seinen Käthen in der Glaubensfrage hielt Bezeichnend für 
dieselbe ist die Anweisung, welche Fleckenstein am 20. März 
gegeben wurde, vor Allem »zu Aören, was die anderen Gemüths 
sein wolltenc, damit man dann weiter darüber berathen könne. 
Dennoch nahm Fleckenstein an den Ausschussberathungen, 
wie später Kurfürst Ludwig an den Verhandlungen der Stände, 
hervorragenden Antheil. Bezüglich des Goncils begehrte er, dass 
es in deutschen Landen gehalten werde, weil auch die Irrungen 
in demselben seien; doch meinte er selbst, dasselbe werde wohl 
auch nicht viel fruchten, weil man auf dem Concile doch 
schwerlich zusammen stimmen würde. Sollte ein General- 
Ck)ncil nicht so bald zu Stande kommen, so wäre das Beste, 
auf einem National-Goncilium vorläufige Ordnungen bis zum 
Zustandekommen einer allgemeinen Kirchenversammlung fest- 
zustellen und jetzt schon für etUche Stücke die nöthigsten 
Bestimmungen zu treffen. Die in der kaiserlichen Proposition 
geforderte und, Wie auch die pfälzischen Käthe es ansahen, 
erfolgte Aufhebung des vorigen Speierer Abschieds wünscht 
er in der Weise gemildert zu sehen, dass bezüglich der Haupt- 
stücke, des h. Abendmahls, der Taufe und der Messe, bis zum 
Concile eine einstweilige Ordnung gemacht werde. Der Kur- 
fürst sei zwar allezeit geneigt, sich kaiserlicher Majestät ge- 
horsam zu halten, habe bisher die kaiserlichen Mandate erfüllt 
und gedenke dem Bescheide des Kaisers auch in Zukunft 
nachzukommen. Aber zu Erhaltung von Friede und Einigkeit 
sehe er für gut an, sich zu vergleichen. Wie jetzt die Sachen 
stünden, solle man erwägen, an Stelle der cassirten Bestimmung 
eine andere treten zu lassen, durch welche einfach geboten 
werde, dass kein Stand den andern >in Ungutem« des Glaubens 
wegen angreife. Taufe und h. Abendmahl sollten bleiben, aber 
ob man die Messe hören wolle oder nicht, solle freigestellt 



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188 

und bis zum Goncile oder zur Ankunft des Kaisers im Reiche 
Niemand zu ihr oder von ihr gezwungen werden, wie sich das 
Jeder zu verantworten getraue. Der schliessliche Beschluss des 
Ausschusses, dessen bereits gedacht wurde, scheint von dem 
kurpfalzischen Kanzler theilweise formulirt zu sein. Doch hatte 
sich derselbe nach den Beschlüssen des kurpfälzischen Geheime- 
rathes für eine Aenderung einzelner Punkte im Sinne der 
evangelischen Stände auszusprechen und setzte eine solche 
auch theilweise durch. Die oben (S. 130) im Wortlaute an- 
geführte Bestimmung des Ausschussbedenkens, nach welcher 
Diejenigen, welche bei dem Wormser Edicte bisher geblieben 
seien, bis zum Concile bei demselben verharren sollten, scheint 
im Ausschusse zuerst so gefasst gewesen zu sein, dass es hiess, 
welche bei dem alten Glauben und Herkommen geblieben seien, 
sollten auch femer dabei verharren. Gegen diese Fassung 
sprach sich der kurpfälzische Rath aus, weil unter dem »alten 
Herkommenc auch die Missbräuche mit verstanden werden 
konnten, wie Bann und vieles andere, was man nicht aufrecht zu 
erhalten gewillt sei. Er verlangte darum eine Formulirung des 
Satzes, welche jenes Missverständniss ausschliesse. Während 
hierin der Wunsch des Kurfürsten durchgesetzt wurde, blieb 
derselbe in seinen schon erwähnten Anträgen wegen der Messe 
in der Minderheit, obwohl er auch nach vorläufiger Formulir- 
ung des Ausschussbedenkens noch mehrfach den Zusatz ver- 
langen Hess, dass auch Niemand mr Messe gezwungen werden 
solle und dass das Wort Messe so zu deuten wäre, dass sowohl 
die Messe der Katholiken, als die der Lutheraner darunter zu 
verstehen sei. *) Mit den Bestimmungen gegen die Wieder- 
täufer Hess sich Kurfürst Ludwig einverstanden erklären; nur 
wollte er, dass man nur Diejenigen am Leben strafen solle, 

') In diesem Sinne scheint mir eine allerdings sehr nnleser- 
liche und ganz andeutungsweise gehaltene Notiz in den „Bed. u. 
Rathschl. Verz." verstanden werden zu müssen. S. dort zu Ziffer 4 
in einem Aktenstücke mit der üebei*schrift: „In des Reyohs Sachen 
vff die Handlung des deiner vsschuss/' — Das Wort des „deiner 
vsschuss'* scheint darauf hinzuweisen, dass der grosse Ausschuss eine 
kleinere Commission aus seiner Mitte zur Formulirung seiner An- 
träge bestimmte und dass Fleckenstein zu dieser Commission gehörte. 



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189 

welche von der Wiedertaufe nicht abstehen wollten. Auch 
bezuglich der Bestimmung des Bedenkais, dass bis ziun Concile 
kein Stand den anderen mit Entziehung der Obrigkeiten ver- 
gewaltigen solle, bewies Kurfürst Ludwig seine massvolle 
Gesinnung, An dem Worte Obrigkeit nahm auch er An^toss, 
da dasselbe viel weiter erstreckt werde, als es gemeint sei. 
Man müsse dasselbe so deuten, dass nicht die geistlichen 
Processe und Strafen unter dem Worte Obrigkeiten begriffen 
würden und daraus wie bisher Zank und Irrungen entstünden. 
Später Hess er beantragen, dass die Worte Obrigkeit und Her- 
kommen ganz weggelassen und statt dessen die Worte Rente 
und Gefälle, welche auch in dem vorigen Speierer Abschied 
durch einen besonderen Artikel geschützt worden seien, einge- 
stellt würd^i. *) 

Es entspricht dieser vermittelnden Haltung des Vertreters 
des Kurfürsten Ludwig, dass auch die Vorschläge der evange- 
lischen Fürsten und Stände von ihm im Ausschusse entgegen- 
kommend aufgenommen und, wie die Akten beweisen, durch 
die pfalzischen Räthe gewissenhaft geprüft wurden. Auch 
Ober diese Vorschläge sind wu* auf Grund der kurpfalzischen 
Akten zu beifichten im Stande. Dass die evangelischen Aus- 
schussmitglieder zunächst im Allgemeinen darauf bestanden, 
der vorige Speierer Abschied solle in Kraft bleiben, ist schon 
erzählt worden. Sie kamen auch sowohl in den Ausschuss- 
sitzungen, als auch später im Plenum immer wieder darauf 
zurück und stellten, wie sie in der späteren Protestation mehr- 
fach hervorheben, nachdrücklich die Berechtigung sowohl des 
Kaisers für sich, als auch der Mehrheit der Stände in Abrede, 
den einstimmigen Beschluss des vorigen Reichstages ohne Zu- 
stimmung aller ßetheiligten wieder aufzuheben. Dennoch Hess 
sich Kurfürst Johann von Sachsen frühe zu dem Zugeständnisse 

^) Bei allen diesen aas den oft erwähnten wichtigen kur- 
pfHlzischen Akten des k. b. geh. Staatsarchivs entnommenen An- 
gaben müssen wir den Vorbehalt der richtigen Entzifferung und 
des richtigen Verständnisses der flüchtigen Andentnngen in jenen 
Aufzeichnungen machen. Bei einer Reihe derselben ist kein Datum 
angegeben. Doch glauben wir dieselben im Wesentlichen richtig 
verstanden and in die rechte Zeit gestellt zu haben. 



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140 

herbei, er sei erbötig, um sein Entgegenkommen gegen die 
übrigen Stände zu beweis^i, einer Milderung des kaiserlichen 
Befehles und einer Erläutaning des vorigen Speierer Abschiedes 
zuzustimmen, wenn dieselbe irgendwie leidlich wäre. Vielleicht 
stammt schon aus der Zeit der ersten Ausschuss-Verhand- 
lungen ein Vorschlag des Kurfürsten von Sachsen, welcher 
ohne Datum in den kurpfälzischen Reichstagsakten sich 
findet ^) Derselbe geht bis an die äusserste Grenze des für 
die evangelischen Stände Möglichen, wenn er beantragt, 
die Kurfürsten, Fürsten und Stände sollten erklären, sie hätten 
sich zu der Erläuterung des vorigen Abschiedes verglichen, 
»dass diejenigen, so bis anhero bei den hergebrachten Kirchen- 
ordnungen und Bräuchen blieben, auch hinfüro bei denselben 
bis zu dem künftigen Concile verharren und ihre Unterthanen 
dazu halten mögen. Aber die andern, Churfürsten, Fürsten 
und Stände, mögen nach Inhalt des gemeldeten letzten Speierer 
Abschiedes in Sachen die Religion betreffend, ein Jeder für 
sich und mit den Jhren, in ihren Obrigkeiten sich nichts minder 
auch halten, also leben und regieren, wie sie das gegen Gott 
und römische kaiserliche Majestät vertrauen zu verantworten, 
und soll hinfürder weitere Neuerung oder Secten im Glauben 
aufzurichteif bis zu dem künftigen Concile, so viel möglich und 
menschlich, verhütet werden.c Bestimmungen, welche von 
den katholischen Ständen, wenn dieselben irgendwie massvoll 
dachten und den Evangelischen ihre Glaubensfreiheit auch nur 
bis zum Concile zu belassen gewillt waren, gewiss ohne Be- 
denken angenommen werden konnten. Für die evangelische 
Sache dagegen hätten diese Bestimmungen, wenn sie in den 
Abschied aufgenommen worden wären, leicht verhängnissvoll 
werden können, da durch sie jede Ausbreitung der Reformation 
auf andere Gebiete, wenn auch mit massvollen Worten , so 
doch deutlich genug, untersagt und ebenso bei den bereits der 
Reformation anhängenden Ständen jede weitere Ausgestaltung 
derselben verboten wurde. Doch fand sich füi* diese Vorschläge 
keine Majorität im Ausschusse. Der kurpfalzische Gesandte 



*) K. b. geh. Staatsarchiv, in dem viel citirten Bande *®'/i 
ein loses Blatt mit der üeberschrift: Sachsen ftlrslag. 



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141 

zwar ging auf dieselben nach den Beschlüssen des pfälzischen 
Geheimerathes ein, indem er nur begelirte, dass in dem ersten 
Satze zu den Worten »hergebrachten Kirchenordnungen« noch 
die Worte »und Religion« gesetzt und bei den Worten »halten 
mögen« noch der allerdings nicht unwesentliche Zusatz »und 
sollen« gemacht werde und dass in dem zweiten Satze das 
Verbot weiterer Neuerung unzweideutig hervortrete. *) Aber 
wenn auch noch einige weitere gemässigte Ausschussmitglieder, 
wie ohne Zweifel der Markgraf Philipp von Baden, sich damit 
einverstanden erklärten, so wollte doch die Ausschussmehrheit 
davon nichts wissen und die günstige Gelegenheit, dei* Refor- 
mation ein Halt entgegenzurufen, besser als durch einen solchen 
immerhin nicht unzweideutigen Beschluss ausnützen. 

Aber auch die beiden der Reformation anhängenden Aus- 
schussmitglieder, die Städtegesandten Tetzel und Sturm mögen 
die Verwerfung des sächsischen Vorschlages durch die Majori- 
tät, wenn sie sich demselben auch nicht selbst entgegenstellten, 
doch nicht gar imgern gesehen haben. Dass man auf ihre 
Wünsche noch weniger Rücksicht nahm, als auf die des Kur- 
Pursten von Sachsen, konnten dieselben damals schon leicht 
erkennen. Wenn derartige Anträge zur Verhandlung kamen, 
so mochten sie nicht ohne Grund besorgen, die von ihnen 
durchschaute Absicht der Gegner, die evangelischen Fürsten 
von den Städten, namentlich von den oberländischen der Lehre 
Zwingiis geneigten, zu trennen, werde erreicht werden.*) Und 
gewiss war es ihnen nicht ganz unwillkommen, als die schroffen 
Beschlüsse der Ausschussmehrheit den Kurfürsten Johann 
nöthigten, zu der von Sturm und Tetzel stets aufgestellten 
Forderung zurückzukommen, dass einfach der letzte Speierer 



*) S. in den „Bed. und Rathschl. Vorzeicbn." ein Blatt mit 
der Ueberschrift: „vff den sechsischen gestellten punkten glaubens 
halb.« 

*) S. das von Jung (S. VII ff.) veröffentlichte Schreiben der 
Strassburger Gesandten an die Dreizehn vom 24. März. „Wir 
wollen mittler Zeit bey Sachsen vnd Hessen nichts vnderlassen, 06 
wir erhalten möchten, dass sie sieh von vns nitt trennen Hessen, 
dahin dan des Qegontheils Anschlag allein get vnd gericht ist." 



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142 

Abschied in Kraft bleib^i solle. Die beid^ Städtegesandten 
handelten dabei vollständig im Enklange mit den Anweisungen, 
welche sie von den Magistraten ihrer Städte erhielten. Sowohl 
aus Strassburg, *) wie aus Nürnberg erging um diese Zdt der 
gemessene Auftrag an die Gesandten beider Städte, sich von 
dem vorigen Speierer Abschied auf keine Weise dringen zu 
lassen. Von besonderem Werthe ist, was hierüber aus Nürn- 
berg an die dortigen Gesandten nach Speier geschrieben wimie, 
weil wir daraus erkennen, mit welcher Klarheit man dort die 
Sachlage beurtheilte und wie fest man daselbst schon damals 
entschlossen war, wenn es zum Aeussersten käme, im Ver- 
trauen auf Gott zu einer feierlichen Protestation zu schreiten. 
Wie die anderen Städtegesandten, so hatten auch die 
Nürnberger Abgeordneten die kaiserliche Proposition sofort 
nach Bekanntgabe derselben dem Rathe der Stadt Nürnberg 
abschriftlich mitgetheilt und sich Verhaltungsmassregeln erbeten. 
Sobald diese Mittheilung nach Nürnberg gelangte, Hess der 
Rath — etwa am 20. März — die Nürnberger Prediger und 
Rechtsgelehrten vor sich rufen und auffordern, sofort eingehende 
Gutachten darüber zu erstatten, was zu thun sei, wenn die 
Bischöfe auf dem Reichstage darauf dringen würden, das alte 
Wesen und die alten Geremonien wieder aufzurichten, ob dess- 
halb eine Vermittelung versucht werden könne, und was zu 
geschehen habe, wenn eine Vermittelung unthunlich wäre oder 
erfolglos bliebe. Auf Grund dieser Gutachten beschloss dann 
der Rath, wie Laz. Spengler am 25. März dem um diese Zeit 
mit dem Markgrafen Georg nach Franken zurückgekehrten und 
eben von da nach Speier aufbrechenden markgräflichen Kanzler 
Vogler mittheilte, »mit Gottes Hülfe bei dem Worte seines 
heiligen Evangeliums beständig zu verharren und darob Alles, 
was ihnaiGott desshalb schicken wollte, zu gewartenc, sandte 
diesen Beschluss nebst Abschriften der Gutachten eilends seinen 
Botschaftern in Speier zu und beauftragte dieselben, sich für 
ihre Person strenge darnach zu halten und bei den anderen 
Ständen im Sinne der Gutachten nach Kräften zu wirken. 



^) Sturm und PfaiTer an den Rath der Dreizehn in Strassburg 
am 30. März bei Jung XV. 



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148 

Aus einem zweiten von dem Rathe der Stadt Nürnberg am 
27. März an Markgraf Georg gerichteten Schreiben erhellt, 
dass der Rath, nachdem inzwischen Nachrichten über den 
ungünstigen Verlauf der Ausschussverhandlungen nach Nürn- 
berg gelangt waren, mit anderen Standen nöthigenfalls eme 
»stattliche Appellation und Protestationc einzulegen sich bereits 
entschieden hatte. ^) 

Wir können nicht umhin, aus den ebenso charak- 
teristischen, ¥rie für die Klarheit, Entschiedenheit und das feste 
Gottvertrauen ihrer Verfasser das ehrendste Zeugniss geben- 
den Gutachten der Nürnberger Prediger und Rechtsgelehrten 
an dieser Stelle das Wichtigste mitzutheilen. Das Gutachten 
der BeckUgelehrien gibt auf die Fragen des Rathes die 
bestimmte Antwort, man dürfe sich durch nichts, auch 
dtu*ch keine Gewalt von dem Worte Gottes drängen lassen. 
Es sei auch verlorene Mühe, zwischen dem Evangelium 
und dem Pabste Mittelwege zu suchen, da diese »zwei wider- 
wärtige Herrenc seien, denen man unmöglich zugleich dienen 
könne. Auch würden die Bischöfe von Mittelwegen nichts 
wissen wollen imd, wenn sie auch vielleicht einige unwesent- 
liche Zugeständnisse machten, ohne Zweifel auf einer Reihe 
von Punkten fest bestehen, welche man mit gutem Gewissen 
niemals zugeben könne, wie z. B. auf der Beibehaltung der 
Seelenmesse, dem Verbote des Laienkelches, dem Priester- 
cölibate, dem Banne und anderem mehr. Bestünden die Geist- 
lichen auf Wiederaufrichtimg des alten Wesens, so sei daran 
zu erinnern, dass sie zu solchem Beschlüsse nicht berechtigt 
seien. Auch sei es unbillig, eine streitige Frage, bevor sie 
erörtert sei, zu entscheiden. Dass aber diese Fragen streitige 
seien, erkennten die Gegner selbst an, indem sie die Berufung 
eines Conciles für nöthlg erklärten. Würden aber alle diese 
und ähnliche Hinweisungen fruchtlos bleiben und die Mehrheit 
rücksichtslos einen »beschwerlichenc Beschluss fassen, so sollten 
die vereinigten evangelischen Fürsten und Stände dem ihre Zu- 
stimmung verweigern und von dem Mehrheitsbeschlüsse protestiren 
und appeUiren an den hesser zu in/ormirenden Kaiser^ an ein 



1) S. Beilage 4 und 5. 



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144 

hünßiges Concü, vor welches die Sache dttei/n gehöre, und an 
jeden bequemen Richter, Das sei nothwendig, weil die Sache 
so gar gross und wichtig sei und nicht allein Leib und Gut, 
sondern auch die Seele belange. Solche Protestation müsste 
in die beste Form gebracht und alle Gründe zu derselben ein- 
gehend in ihr dargelegt werden. Da aber Protestationen von 
Reichsbeschlüssen doch nur selten vorkämen, so möge man 
dieselbe nur vornehmen, wenn Sachsen, Hessen, Brandenburg 
und etliche ansehnliche Städte an derselben theilnähmen. Im 
anderen Falle müsse man sich begnügen, den Abschied nicht 
mit zu bewilligen und zu siegeln. Auch früher, besonders auf 
dem Reichstage zu Worms, sei es »ebenso heftig und zornig 
gemacht und gestellt gewesen, als sie es jetzt machen können, 
und sei dennoch nichts daraus geworden; vielleicht gebe Gott, 
wenn wir ihm nur vertrauen, Gnade, dass abermals nichts 
daraus werde, oder schicke dem Widertheil einen anderen 
Fürgriff, bei dem er dieser Arbeit unter den Händen verpasse.« 
Betrachteten so die Nürnberger Rechtsgelehrten die Sache 
mehr aus praktischen Gesichtspunkten, so gründeten die dor- 
tigen Theologen ihr Gutachten, wie billig, vor Allem auf die h. 
Schrift, kamen aber zu dem gleichen Resultate, wie jene, dass 
man »durch keine Furcht, Drohung oder Gefährlichkeit sich 
von dem göttlichen Worte dürfe abwenden lassen.« Die Liebe 
wie die Furcht Gottes müsse in gleicher Weise dazu antreiben. 
»Fürchten wir des Kaisers Acht, so sollen wir doch mehr 
fürchten Gottes Bann.« Darum »wollen wir es auf sein heiliges 
Wort fröhlich wagen, ob gleich Alles über uns regnen sollte, 
was die Feinde seines göttlichen Wortes nur gedenken könnten.« 
»Nun aber — Gott hab Lob — bedürfen wir der Sorge nicht«, 
da Gott so oft verheissen hat, die seinem Worte anhängen, zu 
beschirmen. Daran kann nur zweifeln, wer gar nichts glaubt 
Zahlreiche Beispiele für solchen Schutz Gottes werden dann 
aus der h. Schrift angeführt und hinzugefügt : »Und wer nicht 
sehen will, wie wunderbar der allmächtige Gott bisher sein 
Wort . . . erhalten hat und noch CThält unter so viel Aufruhr, 
Praktiken, Bündnissen imd Schwärmereien, der siejiet freilich 
und kennet Gottes Wunderwerk nicht. Darum . . • . sich ein 
jeder Christ leichtlich zu erinnern hat, dass man von Gottes 



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145 

Wort nicht weichen soll, es stehe gleich für Gefahr darauf 
was es wolle. Denn wie wollten wir mit Grott bestehen, 
wenn wir aus Furcht der Menschen von seinem Worte 
fallen und er zur Strafe den grausamen Feind christlichen 
Namens, den Türken, über uns schickt? Wollten wir aber 
um Glaubens willen fechten und leiden, so wäre es umsonst, 
dieweil wir ihn vorhin verleugnet und Menschenwort dafür 
angenommen hätten. Es ist kein Unterschied vor Gott, man 
lasse sich den Türken oder den Pabst von Gottes Wort 
dringen.€ 

Wollte man aber doch aus Furcht den Gegnern nach- 
geben, so werde man es nicht ausführen können. Das Wort 
Gottes befehle zwar Gehorsam gegen die Obrigkeit, zahle aber 
Jedermann sokhen Gehorsams ledig, sobald die Obrigkeit wider 
Gottes Gebot gebiete; denn man müsse Gott mehr gehorchen, 
als den Menschen. Wenn also der Rath auch den Befehl er- 
lasse, von Gottes Wort abzufallen, so könnten und würden die 
Unterthanen mit gutem Gewissen solches Grebot verachten. 
Das Gebot könnte dann nicht durchgeführt werden; für den 
Abfall derer aber, welche etwa dennoch sich abwendig machen 
Hessen, trage dann der Rath die Verantwortung, Damit würden 
sie nicht nur den Zorn Gottes und die gerechte Verachtung 
Derer auf sich laden, welche dem Worte Gottes treu blieben, 
sondern sich auch ebenso den Zorn der Widersacher zuziehen, 
weil diese nach dem &folge urtheilen und die Nichtbeachtung 
des Gebotes durch die Unterthanen doch dem Rathe zur Last 
legen würden. Dann aber könnten sie auf die Hülfe Gottes, 
den sie verleugnet haben, nicht mehr vertrauen. So würden 
sie das Wort der Schrift an sich erfahren: »Wer den Reif 
fürcjitet, auf den fällt ein Schnee.c Darum sollten sie beständig 
bei dem wahren Worte Gottes bleiben und dem allmächtigen 
Gott von Herzen vertrauen, er werde die Sache wohl hinaus- 
führen und die Anschläge seiner Feinde zerstören und zu 
nichte machen. 

Sehr wichtig und für jene Zeiten, in welchen das cujus 
regio, ejus religio oft von beiden Seiten rücksichtslos durch- 
geführt wurde, besonders bemerkenswerth sind die nun weiter 
folgenden trefflichen Ausführungen des Gutachtens der Prediger, 

10 



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146 

In welchen der Grundsatz der Gewissensfreiheit, nicht blos für 
die Landesherren, sondern auch für die Unterlhanen, mit voller 
Klarheit ausgesprochen und biblisch begründet wird. 

Wenn es nach dem Vorausgehenden feststehe, dass man 
das Wort Gottes vor Jedermann bekennen müsse, so gäbe es 
doch einen Weg der Venpittelung, »nämlich dass man in diesen 
schweren Sachen nichts mit Gewalt noch Schwert auszuführoi 
vornehme, sondern mit Gottes gewissem Worte die Gewissen 
unterrichte«. Unter Berufung auf die Darlegungen des Apostds 
Paulus im Römerbriefe (Gap. 14) wird dann auseinandergesetzt, 
dass es Sünde sei, gegen sein Gewissen zu handeln, selbst wenn 
dasselbe ein irrendes wäre. Was nicht aus dem Glauben gehe, 
sei Sünde. ,,Wer nun die Christen mit Oetcait zwingt, zu thun, 
was sie für unrecht halten, und sie nicM zuvor mit Gottes Wort 
unterrichtet, dass es recht sei, wenn es auch an sich selbst nicht 
unrecht wäre, so zwingt man sie doch zu sündigen, welches un- 
christlich und erschrecklich zu hören istJ^ „Also muss man in 
diesen Sachen, daran viel mehr gelegen ist. Niemand zwingen, 
sondern mit Gottes Wort lehren und daneben zulassen, dass 
Niemand under sein Gewissen thue, er thäte sonst Sünde und 
würde verdammt J^ Was müsste daraus werden, wenn die 
geistlichen Reichsstände den christlichen Glauben nicht mit 
Gottes Wort, wie sie sollten und ihr einzig Amt wäre, sondern 
mit Gewalt und Schwert lehren und handhaben wollten? »Dann 
wäre zu besorgen, es möchte Einer kommen, der sie auch also 
glauben lehret, wie ihnen jetzt nicht zu Muthe ist« Die Unter- 
thanen zu Sünden zu zwingen, habe die Obrigkeit kein Recht 
Die Leute wider ihr Gewissen in Sachen des Glaubens zwingen, 
heisse den Landfrieden brechen und zu Aufruhr und Ungehor- 
sam Ursache geben, beweise auch, dass jener Sache nicht gut 
sei; sonst hätten sie keine Gewalt nöthig und könnten der 
Macht des belehrenden Wortes vertrauen. 

Lasse sich die Mehrheit darauf ein, bis zum Goncile eine 
einstweilige Ordmmg in den Glaubensfragen vorzunehmen, so 
könne man das unter der Bedingung zugeben, dass keine unter 
uns aufgerichtete Ordnung geschwächt oder geändert werde. 
Desshalb werde es unzweckmässig sein, in diesem Stücke selbst 
Vorschläge zu machen, und man solle sich einfach erbieten, 



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147 

die Vorschläge der anderen »als der hochverständigenc zu 
hören. Man müsse da nur die Bedingung stellen, »dass sie 
uns nicht zwingen, etwas abzuthun, was Christus oder seine 
Apostel mit Worten oder Werken zu thun oder zu halten 
geboten haben, dessgleichen dass sie uns niu: nicht zwingen, 
etwas zu thun oder aufzurichten, was Christus und seine 
Apostel mit Worten und Werken verboten haben. Und dieses 
Erbieten ist unseres Erachtens das höchste, so uns auf Erden 
ziemhch ist, zu bewilligen, also dass, wer sich weiter dringen 
lässt, schon kein Christ mehr ist.€ Andererseits werden wir 
in Folge dieses Zugeständnisses an unseren Ordnungen kein 
Haar abzubrechen brauchen, wenn die Gegner nicht etwa uns 
zu etlichen »kindischen Sachenc zwingen wollten, zu denen 
bisher auch bei ihnen Niemand je gezwungen wurde. 

Würden die Gegner diesen Vorschlag annehmen, so würden 
sie »wahrlich zu schaffen gewinnen«, um eine ihnen genehme 
dem von ihnen wenig gekannten Worte Gottes nicht wider- 
sprechende Ordnung festzustellen. Würden sie ihn aber ver- 
werfen, so machten sie damit der ganzen Welt offenbar, dass 
»sie nicht Christen sein wollten, auch andere Leute nicht 
Christen wollten bleiben lassen.« Würden sie aber jenen 
Vorschlag weder verwerfen, noch annehmen, sondern nur 
sagen, dass es jetzt nicht angehe, denselben zu erwägen, 
so solle man wieder beantragen, es bei dem vorigen Speierer 
Abschiede bleiben zu lassen. Dabei werde es ohnehin ^leiben. 
Denn weil es Sünde ist, wider sein Gewissen zu handeln, so 
werde ohne dies Jeder, »so stark er sich untersteht, Gottes 
Gefallen zu thun und Sünde zu meiden«, so stark auch auf 
dem verharren, was er gegen Gott und den Kaiser zu verant- 
worten hofft. Ein kräftigeres und beständigeres Werk werde 
man nicht herstellen können, als wenn Jeder thun soll, wozu 
ihn sein Gewissen dringt. Zudem sei es kein gutes Exempel, 
zu cassiren, was einmal recht bewilligt ist; das Gleiche könnte 
in Zukunft in anderen Dingen, die den Gegnern lästig sind, 
ebenfalls geschehen. 

Helfe aber dies Alles nicht, Hessen sich die Gegner auch 
durch keinerlei Gründe von ihrem Vorhaben abwenden, so 
möge man sich »Gottes Zusagen und Hilfe trösten und darauf 

10» 



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148 

fröhlich bei seinem Wort bleibenc, den Gegnern aber immer 
von Neuem die Folgen vorhalten, welche ein solcher Beschluss 
haben müsse, mid kaiserliche Majestät selbst um Einsehen 
anrufen, wie das ja seit Jahren beabsichtigt sei. 

Dies die trefflichen Gutachten der Nürnberger Rechts- 
gelehrten und Prediger. Kamen dieselben auch in Speier erst 
nach den ersten Verhandlungen des Ausschusses über die 
Glaubensfrage an , so erhielten die Nürnberger Abgeordneten 
sie doch noch frühzeitig genug, um bei den späteren 
Ausschusssitzungen, in denen über die anderen Punkte der 
kaiserlichen Proposition verhandelt wiu'de, von denselben Ge- 
brauch zu machen. Und dass dies durch die Nürnberger 
Abgeordneten damals reichlich geschali, dass auch bei späteren 
Gelegenheiten während des Reichstages die Ausführungen jener 
Gutachten von ihnen und anderen Evangelischen öffentlich und 
privatim verwerthet wurden, erhellt aus den weiteren Verhand- 
lungen des Reichstages. 

12. Die Verhandlungen des Ansschnsses über die anderen 
Propositionspankte. Weitere Begebenheiten bis Bom 

3. April. 

Die Sitzung des Ausschusses vom 23. März war die letzte, 
welche er vor den Osterfeiortagen hielt. Erst am Ostermontage 
(29. März) trat derselbe wieder zusammen, um nun in der 
Osterwoche über den ersten Punkt der kaiserlichen Proposition, 
die Türkenhülfe, zu berathen. Zunächst handelte es sich um 
die sogenannte eilende Hülfe oder darum, wie der augenblick- 
lichen durch den beabsichtigten Einfall der Türken dem Reiche 
drohenden Gefahr begegnet werden könne. 

Es war nicht das erste Mal, dass auf einer Reichsver- 
sammlung über diesen hochwichtigen Gegenstand verhandelt 
wurde. Seit 1522 hatte kein Reichstag stattgefunden, auf 
welchem nicht der Widerstand gegen den seine Gewalt immer 
näher an die Grenzen des deutschen Reiches heranrückenden 
Sultan einen der vornehmsten Berathungsgegenstände gebildet 
hätte. Und die Reichstagsabschiede seit jener Zeit heben aus- 
nahmslos den Ernst der Türkengefalir und die Dringlichkeit 



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149 

einer kräftigen Abwehr gegen den »Erbfeind des christlichen 
Naniens und Glaubens« hervor. Aber die Thaten hatten den 
Worten nur wenig entsprochen. Zwar waren melirfache Be- 
schlüsse über eme zu leistende »eilende« Türkenhülfe gefasst 
worden; doch von einer Eile im Vollzuge dieser Beschlüsse 
war bisher noch nichts bemerkbar geworden. An die Ver- 
handlungen früherer Reichstage knüpfte man nunmehr bei den 
Berathungen des Ausschusses am 29. März und in den folgen- 
den Tagen an. ^ 

Auf dem Reichstage zu Worms 1521 hatte Kaiser Karl V., 
damit er nach Rom ziehen, dort sich krönen lassen und zugleich 
dem Reiche seit lange entzogene Lande für dasselbe zurück- 
erobern könne, von den Ständen die Stellung eines Heeres 
begehrt. Nicht ohne Schwierigkeiten waren ihm dann dort 
zu diesem Zwecke 4000 Reiter und 20,000 Mann zu Fuss 
bewilligt worden, doch nicht, wie Karl V. gewünscht hatte, 
auf ein Jahr, sondern nur auf sechs Monate, und unter der 
ausdrücklichen Bedingung, dass die Hülfsmannschaft unter 
deutschen Hauptleuten und Obersten stehen solle. Da nach 
den Bestimmungen des Wormser Reichstagsabschiedes der 
monatliche Sold für einen Reisigen nicht über zehn, für einen 
Fussknecht nicht über vier Gulden rheinisch betragen sollte, 
so würde sich die von dem Reichstage bewilligte Hülfe, in 
Geld angeschlagen, im Ganzen auf 720,000 Gulden berechnet 
haben, eine für jene Zeit immerhin beträchtliche Summe. 

Als aber der Sultan noch 1521 Belgrad und andere un- 
garische Festungen erobert hatte und so die Türkengefahr 
immer druigender wurde, hatte der Kaiser 1522 auf dem 
Reichstage zu Nürnberg seinen Verzicht auf die für den Rom- 
zug zugestandene Hülfe erklären lassen, damit dieselbe g^en 
die Türken verwendet werde. Doch die Stande Hessen sich 
damals nur dazu herbei, einen Theil jener Hülfe zu diesem 
Behufe sogleich zu bewilligen und dem von den Türken be- 
drohten Könige Ludwig von Ungarn den Geldanschlag von 
»anderthalb Vierteln« der zwanzigtausend Fussknechte auf 
drei Monate (demnach 90,000 fl.) zuzugestehen. Auf dem 
folgenden Reichstage zu Nürnberg 1524 wurde dann beschlossen, 
weitere zwei Viertheile jener Fussknechte auf sechs Monate 



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150 

gegen die Türken zu stellen. Da dieser Beschluss aber nicht 
zum Vollzuge kam, so wurde auf dem Speio-er Reichstage von 
1526 neuerdings bestimmt, den Geldanschlag für diese zwei 
Viertheile (demnach einen Betrag von 240,000 fl.) durch die 
Stande erlegen zu lassen. Der grössere Thdl dieser Summe 
war dann, wenn auch zahlreiche Stände noch mit ihren 
Zahlungen im Rückstande geblieben waren, einbezahlt worden, 
aber noch nicht zur Verwendung gekommen. Es war natürlich, 
dass man im Ausschusse zunächst diese Summe zur nun- 
mehrigen Verwendung vorschlug. Zu weiteren grösseren Be- 
willigungen zeigte man sich aber im Ausschusse, wie es scheint, 
anfanglich nicht allzu geneigt. Zwar waren von der zu Worms 
für den Romzug bewilligten Hülfe immer noch die viertausend 
Reisigen und von dem Fussvolk »ein halb Viertheil« (2500 Mann) 
für sechs Monate und »anderthalb Viertheile« (7500 Mann) für 
drei Monate übrig. Aber noch am 30. März hatte man sich 
nicht darüber schlüssig gemacht, ob man die Bewilligung dieses 
ganzen Restes, welcher sich in Geld angeschlagen auf 390,000 
Gulden belief, den Ständen vorschlagen solle.*) Auch dem 
Könige Ferdinand entgegenkommende Ausschussmitglieder 
zeigten sich doch darin ziemlich zurückhaltend. So war der 
Vertreter des pfalzischen Kurfürsten angewiesen, sich über die 
Türkenhülfe dahin zu äussern, es stehe nicht in dem Vermögen 
der deutschen Nation, für sich allein etwas Fruchtbares aus- 
zurichten. Wenn aber die Türken in das deutsche Land ein- 
brechen würden, müsse man sehen, wie man ihnen begegnen 
könne. Auch die den Würzburger Gesandten mitgegebene 
Instruction, welche dieselben anwies, im Falle eines drohenden 
Angriffes der Türken auf das Reich für kräftige Abwehr ein- 
zutreten, machte doch den ausdrücklichen Vorbehalt, dass die 
Hülfe nur in dem Falle zu leisten wäre, »wenn der Türke uns 
zu überziehen auf den Beinen wäre und daher zöge.« Auf 
evangelischer Seite aber war man zu noch grösserer Zurück- 



*) Starm an Bütz am 30. März: „Der üsschutz hat jei^t 
die Türkenhilf vor Händen genommen, vnd stot man in Berot- 
achlagnng, ob man den Best des ganzen Bomzags zu solchem Türken- 
hilf gebmchen will*** 



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161 

haltung geneigt, da riian hier nicht nur, wie dies auch auf 
katholischer Seite der Fall war, die Besorgniss hegte, die zum 
Türkenkriege bewilligten Subsidien würden statt gegen den 
Sultan gegen den Woiwoden Johann Zapolya verwendet werden, 
sondern sogar argwöhnte, es sei bei der von ihnen geforderten 
Hülfe darauf abgesehen, die evangelischen Stände ihrer Hülfs- 
mittel zu entblössen, um dieselben dann um so leichter zur 
Unterwerfung zu bringen.^) Dennoch einigte man sich schliess- 
lich zu dem Antrage, ausser den nach den Beschlüssen des 
vorigen Speierer Reichstages bereits eingezahlten Geldern den 
ganzen Rest des Romzuges für die eilende Türkenhülfe zu 
bewilligen. 

Darüber, ob die Hülfe von den Ständen in Geld oder in 
Mannschaft zu leisten wäre, bestanden im Ausschusse eben- 
falls Meinungsverschiedenheiten. Währaid Dr. Prenninger 
durch seine aus Würzburg mitgebrachte Instruction beauftragt 
war, dahin zu wirken, dass man die Hülfe an Volk stelle oder 
es wenigstens den Ständen anheimgebe, ob sie Mannschaften 
oder Geld schicken wollten, entschied sich die Ausschussmehi^ 
heit für den Vorschlag, dass die Stände für ihren Antheil an 
der zu leistenden Hülfe den Geldanschlag einzuzahlen hätten, 
welcher der Dringlichkeit wegen spätestens bis zum 25. Juli 
an eine der Städte Augsburg, Nürnberg oder Frankfurt un- 
weigerlich erlegt werden sollte. Obwohl 1524 auf dem Nürn- 
berger Reichstage bestimmt worden war, dass zur Vermeidung 
dCT Ueberbürdung einzelner bisher zu hoch veranschlagter 
Stände denselben keine neue Auflage mehr gemacht werden 
solle, bis auf Grund der gegenwärtigen Leistungsfähigkeit der 
einzelnoi Fürsten und Stände eine neue Veranschlagung aller 
Reichsstände stattgefunden habe, sollte der Dringlichkeit dieser 
Abwehr wegen diesmal noch der bisherige Massstab für die 
Vertheilung der Leistungen auf die einzelnen Stände angewendet 
werden. G^en säumige Reichsstände sollte durch den kaiser- 



») S. Starm an Btttz vom 30. März bei Jung XIV: „Der 
Knnig von Ungarn schickt sich mit Hauptlenten zu Boss vnd Fnss, 
als ob er den Türken Widerstand thnn wollt. Gott geb dass es 
zu Nutz vnd Buhe tütscher Nation gerate/' 



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162 

liehen Fiscal strenge eingeschritten werden. Die von einzdnen 
Ständen eingereichten Supplicationai und Beschwerden über 
zu hohe Veranschlagung aber sollten einstweilen durch etliche 
von den seclis Kreisen besthnmten Fürsten geprüft werden. 
Die Verwendung der einbezahlten Summen sollte, damit sie 
nur gegen die Türken und nicht, ehe der Sultan wirklich gegen 
Ungarn aufgebrochen sei, gebraucht werde, durch die schon 
auf dem Regimentstage zu Esslingen 1526 bestimmten Fürsten 
geschehen. Diese, nämlich König Ferdinand, die Kurfürsten 
von Sachsen und Brandenburg, Pfalzgraf Friedrich, Herzog 
Ludwig von Baiem und der Bischof von Augsburg, nebst den 
auf dem vorigen Speierer Reichstage dazu verordneten Regi- 
mentsräthen Philipp von Gundheim, Ulrich Schellenberg, 
Sebastian Schilling und Christoph Plarer sollten gewisse Kund- 
schaft über das etwaige Vordringen des türkischen He^es 
einziehen, im Falle des Bedürfnisses mit diesem Gelde Truppen 
werben und mit denselben unter tüchtigen Hauptleuten in geeig- 
neter Weise die Türken, wo es am nöthigsten sein werde, 
angreifen. ') 

Während man so betreffs der »eilenden« Hülfe im Aus- 
schusse noch zu verhältnissmässig ausgiebigeren Bewilligungen 
bereit war, zeigte man sich bezüglich der „fteÄarr&'cAcw" Hülfe, 
über welche der Ausschuss nach dem 30. März berieth, 
um so zurückhaltender, da die Stande wenig geneigt waren, 
sich auf irgend längere Dauer belasten zu lassen. Was, wie 
bemerkt, der kurpfalzische Abgeordnete geltend zu machen 
beauftragt war, das hatte auch der Würzburger Gesandte 
hervorzuheben, dass es in keiner einzelnen Nation Vermögen 
stehe, wider den Türken etwas Fruchtbares auszmichten. Es 
könne desshalb über die »stattliche und beharrliche« Hülfe 
wider den Türken auf diesem Reichstage schwerlich etwas 



') Vergl. hiezn ausser den entsprechenden Stellen des Reichs- 
tagsabschiedes, mit welchen das „Bedenken'* des Ausschusses über- 
einstimmt, die „Bedenken nnd Bathschläge Verzeichnusse" im k. b. 
geh. Staatsarchive and die Instruction für die Würzburger Bäthe im 
Würzburger Archive, sowie die Briefe von P&rrer und Sturm vom 
30. März bei Jung Xm nnd XIV. 



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168 

>Atisträgliches odör Verfängliches« beschlossen werden. Man 
müsse darum vor Allem die Herstellung eines Friedens oder 
mindestens Waffenstillstandes zwischen d^ verschiedenen 
christlichen Potentaten zu bewirken suchen und nochmals 
Kaiser und Pabst bitten, bei allen christlichen Häuptern darauf 
hhizuarbeiten> dass an einer gelegenen Malstatt Gesandte aus 
allen christlichen Ländern zusammenkämen, um über eine 
wirksame Bekämpfung des Sultans mit vereinten Kräften der 
ganzen Christenheit zu berathen und zu beschUessen. Ganz 
in diesem Sinne fiel dann auch der Antrag des Ausschusses 
aus, welcher einfach dahin ging, unter Berufung auf den Ab- 
schied des Regimentstags zu Esslingen vom Jahre 1526 den 
Kaiser nochmals zu ersuchen, eine gemeinsame Abwehr gegen 
den Tüiten durch alle christlichen Mächte anzuregen , einen 
etwaigen weiteren Beschluss bezüglich der beharrlichen Hülfe 
aber der allgemeinen Versammlung der Stände überliess. 

In den weiteren Ausschusssitzungen wurde über den 
dritten Punkt der Proposition, den Unterhalt des Regiments 
und Kammergerichtes berathen. Da uns über diese Verhand- 
lungen keine genaueren Berichte zu Gebote stehen, der Gegen- 
stand derselben auch für uns von geringerem Interesse ist, so 
beschränken wir uns darauf, aus dem Antrage, welchen der 
Ausschuss schliesslich in dieser Beziehung stellte, das Wesent- 
liche mitzutheilen.*) Hiemach sollten die Stände sich bereit 
erklären, das Regiment und Kammergericht in bisheriger Weise 
durch Beiträge der Stände noch zwei weitere Jahre, bis zum 
1. Mai 1531, zur Hälfte zu unterhalten, während die andere 
Hälfte der Unterhaltungskosten, wie bisher, von dem Kaiser 
getragen werden sollte. Zur Visitation des Reichsregiments 
und Kammergerichts sollte eine Commission, bestehend aus dem 



*) Ganz ohne Widerspruch sind wohl auch diese Beschlüsse 
im Ausschasse nicht gefasst worden. Wenigstens schreibt Ehinger 
am 28. März, Viele hielten das Reichsfegiment, dessen Unterhaltung 
80 kostbar sei, für Oberflüssig und den Privilegien der Obrigkeiten, 
insbesondere der weltlichen, für naditheilig ; dasselbe diene nur den 
Geiiftlichen. Das Kammergericht dagegen, welches allerdings einer 
Reformation bedürfe, sei un^tbebrlich. Urk. d. schw. Bundes 11, 340. 



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164 

Bischöfe Georg von Speier, dem Pfalzgrafen Johann von Simmem 
und je einem Rathe des Königs F^dinand, der Eurfärsten 
von Mainz und der Pfalz, des Bischofis von Strassburg und des 
Markgrafen Philipp von Baden, am ersten Juni in Speier zu* 
sammentreten mit der Vollmacht, alle wahrgenommenen 
Mängel und Gebrechen nach Gutdünken abzustellen und die 
Ersetzung etwa untauglicher Regunentsräthe oder Kammer- 
gerichtsbeisitzer durch andere bei den betreffenden Ständen zu 
bewh-ken. Auf den Vorschlag in der kaiserliche Proposition, 
das Regiment und Kammergericht von Speier nach Regensburg 
zu verlegen, beantragte der Ausschuss nicht einzugehen, da es 
unter den dermaligen Verhältnissen besser sei, den Sitz derselben 
nicht zu verändern. 

Dies die Beschlüsse des Ausschusses, wie sie, nachdem 
derselbe am 3. April seine Berathungen zu Ende gebracht hatte, 
zur Kenntniss der Stände gebracht wurden. Während man 
aber im Ausschusse diese Verhandlungen pflog, welche zwar 
von den Mitgliedern desselben strenge geheim gehalten werden 
sollten, aber doch einzelnen anderen Reichstagsgesandten 
gerüchtweise bekannt wurden, fehlte es allen in Speier Anwesen- 
den auch in diesen Tagen, in denen keine allgemeine Sitzungen 
stattfanden, nicht an theilweise aufregenden Erlebnissen. 

Indess der Ausschuss über die von Seite des Reiches zu 
leistende Türkenhülfe verhandelte, war auch König Ferdinand 
selbst nicht müssig geblieben und hatte in Speier seine Kriegs- 
rüstungen fortgesetzt Er Hess dort Fussknechte und 4000 
Reisige zu dem Kampfe in Ungarn anwerben und bestellte die 
Hauptleute derselben^ unter denen auch Hans von Sickingen 
sich befand, welcher 400 Reiter befehligen sollte. An den 
Rath der Stadt Strassburg richtete der König am 24. März in 
zuvorkommenden Formen die Bitte, da für den Türken- 
krieg gegen 5000 CJentner Pulver voraussichtlich nöthig sein 
würden und in Folge der letzten Kriege seuie Zeughäuser in 
Ungarn von Pulver merklich entblöst seien, ihm mitzutheilen, ob 
man nöthigenfalls bereit sei, ihm 200 Centner Pulver gegen 
entsprechende Bezahlung zukommen zu lassen. Die gleiche 
Bitte stellte er fast mit denselben Worten in einer Zuschrift 
vom folgenden Tage an den Rath von Augsburg. Die in 



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166 

diesen Tagen aus Ungarn eingelaufai^ schlimmen Nachrichten 
mussten Ferdinand aufiEbrdem, Alles aufzubieten, um nicht 
bloss die Stande zu möglichst kräftiger Hülfe zu bewegen, 
sondern auch selbst denselben mit gutem Beispiele voranzu- 
gehen. Die am 3. April in Speier eintreffende Nachricht, dass 
die türkische Flotte an den Küsten Siciliens kreuze, musste 
jenen Eifer noch erhöhen. ^) 

Aufregender aber, als diese Rüstungen, musste ein anderer 
sich in diesen Tagen zutragender Vorfall auf diejenigen wirken, 
welchen derselbe bekannt wurde. Simon Grynäw^,^ der bekannte 
Gelehrte, war nämlich in jenen Tagen von Heidelberg aus, wo 
er damals noch als Lehrer der classischen Sprachen wirkte, 
zum Besuche des ihm von Wittenberg her befreundeten Melanch-' 
thon nach Speier gekommen. Derselbe hatte daselbst im Dome 
einer Predigt Faber's beigewohnt, in welcher dieser von der 
Brodverwandlung und von der der geweihten Hostie gebühren- 
den Anbetung handelte. Beim Ausgange aus dem Dome folgte 
Grynäus, der an Faber's Ausführungen lebhaften Anstoss nahm, 
demselben und bat ihn mit ehrerbietigem Grusse, ihm eine 
Unterredung zu gewähren, und es ihm zu glauben, dass er nur 
im Interesse der Sache diese Unterredung wünsche. Als ihm 
Faber seinen Wunsch mit höflichen Worten erfüllte, bemerkte 
GrynäU9, er müsse tief beklagen, dass ein Mann von so tüchtiger 
Bildung und grossem Ansehen, wie Faber, Irrthümer vertheidige, 
welche das Wesen Gottes herabwürdigten und durch offen- 
kundige Zeugnisse des kirchlichen Alterthums widerlegt werden 
könnten. >Irenäus schreibt«, so fuhr Grynäus fort, >Polycarp 
habe sich die Ohren verstopft, wenn er fanatische Menschen 



') S. Melanchthon's Brief vom 4. April im Corp. Ref. I, 1047. 
Auszüge der aus Ungarn ankommenden Briefe bei Bucboltz m, 
272 ff. Das Schreiben Ferdinands an Strassburg bei Jung XI, das 
an Augsburg im Augsburger Stadtarchive. Dass die gleiche Bitte 
auch an Frankfurt gerichtet und von dieser Stadt bewilligt worden 
war, erhellt aus dem Briefe Ftirstenbergs vom 17. April. Ausserdem 
vergl. die Briefe Pfarrers vom 25. und 30. März bei Jung XI und XIII. 

^) Geb. 1493 in Vehringen, vor 1524 in Wittenberg, von 1524 
bis 1529 Professor der griechischen und lateinischen Sprache in Heidel- 
berg, 1529 zum Ersätze für Erasmus nach Basel berufen, gest. 1541. 



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166 

grobe Irrlehren aufstellen hörte. Was, meinest Du, hätte 
Polycarp gedacht, wenn er heute Deine Rede darüber gehört 
hätte, was eine Maus verzehre, wenn sie geweihtes Brod benagt? 
Wer muss nicht die Finstemiss der Kirche beklagen?« Da 
unterbrach ihn Faber und fragte ihn nach seinem Namen, 
welchen Grynäus ruhig nannte. Nun war Faber, wie Melanch- 
thon erzählt, so laut er bei üngelehrten das Wort zu führen 
pflegte, doch im Gespräche mit Gelehrte verzagt und nicht 
sehr gewandt. Er fürchtete desshalb eine Fortsetzung der 
Unterredung mit seinem ebenso gelehrten als beredten Gegner 
und brach unter dem Vorwande, er müsse zu König Ferdinand, 
die Unterredung mit der Erklärung ab, es liege ihm viel an der 
Freundschaft des Grynäus. Faber bat denselben noch, anderen 
Tages zu einer bestimmten Stunde zu ihm in seine Wohnung 
zu kommen, in der sie weiter von der Sache reden wollten. 
Grynäus versprach das auch, ohne etwas Schlimmes zu ahnen. 
Von Faber ging er zu Melanchthon, welcher sich mit 
Kaspar Cruciger und anderen Freunden eben zu Tisch gesetzt 
hatte. Kaum hatte sich Grynäus bei den Freunden niederge- 
lassen und ihnen den Vorfall theilweise mitgetheilt, als Melanch- 
thon aus dem Zimmer gerufen wurde. Ein dem Melanchthon 
unbekannter Greis von ganz besonderer Würde in Miene, 
Sprache und Kleidung*) erwartete ihn dort, fragte nach 
Grynäus und kündigte an, dass sogleich Stadtdiener kommen 
würden, um auf Befehl des Königs Ferdinand, bei welchem 
Faber den Grynäus angeklagt habe, denselben gefangen zu 
nehmen. Grynäus möge daher unverzüglich die Stadt verlassen. 
Sogleich nahmen Melanchthon und Cruciger den Grynäus in 
die Mitte, verliessen in Begleitung einiger Diener das Haus und 
führten ihn dem Rheine zu, an dessen Ufer sie so lange ver- 
harrten, bis Grynäus, welchem Melanchthon erst auf dem Wege 
erzählte, was der Greis ihm mitgetheilt hatte, auf einem kleinen 
Kahne bei der dem Kurfürsten Ludwig gehörenden Ueber- 
fahrt übergesetzt und in Sicherheit war. Als später Melanch- 



^) „Hie me,- nescio quis senex, singolarem gravitatem vulta, 
oratione et veetita prae se ferens, nee quis faerit anqaaxn resdscere 
potui, ailoquitur etc." Corp. Bef. XIU, 906. 



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167 

thon in seine Herberge zurückkehrte, hörte er, dass in der 
That die Stadtknechte dorthin gekommen waren, um den 
Grynäus zu Terhaften, als sie erst vier oder fünf Häuser von 
ihrer Wohnung entfernt waren. Doch gingen ihnen die Häscher 
nicht nach, sei es dass sie den Befehl hatten, ihn nur in dem 
Hause gefangen zu nehmen, sei es dass sie Melanchthon und 
Grynäus nicht erkannten. 

Dies die Geschichte von dem Speierer Engel, wie man 
dieselbe zu bezeichnen pflegte, weil Melanchthon, welcher sich 
bei Vielen erfolglos nach der Person des Unbekannten erkun- 



^) S. Melanchtbon*8 commentarius in Danielem prophetam zu 
Cap. X, 13 ff, in dem Corpus Beformatoram XTTT, 905 ff, femer 
Joach. Caraerarii de Philippi Melanohthonis orta etc. Lips. 1567 p. 
114 fil^ den nach mündlicher Erzählung Melanchthon's niederge- 
schriebenen Bericht des Manlius in Jo. Manlii coUectaneis, p. 12, 
and in Henmann Poecil. tom. III, p. 464 und nach diesen Quellen 
Seckendorf 953 f, Scultet. annal. 251 ff. Wir haben nns bei unserer 
Erzählung an den Bericht des Melanchthon im Oommentar zu Daniel 
und bei Manlius angeschlossen, von welchen die des Camerarins, 
der die ihm von Melanchthon bei seiner Anwesenheit in Speier 
berichtete Geschichte nach vielen Jahren aus dem Gedächtnisse 
Mrieder erzählt, in einzelnen unwesentlichen Punkten abweicht. Da 
Camerarius am 30. März nach Speier kam, so muss die Begebenheit 
vor diesem Tage geschehen sein. Aus dem Inhalte der Predigt 
Fabers kann yielleioht geschlossen werden, dass der Vorfall am 
grünen Donnerstage (25. März) stattfand. Schon bald nach der 
Abreise des Camerarius suchte man die Sache in Abrede zu stellen. 
Bereits am 23. April schrieb desshalb Melanchthon dem Camerarius, 
was er und Andere ihm über die Gefahr, ans welcher Ghynäus 
errettet wurde, erzählt habe, sei wahr (verissima), derselbe sei mit 
Gottes Hülfe aus dem Rachen der nach dem Blute Unschuldiger 
dürstenden Feinde gerissen worden. „Omnino est ille divino auxilio 
ereptus quasi e fancibus eorum, qui sitiunt sangninem innocentium/' 
Und ebenso betont er in seinem Commentare zu Daniel nachdrücklich 
die Zuverlässigkeit seiner Erzählung. Ans dem Berichte des Man- 
lius geht auch die sonst nicht weiter bekannte Thatsache hervor, 
dass der spätere Reformator von Leipzig, Kaspar Crucigcr (geb. 
1504, seit 1528 in Wittenberg als Universitätslehrer, gest. 1548) 
während des Reichstages mit Melanchthon in Speier weilte. 



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158 

digl hatte, um demselben für seinen Dienst danken zu können, 
keinen Zweifel daran hegte, dass Gott in jenem würdigen Greise 
einen Engel zmt Errettung des Grynäus gesendet habe. Baur 
hat es wahrscheinlich gemacht, dass jener ehrwürdige Unbe- 
kannte der alte Stadtschreiber Michael (Jeilfuss war, welcher 
mehr als 40 Jahre bei der Stadt als Stadtschreiber und Notar 
in Diensten gestanden und seit einigen Jahren in d«i Ruhestand 
versetzt worden war. Da ein Haftbefehl des Königs Ferdinand, 
um im Gebiete der Stadt vollzogen zu werden, nothwendig den 
Bürgermeistern mitgetheilt werden musste, so scheint einer der 
beiden Bürgermeister, wahrscheinlich der der Reformation 
geneigte Friedrich Meurer, diese Warnung veranlasst zu haben, 
welche dadurch möglich wm^e, dass Geilfuss auf näheren 
Seitenwegen nach der Herberge Melanchthon's gelangen konnte 
und so vor der Ankunft der Stadtdiener daselbst eintraf.*) 

*) S. Erb. Chr. Baur, Leben Cbristopb Lebmanns. Frankfart 
1756. S. 206 ff, wo auch die Relation des Manlios abgedruckt ist. 
Baur nimmt an, dass Melanchthon in der Herdgasse gewohnt habe, 
und bemerkt, die Warnung habe um so leichter anbemerkt erfolgen 
können, da Oeilfoss hinter dem Hause des Bürgermeisters Meurer 
und nicht über 75 Schritte von demselben gewohnt habe und die 
Wohnung Melanchthon*s nur 125 Sehritte von dem Hause des 
Geilfuss entfernt gewesen sei. J. M. König in seiner Beformations- 
geschichte der Stadt Speier (Speier 1834, S. 26 ff) ergänzt dies 
durch die Angabe, die Herberge Melanchthons sei der sp&tere 
adelige Hof eines Herrn Buwingshausen von Walmerode (gest. 1658) 
neben dem Deiferschen Hause gewesen, und nimmt an, Menrer habe 
in der Pfaffengasse, Geilfuss aber in der Judengasse gewohnt und 
Letzterer sei durch das seit 1820 in Privateigenthum übergegangene 
früher die Judengasse mit der Webergasse verbindende kleine Engels- 
gässchen und das Taubengässchen unbemerkt zur Herberge Melanch- 
thons geeilt. Da weder Baur noch König die Quellen nennen, aus 
welchen sie ihre Angaben über die Lage dieser Wohnungen schöpfen, 
so können wir die Bichtigkeit derselben nicht beurtheilen. Baur 
nimmt auch, gleichfalls ohne Qaellenbenennung, an, dass Kurfürst 
Johann in der Herdgasse gewohnt habe. Wir haben bereits oben 
(S. 78, Anm.) hervorgehoben, dass nach den uns bekannten Quellen 
dies wenigstens für das Jahr 1526 kaum angenommen werden kann. 
Mit der Angabe Königs, Melanchthon habe in dem erwähnten 



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169 

Der eben erzählte Vorfall liess die Evangelischen fürchten, 
dass man auf gegnerischer Seite unter Umständen auch vor 
Gewaltmassregeln nicht zurückschreck^i werde, und trug viel- 
leicht mit dazu bei, sie zu festem Zusammenhalten zu veran- 
lassen. Die Differenzen in der Lehre vom h. Abendmahle, 
welche zwischen Luther und Zwmgli bestanden, hatten ja viel- 
fach auch eine innere Entfremdung der im letzten Grunde auf 
Einem Boden stehenden Anhänger beider Reformatoren bewirkt. 
Der literarische Streit, welcher seit 1527 zwischen ihnen geführt 
wurde, war von Luther nicht ohne leidenschaftliche Heftigkeit, 
von Zwingli mit kalter und stolzer, aber ebendadurch kaum 
weniger kränkender Ruhe geführt worden. Unter den in 
Speier anwesenden evangelischen Reichsständen standen nun 
zwar die Fürsten ausnahmslos auf Seite Luthers; aber unter 
den Städten, namentlich den oberländischen, waren die 
schweizerischen Anschauungen vielfach vertreten. Nicht nur 
3anct Gallen und die mit Zürich und Bern in Bürgerrecht 
getretenen Städte Strassburg, Constanz und Lindau huldigten 
der Lehrweise Zwuigli's, sondern auch in Memmingen, Ulm, 
Isny und anderen Städten und selbst in Augsburg neigte man 
sich zu derselben. Blaurer in Constanz, Sdienk in Memmingen, 
Sam in Ulm predigten nach Zwmgli's Weise, und Gapito und 



späteren adeligen Hofe Herberge genommen, lässt sich anch die 
bestimmte Nachricht des Camerarius (s. oben 8. 75) schwer ver- 
einigen, nach welcher seine Wohnung in dem „Haaseben" eines 
alten Priesters war. üebrigens hängt der Name „Engelsgasse" 
schwerlich mit der erzählten Geschichte des Grynäus zusammen. 
König (a. a. 0. S. 33 f) vermnthet, dass dieser Name von der 
Bettang eines Töchterchens dos Dr. Job. Werner von Themar her- 
rühre, welches am 13. Februar 1559, wie eine Steininschrift beim 
Eingange ans der grossen in die kleine Engelsgasse nachweist, dort 
von einer einstürzenden Mauer bedeckt und fast unverletzt unter 
derselben wieder hervorgezogen wurde. — Sollte aber auch die 
Yermuthung Banrs, dass gerade Oeilfuss der Retter des Grynäus 
war, nicht zutreffen, so hat doch ohne Zweifel Heumann das Rich- 
tige getroffen, wenn er a. a. 0. 468 bei Baur 210 annimmt, dass 
dieser Retter ein „Nicodemus quidam'S ein heimlicher Freund der 
evangeliscben Sache, gewesen sei. 



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160 

Buc^ zu Strassburg, so sehr sie eine Vermittelung wünschten, 
müssen doch nicht minder zu den Schweizern gerechnet werden. 
Wie aussichtsvoll schiel da nach dem erbitterten literarischen 
Kampfe beider Theile die bereits (S. 123) geschilderte Taktik 
Fabers und Eck's, die Evangelischen zu entzweien und die 
Lutheraner von den Anhängern Zwingli*s zu trennen ! Doch es 
sollte zu solcher Trennung nicht kommen. Ebenso eifrig wie 
die Gegner in diesen Tagen auf den Zwiespalt der Evangelischen 
rechneten, waren Andere bemüht, die Eintracht unter ihnen 
zu erhalten. Namentlich setzte Landgraf Philipp schon in 
dieser Zeit seine ganze Energie daran, eine völlige Vereinigung 
der Lutheraner und der Schweizer vorzubereiten. Gleich bei 
seiner ersten Unterredung mit dem Ulmer Bürgermeister Besserer, 
welchem er überhaupt mit grossem Vertrauen entgegenkam, 
hatte er auf die Absicht der Gegner, Zwietracht zu säen, hin- 
gewiesen, und die Nothwendigkeit der Einigkeit betont ') 

Mit auf seine Veranlassung mag es auch geschehen sein, 
dass in diesen Tagen der neben Zwingli hervorragendste Ver- 
treter der schweizerischen Reformation, Oecolampadius in Basel, 
von der Sachlage in Kenntniss gesetzt und dadurch bewogen 
wurde, mit Melanchthon in äusserst entgegenkommender Weise 
wieder in brieflichen Verkehr zu treten. Nichts, so schrieb 
derselbe am 31. März,*) könne ihm erwünschter sein, als sich 
mit Melanchthon unterreden zu können, besonders um mit 
ihm darüber zu verhandeln, ob nicht die neuerdings einge- 
tretene Spaltung wieder beseitigt werden könnte. Leider seien 
seine früheren an Melanchthon gerichteten Briefe unbeant- 
wortet geblieben. Er könne nicht annehmen, dass Melanchthon 
der Freundschaft mit ihm entsagt habe; das könne er auch 
nicht, ohne Christo zu entsagen, der Uir gemeinsames Haupt 
sei. Die Nachricht von den Machinationen Fabers sei auch 
nach Basel gelangt. Aber vergebens werfe derselbe seine 



1) Keim, schw&b. Ref. 96. Derselbe, Bef. der Reichsstadt 
Ulm 159. 

") Der Brief des Oecplampadins and die Antwort Melanchtbon's 
d. d. Spirae MDXXIX in Scnlt. Annal. II, 236 fr. Der Brief Molancb- 
tbons wurde von ihm bereits 1529 zu Hagenan in den Dmck gegeben. 



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Netze aus. Für eine grosse Gnade Gottes erachte es Oecolampa- 
dius, dass Melanchthon auf dem Reichstage sei und den Freunden 
rathen Itönne, was zum Frieden und zur Ehre Christi gereiche. 
Man wolle dort die Sacramentlrer verdammen. Aber liege denen, 
die das wollen, die Reinheit der Lehre am Herzen? Man ver- 
drehe ihre Lehre, als wäre ihnen Christus nur ein Phantasiebild 
und nicht Wahrheit. >Weil wir die beiden Naturen in der 
einen Person Christi scharf unterscheiden, so heisst es, wir 
leugnen desshalb die eine derselben. Stellen wir in Abrede, 
dass Christi Gottheit ihrer Natur nach gelitten habe, so 
müssen wir auch leugnen, dass Christus, der wahrhaftige 
Gott, gelitten habe; behaupten wir, die leibliche Gestalt 
Christi sei nicht allenthalben, so schiebt man uns die Lehre 
unter, dass Christus nicht sei, wo zwei oder drei versammelt 
sind in seinem Namen, er sei auch nicht in den Herzen der 
Seinen. Solche Ausleger und Verleumder unseres Glaubens 
lassen sich, wie ich höre, in Speier vernehmen«. Melanchthon 
möge doch derartigen Entstellungen ihrer Lehre entgegen- 
treten. Schliesslich sei der Unterschied ihrer Lehre kein 
so grosser. »Daran wollte ich dich wiederum erinnern, 
damit du gewissen Leuten zeigen kannst, dass, wenn sie 
niu- die Angriffe unterUessen, ein Weg zur Wiederherstellung 
der Eintracht in den Kirchen sich wohl finden würde. Doch 
mit Bannsprüchen und Blitzeschleudem wird nichts gebessert 
Inzwischen wird Gott dennoch die Seinen nicht verlassen.€ 
Melanchthon beantwortete den Brief mit der Betheuerung 
seiner Hochachtung und unveränderten Freundschaft, fügte 
aber hinzu: >Ach dass doch die Verhältnisse derart wären, 
dass wir diese Freimdschaft pflegen könnten!« Aber da 
sei jener unselige Abendmahlsstreit eingetreten. Bisher sei 
er bei demselben mehr Zuschauer, als Theilnehmer gewesen 
und habe sich aus vielen Gründen in den so gehässigen 
Streit nicht gemischt. Dennoch habe nichts sein Gemüth 
so in Anspruch genommen, als diese Sache, über welche er 
viel nachgedacht habe, aber nach gewissenhafter Prüfung die 
Lehre der Schweizer nicht zu billig^i vermöge. Im weiteren 
Verlaufe des Briefes trat dann Melanchthon entschieden für 
die Auffassung Luthers ein, suchte die Ausführungen Oeco- 

11 



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162 

lampads zu widerlegen und erklärte die Veranstaltung eines 
Religionsgesprächs für erwünscht. ^) Schliesslich bat Melanch- 
thon den Oecolampadius, dessen Bescheidenheit ihm bekannt 
sei, zu bedenken, dass es in geistlichen Dingen gefährlich sei, 
nur das anzunehmen, was der Verstand ergründen und be- 
greifen könne. 

Wir sehen, es fehlte viel dazu, • dass auch nur zwischen 
Melanchthon und Oecolampadius die Differenzen sachlich aus- 
geglichen gewesen wären. Dennoch lag in jenem Briefwechsel 
eine unleugbare Annäherung der beiden evangelischen Partheien. 
Wie sehr dies auch bei Melanchthon der Fall war, der doch 
unmittelbar nach dem Reichstage sich wegen seiner entgegen- 
kommenden Haltimg gegen die Schweizer so sehr im Gewissen 
beunruhigt fühlte, das zeigt ein Brief, den er um diese Zeit 
an den Reformator des Herzogthums Zweibrücken, seinen 
Jugendfreund Joh. Schwebel, schrieb.*) In demselben dankt er 
Schwebel für zwei Briefe, die er in Speier von ihm empfangen 
habe, gedenkt der Ereignisse auf dem Reichstage, bedauert 
mit Schwebel die Zwietracht in der Kirche und fügt hinzu: 
>Lasst uns zu Christo beten, dass er den Frieden wieder her- 
stelle. Das Nächste ist, dass man gleich dir in den Kirchen 
nur lehrt, was zur Erbauung dient, und die Controversen lässt, 
welche das Volk nicht versteht oder die doch wenig Frucht 
bHngen. Was bedarf es über das Mahl des Herrn jener 
Zänkereien (istis rixis), wenn alle zugestehen, dass Christus nach 
seiner göttlichen Natur zugegen sei? Was hat es für einen 
Werth, die menschliche Natur von der göttlichen zu trennen? 
Wer kommt auf solche überscharfe Unterscheidungen?« 
Melanchthon schliesst an diese beherzigenswerthen Worte die 
Mahnung zu vorsichtiger Lehre. Faät ist es, als hörten wir 
aus denselben schon den Seufzer über die rabies theologica 
heraus, zu welchem ihm in seinen späteren Lebensjahren so 
viel Veranlassung gegeben wurde. Noch aber brachte es die 
praktische Klugheit der evangelischen in Speier anwesenden 



^) „Quare satins esset hac de re aliquot bonos vires in oollo- 
quium una venire.*' Scolt. 242. Oorp. Ref. I, 1050. 
«) Corp. Ref. I, 1047. 



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163 

Staatsmanns dahin, dass jener Lehrunterschied nicht schon 
jetzt zu einer dauernden Trennung der Lutheraner und Zwing- 
lianer führte. Zwar eine Einheit der Lehre konnte zwischen 
ihnen nicht erreicht werden, aber in ihren Handlungen bewähr- 
ten sie noch die volle Eintradit, deren sie für die Kämpfe der 
nächsten Wochen so dringend bedurften. 

13. Die Plenarsitsnng vom 3. ApriL Einschfichterangs- 

yersuche gegen die Städte und Supplioation derselben. 

Verhandlungen der Stände and des Anssohnsses 

bis zum 9. April. 

Nachdem der Ausschuss seine Berathungen vollendet hatte, 
wurde auf Samstag den 3. April, Nachmittags drei Uhr, wieder 
eine Sitzung aller Stände anberaumt und in derselben das 
Gutachten oder, wie es in den Akten heisst. Bedenken des 
Ausschusses, dessen Inhalt wir in den vorausgehenden Ab- 
schnitten dargelegt haben, verlesen und zur Kenntniss der 
Stande gebracht. Als die Stände dann von diesem Gutachten 
Abschriften zu nehmen wünschten, wurden durch den Mainzer 
Kanzler die Secretäre der einzehien Stände auf Sonntag den 
4. April, Abends zwischen -5 und 6 Uhr, wieder auf das Rath- 
haus beschieden, wo ihnen dann das Gutachten in die Feder 
dictirt wurde. ") 

Während der Sitzung vom 3. April erschien plötzlich ein 
Herold des Königs Franz von Frankreich, welcher bereits seit 
mehreren Tagen unerkannt in Speier weilte, und begehrte 

') Wenn MUller (S. 25) angibt, das Bedenken (sei am Sonn- 
tage verlesen worden, so kommt er zn dieser Angabe ohne Zweifel 
durch die auch in anderen Originalakten über dem Bedenken sieh 
findende anf den Tag der Absohriftnahme sich beziehende Notiz: 
Gelesen am Sonntage QaasimodogenitL Die Eröflfnang des Gut- 
achtens an die Beichsstilnde aber erfolgte ohne Zweifel am Tage 
zuvor. Nicht nur die Strassborger Gesandten (bei Jong XVn and 
XIX) sagen das, sodern auch aas den Nördlinger (Beilage 17) and 
Wttrsbarger (Beil. 84), sowie den Heilbronner und Aagsbarger 
Beichstags^ten (im k. wttrtemb. Staatsarchive and in dem Aags- 
barger Stadtarchive) geht dies hervor. 

11* 



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164 

Einlass zu der Ständeversammlung, welcher er ein Schreiben 
des Königs an die Kurfürsten und Fürsten des Reiches zu 
überreichen habe. Während er in den vorausgehenden Tagen 
durch fremde Oberkleider sich unkenntlich gemacht hatte, trug 
er nun sein prächtiges Heroldsgewand von blauem Sammt mit 
goldenen Lilien. Lange beriethen sich die Fürsten, ob sie den 
Herold einlassen wollten. Endlich gingen die Kurfürsten von 
Mainz und von der Pfalz, Erzbischof Lang von Salzburg und 
Markgraf Philipp von Baden hinaus in ein kleines Neben- 
zimmer, in welchem sie den während der ganzen Berathung 
in seinem Heroldskleide vor der Thüre wartenden Gesandten 
empfingen. Derselbe übergab ihnen, obwohl er Befehl hatte, 
das Schreiben des Königs den versammelten Ständen zu 
überreichen, doch den Brief mit der Bitte, ihn den 
Ständen zur Kenntniss zu bringen, und verabschiedete sich 
hierauf mit dem Ersuchen um Geleit bis zur französischen 
Grenze. ') 

In dem von dem Herolde abgegebenen Briefe des Königs 
Franz vertheidigt sich derselbe gegen die Anklagen seiner 
Feinde, besonders gegen den Vorwurf, dass er die Türken 
zum Kriege reize und keinen Frieden wolle. Er habe iMKh 
immer nach Frieden getrachtet, aber der Ehrgeiz und die 
Herrschsucht des Kaisers, welcher beständig nach Italien blicke 
und das edle Deutschland vernachlässige, habe denselben ver- 
hindert. Man solle überzeugt sein, dass er den Titel des aller- 
christlichsten Königs, welchen er gleich seinen Vorfahren führe, 
zu verdienen bestrebt sei. Wenn der Kaiser Frieden mache, 
sei auch er bereit, ein starkes Heer gegen die Türken zu senden. 

Nachdem das Ausschussgutachten ohne Beachtung des 
Widerspruchs der evangelischen Minderheit in dieser Sitzung 
den versanunelten Ständen vorgelegt worden war, baiiühte 
sich König Ferdinand vor Allem, auch die noch wider- 
strebenden Stände zur Annahme desselben zu bringen. Be- 



*) Pfarrer an Bütz vom 8. April bei Jnng XVU f. 8. auch 
Bucholtz in, 261. Jung XX ff veröffentlicht auch den, wie er mit 
Recht sagt, mit grossem rednerischen Pranke abgefassten Brief dee 
Königs, der von dem 25. März datirt ist. 



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165 

sonders suchte er die Vertreter der Reichsstädte, welche, ob- 
wohl unter ihnen nicht wenige am alten Glauben festhielten, 
doch bisher, wie bekannt war» die Haltung Tetzel's und Sturm's 
im Ausschusse einmüthig gebilligt hatten, einzuschüchtern und 
zum Aufgeben ihrer oppositionellen Handlung zu bewegen. 
Ja, was man den evangelischen Fürsten gegenüber, welchen 
das Ausschussbedenken die Beibehaltung der Neuerungen im 
Glauben bis zum Oncile ausdrücklich zugestand, nicht auszu- 
sprechen wagte, das glaubte Ferdinand von den Städten mit 
Schärfe fordern zu können, dass nämlich auch bereits ge- 
machte Neuerungen wieder zurückgenommen werden sollten. 
Er mochte dabei von der Anschauung ausgehen, dass die 
Städte, als der Hoheit des Kaisers unmittelbar unterworfen, 
die Befehle desselben auch in Glaubenssachen imbedingt be- 
folgen müssten. 

Zu diesem Zwecke glaubte er, um der bis dahin bewahr- 
ten Einigkeit der Städte ein Ende zu machen, zunächst auf 
diejenigen Städte einwirken zu müssen, in welchen die Re- 
formation noch wenig Eingang gefunden hatte oder doch 
wenigstens von den Magistraten nicht begünstigt worden war. 
König Ferdinand berief desshalb noch auf Samstag Nachmit- 
tag vier Uhr unmittelbar nach der Sitzung der Stände die 
Abgeordneten von acht Städten der rheinischen Bank, nämlich 
von Köln, Aachen, Metz, Hagenau, Colmar^ Schlettstadt, OfiTen- 
burg und Speier, in seine Residenz,') in welcher er sie im 
Beisein der übrigen kaiserlichen Commissäre, des Probstes von 
Waldkirch, des Pfalzgrafen Friedrich, des Herzogs Wilhelm 
und des Bischofs von Trient um die bestimmte Stunde gnädig 
empfing. Pfalzgraf Friedrich führte in seinem Namen das 
Wort. Es sei dem Kaiser, dem Könige Ferdmand und den 
kaiserlichen Gommissären bekannt, dass die jetzt vorgeforderten 
Städte sich bisher gegen die Mandate des Kaisers über den 



') „In sejner maiestet hoff.*' Auch Lübeck war geladen 
worden, erschien aber nicht, da diese Stadt sich überhaupt auf 
diesem Reichstage nicht hatte vertreten lassen. Letzteres mochte 
damals noch dem Könige unbekannt sein. S. die Relation der 
Heilbronner Reichstagsgesandten im k. würtemb. Staatsarchive^ 



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IM 

christlichen Glauben ganz gehorsam gehalten und namentlich 
das Wormser Edict befolgt hätten. In anderen Städten sei 
das aber nicht geschehen. Desshalb ersuchten sie diese Städte 
dringend, sich auch femer, wie bisher, zu halten und keine 
Aenderung oder Neuerung im christlichen Glauben vorzunehmen. 
Der Kaiser und sie, die kaiserlichen Gommissäre, wur(ten den 
Städten solche Haltung zu Gottes Lobe in Gnaden erkennen. 
Pfalzgraf Friedrich schloss mit der Bitte, bei den anderen, der 
neuen Secte anhängenden Städten doch allen Fleiss anzuwen- 
den, damit sie von derselben abstünden und dem christlich^i 
Glauben anhängig und den kaiserlichen Mandaten gehorsam 
würden. Geschehe das nicht, so sei zu besorgen, dass grosse 
Gefahr und Aufruhr daraus entsteh^i werde. 

Nach diesem Vorhalte hielten die Abgeordneten der Städte 
eine kurze Berathung mit einander, worauf in ihrem Namen 
einer der Metzer Gesandten antwortete, ihre Obern hätten sich 
seit dem Wormser Abschiede ebenso, wie früher ihre Vorfahren, 
den Befehlen des Kaisers gemäss gehalten, und s6ien auch 
Willens, denselben femer bis zu dem Generalconcile zu gehorchen. 
Zuletzt legte er noch eine Fürsprache für die lutherischen 
Städte bei, von welchen also diese Städte ihre Sache noch 
nicht zu trennen gedachten. 

Eine zweite Abtheilung von Städtegesandten liess König 
Ferdinand auf Sonntag den 4. April Morgens 7 Uhr vorrufen. 
Es waren dies die Abgeordneten derjenigen Städte der schwä- 
bischen Bank, welche bisher an dem alten Glauben festgehalten 
hatten, Esslingen, Rottweil, Ueberlingen, Ravensburg, Kaufbeuem, 
Schwäbisch Gmünd imd Weil. Denselben wurde durch Pfaiz- 
graf Friedrich das Gleiche vorgestellt, wie Tags vorher den 
acht rheinischen Städten, worauf sie durch Bürgermeister 
Holdermann von Esslingen versprachen, die den Glauben be- 
treffenden Mandate und Edicte des Kaisers, wie bisher, so auch 
in Zukunft zu befolgen. Bei diesen theilweise von Dr. Faber 
erfolgreich bearbeiteten Städten wird uns von einer Fürsprache, 
welche dieselben für die lutherischen Städte eingelegt hätten, 
nichts berichtet.^) 

*) 8. zu dem Voransgehenden den ausfdhrlichen Bericht Wiede- 
manii*8 in Beilage 19. Mit demselben stimmt überein der theil- 



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167 

Auf Sonntag Nachmittag ein Uhr endlich wurden durch 
Vermiltelung der Gesandten von Sirassburg und Nürnberg 
die »ungehorsamenc Städte der rheinischen und schwäbischen 
Bank vor König Ferdinand und die anderen kaiserlichen Com- 
missare gefordert. Es waren dies 24 Städte, Strassburg, Frank- 
furt, Goslar, Nordhausen, Wimpfen, Nürnberg, Augsburg, Ulm, 
Nördlingen, Rothenburg a. T., Reutlmgen, Memmingen, Heil- 
toonn, Constanz, Lindau, Kempten, Schwäbisch Hall, Worms, 
Dinkelsbühl, Schweinfurt, Windsheim, Aalen, Bopfingen imd 
Buchhorn.') Es war ein wenig gnädiger Empfang, welcher der 
Gesandten dieser Städte »in seiner Majestät Gemach« wartete. 
Wieder führte Pfalzgraf Friedrich das Wort In scharfen 
Worten hielt er ihnen vor, sie hätten ohne Zweifel im Gedächt- 
niss, was in der beim Anfange des Reichstages verlesenen 
kaiserlichen Instruction den Ständen vorgetragen worden sei 
und insbespndere, was diese Proposition bezüglich des christ- 
lichen Glaubens von denselben begehre, hätten auch vernommen, 
was der Ausschuss in Folge dessen den Ständen vorgeschlagen 
habe. Auch die früher OTgangenen den Glauben betreffenden 
Edicte und Mandate des Kaisers seien ihnen in der Erinnerimg. 
Trotz diesen Geboten, trotz gnädigster Elrinnerungen durch den 
Kaiser hätten aber diese Städte eigenen Willens und Vomeh- 
mens viele Neuerungen im Glauben eingeführt imd »sich neuer 
Lehre unterfangen«, woraus dann Aufruhr und Empörung ent- 



weise ergänzende Bericht der Hdlbronner Gesandten vom 12. April, 
sowie die Belation derselben über den Beichstag im k. würtemb. 
Staatsarchive. Letzterer Quelle ist der nicht unwesentliche Zusatz 
in der Antwort der rheinischen Städte entnommen, sie wollten sich 
„bis vff ein generalconcilium*' gehorsam beweisen. Die Heil- 
bronner Gesandten geben als die Stunde des Empfangs der schwä- 
bischen Städte sechs ühr Morgens an. In den Nürnberger Berichten 
ist unter denselben auch noch Donauwörth (»werd«) genannt. 

') S. Sturm's Brief vom 4. April bei Jung XIX f. Sturm lässt 
in dem Verzeichniss das Städtchen Aalen aus, welches aberWiede- 
mann (Beilage 19), Fürstenberg und die Heilbronner Gesandten 
übereinstimmend nennen. Die Stadt Schweinfurt wird von Sturm, 
Fürstenberg und den Abgeordneten von Heilbronn angeführt, da- 
g^en v(m Wiedemann nicht benannt. 



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168 

standen sei. Das gereiche viel mehr zu Unfrieden und 
Unruhe, als Gott zu Ehre und Lob. Der Kaiser habe das 
von ihnen nicht erwartet und trage darüber nidit geringes 
Befremden. Aber wie dem auch sei, wollten der König und 
die kaiserlichen Commissäre in des Kaisers imd ün eigenen 
Namen sie gnädig verwarnen und begehrten von ihnen, 
davon abzustehen, keine Neuerung mehr zu machen oder 
zu gestatten, sondern dem christlichen Glauben anhängig 
und den kaiserlichen Geboten gleich ihren Voreltern gehorsam 
zu sein. Insbesondere versehe sich der König zu ihnen, dass 
sie bei den jetzigen Verhandlungen sich also verhalten 
Verden, dass ein einhelliger Beschluss gemäss dem kaiser- 
lichen Ausschreiben zu Stande käme. Thäten die Städte 
das nicht, so wären die Commissäre genöthigt, die ungehor- 
samen Städte dem Kaiser anzuzeigen, was ihnen nur zu grössa*er 
Ungnade gereichen könnte, da von ihm fernerer Ungehorsam 
nicht werde geduldet werden. Würden sie sich dagegen hinfort 
gehorsam zeigen, so würden die Commissäre, die früheren 
Vorgänge nicht angeschen, ihre Angelegenheiten bei dem 
Kaiser gerne fördern. 

Hierauf traten die Botschafter der Städte zu einer kurzen 
Berathung ab, nach welcher sie wieder »hinaufc vor König 
Ferdinand gelassen wurden. Dort ergriff im Namen der Städte 
Jacob Sturm das V^ort und erklärte unter geziemender An- 
wendung der herkömmlichen weitläufigen Titulaturen mit vielen 
»gebührlichen und zierlichen Wortenc, wie die Heilbronner 
Abgeordneten sich ausdrücken, sie hätten das Anbringen in 
aller Unterthänigkeit vernommen und gäben darauf zur Antwort: 
Wenn man sie beschuldige, eigenwillig Ordnungen angenommen 
zu haben, welche mehr zu Unfrieden, als zu Gottes Ehre 
gereichten, so müssten sie erwidern, dass sie nicht minder, wie 
ihre Voreltern, geneigt seien, in allen zeitlichen Dingen kaiser- 
licher Majestät mit Darbietung von Leib und Gut allen schul- 
digen Gehorsam zu beweisen. Dass sie aber Unfrieden 
erzeugende Aenderungen vorgenommen hätten, möge doch der 
König und die kaiserlichen Commissäre nicht glauben ; in dem 
Aufruhr hätten sie sich vielmehr, wie offenbar sei, der Art 
gehalten, dass es dem ganzen Reiche erspriesslich gewesen sei. 



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1^9 

Was sie aber in Glaubenssachen gethan, damit meinten sie 
nicht anders gehandelt zu haben, als es ihnen ihr Gewissen 
durch die Lehre des h. Evangeliums zu verstehen gegeben 
habe. Sie wärai auch nicht geneigt, damit Aufruhr oder 
Empörung zu machen, sondern viehnehr solche zu ver- 
hindern. Davon abzustehen aber wüssten sie ohne Ver- 
letzung ihres Gewissens nicht, wollten vielmehr in Glaubens- 
sachen dem heiligen Evangelium folgen. Dagegen seien 
sie gerne erbötig. Alles zu fördern, was zu Friede und 
Einigkeit dienen könne und namentlich wollten sie sich auf 
einem christlichen Concile, um dessen baldige Berufung sie 
bäten, gerne weisen lassen. Auch jetzt auf dem Reichstage 
wollten sie sich in den Berathungen üb^ das Ausschuss- 
bedenken so halten, dass von ihnen alles dem Frieden 
Dienende gefördert werden solle. Das bäten sie kaiserlicher 
Majestät anzuzeigen, ihre Antwort aber, wie dieselbe gemeint 
sei, gnädig aufzunehmen. 

Auf diese freimüthige Antwort Hessen die kaiserlichen 
Gommissäre die Botschafter aus dem Audienzsaale abtreten, 
um sich mit einander in Kürze zu bereden. Als diese wieder 
eingelassen wurden, erklärte ihnen Pfalzgraf Friedrich, die 
kaiserlichen CJommissäre hätten ihren Vorhalt diesen Städten 
zu Gnaden und in allem Guten gemacht, damit sie sich bei 
den Berathungen auf diesem Reichstage danach zu richten 
wüssten. Dass sie sich, wie ihre Voreltern, gehorsam halten 
wollten, werde der Kaiser in Gnaden annehmen; der König 
versehe sich aber zu den Städten, dass sie auch jetzt auf dem 
Reichstage sich durch rasche Förderung der in der Instruction 
enthaltenen Artikel bei den Verhandlungen so halten würden, 
dass der König ihren Gehorsam gegen den Kaiser daraus zu 
erkennen vermöge. Hierauf ergriff noch König Ferdinand 
selbst das Wort, um »unverständlich genug und hitzige, wie 
Ehinger schreibt, die Botschafter aufzufordern, im eigenen 
Interesse ihrer Städte sich so zu halten, dass der König ihrd 
Sache bei dem Kaiser fördern und der Reichstag bald zu 
Ende gehen könne. Sturm erklärte sodann nochmals Namens 
der Städte, dieselben wollten sich in allen Stücken unterthänig 
halten, damit seine Majestät an ihnen Wohlgefallen habe; 



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170 

aber in Glaubenssachen könnten sie sich nicht anders halten, 
als ihr Gewissen sie weise. Hierauf entfernten sich die Bot- 
schafter dar Städte. *) 

Vorläufig aber blieben die Bemähungen, die Städte von 
einander zu trennen, ohne Erfolg. Noch bewahrten dieselben 
trotz dec gedachten EinschflcUterungsyersuche ihre Einigkeit. 
Noch hatte, wie Fürstenberg am 7. April nach Frankfurt 
schrieb, »der mehrere Theil der Städte des Artikels den Glau- 
ben betreflfend grosse Beschwerung und war denselb«! aus 
vielen Ursachen anzimehmen nicht gemeint.€ Auch den nicht 
evangelischen Städten erschien doch da: den Glauben be- 
treffende Artikel, namentlich wegen des erwähnten auf die 
geistliche Obrigkeit zu deutenden Passus, unannehmbar. »Was 
Gutes daraus entstehen sollte, hat ein jeder Verständige zu 
ermessen.€ So schrieb damals der besonnene Fürstenberg, 
und selbst der so vorsichtige Herwart von Augsburg erklärte 
noch in einem Briefe vom 5. April die Bestimmungen des 
Bedenkens über Sacrament, Messe, Prediger und Presse für 
unleidlich. »Denn so wir des Glaubens itzo eins wären, be- 
dürften wir keines Gonciliums.c*) Die entschiedener evange- 
lischen Abgeordneten aber munterten sich gegenseitig auf, wo- 
bei auch die evangelischen Fürsten, namentlich Landgraf 
Philipp, häufigen vertrauten Verkehr mit den bedeutenderen 
Städtegesandten pflogen. »Wer mich bekennet vor den Men- 
schen, den will ich bekennen gegen meinen himmlischen Vater.« 
An diese Worte Christi erinnerte Ehinger häufig die Städte- 

^) Die obige Darstellung gründet sich ausser auf die kurzen 
Berichte Sturms vom 4. April bei Jung XIX und Ehingers vom 
6. April in den ürk. d. schw. Bandes ü, 340 auf den ausführ- 
licheren der Nördlinger Gesandten in Beilage 19, endlich auf die 
sehr eingehenden Heiibronner Akten im k. würtemb. Staatsarchive, 
sowie einen Bericht der Augsburger Abgeordneten vom 4. April 
im dortigen Stadtarchive. Aach ein Brief Fttrstenbergs vom 7. 
April im Frankfurter städtischen Archive gibt eine ziemlich genaue 
Erzählung dieser Begebenheit. Sleidan (üb. 6, num. 34) nnd nach 
ihm Bncholts DI, 395 gibt irrthttmlich den 5. April als Tag der 
Vorforderong der evangelischen Städte an. 

^ Augd>urg€»r städtisches Archiv. 



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171 

gesandten.*) Auch fehlte es denselben keineswegs an der Zu- 
versicht, dass ihre gute Sache durch Gottes Gnade den Sieg 
erhalten werde. »Ich habe Bedauern mit unsern Wider- 
sach^nc, so schrieb Pfarrer am 8. April nach Strassburg. 
>Denn wenn sie sich nicht bekehren werden und das Volk 
ledig lassen, das der Wahrheit begehrt, werden sie wie Pharao 
im rothen Meer ertrinken. Der Gtott, der die Kmder Israel 
erhalten hat, der wird auch uns durch Jesum Christum, unsern 
Heiland, so wir fest an ihn glauben und bei seinem Worte 
bleiben, erhalten.c Er fügte bei, dass auch etHche Fürsten 
und Andere dieses »gtrten und fröhlichen Gremüthesc seien. ^) 
Auf die bei der damaligen politischen Sachlage vorhandenen 
Aussichten auf eine Besserung der Lage der Evangelischen 
wies Landgraf Philipp in vertraulichen Gesprächen mit Besserer 
hin. Schon damals dachte Philipp ernstlich an die Zurück- 
führung des vertriebenen Herzogs Uhrich von Würtemberg in 
seine Herrschaft. »Er ist gut auf dem Evangelioc, sagte er zu 
Besserer, »und führte dann auch noch der Teufel den Mark- 
grafen aus der Mark (Kurfürst Joachim) hm oder dass mein 
Schwäher (Herzog Georg von Sachsen) stürbe, die haben Beide 
Söhne, die sind evangelisch, so wollten wir den Pfaffen unter 
die Augen kommen, dass sie froh würden, dass sie uns bldben 
liessen. Es ist ja Narrenwerk ihr Ding und unser eines ist 
so gut, als ihrer zehn.c«) 



') Urk. des schw. Bandes 343. Vergl. auch 8. 341. 

^ Jung XXV. 

^) S. Keim in dor Ref. der Reichsst. Ulm 159 nach Briefen 
Besserers im Ulmer Archive. Die Bemühungen des Landgrafen zu 
^Gunsten des Herzogs Ulrich waren in Speier noch friedlicher Natur. 
Er veranlasste den Kurfürsten Ludwig von der Pfalz, den König 
Ferdinand in seinem Namen darum zu bitten, dem Herzoge Ulrich 
unter bestimmten Bedingungen seine Lande zurückzugeben. Der 
KShig schlug das aber rundweg ab. Im k. bair. geh. Staatsarohive 
(KurpfUlzische Akten, ^^^/i) ist noch ein hierauf bezügliches Schrei- 
ben des Landgrafen d. d. Darmstadt 27. April vorhanden. In einer 
Antwort vom 28. April aus Heidelberg erklärt sich Kurfürst Ludwig 
trotE des ungünstigen Erfolges seiner Bemühungen zu Speier doch 
bereit, »die Sache femer zu fördern.« In einem dritten Schreibeu 



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172 

Auch an einer förmlichen Uebereinkunft der evangelischen 
Fürsten mit den Städten wurde in diesen Tagen nicht ohne 
Erfolg gearbeitet. Schon vor der öffentlichen Verlesung des Aus- 
schussbedenkens war von einigen Käthen evangelisdier Fürsten, 
die von demselben Eenntniss erhalten hatten, am 1. April ein 
ausführliches Gutachten über das den Ausschussanträgen gegen- 
über von den evangelischen Fürsten einzuhaltende Verfahrai 
abgefasst und dem Kurfürsten von Sachsen, den Käthen des 
Herzogs von Jülich und der Herzoge von Lüneburg, des Mark- 
grafen Georg und Landgrafen Philipp, sowie den Gesandten 
der Städte Strassburg, ühn, Augsburg und Nürnberg mitgetheilt 
worden, welche letzteren auf die anderen Städte im Sinne des 
Gutachtens einzuwirken gebeten wurden. Dasselbe v^langte 
mit Entschiedenheit und unter ausführlicher Begründung, dass 
sich die evangelischen Stände auf keine Weise von dem vorigen 
Speierer Abschiede sollten drängen lassen. Eursachsen, Lüne- 
burg, Brandenburg und Hessen, sowie Strassburg und Nürn- 
berg erklärten sich auch sofort damit einverstand^i. Dagegen 
erklärte der Graf von Oberstein, wie schon (S. 66) erwähnt, 
er hänge zwar für seine Person dem Worte Gottes an, habe 
aber von dem Herzoge von Jülich Befehl, bei der Mehrheit zu 
bleiben. Die Gesandten von Ulm und Augsburg aber standen 
vorerst noch im Zweifel, Letztere, weil sie, wie Herwart am 
5. April schreibt, sich zwar »von jenen Fürsten, sowie von 
Nürnberg und Strassburg ungern sondern und doch der Schärfe 
nicht gerne gebrauchenc wollten. Dennoch blieben jene An- 
strengungen nicht ohne Erfolg, und wenn auch ein formeller 
Vertrag der evangelischen Stände jetzt nicht zu Stande kam, 
so trugen diese Verhandlungen doch ohne Zweifel nicht wenig 
dazu bei, die Botschafter der evangelischen Städte zu entschie- 
denem Auftreten aufzumuntern.^) 

vom 27. Jani 1529 aus Friedewald setzt der Landgraf den Kor- 
ftlrsten in Kenntniss, dass der Kurfürst von Sachsen, Herzog 
Heinrich von Brannschweig nnd er jetzt eine Fürbitte fUr Herzog 
Ulrich an den Kaiser selbst richten wollten, and bittet Ludwig, 
diese „Vorschrift*^ ebenfalls zn unterzeichnen. 

') 8. das Schreiben der Augsbarger Abgeordneten vom 5. April 
im dortigen Stadtarchive. Vergl. Keim, schwäb. Bef« 97 f. Keim 



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173 

So konnte es geschehen, dass die Besorgniss, welche 
Ehmger am 6. April aussprach,*) »wenn es zum Treffen komme, 
würden viele der Städte vom Haufen weichenc, sich jetzt noch 
nicht erfüllte. Noch an demselben Tage traten die Städte- 
gesandten zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, in welcher 
sie das Ausschussbedenken nochmals verlesen Hessen und dann 
dem früher von ihnen bestellten Ausschusse übergaben. In 
diesem wurde eine Seitens der Städte an die gemeinen Stände 
einzureichende Supplication beschlossen, welche in einer Tags 
darauf, Mittwoch den 7. April, stattfindenden weiteren Ver- 
sammlung aller Städtegesandten von diesen einmüthig gebilligt 
wurde. Nur vier oder fünf Städte, — die Augsburger Ge- 
sandten nennen Esslingen, Ueberlingen, Rottweil und Hagenau 
— erklärten, der erste auf den Glauben bezügliche Theil der 
Supplication könne, da ihnen das Bedenken des Reichsaus- 
schusses nicht beschwerlich sei, ihrethalben »in Ruhe stehen«, 
liessen sie sich aber in ihren anderen Theilen gefallen. Am 
folgenden Tage, Donnerstag den 8. April, wurde dann die 
Supplication den beiden fürstlichen Ständen zur Erwägung 
übergeben, welche auf dieselbe zunächst nur antworteten, da: 
grosse Ausschuss werde nochmals über die Frage berathen. 
Wenn dessen Verhandlungen beendigt seien, so werde man 
auch auf das Anbringen der Städte antworten.') 



gibt als Tag der Mittheilnng dieses Gutachtens den 4. April an. 
Mir scheint das hier erwähnte Gutachten identisch zu sein mit dem 
in den Brandenburger Reichstagsakten des k. Kreisarchivs Bamberg 
8ub Num. 11 vorhandenen Bedenken unter der üeberschrift: ^Der 
Sechsischen vnd hessischen rethc erster ratschlag vff der kaiserlichen 
Commissarien fiirhalten.* 

') Urk. des schw. B. 341. 

^ Diese Darstellung stützt sich auf einen Bericht der Angsbnrger 
Gesandten vom 8, April im dortigen Stadtarchive und das von Jung 
(S. XXVI) abgedruckte Schreiben Sturms und Pfarrers vom 9. April. 
Vergl. auch den Brief Wiedemanns vom 9. April in Beilage 19 ; derselbe 
gibt aber, abweichend von den anderen Berichten, als Tag der üeber- 
gabe der Supplication an die Stände irrthttmlich den Mittwoch an, an 
welchem die Uebwreichung nur beschlossen wurde. Dass die Stftdte 
ihr Anbringen in Form einer Supplication Übergaben, erklärt sich 



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174 

Die von den Städten eingereicfatef ziemlich ausführliche 
Supplication ist von Jung im Wortlaute abgedruckt. In der- 
selben erklären die Städte, obwohl sie bereit seien, den Ge- 
boten des Kaisers als ihres allergnädigsten Herrn und obersten 
Hauptes in allen möglidien und billigen Dingen zu willfahren, 
so befänden sie doch, dass die in dem Ausschussgutacbten 
beantragte Aufhebung des vorigen Speierer Abschieds nicht 
zu Frieden, sondern zu Zertrennung dienen müsste. Der vorige 
Speierer Abschied sei zur Verhütung von Empörungen, wie sie 
vor demselben stattgefunden hätten, beschlossen worden, weil 
eine definitive Bestimmung über den Glauben damals nicht 
beschlossen werden konnte, und habe seinen Zweck erfüllt, 
indem seitdem in der That keine Empörung mehr stattgefun- 
den habe. Wenn der Kaiser nun im Ausschreiben zu dem 
gegenwärtigen Reichstage zu berathen gebiete, wie die Irrung 
des Glaubens bis zu einem Concile zur Ruhe gestellt und 
Friede erhalten werde, so wollten auch die Städte dem unter- 
thänigst nachkommen, wüssten aber zu diesem Zwecke nichts 
Besseres vorzuschlagen, als bei den bewährten Bestimmungen 
des Speierer Abschiedes zu bleiben. Wollte man statt dessen 
jetzt in diesen »geschwinden Zeitenc endliche (definitive) Be- 
stimmungen über den Glauben treffen, so müssten daraus un- 
zählige Beschwerden erfolgen. Viele Botschafter der Städte 
könnten es gegen ihre Obern nicht verantworten, wenn sie in 
irgend eine Bestimmung über den Glauben ausserhalb eines 
General- oder Nationalconcils einwilligten, auch abgesehen da- 
von, dass solche bei ihren Unterthanen ohne Zerrüttung gar 
nicht durchgeführt werden könnten. Desshalb bäten die Städte, 
bei dem letzten einmülhig beschlossenen und von den kaiser- 
lichen Commissären gutgeheissenen Abschiede um so mehr zu 
bleiben, als derselbe nicht bis zu einem künftigen Reichstage, 
sondern bis zu einem Concile bewilligt wurde. Gewiss würde 



aus don oben (8. 112 f; vdrgl. auch das S. 88 Bemerkte) goschil- 
derten herk^^mmlicben Formen der Berathangen, nach welcher es 
den Städten nur auf diese Weise möglich war, anf die Berathongen 
der Fürsten noch vor Fassung eines Beschlusses durch dieselben 
einzuwirken. 



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176 

d^ Kaiser und seine Commissäre, wenn sie davon genugsam 
unterrichtet wären, mehr Gefallen tragen, den vorigen Abschied 
bestehen zu lassen, als andere beschwerliche Bestimmungen 
an seine Stelle zu setzen. Die Kurfürsten und Fürsten möchten 
das doch gnädig beherzigen und bei den oft gedachten Fest- 
setzungen des Speierer Abschieds über den Glauben bleiben. 
Die Artikel in dem Bedenken über Wiedertaufe, Predigt und 
Druck wollten sich die Städte gefallen lassen. In den Be- 
stimmungen über Entziehung der Obrigkeiten, Güter, Renten, 
Zins und Herkommen aber seien die Worte Obrigkeit^fi und 
Herkommen missverständlich (»disputirlichc) und es bleibe 
darum auch hier am besten bei der Vorschrift des letzten 
Speierer Abschieds, dass Niemand den andern seiner Städte, 
Flecken, Zins, Renten oder Gülten u. s. w. entsetzen solle. 

Betreffs der eilenden Hülfe sei man, sofern der vwige 
Artikel so erledigt wäre, dass man daraus vernehmen könne, 
wie einer neben dem andern in Frieden bleiben möge, gerne 
erbötig, das Seine zu thun. Nur bäte man, zu den 10 Fürsten 
und Reghnentsräthen auch zwei Städte zu verordnen, da die 
Reichsstädte in Hülfsgeldem nie die wenigsten seien. Ebenso 
bäten die Städte, zwei von ihren Abgeordneten den sechs von 
den Kreisen zu bestimmenden Kurfürsten und Fürsten beizu- 
geben, welche zur Prüfung der Anschläge für die einzelnai 
Stände verordnet werden sollten. Gegen den Antrag betreffs 
der beharrlichen Hülfe sei von den Städten nichts zu erinnern. 
Mit den Anträgen über die Unterhaltung des Regiments und 
Kammergerichts seien die Städte ebenfalls einverstanden und 
würden, wenn sie der oben gedachten Beschwerden entledigt 
seien, an sich keinen Mangel erscheinen lassen. Die Visitation 
des Kammergerichts hielten auch die Städte für nothwendig, 
bäten aber unterthänig, die Visitatoren aus allen Ständen zu 
entnehmen.*) 

Soweit die Eingabe der Städte, wie sie am 8. April den 
beiden fürstlichen Collegien überreicht wurde. Mittlerweile 
hatten diese ebenfalls in zwei Sitzungen, wekhe gleich denen 
der Städte Dienstag den 6. und Mittwoch den 7. April und 



*) Jung XXVm flf. 



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176 

ohne Zweifel dw herkömmlichen Ordnung nach von den t^idai 
Collegien in gesonderten Berathnngszimmem gehalten worden 
waren, über das Gutachten des Ausschusses berathen. Uiet 
aber, wo die Geistlichen die Mehrheit hatten, kam man zu 
einem anderen Beschlüsse, als bei den Verhandkmgen der Städte. 
In beiden Collegien erklärte sieh die Mehrheit mit den Anträgen 
des Ausschusses einverstanden. Als aber in dem Kurfürsten- 
collegium Johann von Sachsen, in dem fürstlich^i Mai^graf 
Geoi^, welcher am 3. April angekommen war, Landgraf Phi- 
lipp, Fürst Wolfjgang von Anhalt und für die noch abwesenden 
Herzoge von Lüneburg deren Kanzler Dr. Förster nebst euiigc« 
anderen in den Akten nicht benannten sich dagegen beschwer- 
ten *) und erklärten, sie würden sich von dem vorigen Speierer 
Abschiede nicht dringen lassen, beschlossen beide Stände, die 
Sache dem Ausschusse zu nochmaliger Erwägung und Milderung 
einiger Ausdrücke, doch mit der ausdrücklichen Bestimmung 
zurückzugeben, dass der »Substanz« des Ausschussgutachtens 
damit nichts benommen würde* ^) An diesem Beschlüsse, das 
Gutachten dem Ausschusse zurückzugeben, hatten ohne Zweifel 
die bis dahin vermittelnden Stände, namentlich der Kurfürst 



*) Att Tage vor der ersten dieser Sitzungen ist wohl das 
Gutachten verfasst worden, welches sich unter der UeberschHfk: 
„Was die Seohsisehen und hessischen rethe vff des anaschas begriff 
weiter bedacht haben" in dem brandenburgischen Theile des k. 
Kreisarohivs Bamberg findet. In demselben wird beantragt, jeder 
der evangelischen Stände aolle „morgen nnter den Stenden" seine 
Beschwerden vortragen und begehren, dass es bei dem vorigen 
Speierer Abschiede gelassen werde. Nöthigenfalls könne man auch 
eine Erläuterung desselben zugeben, „so es anders ain erklerung 
vnd nit ain gentzUch vffhebung." Man solle dabei zugleich sich 
bereit erklären, wenn die Beschwerden hinsichtlich des Glaubens 
beseitigt würden, auch in der Türkenhülfe und der Erhaltung des 
Regiments und Eammergerichts das Seine zu thun. Durch letztere 
Andeutung hofften die Käthe die Mehrheit dazu bewegen zu können, 
„dass sie die vorgemelten beschwerungen werden müssen zw gemut 
fassen". 

^ S. den Bericht der Strassburger Abgeordneten vom 9. April 
bei Jung XXVI. 



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177 

von der Pfalz und Markgraf Philipp von Baden wesentlichen 
Anthcil. Ersterer hatte noch in einer Sitzung seines Geheime- 
raths vom 1. April Fleckenstein beauftragt, im Ausschusse 
darauf hinzuweisen, dass einzelne Punkte m dem Gutachten 
ihm beschwerlich seien, und seine Zustimmung zu demselben 
schliesslich nur in der Weise ausgesprochen, »dass, was ge- 
meine Stände für nützlich und gut ansehen, an ihm auch 
kein Mangel sein sollte«. In einer weiteren Berathung mit 
seinen Käthen vom 6. April beschloss er, den Ständen die 
Aenderung zweier schon im Ausschusse von seinem Vertreter 
beanstandeten Punkte in dem Gutachten vorzuschlagen und 
demgemäss bezüglich der Messe zu begehren, dass »auch 
Niemand gezwungen wwde, Mess zu hören, um Friedlebens 
willen«, und in dem Passus wegen der Entwehrung von 
Obrigkeiten und Herkommen »den Punkt so zu deutschen, dass 
er nicht auf die alten Missbräuchc gezogen werden könne«. 
Dem Verlangen des Kurfürsten, diese Punkte im Ausschusse 
nochmals zu erwägen, konnte die katholische Mehrheit der 
Stände um so leichter nachgeben, als sie unschwer zu er- 
kennen vermochten, dass der Widerstand des allgemein be- 
liebten Kurfürsten Ludwig kein sehr nachhaltiger sein werde.*) 
So trat denn der Ausschuss Donnerstag den 8. April und 
Freitag den 9. April Morgens wieder zusammen, um über 
etwaige Aenderungen an dem Gutachten zu berathen. Doch 
Hess sich derselbe, wie bei seiner Zusammensetzung voraus- 
zusehen war, nicht dazu herbei, irgend wesentliche Aende- 
rungen zuzugestehen. Die Hauptpunkte des Gutachtens wurden 
wörtlich beibehalten, die Wünschendes Kurfürsten Ludwig 
aber insoweit berücksichtigt, dass in dem die Messe 
betreffenden Artikel die Worte »noch dazu« beigefügt 
wurden, so dass derselbe nunmehr lautete : »auch Niemand an 

^) S. in den oft erwähnten »Bed. vnd Eathscbl. Verzeichn.« 
des k. b. geh. Staatsarchivs die Notizeu ttbor die karpfälzischen 
Gehoimerathssitzangen vom 4. p. pasche (I.April) umi 2. p. quasi- 
modogeniti (6. April). In der Sitzung vom 6. April wnrde dem 
Wunsche auf Aenderung des Beschlusses über die Messe bereits 
der Znsatz beigefügt: „Wo es die anderen, wie ob, steen lassen, 
hat myns gn. hm halben kein nort/ 

12 



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178 

den Orten, da die neue Lehre überhand genommm, die Messe 
zu hören verboten, verhindert noch daeu oder davon gedrungen 
werde.« Da sich diese Bestimmung aber nur auf evangelische 
und nicht auf katholische Gebiete bezog, eine evangelische 
Obrigkeit aber ohnehin nicht daran denken konnte, ihre Unter- 
thanen zum Besuche der Messe zu zwingen, so war dies Zugeständ- 
niss ohne jede praktische Bedeutung. Die dem Kurfürsten an- 
stössigen Worte Obrigkeiten und Herkommen aber wurden weg- 
gelassen und statt dessen ein Artikel aufgenommen, dass keiner von 
geistlichem und weltlichem Stande den andern Glaubens halber 
vergewaUigenj dringen oder iibereiehen, noch auch seiner Renten^ 
Zins, Zehenden oder Oüter entwehren, dessgleichen auch, dass keiner 
des anderen Unterthanen des Glaubens halb in besonderen Schutz 
wider ihre Obrigkeit nehmen solle, aües bei Strafe des eu Worms 
aufgerichteten Landfriedens, Weitläufig wurde dann beigefugt, 
wie im Falle des Ungehorsams gegen Uebertreter verfahren 
werden und ein Stand dem andern zu Hülfe kommen sollte. 
Mit diesem Beschlüsse erklärte sich dann die Mehrheit 
des Ausschusses einverstanden. Die vermittelnden Glieder des- 
selben mochten wohl glauben, damit, dass die geistliche Juris- 
diction nicht ausdrücklich wiederhergestellt und das Verbot 
der Vergewaltigung des Glaubens wegen ein gegenseitiges war, 
schon viel erreicht zu haben. Vergeblich erklärten Kurfürst 
Johann, Sturm und Tetzel im Ausschusse, darein nicht willigen 
zu können, und begehrten immer wieder, dass man bei dem 
vorigen Abschiede bleiben solle; eine etwaige Interpi-etation 
desselben, welche seinen Inhalt nicht beeinträchtige, wollten 
sie sich gerne gefallen lassen. Alle ihre Bemühungen blieben 
vergeblich; die Mehrheit blieb bei ihren Beschlüssen und liess 
dieselben an die gemeinen Stände gelangen. 

14. Die Sitzungen der Stände vom 10. und 12. April. 
Beschwerde der evangelischen Ffirsten nnd Stände. 

Auf Samstag den 10. April wurde eine neue Sitzung 
aller Stände anberaumt, um den Bericht des Ausschusses über 
die von ihm vorgeschlagenen Aenderungen entgegenzunehmen. 
In derselben erschienen auch der kaiserliche General-Orator, 



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179 

Probst von Waldkirch, und Pfalzgraf Friedrich. Letzterer er- 
griff im Anfange der Sitzung das Wort und erklärte den ver- 
sammelten Ständen im Namen der kaiserlichen Commissäre, 
namwitlich des Königs Ferdinand, etwa Folgendes: 

Täglich kämen dem Könige Nachrichten zu, dass der 
Wfitherich, der Türke, sich auf das stärkste gerüstet habe und 
in Ungarn einzufallen im Begriffe stehe. Obwohl nun die 
kaiserlichen Commissäre nicht bezweifelten, dass die Kurfürsten, 
Fürsten und Stände allen Fleiss anwendeten, um ihre Berath- 
ungen baldmöglichst zu beenden, so wollten sie doch das aus- 
drückliche Begehren an die' Stände richten, ihre Beschlüsse 
über die m dem Reichstagsausschreiben enthaltenen Punkte 
zu beschleunigen, da die Sachen einen längeren Verzug nicht 
leiden könnten. — Weiter habe der König mit Missfallen ver- 
nommen, dass die ehrbaren Frei- und Reichsstädte eine Sup- 
plication an die gemeinen Stände gerichtet hätten. Das sei 
bisher auf Reichstagen nicht Herkommen gewesen und wider- 
streite der Ordnung. Die Städte hätten in den grossen Ausschuss 
zwei Vertreter entsendet, durch welche sie ihre Anliegen bei dem 
Ausschusse hätten vortragen können. Damit hätten sie sich billig 
genügen lassen sollen. Der König bitte desshalb die anderen Stände 
und versehe es sich zu den Kurfürsten und Fürsten, dass sie die 
von den Städten durch Einreichung ihrer Supplication versuchte 
Neuerung nicht gestatten würden. — Nachdem Pfalzgraf Friedrich 
dies vorgebracht hatte, verliess er mit Waldkirch den Saal. 

Doch die Städte waren nicht gewillt, solchen Eingriff in 
ihre Rechte ohne Einsprache zu lassen. Noch in derselben 
Sitzung erklärte Sturm als Wortführer derselben, sie hätten 
ihre Supplication mit den darin einverleibten Beschwerden aus 
triftigen (»furwendigen«) Ursachen an die beiden fürstlichen 
GoUegien eingebracht. Dass sie es aber gethan, bevor die 
fürstlichen Stände ihre Beschlüsse gefasst hätten, sei geschehen, 
damit ihre Elingabe vor solchem Beschlüsse erwogen werde 
und es nicht erst, nachdem ein solcher bereits gefasst wäre, 
zu Weitläufigkeiten komme. Die Eingabe der Städte sei also 
nicht geschehen, um die Berathungen des Reichstags zu ver- 
zögern, sondern vielmehr um dieselben zu beschleunigen. Die 
Kurfürsten und Fürsten erinnerten sich olme Zweifel, dass die 

12* 



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180 

Städte schon bei früheren Reichstagen ihre Beschwerden 
supplicationsweise vorgetragen hätten und mit denselben gnä- 
dig gehört worden seien. Das Einreichen der Supplication sei 
also keine Neuerung. Die Städte hätten allzeit dem Kaiser 
und dem Reiche auf Vorforderung zu Reichstagen u^terthänig- 
sten Gehorsam geleistet. Nachdem sie nun auch auf diesen 
Reichstag. beschrieben worden seien, um gleich allen anderen 
Reichsständen zu berathen und beschliessen, bäten sie, ihre 
Supplication nicht missfällig aufzunehmen, sondern die darin 
erhobenen Beschwerden gnädig zu erwägen. — Eine schrift- 
liche Eingabe gleichen Inhalts überreichten die Städte später 
»supplicationsweise« dem Könige Ferdinand.^) 

Nach Entfernung der beiden kaiserlichen Commissäre 
wurden dann die von der Ausschussmehrheit beschlossenen 
Aenderungen an dem Bedei^en in der Glaubensfrage zur 
Kenntniss der versammelten Stände gebracht tmd ihnen anheim- 
gegeben, von diesen Aenderungen Abschrift zu nehmen und 
dieselben in weitere Erwägung zu ziehen. In einer folgenden 
Sitzung sollte dann über die Ausschussanträge endgültiger 
Beschluss gefasst werden. Doch erhob sich sofort nach Ver- 
lesung dieser Anträge ein Rath des Kurfürsten Johann von 
Sachsen, um im Auftrage und Beisein seines Herrn unter 
Berufung auf seine schon im Ausschusse abgegebenen Erklär- 
imgen gegen die etwaige Annahme desselben zu protestiren, 
da der Kurfürst nicht gewillt sei, von dem vorigen Speierer 
Abschiede abzustehen. Wollte aber Jemand den Kurfürsten 
desshalb beschuldigen, so gedenke er, obwohl er mit Leuten 
dazu nicht gefasst sei, das zu verantworten.") 

Im weiteren Verlaufe dieser Sitzung brachte der Mainzer 
Kanzler Dr. von Westhausen auf Bitte der herzoglich säch- 
sischen Räthe die Instruction zur Verlesung, welche Herzog 
Georg diesen hatte zugehen lassen. Dieselben erschienen wegen 

*) S. den Bericht der beiden Heil bronner Abgeordneten vom 
12. April und die Relation derselben über den Reichstag im k. 
wUrtemb. Staatsarchive. 

') Schreiben Fflrstenbergs vom 11. April im Frankfurter 
Stadtarchive. Vergl. auch den erwähnton Bericht der Heilbronner 
Abgeordneten vom 12. April. 



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181 

des schon (S. 64) erwähnten Streites mit Baiem über die dem 
Herzoge zustehende Session nicht selbst in der Sitzmig und 
wollten nun auf diese Weise noch auf die Beschlüsse des 
Reichstages möglichst emwirken. In dieser Instruction wies 
Herzog Georg zunächst darauf hin, dass er beabsichtigt habe, 
den Reichstag persönlich zu besuchai, und desshalb zu Speier 
bereits Herberge habe bestellen lassen, aber nun wegen Leibes- 
schwachheit nicht habe kommen können. Bezüglich der drei 
im Ausschreiben enthaltenen Artikel erklärte er zunächst, er sei 
nicht gewillt, irgend welche Hülfe gegen die Türken bewilligen 
zu lassen, wenn ihm nicht die Session vor den beiden Herzogen 
von Baiem zugestanden würde. Den Glauben betreffend, sehe 
er die baldigste Berufung eines General-Concils für ganz noth- 
wendig an; dagegen gedenke er einem National-Concil nicht 
zuzustimmen, da von einem solchen bei dem jetzt bestehend^i 
Zwiespalte in deutscher Nation nichts Fruchtbares erwartet 
werden könne. Der Herzog sehe für gut an, dass man alle 
Ger^nonien wieder aufkommen lasse, die Klöster, Stifte und 
Bischöfe alle Mrieder restituire; es sei genug, wenn man die 
aus den Klöstern gelaufenen Mönche und Nonnen ungestraft 
lasse. Bezüglich der Unterhaltung von Regiment und Kammer- 
gericht meinte er, dieselben müssten bis zur Rückkehr des Kaisers 
nach Deutschland erhalten werden; wenn dies den Ständen 
aber zu beschwerlich wäre, so solle man vorschlagen, dass 
zwei Drittel der Kosten von dem Kaiser und nur ein Drittel 
von den Ständen getragen werden solle. Das wäre billig, weil 
dem Kaiser an der Erhaltung des Regiments besonders viel 
gelegen sein müsste. Es sei nicht gut, wenn die Reichsver- 
waltung in Abwesenheit des Kaisers wieder an das Reichs- 
vicariat käme. In Verhandlungen über weitere im Reichstags- 
ausschreiben nicht berührte Gegenstände waren die Gesandten 
des Herzogs sich nicht einzulassen beauftragt.^) 

Soweit die Instruction des Herzogs Georg, aus welcher 
zu ersehen ist, dass es nicht an Ständen fehlte, welchen die 
Anträge des Ausschusses in den Glaubensangelegenheiten noch 



') 8. das Schreiben Fflrstenborgs vom 11. April im Fraok* 
f arter Archive, 



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182 

zu milde schienen und die sich nicht damit begnügten, den 
Evangelischen die Duldung der Messe aufzuerlegen, ihnen im 
Uebrigen aber unter gewissen Bedingungen vorläufig noch die 
Beibehaltung der Neuerungen zu gestatten, die vielmehr aus- 
drücklich die Wiederaufrichtung aller Ceremonien geboten 
wissen wollten. Unter den geistlichen Standen waren in der 
That nach Fürstenberg's Meinung manche gleicher Ansicht 
Andererseits beweist jene Instruction auch, wie wenig man 
berechtigt ist, den Evangelischen einen ernsten Vorwurf daraus 
zu machen, dass sie die Bewilligung der Türkenhülfe von 
einer anderen Regelung der Religionsangelegenheiten abhängig 
machten. Oder wie könnte man das, wenn ein entschieden 
katholischer Fürst, wie Herzog Georg, in kerne Hülfe zu willigen 
erklärt, so lange nicht eine so unbedeutende Etikettenfrage, 
wie die über die Session vor oder nach den Herzogen von 
Baiem, in seinem Sinne entschieden ist? 

Nachdem in jener Sitzung noch Graf Georg von Wertheini 
eine ihrem Inhalte nach uns nicht weiter bekannte Supplication 
wegen gewisser Streitigkeiten mit dem Bischöfe von Würzburg 
den Ständen überreicht hatte, wurde die Sitzung geschlossen.*) 

Man kann sich denken, dass die erzählte schroffe Zurück- 
weisung der Supplication der Städte durch die kaiserlichen 
Commissäre die Botschafter derselben lebhaft erregte. So 
schrieb in diesen Tagen Ehinger voll Entrüstung, von den 
Städten wolle man viel Gelds haben, aber ihnen kein gutes 
Wort dazu geben. Fast scheine es, dass man aus der deutschen 
Nation Welschland machen und die Reichsstädte mit der Zeit 
zu völliger Leibeigenschaft bringen wolle. Die Städte hätten 
minderes Ansehen, als die Küchenbuben. ^) Bald genug sollte 
sich auch herausstellen, dass jene ungnädige Behandlung der 
Städte, obwohl viele derselben standhaft blieben, doch bei 
anderen ihren einschüchternden Eindruck nicht verfehlte. Hiezu 

^) S. Fttrßtenbergs Bericht vom 11. April, üeberhaupt gründet 
sich die oben gegebene Erzählung dieser in den bisherigen Darstellungen 
des Speierer Beichstags meist Übersehenen Sitzung auf jenen Brief 
und auf die erwähnten Berichte der Heilbronner Abgeordneten. 

^ Briefe Ehingers vom 12. und 15. April in den Urk. d. 
schw. B. n, 344 f. 



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183 

kam die persönliche Einwirkung, welche von vielen Gliedern 
der Reichstagsmehrheit auf die Städte versucht wurde. Häufig 
wurden die einflussreicheren der Städtegesandten von Fürsten 
zu Gast geladen. Zwar bei dem grossen Bankett, welches 
König Ferdinand am 11. April trotz seines Geldmangels allen 
Fürsten gab,*) waren, wie es scheint, keine Botschafter von 
Städten anwesend. Aber bei anderen Gelegenheiten verkehrten, 
wie aus den Briefen der Strassburger Abgeordneten und Ehin- 
ger's ertiellt, die Fürsten der Mehrheit ziemlich vwlraut mit 
Städtegesandten. Namentlich scheint der gewandte Probst von 
Waldkirch, wie er Joh. Ehinger, Sturm und Pfarrer bei ver- 
schiedenen Veranlassungen zu Tische lud, so auch andere 
Städtebotschafter zu Gaste gehabt zu haben, wobei er gewiss 
nicht versäumte, dieselben unter gewinnenden Formen auf den 
Weg hinzuweisen, durch welchen sie sich die Gnade des 
Kaisers erwerben könnten. Nicht geringere Mühe gab sich 
Dr. Johann Faber, welcher namentlich mit den Abgeordneten 
der Städte Uel>erlingen, Rottweil und Ravensburg viel mnging. 
Und dass solche ESnwirkungen bei vielen ihr Ziel erreichten 
und die bis dahin äusserlich bewahrte Einigkeit der Städte 
endlich zerstörten, scheint uns weniger verwunderlich, als dass 
es gelungen war, dieselbe so lange aufrecht zu erhalten.') In 
der That Hessen sich bereits damals etliche Städtegesandten 
deutlich genug merken, dass sie sich bei den Beschlüssen des 
Ausschusses recht wohl beruhigen könnten.*) 



^) Ehinger am 12. April in den Urk. d. schw. B. ü, 344. 

*) Vwgl. hiezu die Briefe Ehingers in den Urk. d. schw. B. 11, 
339y 342 und 344, der Strassburger Abgeordneten bei Jung XXV und 
Fürstenbergs vom 15. und 17. April im Frankfurter Stadtarchive. 

^) Fürstenberg in seinem Briefe vom Samstag nach Miseric. 
Dom. (17. April) findet in diesem Verhalten einzelner Städte den 
Hauptgrund, dass man ihre Beschwerden so wenig berücksichtigte. 
Er schreibt, die Städte seien auf diesem Reichstage so ungeschickt 
aufgetreten, wie seit langer Zeit nicht. „Dan ich hab vff vorge- 
haltenen Beycfasdagen gesehen, wan nur zwo oder drey stet eyn 
beschwerde hatten, dass alle stett mit denselbigen eyn getrewlich 
mitleiden trugen, vnd eyn der ander derselbigen beschwerongen, so 
vil on ire nachteyl seyn mocht, abzuleynen gerettig wer. Aber 



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184 

In der nächsten, Montag den 12. April, Morgens sieben 
Uhr stattfindenden, Sitzung aller Stände sollte diese unter den 
Städten bestehende Spaltung offenbar werden. In derselben 
genehmigten zunächst die beiden fürstlichen CoUegien nach 
der (S. 112 f.) geschildertai Ordnung gegen den Widerspruch 
der evangelischen Fürsten das Ausschussgutachten über die 
Glaubensfrage mit den in der vorausgehenden Woche vom 
Ausschusse beschlossenen und am 10. April den Ständen vor- 
getragenen Veränderungen. Sodann wurden die Gesandten der 
Städte vorgerufen und ihnen durch den Mainzer Kanzler dieser 
Mehrheitsbeschluss der fürstlichen Stände eröffnet. Kaum hatte 
Dr. Westhausen ausgeredet, so trat alsbald der Hofmeister des 
Kurfürsten von Sachsen hervor und erklärte den Städtegesandten, 
der Kurfürst von Sachsen^ Markgraf Georg von Brandenburg, 
der Landgraf von Hessen und der Fürst von Anhalt, die Ge- 
sandten des Herzogs von Lüneburg und des Bischofs von 
Paderborn und Osnabrück, endlich Graf Georg von Wertheim 
im eigenen und einiger anderen Grafen Namen hätten »aus 
bewegenden Ursachenc jenem Beschlüsse nicht zugestimmt 
und könnten in denselben nicht einwilligen.*) 

Die Städtegesandten begehrten auf diese Eiöffnung zur 
nochmaligen Verständigung mit einander einen kurzen »Bedacht«, 
welcher ihnen bewilligt wurde. Als sie sodann in den Sitzungs- 
saal zurückkehrten , konnte Jacob Sturm auf Grund des in- 
zwischen gefassten Beschlusses noch im Namen aller Reichs- 
städte die Bitte wiederholen, nochmals »ein gnädiges Elin- 
sehen zu haben« und es aus den in der Supplication dargelegten 
Gründen bei dem vorigen Speierer Abschiede bleiben zu lassen. 
Er fügte hinzu, dass, wenn die Stände auf ihrem Beschlüsse 
beharrten, viele Städte Gewissens halber und weil sie zur 
Empörung und Zerrüttung ihrer Polizei und bürgerlichen 
Wesens nicht Ursache geben wollten, sich beschwert fühlten 

ytz sejn vnser etlich, als man sagen will, vmbgelaufen vnd sich 
solchs artickels wol bemgig zu sejn verneinen lassen. Wo solchs 
nit bescbeben, wore ich zweyffels on, er were ferner gemiltert worden.*' 
^) Die Strassburger Gesandten am 13. April bei Jung XXXIV 
und XXXVI. Pürstenbergs Bi'ief vom 15. April. Bericht der Augs- 
burger Ge9aadtea vom 13. April. 



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186 

und keines Weges in denselben willigen könnten noch möchten. 
Man möge ihnen das nicht verdenken; in allen Duigen, welche 
nicht den Glauben und ihre Seele und Seligkeit beträfen, seiai 
sie willig, kaiserlicher Majestät allen schuldigen Gehorsam zu 
leisten und mit den anderen Ständen Alles zu fördern, was zu 
zeitlichen Frieden, Ruhe und Einigkeit im Reiche dienlich 
wäre. Gerne seien sie bereit, wenn die Fürsten die Namen 
dieser Städte wissen wollten, sie auf der Kanzlei oder wo man 
es sonst wünsche, anzuzeigen.^) 

Bis zu diesem Augenblicke hatte noch die Einigkeit der 
Städte äusserlich zusammmgehalten. Ihre alte bewahrte Regel, 
für die Beschwerden einzehier Städte gemeinsam einzustehen, 
war noch nicht durchbrochen worden. Jetzt aber wendete 
sich, während Sturm noch redete, der Gesandte von Rottweil, 
Conrad Mock, an einige katholische Stände und erklärte den- 
selben, was er und andere Städtegesandten sdion vorher in 
ihren Gesprächen mehrfach ausgesprochen hatten, öflfentlich, 
es seien auch viele Städte vorhanden, deren Meinung es nicht 
sei, jene Bitte zu stellen.^ »Solches ist geschehene, schreibt 
Mathis Pfarrer, »und auf den Tag ist die Sonderung unter den 
Städten vorgegangen. Das haben die Geistlichen bisher gesucht.« 
Und selbst der bedächtige Wiedemann®) sagt: »Liebe Herren, 
es geht ganz seltsam zu ; denn man untersteht sich, die Städte 
von einander zu dringen, wie denn geschehen ist« Auch der 
besonnene Frankfurter Abgeordnete Fürstenberg, welcher wohl 
nicht ohne Grund meint, es wären etliche Städte zu ihrem 
Verhalten in dieser Sache durch die freilich trügende Hoffnung 
auf Erleichterung in ihrem Anschlage zur Türkenhülfe bewogen 
worden, gibt seiner Entrüstung über das Verhalten dieser Städte 
offenen Ausdruck^) und fugt später hinzu: »Ich habe die 
Gesandten der Städte nie in grösserer Anzahl bei einander 

') Sturm und Pfarrer am 13. April bei Jung XXXIV. Vergl. 
die damit übereinstimmenden und theilweise ergänzenden Berichte 
des Frankfurter und der Augsburger Gesandten. 

*) Pfarrer am 13. April bei Jung XXXVI f. 

^ Beilage 20. 

^) In seinem Berichte vom 15. April. Vergl. »einen Brief 
vom 17. April. 



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186 

gesehen und doch daneben die Städte geringer und unrecht- 
licher bei anderen Standen nie gespart Welches Alles aus 
der Spaltung und 2^rtrennung der Städte entstanden ist, die 
yormals, als man sie für einig gehalten, nicht ein geringes 
Ansehen gehabt« 

So von dem unter den Städten bestehenden Zwiespalte in 
Kenntniss g^etzt, konnte die Mehrheit der Färsten und Stände, 
welche den Ausschussantrag angenommen hatte, bei ihrer 
nunmehr folgenden kurzen Berathung nicht im Zweifel über 
die den Städten zu ertheilende Antwort sein. Sie Hessen von 
denselben durch den Mainzer Kanzler begehren, diejenigen der 
Städte, welche sich gegen den Beschluss beschwerten, und 
diejenigen, welche ihn annähmen, sollten sich besonders an- 
zeigen. Als die Städtegesandten einwandten, etliche unter 
ihnen seien krank, andere aus anderen Gründen nicht anwesend, 
und sich erboten, am folgenden Tage dem Verlangen der 
andern Stände nachzukomm^, wurde ihnen diese Frist nicht 
zugestanden, sondern gefordert, dass die anwesenden Botschafter 
der Städte sofort, die abwesenden bis zwei Uhr Nachmittags 
ihre Erklärung abgäben. Nach kurzer nochmaliger Untoredung 
der Städtegesandten erklärte eine Anzahl derselben, den Ab- 
schied bewilligen zu wollen. Andere verzögerten ihre Antwort. 
Achtzehn Städte aber, die wir in dem folgenden Abschnitte einzeln 
aufführen werden, hatten den Muth, die feierliche Erklärung 
abzugeben, dass sie den Abschied nicht annehmen könnten.') 

Hierauf trat der kursächsische Rath Hans von Minkwitz 
hervor und bat Namens der gegen den Beschluss Beschwerde 
erhebenden Fürsten die übrigen Fürsten und Stände, sie möch- 
ten, damit sie erkenneten, dass die Ablehnung des Abschiedes 
durch die evangelischen Stände nicht »aus geringer Ursache, 
sondern aus hoher Nothdurft und tapferen Beschwerungen« 
erfolge, ihren schriftlich abgestatteten Bericht anhören, 
welcher ihre Gmnde zur Ablehnung des Abschiedes eingehend 
darlege. Er verlas sodann die später in die Appellationsurkunde 
einverleibte Beschwerde, von welcher Fürstenberg am 15. April 



') Pfarrer bei Jung XXXVII. 8. anoh die Scbreib^i Fürsten- 
bergs vom 15. und der Heilbronner Oesandten vom 12. April. 



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187 

nodi unter dem ersten Eindrucke ihrer Verlesung schreibt, 
es sei darin »die Sache mit höchstem Ernst weidlich und zum 
besten ausgestrichen.« ^) Dieselbe ist unterzeichnet von Kur- 
fürst Johann, Markgraf Georg, Landgraf Philipp, Fürst Wolf- 
gang von Anhalt tmd dem Lüneburger Kanzler Dr. Förster 
und hatte etwa folgenden Inhalt: 

Durch den Abschiedsentwurf des Ausschusses, wie er nun 
zweimal verlesen word^i sei, werde der letzte angeblich miss- 
brauchte Speierer Abschied nicht sowohl declarirt, als vielmehr 
gänzlich aufgehoben und abgethan. Alles das, was sie aus 
schuldigem Gehorsam gegen den verstorbenen und jetzt leben- 
den Kaiser zu halten verbunden gewesen seien und zu ihrer 
kaiserlichen Majestät und des Reiches Ehre, Wohlfahrt und Besten 
hätten thun sollen, hätten die genannten Fürsten und Stände mit 
ganz treuer, williger und bereiter Unterthänigkeit allweg der- 
massen gethan, dass sie »sonder Ruhm, auch ohne Jemandes 
Verkleinerung niemand in dem sonders zuvor zu geben wüssten«, 
wie sie denn auch femer durch Gottes Gnade in allen schul- 
digen und möglichen Dingen dem Kaiser, »Leibs und Guts un- 
gespart«, sich gehorsam und den Fürsten und Ständen freund- 
lich und willig halten wollten. Dies aber seien Dinge, welche 
Gottes Ehre und ihrer Seelen Heil und Seligkeit angingen, 
worin sie ihres Gewissens halber Gott vor Allem anzusehen 
verpflichtet seien. Sie zweifelten desshalb nicht, man werde 
sie entschuldigt wissen, wenn sie in diesem Stücke mit den 



^) S. das Schreiben FtLrstenbergs vom 15. April im Frank- 
furter Archive. Vergl. die Berichte von Sturm und Pfarrer vom 
13. April bei Jung XXXV und XXXVII. Dass Minkwitz bei dieser 
Gelegenheit das Wort führte, berichtet Fürstenberg ausdrücklich. 
Müller (S. 36) erzählt, Landgraf Philipp habe das gethan und da- 
bei bemerkt, dass er auch von dem Gesandten des Bischofs von 
Paderborn und dem Grafen von Wertheim zw der Erklärung er- 
mächtigt sei, sie willigten nicht in das Ausschussgutachten ein. 
Mir scheint sich dieser Widerspruch so zu lösen, dass Minkwitz in 
der Plenarversammlung aller Stände, der Landgraf aber in der 
unmittelbar vorausgehenden Sitzung der fürstlichen Collegien das 
Wort ftUirte und dabei jene Erklärung Namens des Bischofs von 
Paderborn und Grafen von Wertheim abgab. 



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188 

Uebrigen nicht einig wären und der Mehrheit nicht zu folgoi 
gedächten. Dass in Glaubenssachen ein Zwiespalt bestehe, sei 
nicht zu leugnen. Wodurch dersdbe verursacht worden sei, 
das wolle man dem Gerichte Gottes anheunstellen und hier 
nur an das erinnern, was auf dem Nürnberger Rdchstage d^n 
päbstlichen Legaten gesagt worden sei. Einhellig sei ein freies 
allgemeines Cioncil als bestes Mittel zur Beilegung der Zwietracht 
angesehen worden. Daraus gehe schon herror, dass es nicht 
am Platze sei, vor dem Concil die Lehre emes Theils zu v«-- 
urtheilen, da sich sonst Kaiser und Stände nicht so oft auf 
ein Ck)ncil berufen hätten. Der Eingang des Abschiedsent- 
wurfs sei so abgefasst, als hätten die evangelischen Fürsten 
bei seiner Abfassung mitgewirkt Sie könnten es aber in 
ihrem Gewissen nicht verantwortai, dass unter ihrer Mitent- 
Schliessung Jemand hohen oder niedem Standes von der von 
ihnen für göttlich und christlich geachteten Lehre abgesondert 
und an das Wormser Edict gebunden würde. Man müsste 
aus solcher Mitwirkung den Schluss ziehen, entweder sie hielten 
die bis jetzt für göttlich gehaltene Lehre nunmehr selbst für 
uncbristlich oder sie sähen doch zum mindesten die fraglidien 
Punkte nicht für nöthige Artikel im Glauben an, was doch, 
sie ¥mrden denn in emem künftigen Concile aus der Schrift 
anders belehrt, dieser Zeit ihre Meinung keineswegs wäre. 

Auch in den Punkt bezüglich der Messe könnten sie nicht 
willigen, da sie sonst damit erklärten, sie hielten die Lehren 
ihrer Prediger für imrecht, in welchen diese die Messe aus der 
h. Schrift widerlegt hätten. Es beflremde sie, dass man ihnen 
in Bezug auf Duldung der Messe bei ihren ünterthanen Vor- 
schriften machen wolle, während man sich doch bei den 
Gegnern eine ähnliche Einmischung kaum gefallen lassen wollte, 
obwohl diese leichter die auf Christi Einsetzimg beruhende 
christliche Nachtmahlsmesse zugeben könnten, als sie die der 
Einsetzung Christi zuwiderlaufende, nur auf Menschensatzung 
gegründete. Da hierüber auch auf dem Concile zu verhandeln 
wäre, so hätten sich die evangelischen Fürsten desto weniger 
versehen, dass eine derartige Bestimmung erlassen werde. 
Obwohl es am Tage liege, dass sie der Artikel betrefEs der 
Lehre vom Sacramente des Leibes und des Blutes Christi nicht 



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189 

betreffe, so hielten sie es doch nicht für zuträglich, den darauf 
sich bezi^enden Artikel in den Abschied aufzunehmen, da das 
kaiserliche Ausschreiben davon nichts melde, die, welche er 
angehe, nicht verhört worden seien, und dem künftigen Goncile 
damit vorgegriffen werde. Zur Erhaltung von Friede und 
Einigkeit werde der Entwurf nicht dienen, da er auf das 
Wormser Edict zurückkomme. Bisher schon trotz der Clausel 
des letzten Speierer Abschieds hätten sich einzelne Stände (die 
Bischöfe) unter Berufung auf dies Edict unterstanden, ihren 
Geistlichen ihre Einkünfte zu hemmen; das werde nach An- 
nahme des Entwurfs um so mehr geschehen imd wahrlich 
nicht zur Erhaltung der Einigkeit dienen, — Der Entwurf ent- 
halte überhaupt keine Erklärung, sondern eine Aufhebung des 
letzten Speierer Abschieds, in welche sie, nachdem derselbe 
durch die kaiserlichen Commissäre in Kraft kaiserlicher Voll- 
macht und durch die Stände einmüthig mit der Erklärung, 
denselben fest und unverbrüchlich zu halten, bewilligt worden 
sei, nicht zu willigen verbunden seien. 

Den letzten Speierer Abschied hätten sie weder selbst 
missbraucht, noch wüssten sie, wie er von Anderen zum 
Deckel neuer Lehren missbraucht worden sei. Wenn es aber 
dennoch geschehen wäre, so könne eine Erklärung desselben 
genügen und es sei nicht Noth, ihn aufzuheben. Sie hätten 
die Zuversicht, dass, wenn kaiserliche Majestät über die Rcligions- 
angelegenheiten recht berichtet worden wäre, er die Instruction 
zum Reichstage gar nicht erlassen hätte, welche zudem früher 
als das Ausschreiben ergangen wäre, in dem von einer Aende- 
rung des Speierer Abschieds keine Rede sei. Sie bäten dess- 
halb den Reichstag, Alles und namentlich diese Beschwerden 
der evangelischen Fürsten nochmals gründlich zu erwägen, es 
bei dem letzten Speierer Abschiede bewenden zu lassen und 
nicht durch Stimmenmehrheit einen einmüthig bewilligten und 
versiegelten Beschluss aufzuheben, wie sie denn auch einem 
derartigen Beschlüsse nicht stattzugeben gedächten noch schuldig 
seien. Die Artikel betreffs der Wiedertäufer, der Prediger und 
des Drucks hofften sie mit der Mehrheit vergleichen zu können. 
Die Beschwerdeschrifl schliesst mit der dringenden und in 
allen Formen der damaligen umständlichen Höflichkeit abge- 



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1% 

fassten Bitte, den evangelischen Fürsten unverzügliche, freund- 
liche und erspriessliche Antwort zukommen zu lassen. 

Nach Vorlesung dieser Beschwerde wurde die Sitzung vom 
12. April geschlossen. 

15. Verhalten der einzelnen Städte zu dem Beschlüsse der 

Stände vom 12. April. Anssohliessong Daniel Hiegs von 

dem Beichsregimente. 

Wir kommen nunmehr auf die Antworten zurück, welche 
in und nach der Sitzung vom 12. April durch die einzelnen 
nunmehr in dieser Frage gespaltenen Städte auf das Begehren 
gegeben wurde, sich über Annahme oder Nichtannahme der 
von der Mehrheit der beiden fürstlichen Collegien am 12. April 
gefassten Beschlüsse in der Glaubensfrage zu erklären. 

Zu den Beschwerde führende^ Städten gehörten die später 
protestirenden Städte Strassburg, Nürnberg, Ulm, Constanz, 
Memmingen, Lindau, Reutlingen, Heilbronn, Kempten, Isny 
und Windsheim, auch wohl Weissenburg und Sanct Gallen, 
ausserdem noch Frankfurt, dessen Gesandter Fürstenberg aber 
den anderen Städten sogleich bemerkte, dass er zu solcher 
Beschwerde von dem Rathe seiner Stadt keinen eigentlichen 
Befehl habe, ferner Groslar und Schwäbisch Hall, sowie wahr- 
scheinlich Biberach und Gingen, zu deren Vertretung ja die 
Ulmer Gesandten beauftragt waren. Unter den sofort ihre 
Zustimmung zu dem Abschiede erklärenden Städten befanden 
sich ohne Zweifel Hagenau, Colmar, Mühlhausen, Ueberlmgen, 
Ravensburg, Rottweil, Kaufbeuern, Esslingen, Donauwörth 
und Weil, von denen Ehinger schon vor ihrer förmlichen 
Entscheidung^) schrieb, dass sie »gar einer anderen Meinung 
seien und leicht annehmen würden, was man beschliesse.« 
Welche anderen Städte noch sogleich in der Sitzung dem 
Abschiede beistimmten, geht aus den uns zu Gebote stehen- 
den Quellen nicht bestimmt hervor. Bis zum Abende des 
folgenden Tages (des 13. April) hatten nach Sturm's Bericht ^) 



*) Am 12. April. Urk. des schw. B. II, 344. 
2) Jung XXXVI. 



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191 

21 Städte den Beschhiss bewilligt, ausser den oben genannten 
10 Städten noch Köln, Aachen, Metz, Oflfenburg, Wetzlar, 
Wimpfen, Wangen, Schweinfurt, Speier, Rothenburg a. T. 
und Dinkelsbühl. Ohne Zweifel gilt von manchen unter 
diesen das Urtheil Fürstenbergs, ^ dass von den Städten »ein 
Theil den Artikel fürwahr mehr aus Furcht, als gutem Willen 
angenommen« habe. Mehrere derselben gaben ihre Antwort 
indess nicht mehr in der Sitzung selbst ab oder versuchten 
zunächst ausweichende Antworten. So Rothenburg und Dinkels- 
bühl, welche in der Sitzung sagten, sie wollten ihre Antwort 
so lange als möglich verzögern, aber auch schon durchblicken 
Hessen, dass sie, wenn man sie zu einer Erklärung nöthigte, 
sich schliesslich für Annahme des Abschieds entscheiden würden. 
Die Gesandten von Aachen erklärten ihre Zustimmung erst, als 
König Ferdinand nach der Sitzung Nachmittags Dr. Beatus 
Weidmann zu ihnen sandte, um eine Erklänmg von ihnen zu 
fordern. Die Gesandten von Köln hatten, obwohl man da- 
selbst an dem katholischen Glauben festgehalten hatte, dennoch 
auf diese Aufforderung des Königs noch Montag Nachmittags 
ihren Widerspruch gegen den Artikel erklärt, widerriefen aber 
diese Erklärung bald und sprachen ihre Zustimmung zu dem 
Abschiede aus. ^) 

Andere Städtegesandten wussten ihre entscheidende Er- 
klärung noch mehrere Tage über den erwähnten zur Abgabe 
derselben bestimmten Termin zu verzögern. Zu diesen gehörte 
Jacob Wiedemann von Nördlingen, welcher zu dieser Zeit, da 
Stadtschreiber Mair Ende März wieder nach Nördlingen ab- 



^) In seinem Schreiben vom 12. April. 

^) Fttrstenberg am 15. April: „Vnd sein diess die statte, die 
sich des zwsjrten artikols den glauben betreffend beschwert haben, 
Collen, Strassbiu'g, Francfort, Nnrmberg, Vlm, Reutlingen, Qosslar, 
Hall, Heylpnm, Memmingen, Lindaw, Woinsaheim (Windsheim), 
Kempden, Tssni. Aber Collen ist nachmals zu den, so in solchen 
artickel bewilligt haben, gefallen." S. auch das Schreiben der 
Augsburger Gesandten vom 13. April: „Also tag nachmittag hat 
k. Mt. Dr. Batten zu vns etlichen stetten geschickt, nämlich ssu 
kellen, die haben den abschid widersprochen, zu den von ach, die 
nemen den abschid an etc." 



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192 

gereist war, seine Vaterstadt allein zu vertreten hatte. Der- 
selbe war in Folge der in jenen Tagen zu Speier herrschenden 
Fieberluft *) erkrankt und desshalb in der Sitzung vom 12. April 
nicht anwesend. Da er damals von dem Rathe der Stadt 
Nördlingen noch keine Instruction für sein Verhalten empfangen 
hatte, so war es ihm nur willkommen, dass er noch nicht so 
bald genöthigt wurde, sich zu erklären. Als ihm bis zum 15. 
April eine solche Erklärung nicht abgefordert worden war, 
hielt er es doch für angezeigt, sein Schweigen sowohl bei dem 
Mainzer Kanzler, als auch bei den anderen Städten damit ent- 
schuldigen zu lassen, dass &r krank sei, auch noch keine Voll- 
macht habe. Letztere Entschuldigung wurde freilich von dem 
Mainzer Kanzler nicht ang^ommen. Vielmehr Hess ihm der- 
selbe durch Dr. Seiler bedeuten, das Reichstagsausschreiben 
begehre ausdrücklich, dass jede Stadt sich durch mit genüg- 
samer Vollmacht »ohne Hintersichbringen« ausgestattete Bot- 
schaften versehen solle; welche Stadt keine definitive Antwort 
gebe, werde zu den »ungehorsamen« geschrieben werden. Doch 
vermochte er seine Erklärung immerhin, da Dr. Seiler ihm 
wohlwollte, so lange zu verzögern, bis ihm von Nördlingen 
aus der Auftrag wurde, sich den Beschwerde erhebenden und 
protestirenden Ständen anzuschliessen.^) 

Auch die Regensburger Gesandten gaben nicht sofort eine 
Erklärung ab. Von König Ferdinand am Nachmittag des 12. 
April dazu aufgefordert, gaben sie zunächst die ausweichende 
Antwort, die Stadt Regensburg habe sich bisher in Sachen des 
Glaubens so gehalten, dass es ihr ohne Zweifel nicht allein 
bei dem Kaiser und König Ferdinand zu Gefallen gereichen, 
sondern auch von Niemand billig verwiesen werden könne; 
die Gesandten hofften desshalb, dass sie sich auch jetzt un- 
verweislich so halten werde, wie es dem Reiche zu gut, zu 



^) Anch der Aagsborger Stadtachreiber Hagk war siemlich 
heftig erkrankt. Daran anknfipfend sebrieben am 15. April die 
Angsbnrger Abgeordneten: „Sind fast vil leytt krank hie, batt ein 
fanllen beeen Infft" 

^ S. die Auszüge ans der bierüber geführten Oorrespondenz 
in den Beilagen. 



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193 

Friede und Einigkeit dienen möge.*) Zu einer bestimmteren 
Antwort aufgefordert, Messen sie sich dazu nicht herbei und 
hatten bis zum 17. April sich noch nicht definitiv erklärt. 
Doch Hessen sie sich spater zu den den Abschied annehm^iden 
Städten schreiben. Auch die Städte Worms und Nordhausen 
zögerten mit ihren Antworten, so lange es ihnen möglich wai:. 
Erstere hatte am 15., letztere am 17. April ihre Erklärung 
noch nicht abgegeben. Doch entschieden auch sie sich beide 
endlich zur Annahme des Abschieds. 

Charakteristisch ist das schon oben (S. 91) erwähnte 
Verhalten der Augsburger Abgeordnet«!. Als am 22. März 
M. Langenmantel aus Speier um Verhaltungsmassregeln oder 
Sendung eines wdteren Botschafters nach Augsburg sehrieb, 
ordnete der Ralii noch den Rathsherm Conrad Herwart nach 
Speier ab, welcher am 27. März daselbst ankam und, wie die 
beiden anderen Abgeordneten, seine Unzufriedenheit mit den 
Mehrheitsbeschlüssen zuerst mehrfach aussprach.') Nach Mit- 
theilung des Ausschussbedenkens beauftragte sie der Rath der 
Stadt durch Beschluss vom 10. April, vor allem auf Aufrecht- 
erhaltung des vorigen Speierer Abschieds zu dringen, welcher 
gerecht sei, die Unbilligkeit des Wormser Edicts abschneide 
und auch nicht zulasse, unter dem Scheine des Glaubens geist- 
liche Renten, Gültöi und Zinsen einzuziehen. »Ob aber ein 
Schädliches gehandelt werden wollte, sollten sie sich von den 
Städten Nürnberg und Ulm nicht trennen, sondern ihnen in 
füglichen Dingen zum glimpflichsten anhangei.« Am 12. April 
war diese Instruction indess noch nicht nach Speier gelangt. 
Desshalb erklärten die Augsburger Gesandten den übrigen 



^) In Fascikel *^^/i der kurpftlziacben Abthoilang des k. b. 
geb. Staatsarchivs befindet sich ein diese Erklärung der Regens- 
bnrger Gesandten enthaltendes Blatt. Die Angsbarger Abgeordneten 
berichten darüber am 15. April: „Regensporg geben wi gespalten 
mainnng znr antwnrt, sehlagen nit ab, bewillige ach nit" Am 
17. April berichten dieselben, es hätten nnn alle Städte ausser 
Regensbnrg, Nordhansen und Angsbnrg bestimmte Antwort mit 
Ja oder Nein ertheilt. 

^) S. die oben S. 170 angeftihrte Bemerkung in einem Briefe 
vom 5. April. 

13 



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194 

Städten, sie seien jetzt zu einer definitiven Antwort noch nicht 
gefasst, — eine Erklärung, an welcher, wie sie am 13. April 
schrieben, Nürnberg und Ulm wenig Gefallen hatten. Am 
12. April Nachmittags von König Ferdinand gleich anderen 
zögernden Städten durch Dr. Beatus Weidmann zur Erklärung 
aufgefordert, antworteten sie, dass sie noch ohne Instruction 
seien; doch hätten sie nach Augsburg geschrieben und seien 
nun der Antwort gewärtig; sie bezweifelten indess nicht, dass 
sich Augsburg unverweislich halten werde. Ihre eigene und 
namentlich Herwart's Meinimg üb^ den Ausschussantrag hatte 
sich aber bereits geändert »Der Abschied an ihm selbst,« so 
schrieben sie am 13. April nach Augsburg, »ist nicht wider 
uns unserm Verstand nach ; wir können nicht anders gedenken, 
denn dass er bei uns Jedermann leidlich sei.« Dennoch wollten 
sie ohne besondere Rathsvollmacht keine Erklärung abgeben. 
Als ihnen am 17. April die Weisung des Rathes, sich von 
Nürnberg und Ulm nicht zu sondern, mit einer vom 15. April 
datirten Zuschrift des Raths durch Eilboten endlich zukam, ^) 
hatten sie Angesichts der Ungnade, in welche die den Abschied 
verweigernden Städte gekommen waren, wenig Gefallen daran 
und zogen es, obwolJ sie mittlerweile immer wieder zu einer 
Antwort gedrängt wurden, doch vor, ihre Erklärung noch 
weiter hinauszuschieben, an den Rath von Augsburg aber 
nochmals zu berichten, um von demselben eine ihnen besser 
zusagende Anweisung zu erhalten. In diesem von Herwart 
abgefassten, aber von den drei Gesandten unterzeichneten Be- 



^) Aus den Akten geht nicht bestimmt hervor, ob diese 
Weisung mit der vom 10. April identisch ist oder ob am 15. April, 
von welchem Tage das nicht mehr vorhandene Schreiben des Rathes 
datirt ist, jener Beschlnss nach Ankunft des Berichtes der Gesand- 
ten vom 13. April erneuert wurde. Das erhellt aber aus dem 
Briefe der Gesandten vom 17. April bestimmt, dass ihr Schreiben 
vom 13. April bereits am 15. April, vor Absendung des die Instruc- 
tion Überbringeaden Connys in Augsburg angelangt war, dass sich 
also der Batii durch die Nachrichten aus Speier von der Aufrecht- 
haltnng jener Instruction vom 10. April nicht abbringen liess. 
Bemerkenswerth ist die Schnelligkeit der Boten, welche in je zwei 
Tagen die Reise von Speier nach Augsburg und umgekehrt machten. 



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195 

richte schrieben sie am 17. April: »Was ülni thut, weisö ich 
nicht. In Strassburg und Nürnberg sind andere Verhältnisse, 
als bei uns. Dieser Handel beschwert mich auf das aller- 
höchste; denn daraus mag uns Sterben und Verderben ent- 
stehen. Wir haben uns bisher im Mittel gehalten. Das rathe 
ich noch am höchsten, ist uns auch, als ich zu Gott dem 
Herrn hoffe, nicht übel erschossene (gerathen). Sie baten 
dann, nochmals Beschluss zu fassen und den Grund anzugeben, 
warum der Rath denn Nürnberg und Ulm anzuhängen so 
begierig sei. In einem zweiten diesem Schreiben beigelegten 
Briefe Herwart's vom 18. April wiederholt dieser, ihm dünke der 
Beschluss mit Ausnahme des Punktes über das Sacrament mit 
nichten wider Augsburg zu sein, und fügt hinzu: »So ihr den 
Abschied nicht annehmen wollt, so hätte mich doch gedeucht, 
so viel immer möglich wäre, keine ausdrückliche Antwort zu 
geben.« Er wolle sich dann dahin ausreden, die Gesandten 
könnten keinen Bescheid von ihrem Rathe erhalten. Zwar 
werde man bestimmte Antwort mit Ja oder Nein von ihnen 
begehren und sie, wenn eine solche nicht erfolge, zu den un- 
gehorsamen schreiben. Trotzdem wolle er aber lieber keine 
Antwort geben, als den Abschied abschlagen. Er schliesst mit 
den bezeichnenden Worten: »Gott gebe, was gut! Ich wollte 
gerne eine solche Krankheit , wie Meister Hans Hagk ') jetzt 
hat, haben, dass ich damit von hie zu reiten auch erlaubt 
würde.« 

In der That suchten nun die Augsburger Gesandten ihre 
Antwort möglichst hinauszuziehen, und hatten, wie es scheint, 
als die einzigen aller noch anwesenden *) Städtegesandten, am 



') Dieser scheint seiner Krankheit wegen am 18. April von 
Speier abgereist zu sein. Der Brief der Gesandten vom 19. April 
ist von ihm nicht mehr mitunterzoichnet. 

^ Einzelne Gesandte von Städten waren damals bereits abge- 
reist. In dem Briefe der Botschafter Augsburgs vom 15. April 
schreiben dieselben v » Jeh merk, die andern fast all mit Ja antwort 
geben haben vnd teylt sich fast in halben tayl auf 14 vnd 18 
vngeföhr, die andern sind weck." Vielleicht erfolgte bei einzelnen, 
wie Donauwörth und Bachhom, die Abreise so rasch, um der Ab- 
gabe einer bestimmten Antwort atuszn weichen. 

13* 



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196 

19. April noch keine Erklärung abgegeben. Nochmals schrieben 
sie an diesem Tage, nachdem die anderen Städte bereits pro- 
testrrt hatten, nach Augsburg, von wo sie damals stündlich 
Antwort erwarteten, um des immer ernsthcher werdenden 
Drängens um eine Antwort überhoben zu sein: »Uns liegt die 
Noth hart auf dem Halse, ist an der Sache hoch und viel 
gelegen. Wir wollten gerne Recht thun und doch, so viel an 
uns ist, Schaden und Nachtheil verhüten. Gott gebe, dass es 
überall wol gerathelc Erhielten sie keinen anderen Bescheid, 
so müssten sie eben, wenn sie nicht mehr länger verziehen 
könnten, »im Namen des Allmächtigen« nach ihrer früheren 
Instruction Antwort geben, wie es die von Nürnberg und Ulm 
gethan. — Doch sollten die Gesandten ihrer Schmerzen über- 
hoben werden. Noch vor dem Schlüsse des Reichstags kam 
ein ihren Wünschen entsprechenderer Bescheid des Rathes, 
welchem es zu danken ist, dass die Stadt Augsburg, statt 
unter den gegen den Speierer Abschied protestirenden Städte, 
unter denen sich findet, welche d^iselben, wenn auch erst in 
letzter Stunde, bewilligten. Als nach dem Rdchstage der 
Rath von Nürnberg in einer Zuschrift vom 12. Mai dem Augs- 
burger Rathe schrieb, dass Nürnberg die Artikel des Abschiedes 
über den Glauben nicht annehmen könne, antwortete der Rath 
von Augsburg am 19. Mai: »Wir hätten auch wohl mögen 
leiden und uns nicht anders versehen, als dass man bei dem 
vorigen Abschied bleiben werde. Nachdem aber durch den 
viel mehrei'n Theil anders beschlossen und die Sache auf ein 
Ooncil gestellt ist, so haben wir und unsere Gesandten nichts 
weiter zu thun wissen.« ^) 

Während der Rath von Augsburg zuerst an Ablehnung 
dos Abschiedes dachte und erst durch seine Gesandten ver- 
anlasst wurde, zur Annahme desselben seine Zustimmung zu 
geben, stand es umgekehrt mit der Stadt Frankfurt, deren 

^) Diese Darstellang gründet sieh auf die im Stadtarchive 
Angsbnrg noch fast vollständig vorhandene Reichstag8corr6qK>ndenz. 
Von der Instmetion d. d. 10. April ist das Conoept bei den dortigen 
Akten hinterlegt. Der Baths^lass vom 15. April, sowie derjenige, 
anf Gmnd dessen die Angsbnrger Gesandten den Abschied zaleftzt 
annahmen, ist in dem dortigen Archive nioht mehr vorhanden. 



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19? 

Vertreter Ffirstenberg, wie bemerkt, da ihm eine längere Be- 
denkzeit, als bis zum Nachmittage des 12. April, nicht gewährt 
wm-de, noch in der Sitzmig vom 12. April die Stadt Frankfurt 
zu d«i Beschwerde fährenden Städten schreiben liess. Er that 
dies, wie er am 15. April an den Rath von Frankfurt schrieb, 
obwohl er sich dessen bewusst war,- dass solches nicht viel 
Gnade erzeuge, weil manche Punkte m dem Abschied seien, 
welche der Stadt zu grosser Beschwerde gereichten und wider 
das Gewissen wären. Es sei auch sdion öfters vorgekommen, 
dass Städte in einen Abschied nicht eingewilligt hätten, sei 
auch »besser, nicht zusagen und doch halten, denn viel ver- 
pflichten und dem nicht nachkommen«. Er hielt besonders 
die Bestimmung, dass keiner des andern Unterthanen in Schutz 
und Schirm nehmen solle, für unannehmbar, weil daraus dem 
Buchstab^i nach gefolgert werden könnte, dass, wenn ein 
Bischof Geistliche vorfordere, welche er als seine Unterthanen 
betrachte, • man sie ihm ausliefern müsse. Nicht weniger be- 
denklich schien ihm die Bestimmung, dass bis zum Concile 
keine Neuerimg vorgenommen werden solle. Das C(mcil könnte 
sich lange verziehen; wenn dann das Volk etwa die Aus- 
theilung des Sacraments unter beiden Gestalten begehre, durfte 
man das dieses Abschieds wegen nicht thun. »Und doch wüsste 
ich, der ich sonst keine Neuerung gerne sehe, dies mit guter 
Gonscienz nicht zu Widerreden ; denn so man solches nicht thut, 
90 unterlässt man es auch unter einerlei Gestalt zu empfangen 
und verwildert das Volk.« ") Dieser Anschauung Fürstenberg's 
entspricht auch eine im Frankfurter Archive im Goncept vor^ 
handene,*) von seiner Hand herrührende Eingabe an die Fürsten 
und Stände, nach welcher die Gesandten der Stadt von der- 
selben beaufträgt seien, sich zu allem Gehorsam in zeitlichen 
Dingen zu erbieten, auch zu erklären, dass sie sich, so viel 
möglich und menschlich, im christlichen Glauben unverweislich 
halten wollten. »Aber«, so heisst es dann weiter, »diesen 
Abschied können sie (die Obern der Stadt) ihrer Gewissen 
halber, deren sie durch kaiserlicher Majestät Güte und Gnade 



^) Fflrstenberg an Frankfurt am 15. April. 
^ Beichstagsakten, Band 43, Fol. 76. 



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198 

frei zu bleiben verhofifen, nicht annehmen, noch bewilligen, 
aufs demüthigste bittend, euer kurfürstliche und fürstliche 
Gnade und Gunst wollen Solches m keinen Ungnaden auf- 
nehmen.« Doch scheint diese Erklärung, welche einen mittler- 
weile ergangenen Auftrag des Frankfurter Rathes voraussetzt, 
nur in der Erwartung eines solchen einstweilen aufgesetzt, aber 
nicht abgegeben worden zu sein. Der wirkliche Bescheid des 
Frankfurter Rathes fiel aber anders aus, als. Fürstenberg ihn 
erwartete. Unter Berufung auf eine vor einiger Zeit statt- 
gehabte Unterredung des Pfakgrafen Friedrich mit dem Bürger- 
meister Sebastian Schmid *) wies der Rath unter dem 15. April 
Fürstenberg an, sich von kaiserlicher Majestät, »unserem aller- 
gnädigsten und natürlichen Herrn« nicht zu sondern. Der 
Beisatz des Erlasses, dem zu folgen, was gemeine Frei- und 
Reichsstädte beschlössen, war durch die Spaltung der Städte 
gegenstandslos geworden. Der Rath fügte noch bei, er sei 
nicht gemeint, sich mit anderen in irgend welches Bündniss 
zu begeben. Als Fürstenberg am 17. April diesen Auftrag des 
Rathes erhielt, konnte er nicht umhin, in einer Zuschrift von 
diesem Tage dem Rathe zu erklären, dass er an jenem Auf- 
trage wenig Gefallen habe. »Ich kann nicht denken,« schreibt 
er, »wozu den Städten auf einen Reichstag zu kommen noth 
thut, so nur sollte allweg dess, was von kaiserlicher Majestät 
begehrt wird, unverhört eines jeden Nothdurfl und Beschwerde, 
verwilligt werden.« Man habe den Artikel des Glaubens zu- 
erst so gestellt, dass er nicht thunlich, leidlich und bei den 
Unterthanen erheblich (durchführbar) gewesen wäre. Dann 
sei er zwar etwas gemildert worden, aber nicht so gar, dass 
man noch Ursachen genug daraus schöpfen könne. Jedoch sei 
seine Meinung nicht, dass er Namens der Stadt Frankfurt gegen 
die Beschlüsse protestiren woHp. Das könnte freilich als Wider- 
setzung gegen den Kaiser gedeutet werden. Beschweren und 



') Wahrscheinlich fand diese Unterredung im letzten Quartal 
1528 statt, in welchem Sebastian Schmid fUr die Stadt Frankfurt 
im Beichsregimente zu Speier sass und mit Graf Helfenstein und 
Sebastian Schilling am 21. Dec. nach Straesborg gesandt worden 
war. S. oben 8. 85 und Müller 132. 



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IM 

nicht bewilligen sei zwaeriei. Von einem Bündnisse, das ge- 
plant worden sei, wisse er nichts. — Doch fährte Furstenberg 
den Auftrag des Rathes aus und erklärte demgemäss nach- 
träglich die Zustunmung Frankfurts zu dem Abschiede-*) 

Das Gleiche thaten die Abgeordneten der Städte Goslar 
und Schwäbisch -Hall, bei denen wir die näheren Umstände 
nicht kennen, unter welchen dies geschah. In letzterer Stadt 
erregte nachträglich die Nachricht von der Annahme des un- 
günstigen Abschieds • durch die Oberen der Stadt das durchweg 
evangelische Volk so, dass der eine Gesandte der Stadt, Büschler, 
sogleich von Speier zurückberufen wurde und vier altgläubige 
Rathsherren aus dem Rathe austreten mussten. Am 20. Mai 
aber entschuldigte der Haller Rath sein Verhalten zu Speier 
bei den damals in Nürnberg versammelten evangelischen 
Ständen und meinte, wenn der Abschied zu Speier zu un- 
günstig ausgelegt werde, so sei die Thüre zur Protestation 
noch nicht zugeschlossen.*) Von Biberach, welches durch die 
Ulmer Gesandten mit vertreten war, kam, wie es scheint, eine 
Instruction während des Reichstages nicht an. So mochte es 
geschehen, dass diese Stadt, in welcher man unmittelbar nach 
dem Speierer Reichstage in stürmischer Volksabstimmung 
förmlich den nachträglichen Anschluss an die Protestation 
erklärte,') nebst Giengen zwar vielleicht zu den Beschwerde 
fuhrenden Städten gehörte, aber weder unter den protestirenden, 
noch unter den den Abschied annehmenden Städten sich be- 



^) Die oben erwähnten Briefe finden sich alle in dem ange- 
führten Bande des Frankfurter Stadtarchives. 

*) Keim, schwäb. Beformationsgeschichte 101 f. Neudecker, 
Urkunden ans der Reformationszeit 652. An die im Texte geschil- 
derten Vorgänge auf dem Speierer Beichstage hat ohne Zweifel 
Luther gedacht, wenn er bald darauf ein Bündniss mit den evan- 
gelischen Städten widerrieth, anf deren Standhafbigkeitr man sich 
nicht verlassen könne, und beifügt: „Dess haben wir Exempel 
genug an Mühlhausen, Nordhausen, Erfurt, Augsburg, Schwäbisch 
Halle etc., welche vorhin das Evangelium fressen wollten vor Liebe, 
nun aber plötzlich und leichtlich umgefallen.'' Müller 230 ff. Walch 
XVI, 624 flf. 

^) Keim, schw. Bef; 102. 



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200 

findet Zu einer Beschwerde in deren Namen mochten sich 
die Ulmer Gesandten ohne besondere Vollmacht noch befugt 
halten, nicht aber zu einer Protestation. 

Während so die Reichsstädte in ihrem Verhalten zu der 
Glaubensfrage nach verschiedenen Richtungen auseinander 
gingen, zeigten sie bei einer ihnen zu derselben Zeit begegnen- 
den neuen Beschwerde, dass ihre traditionelle Einigkeit doch 
noch nicht gänzlich zerstört war. 

Mit dem ersten April war nämlich nach der Regiments- 
ordnung von 15S1 ^) die Reihe des Sitzes im Reichsregimente an 
die Städte Strassburg und Lübeck gekommen. Als dieser Termin 
herannahte, hatte das Regiment noch im Februar an den Rath 
von Strassburg in üblicherweise die schriftliche Aufforderung 
gerichtet, zur bestimmten Zeit ein Mitglied des Rathes nach Speier 
abzuordnen, um den Sitz im Reichsregimente einzunehmen. Der 
Rath kam dieser Aufforderung nach und bestimmte dazu den 
Rathsherm Daniel Mieg, der schon mehrmals hohe Aemter in der 
Stadtverwaltung begleitet hatte. Derselbe war zwar ein Freund 
der Reformation, hatte sich aber jederzeit als einen klugen und 
gemässigten Mann gezeigt und war, wie ^er Rath in einer späteren 
Vorstellung an das Reichsregiment sich ausdrückte, von männigllch 
als Ehrenmann gehalten. Als derselbe am 8. April noch nicht 
in Speier eingetroffen war, schrieb Pfarrer nach Strassburg,^) 
es sei wünschenswerth, dass derselbe baldmöglichst nach Speier 
komme, da auch der von Lübeck zu sendende Regimentsrath 
noch nicht angekommen und demnach die Städte gegenwärtig 
im Regimente gar nicht vertreten seien. Nunmehr brach Mieg 
von Strassburg auf, kam Samstag den 10. April Nachts in 
Speier an und stellte sich am folgenden Montage früh sieben 
Uhr unter Ueberreichung seiner Vollmacht dem Regimente vor. 
Doch die massgebenden Personen im Reichsregimente und 
namentlich König Ferdinand selbst sahen damit eine will- 
kommene Gelegenheit herangekommen, bei welcher sie durch 
brüske Behandlung des von der mit an der Spitze der »Unge- 
horsamenc stehenden Stadt Strassburg entsendeten Regiments- 



^) 8. oben S. 26 Anm. 
^ Jung XXV. 



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201 

raihes den den Wünschen des Königs widerstrebenden Städten 
zeigen konnten, was dieselben bei fortdauerndem Ungehorsam 
zu erwarten hätten. Ueber eine Stunde Hess man Mieg warten, 
bis man ihm endlich sagen Hess, er solle in seine Herberge 
zurückkehren; man werde wieder nach ihm schicken. Am 
folgenden Tage, dem 13. April, Nachmittags liess man ihn dann 
endlich vor das Regiment fordern, wo ihm ui Gegenwart des 
Königs Ferdinand Hans von Planitz, welchen man als von 
(km evangelischen Kurfürsten von Sachsen deputirten Regiments- 
rath wohl absichtlich dazu bestimmt hatte, vorhalten musste, die 
Stadt Strassburg habe g^en die ausdrückliche Weisung des 
Regiments^) die Messe abgeschafft und damit dem Könige, Statt- 
halter und Regimente zuwider gehandelt Es könne desshalb der 
Abgeordnete der Stadt nicht zum Sitze im Regimente zugelassen 
werden, wenn nicht zuvor die Aemter der heiligen Messe und 
das hochwürdige Sacrament wieder aufgerichtet vrürden. 

In seiner mit grosser Geistesgegenwart sofort gegebenen 
Antwort wies Mieg darauf hin, dass die Stadt Strassburg von 
dem Regimente selbst zur Sendung eines Abgeordneten förmlich 
aufgefordert worden sei, nachdem jene Aenderungen bereits 
stattgefunden hätten.^) Er sei darnach von der Stadt zum 
Regimentsrathe bestimmt und der Ordnung gemäss des' Eides 
gegen Strassburg in aller Form entbunden worden. Er stehe 
desshalb nicht als Bürger von Strassburg auf seiner Stelle 
und habe nicht den Beruf, seine Vaterstadt gegen jene Anklage 
zu vertheidigen. Doch sei er gewiss, dass der Rath auf Vor- 
halt derselben durch d^i König und das Regiment sich zur 
Grenüge zu entschuldigen wissen werde. 



8. oben S. 84 f. 

^ Jang XL gibt die Stelle in dem Briefe Miegs so wieder, 
als habe er geschrieben, das Regiment habe die Stadt Strassbiirg 
zur Sendung eines Abgeordneten aufgefordert, „alles lang noch vor 
erJelter Handlang." Offenbar hat derselbe diese Stelle falsch ge- 
lesen and verstand«!, da obige Worte lauten müssen: „alles lang 
nmeh vorerzelter Handlung". Nor so geben jene Worte einen Sinn. 
Aach aas der Sapplication der Reichsstädte vom 19. April geht 
hervor, dass jene Zuschrift des Regiments an Strassburg nicht vor, 
sondern nach der Abschaffong der Messe daselbst erfolgt war. 



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202 

Hiernach musste Mieg abtret^i, worauf ihm nach kurzer 
Berathung des Regimentes die Regimentsräthe Planitz und 
Schilling erklärten, das Schreiben an Strassburg, in dem 
die Stadt zur Sendung eines Regimentsrathes aufgefordert 
wurde, sei ohne Wissen des Regiments nach altem Gebrauche 
auf der Kanzlei ausgefertigt worden; es habe bei dem ge- 
gebenen Bescheide sein Bewenden. Nachdem Mieg noch ge- 
antwortet hatte, er werde, weil er nicht als Vertreter der Stadt 
Strassburg allein, sondern für alle Reichsstädte zum Regimente 
deputirt sei, seine Ausschliessung den übrigen Städten anzeigen, 
wurde er ohne weitere Antwort entlassen. 

Noch am Abende desselben Tages machte Mieg etlichen 
Städtegesandten Mittheilung von dem Vorgefallenen, und als 
diese der Ansicht waren, dass es vor die Versammlung aller 
Städtegesandten gebracht werden solle, wurde die Sache am 
14. April auch diesen vorgelegt*) Und noch einmal standen 
die Städte einmüthig zusammen. Am Morgen desselben Tages 
waren dieselben ^ noch durch eine neue Seitwis der übrigen 
Stände gegen sie geübte Rücksichtslosigkeit^ beleidigt worden 
und sahen, weil der Vertreter Strassburgs im Namen aller 
Reichsstädte und nicht der Stadt Strassburg allein im Regi- 
mente zu sitzen hatte, in dem Verfahren des Regiments gegen 
Mieg eine Verletzung des Rechtes aller Städte. So entschlossen 
sie sich denn, am 15. April eine von allen auf dem Reichstage 
vertretenen Städten unterzeichnete Supplication •) zunächst an 
König Ferdinand als Statthalter des Kaisers und an das 
Reichsregiment zu richten, in welcher sie darauf hinwiesen, 
dass, wenn Strassburg auch etwas Beschwerliches gethan haben 



*) S. den ausführlichen Bericht von Mieg d, d. 14. April 1529 
bei Jung XXXIX f. 

^ £s waren ihnen nämlich am Morgen des 14. April die 
Beschlüsse der beiden forstlichen Collegien über die Tttrk^nhülfe 
nicht nach dem herkömmlichen Gebranche in der allgemeinen Ver- 
sammlung aller Stände, sondern vor der Thttre des Sitzungssaales 
(„nitt vor der Versamlung Gem^einer Stende, wye der Bruch ist, 
sondern hnss vor der Stuben") mitgetheilt worden. S. P£arrer am 
14. April bei Jung XLI. 

^ Dieselbe findet sich im Wortlaute bei Jung XhTTT. 



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203 

sollte, man doch den Städten nicht desshalb den ihnen nach der 
Worraser Regimentsordnung gewährenden Sitz im Regimente 
entziehen solle, und bitten, den von der Stadt Strasd)urg 
Abgeordneten, gegen dessen Person ja nichts einzuwenden sei, 
zum Regimente zuzulassen. 

Die Antwort des Regiments, welches sich in diesem 
Stacke mit der Mehrheit der Fürsten und Stande eins wusste, 
fiel, als sie nach zweitägiger Zögerung am 17. April endlich 
gegeben wurde, nicht nach dem Wunsche der Städte aus und 
forderte diese einfach auf, auf den Rath von Strassburg ein- 
zuwirken, damit derselbe die Messe wieder aufrichte und von 
seinem Vorhaben abstehe; dann werde Strassburg zur Session 
wieder zugelassen werden. Anderenfalls sollten die Städte eine 
andere Stadt zur Abordnung eines Gesandten in das Regiment 
vorschlagen; dann würden sie aus dem Bescheide des Regi- 
mentes ersehen können, dass die Absicht nicht bestehe, die 
gemeinen Städte vom Regimente auszuschliessen.') An dem- 
selben Tage hatte das Regiment der Plenarversammlung der 
Stände eine Reihe von Artikeln vorgelegt, die ihm bei der 
Reichsverwaltung begegnet waren, und um Verhaltungsmass- 
regeln desshalb nachgesucht. Unter diesen befand sich auch 
eine vollständige aktenmässige Darlegung der Verhandlungen 
des Regimentes mit der Stadt Strassburg über die Abschaffung 
der Messe,*) welche die Stände und namentlich die Städte zu 
überzeugen bestimmt war, dass das Regiment bei seinem Ver- 
fahren gegen Strassburg im Rechte sei. 

Die Abgeordneten von Strassburg waren sich des Elrnstes 
der Lage in vollem Masse bewusst. »Die Juden,« so schrieb 
am 17. April ^) Mieg an den Allammeister Kniebis zu Strass- 
burg, »haben mehr Gnade, als die Städte, so sich des Evan- 
geliums annehmen. Dürfet euch nichts Anderes versehen, denn 
Verfolgung, und die auf das allergrösste. Darum wachet und 
schlafet nicht, so wird Gott helfen.« Und mit Bezug auf die 

*) Sturm am 18. Aprü bei Jung XLVIIL 

^ Diese Aktenstttcke bei Jung LXIV bis LXIX. Dort findet 
sich auch S. LXIX ff. die von der Stadt Strassburg später auf dem 
Reichstage eingereichte Verantwortung. 

») Jung XLVI. 



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204 

frühere Bitte des Königs Ferdinand um PuIvct von der Stadt 
schrieb er: »Damm haltet an; es ist Zeit, lieber Herr, da^ 
es gut wäre, genug Geld, Pulver und was wir selbst bedürfen, 
zu behalten. Denn wir werden es selbst bedürfen. Daran 
gedenket. Ich wollte, dass ihr nur zwei Tage hier wäret, es 
würde euch wundem. Man will es dahm bringen, dass, was 
man beschliesset , das sollen die Städte thun. Gc^t wolle es 
verhüten. Darum erschrecket nicht, der starke Gott wird seine 
Hülfe geben. Zu dem hoffe ich allein.€ 

Die Städte beruhigten sich aber mit der Erklärung des 
Regiments nicht. Noch einmal gingen sie gemeinsam vor, und 
als am 19. April die Protestation der evangelischen Stände 
bereits erfolgt und die Spaltung der Städte in der religiösen 
Frage längst offenkundig geworden war, gaben sie noch in der- 
selben Plenarsitzung eine Supplication an die gememen Stände 
des Reiches ein, in welcher alle auf dem Reichstage anwesen- 
den Städtegesandten sich als durch die Ausschliessung Miegs 
vom Reichsregimente beschwert erklärten. Entschiedener, als 
in ihrer früheren Eingabe an das Regiment, sprachen sie es 
jetzt aus, dass die Städte dadurch »an ihren Gerechtigkeiten 
nicht wenig verletzt und desto unwilliger sein werden, sich zu 
fernerer Unterhaltung des kaiserlichen Regiments, dahin sie 
nicht die wenigste Steuer geben, bereden zu lassen.« Hätte 
der Rath von Strassburg wirklich etwas dem gemeinen Gebrauche 
der Kirche Zuwiderlaufende vorgenommen, so sei es nicht Sache 
des Regiments, sondern eines freien christlichen Conciles, da- 
rüber zu entscheiden. Churfürsten, Fürsten und Stände möch- 
ten dcsshalb nicht gestatten, dass das Recht der Städte verletzt 
werde, und gnädig darauf hinwirken, dass dem ordnungsmässig 
berufenen Vertreter der Stadt Strassburg der ihm gebührende 
Sitz im Regimente eingeräumt werde. *) 

Doch auch dieser neue Schritt der Städte blieb ebenso 
erfolglos, wie eine vorher von dem Rathe der Stadt Strassburg 
an das kaiserliche Regiment gerichtete Zuschrift, in welchem 
er sich ebenso bescheiden, wie entschieden eine befriedigende 



*) Diese Supplication ist abgedruckt bei JuQg LVI ff. 



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205 

Erklärung über den Ausschluss Miegs erbat. ') Als in der 
letzten Sitzung der Stände am 24. April der Stadtschreiber 
von Worms Namens der Städte neben anderen Beschwerden 
auch die wegen der Session Strassburgs im Regimente noch- 
mals mändlich vorbrachte, erklärte König Ferdinand selbst, 
»unbefragt und von anderen Ständen ungeheissen«, weil die 
von Strassburg königlicher Majestät in die Obrigkeit gegriffen 
hätten und sich ungehorsam erzeigten, so gebühre es ihm 
nicht, sie im Regimente sitzen zu lassen; die Städte möchten 
eine andere christliche Stadt zur Session im Regimente ver- 
ordnen. Vergebens suchten dann die ihre Rechte mannhaft 
wahrenden Städte, welche sich bei dem von dem Könige ohne 
Befragung der Stände gegebenen Bescheide nicht zu böruhigen 
gewillt waren, nochmals bei den Ständen um eine günstigere 
Antwort nach. *) Mieg wurde zum Regimente nicht zugelassen 
und die Stadt Strassburg blieb, wie es scheint, für die ganze, 
freilich nicht mehr lange Zeit, in der das Reichsregiment noch 
bestand, von dem ihm gesetzlich gebührenden Sitze in dem- 
selben ausgeschlossCTi. *) 

*) Am 15. oder 16. April bei Jung LIX. Auch an die Ge- 
sandten der Städte richtete der Rath von Strassburg eine Bitte nm 
energische Unterstützung seiner Beschwerde bei den Ständen, welche 
aber, vom 20. April datirt, in Speier erst ankam, als die StÄdte 
anf Betreiben der Strassburger Gesandten das Gewünschte bereite 
ausgeführt hatten. Jung L. 

^ S. hiezn den Bericht der Strassbarger Gesandten vom 24. 
April bei Jung LXII. In der S. 196 erwähnten Correspondenz der 
Städte Nürnberg und Augsburg vom 12. und 19. Mai wird auch 
der Angelegenheit Mieg's gedacht und dabei von Nürnberg die 
Ausschliessung des Meraminger Bürgermeisters Keller aus dem 
schwäbischen Bundesrathe in Erinnerung gebracht. Der Bath von 
Augsburg erklärt dabei, er sehe die Beschwerde dos Begimentsge- 
sandten von Strassburg und Bondesgesandten von Memmingen so 
an, „als wäre sie uns begegnet'S und werde sich die Sache auf 
dem bevorstehenden Bundestage bestens befohlen sein lassen, 

3) Müller (a. a. 0. S. 140 ff) hat die geschilderten Vorgänge 
völlig missverstanden und geglaubt, es handle sich dabei um den 
Sita der Strassburger Abgeordneten im Rmckttagef welcher denselben 
nie bestritten wurde. Obschon bereits Sleidan (VI, 36), welcher 



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206 

Doch wir haben damit, weil wir glaubten, an dieser 
Stelle das Verhalten der Städte bis gegen den Schluss des 
Reichstages zusammenhängend charakterisiren zu sollen, dem 
Gange der Ereignisse bereits vorgegriflEen und kehren nunmehr 
zu den weiteren Verhandlungen zurück, wie sie in den jetzt 
rasch aufeinander folgenden Sitzungen der Stande gefuhrt wurden. 



16. Die Sitsungen der Stände vom 13., 14., 16. und 17. April. 

Vorbereitungen an einem Bfindnisse der evangeliselien 

Fürsten und Stfidte. 

Durch die am 12. April von den evangelischen Fürsten 
und Standen feierlich erhobene Beschwerde gegen die Majoritäts- 
beschlüsse in der religiösen Frage Hess sich, die Mehrheit des 
Reichstages in ihrem Vorgehen um so weniger stören , als 
nicht bloss König Ferdinand wünschte, dass die Geschäfte der 
Versammlung bald beendigt würden, da seine Anwesenheit in 
seinen Erblanden immer nöthiger wurde, sondern auch die 
meisten Stände diesen Wunsch theilten. In grosser Eile wurden 
nun die weiteren Geschäfte des Reichstages abgemacht Zu- 
nächst Hess die Mehrheit der Fürsten und Stände Dienstag den 
13. April der Beschwerde führenden Minderheit durch den Aus- 
schuss eröffnen, sie würden den Mehrheitsbeschluss nebst der 
Beschwerde der Evangelischen dem kaiserlichen Stalthalter und 
den Commissarien übergeben und es diesen anheimstellen, was 
sie auf die Beschwerde zu thun gedächten. ') 



hier offenbar ans dem Strassbnrgcr Archive schöpfte, und nach ihm 
viele Andere die Sache richtig darstellten, so ist jene irrthfimliche 
Auffassung Müllers doch noch in manche neuere Darstellungen 
fibergegangen. 

') Die Strassburger Gesandten am 13. April bei Jnng. XXXV« 
S. auch die Relation in der Appellationsurknnde bei Mflller 70 und 
Jnng LXXXVII f. Auch der Kurfürst von der Pfals hatte dagegen 
vor den Ständen keinen Einwand mehr erhoben und nur unter 
Emenemng seiner Erklärung, dass bei dem ihm früher beschwer- 
lichen Punkte von der Obrigkeit die Missbrftnche nicht begriffen 
sein sollten, kurz gesagt, er wolle sich „um der KUrze willen^ 



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207 

An demselben Tage Nachmittags erschien in einer feier- 
lichen Sitzung aller Stände, welcher auch König Ferdinand 
und die anderen kaiserlichen Commissarien beiwohnten, der 
pabstliche Legat Graf Johann Thomas Picus von Mirandula, 
welcher zwei Tage zuvor in Speier angekommen war. Nach- 
dem die von demselben ieibgegebene Vollmacht verlesen worden 
war, ergriff er selbst in lateinischer Sprache das Wort an die 
versammelten Stände. Seine Rede war kurz und zurückhaltend 
und vermied es, an die vom Pabste Abgefallenen kränkende 
Worte zu richten. Zunächst redete er von der Türkengefahr 
und ermahnte die Fürsten und Stände zu starker Rüstung 
gegen diese Feinde Christi, da die Hoffnung der Christenheit 
auf Abwehr dieser Gefahr vornehmlich auf der deutschen 
Nation beruhe. Der Pabst selbst erbiete sich, nicht allein mit 
seinem Vermögen, welcheä jetzt der bestandenen Kriege wegen 
nur gering sei, sondern auch mit Darstreckung seiner Seele in 
dem Kampfe gegen die Türken Hülfe zu thun. Den Glauben 
betreffend, erfülle es den Pabst mit grösstem Schmerze, dass 
er gehört habe, wie in Deutschland alte Irrlehren, mit neuen 
verbunden, wieder aufgekommen wären und immer mehr um 
sich griffen und wie dadurch in deutscher Nation merkliche 
Unruhe mit grossem Blutvergiessen entstanden sei. Weil aber 
dies nicht wohl ohne ein allgemeines Concil wieder in den 
vorigen Stand gebracht werden könne, so wolle der Pabst in 
eigener Person allen Fleiss daran wenden, damit zwischen 
dem Kaiser, dem Könige von Frankreich und anderen christ- 
lichen Potentaten wieder Friede gemacht werde, wie er denn 
Willens gewesen sei, zur Herstellung des Friedens zwischen 
ihm selbst und dem Kaiser in diesem Sommer nach Spanien 
zu reisen, wenn ihn nicht schwere Krankheit daran verhindert 
hätte. ') Wenn dann zwischen den verschiedenen christlichen 

zufrieden geben und bei der Mehrheit bleiben. Das scheint mir 
wenigstens aus den Notizen in den „Bed. iL Rathschl. Verz." über 
zwei Sitzungen des kurpfälzischen Geheimerathes vom 2. p. mis. 
dni (13. April) hervorzugehen. 

') In der That waren die Gedanken des Pabstes in jenen 
Tagen beständig auf den Friedensschluss mit dem Kaiser gerichtet. 
So schrieb am 15. April Bieronymus Niger an Sadolet aus Rom: 



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208 

Mächten wieder Friede bestehe, erbiete sich der Pabst, welcher 
bis jetzt der Verhältnisse wegen ein Generalconcil leider nicht 
habe ausschreiben können, auf nächsten Sommer ein solches 
zu berufen, damit die deutsche Nation wieder mit anderen 
Königreichen un Glauben verglichen werde. Bis dahin moch- 
ten doch diejenigen, welche bisher in der Kirche geblieben 
wären, in derselben verharren; so aber etliche von ihr ge- 
wichen wären, so möchten sie zu derselben zurückkehren. 

Dies die Rede des päbstlichen Legaten, auf welche die 
kaiserlichen Commissäre und die Fürsten durch Etliche aus 
ihrer Mitte in einem besonderen Zimm^ ohne Beisein der 
übrigen Stände'^sofort antworteten. ^) Der Inhalt dieser Ant- 
wort, welche ohne Zweifel im Sinne des Mehrheitsbeschlusses 
der Stände das Anerbieten des Pabstes, ein Concil zu berufen 
und auf Wiederherstellung des Friedens zwischen den christ- 
lichai Mächten hinzuarbeiten, dankend acceptirte, ist indessen 
in keiner uns bekannten Quelle aufbewahrt 

Mittwoch den 14. April, Morgens sieben Uhr, fand wieder 
eine Sitzimg der Stände statt, in welcher über die eilende 
Hülfe gegen die Türken, sowie über die Unterhaltung des 
Regiments und Kammergerichts berathen und beschlossen 
wurde. Das Bedenken des Ausschusses über diese Punkte 
wurde von beiden fürstlichen Collegien mit Stimmenmehrheit 
angenommen. Der Kurfürst von Sachsen imd Landgraf 



„Der Pabst ist endlich von seiner Krankheit hergestellt und führt 
täglich jenen deinen göttlichen Bathschlag im Munde, von der 
Reise zum Kaiser und dem öffentlichen Frieden. Hätte er diesen 
Bathschlag befolgt, als noch Alles gut stand, so wtlrden wir nicht 
diese Noth leiden.'* Bucholtz III, 138. 

*) S. den Bericht der Strassburgev Gesandten vom 13. April 
bei Jung XXXV, ferner die Schreiben Wiedemanns vom 15. April 
im k. Reichsarchive und Fttrstenbergs von demselben Tage im 
Frankfurter Stadtarchive, endlich den Brief Melanchthons an Came- 
rarius vom 21. (richtiger 20. April) im CJorp. Bef. I, 1059. Aus 
diesen vier Belationen ist die im Texte gegebene Darstellung der 
Bede Mirandula's zasammengestellt. Wie es übrigens mit der 
Geneigtheit von Clemens VE zur Berufung eines Concils bald darauf 
stand, ist bereits S. 106, Anm. hervorgehoben. 



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209 

Philipp nebst den anderen eTangelischen Fürsten versagten 
diesem Beschlüsse, da ihre Beschwerde in der religiösen Frage 
nicht berficksichtigt worden war, für so lange ihre Zustimmung, 
als nicht der Artikel vom Glauben geändert und auf leidliche 
Bahn gebracht worden sei. Doch die Mehrheit achtete dieses 
Widerspruchs nicht und machte den Städten in der bereits 
oben (S. 202) erwähnten, dem Herkommen zuwiderlaufenden 
und rücksichtslosen Form ausserhalb des Sitzungssaales von 
den gefassten Beschlüssen Mittheilung. Noch an demselben 
Tage machten sie, ohne die Antwort der Städte abzuwarten, 
dem Könige Ferdinand Anzeige von ihren Beschlüssen. ') 

Am 15. April fand keine Sitzung der Stände statt Um 
so lebhafter waren an diesem Tage und in dieser ganzen Zeit 
die Verhandlungen in den verschiedenen Ausschüssen, welche 
ihre Aufgaben möglichst rasch zu beendigen suchten. Dagegen 
kamen Freitag den 16. April die gemeinen Stände wieder zu 
einer Sitzung zusammen, in welcher zunächst König Ferdinand 
auf den ihm mitgetheilten Beschluss der Stände wegen der 
eilenden Hülfe erwiderte, man möge das hiefiir bewilligte Geld 
statt den oben (S. 152) genannten Fürsten und Regimentsräthen 
ihm selbst zur Verfügung stellen, da er es sofort gegen die Türken 
zu gebrauchen gedenke. Wenn der Sultan wirklich in Ungarn 
einbreche, so wolle er ihm entgegenziehen und eine Schlacht 
liefern. Kämen die Türken dagegen nicht, so gedenke der 
König gegen die von dem Sultan eingenommenen ungarischen 
Pässe, namentlich griechisch Weissenburg und Peterwardein 
zu ziehen und dieselben wieder zu erobern. Auch zeigte er 



') FOrstenberg an Frankfurt am 14. (geschlossen and abge- 
sendet am 15.) April: „Heud mitwochs ist man aber bej eyn ge- 
west. Do selbst haben die curfttrsten fttrsten prelaten vnd graffen 
das vbrige dess Bomzngs zur jlende hilfif zu geben zugesagt, der- 
glejchen die vnderhaltung des Regiments vnd Kamergerichts, vnd 
solchs der kuniglicben Maiestet angezeygt, ehe dan man der von 
stetten antwnrt gebort, auch inen vff eyniebe irer beschwert vnd 
beger, der vber VI oder acht puncto sejn, eyngen beschejdt geben 
bab." Vergl. anch die Berichte der Strassbnrger Abgeordneten 
vom 13., 14. und 16. April bei Jung XXXV, XLI nnd XLIII, und 
Ehingers Brief vom 15. April in den Urk. d. scbw. B. II, 344 f. 

14 



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210 

noch an, dass er beabsichtige, zu dem Kriege in Ungarn hundert 
Greschütze (»Büchsen auf Rädemc) zu verwenden, und ersuchte 
die Stande, die Hälfte der grossen hiefür erwachsenden Kosten 
zu übernehmen. Doch die Stande waren wenig gewillt, diese 
Bitte zu erfüllen. Auch die katholischen Fürsten hegten die 
Besorgniss, es werde die von ihnen bewilligte Hülfe statt gegen 
die Türken nur zur Befestigung der habsburgischen Macht in 
Ungarn gegen Johann Zapolya verwendet werden, und hielten 
darum an den von ihnen in ihrem ersten Beschlüsse enthaltenen 
Cautelen für die Verwendung des von ihnen zugestandenen 
Geldes fest. Noch weniger gedachte man aber sich weiter, als 
durch die erfolgte Bewilligung bereits geschehen war, belasten 
zu lassen. So schlugen denn die Stande das Ersuchen des 
Königs höflich ab, wobei sie als Grund ihrer Weigerung die 
Besorgniss angaben, dass der König in einer offenen Feldschlacht 
gegen die Türken unterliegen und ein Angriff gegen die durch 
den Sultan erheblich befestigten Festungen an der ungarisch- 
türkischen Grenze misslingen könne. In diesem Falle aber werde 
der Sultan durch den Angriff des Königs zum Einfalle in 
Deutschland erst recht veranlasst werden, ^) 

Auch bezüglich der »beharrlichen« Hülfe wurde in dieser 
Sitzung Beschluss gefasst. Unter Berufung auf den Abschied des 
Esslinger Regimentstags und Anerkennung der Noth wendigkeit, die 
Türken mit Gewalt hinter sich zu .treiben und ihnen ihre Erobe- 
rungen wieder abzunehmen, erinnerten die Stände doch daran, 
dass es nicht in dem Vermögen der deutschen Nation aUein stehe, 
einen solchen Zug gegen die Türken zu unternehmen. Nur 
wenn im heiligen Reiche selbst gewisser Friede bestehe und 
zwischen den übrigen christlichen Potentaten Friede oder 
wenigstens Waffenstillstand geschlossen sei, könne eine beharr- 
liche Hülfe gegen den Sultan Aussicht auf Erfolg haben. 
Nachdem aber diese Voraussetzungen zur Zeit noch nicht 
gegeben seien, habe man diesmal nichts über die beharrliche 
Hülfe beschliessen können und müsse sich darauf beschränken, 



^) S. den Bericht der Angsbnrger Abgeordneten vom 17. April, 
Stnrm's Brief vom 18. April bei Jnng XLIX nnd Fttrsienbergs 
Bericht vom 17. April. 



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211 

dies dem Kaiser zu melden und ihn durch besondere Zuschrift 
nochmals unterthänigst zu bitten, um Herstellung des Friedens 
unter den christlichen Mächten bemüht zu sein. 

Weiter Hessen in dieser Sitzung die Grafen, Freiherren 
und Ritter eine Klage gegen die Stadt Constanz zuerst münd- 
lich vorbringen und dann auch in einer schriftlichen Supplica- 
tion einreichen, welche durch eine gleichzeitig erfolgte Eingabe 
ähnlichen Inhalts Seitens des Bischofs von Constanz unterstützt 
wurde. In dieser Klage wurde die Stadt Constanz zunächst 
beschuldigt, sie habe gegen Bischof, Domcapitel und Klerus 
Gewalt geübt, ihre Häuser geplündert, die BUder und Altäre 
in den Kirchen zerbrochen und zerstört und der Geistlichkeit 
ihre Zinsen und Gilten im Züricher Gebiete eingehalten. In 
hohem Grade charakteristisch ist der zweite Theil der Suppli- 
cation des Adels. Darin wird geklagt;, dass der Pabst sich in 
seinen Rescripten unterfange, in geistliche Stellen, welche dem 
Adel vorbehalten seien, untaugliche »Curtisanent zu setzen, 
welche keinen Vorzug besässen, als dass sie in Rom gedient 
hätten und vielleicht aus unlauteren Gründen hohe Protection 
besässen. Nachdem nun der deutsche Orden in Preussen ab- 
gegangen und auch Rhodus von den Türken eingenommen 
sei, wo bisher viele jüngere Söhne des Adels untergekommen 
seien, bäte man, das Vornehmen der Curtisanen nicht zu 
gestatten und die von Königen, Fürsten und Herren für den 
Adel gestifteten Klöster auch diesem in Zucht und guter Lehre 
zu erhalten, damit Herren mit grosser Kinderzahl ihre Kinder 
darein thun könnten, eine Reformation dieser Klöster aber 
nicht zuzulassen, da durch eine solche der Adel in dieselben zu 
kommen abgeschreckt würde. »In Summa, es ist eine seltsame 
Supplication.€ So urtheilt Fürstenberg über dieselbe, während 
der ehrliche Pfarrer, welcher die Anklagen gegen Constanz als 
unbegründet betrachtet, von der Supplication des Bischofs 
urtheilt, es sei »zu erbarmen, dass ein geistlicher Bischof sich 
so mit Unwahrheit hören lasse und die guten frommen Leute 
also in den Kessel haue.« 



') S. aasaer der betreffenden Stelle des Abschieds den Bericht 
der Strassborger Gesandten vom 16. April bei Jung XLIIL 

14* 



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212 

Der Gesandte der Stadt Gonstanz konnte »anderer Geschäfte 
halbere in dieser Sitzung nicht mehr zum Worte gelangen, 
um dieselbe gegen die Anklagen zu vertheidigen, sei es, dass 
er selbst andere Geschäfte hatte, sei es, wie es wahrscheinlicher 
ist, dass ihm unter Hinweis auf die übrigen noch auf der 
Tagesordnung der Sitzung stehenden Geschäfte die EIntgegnung 
für diesmal versagt und erst für eine folgende Sitzung gestattet 
wurde. Denn, schreibt Pfarrer, »es geht hier also zu. Was 
mit den Geistlichen hie daran ist, da ist man lustig, dasselbige 
alles vor den Ständen zu lesen; was aber wider sie ist, kann 
man wohl verhalten.c *) 

Hierauf erstattete der zur Berathung über die Monopole 
niedergesetzte Ausschuss, zu welchem noch Conrad Herwart 
von Augsburg zugezogen worden war, den Ständen Bericht 
über seine Berathungen. Seit Jahren war über diesen Gegen- 
stand fast auf allen Reichstagen verhandelt worden. In Deutsch- 
land bestand allgemeine Unzufriedenheit über die grossen 
Handelshäuser in Augsburg, Nürnberg und anderen Orten, 
welche sich zu Handelsgesellschaften vereinigt und den Handel 
mit einer Reihe von Gegenständen, namenttich mit Colonial- 
waaren und Gewürzen, fast ausschliesslich an sich gezogen und 
dadurch thatsächlich zum Monopole gemacht hatten. Die be- 
deutende Preissteigerung, welche überseeische Produkte um 



^) Pfarrer an Bütz am 17. April boi Jung XLV. Vergl. die 
Briefe Fürstenbergs, der eine Inhaltsangabe der Klage gegen Gon- 
stanz gibt, vom 17. April und der Augsburger Gesandten von dem- 
selben Tage. Eine ähnliche Klage, wie gegen Gonstanz/ war, wie 
Sturm schon am 30. MJlrz vernahm, Seitens der Grafen gegen 
Strassburg beabsichtigt. In Folge der Bemühungen des auf die 
Bitte des Strassburger Rathes in Speier erschienenen Grafen Wilhelm 
von Fürstenberg wurde diese Klage aber nicht eingereicht. — Nach 
dem Briefe Pfarrers haben wir den Vortrag dieser Klagen in die 
Sitzung vom 16. April verlegt. — In dem Schreiben der Augs- 
burger Gesandten vom 17. April heisst es zwar: „Sunst haben kemi 
die Grafen vnd vom Adel eyn grosse klag wider die von kostnitz 
geführt." Dennoch ist wohl nach dem bestimmten Zeugnisse Pfai-rers 
der 16. April der richtige Tag, wenn nicht etwa der Vortrag der 
Klagen des Bischofs am 16., des Adels aber am 17. April geschah. 



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213 

1520 in Deutschland erfahren hatten, legte man, nicht ganz 
mit Unrecht, jenen den Markt beherrschenden und alle Con- 
currenz unterdrückenden Handelsgesellschaften zur Last. Auf 
dem Reichstage zu Nürnberg war desshalb schon 1522 be- 
schlossen worden, jede Handelsgesellschaft zu verbieten, welche 
über 50,000 Gulden Kapital besitze. Doch es war leichter, 
solchen Beschluss zu fassen, als ihn auszuführen. Obwohl der 
letzte Speierer Abschied von 1526 den kaiserlichen Fiscal beauf- 
tragt hatte, gegen die Monopolien und grossen Handelsgesell- 
schaften ernstlich zu procediren, so bestanden dieselben doch 
in alter Weise fort und erfreuten sich theilweise sehr hoher 
Protection. Namentlich das Haus Fugger in Augsburg wurde 
von dem Kaiser selbst in Schutz genommen, da derselbe ebenso 
wie sein Bruder Ferdinand die finanzielle Hülfe desselben häufig 
in Anspruch zu nehmen gezwungen war. So wurde denn 
auch jetzt den Ständen ein Erlass des Kaisers an den kaiser- 
lichen Fiscal zur Kenntniss gebracht, in welchem demselben 
bei Verlust seines Amtes geboten wurde, nicht ^egen die 
Monopole einzuschreiten und insonderheit die Fugger unbe- 
lästigt zu lassen, welche nicht Monopolisten seien, sondern nur 
in Gold, Silber und Era Handel trieben. Zu einem Beschlüsse 
über diese Angelegenheit kam es in dieser Sitzung noch nicht. 
Doch hatten die Stände an jenem Erlasse wenig Gefallen, und 
selbst Herwart, der Mitbürger der Fugger, kann sich nicht 
enthalten, darüber zu schreiben, dass, wie er glaube, Jedermann 
grosses Missfallen darüber trage, wie man sich erzeige. Die 
Sache wurde an den Ausschuss zurückgegeben, welcher weiter 
darüber verhandelte. Auf dessen Vorschlag wurde dann trotz 
jenes kaiserlichen Einlasses in einer späteren Sitzung der Stände 
der Beschluss des Reichstags von 1526 wörtlich wiederholt und 
in den Abschied aufgenommen, dass, nachdem die Monopolien 
und grossen Handelsgesellschaften eine eigennützige und imleid- 
liche Handlimg und bei hoher Strafe verboten seien, der kaiser- 
liche Fiscal gegen dieselben ernstlich einschreiten solle. *) 

*) S. die Briefe der Augsburger Gesandten und Fürstonbergs 
vom 17. und Wiedeinanns vom 20. April. Fürstenberg gibt uns 
den Inhalt des kaiserlichen Schreibens an den Fiscal an. Im üebrigen 
vergL Ranke H, 80 ff. 



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214 

Schliesslich brachte in dieser Sitzung noch das Reichs- 
regiment eine Reihe von Angelegenheiten, welche ihm seit dem 
letzten Nürnberger Reichstage begegnet waren, vor die ge- 
meinen Stände mit dem Ersuchen, Bescheid zu geben, wie das 
Regiment in diesen Angelegenheiten verfahren solle. Da auf 
dem Reichstage über keinen dieser Artikel ein förmlicher Be- 
schluss gefasst wurde, so beschränken wir uns auf kurze Mit- 
theilungen aus den wichtigeren Punkten jener Aktenstücke, 
von welchen in fast allen Archiven Abschriften vorhanden 
sind, da dieselben am 17. April den Secretarien aller Stande 
in die Feder dictirt wurden. Eine hervorragende Stelle in 
denselben nahmen die bereits berührten Verhandlungen des 
Regimentes mit der Stadt Strassburg wegen Abschaffung der 
Messe ein. Eine weitere Klage betraf die Stadt Constanz, 
welche mit der Eidgenossenschaft von Zürich und Bern in 
Bürgerrecht getreten war. Es wurde angefragt, was zu thun 
sei, damit andere Städte von ähnlichen Schritten abgehalten 
würden. Unter Bezugnahme auf die Pack'schen Wirren des 
vorigen Jahres wurden Verhaltungsmassregeln erbeten, um für 
die Folge solche Empörung und Rüstung abzuwenden. Weiter 
wurde angefragt, was gegen Solche zu geschehen habe, die 
den Geistlichen ihre Freiheiten und Gerechtigkeiten in oder nach 
dem Bauernkriege theilweise genommen hätten, oder welche 
Klöster aufgehoben und sich mit den Mönchen zu »ihrem und 
nicht des Klosters Nutze verglichen hätten, was femer mit den 
Stiften und Klöstern geschehen solle, aus welchen die geist- 
lichen Personen, Männ^ oder Weiber, alle ausgetreten seien. 

Das Regiment gab diesen Anfragen zugleich Gutachten 
bei, welche, wie bei der damaligen Gesinnung der Mehrheit 
desselben nicht anders zu erwarten war, ganz im Sinne der 
Geistlichen dahin gingen, dass eme Restitution der Geistlichen 
in ihre Freiheiten und Gerechtigkeiten und Strafe gegen die 
dieselben Beeinträchtigenden erfolgen solle, dass zur Verwaltung 
der Gefälle aufgehobener Klöster von dem Kaiser, den etwaigen 
Landesfürsten und den geistlichen Ordinarien. Commissarien 
bestellt werden sollten, in verlassene Klöster aber andere 
»taugliche Personen« eingesetzt und denselben die Klostergüter 
wieder zugestellt würden. — Doch kam es, wie bemerkt, zu 



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216 

keinem Beschlüsse der Stände über alle diese Anfragen, ja es 
scheint, da der König und die Stände sehr auf baldigen Schluss 
des Reichstags drängten, nicht einmal zu Berathungen darüber 
mehr gekommen zu sein.^ 

In der am folgenden Tage, Samstag den 17. April, statt- 
findenden Sitzung aller Stande kam zuerst der Entwurf einer 
Adresse zur Verlesung, welche man an den Kaiser zu richten 
gedachte, um daiselben unter dankender Annahme seines in 
der Proposition gemachten Anerbietens und Hinweis auf das 
Anbrmgen des päbstlichen L^aten zu ersuchen, baldigst mit 
dem Pabste ein General-Goncil zu berufen, damit der Zwiespalt 
im christlieh^i Glauben beseitigt werden könne. Femer wurde 
in demselben die dringende Bitte an den Kaiser gerichtet, 
baldmöglichst in cägener Person nach Deutschland zu kommen imd 
auf Herstellung des Friedens zwischen den christlichen Potentaten 
kräftigst hinzuwirken.^) Die beiden fürstlichen Collegien erklärten 
sich noch in dieser Sitzung mit dem Entwürfe einverstanden,®) 
welcher sodann in's Reine geschrieben und von den den Ab* 
schied anndimenden Ständen am 20. April unterzeichnet wurde. 

Weiter wurde der von dem Ausschusse verfasste Entwurf 
eines dem Abschiede einzuverleibenden Mandates gegen die 
Wiedertäufer den Ständen zur Kenntniss gebracht und von den 
beiden fürstlichen Collegien gleichfalls unverändert genehmigt, 
während die Städte ihre Berathung darüber vorerst noch 

^) unseren Auszug ans den Aktenstücken geben wir nach 
dem Wünftbnrger Archive. Vergl. ausserdem den Bericht der Augs- 
baiger Abgeordneten vom 17. April nnd dio Briefe Pfarrers vom 
17. und Sturm» vom 18. April bei Jung XLV, XL.VU und XLVni. 
Auch das E^mmergericht brachte eine Anzahl von juristischen 
Fragen, z. B. betrefiis der Verschleppung der Processe durch Par- 
theien, der Form der gerichtlichen ürtheile, der Appellationsfrist etc. 
an die Stände zur Entscheidung, erhielt aber gleichfalls der drängen- 
den Zeit wegen keinen Bescheid von den Ständen. 

*) Eine Copie von »der Stend schrifft an kay. Mt." findet sich 
unter anderem in den betr. Würzburger Hcichstagsakten Fol. LIU 
bis LVIII und in den markgräfl. Brandenbnrgischen Reichstagsakten 
Fol. 84 ff. Die Adresse stimmt an vielen Stellen mit dem Reichs- 
tagsabscbiede fast wörtlich überein. 

®) Fttrstenberg am 17. April. 



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216 

aussetzten.*) »Das Mandat ist schwer genüge, meinen die 
Augsburger Abgeordneten. Und jn der That ist der Inhalt 
desselben derart, dass wir uns heute schwer darein finden 
können, wie evangelische Stande erklären konnten, sie hofften 
sich über diesen Theil des Abschiedes mit der Mdu'heit ver- 
standigen zu können. Nur die Verbindung äusserst bed^iklicher 
sittlicher und socialer Verirrungen mit dem Irrthume in der 
Glaub^islehre, wie sie schon damals nicht selten bei Wieder- 
täufern vorkam und später bei den Anabaptisten zu Münster 
in äusserster Verzemmg sich zeigte, mag uns jene Thatsache 
erklären. Der Inhalt jenes Mandates war etwa folgender: 
Wiewohl schon das gemeine Recht bei Todesstrafe verbiete, 
bereits Getaufte noch einmal zu taufen, und der Kaiser zu 
Anfang des Jahres 1528 neuerdings vor der Secte der Wieder- 
taufe gewarnt und strenges Einschreiten gegen die Uebertreter 
jenes Verbotes anbefohlen habe, nehme jene Secte doch immer 
mehr überhand. Darum werde von Neuem angeordnet, »dass 
alle und jede Wiedertäufer imd Wiedergetaufte, Manns- und 
Weibspersonen, verständigs Alters, vom natürlich^i Leben zum 
Tode mit Feuer, Schwert oder dergleichen, nach (Jelegenheit 
der Personen, ohne vorhergehende der geistlichen Richter In- 
quisition, gerichtet und gebracht werden.« (Jegen die Prediger 
und Führer der Secte, sowie diejenigen, welche bei derselben 
beharrten oder wieder zu ihr abfielen, solle keine Gnade geübt, 
die angedrohte Strafe vielmehr unnachsichtlich vollzogen wer- 
den. Solche, die ihren Irrthum bekennten, widerriefen und 
um Gnade bäten, mögen begnadigt werden. Wer seine Kinder 
nicht taufen lasse, solle als Wiedertäufer geachtet worden. 
Kein Begnadigter solle auswandern dürfen, damit die Obrigkeit 
darauf achten könne, dass er nicht wieder abfalle. Kein Stand 
solle des andern Unterthanen, welche desshalb entwichen seien, 
bei sich aufnehmen, und von Allen bei den Pflichten und Eiden 
gegen Kaiser und Reich und um des Kaisers schwere Ungnade 
und Strafe zu meiden, dieses Mandat in allen Puncten streng- 
stens vollzogen werden. 



^) S. das Schreiben der Aogsbnrger Abgeordneten vom 17. 
April und den Bericht Fürstenbergs von demselben Tage. 



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217 

So war denn mit dieser Sitzung der Haupttheil der Ge- 
schäfte des Reichstages erledigt und es blieb, da man das 
Votum der Städte, soweit es mit dem der Mehrheit der anderen 
Stände nicht übereinstimmte, unbeachtet liess, nur noch übrig, 
die Beschlüsse des Reichstags, wie sie den kaiserlichen Gom- 
missarien vorgetragen und von denselben gebilligt waren, in 
die hargebracht^i Formen eines Reichstagsabschiedes zu bringen. 

Zwar harrte auch noch die Beschwerde der evangelischen 
Fürsten ihrer Erledigung. Noch immer gaben sich dieselben, 
wie sie im Appellationsinstrument erklären, der Erwartung hin, 
dass König Ferdinand und die anderen Commissäre des Kaisers, 
in deren Händen ihre Beschwerde lag, mit ihnen eine »bequeme 
Veremigungc zu bewirken suchen würden. Aber sie warteten 
vergebens. Umsonst Hessen sie, als die Stände, unbekümmert 
um ihren Widerspruch, zu den Verhandlungen über die anderen 
Propositionspunkte übergingen und die Commissäre nichts von 
sich hören Hessen, mehrmals (»zum allerwenigsten zwierc) bei 
dem Könige ihre Beschwerde in Erinnerung bringen. Sie 
erhielten keine Antwort. Um so mehr mussten sie darauf 
bedacht sein, für den immer wahrscheinlicher werdenden Fall, 
dass ihre Beschwerde auch bei den kaiserlichen Commissären 
unberücksichtigt bliebfie und d^ Mehrheitsbeschluss zum Reichs- 
gesetze whoben würde, die noth wendigen Vorkehrungen zu 
treffen. Auch der äusserste Fall, dass es um des Abschiedes 
willen zu FeindseUgkeiten käme und die evangelischen Stände 
mit Gewalt zur Durchführung desselben genöthigt werden 
sollten, musste von denselben vorgesehen werden. Es sah ja 
bedrohlich genug aus. Namentlich die Oberländer, der Schweizer 
Lehre anhängenden Städte mussten sich dieser Gefahr ausgesetzt 
glauben. Schon war das Gerücht nach Speier gekommen und 
wurde von Dr. Faber geflissentlich nicht ohne Uebertreibungen 
verbreitet, in der Schweiz sei es bereits zum Bürgerkriege 
gekommen und es stünden dort schon beiderseits grosse Heere 
unter den Waffen.*) Wenn nun um dieselbe Zeit ein Trabant 



^) Ersählong im Appellationsinstmment bei Jang LXXXVm 
und Müller 7f. 

^ Melanckihon an Camerarius am 21. April im Corp. Be£ 1, 1059. 



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218 

aus Spanien dem Könige Ferdinand die Nachricht brachte, 
dass der Kaiser im Begriffe stehe, aus Spanien nach Italien 
aufzubrechen, und wenn man Sorge trug, den evangelischen 
Ständen diese Kunde zur Kenntniss zu bringen, so lag es nur 
zu nahe, daran zu denken, dass bei der nahen Ankunft des 
Kaisers, von dessen starken Rüstungen in Speier viel geredet 
Wurde,') auch die »ungehorsamenc Stande zum Gehorsam mit 
Gewalt gezwungen werden sollten. »Gott gebe«, so schrieb in 
dieser Zeit (am 17. April) Herwart nach Augsburg, »dass man 
besser von einander scheide, denn man es sich in allen Theilen 
versieht!« Doch sprach er noch die Hoffnung aus, dass »ein 
Schwert das andere in der Scheide behalten« werde. 

Es war vornehmlich Landgraf Philipp, welcher unter 
diesen Verhältnissen in seinen Bemühungen nicht ermüdete, 
nicht nur die Emigkeit der Evangelisehen zu erhalten, sondern 
auch ein förmliches Schutzbündniss zwisch^i denselben zu 
Stande zu bringen. Bereits ein in der Woche nach Quasimodo- 
geniti erstattetes Gutachten der sächsischen und hessischen Räthe 
nimmt ein Bündniss mit den Städten in Aussicht, mit welchen 
desshalb »mündlich und auf gut Vertrauen im Geheimen zu reden« 
sei. Demgemäss hatte der Landgraf schon vor der Besdiwerde 
am 12. April in einem Gespräche mit Sturm es für nothwendig 
erklärt, ein Bündniss zwischen den evangelischen Fürsten und 
Städten noch in Speier vorzubereiten, damit, wenn Jemand 
wegen Ablehnung des Abschiedes vergewaltigt werdwi sollte, 
er wissen möge, welcher Hülfe er sich bei den anderen zu 
vertrösten habe.^) Und zu derselben Zeit oder noch früher 
hatte er die Vertreter der Städte Nürnberg und Ulm in das 
Vertrauen gezogen und mit seiner Idee bei ihnen vollen Anklang 
gefunden. War doch derselbe Gedanke in jenen gefahrvollen 

*) S. Starm*8 Brief vom 17, April bei Jung XLK und die 
Briefe Wiedemanns vom 20. und Fürstenbergs vom 17. April. 
Sturm redet dort von viel tansend Spaniolen, welche mit dem Kaiser 
kämen, und Wiedemann hebt hervor, dass er reichlich mit Geld 
versehen sei, »bis in dreissig mal hundert thawsend Ducaten.« 

') S. das Schreiben der Strassbnrger Gesandten vom 12. April 
bei Jung XXXIIl. Das erwähnte Gutachten findet eich in dem 
brandenb. Theile des Kreisarchivs Bamberg (Band 13, Kum. 12). 



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219 

Tagen unabhängig von dem Landgrafen auch bei in jene 
ersten Vorbesprechungen nicht eingeweihten evangelischen 
Städtegesandten, wie Ehlng^r, aufgestiegen, welcher in einem 
Briefe vom 12. April ebenfalls die Nothwendigkeit eines Bundes 
evangelischer Städte betonte. Die Ulmer Gesandten riethen 
dazu, den zu schliessenden Bund auch auf die Schweizer aus- 
zudehnen , wie das der Landgraf und der Zwingli befreundete 
Gesandte von Sanct Gallen, Christian Friedbold, wünschte.*) 
Zur näheren Besprechung über diesen Bund hielt man jetzt schon 
die Ansetzung eines Tages für angezeigt, welchen nach dem 
Reichstage die evangelischen Fürsten und Städte beschicken 
sollten, um sich »in des Evangeliums Sachenc und über die 
Absendung einer Gesandtschaft an den Kaiser zu einigen. 
Schon durch Erlass vom 10. April instruirte der Rath von 
Nürnberg, nachdem er bereits zwei Tage zuvor seine Gesandten 
angewiesen hatte, mit den christlichen Fürsten bei dem vorigen 
Speierer Abschiede zu bleiben und der Protestation anzuhangen, 
auf Grund eines neuerlichen emstimmigen Rathsbeschlusses die 
Nürnberger Abgeordneten, bei dem Worte Gottes beständig 
zu bleiben, zu den christlichen Ständen zu stehen und ihnen 
mit Protestation, Appellation und Procuration, wie man es für 
gut bedünke, anzuhangen, sich auch mit der Ausschreibung 
eines Tages zur Berathung einer Einigung der evangelischen 
Fürsten und Städte einverstanden zu erklären.^) Da auch der 
Ulmer und Strassburger Rath um diese Zeit nach Speier 
schreiben Hessen, man habe gegen die Verabredung eines 
Bündnisses nichts zu erinnern,®) so stand Seitens der zunächst 
in Betracht kommenden massgebenden Städte dem vorläufigen 
Abschlüsse einer Verständigung nichts im Wege. 



*) Keim, scbw&b. Beformationsgesch. 112. Derselbe, Ref. d. 
Reicbsßt. Ulm 159 f. ürk. d. acbw. B. U, 344. 

*) Beide Bathserlasse finden sich nach einer gütigen Mit- 
tbeilung des k. b. allgemeinen Beiohsarchivs in den sogenannten 
NOmberger Briefbttchem des k. Kreisarchivs Ntlmberg. 

^ Das Ulmer Schreiben ist vom 12., das Strassburger vom 
15. April datirt. S. Keim, schw. Ref. 113 und Jung XLIL Letzterer 
gibt die betreffende Zuschrift flirassburgs im Wortlaute. 



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220 

Während aber die evangelischen Städte in so zuvor- 
kommender Weise auf die Intentionen des staatsmännischen 
Landgrafen eingingen, fehlte nicht viel dazu, dass der ange- 
sehenste der evangelischen Fürsten, Kurfürst Johann von Sachsen, 
sich in dieser Frage von ihm getrennt hätte. Zwar darüber 
bestahd bei ihm und seinen RathgebcaTi auch in diesen Tagen 
keinen Augenblick ein Zweifel, dass das Bedenken des Aus- 
schusses in der von der Mehrheit beschlossen«! Form Gewissens 
halber nicht angenommen werden dürfe. Neben anderen Ar- 
tikeln war es vor Allem die Bestimmung, dass, wer bisher das 
Wormser Edict gehalten habe, auch femer seine Unterthanen 
danach halten sollte, in welche auch dem gemässigtsten Evan- 
gelischen einzuwilligen unmöglich war. Unter keiner Bedingung 
konnten sie dazu mitwirken, dass andere dazu verpflichtet 
werden sollten, auch für den Fall der Erkenntniss der evan- 
gelischen Wahrheit doch dieselbe zu verbieten. »Denn was 
wäre das änderst, heisst es in einem in diesen Tagen er- 
statteten Bedenken des Markgrafen Georg,') »als öflfentlich zu 
bekennen, dass solches Theils Meinung, bei dem Edict zu 
bleiben , gerecht , . . . . dass auch nicht allein die Obrigkeiten, 
sondern auch ihre armen Unterthanen, darunter ohne Zweifel 
noch viele gutherzige und auserwählte Christen sind, stracks 
verbunden würden, ob sie gleich Gott zu Erkenntniss seines 
heiligen allein selig machenden Wortes erleuchtet, dasselbige 
nicht anzunehmen, was doch offenbar wider Gott, seine Gnade 
und Barmherzigkeit sein würde ?c Dass gegen diese und ähn- 
liche Bestimmungen nur ein Protest möglich wäre, stand bei 
allen Evangelischen fest. Aber aus den Briefen Melanchthons, 
welcher, wie er später schrieb, mit Dr. Brück allein in diese 
Vorgänge eingeweiht war, erhellt, dass man von Seiten der Mehr- 
heit gerade in diesen Tagen, vielleicht durch Planitz, im tiefsten 
Geheimnisse neue Versuche machte, den Kurfürsten durch weitere 
Milderungen der getroffenen Bestimmimgen zur Annahme des 
Abschiedes zu gewinnen, wobei man aber die Verwerfung der 
schweizerischen Abendmahlslehre und Preisgebung der zwing- 



^) Ereisarchiv Bamberg. Vergl. den Brief Melanchthons an 
Camerarius vom 17. Mai im Corp. Bef. I, 1067. 



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221 

lisch gesinnten Städte zur unerlässlichen Bedingung machte. 
Und diese Bemühungen waren nicht ganz aussichtslos. War 
man doch in Sachsen mit der Verwerfung der Lehre der 
Schweizer materiell einverstanden und wollte nur von einer 
Befugniss des Reichstages nichts wissen, über solche dem Con- 
cile zu überlassende Fragen, noch dazu ohne die Betheiligten 
gehört zu haben, eine Entscheidung zu treflfen. So scheint 
denn der Kurfürst nochmals in Schwanken gekommen zu sein. 
Bezeichnend ist, was Melanchthon in diesen Tagen schrieb: ^) 
»Unser Fürst legt den Reichstagsbeschluss nicht so streng 
(vehementer) aus. Die in dem Decrete aufgestellten Artikel 
beschweren uns nicht. Ja, sie schützen uns sogar mehr, als 
der Beschluss des letzten Reichstags. Hätten wir die Strass- 
burger verworfen, so wäre ohne Zweifel ein Beschluss nach 
unserem Wunsche gefasst worden.« 

Doch kam es auch nicht zu mehr, als einem vorüber- 
gehenden Schwanken und Hinausschieben der Entscheidung, 
welche schliesslich nicht anders ausfallen konnte, als zu Gunsten 
eines einmüthigen Vorgehens mit allen evangelischen Ständen. 
Unermüdlich wies der Landgraf zur Beseitigung der gegen ein 
Zusammengehen mit Strassburg bestehenden dogmatischen 
Bedenken darauf hin, dass die Unterschiede in der Lehre wohl 
ausgeglichen werden könnten, und verfolgte mit Feuereifer die 
seit längerer Zeit in ihm aufgetauchte Idee eines Religions- 
gesprächs zwischen den Führern der deutschen und Schweizer 
Reformation, um eine volle Einigimg zwischen Luther und den 
Schweizern herbeizuführen. Schon im Januar hatte er es in 
Worms ausgesprochen, es müsse zu einem Gespräche zwischen 
Luther und Oecolampad kommen, und ob es ihn 6000 Gulden 
koste. ^) Jetzt in Speier that er die vorbereitenden Schritte 

*) Corp. Ref. I, 1058 f. Dieses an einen Ungenannten (nach 
dem Briefe Melanchthons vom 23. April an Oamerarius im Corp. 
Ref. If 1061 nicht, wie Keim (schw. Ref. 98) annimmt, ein Strass- 
bnrger, sondern ein Frennd des Camerarins, vielleicht Laz. Spengler in 
Nürnberg,) gerichtete Schreiben ist ohne Datum, f^lt aber oEne 
Zweifel in die Tage zwischen dem 12. und 19. April. S. auch 
Seckendorf 950. 

^ Keim, schw. Ref. 115« 



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222 

zur Ausführung dieses Gedankens. Mit Melanchthon verhandelte 
er mündlich darüber und erhielt von ihm die Antwort, &r habe 
keine Scheu, mit Oecolampadius oder Anderen sich in ein 
Colloquium einzulassen, nur müssten noch mehr Leute dazu 
gefordert werden, als sie.') Grössere Bereitwilligkeit noch fand 
er bei Zwingli, dem er schrieb, dass er zu seiner Betrübniss 
mehrmals auf dem Reichstage von den Widersachern habe 
hören müssen : »Ihr wollt am lauteren Worte Gottes festhalten 
und seid doch unter emander selbst nicht eins.t *) Und wenn 
auch die betreffenden Theologen selbst schwerlich eine volle 
Einigimg der beiden Theile in der Abendmahlslehre erwarteten, 
so gab sich doch Kurfürst Johann der Hofihung hin, dass 
»solche Artikel mit Hülfe des Allmächtigen wohl zu guter 
Vergleichung und Einigkeit führen möchtenc, um so mehr, als 
wohl in diesen Tagen auf Anregung Sturms aus Strassburg 
eine Darstellung der dort gepredigten Abendmahlsidure nach 
Speier gesendet wurde, welche die bestehenden Differenz«! als 
wenig bedeutend erscheinen liess.^) In dies^ Hoffnung erklärte 
denn auch der Kurfürst von Sachsen, nachdem er sich vorher 
schon mit den anderen evangelischen Fürsten und Städten 
verbunden hatte, von dem Speierer Abschiede sich auf keine 
Weise dringen zu lassen, ziun Eingehen eines Bündnisses mit 
den Städten sich bereit, wie es einige Tage später, am 22. April, 
ohne Vorwissen Melanchthons förmlich verabredet wurde.*) 



') Melaochtbon am 22. Jani an Landgraf Philipp im Coq>. 
Ref. I, 1077. 

«) Zwingli Epp. H, 287 bei Merle d'Aabignö III, 79. 

^) S. die Antwort des Kurftlrsten von Sachsen an die Gesandten 
von Strassburg and Ulm bei dem im December 1529 zu Schmal- 
kalden gehaltenen Convente bei Müller 333. Vergl. anch den Brief 
Starms vom 18. April bei Jung XLIX. 

*) S. zn der obigen Darstellung Keim, sohwüb. Bef. 97 f. 
Vergl. dazn die Briefe Melanchthons an Camerarios vom 21. April 
nnd 17. Mai, an Spengler und H. Baumgartner von demselben 
Tage, an Justns Jonas vom 11. und 14. Juni im Corp. Ref. I, 1059. 
1067. 1069. 1070 f. 1074 nnd 1076. Nach dem Reichstage gerieth 
Melanchthon, weil er das Bttndniss mit den Strassbnrgem nicht 
sofort widerrathen hatte, in die äassersien Gewissensbedr&ngnisse, 



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223 

So traf denn die entscheidende Sitzung vom 19. April 
die evangelischen Fürsten nnd Städte enge mit einander ver- 
bunden und entschlossen, alle weiter nothwendig werdenden 
Schritte in voller Einmüthigkeit zu unternehmen. 

17. Die Sitrang vom 19. April. Protestation der evangelischen 
Fürsten und Stände. 

Auf den Morgen des 19. April, des Montags nach Jubilate, 
war wieder eine feierliche Sitzung aller Stande in den Rathhof ^) 
anberaumt, in welchem der Reichstag seine Versammlungen 
hielt In derselben erschien auch König Ferdinand, gefolgt von 
dem kaiserlichen Orator, Probst Waldkirch, und den übrigen 

in donen er schrieb, er wolle lieber sterben, als solches Elend er- 
tragen; alle Schmerzen der Hölle hätten ihn bediängt. Am aus- 
fnhrlichsten erzählt Melanchthon in dem Briefe vom 17. Mai an 
Camerarins die Entwickelang der im Texte geschilderten Vorgänge. 
^) Ueber den Ort, an welchem der Reichstag gehalten wurde, 
ist vor zwanzig Jahren ein längerer literarisciier Streit gefQhrt 
worden. Bis zum Jahre 1857 war man allgemein zu Speier der 
Ansicht, die dortigen Reichstage nnd namentlich der des Jahres 
1529 seien in dem Retscher gehalten worden, welchen der Rath der 
Stadt im Jahre 1495 ans Privatbesitz erworben hatte. Derselbe 
bestand ans zwei Hänsem mit den dazu gehörenden Höfen und 
Gesässen, zu welchen gleichzeitig .noch ein daneben liegender Garten 
mit Scheuer erworben wurde, und lag an und in der Umgebung 
der Stelle, auf der heute die Dreifaltigkeitskirche steht, und in 
nächster Nähe des Rathhofes, von welchem er theilweise nur durch 
das wenige Meter breite kleine Himmelsgässchen getrennt war. 
Seinen Namen führte er von dem reichen und im 13. und 14. Jahr- 
hundert zu Speier sehr angesehenen Geschlechte der Retschelin oder 
Betschel, in dessen Besitz das Gebäude längere Zeit gewesen war. 
Von dem einen der beiden damals zum Retscher gehörenden Häuser 
steht heute noch die Raine. Die Meinung, dass die in Speier ge- 
haltenen Reichstage im Retscher getagt hätten, stützte sich vor- 
nehmlich auf eine nach der Zerstörung der Stadt Speier im Jahre 
1689 durch den Rath der Stadt abgefasste „umständliche Beschrei- 
bung und Aestimation de^enigen Schadens, welcher von der Cron 
Frankreich des Heil. Reichs Freyen Stadt Speyer .... zngefttgt 



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224 

Commissären des Kaisers. Wieder führte Pfalzgraf Friedrich 
das Wort, um den versammelten Standen Namens der kaiser- 
lichen Commissäre die förmliche Erklärung abzugeben, dass 
sie auf Grund der ihnen von dem Kaiser ertheilten Vollmacht 



worden." Hier wird unter der Ueberschrift : „Geistliche Oebttae so 
in Asche gelegt worden" auch der zu 61000 Gulden gesckfttzte 
Retscher mit den Worten aufgeführt: »Der Betschin: ein uhr-altes 
treffliches Gebän woselbst in vorigen Zeiten die Römische Kaiser 
auf den Reichs-Tftgen Rath gehalten." (8. K. Weiss, der Kriegs- 
schaden, welchen die freie Reichsstadt Speier im 17. und 18. Jahr- 
hundert durch die Franzosen erlitten hat, in den Mittheil. d. bist. 
Ver. der Pfalz II, 48.) Dem entsprechend und einer von Frie- 
drich Schultz (in seinen Reden und Gebeten zur dritten Jubelfeier 
der Ref. Speyer 1817. S. 8, Anm.) gegebenen Andeutung folgend 
sprach dann J. M. König in seiner 1834 erschienenen Reformations- 
geschichte der Stadt Speier (S. 26) es geradezu aus, dass die Evan- 
gelischen bei dem Reichstage von 1529 „in denen, neben der 
evangelischen Dreieinigkeitskirche noch stehenden Brandmauern 
eines Flügels des ehemaligen kaiserlichen Palastes, Retschin genannt, 
den Namen Protestanten erhielten." Da diese Behauptung unwider- 
sprochen blieb, so befestigte sich jene Meinung von der Abhaltung 
des Reichstages im Retscher immer mehr, und als sich dann im 
Jahre 1856 ein Verein bildete, welcher sich die schöne Aufgabe 
setzte, mit Beihülfe der Protestanten aller Länder in Speier, der 
Geburtsstadt des Protestantismus, eine monumentale Kirche als ein 
Denkmal der Protestation zu erbauen, gab sich derselbe den Namen 
»Retscherverein«. Dies gab dann Anlass zu dem erwähnten litera- 
rischen Streite, welcher nicht immer ohne Heftigkeit und Erbitte- 
rung geführt wurde. Doch gelang es damals noch nicht, den posi- 
tiven urkundlichen Beweis zu liefern, dass der Reichstag des Jahres 
1529 nicht im Retscher, sondern in dem Rathhofe gehalten wurde. 
Dagegen konnte Remling mehrere Aktenstücke beibringen, aus dmien 
hervorging, dass die Reichstage der Jahre 1526, 1544 und 1570 in 
dem Ratkhauu stattfanden. (Remling, Retscher lU, 68 ff und 97 
bis 101.) Da indess alle von Remling angeführten Urkunden nicht 
den Namen Rath ho f, sondern den Namen Rath haus gebrauchen 
und man der Meinung war, dass auch der Retscher zu „Rathhaus- 
zwecken" verwendet wurde, so war damit selbst für jene Reichstage 
noch kein zwingender Beweis gegen die Abhaltung derselben im 
Retscher geliefert. 



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226 

die Mdirheitsbeschlüsse der Stände in Sachen des Glaubens, 
der Türkenhüife und des Unterhalts von Regim^it und Kammer- 
genchl im Namen des Kaisers hiemit acceptirten und dieselben 
nunmehr in die Form eines Reichstagsabschiedes bringen 

Dagegen lassen die den Verfassern jener Streitschriften noch 
unbekannten Aktenstücke, welche wir bei Abfassung dieser Darstel- 
lung benutzen konnten, keinen Zweifel, dass 1) in jener Zeit die 
Bezeichnungen »^athhof*, „Rathhans" und „Haus" promiscue ge- 
braucht wurden, und dass 2) nicht nur die Reichstage im Allge- 
meinen, sondern auch speciell der des Jahres 1529 und namentlich 
die entscheidende Sitzung vom 19. April im Bathhofe gehalten 
wurden. Die Beweise hiefilr sind folgende: Die in den Würzburger 
Beichstagaaktffli vorhandene Relation über den Reichstag von 1529 
bemerkt ausdrücklich , dass am 15. März die kaiserlichen Com- 
miss&re nebst den anwesenden Kurfürsten und Fürsten . . . 
„in dem Raikhoue sich gesammelt, volgents mit einander Jn den 
Dhumbstifft guigen, beim Ampt der Hejligen Mess, so erlich 
gesungen worden, gewesen vnd nach aussgang desselben wider 
Jn den Rathkaue . . . gezogen, den ausgeschrieben Reichsdag 
anzufangen. ** Dagegen berichten die Kördlinger Gesandten am 
20. März 1529 nach Hause (Beilage 14): „Nach sollichem 
vollprachten Aropt der mes 8e3rn der kunig von Hungern 
.... von der kirchen des Thumstiffts d^i nechsten in das 
Rmihaws gangen« Des Orts . . . Herr Friedrich Pfalzgrane bej 
Rhein . . . dem Reichstag den anfang gemacht'' Die „neue Zeit- 
tung von Speyr" endlich (Beilage 38) erzählt den gleichen Vorgang 
mit den Worten: „Vnd nach dem ampt seyen sj (die Fürsten) hyn- 
gangen aaff das kauM vnd die andern Fürsten haben sein'' (wohl des 
bei der Messe nicht erschienenen Kurfürsten von Sachsen) „auff dem 
kaut gewart" Oeht hieraus unwidersprechlich hervor, dass die 
Worte Haus, Raihhaus und Rathhof dasselbe Gebäude bezeichnen 
und dass in diesem der Reichstag von 1529 erdfnet wurde, so fehlt 
es auch nicht an urkundlichen Belegen dafür, dass in diesem Ge^ 
bände (dem Rathhofe) die folgenden Reichstagssitzungen ebenfalls 
gehalten wurden. Das Hesse sich schon schliessen aus den anderen- 
faHs unverständlichen Worten Wiedemanns in seinem Berichte vom 
9. April (Beilage 19): ,4<^ hab auch den Forner noch keinmal im 
Kmüi^f gesehen, allein auf dem platz vorm thum vnd auff dem 
markt." Ausdrücklich berichtet es aber Mathis PCeo'rer, wenn er 
am 3. April (bei Jung XVU f) schreibt : „Vff Sunntag (4. April) 

15 



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_J26_ 

lassen würden. Er schloss daran die Bitte, sogleich die 
Fürsten zu bestimmen, welche den Abschied besiegeln sollten, 
und vor förmlicher Ausfertigung des Abschiedes Speier nicht 
zu verlassen. 

Nach dieser Anrede des Pfalzgrafen Friedrich Hessen die 
kaiserlichen Gommissäre noch einen schriftlichen »Bescheid» 
folgenden Inhalts vor den Ständen zur Verlesung bringen : 

zwischen V und VI Uren sollen die Stend wider vff das Buwe kommen." 
üeber die Sitzung vom 19. April schreiben die Strassburger Ge- 
sandten am 21. April (Jung LUT f): „Jat myttler Zjrtt die Kö. Maj. 
vnd andere Commissarien vssgetretten vnd ab dem Hu$s gangen.*' 
„und in dorn Appellationsinstrument wird über dieselbe Sitzung 
erzUhlt (bei Jung XC) : „Und als wir uns desselbigon gar nit ver- 
sehen, .... seind doch Jre Königl. Durchl. und vielgemelte Oratorn 
und Commissarien, vnser unerwartet, auffgestanden , und ans de$ 
Reyehi Stende Vertammlungf vom Hauis un versehen herabgezogen." 
Ebenda (Jung CV und €IX, verglichen mit CVIII) wird dann auch 
noch in ausdrücklichem Unterschiede von „Königl. Durchlauchtigkeit 
Hoff^% in welchem König Ferdinand Dienstag den 20. April Morgens 
sechs Uhr die evangelischen Fürsten vergeblich erwartete, bemerkt, 
dass der König dieselben ersuchen Hess, Donnerstag den 22. April 
zwischen acht und neun Uhr Vormittags „auf dem Hauss'* zu sein, 
welches nach dem Allem kein anderes seih kann, als der Rathhof, 
in welchem der Reichstag eröffnet worden war, seine regelmässigen 
Sitzungen abhielt und auch am 19. April tagte. 

Bei der bedeutenden Stelle, welche dieses Gebäude in der 
Geschichte des Reichstages einnimmt, werden dem Leser einige 
Notizen über dasselbe nicht unerwünscht sein. Dasselbe stand in 
nächster Nähe des Retschers und des Domes an der Stelle, wo heate 
das städtische Volksschulhaus und das Theatergebäude sich befindet 
In einer Urkunde aus dem Jahre 1303 kommt dasselbe zum ersten 
Male vor als „domus Ebelmi ante monasterium". 1340 erwarb es 
der Rath der Stadt von den Erben dieses Ebelin und bestimmte 
dann im Jahre 1350, dass das weitläufige Gebäude mit allen seinen 
^umen „allezeit Winter vnd Somer eime Römischen könige und 
eime Rathe von Spire warten solle" und nicht, wie es wohl bis 
dahin geschah, zu Hochzeiten, Versammlungen oder Tänzen vei> 
wendet werden dürfe. In der Folge diente der Rathhof mehrtack 
den nach Speier kommenden Kaisem als Absteigquartier, so 1378 
dem Könige Wenzel und 1414 dem Kaiser Sigismund. S. Zeuss, 



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227 

Tue kaiserlichen Gommissäre hätten die Schrift mit den 
Beschlüssen des Reichstags hinsichtlich der Religion, der 
Türkenhülfe und des Eammergerichts und Regiments Yon den 
Ständen empfangen und davon E^intniss genommen. Wiewohl 
nun gegen Eünzelnes in diesen Beschlüssen im Namai des 
Kaisers, dessen Instruction in denselben nicht ^anz erfüllt 
sei, gegründete Einrede erhoben werden könne, so bedächten 

die freie Reichsstadt Speier vor ihrer Zerstörung. Speier 1843. 
8. 15 nnd Bemling, der Retscher zu Bpeier I, 44 ff und 88 f. 
Nachdem das Gebäude schon früher mehrmals erhebliche Erweite- 
rungen and Verbesserungen erfahren hatte, . wurden unmittelbar 
vor dem Reichstage von 1526 wieder solche an demselben vorge- 
nommen, wie aus folgender Stelle der Polizoiverordnung fUr diesen 
Reichstag (Archiv der Stadt Speier, Fascikel 169) hervorgeht: 
„Erstlich den Angefangen bw im Rathoue zunerordnen, Das der 
ordentlich der notturfft nach vollenfurt werde, Sin bescheiden von 
des Rats wegen Adam von berstein, Jörg Gebel, peter brun, hein« 
rieh raerbel, Wiprecht kercher, friderich murer vnd Monster hans 
hofman Steinmetz." Später wurde der Rathhof theilweise dem 
Reichskammergericht eingeräumt. Im Jahre 1689 wurde auch 
dieses Gebäude vollständig zerstört. Desselben wird in der „um- 
ständl. Beschreibung und Aestimation des Schadens etc." mit folgen- 
den Worten gedacht: „Der Rath-Hof ; worin £. Hoch-Löb). Eayserl. 
Cammer-Gericht Rath und Gericht gehalten; Auch dem Städte 
Magistrat, deme sothaaer Hof eigenthumlich zugestanden, zu Rath 
gegangen, bestehend in 5 grossen Haupt-Gebäuen und verschiedenen 
kostbaren Gewölben etc. wird sampt dem Stadt-Bau-Hof, so daran 
gestossen, ästimirt vor 80000 fl." (S. K. Weiss a. a. 0. 50.) 

Wir fügen, da auch über diesen Punkt Meinungsverschieden- 
heiten herrschten, dem noch bei, dass über die Wohnung des Königs 
Ferdinand während des Reichstages von 1529 keine bestimmten 
urkundlichen Nachrichten vorhanden sind. Wohl wird in den Akten 
mehrfach „irer Majestät (oder Durchlauchtigkeit) Hoff" erwähnt nnd 
derselbe von dem „Haus", in dem der Reichstag tagte, unterschieden. 
Aber wo dieser Hof war, wird nicht bemerkt. Es ist jedoch nicht 
unwahrscheinlich, dass Ferdinand seine Wohnung in dem in nächster 
Nähe des Domes gelegenen Hanse des Domherrn Johann von 
Löwenstein hatte, in welchem er auch abstieg, als er vom 2. bis 4. 
December 1530 mit seinem Bruder Kaiser Karl V in Speier weilte. 
Letzterer wohnte damals in dem daneben liegenden Hause des 

15* 



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228 

sie doch,^) dass die Stande ihre Besdilüdse Gtoti dem Allmäch- 
tigen zn Lob und Ehre^ kaiserlicher Majestät zu unterthänigstem 
Gehorsam und vor Allem zur Erhaltung unseres christlichen 
Glaubens, auch des Friedens und der Einigkeit im Reiche 
christlich, vernünftig und weise gefasst hätten. Sie liessen 
sich darum ihres Theils diese Beschlüsse gefallen und tiähmen 
sie kraft der ihnen vom Kaiser ertheilten Vollmacht hiemit 
im Namen kaiserlicher Majestät und für sich selbst an, so dass 
man sie nur noch in die Form eines Abschieds zu bringen 
habe. Den Kurfürsten, Fürsten und Ständen sagten sie in 
des Kaisers und im eigenen Namen ihren besonderen Dank 
und würden es kaiserlicher Majestät rühmen, welche olme 
Zweifel Solches gegen alle Stände mit Gnaden erkennen werde. 
Von der Beschwerdeschrift, welche von dem Kurfürsten von 
Sachsen und den anderen evangelischen Fürsten gegen den 
betreffs des Glaubens gefassten Beschluss übergeben worden 
sei, hätten sie ebenfalls Kennlniss genommen und liessen sie, 
wie sie sagen, »in ihrem Werthe bleiben«. Nachdem jene 
Schrift dem grossen Ausschusse, dann den versammelten 
Ständen vorgetragen und von der allgemeinen Versammlung 
sodann, altem löblichem Herkommen gemäss, nach ihrem Ge- 
wissen mit Stimmenmehrheit beschlossen worden sei, auch die 
kaiserlichen Commissäre Namens des Kaisers und für sich selbst 
jenen Beschluss angenommen hätten, wollten sich nun die kaiser- 
lichen CommisKäre zu dem Kurfürsten und den anderen evange- 
lischen Fürsten »gänzlich versehen«, dass sie den von der 

Domherrn Johann Kranich von Kirchheim. Zar Ermöglicbn^g des 
ungestörten Verkehrs beider Herrscher war die Wand zwischen 
beiden Häusern durchbrochen und eine unmittelbare Verbiodong 
derselben hergestellt worden. S. Stadtarchiv Fascikel 152. Die 
betr. Urkunde ist in Remlings ßetsoher S. 94 veröffentlicht. 

^) Die betreffenden Worte lauten: „und wiewohl in solche 
der gedachten Chur- und Fürsten, und der andern Stande gestelte 
Schrift, der dreyer Artickel des bemeltcn kays. Stathalter, Orator 
und Commissari beschehen Fürtrag nach zu Erfüllung und Genug- 
thnnng der gedachten Kayserl. Mayst. unaers allergnedigsten Herrn 
Willen und Meinung gegründet und genugsam Einrede zu haben 
weren: so bodencken doch etc, etc." 



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229 

Majorität ganz nach altem töbKchcm Grebraiaehe beschlossenen 
und von den kaiserlichen Commißsären kraft der Yom Kaiser 
ihnen ertheilten Vollmacht genehmigten Abschied nun auch 
nicht weigern würden.^) 

So waren denn die evangelischen Fürsten mit ihren in 
loyalster Weise eingereichten Beschwerden völlig abgewiesen. 
Ihre Bitte um eine weitere Erw&gtmg war rund abgeschlagen 
in einer Form, »dte wie eme Zurechtweisung aussah«.^) Der 
Beschwerde des Grafen von Wertheim aber, sowie der Städte, 
auf welche man gar keine Rücksicht mehr nehmen zu mfiss^i 
glaubte, wurde auch nicht mit einem Worte gedacht.^) Noch 
immer hatten die evangelischen Stände die Hoflfnung auf einen 
besseren Erfolg ihrer Bemühungen nicht ganz aufgegeben, und 
wenn sie sich audi mit einander im Wesentlichen verständigt 
hatten, was von ihnen im Falle der definitiven Annahme des 
von der Majorität beschlossenen Abschieds zu thun sei, so traf sie 
doch dieser Bescheid der kaiserlichen Commissäre, welcher von 
denselben offenbar als eine definitive (»endliche«) Antwort 
auf ihre Beschwerde betrachtet wurde, nicht so vorbereitet, 
dass sie den Bescheid unverzüglich hätten beantworten könn^i. 
Die evangelischen Fürsten traten desshalb aus dem Sitzungs- 
saale in ein Nebenzimmer, um eine kurze Berathung mit 
einander zu halten und dann den kaiserlichen Commissären 
und Ständen das Notliwendige zu erwidern. 

Aber, wie die Evangelischen im Appellationsinstrumenl 
erklären, »unser unerwartet, da wir uns gar nicht vermuthet, 



^) Dieser Beseheid ist wörtlich in das Appellationsinstrument 
aufgenommen und findet sich bei Jung LXXXVm ff; Müller 72 ff 
und Walch 388 ff. Ausserdem vergl. über die Sitzung die Berichte 
der Strassburger Gesandten bei Jung LH ff und der Augsburger 
Abgeordneten vom 19. April im dortigen Stadtarchive. 

*) Ranke IQ, 110. „Fast in Gestalt einer angemassten Wei- 
sung*', sagen die evangelischen Fürsten in der am 22. April den 
Commissären und Ständen übermittelten und dem Appellations- 
instrument einverleibten „Antwort". Jung CVlll. 

') Dies heben die Augsburger Gesandten in ihrem Berichte 
vom 19. April ausdrücklich hervor: „Der Stett vnd Etlicher graffen, 
die solichs widersprechen, ist geschwigen." 



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280 

dass königliche Durchlaucht mit gedachten Oratorn und Com- 
missarien nicht die kleine Weile würden verzogen und abge» 
harret haben, dass wir ein kurz Gespräch mit einander hätten, 
sind sie aufgestanden und aus der Reichsständeyersammhmg 
vom Haus unversehens herabgezogen«. Vergebens sandten die 
evangelischen Fürsten etliche ihrer Rathe dem Könige nach 
mit der Bitte , nebst den Ständen doch ihre Antwort auf den 
Vortrag hören zu wollen. Der König antwortete nur kurz, 
er habe Befehl von kaiserlicher Majestät, den habe er aus- 
gerichtet und es müsse dabei sein Verbleiben haben; die Ar- 
tikel seien beschlossen. *) 

Nachdem so alle Bemühungen der evangelischen Fürsten 
und Stände fehlgeschlagen waren, blieb ihnen nichts mehr 
übrig, als den Schritt zu thun, welcher von einzelnen unter 
ihnen schon sehr frühe in Aussicht genommen worden war, 
dessen Ausführung sie aber für den Fall des Scheiterns 
aller Vermittelungsversuche in den letzten Tagen einmüthig 
erwogen und beschlossen hatten. Schon vor dem 27. März 
hatte der Nürnberger Rath, wie bereits (S. 143) erzählt wurde, 
auf den Rath seiner Rechtsgelehrten beschlossen, nöthigenfalls 
mit anderen christlichen Ständen gegen die Beschlüsse des 
Reichstags zu protestiren, und seine Abgeordneten in Speiw 
dann am 8. und 10. April in demselben Sinne zu handeln 
förmlich angewiesen. Am 28. März hatte Ehinger nach 
Memmingen gemeldet,*) dass Strassburg, Constanz und Lindau 
auf keinen Fall in den Beschluss zu willigen, sondern eher bis 
auf ein allgemeines Concil zu protestiren gedächten. Und am 
8. April hatte auch der Landgraf Philipp in einem Gespräche 
mit Besserer') auf die Nothwendigkeit einer Protestation hin- 
gewiesen, deren Einlegung durch die evangelischen Fürsten 
und einige Städte die Strassburger Gesandten Tags darauf*) 



') S. die Erzfthlmig im Appellationsinstrament bei Jung XG 
and in dem Berichte der Strassbarger Abgeordneten vom 21. Apiil 
bei Jung LIU f. 

^ Urk. d. Schwab. Bandes II, 339. 

^ Keim, 8chw. Eef. 98. 

*) Am 9. April, bei Jung XXV. 



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281 

für zweifellos erklärten. In den folgenden Tagen waren dann 
von verschiedenen Seiten die Vollmachten zur Einreichung der 
Protestation eingelaufen, und es hatte darum nur einer kurzen 
Berathung der evangelischen Fürsten einerseits und der Städte- 
gesandten andererseits bedurft, um dieselben nunmehr, da alle 
anderen Rechtsmittel erschöpft waren, zur Ausführung des 
lange erwogenen Gedankens schreiten zu lassen. 

So kehrten denn die evangelischen Stände in den Sitzungs- 
saal zurück, in welchem zunächst Kurfürst Johann von Sach- 
sen, Markgraf Georg von Brandenburg, Landgraf Philipp von 
Hessen, Fürst Wolfgang von Anhalt und Dr. Förster im Namen 
der erst Tags darauf in Speier eintreffenden Herzoge Ernst 
und Franz von Lüneburg *) vor der Versammlung in aller 
Form gegen die Beschlüsse des Reichstags protestirten. Sie 
hatten inzwischen von ihren Räthen in aller Eile eine Pro- 
testation aufsetzen lassen und übergaben dieselbe, nachdem sie 
verlesen worden war, zu den Akten des Reiches. Zugleich be- 
merkten die evangelischen Fürsten, sie würden nunmehr ohne 
Verzug von Speier abreisen und an weiteren Sitzungen des 
Reichstages sich nicht mehr betheiligen. *) 



*) Die Botschafter des Bischofs von Paderborn und der Graf 
von Wertheim sind unter den Protestironden nicht genannt, obwohl 
sie an der Beschwerde theilgenommen hatten. Erstere unterzeich- 
neten, wohl in Folge einer ihnen mittlerweile von Biachof Erich 
zugekommenen Anweisung, später sogar den Abschied. Graf Georg 
von Wertheim scheint aber an der Protestation, obwohl er im 
Appellationsinstmment nicht erwähnt wird, noch theilgenommen 
ZQ haben. Wenigstens schreiben die Strassbnrger Gesandten am 
21. April (bei Jung LII): „Domff der ChurfOrst von Sachsen, 
Markgrave Jerg von Brandenburg, Landgraae von Hessen, Fürst 
von Anhalt, Ljnenburgische Botschaft vnd andere, so sich vormals 
beschwert, abgetreten vnd .... ein schriftlich Protestation gethan." 

^ Vergl. ausser der Erzählung im Appellationsinstrument bei 
Jung XC die Berichte Sturms und Pfarrers vom 21. April bei Jung 
Ln bis LIV. Von weiteren Berichten über diese wichtige Sitzung 
haben wir leider ausser einer kurzen Notiz Melanchthons in seinem 
Briefe vom 20. (21.?) April an Camerarius im CJorp. Ref. I, 1059 
nur eine gedrängte Erzähl ang der Augsburger Abgeordneten in 



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Diese Protestationsschrift , welche, da die eyangelischen 
Fürsten bei der Eile der Abfassung derselben weder Abschrift 
noch Goncept zurückbehalten konnten, nicht nach ihrem Wort- 
laute, sondern nur nach ihrem ungefähren Inhalte in das 
Appellationsinstrument aufgenommen wurde, war, wie alle 
hier hi Betracht kommenden Aktenstücke, in peinlicher Be- 
obachtung aller der umständlichen damals gebräuchlichen Höf- 
lichkeitsformen abgefasst »Die Stände werden als die lieben 
Herren Vettern, Oheime, Freunde bezeichnet; sorgfältig sondernd 
titulirt man sie Eure liebd^i und Ihr Andern; indem man 
keinen Augenblick sehie fürstliche Würde aus den Augen setzt, 
bittet man den Gegner doch, das Verfahren, zu dem man sich 
genöthigt sieht, nicht falsch zu versteh^i: das wird man um 
die Einen freimdlich verdienen und gegen die Andern mit 
günstigem Willen erkennen.« *) 

Der Inhalt der Protestationsschrift aber ist folgender: 
Unter Berufung auf die am 12, April eingereichte Beschwerde 

ihrem Briefe vom 19. April aufzufinden vermocht. Von den Nörd- 
linger Gesandten haben wir ^war zwei Briefe vom 20. April. Aber 
Keiner derselben gedenkt der denkwürdigen Sitzung auch nur mit 
einem Worte, weder Mair, wohl weil er erst am Abende des 19. 
April in Speier wieder ankam, noch Wiedemann, der vorauszusetzen 
scheint, dass es für den Nördlinger Rath ein grösseres Interesse 
habe, zu hören, dass ihr Widersacher Ant. Fomer vor Wiedemann 
höflich sein Barett abnimmt und ihm einen guten Morgen bietet, 
und dass derselbe mit der übelberttchtigten mit einem schönen 
Mantel wohl herausgeputzten Siasel Ostermair in Speior spazieren 
zu gehen sich nicht schämt, als was in der Reichstagssitzung vom 
19. April vorgegangen ist. Freilich war, da die betreffende Instruc- 
tion erst am 19. April in Nördlingen beschlossen wurde, diese 
Stadt an jenem Tage noch nicht bei den protestirenden Städten. 
Auch mögen die Gesandten dieser und anderer Städte oh sich vor- 
behalten haben, über diese Vorgänge bei ihrer nahen Heirakunft 
dem Rathe mündlich zu berichten. 

1) Ranke m, 112 f. Derselbe fügt an dieser Stelle die feine 
Bemerkung bei: „Die Aktenstücke dieses Jahrhunderts sbd gewiss 
weit entfernt, schön oder klassisch genannt werden zu können; aber 
sie sind den Umständen angemessen und haben Charakter: wie die 
Menschen selbst, so Alles, was sie thun/' 



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28a 

erklären die evangelischen Ffli-sten zunächst, sie hätten gehofft, 
ihre wohlbegründeten Beschwerden würden von den Ständen 
berücksichtigt werden. Namentlich hätten sie sich der Er- 
wartung hingegeben, dass ihr Anerbieten, den angeblich miss* 
brauchten vorigen Speierer Abschied unter Aufrechterhaltung 
seiner Substanz zu erläutern, in Erwägung gezogen imd der 
von dem Kurfürsten von Sachsen dem Ausschusse zugestellte 
Vermittelungsvorschlag *) bedacht imd angenommen werde. 

»Dieweil wir aber befanden«, so fahrt die Proteslation 
fort, »dass Euer Lieb und Ihr auf Ihrem Vorhaben ver- 
meinen zu verharren, uns aber aus den vorgetragenen 
tapferen Ursachen und Beschwerden . . . , beides des Gewissens 
halb, und weil Euer Lieb imd Euer Vornehmen ... zu Er- 
haltung des Friedens und der Einigkeit in mittler Weile des 
Conciliums nicht dienstlich, keines Wegs fügen noch zu thun 
seih will, dass wir darein gehelen oder willigen sollten, zudem 
dass wir . . . nicht verpflichtet sind , sonderlich ohne unsere 
Mitt)ewilligung , aus gemeldetem nächsten, allhie zu Speier 
gemachten und versiegeltem Abschied zu schreiten . . . : So 
bedenken tvir, dass . . . unsere hohe . . Nothdurfl erfordert, 
wider angezeigtes Euer Heben und Euer . . nichtiges und macht- 
loses, und für uns, die Unseren und männiglich unverbindliches 
(unbindig) Vornehmen, öffentlich zu protestiren, wie wir auch 
hiemit gegenwärtig thun, und dass wir aus vorgewandten Ursachen 
darein nicht wissen, Jcönnen noch mögen gehelen, sondern gemel- 
detes Euer Lieb und Euer Vorhaben für nichtig und unbindig 
halten, gegen Euer Lieb und Euch hiemit protestirt haben,** 
Gleichwohl wollten die evangelischen Fürsten sich in Sachen 
der Religion bis zum Concile, dem letzten Speierer Abschiede 
gemäss, so halten, leben und regieren, wie sie es gegen Gott 
und den Kaiser zu verantworten getrauten. Bezüglich der 
geistlichen Renten und Güter imd des Landfriedens gedächten 
sie sich ebenfalls nach dem letzten Speierer Abschiede unver- 

*) Es ist hier offenbar der oben S. 140 f. erwähnte Vorschlag 
gemeint, welcher also in den Tagen zwischen dem 12. nnd 19. April 
entweder wieder aufgegriffen oder auch, was wohl noch grössere 
Wahrscheinlichkeit für sich hat, erst in diesen Tagen aufgestellt 
worden war. 



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284 

weislich zu halten. Was die Punkte wegen der Wiedertaufe 
und des Druckes angehe, in denen sie mit der Mehrheit einig 
seien, so würden sie sich darin auch gebührlich zu halten 
wissen. 

Schliesslich stellten die evangelischen Fürsten die Bitte, 
ihre Protestation, wenn der Abschied, wie sie sich immer noch 
nicht versähen, in der erwähnten Gestalt ausgefertigt würde, 
demselben einzuverleiben, kündigten an, dass sie ihren Protest 
nebst den früher erhobenen Beschwerden an kaiserliche Majestät 
gelangen und auch sonst öffentlich ausgehen lassen würden, 
damit Jedermann wissen könne, dass und warum sie dem 
Abschiede nicht zugestimmt, sondern gegen denselben prote- 
stirt hätten, und behielten sich vor, ihre Protestation weiter 
auszuführen. 

Dies der Protest der evangelischen Fürsten. Unmittelbar 
darauf erhob sich Sturm, um im Namen der sich beschwert 
fühlenden Städte, welche übrigens nicht namentlich aufgezählt 
wurden, gleichfalls gegen den Mehrheitsbeschluss förmlich zu 
protestiren und ihren Anschluss an die Protestation der Fürsten 
zu erklären. 

Ein Moment von weltgeschichtlicher Bedeutung! Schlicht 
und einfach referirend erzählen die wenigen Berichte, welche 
über die Sitzung vom 19. April uns aufbehalten sind, den für 
alle Zeiten denkwürdigen Vorgang, ohne irgend welche Re- 
flexionen daran zu knüpfen oder von dem Muthe Rühmens 
zu machen, der christliche Männer thun Hess, was ihr Gewissen 
ihnen gebot. Aber dass die ProtestLrenden darum doch der 
Tragweite ihres Schrittes sich in vollem Masse bewusst waren, 
dass sie auch vor den Gefahren ihre Augen nicht verschlossen, 
denen sie, die vom Pabste längst Gebannten, durch ihren 
offenen Widerspruch gegen den Mehrheitsbeschluss des Reichs- 
tages sich aussetzten, dafür enthalten die Berichte evangelischer 
Augenzeugen aus jenen Tagen die Belege. Bereits am 13. April 
hatte Pfarrer geschrieben ') : »Die, so Gottes Parthie und bei 
seinem Beiligen Worte bleiben wollen, sind das kleine Häuflein, 
ist aber unerschrocken. Und ist das die erste Probe; denn 
wo man sich des Herrn und besonders vor Fürsten und Herren 



^) Jung XXX vn. 



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285 

verleugnet, dess wird sich der H^r auch verleugnen vor seinem 
himmlischen Vater. Nun die andere Probe v^ird werden: das 
Wort Gottes zu widerrufen oder aber brennen.c Der ängstliche 
Melanchthon aber nennt am 20. April ') die Protestation^ frei- 
lich zunächst weil auch die zwinglisch gesinnten Städte der- 
selben sich anschlössen, eine erschreckliche Sache. Was den 
Protestirenden aber den Muth zu ihrer That gab, das sprechen 
die mitgetheilten Gutachten der Nürnberger Prediger aus, darauf 
wies auch ESiinger hin, wenn er am 23. April nach Memmingöi 
schrieb,*) Gott sei stärker als die Welt; den wollten sie zum 
obersten Hauptmanne wählen. 

Doch kehren wir zu jener Sitzung vom 19. April zurück, 
in welcher nach Einreichung der Protestation noch verschiedene 
nicht unwichtige G^enstände zur Verhandlung kamen. Zunächst 
trat der Gesandte der Stadt Constanz auf, um in »gar schärfere 
Rede seine Stadt gegen die vor einigen Tagen von der Ritter- 
schaft und dem Bischöfe von Constanz erhobenen Anschuldig- 
ungen zu vertheidigen. *) Sodann brachten die Städte ihre 
(S. 204) erwähnte Supplication wegen des Ausschlusses von 
Mieg aus dem Reichsregimente ein, worauf noch Sturm Namens 
der Stadt Strassburg bat, doch ein Einsehen zu haben und den 
Gresandten Strassburgs zum Regimente zuzulassen. Geschehe 
das nicht, so könnte Strassburg zum Unterhalte des Regiments 
und Kammergerichts nicht beitragen. *) 

Endlich brachte der betreflfende Ausschuss noch sein 
Gutachten über eine seit längerer Zeit schwebende Rechtsfrage 
vor die Stände. Es handelte sich dabei um eine reichsgesetz- 
liche Bestimmung darüber, »wie Brüder- oder Schwesterkinder 
ihres Vaters Bruder oder Schwester verlassene Erbschaft unter 
sich theilen sollen«. In dem Abschiede des Reichstags zu 
Worms war 1521 bestimmt worden, dass, da dies bisher unter 
den Rechtsgelehrten eine streitige Frage gewesen sei, Slatt- 

*) Brief an Cam. vom 20. (21.) April im Corp. Ref. I, 1059: 
„Habes rem horribilem." 

«) Utk. d. schw. B. n, 845. Vergl. oben S. 144 ff. 

*) 8. den Bericht der Angsburger Gesandten vom 19. April. 

*) S. hiezu die Berichte der Strassbnrger Gesandten vom 21. 
April bei Jung LH bis LTV. 



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236 

halter und Regiment darüber berathen und dann im Namen 
des Reiches durch eine im ganzen Reiche zu verkündende 
Constitution festsetzen sollten, ob solche Theilung nach Stämmen 
oder Häuptern zu geschehen habe. Die Stände erklärten sich 
nun in dieser Sitzung damit einverstanden, dass eine kaiser- 
liche Constitution dem Reichsabschiede einverleibt und in dem 
ganzen Reiche verkündet werde, welche unter Abschaffung 
aller dem widersprechenden Satzungen oder Gebräuche die 
streitige Frage endgültig entscheiden sollte. Und zwar wurde 
festgesetzt, dass, wenn kerne Gteschwister eines ohne Testament 
Verstorbenen mehr am Leben seien, die erbberechtigten Kinder 
von Brüdern oder Schwestern des Verlebten dessen Hinter- 
lassenschaft nicht nach Stämmen, sondern nach Köpfen unter 
sich zu theilen hätten. Diese Bestimmung, welche dem Reichs- 
tage von 1529 auch einen nicht ganz unwichtigen Platz in 
der Rechtsgeschichte einräumt, wurde auch unter Beifügung 
einiger transitorischen Bestimmungen in den Abschied aufge- 
nommen und demselben eine jene Festsetzung zum Reichs- 
gesetze erhebende, vom 23. April aus Speier datirte, kaiserliche 
Constitution als Beilage angefügt. ^) 

18* Die erweiterte Protestationssokrift vom 20. April. 

In der am 19. April vor den Ständen verlesenen Protestation 
hatten es sich die evangelischen Füi-sten ausdrücklich vorbe- 
halten, ihren Protest weiter auszuführen. Da jene Protesta- 
tion überdies erhoben worden war, als sich König Ferdinand 
und die anderen kaiserlichen Commissäre bereits aus dem 
Sitzungssaale entfernt hatten, und desshalb diesen als den 
Stellvertretern des Kaisers besonders eingereicht werden musste, 
so gaben die evangelischen Fürsten zu diesem Zwecke noch am 
19. April Auftrag zur Ausarbeitung einer zweiten ausführlichen 
Protestation, welche unter der Ueberschrift : »Die Beschwerung 
und Protestation anderweit zusammengezogen, und Königlicher 



^) Vergl. ausser den betrefTenden Stollen ded Wormaer und 
Speierer Abschieds den Bericht der Augsburger Gresandten vom 
19. April. 



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287 

Durchkluchtigkeit, dem kaiserlichen Orator und Gommissarim 
lugestellt« ebenfalls in das Appettationsinstnunent aufgenommen 
ist Bei den markgräflich Brandenburgischen Reichstagsakten 
beOndet sich das vielfach durchstrichene und corrigirte, auch 
wohl in einzelnen Ausdrücken von dem der Appellationsurkunde 
einverleibten Aktenstücke unwesentlich abweichende Concept 
dieser erweiterten Protestation, als deren Hauptverfasser dem- 
nach ohne Zweifel der Kanzler des Markgrafen, Georg Vogler, 
zu betrachten ist *) 

Noch an demselben Tage, jedenfalls bevor die ausgedehnte 
Protestationsschrift vollends ausgearbeitet war, sendeten die 
evangelischen Fürsten einige Käthe zu König Ferdinand mit 
der Bitte, auf Dienstag den 20* April eine Stunde zu bestim- 
men, in der sie dem Könige und den kaiserlichen Commissären 
»etliche ihrer Beschwerden und Nothdurft« ansteigen lassen 
könnten. Ferdinand Hess nun die evangelischen Fürsten auf 
Dienstag früh sechs Uhr zu sich bescheiden. In der That war 
um diese Zeit der König nebst den kaiserlichen Commissären 
der evangelischen Fürsten gewärtig. Da aber die ausführliche 
Protestation zu dieser Stunde noch keinen falls ganz in's Reine 
geschrieben und von den evangelischen Fürsten unterzeichnet war, 
so konnten diese weder selbst erscheinen, noch ihren Käthen die 



Vogler war wohl auch der Verfasser des S. 220 erwähnten 
klaren und scharfen Gutachtens unter der üeberschrift „Meins 
gnedigen Herrn Marggraf Georgen bedencken, wie wan by dem aus- 
schus vmb niilterung oder erclerung irs begrifFs solt gehandelt werden", 
welches ohne Zweifel in die Zeit zwischen dem 10. und 17. April 
fällt. Die Tüchtigkeit und Energie Voglers, wie er sie auch in 
Speier bewies, veranlasste Laz. Spengler später in einem Briefe an 
denselben vom 13. September 1529 zu den Worten: „Wie ich das 
Wesen in der Seehsischen Cantzley vnd hoflFhaltung befind, wurdet 
not sein, das wir bede selbs ye zn Zeiten die Sachen in die faust 
nemen, wollen wir anders nit allein vnser herrschaften, sondern 
aller Christlichen stende nottdarfffc bewegen. Darin ich auch war- 
lich euer person mer dan kain« menschen vertröst hab." Spengler 
erbietet sich dann, „in solchen wichtigen Sachen ener handtross 
(Handpfbrd) za sein, vnd koin arbeit, sovil ich veistee, zn fliehen/' 
Bamb. Kreisarohiv. 



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288 

Protestationsschrift zur Einhändigung an den König mitgä)en. 
Ersteres war wohl auch von vornherein nicht in ihrer Absicht 
gelegen, da sie nach dem Vorgefallenen eine persönliche Be- 
gegnung mit König Ferdinand vermeiden wollten. Dagegen 
sandten sie um die bestimmte Stunde in »königlicher Durch- 
laucht Hofe einige Abgeordnete, welche die evangelischen 
Fürsten durch Freiherm Georg Truchsess von Waldburg bei 
dem Könige entschuldigen und denselben bitten Uessen, eine 
andere Stunde zur Entgegennahme ihrer Beschwerden zu be- 
stinmien. König Ferdinand Hess durch Truchsess den Abgeord- 
neten antworten, er und die Commissarien seien »der Ekit- 
schuldigung zufriedene, doch sei es ihnen angenehm, wenn die 
evangelischen Fürsten um zwei Uhr Nachmittags in eigner 
Person bei ihnen erscheinen wollten. 

Aber dazu hatten die evangelischen Fürsten keine Lust 
Nachdem König und Commissarien, statt zur Vergleichung des 
Zwiespaltes das Ihre zu thun, am 19. April ohne voraus- 
gegangene Verhandlungen ihre vor acht Tagen eingerdchten 
Beschwerden in so wenig zuvorkommender Form vor allen Ständen 
zurückgewiesen, sich dann trotz ihrer Bitte aus der Sitzung ent- 
fernt und ihnen das Gehör versagt hatten, hielten es die ihre 
Würde strenge wahrenden evangelischen Fürsten ihrerseits, wie 
sie im Appellationsinstrument sagen, für >nütz und bequeme, 
ihre Protestation dem Könige und Gommissären nicht persön- 
lich, sondern schriftlich zu überantworten. Sie begnügten sich 
desshalb damit, die inzwischen fertig gestellte und durch 
Kurfürst Johann, Markgraf Georg, Herzog Ernst von Lüneburg, 
welcher mit seinem Bruder Franz eben in Speier angekommen 
war, Landgraf Philipp imd Fürst Wolfgang von Anhalt unter- 
zeichnete ') Protestation durch einige ihrer Räthe dem Könige 
und den Gommissären des Kaisers zustellen zu lassen. 



^) Diese Unterschriften sind zwar in das AppeliaüonsinstrameBt 
nickt nochmals besonders aufgenommen, finden sich aber, in einer 
noch 1529 erschienenen Separataasgabe, nach welcher J. C. 0. Johann- 
sen in seiner Denkschrift „Die Entfrickelung des prot. Geistes bis 
zu seiner völligen Darlegnng auf dem Beichstage zu Speier 1529'* 
(Kopenhagen 1830) S. 161 bis 183 das Aktenstück wieder abdruckt. 



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239 

Diese erschienen um die bestimmte Stmide bei König 
Ferdinand und überreichten demselben die Protestation. Der- 
selbe nahm die Urkunde zu Händen, wollte sie aber, wie er den 
evangelischen Fürsten später sagen Hess, weil er dachte, dass 
>durch Schrift nichts Fruchtbares möchte gehandelt werden«, den 
Gesandten sofort wieder zurückgeben. Die Räthe weigerten sich 
jedoch, die Protestation ohne Auftrag ihrer Fürsten wieder anzu- 
nehmen, worauf König Ferdinand die Urkunde durch seine Ge- 
sandten wieder den evangelischen Fürsten in ihre Herberge 
schickte. Ein Vorgehen, dessen sich die evangelischen Fürsten, 
wie sie dem Könige später erklären Hessen, »weniger denn gar 
nicht« versehen hätten. Sie meinen, wenn kaiserliche Majestät 
»als ein gütigster, hochlöblichor Kaiser« auf dem Reichstage 
selbst zugegen gewesen wäre, so würden sie dessen »gnädig- 
lichen vertragen gewesen sein«. ^) 

Bevor wir in unserer Erzählung fortfahren, geben wir 
diese zweite Protestation, und zwar, da dieselbe, ohne Zweifel 
das wichtigste Docuraent in der Geschichte dieses Reichstages 
ist, möglichst im Wortlaute. Ist auch die weitschweifige Form, 
welche diese Protestation mit aHen Aktenstücken jener Zeit 
gemein hat, nicht gerade geeignet, ihre Lesbarkeit zu erhöhen, 
so gehört doch diese Form nicht unwesentlich zur Charakte- 
risirung derselben, und wir glaubten, dass die Leser es vor- 
ziehen werden, statt eines Auszuges aus der ausser in grösseren 
Sammelwerken doch nur in ziemlich seltenen älteren Schriften 
abgedruckten Protestationsschrifl diese selbst an dieser Stelle 
zu finden. Wir haben uns dabei nur erlaubt, Worthäufungen 
»nd kurze Sätze, bei welchen dies ohne Beeinträchtigung des 
Sinnes geschehen konnte, zur Erleichterung des Verständnisses 
und der Lesbarkeit wegzulassen. Namentlich sind solche 
Weglassungen bei den Titulaturen erfolgt. Doch glaubten 
wir, im Eingange der Urkunde auch diese vollständig geben 
zu sollen. Zusätze haben wir nirgends gemacht, auch uns 



*) Die ganze im Texte gegebene Darstellung stützt sich auf 
die im Appellationsinstrumente enthaltenen Aktenstücke, insbesondere 
auf die Stellen bei Walch XVI, 385 f, Ziffer 5, 405, Z. 1, und 
408—410, Z. 1. (JungXCn f, CV f und CVnif.) 



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240 

nicht erlaubt, irgend ein Wort der Protestation durch ein 
anderes zu ersetzen. Der Wortlaut der Protestation aber ist 
folgender :0 

Durchlauchtigster König, Hochwürdigste, Hochwürdige, 
Hochgebome, Eäunvürdige, Wohlgeborne, Edle, Liebe, Gnadige 
Herren, Oheime, Vettern, Schwäger, Freunde und besondere 
Lieben ! 

Nachdem wir uns auf römischer kaiserlicher Majestät, 
unsers allergnädigsten Herrn, Erfordern und Euer königlichen 
Durchlaucht freundlich Beschreiben, ihrer kaiserlichen Majestät 
zu unterthänigstem Gehorsam und Euer königlichen Durchlaucht 
zu freundlichem und dienstlichem Gefallen, auch gemeiner 
Christenheit und dem heiligen Reiche zu gut, hieher zu diesem 
Reichstage verfügt und nun die verlesene Instruction, sammt 
dem Gewaltsbriefe in kaiserlicher Majestät Namen, angehöret, 
uns auch daneben in kaiserlicher Majestät Ausschreiben dieses 
Reichstages mit Flciss ersehen und befunden, dass die Sachen 
durch unbequeme Praktik dahin gerichtet gewesen seien, dass 
der Artikel in dem Abschiede des vorhin gehaltenen Reichs- 
tages, unseren heiligen christlichen Glauben belangend, auf- 
gehoben und dagegen andere ganz beschwerliche Artikel gestellt 
werden sollen; 

Dieweil sich aber Euer k. D. und andere Eurer k. D. 
Zugeordnete, als kaiserlicher Majestät Gewalthabende, Statt- 
halter und Commissarien mit den Ständen des Reichs auf 
vorgehaltenem Reichstage hier zu Speier einmüthig verglichen 
haben, dass mittler Zeit eines Generalconciliums oder National- 
versammlung ein Jeglicher mit seinen Unterthanen in Sachen 
des Wormser Edicts für sich also leben, regieren und halten 
möge, wie ein Jeder Solches gegen Gott und kaiserliche Ma- 
jestät hofft und vertrauet zu verantworten und nun Eure k. D. 
sammt Mitcommissarien von kaiserlicher Majestät wegen im 
Beschlüsse obberührten Abschieds versprochen haben. Alles 
und Jedes, so in gemeldetem Abschiede geschrieben steht und 
kaiserliche Majestät berühren mag, fest, unverbrüchlich und 

^) Wir geben dieselbe nach Johannsen S. 161 ff, haben aber 
andere Abdrucke namentlich bei Jang XCIII ff verglichen und 
manches von Johannsen Missverstandene darnach verbessert 



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241 

aufrichtig zu halten und zu vollziehen, dem straeks und un- 
geweig^ nachzukommen und zu geleben, dawider nichts zu 
thun oder ausgehen zu lassen, noch Jemand anders von ihret- 
wegen zu thun zu gestatten, sondern alles Grefahrde; 

Dessgleichen auch Eure Liebden, wir und andere Stände 
des Reiches in dem Abschiede öffentlich bekannt, dass alle 
und jede Punkte mit unser Aller gutem Wissen, Willen und 
Rath beschlossen seien, dass auch wir alle dieselben sammt 
und sonderlich gewilligt und in Redhtem, Gutem, Wahrem und 
Treuem geredet und VOTsprochen haben, alle Punkte und Ar- 
tikel in dem Abschiede wahr, stät, fest, aufrichtig und unver- 
brüchlich zu halten, zu vollzieheni und dem nach allem Ver- 
mögen nachzukommen und zu geleben, sonder Gefährde, wie 
denn mehrgemeldeter Abschied Solches mit klaren, ausdrück- 
lichen Worten in ach hält: *) 

So haben wir in Betrachtung solches vor aufgerichteten, 
verbrieften und versiegelten Abschieds, auch aus hemach- 
folgenden gegründeten Ursachen, die Eurer k. D., Liebden und 
Euch, den Andern am zwölften Tage dieses Monats Aprilis 
zum Theil in Schriften') auch angezeigt sind, in Aufhebung 
des vorgeseMen, emmüthig bewilligten und eu halten verpflichteten 
Artikels, noch auch in die derhalben begriffene vermeinte (und 
doch an ihr selbst keine) Milderung nicht willigen können noch 
mögen. 

Zum Ersten aus der gegründeten Ursache, dass wir un- 
zweifenlich dafür halten, kaiserliche Majestät, als em löblicher, 
g^echter und christlicher Kaiser, unser allergnädigster Herr, 
dessgleichen auch der Mehrertbeil aus Euem, der andern Liebden 
seien nichts weniger, denn wir, des Gemüths und Willens, was 
die einmal bewilligt, verpflichtet, verbrieft und versiegelt haben, 
also laut des Buchstabens stät, fest und unverbrüchlich zu 
halten, zu vollziehen und darin gar nichts zu grübeln, noch 
dawider zu sein, noch zu thun; darin wir nicht allein unser, 
sondern zuvörderst kaiserlicher Majestät und unser AUer Ehre, 
Lob, GUmpf und Fug bedenken und suchen. 

1) S. den Speierer Abschied von 1526 bei Wolch XVI, 268, 
280 f., Ziffer 4, 31 und 82. 

^ S. die Beschwerde vom 12. April oben S. 187 ff. 

16 



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^2 

Zum Andern wüssten wir auch Solches mit gutem Ge- 
wissen gegen (5ott, den Allmächtigen, als den einigen Herrn, 
Regierer und Erhalter unseres heiligen christlichen seligmachen- 
den Glaubens , *) noch auch gegen kaiserliche Majestät als einen 
christlichen Kaiser in keinem Wege zu verantworten. 

Denn wiewohl wir wissen, dass unsere Voreltern, Gebrüder 
und wir, in Allem dem, damit wir uns, aus schuldigem Gehor- 
sam gegen die verstorbene und jetzt regierende röm. kaiserl. 
Majestäten, zu halten schuldig gewesen, oder zu ihrer kaiserl. 
Maj. und des Reiches Ehre, Wohlfahrt und Bestem je haben 
fördern mögen. Solches mit ganz getreuer, williger und bereiter 
ünterthänigkeit allewegen dermassen gethan, dass wir, sonder 
Ruhm, auch ohne männiglichs Verkleinerung, Niemand in dem 
Ichts bevor zu geben wissen, wie wir denn auch hinfüro bis 
in unser Ende und Grube, mit Hülfe göttlicher Gnade, in allen 
schuldigen und möglichen Dingen gegen röm kais. Maj. als unseren 
allergnädigsten Herrn, ungespart Leibes und Gutes, gehorsam- 
lich und williglich, auch gegen Ew. k. D. und Liebden, als 
unsere lieben und gnädigen Herren Oheime, Vettern, Schwäger, 
Freunde und andere des heil. röm. Reiches Stände, freundlich, 
gnädiglich, gleichhellig zu halten gewillt und geneigt sind: 

^) Diese Bemerkung ist ohne Zweifel keine müssige, sondern 
absichtlich der später in den Abschied aufgenommenen Stolle des 
Ausschussentwurfe entgegengestellt, in welcher (S. oben S. 129) der 
Kaiser oberster Vogt und Haupt der Christenheii genannt wird. In 
dem S. 220 erwähnten „Bedenken des Markgrafen Georg" war 
dieser Passus bereits als unannehmbar mit den schönen Worten 
gerügt worden: „Vnd nachdem onzweiuel aus vngenerlichem vber- 
sehen des Schreibers in des ansschns begrif kaiserliche Mt. ein hanbt 
der Cristenheit genent wurdet, So doch ir kais. Mt vnd alle Christen 
wissen, das allein ynser herr vnd heiland christug seiner kirchen, 
das ist der Christenheit, haubt ist, vnd alle christglaubigen glider 
desselben hanbts sein, wie die heilig gotlich schrift sollichs durchaus 
bezeugt, darumb dan die kais. Mt als ein christlicher kaiser ontzweinel 
nit begert, den tittel zu haben vnd Christo sein ere zu entziehen, 
wie dann sollichs vff dem vorigen Speirischen Reichstag, als kais. 
Mt in dem begrif des abschieds vngenerlich ein haubt der Christen- 
heit genant, aus obbemelten christlichen vrsachen geendert wurde, 
So wurdet biliich Jetzt sollichs auch vnterlassen.'' 



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So sind doch dieses solcJte Sachen, die Gottes Ehre und 
unser Jedes Seelai Heil und Seligkeit angehen und betreffen, darin 
wir aus Gottes Befehl unseres Geunssens halber denselben 
unseren Herrn und Gott als höchsten König und Herrn aller 
Herren, in der Taufe und sonst durch sein heil, göttliches Wort, 
vor Allem anzusehen verpflichtet und schuldig sind, der un- 
sweifenlichen Zuversicht^ Ew.k. D,, lAebden und Ihr, die Anderen 
werden uns darin freundlich entschuldigt halten, dass wir mit 
Ew. 2)., Liebden und Etich, den Anderen in dem nicht einig 
sind, noch in Solchem dem Mehreren gehorchen wollen, in Bedacht, 
dass wir Solches, vermöge des vorigen Speierischen Reichsab- 
schiedes, der durch eine einmüthige Vereinigung (und nicht allein 
den Mehrertheil) also beschlossen worden, darum auch ein solcher 
einmiUhiger Beschluss von Ehrbarlceit, Billigkeit und Rechts 
wegen anders nicht, denn wiederum durch eine einhellige Be- 
willigung, geändert werden soll, kann oder mag, zusammt 
dem, dass auch ohnedies in den Sachen Gottes Ehre und 
unser Seelen Heü und Seligkeit belnngend, ein Jeglicher für 
sich seihst vor Gott stehen und Rechenschaft geben muss, also 
dass sich des Ortes Keiner auf Anderer minderes oder mehres 
Machen oder Beschliessen entschuldigen kann, und aus 
anderen redlichen, gegründeten, guten Ursachen zu thun nicht 
schuldig sind. 

Und damit Ewr. D., Liebden, auch Ihr, die Anderen, und 
sonst männiglich, an die diese Handlung gelangen möchte, 
unsere Beschwerden nochmals und eigentlich zu vernehmen 
haben, so ist öfifentlich am Tage und nicht zu verleugnen, dass 
der Lehre halben in unserer christlichen Religion von vieler 
Stücke und Artikel wegen eine Zeitlang bisher Zwiespalt ge- 
wesen. Woher aber solcher Zwiespalt geflossen, das weiss 
Gott zuvörderst, dessen Gerichte wir auch alle Sachen anheim 
stellen, und ist zum Theil auf dem Reichstage zu Nürnberg 
durch den päbstlichen Legaten laut seiner Werbung und In- 
struction, damals gethan und übergeben, auch sonst durch 
viele Kurfürsten, Fürsten und andere Stände des Reiches, die 
doch zum Theil auch Eures Theiles sind, selbst bekannt; wie 
denn auf bemeldetem Reichstage zu Nürnberg von den welt- 
lichen Reichsständen unser Aller Beschwerden in achtzig 

16* 



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244 

Artikel verzeichnet*) und gedachtem päbstlichen Legaten 
überantwortet, die auch fOrder öflfentlich im Druck ausgegangen, 
wie denn dieselben Beschwerden und Missbrauche noch nicht 
abgethan, und deren noch viel mehr vor Augen sind. 

Und ist auf allen Reichstagen allezeit dafür angesehen 
worden, dass den Sachen nicht bequemer Mass wollte zu finden 
sein, denn dass ein freies, gemeines, christliches Goncilium oder 
zum wenigsten National-Versammlung aufs eheste gemacht 
würde, und dies zeigen wir jetzt darum an, dass Ewr. D., 
Liebden und Ihr, die Anderen, auch männiglich, daraus ab- 
nehmen und sich selbst erinnern mögen, wann sich's geziemet 
oder gebühret, einem Theile Abstand oder Verurtheilung der 
Lehre, die er für christlich hält, vor einem freien, christ- 
lichen General-Goncilium aufzulegen, dass durch kaiserl. Maj. 



1) Es sind die s. g. hundert (eigentlich 80) Beschwerden ge- 
meint, welche auf dem Reichstage zu Nürnberg 1522 von den 
Roiehsständen angestellt worden waren. S. dieselben in lateinischer 
Sprache in Lünig*8 teutschem Roichsarchiv, part. geo. contin. 408 
bis 432, deutsch bei Walch XV, 2602 flf. Die im Texte erwähnte 
lostruction Adrians VI fttr seinen Legaten zu demselben Reichstage 
Chieregati bekennt, dass am apostolischen Stahle viele Abschenlich- 
koiten und Missbräuche in geistlichen Dingen vorgekommen seien ; 
es sei desshalb nicht zu verwandern, wenn die Krankheit vom 
Haupte in die Glieder, vom Papste über die Prttlaten sich ver- 
breitet habe. Die Instmetion findet sich deutsch bei Walch XV, 
2534 ff, im lateinischen Originaltexte in Lünigs Reichsarchiv, 
spicileg. eccles. 389 bis 392. Wir führen aas letzterem die Haupt* 
stelle an, auf welche die Proiestation anspielt: „Seimas in hae 
sancta sede, aliqaot jam annis, malta abominanda faisse, abusns in 
spiritnalibas, excessus in mandatis, et omnia deniqao in perversnm 
mntata. Nee mirum, si aegritudo a capite in membra, a summis 
pontificibus in alios inferiores praelatos descenderit. Omnos nos, id 
est praelati et ecclesiastici, declinavimus, nnus quisqne invias suas. 
Quamobrem necesse est, ut omnes demas gloriam deo et humiliemus 

animas nostras ei Qaa in re, qaod ad nos attinet, polliceberis, 

nos omnem operam adhibituros, ut primum curia haec, unde forte 
omne hoc malum processit, reformetur: ut, sicat inde corrnptio in 
omnes inferiores emanavit, ita etiam ab eadem sanitas et reformatio 
omnium emanet/' 



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245 

verordnete Statthalter, Ciommissarien, Oratores, auch Kurfürsten, 
Fürsten und andere ^ände des Reiches nicht so oft und statt- 
lich von gemeldetem Goncilium geredet und gehandelt worden 
wäre und noch würde, die zwiespaltigen, als zweifenlichen, 
Lehren und Sachen, deren sie selbst nicht gewiss sind, zu ver- 
hören und zu handehL 

Dass uns aber jetzt Solches nicht allein schweigend, son- 
dern auch offenbarlich wollte aufgelegt werden, ist aus nach- 
folgender Anzeigung genug zu verstehen. 

Denn also haben Etliche im Ausschuss in ihrem erst ge- 
stellten und am zehnten Tage dieses Monats Aprilis wieder 
übersehenen, audi in etlichen andren Stücken geänderten 
Begriff gesetzt, dass sich Kurfürsten, Fürsten und andere Stände, 
(unter welchen wir, gleich Ewr. Liebden und Euch, den An- 
deren, begriffen und gemeint wären,) jetzt hier mit einander 
entschlossai hätten, dass Diejenigen, so bei dem vorbestimmten 
kaiserlichen Edict bis anher blieben, nun hinfüro auch bei dem- 
selben Edict bis zu künftigem Goncilium verharren und ihre 
Unterthanen dazu halten sollten und wollten, etc. Das uns je, 
als Dei^enigen, die solch Edict in allen Stücken mit gutem 
Gewissen nicht halten, noch vollziehen mögen, zum Höchsten 
beschwerlich, und vor Gott mil Nichten zu verantworten wäre. 
Jemanden, hohes oder niederes Standes, durch unser Mitent- 
schliessen von der Lehre, die wir aus gründlichem Berichte 
Gottes ewigen Wortes unzweifenlich für göttlich und christlich 
achten, abzusondern, und wider unser selbst Gewissen, als 
oben steht, unter das angezogene Edict zu dringen. 

Aber wir unterstehen uns gar nicht anzufechten, wie es 
Ewr. D., auch ein Jeder unter Euren Liebden und Euch, den 
Anderen y ausserhalb gemeldeter unserer Mitvergleichung oder 
Enischüessung nach dem Edict oder sonst für sich selbst und 
mit den Ihren halten wiU; allein dass wir Gott täglich und 
herdich bitten, dass seine göttliche Gnade uns AMe jsu seiner und 
unser selbst rechter, wahrer Erkenntniss erleuchten und seinen 
heiligen Geist geben, woüe, uns in aUe Wahrheit zu leiten, da- 
durch wir eu Einhelligkeit eines rechten, wahren, liebreichen, seüg- 
machenden christlichen Glaubens kommen, durch Christum, unseren 
einigen Gnadenstuhl, Mittler, Fürsprecher und Heiland. Amen, 



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246 

Denn naclidem der Zwiespalt öffentlich vor Augen, und 
durch den Gegentheil zum Theil selbst bekannt, dass er aus 
ihrem Verursachen entsprungen ist, auch von gemeldetem 
Widertheil selbst gestanden worden, dass die Lehre bei uns 
in vielen Stücken, die doch das kaiserliche Edict auch an- 
rühret, gerecht sei, hat männiglich leichtlich zu ermessen, 
wann wir Ewr. D., E3wr. Liebden und Euer, der Anderen, jetzt 
begriffene Meinung mit Euch beschliessen sollten, dass daraus 
erfolgen und uns auferlegt würde, dass wir wider unser eigen 
Gewissen die Lehre, so wir bisher unzweifenlich für christlich 
gehalten und noch dafür achten, nun selbst als unrecht ver- 
urtheilen, dieweil wir mit beschliessen, dass wider dieselbe das 
kaiserliche Edict Statt haben sollte. 

Welches dann noch klärlicher aus des angehängten 
Punktes Widersinn vermerkt wird, der also lautet: »und aber 
bei den anderen Ständen, bei denen die andere Lehre ent- 
standen und zum Theil ohne merklich Aufruhren, Beschwerde 
und Gefährde nicht abgewendet werden mag, soll doch hinfOro 
alle weitere Neuerung bis zu künftigem Concilio, so viel mög- 
lich und menschlicn, verhütet werden«, etc. Wie dann 
männiglich daraus arguiren möchte, wir hätten durch solchen 
Abschied bekannt, dass imsere christliche Lehre, Meinung und 
Haltung so unrecht wären, wenn sie ohne merklich Aufruhr, 
Beschwerde und Gefährde abgestellet werden möchten, dass es 
billig geschehen sollte, oder wir müssten zum Wenigsten 
stillschweigend bekennen, dass wir nicht recht gegründete oder 
also nöthige Artikel im Glauben hätten. Das wir aber, (wir 
werden denn zu einem künftigen Concilio oder sonst mit 
heiliger, reiner, göttlicher, biblischer Schrift anders gewiesen,) 
dieser Zeit gar nicht zu gestehen, noch zu'thun wissen. Was 
wäre auch das anders, denn nicht allein stillschweigend, son- 
dern öffentlich unseren Herrn und Heiland Christus und sein 
heiliges Wort, das wir ohne allen Zweifel pur, lauter, rein und 
recht haben, verleugnen, und dem Herrn Christo Ursach geben, 
uns vor seinem himmlischen Vater auch zu verleugnen, und 
nicht zu bekennen, dass er uns von den Sünden, Tod, Teufeln 
und der Hölle erlöset hätte, wie er denn allen Denen, die ihn 
und sein heilig Wort nicht frei und öffentlich vor den Menschen 



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247 

bekennen, im Evangelio erschreeklich dräuet So stehet die 
rechte Bekenntniss nicht allein in blossen Worten, sondern in 
der That, wie zur Nothdurft weiter dargethan werden mag. 

Zu was verdammlicher Aergerniss und Abfall Solchem 
nicht allein bei unseren christlichen, sondern auch bei des 
Gregentheils gutherzigen Unterthanen gedeihen würde, wenn 
sie borten, dass wir uns mit Euch entschlossen hätten, dass 
Ihr bei dem Edict verharren und Eure Unterthanen auch dazu 
halten solltet, also, obgleich Gott der Allmächtige Jemand zur 
Erkenntniss sdn^ heiligen, allein seligmachenden Wortes ei> 
leuchtet, dass der oder dieselben dasselbige nicht annehmen 
sollten oder dürften : das kann ^n j^Iicher christlicher Biederr 
mann nicht schwer bedenken und erkennen; als sich auch 
etliche Obrigkeiten eures Theiles gegen ihre Unterthanen damit 
zu beschönigen unterstehen möchten, dass wur uns eines Solchen 
mit Euch hätten ^itschlossen, darum so müssten sie es also 
halten und thun. 

Wo wir uns auch mit Euch dess entschlössen, dass Die- 
jenigen, so bisher bei dem Edict geblieben sind, hinfüro bis 
auf ein künftiges Concilimn auch dabei verharren sollten etc., 
bekennten wir nicht allein, dass Euren Theiles Meinung gerecht, 
sondern dass auch das Edict noch in Esse wäre, das doch 
durch den vorigen Speierischen Reichsabschied suspendiret und 
aufgehoben ist, also, dass sich ein jeglicher Reichsstand in 
solchen Sachen, das Edict berührend, für sich selbst mit den 
Seinen also haltai, leben und regieren mag, wie er das zuvör- 
derst gegen Gott und kaiserliche Maj. hoflft zu verantworten. 
Darum wir uns mit solchem unverschuldeten Joch des Edicts 
nicht mehr beschweren lassen können. 

Wir sind auch ungezweifelt, es sei kaiserhcher Maj. Wille 
nicht, wie wir denn unser Ldiren, Leben, Regieren, Thun und 
Lassen in Solchem gegen (Jott, den Allmächtigen, und ihre 
kais. Maj., als einen christlichen Kaiser, auf wahren, gründ- 
lichen Bericht der Sachen wohl zu verantworten hoffen und 
vertrauen. 

So hat es, des Artikels halben, die Messe berührend, der- 
gleichen und viel mehr Beschwerung; denn wir sind unge- 
zweifelt, Ihr haben vernommen, welcher Gestalt unsere Prediger 



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248 

die päbstische Messe mit heOiger, göttlicher, unüberwiiMÜicher, 
beständiger Schrift aufs Höchste angefochten und widerlegt^ 
auch dagegen das edle, köstliche Nachtmahl unseres lieben 
Herrn und Heilandes Jesu Christi, so die eyangdisehe Messe ge- 
nannt wird, nach Christi, unseres einigen Meisters, Einsetzung 
und Exempel, auch seiner hdUgen Apostel Grebrauch, auiige- 
richtet haben. Sollten wir nun in einen soidieu Beschluss, 
wie der im Ausschuss der Messe halben gestellt ist, g^elen 
oder willigen, möchte abermals kein Anderes yerstanden wer- 
den, denn dass wir unserer Prediger Lehrm in dem Stack 
sowohl, als in dem anderen vorigen als unrecht verurtheilen 
hülf^i; was doch, durch Verleihung der Gnade Gottes, waseac 
Gemüth gar nicht ist, auch mit keinem guten Gewissen ge- 
schehen kann. Ew. D., Liebd^i, und Ihr, die Anderes, ja 
männiglich, mögen auch wohl bedenk^ wenn wir in unseren 
Gebieten zweierlei einander widerwärtige Messen haltai lassen 
würden, obgleich die päbstliche Messe nicht wicfer Gott und 
sein heiliges Wort wäre, (welches doch nimmermehr mag er- 
halten werden,) dass dennoch aus Solchem, bei dem gemdnen 
Mann, sonderlich bei denjenigen, die einen rechten Eifer zu 
Gottes Ehre und Namen haben, Widerwärtigkeit, Aufruhr, 
Empörung und alles Unglück folgen, und gar zu keinem 
Frieden, noch Einigkeit dienen würde. 

Dass aber die b^ührten päbsthchai Messen gemeinet 
seien, und der Begriff von d^iselben verstanden werden müsse, 
haben wir aus dem leichtlich abzunehmen, dass der gemeldete 
Begriff allein auf die Oerter gerichtet, da die andere Lehre 
entstanden, und gar nicht auf Eure Obrigkeiten und Gebiete. 
Und darum uns nicht unbillig befremdet, dass Ihr vor- 
nehmet, uns und Anderen, so dieser Lehre, (das ist, dem 
lauteren, reinen Worte Gottes,) anhangen, in dem ein Maas, 
unserer Unterthanen halben, zu setzen und in unseren Städtai, 
Flecken und Gebieten Ordnung und Regiment zu machen; 
welches Ihr im Gegenfalle ungern, auch, dafür wir's achten, 
gar nicht würdet leiden wollen, so Ihr doch billig die Gleich- 
heit bedenken, und viel weniger wider das sein solltet, dass 
wir uns mit den Unserai in unseren Gebieten des Nacht- 
mahls Christi, als der evangelisch^i und allein in göttlicher 



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249 

Schrift gegrändet^i Messe nach unsares Heilandes Jesu CSuristi 
Einsetzung einhellig gebrauchen, denn dass Ihr ungern hättet 
oder gedulden würdet, Euch in Ihren Städten und Flecken 
die päbstischen Messai oder etwas Anderes dergleichen, das 
göUlicher Einsetzung, auch aller sein^ heiligen Apostel 6e- 
braudi zuwider und allein auf Menschengedicht und Erfindung 
gegründet ist, wdxr&a. zu lassen. 

D^halben, und dieweil die Lehre auf unserem Theile in 
unseren Landen mit göttlicher, unüberwundener Schrift ge- 
gründet, wider die päbstischen Messen obgemddeter Massen 
geführt, und solcher Artikel nicht d^ geringste ist, so in dnem 
christlichen Goncilium zu handeln vonnöthen sein will: so 
hättoi wir uns, (zu d^n, dass auch das Ausschreiben zu diesem 
Reichstage, welches am Datum jünger ist, denn der vor- 
gemeldete Gewaltslmef und die Instruction, noch dieselbe ver- 
lesene Instruction Nichts von diesem oder anderen dergleichen 
Artikeln melden) gar nicht versehen , dass über unsere hievor 
vielmals gethane Anzeigen und christliche Erinnerung ob dem 
darroassen sollte gehaftet werden. 

Wiewohl auch öffentlich am Tage liegt, was wir in un- 
seren Landen des heil. Sakraments halben des Leibes und 
Blutes unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi predigen 
lassen: so wissea wir doch gleichwohl, aus vielfältigem Be- 
denken* und guten christlichen Ursachen, nicht für bequem 
oder fürträglich anzusehen, dass dar Lehre halben (so dawidar) 
eine solche Verordpung, wie der Begriff vermag, jetzt auf die- 
sem Reichstage gemacht werden sollte, dieweil kais. M. Aus- 
schreiben Nichts davon meldet, auch Diejenigen, so dieselben 
Sachen berühren, nicht erfordert, noch verhört worden sind; 
und ist wahrlich wohl zu betrachten, wenn solche wichtige 
Artikel ausserhalb des künftigen Goncilium vorgenommen, zu 
was GKmpf und Unrichtigkeit Solches kaiserlicher M., Ew. 
k. D., Liebden, uns und anderen Ständen des Reiches gekehrt 
und verstanden werden möchte. 

liemj als weiter in des Ausschusses Begriff gesetet ist, dass 
die Prediger das heilige Evangelium nach Auslegung der Schra- 
ten, von der heil. ehrisU. Kirche approhirt und angenommen, 
predigen und lehren soUen, das ginge wohl hin, wenn wir su aUen 



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260 

Theüen einig wären, was die redUe heä. ^risÜ. Kirche sei. 
Dieweil aber derhdiben nicht der Meinste Sireity und keine ge- 
wissere Predigt oder Lehre ist, denn allein bei GoUes Wort sh 
bleiben, als auch nach dem Befehl Gottes nichts anders gepredigt 
werden soll, und da einen Text heiliger göttlicher Schrift mit dem 
anderen m erklären tmd aus£fulegen, wie auch dieselbige heilige 
göttliche Schrift in aUen Stücken, den Christenmenschen ßu wissen 
vonnöthen, an ihr selbst klar und lauter genug erfunden wird^ 
alle Finsterniss zu erleuchten: so gedenken wir, mit der Gnade 
und Hülfe Gottes, endlich bei dem zu bleiben, dass allein Gattes 
Wort und das heilige Evangelium altes und neues Testamentes, 
in den biblischen Büchern verfasset, lauter und rein geprediget 
werde, und Nichts, das dawider ist; denn daran, cUs an der 
einigen Wahrheit und dem rechten Richtscheid aller christlichen 
Lehre und Lebens, kann Niemand irren noch feiden, und wer 
darauf bauet und bleibet, der bestehet wider alle Pforten der Höüe^ 
so doch dagegen aller menschlicher Zusatz und Tand fallen muss 
und vor Gott nicht bestehen kann. 

Dass aber auch vorgemeldeter Begriflf zu Erhaltung Frie- 
dens und Einigkeit im Reich, mittler Zeit des Condliums, nicht 
förderlich, sondern gestracks dawider, ist aus dem klärlich 
abzunehmen, dass im ersten Punkt gesetzt worden, dass Die- 
jenigen, so bis anhero bei dem kaiserl. Edict blieben, nun hin- 
füro auch dabei verharren sollen und wollen, und darin kein 
Unterschied gemacht worden, ob und wie weit sich solche 
Verpflichtung auf die Pön des angezogenen Edids erstrecken 
soll, wie es denn, nach Laut der gemeinen Worte, anders 
nicht kann verstanden werden. 

Als denn etlichen imseren Geistlichen von anderen Obrig- 
keiten bereits im Schein gemeldeten Edicts begegnet, dieweil 
sie sich ihres Gewissens halben, auf Gottes Wort gegründet, 
dem Edict nicht gemäss halten, dass unterstanden worden, 
denselben unseren zugehörigen Unterthanen, über den vorigen 
Speierischen Reichsabschied, ihre Zehnten, Rent, Zins, Gült, 
Schuld, Erbschaft und Anderes, in anderer Obrigkeit Gebieten 
gelegen, ohne und wider Recht mit Gewalt zu nehmen und 
vorzuhalten; und ist wohl zu achten, was weiter dergleichen 
unter demselben ang^nassten Scheine vorgenommen werden 



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251 

und zu Gegenhandlung Ursach geben möchte; das denn je zu 
Erhaltung Friedens und Einigkeit wenig oder gar Nichts ge- 
deihen; zu geschweigen, wenn sich Jemand Eures Theiles 
unterstehen würde, im Scheine des Edicts und vermeinter 
Acht und Aberacht, als der Pön desselben, gegen uns oder 
Andere unseres Theiles mit gewaltiger That zu handeln und 
vermeintlich zu nöthigen, das zu thun, das wider Gott, sein 
heiliges Wort, unsre Seelen und gut Gewissen ist. Es kann 
aber ein Jeglicher wohl bedenken, was einer christlichen Obrigkeit 
in Solchem zu Erhaltung Gottes Worts, auch ihrer selbst und 
ihrer Unterthanen Seelen, Leibs, Lebens und Guts zu Befriedung, 
Schutz und Schirm zu thun gebühren will, darum es je 
billig m Solchem bei dem Artikel im vorigen Speierischen 
Reichsabschiede verfasst bleibet, der das Edict um Friedens 
und Einigkeit willen, auch aus anderen guten, christlidien 
Ursachen suspendirt und aufhebt. 

Und aus dem Allem wird nun lauter genug vermerkt und 
öffentlich erwiesen, dass der vorige Speierische Reichsabschied 
zu Friede und Einigkeit mehr, denn der Begriff des vqrge- 
meldeten Artikels dienstlich, wie denn solcher Abschied durch 
KurfSrsten, Fürsten und alle andere Stande des Reiches da- 
für angesehen worden; so über solchem vorigen lauteren Ab- 
schiede, darinnen das kaiserlidie Edict suspendirt, nicht unter- 
lassen ist, in vermeintem Schein desselben den Unseren das 
Ihre mit Gewalt zu nehmen und aufzulialten : was wollte dann 
jetzt von unseren Widerwärtigen, so zum Theil ohnedies 
Widerwillen, Zank, Hader und keinen Frieden such^, ge- 
schehen, wenn ihnen die Thür des Edicts halben, wie der 
gestellte Begriff will, wieder geöffiiet und von dem vorigen 
Speierischen Abschiede gegangen würde! 

Es können auch Ew. k. D., Liebden und Ihr, die Anderen, 
nicht erhalten, wenn die vorgemeldeten Artikel gesetzt werden, 
dass dadurch der vorige Reichsabschied nicht aufgehoben, 
sondern allein erklärt sei; dann es öffentlich eine ganze Auf- 
hebung voriges Artikels und allen christlichen Reichsstanden 
nicht mehr zugelassen wäre, dass sie sich in allen Stücken 
nach Gottes Wort imd ihrem rechten guten Gewissen halten 
dürften, wie sie Solches gegen Gott und k. M. wohl zu ver- 



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252 

antworten hofften und vertrauten, und mag mit keinem Grunde 
angezeiget werden, dass es solche Worte seien^ die einem Jeden 
sollten js^ulassen, mittlerweüe eines Cotwiliums AUes nach eigenem 
Guidünken und Gefallen jsu thun, wie Etlichej (die ohne Zweifel 
nicht viel von Gottes gerechtem und strengem Gericht ^ dahin 
solche Verantwortung zuvörderst gehört, halten oder wissenj 
davon reden. 

Wir mögen auch gegen einen Jeglichen, der uns aufzu- 
l^en vermeinet, als sollte oflgemeldeter Reidisabschied durch 
uns missbraucht sein, an allen Enden, dahin wir ordentlich 
gehören, Recht und alle Billigkeit wohl leiden, dazu wir uns 
hiemit völligUch erbieten. Uns ist auch nicht «itgegen, wenn 
man je besorget, dass mehrberährter Artikel zu einem Deckel 
neuer unchristlicher Lehre gezogen werden wollte, dass er, 
inmassen wir, auf Ewr. Liebden und der Anderen Zulassen, 
unvorgreiflich eine christliche Erklärung gestellet und im 
Ausschuss gegeben haben, erkläret und nicht, wie Euer Gon- 
cept vermag, an seiner rechten Substanz so ganz aufjgehoben 
werde, sondern nach dem Buchstaben bei Würden und 
Kräften bleibe. 

Und dieweil wir denn zu röm. k. Maj. als einem christ- 
lichen Kaiser und unserem allergnädigsten Herrn der ganzen, 
unzweifenlichen und tröstlichen Zuversicht sind, wo Ihre 
k. M. der Dinge mit rechtem Grunde wären berichtet worden, 
Ihre k. M. würden sich zu dem, wie die verlesene Instruction 
vermag, mit nichten haben bewegen lassen, wie denn aus 
Ihrer k. M. Ausschreiben und Gewalt, als wir nicht andars 
wissen, lauter genug erfunden wird, dass in alle Wege davon 
gehandelt werden soll, auf dass Friede und Einigkeit im Reiche 
möge erhalten werden; darauf wir neben Euch alle unsere 
vorgenommene Handlung gerichtet und in allem imserem 
Thun Nichts, denn vor allen Dingen Gottes Ehre, auch unser 
Aller Seelen Seligkeit, christlichen Frieden und Einigkeit ge- 
sucht haben und noch nichts Anderes begehren; das können 
und wollen wir mit Gott, dem allmächtigen und einigen Er- 
forscher und Erkenner aller Herzen, bezeugen: derhalben, und 
wo es die Meinung gehabt, dass es, von wegen vielgaueldeten 
Artikels, bei der verlesenen Instruction füglicher Weise bleiben 



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253 

solle, hätte es des Falls des Ausschusses, auch solcher Berath- 
schlagung und Handlung gar nicht bedurft; damit Ihr doch 
auch Eures Theiles von der vorgelegten Instruction, dazu auch 
sonst von k. M. Ausschreiben, gegangen seid. 

Dem Allen nach wollen wir uns zu Ewr. k. D., Liebden, 
und Euch, den Anderen, als unseren liet}en und gnädigen 
Herren Oheimen, Vettern, Schwägern, Freunden und besonderen 
Lieben, versehen, als wir auch abermals freundlich bitten und 
gütlich begehren, Ihr werdet und wollet Gelegenheit der Sachen 
nochmal zu Gtemüth führen, und unsre Beschwerung, auch 
derselben Grund und Ursachen, mit Fleiss betrachten, und 
Euch wider den vor einmütiglich beschlossenen, verpflichteten, 
verbrieften und besiegelten Abschied mit nichten t)ewegen lassen, 
noch handeln, wie denn Niemand desselben, aus angeregten 
und anderen gegründeten Ursachen, die wir diesmal um des 
Besten willen zu melden unterlassen, Fug, Macht und Recht hat. 

Und wo dieses dritte Anzeigen unsrer merklichen Be- 
schwerde, bei Ew. k. D., Liebden und Euch, den Anderen, 
kein Statt finden noch haben wollte: so protesHren und be- 
zeugen wir hientü öffenüich vor Gott, unserem einigen Erschaffer, 
ErhaUer, Erlöser und Seligmacher, (der, nie vorgemeldet, allein 
unser Aller Herzen erforschet und erkennet, auch demnach recht 
richten wird,) auch vor allen Menschen und Creaturen, dass wir 
für uns, die Unseren, und ÄUer männigliches halben, in aUe 
Handlung und vermeinten Abschied, so in gemeldeten oder an- 
deren Sachen, wider Gott, sein heiliges Wort, unser Aller Seelen 
Heil und gut Gewissen, auch wider den vorigen angezogenen 
Speierischen Reichsabschied, vorgenommen, beschlossen und ge- 
macht worden, nicht gehden, noch willigen, sondern aus vor ge- 
setzten und anderen, redlichen, gegründeten Ursachen, (sie) für 
nichtig und unbündig halten; dass wir at^ch dawider unsere 
Nothdufft öffentlich ausgehen lassen und der römischen kaiser- 
lichen Majestät, unserem dUergnädigsten Herrn, in diesem Handd 
weiter gründlichen und wahrhaftigen Bericht thun; wie wir uns 
desselben gestern, nach gegebenem vermeintem Abschiede, 
alsbald durch unsere in der Eile gethane Protestation, die 
wir auch hiemit wieda-holen, öffentlich v^nehmen lassen 
und daneben erboten haben, dass wir uns nichts desto 



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264 

weniger mittlerweile gemeldeten gemeinen und freien christ- 
lichen Conciliums oder National -Versammlung, vermittelst 
göttlicher Hülfe, vermöge und Inhalts des vielberührten vorigen 
Speierischen Reichsabschiedes, in unseren Obrigkeiten, auch 
bei und mit unseren Unterthknen und Verwandten, also halten, 
leben und regieren, wie wir das gegen den allmächtigen Gott 
und röm. kaiserl. Maj. unseren allergnädigsten Herrn, als einen 
christlichen Kaiser, hoflTen und getrauen zu verantworten. Was 
auch der Geistlichen Rente, Zins, Gült und den Frieden be- 
langt, dass wir uns darin auch unverweislich hallen und er- 
zeigen ; und dergleichen wollen wir uns auch die nachfolgenden 
Punkte, als die Wiedertaufe und den Druck berührend, wie wir 
allewegen auf diesem Reichstage verstanden, mit Ew. k. D., 
Liebden, und Euch, den Anderen, einig sein, auch Inhalts 
derselben T^unkte in alle Wege gebührlich zu halten wissen. 
Wir behalten uns auch bevor, vielberührte unsere Be- 
schwerungen und Protestation ferner zu extendir«i, und was 
sonst in dem Allem unsre weitere Nothdurft erfordert, und 
wollen uns auf das Alles unzweifenlich versehen und getrösten, 
die röm. kaiserl. Maj. werde sich gegen uns, als ein christ- 
licher, Gott über alle Dinge liebender Kaiser, und unser aller- 
gnädigster Herr, in Ansehen unseres christlichen, ehrbaren, 
redlichen und unwandelbaren Gemüths und schuldigen Gehor- 
sams, gnädiglich halten und erzeigen; worin wir dann Ew. 
königl. Durchlaucht, Liebden und Euch, den Anderen, als 
unseren lieben und gnädigen Herren Oheimen, Vettern, Schwä- 
gern, Freunden und besonderen Lieben, sonst freundlichen und 
gutwilligen Dienst, günstigen und gnädigen Willen thun und 
beweisen mögen. Das sind wir aus Freundschaft, auch gut- 
willigem Gehorsam, Gnaden, und christlicher Liebe und Pflicht 
zu thun gutwillig und geneigt. 

Actum Speier den zwanzigsten Tag Aprilis, nach Christi, 
unseres lieben Herrn und Seligmachers Geburt, fünfzehnhundert 
und im neun und zwanzigsten Jahre. 

Johann, Herzog zu Sachsen, Kurfürst, manu propria. 
Georg, Markgraf zu Brandenburg, manu propria. Ik'nst, Her- 
zog zu Lüneburg, manu propria. Philipp, Landgraf zu Hessen, 
manu propria. Wolf, Fürst zu Anhalt, manu propria. 



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255 

19. TMTgeblidiM TermittliimgBTersiieh. Unterschrift nnd 

Besiegelung des Abschiedes. Weitere Terhandlnngen der 

Hehrheit mit den eyangelischen Ffirsten bis zum 

24. AprU. 

War es bei den cyangelischen Standen nicht ohne ernste 
innere Kämpfe abgegangen, bis sie sich zu dem ungewöhnlichen, 
die Spaltung im Reiche augenscheinlich machenden, Akte der 
Protestation entschlossen, so war es offenbar doch auch vielen 
Mitgliedern der Mehrheit bei dem Vorgefallenen nicht ganz 
wohl zu Muthe. Wenigstens spricht Melanchthon bereits am 
30. ApriP) diese Vermuthung aus und erklärt aus dieser 
Stimmung der Mehrheit emen Vermittelungsversuch , welcher 
jetzt gemacht wurde, um noch in letzter Stunde einen ein- 
stimmigen Abschied zu bewirken. 

Es erschienen nämlich Herzog Heinrich von Braunschweig 
und Markgraf Philipp von Baden, welcher schon bei den Ver- 
handlungen des Ausschusses für manche Forderung der Evan- 
gelischen eingetreten war, bei den evangelischen Fürsten, um 
nochmals eine Verständigung mit denselben zu suchen. Die 
beiden Fürsten selbst erklärten, dabei nur für ihre Person zu 
handeln ; die evangelischen Stände aber bezweifelten nicht, dass 
sie im Auftrage der übrigen Fürsten gekommen waren, und 
nahmen ihre Vorschläge entgegenkommend auf. Noch am Diens- 
tage, dem 20. April, verhandelten Herzog Heinrich und Markgraf 
Philipp vier Stunden lang, von ein bis fünf Uhr Nachmittags, mit 
den evangelischen Fürsten und gelangten in derThat noch an 
diesem Tage zu einer vorläufigen Verständigung über einige 
Artikel, welche dann die evangelischen Fürsten den bedeuten- 
deren der protestirenden Städte mittheilten, damit auch diese 
sich über deren Annahme auszusprechen im Stande wären. 

^) In dem oft citirten Briefe vom 20. (21.) April an Camer. 
im Corp. Ref. I, 1059, wo er schreibt: „SokcT fioi roijg avtaytaviöTa^ 
ova ävev (poßov eiifai, nai iöa}^ /ierafiilei xov ^oqtixov 
TtQciyfitxtog.'^ Aach Ebinger meint in seinem Schreiben vom 25. 
April (ürk. d. sohw. B. II, 845), den „Päbetlcm" nnd ihrem geist- 
lichen nnd weltliehen Anhang werde bei diesem Abschiede wohl 
eben so angst nnd wehe sein, wie denen, die protesturt haben. 



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256 

Tags darauf, Mittwoch den 21. April, Morgens acht Ulir 
setzten die Fürsten beider Theile ihre Besprechung^! fort, 
deren Resultat war, dass die eyangelischai Fürsten sich bereit 
erklärten, den Abschied anzunehmen, wenn die Mehrheit der 
Stände die den Glauben betreflTenden Artikel im Abschiede in 
der mit Markgraf Philipp und Herzog Heinrich vereinbarten 
Weise abändern würden.') 

Diese Vemiittelungsvorschläge, welche sich in der F(mn 
möglichst an das von den Ständen angenommene Ausschüsse 
bedenken anschliessen, *) mildem zunächst eine Reihe von Aus- 
drücken, welche in dem von der Mehiiieit beschloss^^i Ab- 
schiede vorkamen und in ihrer schroflFen Form die Evangelisehen 
beleidigen mussten. So ist in denselben nicht, wie in dem 
Abschiede, von »^[^chrecklichenc neuen Lehren, zu d^ien der 
letzte Speierer Abschied missbraucht worden sei, und nicht ygü 
»weiteremc Unfrieden die Rede, welcher verhütet werden solle, 
Beide den Evtogelischen unannehmbar^i Worte werden viel- 
mehr weggelassen, ebenso der Passus, in welchem die evan- 
gelischen Gebiete als solche bezeichnet werden, in denen die 
neuen Lehren zum Theil ohne Aufruhr und Empörung nicht 
abgewendet werden könnten. Statt der Aufliebung des letzten 
Speierer Abschieds wird, wie die evangelischen Stände dies 
beantragt hatten, eine Declaration desselben vorgeschlagen, 
die Hinweisung auf das Wormser Edict aber, das die Evan- 
gelischen als nicht mehr gültig betrachteten, vollständig ver- 
mieden. Desshalb werden die katholischen Stände nicht, wie 
in dem Abschiede, als diejenigen bezeichnet, welche bei dem 
Wormser Edict bisher geblid>en seien, sondern als die, »so 
die hergebrachten Bräuche, Geremonien und andere Uebungen 
der gemeinen Kirche bisher gehalten und dabei geblieben.€ 
Demgemäss wird bestimmt, der oftgenannte Artikel des vorigen 
Speierer Abschiedes solle »bestehen mit der Einfügung und 

^) S. die Berichte der Strassbnrger Gesandten vom 21. April 
bei Jung LII bis LIV. 

") Dieselben finden sich im Worilante bei Jung XLYf^ Malier 
42 f und Walch XVI, 422 ff. Mttller und Waloh geben indess, 
wie bereits Ranke (Hl, 112) bemerkt, mehrfach falsche Lesarten. 
Vergl. den Inhalt des Aussohossbedenkens oben S. 130 f und 177 f. 



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267 

Dedarationc, dass die Stände, welche die hergebrachten Ge- 
brauche bi^ier gehalten hätten, »auch nun hinfüro bei denselben 
bis zum künftigen Concile yerharren und bleiben mög^, ohne 
männiglichs Verhinderung, Vergewaltigung und Eintrag, dess- 
gleichen hinwieder die anderen Kurfürsten, Fürsten und 
Stände, bei denen die andere Lehre entstanden, sollen auch 
dabei ohne des andern Theils und männiglichs Verhinderung, 
Vergewaltigung und Eintrag bis zu berührtem Concilio gelassen 
werden. Doch soll hinfüro alle weitere Neuerung oder Secten 
im christUchen Glauben bis zum künftigen Concilio so viel 
möglich und menschlich verhütet und von Obrigkeiten jedes 
Orts nicht gestattet werden.« Bezüglich der Messe wurde 
festgesetzt, dass die Haltung und Hörung der herkömmlichen 
Messe, sowie »die Messen, so von Kurfürsten, Fürsten imd 
Andern, bei denen die andere Lehre in Uebung, auf ein ander 
Mass vorgenommen« bis zu dem Concile (»doch unbekräftigt 
dadurch einiges Missbrauchs«) beiderseits um des Friedens willen 
geduldet werden solle, so dass kein Stand ausserhalb seiner 
weltlichen Obrigkeiten den andern zu oder von seiner Haltung 
der Messe irgendwie vergewaltigen, dazu oder davon dringen 
dürfe. Der Passus wegen der Lehre von dem Sacramente des 
h. Abendmahls wurde in den Vermittelungsvorschlägen unver- 
ändert beibehalten, wie er im Abschiede sich findet. Der Ab- 
schnitt wegen Entziehung der Renten, Zinsen u. s. w.*) wurde 
durch Beisatz der Worte „in des anderen weltlicher ObrigJceit^^ im 
zweiten Absätze so formulirt, dass die Beziehung auf die geistliche 
Jurisdiction der Bischöfe vollständig ausgeschlossen blieb. 

Die Zugeständnisse der beiden vermittelnden Fürsten be- 
standen demnach darin, dass das wenigstens vorläufige Recht, 
bei der Reformation zu bleiben, ausdrücklich und ohne kränkende 
Zusätze anerkannt imd die Gewalt der Bischöfe auf deren 
weltliche Unterthanen beschränkt wurde. Die Evangelischen 
räumten dagegen ein, dass alle weiteren Neuerungen, wie schon 
Kurfürst Johann seiner Zeit vorgeschlagen hatte, so viel möglich 
und menschlich, verhütet und die schweizerische Lehre vom 
h. Abendmahle nicht zugelassen werden solle. Beide Theile 



») S. oben 8. 178. 

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268 

aber waiigten ein, dass die Verschiedenheiten der Messe oder, 
wie wir sagen , der Feier des h. Abendmahls geg^iseitig ge- 
duldet werden sollten. 

Es ist gewiss ein Beweis für den ernsten Willai der 
evangelischen Fürsten, eine Verständigung mit den übrigen 
Ständen zu suchen, dass sie sich für den Fall der Annahme 
dieser Artikel zur Unterschrift des Abschiedes bereit erklärten. 
Und auch die in die Verhandlungen eingeweihten evangelischen 
Städte, selbst das der Abendmahlslehre der Schweizer huldigende 
Strassburg, nahmen die Vergleichsartikel an. Die Strassburger 
Gesandten meinen in ihrem Berichte vom 21. April an den 
Rath ihrer Stadt, der Artikel wegen des Sacramentes sei nach 
ihrem Bedünken in seinem Wortlaute (»nach Inhalt des Buch- 
stabens«) und im Grunde der Lehre der Strassburger Prä- 
dicanten nicht zuwider, vielmehr zu Verhütung von Disputation 
und unnöthigen Reden mehr dienstlich, als nachtheilig. In 
der That ertheilte ihnen der Rath schon am 22. April die 
Vollmacht, die Vergleichsartikel anzimehmen. ') 

Doch nicht das gleiche Entgegenkommen, wie bei den 
evangelischen Fürsten und Städten, fanden die wohlmeinenden 
Bemühungen der vermittelnden Fürsten bei der Mehrheit der 
Stände und bei dem Könige Ferdinand, welche die Ver- 
mittelungsvorschläge vielmehr unbedingt zurückvriesen. Die 
Dinge waren schon zu weit gekommen , als dass man jetzt, 
nachdem die Annahme des Abschiedes durch die kaiserlichen 
Commissarien bereits formlich ausgesprochen war, sich noch 
zu einer irgendwie wesentlichen Aenderung des Abschieds- 
entwurfs hätte herbeilassen wollen. Wenn man hier auch den 
Vermittelungsversuch vielleicht zugegeben hatte, so hatte man 
dabei nicht an so bedeutende Zugeständnisse gedacht, wie sie 
Markgraf Philipp und Herzog Heinrich bewilligten. Hätten 

*) Jung LVni. S. den Bericht der Gesandten bei Jung LIII. 
Allerdings lag in dem Worüaute der Bestimmung Ober das heil. 
Abendmahl noch kein unbedingtes Verbot der zwinglischen Lehre, 
da Zwingli oder die Schweizer nicht mit Namen genannt waren, 
die Schweizer Theologen aber gewiss nicht annahmen, dass ihre 
Lehre „dem hoch würdigen Sacrament des wahren Frohnleiohnams 
und Bluts unseres Herrn Jesu Christi entgegen^ sei. 



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2^9 

doch nach dem Wortlaute der Vergleichsartikel nun sogar die 
strenge katholischen Fürsten die evangelische Abendinahlsfeier 
in ihren Gebieten dulden sollen! Dazu aber waren weder 
die geistlichen Fürsten, noch auch streng katholische weltliche 
Regenten, wie die Herzoge von Baiem oder Herzog Georg von 
Sachsen, irgendwie geneigt. Hatte doch Letzterer erst am 
17. April eine neue Instruction an seine Räthe gesandt, nach 
welcher ihm die Bestimmungen des Abschiedsentwurfs noch nicht 
genügend erschienen. Er verlangte noch die Aufnahme von 
Bestimmungen über die verlassenen Klöster und verheiratheten 
Priester, sowie darüber in den Abschied, dass Niemand sich 
unterstehen solle, die heilige Schrift in einer der herkömm- 
lichen Lehre widersprechenden Weise zu deuten. ') 

Ebenso wenig war König Ferdinand gewillt, die Beschlüsse 
des Reichstags rückgängig machen zu lassen oder auch nur 
zu einer Modification derselben die Hand zu bieten. Zu sehr 
hatte er die Sache der Geistlichen, mit denen or gerade in 
diesen Tagen noch engere Verbindung suchte,^ zu seiner eigenen 
gemacht. Und eben waren seine Gesandten im Begriffe, zu 
Waldshut das Bündniss mit den Schweizer fünf Orten abzu- 
schliessen, welches von beiden Theilen das unbedingte Fest- 
halten am alten Glauben forderte. Dennoch mochte dem 
Könige ein so offenbarer Zwiespalt unter den Ständen des 
Reiches, besonders bei der immer drohender werdenden Türken- 
gefahr, bedenklich scheinen, und er glaubte etwas thun zu 
müssen, um denselben entweder noch zu verhüten, oder doch 
wenigstens darzuthuri, dass er den evangelischen Fürsten, die 
er am 19. April nicht hatte anhören wollen, zur Vorbringung 
ihrer Wünsche noch in letzter Stunde Gelegenheit gegeben habe. 



") Ranke HI, 113, nach dem Dresdener Archive. 

') Am 20. April sandte König Ferdinand den Dr. Faber an 
die Aebte von Weingarten, Weissenaa, Salmansweiler und jedenfalls 
noch an andere Prälaten mit der Vollmacht, mit ihnen in seinem 
Namen „in Sachen betreffend erhaltong alter gueter Cristenlicher 
Ordnung vnd geistliohs wesens^ zn verhandeln. Die betreffenden 
Beglaubigungsschreiben befinden sich im Originale in den Missiv- 
büchem des Klosters Weingarten im k. würtemb. Staatsarchive. 

17* 



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260 

Er sandte desshalb noch am Abende des 21. April seine 
Räthe zu dem Kurfürsten von Sachsen und liess ihm sagen, 
er gedenke Donnerstag den 22. April zwischen acht imd neun 
Uhr Morgens mit dem kaiserlichen Orator und den anderen 
Gommissarien des Eaisa^s und den Ständen auf dem Hause 
zu sein. Er verband damit das Ersuchen, der Kurfürst möge 
mit den anderen evangelischen Fürsten daselbst auch erscheinen. 
Dort sei er dann, da er bedenke, dass »durch Schrift nichts 
Fruchtbares gehandelt werdenc möge, bereit, mit ihnen wegen 
der Protestation und des Reichstagsschlusses zu verhandeln, damit 
man nicht in solcher Uneinigkeit von dem Reichstage scheide. 

Kurfürst Johann, welcher jetzt ohne vorhergehende Be- 
rathung mit den übrigen evangelischen Fürsten keinen Schritt 
mehr zu thun gedachte, erwiderte den Gresandten des Königs, 
er wolle sich zuvor mit diesen bereden und dem Könige dann 
weitere Antwort senden. Noch am 21. April sandten dann er 
und die anderen evangelischen Fürsten ihre Räthe zu dem 
Könige und Hessen ihm nach kurzem Rückblicke auf die Reichs- 
tagsverhandlungen antworten, sie könnten sich, nachdem alle 
ihre bisherigen Vorstellungen ohne Erfolg geblieben seien, auch 
jetzt wenig »fürträglicher Handlung« mehr versehen. Sie hättai 
den beiden vermittelnden Fürsten, Herzog Heinrich und Mark- 
graf Philipp, mitgetheilt, wie viel sie mit gutem Gewissen nach- 
geben könnten, und wollten mm deren Antwort abwarten. 
Wolle man übrigens mit ihnen über die Religionsangelegai- 
heiten verhandeln, so wollten es die evangelischen Fürsten, gemäss 
ihrer Protestation, bei dem letzten Speierer Abschiede beruhen 
lassen. Wolle der König aber mit ihnen über Anderes ver- 
handeln, so möge er es den Räthen mittheilen. König Ferdinand 
erklärte nun den Räthen, er habe mit den evangelischen Fürsten 
über den Reichstag betreffende Dinge zu reden, an denen 
»merklich und viel gelegen« sei. 

Inzwischen hatten aber der Herzog von Braunschweig 
und Markgraf von Baden den evangelischen Fürsten die Mit- 
theilung zukommen lassen, dass weder König Ferdinand und 
die kaiserlichen Gommissarien, noch die Mdirheit der Stände 
auf ihre Vermittelungsvorschläge eingegangen und demnach 
ihre Bemühungen vollständig fehlgeschlagen seien. Um so weniger 



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261 

gedachten sich die evangelischen Fürsten nun noch in unfrucht- 
bare persönliche Verhandlungen mit der Mehrheit einzulassen, da, 
wie sie im Appellationsinstrumente erklären, jener Bescheid zur 
Genüge ersehen liess, was sie zur Verhütung eines zwiespaltigen 
Abschiedes bei dem Könige, dem Orator und den Gommissaren 
des Kaisers, wie bei den Ständen hätten erlangen können. 

So erschien denn am 22. April um die bestimmte Stunde 
keiner der evangelischen Fürsten persönlich im Rathhofe. Nur 
Kurfürst Johann sandte etliche Räthe dahin, um sein Nicht- 
erscheinen zu entschuldigen und zugleich um bestimmtere 
Mitthelung der Gegenstände zu ersuchen, über welche man 
mit ihnei verhandehi wolle.*) 

In der That hätte ein persönliches Erscheinen der pro- 
testirenden Fürsten in dieser Sitzung der Stände keinen Zweck 
mehr gehabt. Wohl waren seit sieben Uhr Morgens der König, 
die Commissarien des ICaisers und die Stände wieder in feier- 
licher Sitzung vereinigt, aber zu keinem anderen Zwecke, als 
um den Reichstagsabschied, welcher in den letzten Tagen auf 
Grimd der früheren von den Gommissaren genehmigten Ma- 
joritätsbeschlüsse niedergeschrieben worden war, verlesen zu 
hören, zu genehmigen und ohne jede Rücksicht auf die da- 
gegen erhobenen Beschwerden und Proteste ganz in der früher 
beschlossenen Weise noch am 22. April durch die dazu er- 
korenen Stände besiegeln zu lassen. Es waren dies für die 
Kurfürsten Erzbischof Albrecht von Mainz und Kurfürst Ludwig 
von der Pfalz, für die geistlichen Fürsten Gardinal Lang von 

*) S. zu der ganzen DarstellnDg das Appellationsinstrament, 
insbesondere die St^en bei Müller 104 f mid 110 bis 113, bei 
Walch XVI, 405 ff und 110 ff und bei Jung CVI und CIX f. 
Dort heisst es zwar, König Ferdinand habe seine Bftthe „an nechster 
Mitwoch Ml AbMdi*^ zu dem Kurfürsten von Sachsen geschickt, die 
Anzeige des Bescheides der vermittelnden Fürsten an die evange- 
lischen Fürsten aber sei an diesem Tage „nach rntttsu Tag** geschehen. 
Aber da die evangelischen Fürsten dem Könige antworten Hessen, 
sie „wollten nun von inen" (dem Herzoge Heinrich und Markgrafen 
Philipp) „ÄMiwort gewarttm**, so können sie damals noch nicht im Besitze 
dieser Antwort gewesen sein, und es sind offenbar die beiden Ausdrücke 
„zu Abendf' und „nach mitten Tag" nicht zu presseiu 



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262 

Salzburg und der Bischof von Bamberg, für die weltUchen 
Fürsten Pfalzgraf Ludwig bei Rhein und Herzog Heinrich der 
Jüngere von Braunschweig, für die Prälaten Abt Gerwig von 
Weingarten, für die Grafen und Herren Graf Bernhard von 
Solms und Gangolf von Hohengeroldseck, endlich im Namen 
der Städte Bürgermeister und Rath der Stadt Speier. Doch 
erfolgte die formliche Zustimmung der Städte zu dem Ab- 
schiede, auch Seitens derjenigen, welche an der Protestation 
keinen Theil nahmen, an diesem Tage noch nicht, weil, wie 
die Strassburger Gesandten bemerken, viele unter ihnen zu hoch 
veranschlagt zu sein behaupteten , ^) auch von den fürstlichen 
Collegien noch keine Antwort auf die Supplication der Städte wegen 
der Session Strassburgs im Regimente erfolgt war. So verzögerten 
denn diese Städte ihre förmliche Zustimmung zu dem Abschiede 
noch und gaben dieselbe, nachdem sie noch am 23. April in 
einer Sitzung aller Städte darüber berathen hattai,*) wie es scheint, 
erst bei dem feierlichen Schlüsse des Reichstags am 24. April, 
während der Abschied, da die beiden sich damals für allein mass- 



^) Jung LXI. Auch Fürstenberg weist, schon in einem Briefe 
vom 17. April, nicht ohne sittliche Entrüstung auf diese Städte hin: 
„Aber eben dieselbige stette*' (welche sich bei dem Beschlüsse über 
den Glauben sehr bald beruhigten) „heben Jtz an vnd beschworen 
sich dess anschlage dess bewilligten Romzngs, auch vnderhaltung 
Regiments vnd Cammergerichts, vnd lassen auch etliche vernemen, 
dass (wo Jn nit Lejchterung beschehe) sie protestiren wollen, 
solche Jrer onvermögen halb nit zu geben. Htu num sieh dmm 
des Jhemigenf so ieytUehs atUriefftf wu beschweren^ wie tiel mekr^ do es nii 
alleffn »eytUchst sonder auch vnser gewissen, seien heyl, ja goi seibsi hekmgi. 
Aber die seyn gehorsam vnd die, die newerlicher Zeyt keyserlicher 
vnd kuniglicher Majestet mit Darstreckung merklichs gelts, pnlfers 
vnd anders mee, dan die andern alle, wilfart haben," (8. oben S. 155, 
Anm.) „seyn ytz die gehorsame" (sie, offenbar ein^Schreibfehler für 
ungehorsame). „Noch sein die stette so gut, belffen ftir sie bitten, 
dass in irer anlag beringerung beschehe, die doch gewisslieh vff 
die andere stette geschlagen wirdt. Dan man will doch das gelt 
vor vollen haben, es gebs Hejntz oder Cnntz." 

*) 8. den Brief der Strassbnrgw Gesandten vom 22. April 
bei Jung LXI: „Es werden aber Gemeine Stett vff Morgen ta VU 
Uren wider znsamen khommen und sich einer Antwort entschlieesen." 



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263 

gebend erachtenden fürstlichen Stande am 22. April denselben 
unterzeichneten und besiegelten, auch von diesem Tage datirt ist. 
Während aber die der Mehrheit sich unterwerfenden Städte 
ihre Antwort zurückhielten, war für die. gegen den Beschluss 
sich verwahrenden Städte jetzt der Zeitpunkt gekommen, noch- 
mals in öffentlicher Ständeversammlung für ihre Protestation 
einzutreten. Das thaten sie denn noch in dieser Sitzung, in- 
dem sie ihren Protest vom 19. April erneuerten und zu^eich, 
was an jenem Tage noch nicht geschehen war, jetzt ihre 
Namen benannten. Es waren vierzehn Städte, welche dazu 
den Muth besassen, Strassburg, Nürnberg, Ulm, Constanz, 
Lindau, Memmingen, Kempten, Nördlingen,*) Heilbronn, Reut- 
Imgen, Isny, Sanct Gallen, Weissenburg und Windsheim. ^) 



') Hier hatte der Bath am 19. April beschlossen, „im Namen 
des Allmächtigen Nürnberg und Ulm . . , doch nicht allein ihrer 
Personen halb, sondern zuvörderst Gott und der unabtreiblichen 
Wahrheit zu gut, anzuhangen und nachzufolgen." Schon damals 
war man indessen zu Nördlingen nickt ohne Aengstlichkeit. Der 
Bathsbeschluss war nicht einstimmig, sondern nur „mit einem 
guten Mehrern" erfolgt und beigefügt worden, man solle nicht an 
der Beschwerde theilnehmen, wenn nicht die Beichsstädte insgemein 
oder doch der mehrere Theil derselben sie erheben würden. Doch 
ertheilte die Stadt Nördlingen noch am 4. August 1529 der von 
den protestirenden Fürsten und Ständen an den Kaiser abgeordne- 
ten Gesandtsdiafb Vollmacht, anch in ihrem Namen die Appellation 
dem Kaiser zu überreichen. Dagegen sank nach der schroffen Be- 
handlung dieser Gesandtschaft durch den Kaiser dem Bathe der 
Math 80 sehr, dass er durch eine Zuschrifb an das kaiserliche 
Begiment vom 21. Februar 1530 ansdrücklich die nachträgliche 
Annahme des @peierer Abschiedes erklärte und demnach yon der 
Protestation zurücktrat. — Alle hier erwähnten Aktenstücke finden 
sich bei den Nördlinger Beichstagsakten des k. b. Beichsarchivs. — 
Auch in Heilbronn und Ulm fehlte nicht viel dazu, dass man ein 
Aehnliches gethan hätte. In Ulm beauftragte man wenigstens im 
Frühjahre 1530 eine vertraute Mittelsperson, dem Kaiser in Inns- 
bruck mitzutheilen, der Ulmer Bath habe bisher dem Speierer Ab- 
schiede nicht entgegengehandelt. S. Keim, schw. Bef. 146 — 147. 

■) S. das Schreiben der Strassburger Gesandten rom 22. April 
bei Jung LXI. Bei den Brandenburger Akten des k. Kreisarofaivs 



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264 

Nachdem so die Annahme des Reichstagsabschieds durch 
die Stände mid die kaiserlichen Gommissäre definitiv zur voll- 
endeten Thatsache geworden war, meinten dieselben doch noch 
ein^i letzten Versuch machen zu sollen, um die protestirenden 
Fürsten zur Annahme des Abschieds zu bewegen, wobei sie 
sich selbst abar gewiss nicht mehr der Hoffiiung hingaben, 
dass ihr Versuch einen Erfolg haben werde. Zwar mit den 
im Rathhofe erschieqenen Käthen der evangelischen Fürsten 
liess sich König Ferdinand, weil er, wie er den evangelischen 
Fürsten sagen liess, dachte, »es würde doch unfiruchtbar sein, 
mit den Gesandten zu handelnc, in keinerlei Besprechung ein, 
schickte aber nd^st den anderen Gommissären des Kaisers und 
der Mehrheit der Fürsten und Stände noch am 22. April einige 
der angesehensten Käthe der Mehrheit zu den evangelischen 
Fürsten. Es waren dies der Vertraute des Königs Georg Truch- 
sess von Waldburg, Statthalter in Würtemberg, für König 
Ferdinand, der Domdechant von Köln, Heinrich Keuss, für 
den Kurfürsten von Mainz, der Graf von Nuenar für den 
Kurfürsten von Köln, Valentin Schenk von Erbach für den 
Kurfürsten von der Pfalz, Dr. Leonhard von Eck für die 
Herzoge von Baiem und Kunz von Kechberg, wohl für Pfalz- 
graf Ottheinrich. ") Dieselben erklärten nach einer in ihrem 
Sinne gehaltenen Darstellung der Vorgänge der letzten Tage, 
der König, die Commissarien und die Stände versähen sich, 
nachdem die Mehrheit den Abschied beschlossen habe, dass 
nun die evangelischen Fürsten, »damit kein Zwiespalt erschöllet, 
auch annehmen werden, was die Mehrheit beschlossen habe, 
da es Herkommen sei, ,ßass der mindere Theü dem mehreren 



Bamberg befindet sich ein offenbar aaf dem Reichstage selbst ge- 
sobriebener Zettel, welcher obige Städte nennt and bemerkt, dass 
dieselben in dem Abschied nicht zu benennen seien. Es wird bei- 
gefügt: „Diese haben 22. aprilis ire gethan protestation vor 

dem mentzischen Cantzler neben den Stenden erhalten" (aufrecht- 
erhalten), „vnd aa£f 28. april dem Oanteler also verzeichendt zn- 
geetellt." 

^) Müller 41. Wenn derselbe, der seine jedenfalls in dem 
Weimarer Archive liegende Quelle nicht angibt, „Cnntz von R§Abe$yk*^ 
schreibt, so ist das ohne Zweifel ein Lese- oder Druckfehler. 



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266 

dOewege gefolgt sei". — Bisher sei es nicht Gebrauch gewesen, 
eine etwa eingereichte Protestation dem Reichstagsabschiede 
einzuverleiben; es werde einen bedenkliche Präcedenzfall 
geben, wenn man diesmal, falls die evangelischen Fürsten auf 
ihrer Protestation beharrten, dieselbe m den Abschied aufnähme. 
Man könne desshalb ihre BRte um Einverleibung ihrer Pro- 
testation in den Abschied nicht erfüllen. Dagegen habe man 
die Namen der evangelischei Fürsten in den Abschied zu 
setzen unterlassen. Wenn diese aber, wie sie angekündigt 
hatten , ihre Protestation weiter ausführen und sie veröflfent- 
lichen würden , so werde das dem Kaiser »zu merklicher Be- 
schweomg gereichen und ihrer Majestät Hoheit belangen«, 
den kaiserlichen Commissären aber und den Ständen Nachtheil 
bringen. Man möge desshalb die Veröffentlichung der Pro- 
testation unterlassen, damit nicht der König und die Stände 
dadurch zu öffentlichen EIrwiderungen veranlasst werden möchten 
und Unfreundschaft vermieden werde. Schliesslich liessai 
der König, die Commissarien und Fürsten den evangelischen 
Fürsten versichern, dass, wenn diese des Glaubens halber 
Frieden halten wollten, auch sie sich so zu halten gedächten; 
es sei ihre Absicht, mit den evangelichen Fürsten bis zum 
Goncile in Friede und Einigkeit zu stehen, und ihre Zuversicht, 
dass es sich nach demselben »zu Besserung und Gutem schicken 
und aller Orten Friede gemacht« werde. 

Die evangeUschen Fürsten entgegneten den Gesandten 
nach einem Rückblicke auf die Vorfalle der letzten Tage: 
Wenn man von ihnen trotz ihrer wiederholten Erklärungen, 
Beschwerden und Proteste immer noch erwarte, dass sie dem 
Mehrheitsbeschlüsse sich unterwerfen würden, so täusche man 
sich. Sie seien, wie sie oft dargelegt hätten, nicht schuldig, 
dem Statt zu geben, y^als sollte ein Hehreres^ zuvoran in solchen 
Sachen, darauf dem minderen Theile ewiger Zorn Gottes und 
Verderben ihrer selbst und vieler von Gott auserwählten Seelen 
stehen woUte, wider das Mindere eu beschliessen und dasselbe 
JBU Gottes Ungehorsam auf Menschen Gehorsam ssu verbinden 
und m verstricken haben''. Selbst in Menschenhandlungen, bei 
denen die Sache nicht viele insgemein, sondern jeden besonders 
angehe, könne man nicht »das Mehrere wider das Mindere 



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266 

Vordrucken«. Ddss es sich aber hier um Dinge handle, wdche 
Jeden sonderlich angehen, dem werde Niefnand widersprechen, 
tvie auch die Schrift sage, dass Jeder seine Bürde tragen werde. 

Selbst wenn die evangelischen Fürsten den Abschied mit 
bewilligt hättai, müssten sie doch um des Gewissens willen 
wieder davon abstehen imd an Gottes Wort sich halten. Zu- 
dem seien das Alles Dinge, um welche es sich bei dem künf- 
tigen Concile handeln werde; nun wolle ausserhalb des Con- 
ciles eine Partei über die andere richten und sich auf die 
Mehrheit berufend die Minderheit zur Unterwerfung bestimmen. 
Das könne doch bei gründlichem Nachdenken die Meinung der 
Stände nicht sein. Wenn nun in Folge des Abschiedes, den 
man wohl nicht angenommen hätte, wenn nicht bei diesem 
Reichstage der Trost so ganz auf das Mehrere gestanden hätte, 
ein Zwiespalt unter den Ständen entstehe, so möge sich Jeder 
in seinem Gewissen selbst sagen, wer die Schuld an solchem 
Zwiespalte trage. Damit, dass man ihre Namen nicht im Ab- 
schiede des Reichstags aufführe, sich aber weigere, den Protest 
in denselben einzuverleiben, könnten die evangelischen Fürsten 
sich nicht zufrieden geben, weil dann von Missgünstigen, welche 
die nähere Sachlage nicht kennten, leicht gesagt wertJen könnte, 
sie hätten ohne gründliche und beständige Ursache die Ein- 
willigung in den Abschied verweigert. 

Die evangelischen Fürsten wollten Niemand zur Unfreund- 
schaft Ursache geben, noch gegen des Kaisers Hoheit handeln, 
sondern nur die Ehre Gottes und ihre Seligkeit suchen und 
thun, was ihr Gewissen ihnen gebiete. Wäre die »beschwer- 
liche Ursache« ihnen nicht gegeben, so hätten sie ihren Protest 
gerne unterlassen. König und Stände, welche selbst wüssten, 
welches einer Protestation Art und Eigenschaft wäre, würden 
es ihnen, wie sie hoffen, nicht verdenken und es werde ihnen 
vor dem Kaiser und Jedermann unverweislich sein, wenn sie 
die Protestation öffentlich bekannt geben. Auf das Erbieten 
der Stände zu Frieden erwidern sie, sie seien so hoch als 
irgend Jemand zu Frieden und Einigkeit geneigt und hätten in 
Allem, was sie auf dem Reichstage gethan, nichts als Gottes 
Ehre und aller Menschen Heil, Frieden und Einigkeit gesucht. 
Sie erklären desshalb ausdrücklich, dass sie sich friedlich und 



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267 

also halten werden, wie sie es vor Gott und kaiserlicher Ma- 
jestäti ihrem allergnädigsten Herrn, schuldig und pfilichtig seien 
und dass sie dem Kaiser allen schuldigen unterthänigen Gehor- 
sam, dem Könige und allen Ständen freundliche Dienste und 
Gutes zu erzeigen gewillt seien. Schliesslich baten sie noch 
um schriftliche Antwort auf diese ihre Erklärung. 

Eine solche schriftliche Schlussantwort des Königs, der 
kaiserlichen Commissarien , der Kurfürsten und Stände wurde 
dann wirkUch noch den evangelischen Fürsten überreicht, in 
welcher Jene erklärten, dass sie entschlossen seien, sich nach 
dem Wormser Landfrieden und jetzigen Reichsabschied zu 
halten und Niemand zu vergewaltigen, dass sie namentlich 
gegen die mit Namen aufgeführten evangelischen Fürsten bis 
zum Concile des Glaubens wegen mit der That nichts vor- 
nehmen wollten ; sie versähen sich aber zu diesen, dass dieselben 
sich auch gegen sie friedlich, freundlich tmd nachbarlich erzeigen 
und sich weiterer Ausbreitung ihrer übergebenen Protestation, 
welches sonst »zu Weiterung und Unfrieden gereichen möchte«, 
enthalten werden. Die evangeUschen Fürsten möchten sich damit 
begnügen, dass ihre Protestation bei den Akten behalten würde 
und sie dieselbe auch dem Kaiser zusenden könnten. 

Wir schliessen daran noch die letzte schriftliche Ent- 
gegnung, welche die evangelischen Fürsten dem Könige und 
den versammelten Ständen überreichen Hessen. Sie wieder- 
holen darin, dass sie nicht darauf verzichten könnten, ihre 
Protestation zu veröffentlichen. Sie versähen sich zu König 
und Ständen, dass dieselben gegen sie, »auch männiglich, auf 
ihren Theil und dem EvangeUo verwandt«, des Glaubens wegen 
sich friedlich, freundlich und nachbarlich halten werden. Sie 
knüpfen daran die nochmalige Erklärung, dass sie selbst sich 
gegen den Kaiser »zu allem Pflichtigen Gehorsam unterthäniglich«, 
gegen den König und die Stände auf Grund des Landfriedens und 
insbesondere des Speierer Abschieds vom Jahre 1526 aber fried- 
lich, nachbarlich und freundlich erzeigen, auch »in ungutem und 
mit der That« wider dieselben nichts vornehmen werden. ^) 



^) Alles oben Berichtete ist aus dem Appellationsinstmment 
geschöpft, in welches auch die erzählten Beden, Erwidenmgen a. a. w. 



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2«8 

20. Waltere Begebenlieiteii in diesen Tagen« Schloas des 
Beiohstages. Appellatien der eyangdisohen Stftnde. 

Während bei den geschilderten Verhandlungen der Mehr- 
heit der Stände mit den evangelischen Fürsten die gegenseitige 
Entfremdung beider Theile immer offenkundiger hervortrat, 
fehlte es doch nicht ganz an erfreulichen Belegen dafür, dass 
zwischen gemässigten Mitgliedern der Mehrheit und den pro- 
testirenden Fürsten auch in diesen Tagen noch ein freund- 
licher Verkehr bestand. Zwar mit König Ferdinand vermieden 
die evangelischen Fürsten jetzt jede Zusammenkunft. Wenn 
sie mit demselben zu verhandeln hatten, so bedienten sie sich, 
soweit das nicht durch ihre Räthe geschehen konnte, der Ver- 
mittelung anderer ihnen freundlicher gesinnten und bei dem 
Könige besser aufgenommenen Fürsten. Namentlich der fried- 
liebende Kurfürst Ludwig von der Pfalz bot dazu stets in zu- 
vorkommender Weise die Hand. So hatte er die ihm von 
Landgraf Philipp übermittelte und von fünf Fürsten unter- 
stützte Eingabe des damals in Kassel sich aufhaltenden Her- 
zogs Ubich von Würtemberg um Wiedereinsetzung in seine 
Erblande dem Könige zur Berücksichtigung empfohlen, freilich 
ohne etwas anderes als die schroffe Antwort von Ferdinand 
erreichen zu können, er sei des Herzogthums Würtemberg 
rechter Fürst und Erbherr. *) 

aufgenommen sind. S. Jung CV bis CXIV, Müller 108 bis 120 
und Walch XVI, 404 bb 418. Von der letzten Antwort der 
evangelischen Fürsten sagt die Appellationsurkunde, sie sei „heut 
um ein Hora" übergeben worden, gibt aber das Datum nicht an. 
Indessen kann mit dem „beute" nicht der Tag der Appellation, der 
25. April, gemeint sein, da an diesem Tage um 1 Uhr König 
Ferdinand wohl schon nach Heidelberg aufgebrochen war, auch an 
diesem Tage die Stände sich nicht mehr versammelten. Die üeber^ 
gäbe ist wohl in der letzten Reiohstagssitzung, den 24. April, er* 
folgt. Die Angabe „Keuu um ein Uhr" erklärt sich daraus, dass 
die dem Appellationsinstrumente einverleibten Blätter, welche später 
beim Drucke der Urkunde in deren Text aufgenommen worden, wohl 
noch am 24. April geschrieben worden waren. 

^) S. oben S. 171. Jene Antwort Ferdinands findet sich in 
Bommels Gesch. Philipp*s des Grossmüthigen 8. 118. 



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269 

Glücklicher war Kurfürst Ludwig mit einer anderen Ver- 
mittelung, wdche er in diesen Tagen zwischen den Kurfürsten 
Johann von Sachsen und Albrecht von Mainz pflog. Bereits 
am 19. April, dem Tage der ersten Protestation^ war zwischen 
diesem beiden Fürsten ein Vertrag zu Stande gekommen, worin 
sie gegenseitig gelobten, »es mit einander treulich zu meinen«, 
und verabredeten, auf welche Weise Irrungen, die etwa zwischen 
ihnen vorfielen, ausgeglichen werden sollten. An dem Tage 
der Appellation, dem 25. April, aber kam es durch Vermittelung 
des Kurfürsten Ludwig zum Abschlüsse einer Vereinbarung 
über eine seit langer Zeit schwebende Irrung, welche, so wenig 
bedeutend sie uns heute erscheint, doch damals für eine hoch- 
wichtige angesehen wurde. Es handelte sich dabei darum, 
welcher von beiden Kurfürsten bei den Reichstagen das Recht 
der »Umfrage« haben und demnach bei Abstimmungen an die 
übrigen Kurfürsten und Fürsten die Frage zu richten befugt 
sein solle. Die Elntscheidimg wurde dahin getroffen, dass, wenn 
in einer allgemeinen Reichstagssitzung in Gegenwart des Kai- 
sers oder römischen Königs dieser eine Frage zu stellen habe, 
dies durch den Kurfürsten von Sachsen geschehen solle. In 
den besonderen Sitzungen des kurfürstlichen Collegiums 
sollte der Kurfürst von Mainz die Umfrage haben. Bei 
Ausschusssitzungen dagegen sollte die Umfrage in näher 
bestimmter Weise zwischen beiden Kurfürsten Tag für Tag 
abwechseln. *) 

Kurfürst Ludwig war es auch, der in diesen Tagen, am 
22. April, zwischen Kursachsen und Hessen einerseits, Kur- 
mainz und den Bischöfen von Bamberg und Würzburg anderer- 
seits eine förmliche Vereinbarung darüber vermittelte, auf 
welche Weise und in welcher Form die noch nicht vollzogene 



') S. Joh. Seb. Müllers Annales des Hauses Sachsen. Weimar 
1700. S. 82 f. In den knrpf^lzischen Akten des k. b. geh. Staats- 
archivs Manchen findet sich ein Schreiben des Eurfttrsten Johann 
vom 9. Mai 1529 ans Weimar, in dem er die Besiegelnng dieses 
Vertrages in Erinnerung bringt. Kurfürst Ludwig antwortete am 
26. Mai ans Heidelberg, die Besiegelang werde nunmehr ohne Ver- 
zug geschehen. 



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270 

Ratification und Besiegelung des am 30. December 1528 zu 
Worms abgeschloss^ai Vertrages zwischen denselben zu ge- 
schdien habe. *) 

Auch eine andere, friedliche Versammlung war damals 
in Speier vereinigt Es war dies die Synode der Speiser 
Diöcese, welche auf Veranlassung des würdigen und milden 
Bischofs und Pfalzgrafen Georg daselbst zusammentrat. Die 
Frucht dieser Versammlung war ein Erlass des Bischofs vom 
20. April,*) durch welchen unter Berufung auf früh^« bis- 
weilen fruchtlos gebliebene Ermahnungen und Strafandrohung 
gegen die üebertreter die Geistlichen der Stadt und Diöcese 
Speier auf das dringendste aufgefordert werden , in dieser ge- 
fahrlichen, verhängnissvoll«! Zeit durch nüchternes, ehrbares 
und würdiges Verhalten dem Priesterstande Ehre zu machen. 
Und wenn überhaupt noch die Möglichkeit bestanden hätte, 
den Beschlüssen des Reichstags entsprech^id das Eindrmgen 
der Reformation in die bisher noch katholischen Gebiete ohne 
Grewaltmittel zu verhindern, so wäre es in der That ohne Frage 
eines der würdigsten und wirksamsten Mittel hiezu gewesen, 
wenn die an der alten Kirche festhaltende Geistlichkeit in ihrem 
Wandel jeden Anstoss vermieden hätte. 

Doch waren freilich trotz den zuletzt gewechselten Frie- 
densbetheuerungen die Fürsten imd Stände beider Partheien 
noch nicht unbedingt gewiss, dass es aus Anlass der Reichs- 
tagsbeschlüsse nicht noch zu Gewaltanwendung kommen werde. 
Namentlich glaubten die evangelischen Fürsten und Stände 
sich gegen einen etwaigen Angriff durch die katholischen 
Stände vorsehen zu müssen. Darum schlössen Kursachsen 
und Hessen nunmehr am 22. April mit den Städten Strassburg, 
Nürnberg imd Ulm das vorher schon vorbereitete »sonderlich 
geheime Verständnisse ab, in welchem man verabredete, zur 
gemeinsamen Vertheidigung zu schreiten, wenn man um des 
göttlichen Wortes willen angegriffen werde, sei es dass der 

') Die Vereinbarung findet sich d.d. Speier, Donnerstag nach 
Jubilate 1529 in den bischöflich Bamberger Akten des k. Kreisarchivs 
Bamberg, Sammelband 11, Fol. 232. S. oben S. 4 Anm. 

^ Collectio processnum synodaliam dioecesis Spirensis. Anno 
1786. p. 230 ff. 



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871 

Angriff von dem schwäbischen Bunde, von dem Kammer* 
gerichte oder sdbst von dem Reichsregimente ausgehe. Die 
näheren Bestimmungen über die gegenseitige Hülfeleistung 
sollten auf einem im nächsten Juni zu Rotach in Franken 
zusammentretenden Convente getroffen werdend) 

Nachdem am 22. April der Abschied des Reichstags förm- 
lich zum Reichsgesetz erhoben worden war, schritt nun das 
Reichsregiment ohne weiteren Verzug zur Ausführung der 
Beschlüsse desselben. Noch am 22. April richtete es im Namen 
des Kaisers an die einzelnen Fürsten und Stände, auch an 
diejenigen, welche gegen den Abschied protestirt hatten, die 
Aufforderung, die von dem Reichstage bewilligten Subsidien 
zur Türkenhülfe und zur Unterhaltung des Regiments und 
Kammergerichtes rechtzeitig an eine der Städte Augsburg, 
Nürnberg oder Frankfurt zu entrichten. *) Am folgenden Tage, 
dem 23. April, erliess das Regiment die von dem Reichstage geneh- 
migte kaiserliche Constitution über die Theilung einer Erbschaft 
unter Neffen und Nichten eines ohne Testament Verstorbenen, 
sowie das kaiserliche Mandat gegen die Wiedertäufer, welche 
dem Reichstagsabschiede als Beilagen einverleibt wurden.^) 



^) Ranke IE, 117, Seckendorf 961 ff, Müller 229 ff. S. oben 
S. 222. Der Tag von Rotach wurde später ausser von den Ge- 
sandten der oben angeführten Fürsten und Städte auch von denen 
des Markgiafen Qeorg beschickt, welcher also wohl auch an dem 
vorläufigen Verständnisse zu Speier theilgenomm«n hatte. Indess 
haben wir in den Brandenburger Akten keine Notiz darüber 
gefunden. i 

^) Eine derartige ans Speier vom 22. April 1529 datirte und 
von Pfalzgraf Friedrich als kaiserlichem Statthalter unterzeichnete 
gedruckte Aufforderung findet sich in den Brandenburger Akten des 
Kreisarchivs Bamberg (Sammelband 13, Num. 24). Markgraf Georg 
hatte an Türkenhülfe 1560 fi. für die JPussknechte und 2700 fl. 
für die Reiter, für den Unterhalt von Regiment und Kammergericht 
aber jährlich 180 fl. Gold zu zahlen. Sein Zuschuss für die Hülfe 
zu Ross wurde ihm später wegen zu hoher Yerandchlagung auf 1942 fl. 
8 Ort und 10 ^ ermässigt, die er auch noch vor dem Fälligkeitstermin 
(25. Juli 1529) am 23. Juli an die Stadt Nürnberg einzahlte. 

») 8. oben S. 215 f und S. 235 f. 



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272 

An demselben Ttige erBtatteten auch die kaiserlichen Gommis- 
sarien schriftlichen Bericht über den Verlauf des Reichstags an 
den Kaiser. *) 

So waren denn die Geschäfte des Reichstages vollständig 
beendigt. Waren auch die Beschlösse desselben nicht in jedem 
Stücke nach dem Wunsche von König Ferdinand ausgefallen, 
mochte auch namentlich der mit so grosser Entschiedenheit 
erhobene Widerspruch der evangelischen Fürsten und Stände 
schon damals von Einsichtigen als ein Ereigniss von unbe- 
rechenbarer Tragweite betrachtet werden, so war doch kein 
Grund gegeben, den Schluss des Reichstages noch weiter zu 
verschieben. Samstag den 24. April trat darum der Reichstag 
noch einmal zu einer Plenarsitzimg zusammen, an welche 
auch König Ferdinand mit den anderen Commissären des 
Kaisers theilnahm. In derselben eiiioben zunächst etUche 
Fürsten, welchen der ihnen nach ihrer Ansicht zukommende 
Platz bei den Reichstagssitzungen nicht eingeräumt worden 
war, desshalb, wie das fast bei jedem Reichstage der Fall 
war, ihre Beschwerde. *) Andere Fürsten und Stände reichten 

^) Dies erhellt aus einer in den herzoglich bairischen Akten 
des k. b. geh. Staatsarchivs (**^/t) sich findenden Zuschrift Karls V. 
an die kaiseriichen Commissäre, d. d. Barcellona 12. Jnli 1529, in 
welcher er auf jenen Bericht Bezug nimmt. 

■) Vergl. den Bericht der Strassburger Oesandten vom 24, 
April bei Jung LXII. Die Natur derartiger Beschwerden erhellt 
anschaulich aus der in Beilage 8 abgedruckten Instruction des 
Markgrafen Georg von Brandenburg, welcher gleich Herzog Oeorg 
von Sachsen mit den Herzogen von Baiem eine Irrung wegen der 
„Session" hatte. S. oben 8. 64 und 181. Auch auf dem Speierer 
Reichstage scheinen, da der Speierer Abschied am Schlüsse die fast 
in keinem Beichstagsabschiede jener Zeit fehlende Olausel entidUt, 
dass die bei dem Reichstage eingehaltene Ordnung der Session und 
Umfrage Niemand an seinen hergebrachten Rechten nachtheilig und 
vorgreiflich sein solle, solche Misshelligkeiten wegen der Session und 
Umfrage mehrfach vorgekommen zu sein. Doch enählen die uns 
aufbewahrten Berichte keine Einzelheiten darüber, weil die betr. 
Oesandten ohne Zweifel von anderen Reichstagen her an derartige 
Irrungen gewöhnt waren und sie fftr nichts ungewöhnliches oder 
Erzfthlenswerthes hielten. 



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I 



278 

wegen anderer wenig bedeutender Angel^enheiten Supplica- 
tionen ein. Hierauf erhob Stadtschreiber Glanz von Worms 
in längerer Rede Namens der Städte Beschwerde wegen etlicher 
im Abschiede enthaltenen Bestimmungen, von welchen die 
Städte kein Vorwissen gehabt hätten» begehrte auch nochmals, 
dass der Gesandte Strassburgs zum Regimente zugelassen werde , 
worauf König Ferdinand selbst in der bereits erzählten Weise 
denselben, zunächst ohne Auftrag der Stände, eine abschlägliche 
Antwort gab, welche nach erhobener Beschwerde der Städte, 
wie es scheint, nachträglich von der Mehrheit der Stände ge- 
billigt wurde. *) 

Letzteres geschah vielleicht in einer zweiten an demselben 
Tage, Nachmittags ein Uhr abgehaltenen allgemeinen Sitzung, 
in welcher die erwähnte, in das Appellationsinstrument aufge- 
nommene Schlussantwort der evangelischen Fürsten den ver- 
sammelten Ständen zugestellt wurde und nach nochmaliger 
Verlesung des nunmehr völlig fertig gestellten und besiegelten 
Abschiedes der Reichstag feierlich geschlossen wurde.*) 

Wir geben nun noch eine kurze Uebersicht über den Inhalt 
dieses Abschiedes, wobei wir, um Wiederholungen zu vermeiden, 
auf die an früheren Stellen gegebenen Darlegungen zurückweisen. 



*) S. den Bericht der Strassbnrger Gesandten vom 24. April 
bei Jnng LXU. Vergl. oben S. 205. 

^ Wir haben über die Beichstagssitzong vom 24. April nur 
den mehrfach citirten Bericht der Strassbnrger Gesandten, welcher 
aber die Stunde nicht angibt and über den Schluss des Reichstags 
nichts berichtet, dagegen noch eine folgende Sitzung voraussetzt, 
da es darin heisst: „Was für Antwort'* (auf die nochmalige Be- 
schwerde der Städte) „fallen wirt, mögen wir nitt wissen." Wir 
glauben desshalb noch eine zweite Sitzung am 24. *April annehmen 
zu müssen, welche wir wegen der S. 268 erwähnten Bemerkung in der 
Appellationsnrknnde auf ein Uhr gesetzt haben. Dass in dieser 
Sitzung der Abschied nochmals verlesen worden sei, schliessen wir 
aus einer Notiz in den Würzburger Akten: „Nhun volgt hernach 
der Abschiet am Sambstag nach Jubilate den vier vnd z weint zigsten 
April MDXXIX zu Speier verlesen/' Doch könnte sich dies „ver- 
lesen*' auch darauf beziehen, dass an diesem Tage der Abschied den 
Schreibern der einzelnen Stände in die Feder dictirt wurde. 

18 



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Nachdem in den Eingangsworten König Ferdinand und 
die kaiserlichen Cbmmissäre, unter denen jetzt auch der einige 
Tage zuvor in Speier angekommene Herzog Erich von Braun- 
schweig genannt wird, in herkömmlicher Weise erklart haben, 
dass sie kraft der ihnen vom Kaiser ertheilten Vollmacht mit 
den zahlreich in Speier erschienenen Kurfürsten, Fürsten und 
Ständen den Abschied vereinigt hätten, werden zunächst die 
die Glaubensfrage betreffenden Bestimmungen gegeben. An 
den Kaiser wird das Ersuchen gerichtet, das baldige Zusammen- 
treten eines Generalconcils oder wenigstens Nationalconcils 
gnädig zu fördern. Hierauf folgen die oft erwähnten Fest- 
setzungen über den Glauben, das Sacrament des h. Abend- 
mahls, die Wiedertaufe, die Prediger und den Druck,*) die 
Entwehrung von Renten, Zinsen u. s. w., sowie über die Be- 
strafung von Solchen, die etwa den Landfrieden brechen wür- 
den. Falls in einem Gebiete die Unterthanen wieder (wie 
in dem Bauernkriege) sich empören würden, sollten die be- 
nachbarten Obrigkeiten dem betreffenden Fürsten oder Stande 
zu Hülfe kommen und den Aufstand dänipfen helfen. Es 
folgen sodann die vereinbarten Bestimmungen über die eilende 
und beharrliche Türkenhülfc, über die Unterhaltung von Regi- 
ment und Kammergericht, sowie über die Visitation beider, 
welche in Speier bleiben sollen, femer über die Theilung von 
Verlassenschaften unter Neffen und Nichten. 

Daran schliesst sich ein Artikel über die peinliche Hals- 
gerichtsordnung. Schon 1521 hatte Kaiser Karl V. zu Worms 



') Wie diese schon in Nürnberg getroffene Bcstimmnng von 
katholischen Ständen gebandhabt wurde, beweist ein Erlass des 
Königs Ferdinand vom 24. Jnli 1528, welcher für Krain am 19. 
November 1529 eiiienert wurde. Nach demselben sollten in Oester- 
reich Druckereien nur in Landeshauptstädten errichtet und kein 
Buch ohne Bewilligung des Statthalters oder Landeshauptmanns 
gedruckt werden. Solche, welche „sektische Bücher*' drucken oder 
feilhaben würden, sollten, sobald sie in den österreichischen Erb- 
landen betreten würden, „als Hauptverführer und Vergifber aller 
Länder*' ohne alle Gnade stracks am Leben mit dem Wasser ge- 
straft (d. i. ertränkt), ihre verbotenen Waaren aber verbrannt worden. 
S. Aug. Dimitz, Geschichte Krains. Zweiter Theil. Laibach 1875. S. 197. 



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mit Zustimmung des Reichstags angeordnet, dass eine neue 
peinliche Grerichtsordnung durch einen gelehrten Ausschuss 
angefertigt werde. Nachdem nun inzwischen der Entwurf einer 
solchen ausgearbeitet worden war, hatte das Reichsregiment 
denselben dem in Speier versammelten Reichstage vorgelegt, 
welcher auch, wie erzählt, einen Ausschuss zur Berathung 
des Entwurfs niedersetzte. Da aber die Vorlage sehr umfang- 
reich war, so konnte schon aus diesem Grunde eine Berathung 
und Beschlussfassung über den Inhalt derselben auf dem 
Reichstage nicht mehr stattfinden. Man begnügte sich desshalb 
damit, in dem Abschiede zu bestimmen, dass jeder Stand von 
dem Entwürfe Abschrift nehmen und dann die sechs Kreise 
demnächst je zwei gelehrte Räthe nach Speier senden sollten, 
um den Entwurf im Einverständnisse mit dem Regimente 
weiter zu erwägen. *) 

Der zunächst folgende Artikel betrifft die Münzordnung. 
Bereits 1524 war, um der ausserordentlichen Verwirrung im 
Munzwesen zu steuern, zu Esslingen eine Münzordnung erlassen 
worden, auf Grund deren das Regiment eine neue Vorlage 
ausgearbeitet und dem Reichstage zu weiterer Berathung und 
Boschlussfassung übergeben hatte. Auch hinsichtlich dieses 
Punktes wurde aber nur bestimmt, dass jeder zum Schlagen von 
Münzen berechtigte Stand zum nächsten St. Jacobstage münzver- 
ständige Personen mit der Vollmacht nach Speier abordnen solle, 
sich mit dem Regimente und den anderen Gesandten über die 



*) Die Vorlagen des Regiments über die Halsgerichtsordnung, 
sowie Über Münze und Monopol ien finden sieb vollständig in den 
Pfalz-Neuburger Akten des k. b. geb. Staatsarchivs, Band ^''%. 
Nach einem in dem Frankfurter Stadtarchive sich befindenden Briefe 
des Speierer Stadtschreibers Dieter Drawel an FUrstenberg vom 
27. Mai 1529 nmfassten diese Vorlagen 120 Blätter. Drawel 
wollte den Mainzer Kanzler veranlassen, diese Vorlage drucken zu 
lassen. Dieser erklarte das aber für überfiOssig. Die endgültige 
Festsetzung der von nnn an geltenden Halsgeriohtsordnnng erfolgte, 
da keiner der sechs Kreise zur bestimmten Zeit seine Abge- 
ordneten nach Speier sandte und auch zu Augsburg 1530 nur 
der Speierer Beschloss erneuert wurde, erst auf dem Reichstage zu 
Begem>burg 1532. 

18* 



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276 

Vorlage zu vereinigen, »damit aufs wenigste etliche Jahre lang 
eine gleichmässige, beständige, richtige und wahrhaftige Münze 
im heiligen Reiche angerichtet und erhalten werden möge.« 

Es folgt die erwähnte Festsetzung über die Monopolien, 
sodann die Emeuenmg eines Artikels des letzten Speierer 
Abschiedes, nach welchem die Beschlüsse desselben über die milde 
Behandlung von an dem Bauernkriege betheiligten Unterthanen 
die Gültigkeit der von dem schwäbischen Bunde aus Anlass des 
Bauernkrieges aufgerichteten Verträge nicht aufheben sollte. 

Charakteristisch für die in dem mächtigen deutschen 
Reiche bei allen Geldangelegenheiten herrschende Armseligkeit 
ist die nun folgende Bestimmung, durch welche ein von ver- 
schiedenen Beisitzern des Kammergerichts — unter ihnen Dr. 
Beatus Weidmann, Dr. Joh. von Docklieim, genannt Fries, Dr. 
Seb. Schilling und der kaiserliche Fiskal Mar — eingereichtes 
Gesuch um Auszahlung ihres rückständigen Gehaltes beschieden 
wird. Der Abschied erkennt die Berechtigung dieser Forde- 
rungen ausdrücklich an, verweist die Bittsteller aber, weil 
»dieser Zeit nichts vorhanden, damit sie zufrieden werden 
mögen«, auf alte rückständige Beiträge zum Kamraergerichte, 
welche von dem Fiskale eingetrieben werden und beim Ein- 
gange den Bittstellern ausbezahlt werden sollten. 

An die bereits erwähnte herkömmliche Verwahrung der 
wegen ihrer Session in Irrungen stehenden Fürsten und Stände 
schlicssen sich dann als Beilagen die oft genannten vom 23. April 
datirten kaiserlichen Verordnungen über die Theilung von Ver- 
lassenschaften und gegen die Wiedertäufer. 

Der Abschied schliesst in gebräuchlicher Weise mit dem 
Versprechen des Königs Ferdinand und der kaiserlichen Gommis- 
sarien für sich selbst und im Namen des Kaisers, den Abschied 
stät, fest, unverbrüchlich und aufrichtig zu halten, und dem 
gleichen Versprechen Seitens der den Abschied annehmenden, 
namentlich aufgeführten Kurfürsten, Fürsten und Stände. Besiegelt 
ist er von dem Könige Ferdinand für die kaiserlichen Commissäre 
und von den bereits genannten Kurfürsten, Fürsten und Ständen.*) 

') Ausser in zahlreichen Samminngen von Reicfastagsabschiedeni 
z. B. in Lttnig*8 Beichsarchiv part. gen. contin. 480 bis 494, findet 



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277 

Nachdem so der von der Mehrheit beschlossene Reichs- 
tagsabschied in alle Formen des geltenden Rechtes gebracht 
und der Protestation der evangelischen Fürsten und Stände in 
demselben mit keinem Worte gedacht war, mussten die Letzteren 
auch die von ihnen erhobene Protestation in die Form Rechtens 
bringen. Es geschah dies durch das Appellationsinstrument, 
welches am 25. April aufgenommen wurde. An diesem Tage, 
dem Sonntage Gantate, versammelten sich zu diesem Zwecke 
die hiezu mit Vollmacht ausgerüsteten Räthe des Kurfürsten 
Johann von Sachsen, des Markgrafen Georg von Brandenburg, 
des Herzogs Ernst von Braunschweig und Lüneburg,*) des 
Landgrafen Philipp von Hessen und des Fürsten Wolfgang von 
Anhalt »in des würdigen Herrn Peter Mutterstadt, Caplans in 
der Sanct Johanniskirche daselbst zu Speier, Behausung, in 
jetztgemeldeter Sanct Johannisgasse gelegen, unten in einem 
kleinen Stüblein«. Dieselben forderten dort in Gegenwart der 
Zeugen Alexius Frauentraut, Secretärs des Markgrafen Georg von 
Brandenburg, Eucharius Ulrich, Kriegsschreibers des Rathes von 
Nürnberg, Veit Kämmerer und anderer glaubwürdiger Männer 
die dahin berufenen öffentlichen kaiserlichen Notarien Leonhard 
Sleltner, zugleich K^zleischreibcr des Kurfürsten von Sachsen, 
und Pancratius Salzmann, zugleich Kammersecretär des Mark- 



sich ein Abdruck des Abschiedes bei Walch XVI, 328 bis 360. 
Zar Erleichterang der Uebersicbt über die Bestiramungen des Ab- 
schiedes betreffs der einzelnen Punkte weisen wir noch auf die 
Stellen hin, an denen in unserer bisherigen Darstellung die go- 
iroffonen Bestimmungen zu finden sind. Die Festsetzungen über 
den Glauben s. oben S. 129 bis 131, verglichen mit S. 177 f, über 
die Wiedei-taufe S. 216, über die eilende Türkenhülfe S. 150 bis 
152, über die beharrliche 8. 153 und 210 f, über den Unterhalt 
von Regiment und Kammergencht S. 153 f, über die Theilung der 
Erbschaften etc. S. 235 f, über die Monopolien S. 212 f, und die 
Verwahrungen wegen der Session S. 272. 

') Im Eingange des Appellationsinstmments wird nur von den 
BUthen des Herzogs Ernst geredet. Dagegen wird in der e^ent- 
lichen Appellationsschrift auch sein Bruder und Mitregent Herzog 
Franz von Lüneburg ausdrücklich genannt, welcher darum zu den 
protestirenden Fürsten gezählt werden moss. 



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278 

grafen Georg, auf, ihnen nach allen Regeln des öffentlichen 
Rechtes darüber Urkunde zu ertheilen, dass die genannten 
Fürsten von den Verhandlungen des Reichstages und dem 
erfolgten »vermeinten« Abschiede an römische kaiserliche Ma- 
jestät und ein freies christliches Concilium appelliren. Zu den 
Räthen der Fürsten gesellten sich dann noch die Botschafter 
der Städte Strassburg, Nürnberg, Ulm, Constanz, Lindau, 
Memmingen , Kempten , Nördlingen , Heilbronn , Reutlingen, 
Isny, Sanct Gallen, Weissenburg (in Franken) und Windsheira 
und erklärten ihren förmlichen Beitritt zu der Protestation und 
Appellation. Die Notarien entsprachen, vreil sie es, wie sie in dem 
betreflTenden Instrumente vorsichtig bemerken, »nicht zu weigern 
wussten«, der Aufforderung und nahmen darüber eine aus- 
führliche, im Originale dreizehn Pergamentblätter umfassende 
Urkunde auf, in welche sie eine von den Räthen der evange- 
lischen Fürsten ihnen zugestellte ausgedehnte, »auf etliche 
papierene Blätter verfasste«, Appellationsschrift wörtlich auf- 
nahmen. Dieselbe enthält ausser einem die einzelnen Urkunden 
verbindenden eingehenden Berichte über die Vorgänge auf dem 
Reichstage alle wichtigeren in der Sache in Betracht kommen- 
den Aktenstücke im Wortlaute, so namentlich die Beschwerde 
der evangelischen Fürsten vom 12. April, den in der Sitzung 
vom 19. April verlesenen Bescheid des Königs und der kaiser- 
lichen Commissarien, die an demselben Tage erhobene kürzere 
Protestation, die ausführlichere Protestation vom 20. April, weiter 
das Anbringen der Räthe des Königs und der Stände an die 
evangelischen Fürsten vom 22. April und die Antwort der evange- 
lischen Fürsten auf dieses Anbringen, endlich die von dem Könige 
und den Ständen den evangelischen Fürsten zugesandte schrift- 
liche letzte Erklärung nebst der hierauf am 24. April den Standen 
überreichten Schlusserklärung der evangelischen Fürsten. *) 

^) S. den Inhalt der Besehwerde vom 12. April oben S. 187 ff, 
den Bescheid der kaiserlichen Commissarien S. 226 ff, der Protesta- 
tion von diesem Tage 8. 232 ff, derjenigen vom 20. April S. 240 
bis 254, die weiter erwähnten Vorträge nnd Antworten S. 264 
bis 267. Diese einen Theil der von den Notiiren anfgenommonen 
Urkunde bildende Appellation findet sich bei Müller 54 bis 122, bei 
Walch XVI, 366 bis 420 und bei Jung LXXIX bis CXV. 

9 



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279 

Im Eingange dieser den beiden Notaren zugestellten 
Appellationsschrift wird Folgendes bemerkt: 

Nachdem in allen geschriebenen Rechten das Mittel der 
Appellation und Berufung bestehe, seien die evangelischen 
Kurfürsten und Fürsten Johann von Sachsen, Georg von 
Brandenburg, Ernst und Franz von Braunschweig und Lüne- 
burg, Philipp von Hessen und Wolfgang von Anhalt genöthigl, 
wegen vieler hohen und tapferen Beschwerden, welche ihnen 
auf dem jetzigen Reichstage begegnet seien, für sich selbst, 
ihre Unterthanen und Alle, welche jetzt öder künftig dem 
heiligen Worte Gottes verwandt, von und wider König Fer- 
dinand, die anderen kaiserlichen Gommissarien und die auf dem 
Reichstage versammelten Kurfürsten, Fürsten und Stande zu 
appelliren. 

Zunächst protestirten sie vor Gott und männiglich, der 
diese Appellation zu lesen bekomme, »dass unser Gemüth und 
Meinung anders nicht steht, denn allein die Ehre Gottes, des 
Allmächtigen, seines heiligen Wortes, und unser, auch männig- 
lichs Seelen Seligkeit zu suchen, auch nichts anderes dadurch 
zu handeln, denn was uns das Gewissen ausweiset und lehret, 
und dasjenige, so wir vor Gott dem Allmächtigen zu thun 
schuldig sind«. 

Denn wenn die Rechte, weil die Natur zwischen allen 
Menschen eine natürliche Verwandtschaft bewirke, schon zu- 
liessen, dass sich Einer des Anderen, der zu zeitlichem Tode 
verurtheilt sei, auch ohne Vollmacht annehme und an seiner 
Statt appellire und sein Bestes wirke: »wie vielmehr will uns, 
als Gliedern Eines geistlichen Leibes, des Sohnes Gottes, unsers 
Heilandes Jesu Christi, und geistlichen Kindern .... Eines 
unseres geistlichen und himmlischen Vaters, wohl zustehen, 
dergleichen in solchen^ hochwichtigem Handel zu Verhütung 
unseres und unseres Nächsten ewigen Urtheils dasselbige auch 
zu thun und dieselben unsere Nächsten sich dieses unseres 
rechtlichen Schutzes mit zu freien und zu gebrauchen?« 

Nach diesem Eingange folgt in ausführlicher Erzählung 
aller hieher gehörenden Vorgänge auf dem Reichstage der 
aktenmässige Beweis, dass durch die evangelischen Fürsten 
nichts v«!*saumt worden war, um den König Ferdinand, die 



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280 

kaiserlichen Commissarien und die Mehrheit der Stande durch 
die öffentlich vorgetragenen Beschwerden, Protestationen u. s. w. 
von der endgültigen Annahme der für die Evangelischen um 
des Gewissens willen unannehmbaren Beschlüsse abzuhalten, 
dass die Evangelischen vielmehr der Mehrheit, soweit es ihnen 
ohne Verletzung ihrer Gewissenspflicht immer möglich war, 
entgegengekommen waren. 

Hieran schliesst sich dann die eigentliche Appellation mit 
den Worten: »Dem Allem nach protestiren, recusiren, pro- 
vociren, appelliren, suppliciren und berufen wir, die obgemcl- 
deten Kurfürsten und Fürsten, für uns selbst, unsere Unter- 
thanen und Verwandten, auch jetzige und künftige Anhänger 
und Adhärenten, in und mit dieser gegenwärtigen Schrift in 
der besten Form und Mass, wie wir sollen und mögen, von 
allen obangezeigten Beschwerden, so uns von Anfang dieses 
Reichstags bis zu Ende und mit dem vermeinten Abschfed be- 
gegnet sein, auch aller Handlung und allen anderen Beschwer- 
ungen, wie die daraus entspringen oder hierunter gezogen oder 
folgen werden mögen, sie seien hierin benannt oder nicht, ihre 
Untauglichkeit und Nullität in alle Wege vorbehalten, zu und 
vor (an) die römische kaiserliche und christliche Majestät, 
unseren allergnädigsten Herrn , und dazu an und vor das 
schierstkünftige freie christliche gemeine CJoncilium und Ver- 
sammlung der heiligen Christenheit, vor unsere Nationalzusam- 
menkunft und dazu einen jeden dieser Sache bequemen un- 
partheiischen und christlichen Richter, und unterwerfen uns, 
unser Fürstenthum, Herrschaften, Land und Leute, Leib und 
Gut , auch alle jetzige und künftige dieser unserer Appellation 
Anhänger, in der kaiserlichen Majestät imd eines christlichen 
Concilii Schutz und Schirm.c Mit dem Begehren, über solche 
Appellation ein Instrument auszufertigen, und dem Vorbehalte, 
dieselbe zu mehren, bessern, mindern oder zu ändern, schliesst 
diese den ausgedehntesten und wichtigsten Theil des von den 
beiden Notarien ausgefertigten Instrumentes bildende Appella- 
tionsschrift 

Damit aber dieses Appellationsinstrument auch wirklich 
in die Hände des Kaisers gelange, beschlossen die evangelischen 
Fürsten und Stände schon zu Speier, eine eigene Gesandtschaft 



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281 

abzuordnen, welche dasselbe, nachdem es von allen protestiren- 
den Ständen ratlfidrt worden sei, dem Kaiser überreichen 
sollte. Die näheren Bestimmungen über diese Gesandtschaft 
aber sollten auf einem Convente i^etroffen werden, welcher 
baldmöglichst von Kurfürst Johann nach Nürnberg berufen 
werden solltet) 

21. Abreise der Ffirsten und Beiohstggsgesandten. 
Sohlossbraierkuiigen. 

Nachdem so der Reichstag nach einer Dauer von sechs 
Wochen förmlich geschlossen war und auch die evangelischen 
Stande mit Aufnahme des Appellationsinstruments ihrer Ver- 
wahrung gerichtliche Form gegeben hatten, eilten nun die 
Fürsten, wieder in ihre Lande zurückzukommen, in welche sie 
theilweise die dringendsten Geschäfte zurückriefen. Nicht König 
Ferdinand allein, welcher allerdings wegen des drohenden Ein- 
falls der Türken ganz besondere Ursache zur raschen Heimkehr 
hatte, sondern auch andere Fürsten und Stande waren bereits 
ungeduldig geworden und glaubten keinen Tag länger, als un- 
bedingt nothwendig war, in Speier verweilen zu sollen. Schon 
hatte, noch vor dem feierlichen Schlüsse des Reichstags, der 
Kurfürst von Trier am 22. April seine Heimreise angetreten, 
und die evangelischen Fürsten, welche den übrigen Ständen 
bereits am 19. April ihre unverzügliche Abreise angekündigt 
hatten, waren nur durch den Verraittelungsversuch des Herzogs 
von Braunschweig und Markgrafen von Baden und durch die 
mit ihrer Protestation und Appellation zusammenhängenden 



8. Seckendorf 954 ff. Müller 143 ff. Bei Beiden und An- 
deren findet sich auch Weiteres über die interessante noch nicht in 
allen Punkten aufgehellte Geschichte dieser Gesandtschaft. Wir 
bemerken hier nur, dass die Gesandtschaft durch Bürgermeister 
Joh. Ebinger von Memmingen, durch den Brandenburgischen Secretär 
Alexius Franentraut und den Nürnberger Syndicns Michael von 
Eadon aasgeftihrt wurde, welche alle, wie aus unserer bisherigen 
Darlegung erhellt, auf dem Reichstage zu Speier selbst anwesepc) 
gewesen waren. 



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282 

Geschäfte noch m Speier zurückgehalten worfen. Nachdem 
diese nunmehr beendet waren, brach- Kurfürst Johann in Be- 
gleitung der Herzoge von Lüneburg und des Landgrafen Philipp 
ohne Verzug von Speier auf, um über Worms, Oppenheim und 
Frankfurt, wo er vom 27. auf den 28. April übernachtete, in 
seine Lande zurückzukehren. Dort angelangt, erliess er am 
13. Mai aus Weimar ein Schreiben, in welchem er die von ihm 
und den anderen evangelischen Fürsten und Ständen erhobene 
Protestation und Appellation veröffentlichte. Das Gleiche war 
am 5. Mai durch Landgraf Philipp von Hessen geschehen, 
welcher bereits am 27. April in Darmstadt angekommen war.*) 

Am 25. April war auch König Ferdinand in Begleitung 
mehrerer Kurfürsten und Fürsten von Speier nach Heidelberg 
aufgebrochen, wohin ihn Kurfürst Ludwig eingeladen hatte, 
um Tags darauf in seine Erblande zurückzukehren. 

Wenige Tage später hatten auch die letzten Besucher des 
Reichstags Speier verlassen.^) Die Wappen und Embleme der 
Fürsten und Stände wurden von den Häusern wieder entfernt, 
die hölzernen Nothbauten niedergelegt und in den bisher so 
belebten Strassen der Stadt herrschte wieder die sonstige 
grössere Stille. Zwar fehlte es auch in den nächstfolgenden 
Wochen und Monaten nicht an Begebenheiten, welche diese 



*) Das Aasschreiben des Kurftirsten von Sachsen ist von 
Walch XVI, 424 ff veröffentlicht. Von dem Ausschreiben des Land- 
grafen Philipp findet sich ein Originaldrack , in dem Stadtarchive 
zn Augsburg. Am Schlüsse desselben nach dem Datum steht der 
Wahlspruch der Evangelischen: „Das wort (jottes bleibt Yn ewig- 
kayt." Zu den oben gegebenen Notizen über die Abreise von Für- 
sten vergl. Jung LXI, Seckendorf 951 und ein Schi*eiben in dem 
Frankfurter Archive, in welchem Kurfürst Johann am 26. April 
aus Oppenheim den Rath von Frankfurt um Geleite für sich und 
sein Gefolge bittet, da er Tags darauf in Frankfurt zu „benachten'' 
gedenke. 

^ Zu ihnen gehörte der Bischof von Würzburg, welcher den 
König nach Heidelberg begleitet hatte, von dort aber nach Speier 
zurückkehrte und dann von hier aus am 29. April seine Heimreise 
antrat. S. Notizen in dem Würzburger Archive, welchen auch das 
über die Abreise Ferdinands Bemerkte entnommen ist. 



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283 

Stille mehr oder weniger unterbrachen. Das Büchsenschiessen, 
welches die Stadt Speier am 14. Mai ausschrieb, versammelte 
schon im Juni wieder eine grosse Menschenmenge aus 28 ver- 
schiedenen Städten von nahe und fern in den Mauern der 
Stadt, und ehe das Jahr 1529 zu Ende ging, trat wieder — im 
November — ein stark beschickter Regimentstag zu Berath- 
ungen wegen der Türkengefahr und anderer dringender An- 
gelegenheiten in Speier zusammen und führte zahlreiche vor- 
nehme Herren dahin. Aber die denkwürdigen März- und 
Apriltage dieses Jahres wurden dadurch nicht aus dem Ge- 
dächtnisse verwischt. Wohl konnten in den folgenden Jahr- 
zehnten die Bürger Speiers noch mehrere Reichstage in ihren 
Mauern sehen, und die Reichsversammlungen von 1544 und 
von 1570 übertrafen, da auf ihnen die Kaiser selbst anwesend 
waren, ja auf dem letzteren Kaiser Maximilian IL mit 
Gemahlin und Familie sechs Monate lang in Speier seine Hof- 
haltung hatte, an äusserem Schaugepränge jedenfalls jene des 
Jahres 1529. Aber keine dieser Reichsversammlungen lässt 
sich an geschichtlicher Bedeutung mit dem Reichstage ver- 
gleichen, dessen urkundliche Geschichte in Vorstehendem zu 
geben versucht wurde. 

Auf diese geschichtliche Bedeutung desselben aber sei 
schliesslich noch mit einigen Worten hingewiesen. Dieselbe 
lag ohne Frage darin, dass die evangelischen Fürsten und 
Stände in Speier zum ersten Male als förmliche geschlossene 
Parthei öffentlich hervortraten und ihre Grundsätze einer ebenso 
in sich abgeschlossenen Mehrheit gegenüber mit voller Klarheit 
und freimüthiger Blntschlossenheit vertheidigten. Was 1521 in 
Worms ein einzelner Mönch gethan hatte, d^ geschah 1529 
zu Speier durch hochangesehene Fürsten und Stände des 
Reiches, welche nicht als einzelne Männer, sondern als Re- 
genten weiter Landstriche, als Vertreter bedeutender städtischer 
Gemeinwesen handelten. 

Durch eine Protestation mussten jene Stände ihr Zeugniss 
ablegen. Sie hatten die Gelegenheit zu derselben nicht gesucht. 
Nm* schweren Herzens hatten sie, wie unsere Darlegung ge- 
zeigt hat, nach Erschöpfung aller anderen Mittel diesen äusser- 
sten Schritt gethan. Aber ihrer Berechtigung zu demselben 



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waren sie unbedingt gewiss. Schon in formeller Beziehung. 
Das auf dem Reichstage von 1526 den Reichsständen einmüthig 
zugestandene und von den kaiserlicheu Gommissären Nam^is 
des Kaisers ausdrücklich genehmigte Reformationsrecht bildete 
den Rechtsboden, von welchem sie durch keinen blossen 
Mehrheitsbeschluss sich verdrängen zu lassen gewillt waren. 
Aber höher, als dieses ihnen zur Seite stehende formelle Recht, 
stand in ihren Augen das unentreissbare, mit jedem Menschen 
geborene, göttliche Recht. Berief man sich gegen sie auf das 
Herkommen, dass die Minderheit der Mehrheit zu folgen habe, 
so antworten sie, in allen schuldigen und möglichen Dingen 
werden sie, wie bisher, so auch femer bis an ihr Ende ver- 
mittelst der Gnade Gottes sich gegen ihren Herrn, den Kaiser, 
ungespart Leibes und Blutes, gehorsam halten und in solchem 
Gehorsam gegen Niemand * zurückstehen. Aber wie sie dem 
Kaiser geben, was des Kaisers ist, so geben sie auch Gott, was 
Gottes ist. In Sachen, Gottes Ehre und der Seelen Heil und 
Seligkeit belangend, halten sie sich Gewissens halber Gott vor 
Allem anzusehen verpflichtet. Da in diesen Stücken Jeder für 
sich selbst vor Gott stehen und ihm Rechenschaft geben muss, 
so kann sich darin nach der von ihnen ausgesprochenen Ueber- 
zeugung Keiner auf Anderer Minders oder Mehrers Beschliessen 
berufen, und kein Majoritätsbeschluss kann die Gewissen auf 
Menschen Gehorsam zu Gottes Ungehorsam verpflichten. 

So war es die GetvissenstreiheM^ für welche sie durch ihre 
Protestation eintraten. Und wenn es sich auch dabei zunäclist 
um das Verhalten der Obrigkeiten handelte, so war doch in 
der Gewissensfreiheit dieser im Principe auch die der Unter- 
thanen, die der einzelnen Individuen enthalten. Wer darauf 
hinweist, dass in solchen Dingen Jeder für sich selbst vor Gott 
stehen müsse, kann sich ja nicht berechtigt halten, einem An- 
deren seine Gewissensfreiheit zu beeinträchtigen. Ausdrücklich 
erklären sie desshalb, nicht allein für ihre Person, sondern auch 
für ihre Unterthanen und Jedermann, der jetzt oder künftig 
dem Worte Gottes anhängig sei oder sein werde, ihre Prote- 
testation und Appellation zu erheben, und nehmen jene Frei- 
heit, nach ihrem Gewissen zu handeln, für Alle »hohen und 
niedem Standesc mit Entschiedenheit in Anspruch. Es war 



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285 

darum nur eine nothwendige Consequenz ihrer Anschauung, 
dass sie sicli gegen die vermittelnden Fürsten zur Duldung der 
Messe in ihren Gebieten bereit erklärten, freilich nur unter der 
aus politischen Gründen sich erklärenden Gegenbedingung, dass 
auch in katholischen Gebieten die evangelische Messe geduldet 
werde. 

Dieselbe Gewissensfreiheit aber, welche sie für sich in 
Anspruch nehmen, gestehen sie in ächter Toleranz den An- 
dern zu. Zwar zeigen sie sich in diesem Stücke noch insofern 
als Söhne ihrer Zeit, als sie, wie dies die von ihnen in Aus- 
sicht gestellte Zustimmung zu dem Mandate gegen die von 
ihnen als staatsgefahrlich betrachteten Wiedertäufer beweist, 
der Bethätigung dieser Gewissensfreiheit mit Rücksicht auf das 
Staatswohl engere Schranken setzen, als man es heute für 
nöthig hält. Den Anhängern des alten Glaubens gegenüber 
aber bemerken sie ausdrücklich, dass sie sich nicht unter- 
stünden, anzufechten, wie es Jeder von ihnen für sich selbst 
und die Seinen zu halten gedenke. Dass aber solche 
Toleranz bei ihnen nicht aus dem Indifferentismus er\vachsen 
war, welchem die Gegenstände des Glaubens gleichgültig 
sind, beweisen sie durch den Zusatz, dass sie Gott täglich 
und herzlich bäten, auch ihre Widersacher zu erleuchten und 
sie mit ihnen zu dem Einen wahrhaftigen, liebreichen, selig- 
machenden Glauben zu führen. Der Grund aber, auf wel- 
chen sie sich mit ihrem Proteste stellen, ist das Wort 
Gottes, das in allen nöthigen Stücken an sich selbst klar und 
allein untrüglich sei. 

So ist die Speicrer Protestation, welche dadurch noch 
an Werth gewinnt, dass in ihr die Anhänger Luther's mit 
denen der Schweizer Reformatoren einträchtig Hand in Hand 
gehen, nicht blos ein äusserer rechtlicher Akt, sondern in der 
That eine erstmalige grossartige Darlegung der Principien des 
Protestantismus. Und dass dieselbe nicht gleich einer akade- 
mischen Abhandlung hinter dem Studirtische, sondern aus dem 
drängenden Bedürfnisse des wirklichen Lebens heraus, im Kampfe 
mit den aitgegenstehenden Grundsätzen entstanden ist, welche 
in die Gresetzgebung des Reiches einzuführen versucht wurdeUi 
kann jene Protestation nur um so werthvoller machen. 



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_286_ 

Aeusserlich betrachtet, ist dieselbe freilich fruchtlos ge- 
blieben. Kaiser Karl V^ an welchen die Appellation zunächst 
gerichtet war, fand sich so wenig bewogen, derselben Statt zu 
geben, dass er, noch t)evor er dieselbe erhielt, auf den Bericht 
der kaiserlichen Commissäre über den Verlauf des Reichstags 
die protestirenden Fürsten und Stande durch ein Ausschreiben 
aus Barcellona vom 12. Juli in ungnädigster Weise und mit 
ernster Strafandrohung zur Annahme des Abschiedes aufforderte. 
Und der schroffe Empfang, welchen er dann im September 
1529 zu Piacenza den Gesandten der Protestirenden bereitete, 
bewies, dass er bis dahin seinen Sinn nicht geändert hatte. 
Aber König Ferdinand war doch um diese Zeit bereits sehr 
bedenklich geworden und hielt es, wie er am 25. August 1529 
aus Lintz dem Herzoge Wilhelm von Baiern andeutete, nicht 
mehr für rathsam, jene schroffe Zuschrift den protestirenden 
Fürsten zur Kenntniss zu bringen.') Und der kluge Bischof 

*) Das von Bischof Bernhard von Trient mitnnterzeichnete 
Schreiben Ferdinands findet sich in dem herzoglich bairischen Theile 
des k. b. geh. Staatsarchivs ^^V^. Demselben sind die aus Barcellona 
vom 12. Juli 1529 datirten Schreiben beigelegt, durch welche 
Karl V. den Bericht seiner Reichstagscommissaricn und die Zuschrift 
der Fürsten und Stände an ihn (S. oben S. 272 und 215) in gnä- 
digster Weise beantwortete, ausserdem die oben erwähnte von 
Müller 208 f und Walch XVI, 427 ff abgedruckto ungnädige Zu- 
schrift an die protestirenden Fürsten und Stände. Der König 
ersucht in jenem Schreiben den Herzog Wilhelm als seinen Mitcom- 
missarien vor Ausfertigung der betr. kaiserlichen Zuschriften an die 
Stände um seinen Rath und bemerkt: „Vnsers achtens solt nit 
schaden, das die schreiben an die gehorsamen stende verfertigt aus- 
geschickt wurden. Ob aber an die andern, die in den bemelten 
abschied nit bewilligt haben, die schreiben zu vbcrsenden sein bei 
disen Leaffen, das wollen wir Eur Lieb ferer zu bedenken heim- 
gestellt haben.'' Die gleiche Anfrage richtete Ferdinand auch an 
Pfalzgraf Friedrich. In der That war jene Zuschrift des Kaisers 
den protestirenden Ständen, wie aus einem Gutachten Voglers aus 
dieser Zeit hervorgeht, bis zum November 1529 noch nicht ofBciell 
zugeschickt worden. (S. Müller 320 und Walch XVI, 60S). Da- 
gegen hatten die Gesandten auf ihrer Reise za dem Kaiser unter- 
wegs von jenem Bescheide Kenntniss erhalten und aus Lyon eine 



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Bernhard von Trient war zu Anfang des Jahres 1^30 *) zu der 
Elinsicht gelangt, dass die Protestation die Mehrheitsbeschlässe 
des Speierer Reichstags in der That aller Wirkung beraubt 
habe.^ Die gleiche Ueberzeugung von der Fruchtlosigkeit der 
gegnerischen Bemühungen hatte sich Luther^) sofort aufge- 
drängt, als ihm Melanchthon nach seiner Heimkehr die Vor- 
gänge auf dem Reichstage berichtete. 

Und die spätere Geschichte hat in der That den Beweis 
dafür geliefert, dass jener auf die Mehrheit trotzende Reichs- 
tagsbeschluss nicht ausgeführt werden konnte und demnach 
die Protestation allerdings ihre Früchte trug. Ein viertel 
Jahrhundert später sind die in derselben ausgesprochenen 
Grundsätze durch Kaiser Karl V. selbst im Augsburger 
Religionsfrieden sanctionirt worden, dann in das öffentliche 
Recht fast aller christlichen Staaten übergegangen und längst 
zur allgemeinen Anerkennung gekommen. An den Segnungen 
dieses Rechtes erfreuen sich heute nicht allein die Glaubens- 
genossen jener protestirenden Stände. Wer immer unter einer 
Mehrheit Andersgläubiger friedlich seines Glaubens leben kann, 
hat alle Ursache, jener Mannesthat auf dem Speierer Reichs- 
tage, welcher die protestantische Kirche ihren Namen verdankt, 
ein ehrendes Gcdächtniss zu widmen. 

Schon bald nach dem Speierer Reichstage kam die Bezeich- 
nung der Anhänger der Reformation als der »Protestirendenc 
auf. Bereits in mehreren Aktenstücken des Jahres 1529 ist von 
den »protestirenden Ständenc die Rede, und Kaiser Karl V. 
selbst soll nach dem Zeugnisse Gregorio Letis 1530 zu Augs- 
burg dieser Bezeichnung sich bedient haben. ^) Zunächst wurde 

Abscbrift nach Nttrnberg gesendet. S. den Brief Michaels von Raden 
ans Piacenza vom 13. Oct. 1529 bei Müller 211 und Walch XVI, 590. 

') S. sein oben S. 54Anm. citirtes Schreiben vorn?. Jan. 1530. 

') Derselbe schreibt am 6. Mai aus Wittenberg an Wenc. 
Link, der Reichstag habe fast keine Fracht gehabt, als dass die 
„Ghristnsfresser imd Seelentjrannen'' ihren Zorn nicht hätten aus- 
lassen können. „Finita snnt itemm Comitia, sed nallo paene fructu, 
nisi qnod Ghristomastiges et Psychotji'anni snum furorem non potae- 
runt implere." Luthers Briefe von de Wette, DI, 448. 

») Vita deir imperad. Carlo V. — Antw. 1700, I, 504. 



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288 

dieselbe, wie es in der Natur der Sache liegt, mit ganz bestimmter 
Beziehung auf die Speierer Protestation gebraucht mid nur 
denen beigelegt, welche an dem Proteste theilgenommen hatten 
oder sich ihm nachträglich förmlich anschlössen. Im Laufe 
der Jahre verlor sich dann diese Beziehung immer mehr, und 
von dem Jahre 1540 an werden die Anhänger der Reformation 
im Unterschiede von den dem alten Glauben Ergebenen, zuerst 
seltener, dann immer häufiger, ganz im heutigen Sinne des 
Wortes Protestirende genannt. Es geschah das nicht erst, wie 
man wohl angenommen hat, aus Anlass eines Witzwortes des 
päbstlichen Legaten bei dem Religionsgespräche zu Regensburg 
1541 oder auf dem Reichstage zu Speier 1544, auch nicht bloss 
von Seiten der Gegner, welche die Evangelischen durch den 
Namen Protestanten hätten schmähen und etwa gleich Palla- 
vicino als »Empörer gegen Pabst und Kaiserc damit hätten 
bezeichnen wollen. Ob eine solche Auslegung des Namens 
Protestanten überhaupt eine geschichtlich gerechtfertigte wäre, 
mag unsere bisherige urkundliche Erzählung beweisen. Wie 
die Gegner, so wendeten vielmehr auch die Freunde der 
Reformation selbst schon damals diesen Namen auf sich an 
und sahen frühe in demselben einen nicht zufalligen, sondern 
hochcharakteristischen Elhrennamen. Und man war dazu 
vollauf berechtigt durch die geschichtliche und principielle 
Bedeutung der Speierer Protestation. Denn in ihr hat der Prote- 
stantismus zum ersten Male seine Principien öflFentlich ausge- 
sprochen, und das Urtheil Merle d'Aubignä's, des grossen 
Geschichtschreibers der Reformation, ist in der That ein be- 
gründetes, dass mit dem Reichstage zu Speier die dgentliche 
Gestaltung des Protestantismus beginne und dass darum die 
Nachwelt in der dort erhobenen Protestation mit Recht eine 
der grössten weltgeschichtlichen Begebenheiten begrüsse. 



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Beilaffen. 



19 



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Google 



I. 

Aus der markgräfl. Brandenburgischen 

Abtheilung des kgl. bair. Kreisarchivs 

Bannberg. ") 



1. Ausschreiben des Reichstags.^) 

Rpeier, 30. Nov. 1528. 
Karl, von gots gnaden Erweiter Römisch Kay.scr, zu allen 
Zeiten Merer des Reichs etc. 
Hochgeborener lieber Oheim vnd Fnrst. Aus was vrsachen wir 
bewegt worden sein , einen gemainen Reichstag in vnser vnd des 
Reichstatt Regonsparg vf den Sonn tag Jnaocauitnechstiierschinen ans- 
zuschroyben vnd in das Reich zunerkundcn, das ist in vnserm aus- 
schreyben nach lengs angezeigt. Warumben auch derseib vnser ange- 
setzter Reichstag durch vns, ehe dann derseib seinen anfang erraicht hat, 
widern mb abgckündt vnd auffgehebt ist, das sein sonder Zweyuet der 
merertheit vnser vnd des Reichs Churfurslen, Pursten vnd Stende vnd 
dein lieb durch vnser pott^chafft vnd Orator (den wir dcrhalb aus 
vnsem hispanischen Königreichen in das heylig Reiche geschickt 
haben) nunmer gnnngsamblich bericht. Vnd wiewol wir gehofft 
vnd vns gontzlich versehen hatten, vnser fttrnemen, darumb wir 
zum theil gedacht vnser pottschaft in das Römisch Reiche geschickt, 
sollt in kurtzeror Zeit, dann es eben noch bescheen mag, zu 
erschiessl icher wQrckung lauffen, das wir nachmalen aygner person 
das Römisch Reich (darnach bisher vnser höchste begirde gestanden 
vnd noch ist,) besuchen mochten. So wollen vns doch daran ver- 
hindern die thattliche Handlung, welche der Künig von Prankreich 

1) Die nun folgenden Aktenttöcke sind »Ue dem Sammolbande XIII entnommen, 
in welchem die »nf den ReichtUg von 1529 sieh beziehenden Docnmente vereinigt sind, 
f ) 8. o. 8. 31 1 

19* 



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292 

in vil weg gegen vns gantz vnpillichen vnd vnrechtlichon (wie 
meniglich wissend sein mag) suecht, das sollichs noch zur 2ieit, 
sonderlich zu diesem Reichstag, on vnwiderpringlichen schaden 
vnserer Künigieiche vnd Lande nit bescheen kann. Das vns nit 
wenig, sonder zum höchsten bekümert. Vnd dieweyl wir dann hie 
zwischen abermale mit boschwertem gomuete weiter erinnert sein, 
das vnsers christlichen Namens vnd glaubens Erbvoihndt der TQrck 
auf den treffenlichen Syg, den er die vergangenen Jare wider djis 
Christenlich Ktinigreich Hungern erlangt, mit höchster seiner macht 
sein durstig grymmig gemuet, nit wenig auff vnserer Widerwertigen 
Ohristlichs Standes anraytzen vnd Practiciren, auf gemaine Christen- 
heit vnd fürnemlich teiitscho Nation rieht vnd schickt, dieselben 
weiter in geuerlicheyt , Sterbens vnd Verderbens zuftiren , vnd 
damit die christenheyt zu schmelern, vnd sein gewald vnd Reich 
zuerweytern, wie er dann das layder den vergangenen Sommer 
durch mer dann eynen Weg angefangen. In dem das er weytter 
etliche pass in gemelter Cron Hungern, vnd Christenlichen Ktinig- 
reich vnd Fürstenthumb Croatien vnd Crain vberfallcn, verprennt, 
verwuest und daraus ob dreissig tausend Menschen, mandlichs vnd 
woyblichs geschlechts weggefürt, vnd das mit dem Raub nit nach- 
kommen mögen, erparmblichen vmbpracht. Das sich auch vbcr vil 
gemacht Reichs - Abschiedt die Irthumb vnd Zwitracht , welche 
bisher vnder don glidern vnd St enden des heyligen Reichs, fttrnom- 
lich vnsers heyligen glaubens, vnd Christenlichen Religion auch 
anderer Sachen geschwebt haben, zu wenigk, ja schier gar keiner 
pesscrnng, sonder mer myssuerstandt, daraus auffrur, widerwertig- 
keit, thettlich und gewaltig Handlungen wider vnsern vnd des 
heyligen Reichs aaffgerichten Landtfrieden, vns zu vngehorsam 
geuolgt sein, welche nit wenig den widcrstandt gegen den Türken 
verhindert, geschickt und crzeygt haben sollen. So haben wir als 
Römischer Kayser, der des heyligen Reichs wolfart ye gern vnd 
gncdigklichen ftirdern, vnd dassolbig Reich vor allen beschwerden 
vnd nachthail lieber entladen wolt, bedacht, vnser eygen gemeyncr 
christenheyt vnd zuforderist Teutscher Nation Sachen nit vorzu- 
setzen, vnd bey vns aus obgemelten vnd anderer mer treffenlichen 
vrsachen eynen andern gemainen Reichstag vnd versambliing 
furgenommen, vnd den auff don andern tag des Monats Fcbruarij 
schirstkUnffbig in vnser vnd des Reichstatt Speyr zu halten beschlossen, 
den wir durch vnser treffenlich volmechtig pottschafft vnd Comissarij 
fürstlichs Standts zubesuchen vorhaben. Welchen tag wir also 
deiner lieb hiemit verkünden , von Römischer Kayserlicber macht 



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beuelhend, vnd bey den pflichten, damit du vns vnd dem heyligen 
Reiche verwandt bist, auch bey verlicssung aller deiner Regalien, 
Lehen, freyheiten und gaben, so du von vns vnd dem Reich hast, 
ernstlich gepietend vnd wollen, das du aufi* bestympten andren tag 
des Monats Februarij aygner person, oder doch aus ehaffter Ver- 
hinderung, die du bey deinen vns gethanen pflichten, vnder deinem 
brief und sigel an aydstat betheuern magst und sollst, durch dein 
treffenlich pottschafft mit volkommen gewaldt one hindorsichpringen 
gewisslich erscheinst, sampt vnsem geschickten vnd verordneten 
pottschafften vnd Öomissai'ien vnd andern vnsern vnd des Reichs 
Churftirsten, Fürsten vnd Stenden, (welche wir gloycherwoys erfordert 
vnd beschrieben haben) fUraunemen, zu beratschlagen, zu boscb Hessen 
vnd zu uolziehen, wie zu abwcndung des sorgklichen lasts vnd ein- 
tringen des Dürkcns auff die christenheyt mit ernstlich Rettung, 
gegenwehr vnd beharlichen hilf der notturft nach, auch vormals 
derhalb geöbte Handlung, vnd vberschickten Nottel stattlichs für- 
nemen bescheen vnd auch die jrrung und zweyung im heyligen 
glauben und Christenlichen Religion, bis auff ein klinfftig Concilium, 
das auff solchem Reichstag in all weg zuhalten vnd fUrzunemen 
beschlossen werden soll, in rwhe vnd fryden gestellt, wie auch in 
andern Sachen, so nit alloyn durch bemult unser pottschaft vnd 
Comissarj, sonder auch vnser Kayserlich Regierung mit Rath vnd 
Vorwissen derselben vnser pottschaft vnd Comissarij der notturft 
nach fürpracht werden, vnd zu auffrichtung vnd erhalt ung eynig- 
keit, friedons, rechtens, gUtter policoy vnd wolfart des Reichs, des- 
gleichen zu erlangung ferner gewisser vnderhaltung vnsers Kayser- 
lichen Regiments vnd Camergerichts im heyligen Reich dienstlich 
seyen, gehandelt vnd beschlossen worden soll, vnd ye nit aussenpleibest, 
noch auff yemants andern weigerst, Damit nit, wie vormals offt 
beschehen, ander so zeitlich ankommen, mit vcrdruss, schwerem costen 
und nachteilliger verzerung der Zeit, warten müssen. Daran thuestu 
zusambt dem du solches in bewegung Deiner verwantnüs dem 
Reich schuldig bist, vnser ernstliche meynung. Dann wo du in zehen 
tagen den nechsten, nach dem benanten angesatzten tag nit erscheinest, 
so wirdet nichts desto minder durch gedacht vnser pottschafft vnd 
Comissarj mit den anwesenden Stenden gehandelt vnd beschlossen, 
in allermassen, als ob Du vnd ander, so aus geringen vrsachen 
auspleiben möchten, entgegen gewest weren. Welchs alles wir stet, 
vest vnd crefftig, in massen als ob all Stend, die an vnd abwesenden, 
dareyn bewilligt betten, achten vnd vollziehen wollen. Darnach wiss 
dich ernstlich zurichten. Wir geben auch hiemit in crafft dies 



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294 

briefs Dir, Deinen geschickten, nnd allen den, so da vnd dieselbigen 
mitbringen werden , zne, bey, vnd wider von solchem Reichstag, 
bis an euer ge warsam vnser vnd des Reichs Frey gestracks sicherheyt 
vnd gelait. Geben in vnser vnd des Reichs Statt Spoyr am Letzsten 
tag des Monats Nouembris, Nach Crisii gepnrt fünfifzehenh ändert 
vnd im Acht vnd zwaintzigsten, vnserer Reiche, des Römischen im 
zehendeu, vnd der andern aller im droyzohenden Jare. 

Friedrich Ffaltzgraff Ad mandatnm dni Jmperatoris 

kay. Statthaliter. in Consilio Jmporiulj. 

An Meinen gn. H. Marggraf Jörgen. 



Zetula. 

Vnd wiewol wir die zeit der erscheynang vnd be^uchung di*s 
Reichstags aufF den andern tag des Monats Februarij schirstkomendt 
angesatzt, haben wir doch aus beweglichen vrsachen diesclbig 
Zeyt bis auff den Eyn vnd zweyntzigsten tag negst darnach volgendt 
desselben Monats Februarij (alsdann wie obgemelt znerscheinen) 
erstreckt, Das wir deiner lieb darnach wissen zurichten nit ver- 
halten weiten. 

A. %. O. Num. 1, verglichen mit einem gedruckten ::xemplftr bei den Nördlinger 
Akten des k. b. ReichKarühlvn. 



2. YoUmacht des Markgrafen Georg fKr Hans Ton 
Seckendorf. ^) 

Jägerndorf, 6 Febr. 1529. 

Wir theilen aus dieser Vollmacht folgende Stelle mit: 
.... „vnd aber solch kay. ML erfordern , nachdem Mrir 
diser Zeit nit im Reich uusrer furstenthtimer vnd lande zw franken, 
sondern im land Schlesien sind, vns so kurtzlich ^ zukommen, also 
das vns nit meglich gowest ist , den angekunten Reichstag zu 
bestimbter Zeit in aigner Person zubesuchen, wiewol wir vns ver- 
mittelst gotlich hilf zum allerfurderlichsten alhie erhoben vnd aigner 
person goin Speier fügen wollen, damit wir aber dennoch gegen 
kay. Mt., vnsom allergncdigsten herrn, als ein gehorsamer fürst, 
wie sich geburt und billig ist, erzeigen vnd die artickol in ange- 
zeigtem ausschreiben vermeldet mltler Zeit vnsrer zukunfb dennoch 

1) 8. ol>en 8. 80. 

f ) In einer dnrchstrichenen SieUe des Concepts heisat es statt dessen: „erst am 
Freitag nach PorlUcatlonem Marie hie sn Jägomdorf zukommen*'. 



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295 



ynserthalben Tntierhinddrfc geratschlagt, gebandelt vnd beschlossen 
werden megen, 80 haben wir deonoch vnserm Ambtmann zw Beirs- 
dorf, Käthe vnd lieben getreuen bansen von seckendorf vnsere völlige 
gewalt und macht gegeben vnd thun dies hiemit vnd in craft dies 
briefs, anff obanzeigtem Reichstage zw Speier zu erscheinen, vnd an 
vnder vnd gedacht vnsres jangon vettern vnd pflegesons stat , bis 
wir selbs aigner Person ankörnen mögen, neben kay. Mt. verordenten 
Comissaijen, Statthallter im heyligen Reich, auch andern Oharfnrsten, 
Forsten, Prelaten, Grafen vnd andern Stenden von allen artickeln 
vnd Sachen in kay. Mt. ausschreiben vorraelt on einich hindcrsich- 
bringens alles das helfen rathschlageu, handeln vnd bcschliessen, 
was wir in aigner person, als ob wir selbs entgegen gewest weren, 
beten ratschlagen handeln vnd beschliessen mögen. ^ etc. 

A. m. O. Nnm. 3. 



3. Instraction für Hans Ton Seckendorf zum Reichstage 

in Speier.*) 

Febr. 1529. 

„Hr. bans von seckendorf, ambtmann zw Baiersdorf, soll sich 
den negst gein Speier in meins gnedigen hern herberg, die chiistof 
Nessel hanf seiner f. gn. bestellt vnd eingangen hat, fuegen, vnd 
sich erkundigen, ob kay. Mt. Comissarien, auch andre Gburfursten, 
fursten und Stende des Reichs alda aukoiumon sind vnd zur band- 
lung gegriffen haben oder nit, vnd sich bei dem Meintzischen Cantzler 
anzeigen." 

Haben die Verhandlungen bereits begonnen, so soll er „der 
Session halber" sich zuvor mit den Kurfürsten von Sachsen und 
Brandenburg oder ihren Botschaften benehmen vnd, wenn es zu 
den Verhandlungen kommt, ja Niemand, als der weltlichen Kur- 
fürsten und eines Herrn von Baiern und eines Herzogs von 
Sachsen Botschafter über sich sitzen lassen, um seines Herrn Rechten 
nichts zu vorgeben. Wenn die bair. Fürsten oder ihre Käthe dem 
widersprechen sollten, so sollen die sächsischen und brandenburgischen 
Räthe kais. Maj. oder des Königs Ferdinand „ Erkenn tniss zu leiden'* 
sich erbieten. Würden die bair. Ftireten Sachsen zwischen sich sitzen 
lassen und es ihm verweigern, „So soll sich bans von seckendorf 
abermals befleissen, neben denselben zusitzen, mit anzeigung meins 

1) B. oben S. 80 und 272. 



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296 

gnedigen Hro. Stands YQd alten herkommens, wie obsteet, vnd sich 
on gewaltig angreiffen nit vertringen lassen." Würden die Bairischen 
dann die Sächsischen und Brandenbargischen „mit gewalt angreiffen", 
so sollen sie dagegen sogleich protesiiron, vnd sich auf eine Yorbank 
den Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg gegenüber setzen und 
nicht aas dem Bath dringen lassen. Würden sich die sächsischen 
Bäthe hierin von ihm trennen, so soll er die Sache mit den Kur- 
fürsten von Brandenburg und Mainz, welche sie wie den Markgrafen 
angehe, berathen. 

Wenn es dann zur Umfrage kommt, soll Seckendorf darauf 
bestehen, dass nach Befragung der Käthe des einen baier. Fürsten 
sogleich die des sächs. und brandenb. gefragt werden, ehe die 
Käthe des zweiten bairischen Fürsten befragt werden. Wenn die 
sächs. und brandenb. Käthe dennoch bei der Umfrage übergangen 
werden sollten, so sollen die sächs., mainz., brandenb. und hessischen 
Käthe das an die ganze Versammlung gelangen lassen. Zu diesem 
Zweck wurde Seckendorf Abschrift einer auf dem Speierer Keichstag 
von 1526 von Sachsen, Brandenburg und Mainz „der Session wegen" 
wider Baiem eingereichten Supplikation übergeben. 

Wenn es dann die Zeit erfordert, soll Seckendorf es ent- 
schuldigen, dass Markgr. Georg, da er in Schlesien erst am Freitag 
nach Purif. Mar. das Ausschreiben erhielt, nicht sofort erscheinen 
konnte, und anzeigen, dass er in eigner Person kommen wolle und 
bereits auf dem Wege sei, und erforderlichen Falls seine Vollmacht 
der allgemeinen Versammlung vorlegen. 

„Ob sich dann begeben, das man, ehe mein gnediger Her 
M. Jerg in aigner Person gein Speier körnen, von der turcken hilf 
bandeln wurde, in selben stück soll bans von seckendorf ein 
vleissigä einsehen haben, damit mein gn. Hr mit der andag nit 
beschwerdt, sonder seiner f. g. vnuermöglichen , souil sich fuegen 
vnd leiden wyll, angozeiget werde.** 

„Was dann gottes Wort belangt, soll sich bans von secken- 
dorf mit sachssen, bessen ynd andern dergleichen Christlichen 
Stenden oder iren Potschafften bereden, vnd handeln, neben den- 
selben vnd andern liebbabern gottes Worts, als die einige ewige 
Seligkeit vnd höchste gnets, was christlich ist, bis vf meins gn. Hrn. 
M. Jerge Zukunft." 

A. B. O. Nam. 3. 



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297 
4. Lasams Spengler an Georg Yogier. ^) 

Nürnberg, 25. März 1529. 
Got verleihe vns seinen heiligen Geist. Amen. 

Besonder vertrauter horr vnd Bruder. Ich bin erfreut, das 
mein g. h. Marggraf Georg vnd jr neben seinen f. g. widerunib zu 
land komen sein, mit glück vnd gesundem Leib. Bitt Got, er 
wolle euch allenthalben mit seinem gaist stercken. 

Vnd will euch nit verhalten, Als meine hrn die fertigung 
irer pottschafft zu ytzigem Reichstag dise tag furgonomen, haben 
sie den Artickel des aasschreibens vnsem glauben vnd die strittigen 
)ere belangend, boy inen selbe,- auch iren prodigern vnd Recht- 
gelerten gar bedechtlich beratschlagt, vnd sich nach gutem gehabtem 
bedacht, auch den verz-aichenten Ratschlegen, dauon ich euch hiemit 
Copie zusende, endtlich entschlossen, das sy vermittelst gottlich 
hilff bey dem Wort seines heiligen Buangelions bestendigklich 
verharren vnd pleiben, vnd darob alles dis, das inen got hieuon 
Zuschicken mag, gewarten wollen, wie sie dann das iren pottschafftern 
eyllend zugeschriben haben, mit beuelch, sich für sich selbs denselben 
ven&aichenten Ratschlegen gemes zu halten vnd andere steude, souil 
sie mögen vnd füglich thun können, zu solchem gleicherweise zu 
bewegen. Das zeig ich euch guter mainung vnd darumb an, solchs 
meinem g. h. Marggraf Georgen, als ainem Christenlichen vnd im 
Wort gotes wolgegründten vnd bestendigen iursten wissen zu 
entdecken, vnd got den allmechtigen, der hierin allain das gedeyen 
geben muss, vnd der aus allem gifft der widerwertigen göttlicher 
warheit ainen haylsamen tyriack machen kan, neben vnd mit vns 
helffen zu bitten, vns alle die Christen vnwankend zu erhalten. 

Neben dem gib ich euch zu erkennen, das nechstuerschinens 
Bundstags der Bambergisch Cantzler, auch meins g. H. von Wurtz- 
burg vnd Eystet pottschafflen, der beschehen Visitation vnd anders 
'halben, der gaistlichait , wie man das nenne, anhengig, wider 
meinen g. H. Marggraf Georgen bey gemainen Bundsstenden abcr- 
malen stattlich angehalten hat. Dem ist durch die stende des 

1 ) 8. oben S 143. Alu BeUagen siud diesem Schreiben Abachrifteu der Gutachten 
der Nämbcrger Rechtsgelehrten und Prediger beigelegt, von welchen wir oben 
8. 143 bis 148 Auszüge g^eben haben. Schon Seokondorf scheint diese Outachten gekannt 
SU haben, da er S. 955 schreibt, der Rath von Nürnberg habe seinen Gesandten mit 
Zuziehung der Prediger treffliche Instruction mitgegeben, durch welche die übrigen 
nicht wenig gestärkt worden seien. Jung gibt B. LIX f Auszüge aus dem letzten die 
einzig mögliche Vermittelung andeutenden Theile des Gutachtens der Theologen (cf oben 
8. 146 flf), hält aber Irrthümlich Sturm für den Verfasser desselben. Jung 43. Sein 
Irrthum wird dadurch ausreichend aufgeklärt, daes Sturm das Gutachten für bedeutend 
genug hielt, um einzelne Stellen desselben eigenhändig abzuschreiben. 



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298 

Bunds in offner Yerbandlnng, sonderlioh durch doctor Egken gesagt : 
Was sie für leit sind, das sie solch beschwerung leyden, ob sie 
sich nit ains fursten vnd ainer Statt (Brandenburg vnd Nurmberg 
darin meinend) erwercn können, sie sollen sich doch stattlich weren. 
Vnd ist inen soiiil Winkens beschehen, wann sie ainer gewallt 
deshalb geprauchen, das vns dagegen nit allein nit geholffen, 
sondern vil mer den vergewaltigern geholffen werd. Aus dem 
niöcht ir dannocht auch ain nachgedenk schöpfen, was dise leut, 
die doch Egk all ain alle regirt, fürt und layt, im Sinn haben. 

Zaigen auch schmortzlich an, das mein fromer bruder vnd 
allerliebster freund auflF erden Georg Spengler ytzo Sontags mit tod 
abgangen ist. Vnd sucht mich warlich mein fromer got, der es 
onzweifenlich gantz gut vnd getrewlich gegen mir meint, in die 
Wege stattlich daheymen. Dem sey lob ere vnd preis in ewigkeit. 
amen. Damit pleib ich ewr 

Datum Donerstag 25. Martii 1529. Lazarus Spengler, 

Rathschreiber. 

Drn Georgen Vogler Canizler etc., meinem in sonders 
vertrauten herrn vnd Bruder. 

Original a. a. O. Nuiu. 18. 



5. Der Bath von Nürnberg an Markgraf Georg. ') 

Nürnberg, 27. Mftrz 1529. 

Durchleuchtiger hochgeborner Fürst vnd Herr. Vnser vndter- 
thenig willig dienst seyen eum Fürstlichen gnaden mit vleys zunor 
anberayt. Gnedigor Herr. Ewr Forstlich gnaden zway schreyben, 
vns yetzo vbersendet, das ain gelegenheit dieses Reichstags vnd das 
ander, gemeiner Bunds Stende Werbung vnd Handlung, beschehner 
Visitation halben, boy ewrn F. g. gepflogen, belangend, haben wir 
in vndterthenigkeit vernomen, seynd zuuorderst ewr F. g. furderlichs 
auffseins zw diesem Reichstag hoch orfrewet, der Zuuersicht, ob 
gleich mittler Zeit in den ftirgenomen Handlungen vnd artickeln, 
zunor vnsers glaubens halben so stattlich geeylt werden, das ewr 
P. G. den entlichen beschlus aigner person nit erlangen sollt, das 
doch Ewr F. g. noch zeittUch gnug komen werden, wider der 
Reichs Stende beschwerlichen beschlus, ob sy eich dess vndtersteen 
vnd ye gern vnrat, schaden vnd verderben der Seelen vnd des 
guts suchen wollten, neben andern Christlichen Stenden ain statliche 
Appellation vnd Protestation , wie auch alsdann hoch von nötton 

1) S. obeu 8. 143. 



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299 

thnn wOrd , dagegen forzanemcn, vnd in aioichen Reichs beschlus 
des wort gottes vnd der Tnerken hitff halben , nit zu bewilligen 
u. wiewül wir gutter hoffhung sein, got der Allmochtig werde die 
Register noch vill anders ziehen, dann sich seine widerwertigen zu 
geschehen vermuten, für gewiss haltten, vnd daraufif stattlich gerufiTt 
haben, dieweil er ye ain gewaltiger Herr ist himels vnd der erden, 
der auch alle menschliche hertzeu, zuuor der Obern vnd Regenten 
in seinen banden hat, vnd die zw seinem gefallen vnd nit irem 
Willen ziehen vnd richten kan , vff den wöll wir allain vertrawen 
vnd sehen. Souil aber die bescheen ewr F. g. Visitation vnd der 
Pundtischen derhalben gepflogne Werbung, belangt, wollen wir die- 
selben Bachen, yetzo nivch den Odtcm bey vns mit vloys berat- 
schlagen, vnd was wir in solchem für gut bedencken, dieweil ewr 
F. g. bey vns als den gering verstendigen ye darumb ansuchen, 
desgleichen was wir vns vnser Visitation halb , die warlich aus 
merklichem vnserm obligen bisbero nit gantz geörtert hat werden 
mögen, entschliessen, ewrn F. g. nochmale vndtertheniger meynnng 
nit ver haltten. Wünschen auch ewrn F. g. zu vorhabender Rayss, 
nachdem die zu Fnrderung gottes wortt, vnd der vndtorthanen 
haylberkeit beschicht, von got dem Allmechtigen gnad, storck vnd 
ain Christenlich manlich vnd bestendig hertz wider alle veinde 
gütlicher warheit, dann wir seynd ewrn F. g. zu aller vndtorthenigkeit 
vnd gefallen gantz geneigt. Datum Sambstag 27. Martij 1529. 
Bürgermeister vnd Rate zw Nurmberg. 
Dom durcbleuchtigen hochgebornen Fürsten vnd Herrn Herrn 
Georgen Marggrauen zw Brandenburg in Schlesien , Prowssen, zw 
Rosenbar J<»gerndorff zw Stettin Bömem, der Gassuben vnd wenden 
Hertzogen, Burggrauen zw Nurmberg, vnd Fürsten zw Rügen, vnd 
Vormund etc. vnserm gnedigen Herrn. 

A. a. O. Num. 9. 



6. Gatachten eines angenannten Gelehrten bezüglich der 
kaiserlichen Instruction. ^) 

Ende MErz 1529. 

Vrsachen, warumb dem kayserlichen Edict zw Wormbs auss- 
gangen nit mög stracks geuolgt oder dasselb itzo vollzogen werden. 

„Nachdem ich hör, das die kay. Commission ... in sich 
halte, das der jungst abschid zw Spoier des 29ten Jars vffgehoben 

1) Dasselbe ist, wie es scheiDt, von etnem Nürnberger angesehenen Gelehrten 
Ttrfooit und ebenfalls dem Schreiben Spengler« an Vogler beigelegt worden. 



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300 



sein solle, So achte ich, das derselb abschid nanmero nichzit fur- 
tragen werde , demnach andere abschid , die itzo nit widerruft 
seien, an die hande zu nemen, welche lauttere mass geben, wie es 
mit dorn Edict vnd anderm sollt gehalten werden." 

Der Nürnberger Abschied von 1524 bestimme, es solle dem 
Wormser Edict, „nit anders dann so vil muglich ist", gelebet werden. 
Damit werde zugestanden, dass es unmöglich sei, demselben „stracks" 
nachzukommen. ^ 

In demselben Abschiede werde auch auf das Concil hinge- 
wiesen, welches Über die streitigen Fragen entscheiden solle. Man 
könne nun, wenn man nicht der Vernunft und dem Gebote Christi 
zuwider das Gute mit dem Bösen ausreuten wolle, die Christen um 
so woniger ohne Unterschied wieder zu dem alten Wesen zwingen, 
als zugestanden werde, dass das pilbstliche Fürnehmen nicht alles 
recht sei und auf dem Concile über viele Dinge vielleicht etliche 
Jahre werde disputirt werden müssen. „Dieweil aber ein christliche 
Seel, durch das plut Christi erarnt, mer ist, dann alle dieser weit gütteis 
so soll sy nit zw einem Dinge getrungcn werden, dauon man noch 
disputiren soll, obs Recht oder vnrecht sey, vnd darob man zweyfelt." 

Auf das Herkommen dürfe man sich auch nicht berufen, da 
die geistlichen Rechte lehrten, „dass lange Zeit und verjerung nit 
stat hab in den feilen, die Seelen Heil bertiren, demnach nit daran 
gelegen wie lang, sondern wie christlich sey ein brauch gehalten*', 
nach dem Satze des kanonischen Rechtes: Praescriptio non habet 
locum in his casibus, in quibus vertitur periculum animae. 

Nach dem Evangelium und dem päbstlichen Rechte habe auch 
der Kaiser nicht Macht, den göttlichen Geboten, den Evangelien 
oder der Apostel Lehre zuwider irgend etwas anzuordnen. Das 
wird dann mit zahlreichen Sätzen aus dem kanonischen Recht dar- 
gethan, z. B. : Non licet imperatori . . aliquid contra divina man- 
data praesumere, nee quidquam quod evangelicis vel propheticis aut 
apostolicis regulis obviot, agere. — Si malum est, quod praecipit 
iroperator, responde: oportet deo raagis obedire quam hominibus. 
— Si aliud jubeat Imperator, si aliud dcus, quid judicatis? Major 
potestas deus; da veniam, o imperator. In carcerem ille, gehenna 
(hie) minatur. Hie tibi assumenda est fides tamquam scatus, in 
qua possis omnia ignea tela inimicorum extinguere. 

„Vnd souer man nit möcht ichtzit wider die kais. Commission 
erhalten zu gut dem Evangelio, So wolt ich rathen, dass sich die 
Christlichen Stendc, alss Sachsen, Hessen, Mechelburg, Nnrraberg etc. 
einer Cristenlichen Protestation vergleichten , Inhaltend dass die 



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301 



Jhene, so kayr. Mt. bcuolblen vnd coraraittirt botte, souer es dem 
beiligen Evangelio vnd den scbrififton der apostel nit zugegen, vffs 
vntertbenigst zu balten vnd geborsam zu laisten vrbuttig wern, 
wollten aucb getrewlicb dartzu belffen, dass die Scbwermereyen, die 
sich in etlicben feilen vnd Sacramenten begeben, vflFs fleissigst 
dompfen (sie). Aber die Menschen Satzung, die gottes wort zugegen, 
oder gar vnnUtz vnd durch dj gottlich lere verpotten weren, in den- 
selben fOnden sy sich got mer, dan ainichem menschlichen gebot 
gehorsam zu sein, schuldig. Von dem allem wollten sy vor den 
Reich Stonden öffentlich protestirt haben, welche protestation alss- 
pald im Latein vnd teutsch im truck sollt zu Speier publicirt wor- 
den, damit sich nyemands gegen den Evangelischen vngehorsams 
het zu gewarten. Mit nemlicher BedingnUss, dass sy damit sich 
mit schuldigem gehorsam von ka3rr. Mt. vnd den Stenden, auch 
von der Christlichen kirchen nit wollten gcsundert haben. In solche 
Protestation mocht man verleybon vill historien, wie vor alter in 
anhcbnng der kirchen der Ceremonien vnd menschensatzungen halb 
sich vill Irrung begeben vrab Fasten vnd Feyeren, aber von wegen 
derselben ist kein Spaltung des glaubens halben worden. Dos findet 
man Christliche historien in päbstlichen Rechten von Augustino, 
Ambrosio vnd andern." Nach Anführung einiger genau citirten 
Beispiele aus der Kirchongeschichte des Eusebius und der historia 
tripartita aus den Zeiten des Kaisers Valens etc. fUhrt dann der gelehrte 
Verfasser fort : „Solche vnd dergleichen geschieht konten einer protesta- 
tion ein grossen grund vnd ansehcns machen vnd itzo vff discm Reichstag 
füglich vnd wol aussgecn, damit sy samtlich von vil Stenden geschehe. 
Dann zu besorgen, mein brn musten es doch entlich für sich selbs 
volgends allain thun. Vil pesser were es, sy theten solche prote- 
station mit andern Stenden, damit sy dester meor ansohens bette." 
Beigefügt ist von anderer Hand: „Lest ime gefallen die 
protestacion, wie er gerathen, appellacion weiss zu stellen vnd zu 
thun, wie der andern gelerten ratschlag weyst.** 

A. a. O. Nun). 21. 



7. Gutachten der sächsischen und hessischen Bäthe Ober 
das Ansschnssbedenken. 

Speier, Ende März (1. April?) 1529.*) 
Wir theilon aus diesem ausführlichen Gutachten, da es durch- 
weg Ausführungen enthält, welche in den im Texte wiedergegebenen 
Beschwerden, Protestationen etc. der evangelischen Fürsten später 
mehrfach verwerthet wurden, hier nur Folgendes mit: 

1) VergL ob«Q 8. 172, Anm. 



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^2 

Der Secbssischen vnd hessiachen rethe erster ratschlag vflf der 
kaiserlichen Commissarien fnrhalten. 

„Der Rethe vnterthenig Bedencken ist, das den chnrfh vnd 
forsten zn Sacbssen vnd Hessen, noch andern stenden, so das götlich 
wort angenuhmen, in kainem weg zu thun sein wil, das sie sich 
aus nechstem Speierischen abschied in ain solche maynung, wie der 
gestalte Bogriff vermag , selten fnren lassen , vnd haben desselben 
nach u olgende bewegende vrsachen." 

Es folgt nun der Nachwels, dass das Ausschussbedonken für 
die evangelischen Fürsten aus vielen Gründen, wie wir sie nament- 
lich in der Beschwerde vom 12. April und in der erweiterten 
Protestation weiter ausgeführt finden, unannehmbar sei. — Auf den 
Passns in dem Ausschussgutachten wegen Entziehung und Entwehrung 
der Obrigkeiten (S. oben S. 181) bezieht sich nachstehende Stolle: 
Die evangelischen Fürsten dächten wahrlich nicht daran, Je- 
Q)and in seine weltliche Obrigkeit zn greifen. Aber es stehe zn 
besorgen, „dass das Wort Obcvkeyt durch die geistliche auf ire 
geistliche Jurisdiction etc. und das Wort herkiiraen auf allerley 
breuche zu uernehmen, mecht wollen gedeuttet werden, welchs dan 
disem theil am hechsten beschwerlich sein wollt" .... „Dan als- 
pald die geistliche ausserhalb irer weltlichen oberkciten vnd gebieten 
den geistlichen zwangk weiten zu gebrauchen haben , wurdtm sie 
sich vnderstehen, die pfarrer vnd predigor, welche nach d(»m got- 
lichen wort predigten, weiber nehmen, Sacrament raichten -vnd an- 
dere christliche Ceremonien hielten etc., derhalben zu beschweren 
vnd dan disen tail als die weltlich oberkeit ersuchen wollen, inen 
beholffen zu sein, damit gemelte pfarrer und prediger, auch ire 
pfarruolck inen in iren breuchen gehorsam leisteten. Und so inen 
dan von wegen der gotlichen lehre, die dawider ist, nit möcht 
willfaren werden^ weiten die Sachen nach meynung obberürt.er 
Stellung vor ain entziehnng, entwerung vnd Vergewaltigung geachtet 
vnd angezogen, auch der acht vnd aberzieht, des gleichen der hülffe 
halber wollen vnterstanden werden, zu gebaren, wie solchs gemelter 
begreif an angezaigtem ort vnd volgenden artickeln weiter der! ich 
gibt vnd mitbringt. Wie aber dasselb zu fried vnd ainigkeit in 
mittler Zeit des Concilii dienen wolt, ist leichtlich zu ermessen." .... 
Nachdem das Gutachten ausgeführt hat, dass und warum das 
Ausschussbedenken nicht angenommen werden könne, heisst es weiter: 
„Solcher vnd dergleicher bestendiger vrsachen halb wirdet 
vnderteniglich bedacht, das in den gestalten begreuff in keinem 
wege zu verwilligen sein, sondern ob demselben (dem vorigen Speierer) 



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303 

abschied yestiglich zu halten vnd zu suchen sein wolle, damit des mis- 
braachs halbn, so von dorn andern tail mit füren thaltung der Zins und 
Rente etzlicher oberkaiten, gaistlichen halbn, vnterstanden, zu frid, 
ainigkait vnd glaichait ain geburlich einsehen vnd erclerung beschee." 

Die evang. Fürsten brauchten sich auch von dem letzten Ab- 
schied nicht dringen zu lassen. „Dan was mit viler bewilligung 
ainmal aufgericht ist worden, mag jha nit änderst abgcthan werden, 
dan so sie des mit ainholliger kegonbe willigung ainig seind." . . . 
„Es mag auch das morer nit helffen noch gelten, do ains Jden 
verwilligung sonderlich sein mns, zudem das ditz sachen seind, die 
ains Jden gewissen vnd seligkait belangen thuen, darumb auch ain 
Jder für sich selbst für got vnd seinem gericht wirdet antwurt 
geben müssen, vnd wirdet niemands damit entschuldigt sein, als sey 
es on seine sonderliche bewilligung durch das mehrere beschlossen, 
darum hab er gottes wort vnd Ordnung nit geleben mugen, vnd 
roöcht auch nit vngut sein, das den allen solche maynung (do sie 
auf das mchrer haflFten weiten) angezaigt wnrde." .... 

„So wirdet auch voderteniglich bedacht, wo die angetzogen 
beschwernngen , wan die sachen für die gemainen stende kämen, 
auch nit haffben weiten, das alsdan disor tail zusammen treten vnd 
ire nothurfft vor allen stenden öffentlich reden, oder aus ainer 
schrifft, die aus discm sambt andern mer vrsachen zusamen gezogen 
m6cht werden, dieselb lesen vnd danach schrifftlich vberantworten 
lassen, mit öffentlicher bedingung, das ire churf. vnd f. g. vnd die 
andern ans dem nechsten abschied aus furge wandten vrsachen nit 
gedechten zu schreiten, wolten sich auch versehen, Churf., f. vnd 
stende wurden sich desselbigen, wie sie damals ainhellig gewilligt, 
halten vnd darüber kain enderung für sich selbst fumehmnn. Wo 
es auch beschee, weiten sie itzt als dan vnd dan als itzt darwider 
proieiHri vnd bezeugt vnd inen furbehalten haben, ire nothurfft, wo 
darüber ein enderung fbrgenuhmen wurde, damit menigklich Wissens 
haben möchte, das sie darein nit gehelet noch gewilliget hotten, 
öffentlich ausgehen zu lassen. Darumb sie dan der ander tail, die- 
weil es ire höchste nothurfft were, nit verdenken, auch dasselbig 
nit vnfreundlich vermerken wolten." 

„Doch alles nach gefallen vnd bedenken hochgemelter vnser 
gnedigsten vnd g. hm." 

B. Churf. vnd f. g. vnderthenige Diener 

Sechsische vnd hessische Rethe. 

A. ft. O. Nnm. 11. 



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304 



8. Zweites Ontachten der sächsischen nnd hessischen 
Bäthe über das Ansschnssbedenken. 

Anfangs (5.?) April 1529. >) 

Dasselbe beginnt mit den Worten: 

„Der Bethe vnterthenig bedenkhen vflF gefallen B. churfürst- 
lichen gnaden." 

„Wiewol drey artickel, in der Instruction begriffen, durch den 
ausschuss beratschlagt vnd gestelt, so will doch disem thail in 
kainem Weg zu thun sein, das er sich vff den andern vnd dritten 
mit gewiser antwurt yememen lassen, es hab dann znuor der erst, 
den Zwayspalt etc. vnd also den frid vnd ainigkeit im reich be- 
treffend, seinen gewisen vnd vnbeschwerlichen besoheid." 

„Derhalben so sollen morgen vnter den Stenden die beschwer- 
nngen, so man des begreufs halben hat, durch ainen J^den dises 
theils fnrgewandt vnd gefleissigt werden, damit es by negstem 
Speirischen abschied gelassen werde." 

„Dann wo der andertheil nochmals vff missbrauchung desselben 
dringen will, so wurdt die erklerung von demselben darkomen 
müssen, die Ime dieser thoil, so es änderst ain erklerung vnd nit 
ain gentzlich vffhebung (wie dieser begreif ist), nit wurdt lassen 
entgegen sein.** 

Es folgen dann die S. 176 Anm. erwähnten Rathschläge, die 
Tttrkenhülfe und den Unterhalt des Regiments etc. nicht zu bewilligen, 
so lange nicht die Beschwerde wegen des Glaubens erledigt seL 
Bemerkenswerth ist noch der Antrag, dass zu den sechs Fürsten 
nnd vier Regimentsräthen (S. oben S. 152) auch „Marggf Georg 
von Brandenburg, als ain Fürst, so in türkischen kriegshendeln nit 
weniger geübt, vad von der Stett wegen die von Nurmberg, die- 
weil die Stet gleichen last mit tragen müssen, sollen zuuerordnet 
werden. Dan die Rethe bedonckhen diss, dieweil die eyllend hilff 
vff Hungern, weiter dann zu Esslingen beschchen, erstreckt wurdet, 
Sollt es bey den zehen allein steen, mecht liederlich ain gcschray 
des Turcken halben gemacht, vnd alsdan durch das merer die 
Sachen dahin gericht werden wollen, dem konig vnter dem schein 
des Turckhen die hilff zu thun, do es villeicht dem Weyda allein 
belangte, damit dan der konig ain hilff vom Reich wider den Weyda 
vberkheme, dahin es doch von den Stenden nit gemaint were worden.** 

Wegen dos Regiments und Kammergerichts schlagen die Räthe 
vor, Beides auf zwei Jahre zn bewilligen, und zwar aus folgendem 

1) S. oben 8. 176, Anm. nnd 218. 



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805 

charakteristischen Grunde: „Sollt es auch anff ain kürtzere zeit 
dann zway Jare bewilligt werden, mocht es vrsach geben zw ainem 
andern Reichstag vor aussgang der zwaier Jare, wie dann negst 
auch gespurt ist worden, damit dan ain fürst vnd stand vilmals 
mer vertzeret, dann dieaelbig vnterhaltung tragen wurde/' 

Betreffs Visitation des Begiments und Kammergerichts bean- 
tragen die Rätbe, dass dabei ausbednugen werde, solche Visitation 
solle sich nicht auch auf den Glauben der Beisitzer beider OoUe- 
gien erstrecken imd kein von einem Fürsten oder Stande zu dem 
Regimente oder Kammergerichte Abgeordneter solle von demselben 
„des glaubens halber abgesundert werden'*. 

Schliesslich wird noch bemerkt (Vergl. oben S. 218): „Was 
des verstentuus halben mit den Steten bedacht, mnntlich vnd anff 
gut vertrauen in geheim zu reden« Item, so auf ein fCLrsorg ein 
schrifft an Stathalter, Commissarien vnd Stende des ersten artickels 
halben gestellt sollt werden, zu erfaren, welliche von Stetten sich 
vnterschreiben wollen." 

A. ft O. Nun. 12. \ 



9. Bedenken des Harkgrafen Georg. ') 

Mitte April. 

Wir theilen aus demselben hier die Einleitung und den 
Schluss mit: 

„Nachdem ettliche tag bisher hin vnd wider disputirt worden, 
wie vorig Speierisch reichsabschied .... ettlichor massen erklärt 
werden sollt oder möcht, vnd aber dorch ettlich des ausschus in 
irem erstgestellten vnd am Sambstag vergangen" (10. April) „ettlichen 
mass geenderter begriff . . zuvörderst gesetzt ist, dass sich chur- 
fürsten, fürsten vnd andere stende jezt hie entschlossen , dass die 
Jhenigen, so bej dem kaiserlichen Edict (zu Worms aussgangen) 
bis anhero blieben , nun hinfüro auch etc." 

„können mein gnedigst vnd gnedig herm in obgemelten 

begrif keineswegs bewilligen." 

Der Schluss des Gutachtens, aus welchem oben S. 220 und 
242 Anm. einige Stellen citirt wurden, lautet: 

„Vnd wann dann den gemelten ChurfUrsten, flirsten vnd an- 
dern christlichen Stendcn ire mengel vnd beschwerden in allen ob- 
angeizeigten artickeln geendert worden, alsdann wollen ir churf. 

1) 8. ob«ii 8. 900, 987 und 349, Anm. 



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306 



vnd f. gnaden vnd die andern Stonde yon der hilff wider den 
tnrckhen, auch von vnterhaltung des kaiserliehen Cammergerichts 
vnd andern des heiligen roichs obligen auch handeln vnd beschliessen 
helffen, was kaiserlicher Mt vnd dem heiligen reich zu eren, nutz 
vnd gutem raichen soll vnd möge." 

A. a. O. Nnm. 13. 



II. 

Aus den Heilbronner Akten des königl. 

wurtenn bergischen Staatsarchivs zu 

Stuttgart. 



10. Hans Biesser nnd Johann Baldermann an Heilbronn. 

Speier, 12. April 1529. 

Wir theilen aus diesem Berichte, welcher die Vorgänge auf 
dem Reichstage bis zum 12. April kurz schildert, Folgendes mit: 

„Vnd vflf denselben abent Samsttags" (3. April) „von ko. Mt 
zu hungern vnd Behem seind etlich Stet nemlich Jr acht vom Rei- 
nischen Banck, als Coln Ach Metz hagnaw Schlotstat Colmar offen- 
burg vnd Speyr erfordert. Am Sunt^g quasimodogenitj zu Siben 
hören vormittag seind Siben Stet von dem Schwebischen Banck, 
nemlich Essling vberling Rotweil Rauenspurg Gmünd Weyll vnd 
kauffbowren, vnd ist Jnen von ko. Mt wegen (doch yedem Hauffen 
besunder) furgehalten worden, wie sie die Stet sich bisher kayser- 
lichcm Edict zu Worms aussgangen gehorsamlich gehalten, wolt ko. 
Mt als Stathalter sich versehen, sie würden fUrter das auch thon 
mit weitterm fttrhalten vnd ir antwurt begert. Also haben ge- 
molte Stet yeder hauff obgemelt ir antwurt geben in sunder, das 
sie sich des kayserlichen Edicts gehalten vnd ftirter sich dess ge- 
horsamlich halten wollten. Darnach vff Sontag quasi modo geniti 
nach mittag seind vier vnd zweintzig Stet auch für ko. Mt beschie- 
den worden, nemlich Strassburg franckfnrt Gosslar Northusen vff 
dem Reinischen Banck vnd von dem Schwebischen Banck wimpffen 
Nurmbcrg augspurg Vlm Nordlingcn Rottenbarg vff der tauber 
Reutlingen Memingen DinkelspUhel Schweinfurt • Winsshem Heyl- 



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307 

pmn Oostentz lindaw kempten Hall Worms alen Bopfingen vnd 
Bncborn. Vnd ist denselben fürgehalten worden nach vil wordten, 
wie das kay. Mt ein Edict za Worms aussgen hat lassen. Wider 
dasselbig betten sie eigens willens vnd fürnemens nowerung furge- 
nomen, das zu emporong im Beicb geraicbt, darvon solten sie 
absten vnd dem kayserlichen Edict geleben vnd nachkomen, wolten 
ko. Mt vnd Commissarj sieb zu den Stetten versehen vnd das sie 
disen fargenomen Reichstag vnd die anssgeschriben artikel zu be- 
scbliessen hülffen fordern vnd sich also gehorsamlich halten. Sunst 
wurden sie kay. Mt anzeigen, wer in mangel were, mit vil andern 
wordten etc. Darvff gemelt Stet nach gehaltem bedacht mit ziem- 
licher erpietung antwordt mit den oder dergleichen^ wordten : Der 
Erbern frey vnd Reich Stett will vnd gemuet stende nit anders, 
dan kayserlicher Mt in allen zeitlichen Dingen alle gehorsame zu thon, 
wie ire vorfaren alweg gethan betten, vnd daran Jr leib hab vnd gut 
nit sparen. Aber des glaubens halb den wissten sie mit gutem gewissen 
nit znuerlassen, sunder dem nach dem heiligen ewangelium nach zu 
volgen, Betten darvflF Jre ko. Mt wolt solch gnediger meynung von 
inen vernemen vnd entschuldigt haben mit den vnd andern gepur- 
lichen vnd zierlichen wordten vnd also von ko, Mt abgeschieden." 

Am folgenden Samstag kamen wieder alle Stände zusammen, 
wobei der Bischof von Hildesheim und Pfalzgraf Friedrich als Com- 
missarien erschienen. „Vnd redt Hertzog Friderich, wie das ko. 
Mt zu Hungern vnd Behem teglich newe post komen, wie das der 
Türck in grosser Rüstung were vnd vff Hungern zu ziehen willens, 
wer Jr ko. Mt vnd Jr als Commissarien beger von den artickeln 
des ausschreibens furderlich zu radtschlagen, dan die Sachen lengern 
Verzug nit leiden mochten etc. Zum andern so thet an ko. Mt 
gelangen, wie die Erbern frey vnd Reichstet ein Snplication für 
die Stende des Reichs angepracht, darob sein ko. Mt ein missfallen 
het. Dan es wer nit also im Reich herkomen, wer ein ncwerung, 
vnd wer ko. Mt begem, das die stand solch ncwerung im heiligen 
Reich nit gestatten sollten etc. vnd schieden also ab.'^ 

„Weitter günstig Hren, als wie dise schrifft gemacht vnd die 
Stende des Reichs wider zusamen komen" — am 12. April — 
„vnd der Erbem frey vnd Reichstot auch berufft worden, da hat 
man eröffnet, wie das der merteil Churfürsten fürsten vnd andere 
Stend in die artickel wie der ausschus vergriffen bewilligt haben." 

„Dagegen haben etlich fursten an die Stende suplicirt vnd 
protestirt in den artikel den glauben betreffend nit zu bewilligen 
mit hohem erpietten gegen kay. vnd ko. Mt." 



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308 

„Aber frey vnd Reichstet haben eins bedachts begert, Ist in 
zugelassen, alsbald antwort zu geben. Daruff haben die Stet begert 
nochmals ir ingelegt snplication repetirt von aller Stet wegen, aber 
es hat nit anders sein wollen, dan sie vei-sten geben solten, ob sie 
in das so beschlossen bewilligen weiten. Also haben sich die Stet 
vnderredt vnd erfunden vnder inen, das etlich bewilligt vnd etlich 
nit, das also fürtragen lassen. Also haben die Stend wollen haben, 
das man vnd erschied lieh zu erkennen geben sollte, welche bewilligen 
weiten vnd welche des bcschwerd hotten. Daruff haben sich die 
Stet vnderredt vnd XVin stet erfunden, die sich des beschwerdt 
angezaigt haben, wie E. w. iq dem klein ingolegten Zettel ^) ver- 
merken werden, vnder denen wir vns auch angezaigt vnd sunderlich 
des sacraments halb, wie E. w. das in den artikeln vnd handlungen, 
so durch den aussschus gemacht, die wir E. w. mit aller handlung 
des Reichstags zuschicken, die E. w. zuttbersehen vnd bedencken 
was gut sey vnd vns das schrifftlich vnd fürderlich zu schicken, 
vns werden darnach haben zu richten." . . . 

„Was aber vff obgemelts waitter gehandelt mag werden, ist 
vns noch verporgen. Wir hangen augspurg, Nurmberg, vlra vnd 
andern Steten wie verzeichnet an, mit denselben werden wir weitter 
vnd mit inen Rad thon, was vns gut sein bedUnkt." 

.... Geben vff montag nach dem Sontag misencordias dni. 
anno 29. 

E. w. vnderthenig 
Hanns Riesser Burgermeister vnd Johann Baldermann Bttrger zu 

Heylprun. 

^formationfiakton der Beiohwtadt HoUbronn, FMcikel 3, b. Nnm. 1. 



11. Relation der Heilbronner Abgeordneten fiber den 
Verlauf des Reichstags. 

Mitte April« 
Der Eingang der Relation fehlt. Dieselbe beginnt mitten im 
Satze mit dem Berichte über die Bestellung des Ausschusses (s. oben 
S. 1 1 6), fügt daran das von demselben beschlossene und am 3. April 
den Ständen zur Kenntniss gebrachte Gutachten, welches im Wort- 
laute mitgetheilt wird, und gibt sodann einen Bericht über die 
oben S. 165 ff erzählte Vorforderung der Städte vor König Ferdi- 
nand. In demselben wird zunächst erzählt, dass am Samstag vor 
Quasi modogeniti die Städte der rheinischen Bank Köln, Aachen, 

1) Diener Zettel liegt nicht mehr bei den Akten. 



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809 

Metz, Hagenaa, Schlettstadt, Colmar, Offenburg und Speier in seiner 
Majestät Hof gefordert worden seien. Die Relation fährt dann fort : 

„Lybek ist nit ersohin, doch von kuniglicher Maiestet auch 
zu denen gefordert. Hat in kun. Mt furgehalten, wie sych die 
erbem obangezejgten stedt woll vnd erlych nach kayserlichem ab- 
Bchyd ergangen zu wnrmss gehalten, vnd verseben sich Ir königlich 
Maiestet furder zu inen, sie vnd ire hern vnd fründt auch thon 
werden. Vf solches die obangezeygten stett ein bedacht genommen 
vnd antwurt geben, sie haben sich syder dem abschyd sie vnd yie 
hern vnd frandt nit anders gehalten, dan wie der abschyd ver- 
mag, vnd Ire elttern vnd forfaren haben sich auch dermassen ge- 
halten. Ire hern vnd frundt sindt nit anders wyllens, dann dass sie 
wellen furdthin auch sich dermassen halten bis vff ein generalconcilium." 

Am Sonntag Qnasimodogeniti Morgens 6 Uhr Hess dann der 
König folgende St&dto von der schwäbischen Bank: Esslingen, 
Ueberlingen, Rottweil, Ravensburg, Gmündt, Weyll und Kanfbeuem 
vorrufen und hielt ihnen dasselbe vor, wie den Tags zuvor be- 
rufenen Städten. Dieselben gaben auch die gleiche Antwort. 
Sonntag Nachmittags ein Uhr wurden dann Strassburg, Frankfurt, 
Goslar, Nordhausen, Wimpfen, Nürnberg, Augsburg, Ulm, Nörd- 
lingen, Rothenburg a. T., Reutlingen, Memmingen, Heilbronn, Con- 
stanz, Lindau, Kempten, Hall, Worms, DinkelsbQhl, Schweinfurt, 
Windsheim, Aalen, Bopfingen und Buchhorn in „seiner Majestät 
Gemach" berufen „vnd ist inen furgehalten worden von kuniglicher 
Maiestet, wie dass sich die stet haben gehalten eygenwillig vber 
das mandat vnd edikt, das von kai. maiestet vff erat gehaltem 
Reychstag aussgangen ist, haben sich newer 1er vnderfangcn, daraus 
dan enstanden ist vffrnr vnd emborung, dass dann ko. Mt zu inen 
sich solchs nit versehen hett, aber wie dem allem welle sich ko. 
Mt versehen zu den stedtten, dass sie sych werden halten nach 
aussweyssnng des edykts vnd mandatz das zu Wurmss aussgangen 
ist vnd im kein mangel lassen. Dann wu solches nit geschehen 
wurdt, kanden die stet wol gedenken, dass kai. maiestet verursacht 
wyrdt, dagegen vnd darwyder zu handeln. Vf solches die erbem 
frey vnd ryohstett, wie oben angezeygt, haben ein bedacht genomen 
vnd sich mit einander vnderredt vnd sindt ¥ryder hinuff gangen vnd 
wyder für königlich maiestet eingelassen vnd hat her stürm aus 
bevelch der erbem stedt angefangen zu reden. Durchleychtiger, 
grossmechtiger, hoohwyrdigsten fursten, gnedigsten, gnedige hern, 
als von ewer königlicher maiestat von erbem stetten angezeygt 
haben, . • . dass sich die erbern frey vnd rychstett vnd alle yr vor- 



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eitern gebalten haben mit allem demjenigen, dess sie kayserlicber 
maiestet vnd dem beylgen reych zutbon sobuldig sind gewesen, vnd 
nocb alle erber frey vnd reycbstett dess selben wyllens vnd 
solchem zu aller ze3rt keynen mangel lassen vnd sich dermassen 
halten gegen kayserlicber maiestet als getreub vndertbanen, sindt 
auch die erbem stedt alwegen kayr maiestet gehorsam gewesen vnd 
noch bey heutigem tag, haben sych auch dermassen die erbem 
stedt gehalten in der vfrur, dass es dem gantzen reych erschysslich 
gewesen were wie ofifenbarlicb. Dass aber den glauben betreffend 
die erbern stedt absten soldten, mocht wol allen stenden zu nach- 
teyl reychen, auch kann vns vnser conscienz nit dahin weysson, 
weysst vns auch nit dahin, eh wollen sych die erbem stedt der- 
massen in kai. Bevell geben haben vnd zu aller stund erfunden 
werden als geborssam vnderthanen. Darvf wir abgetretten sindt 
vnd sich kunglich Maiostat mit dem orator, Herzog Fryderyeh vnd 
Herzog wylhelm vnd dem Bischof von Trient vnderredt mit eyner 
kurtz vnd Hess man die erbern frey vnd reychstet wyder hinein 
vnd Hess ko. Mt den erbem frey vnd reychstetten sagen, dass sie 
sich dermassen hylten, wie sie woldten gegen got vnd kai. Mt ver- 
antwurtten vnd gedecbten sych nach dem edyckt zu halten zu Wurms 
aussgangen vnd vcrseh sich yr ko. Mt, es werden die erbem frey 
vnd reychstet halten jtzundt vf gehaltenem reychstag, damit yr 
roaiestat mocht erkennen, dass sie tbeten als gehorsam kai. Mt. vnd 
redt darneben ko. Mt selb, man sollte vns selb furdern, wolt sein 
Mt gegen kai. Mt auch furdorn. Darvf Her stürm von strassburg 
antwurt von wogen der erbern stett, an allen artyckeln woldten 
sych die erbern stett rechtgeschaffen vnderteniglich halten, damit 
sein maiestat ein wolgefallen darob haben wurdt; aber den gelau- 
ben botreffend wys sie die erbem stet yr gewyssen, dass sie dar- 
von nit wurden sten. Damit schyden sie wyder von dannen." 

Nach einem Yerzoicfanisso der auf dem Reichstage anwesenden 
Fürsten und Herron, sowie der Mitglieder des grossen Ausschusses wird 
die von den Städten eingereichte Supplication (s. oben 8. 178 ff) im 
Wortlaute mitgetbeilt und sodann Folgendes (s. oben S. 178 ff) erzählt: 

„Vf samstag p. quasimodogeniti sindt erschinen für kurfürsten 
fürsten vnd allen anderen stenden dess reychs der byschof von 
hyllissam vnd Hertzog fryderyeh pfalzgraf als von römischer kay. 
Mt verordnete commissarien vnd hat angefangen herzog fryderyeh 
zu reden von wegen ko. Mt. Erstlich, wie ko. Mt alle tag posten zu 
kumen, wie dass der wutterych der Turck ko. Mt ein bruch zwang- 
sal in seyner Mt kunigreyche vngem thun, wie wol sein ko. Mt 



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811 

nit mangel bei karfUrsten, fUrsten so anders dann dass sie fleyss 
fiBrwenden, sey ko. Mt noch beger, furderlych in den sacken , dar- 
vun koy. Mt den reychstag aossscbreiben bab lassen, zu sein. 

Am andern so lang ko. Mt an wie dass die orbem frey vnd 
reycbstet haben für die stendt des reychss supplycyrt, daran ko. Mt 
ein mysYallen empfangen bab, dann es vormals bey gehaltene 
reychstagen der branch nit sey gewesen, sey auch wider die Ord- 
nung, dann die weyl die erbern frey vnd reychstet haben 2 jnn 
ausschuss sitzen, daran sie sycb bylych betten settigen lassen, vnd 
jne wol solches jre fartragen lassen anzeygen, vnd byt ko. Mt 
knrfürsten forsten vnd alle stendt, solches nit anzanemen, dess 
wolle syoh ko. Mt zn kurfürsten fUrsten versehen. Damit sindt die 
2 obgesohrybene commissarien abgeschiden. 

Solches wie hernach stet ist in supplications weyss ko. Mt 
vberentwort worden, dergleychen wie hernach volgt {ar kurfttrsten 
vnd fuisten vnd andere reychss stendt durch hern stürm von 
strassburg muntlich fUrgetragen. 

Durchleychtiger grossmechtiger kunig, hochwyrdige, durch- 
leychtige, hochgebome fürsten, gnedigste vnd gnedige hern. E. ko. 
Mt vnd fürstliche Gnaden jüngst anbringen bey kuifUrsten fürsten 
vnd andern des heyl. reychs stenden, vnsem gnedigstcn, gnädigen 
vnd günstigen hern beschehen, als sollten wyr vf die vbergebcne 
nottel, ehe dan sych derselben vnser gnedigste vnd gnedige hern 
curfürston fürsten vnd andere stendt entschlossen, vnser der crbem 
frey vnd reychstet radtschlag bedencken mit vbergebener suplication 
zu Verhinderung der andern Sachen vnd neuherungsweyss furbracht 
haben, dess E. ko. Mt vnd fürstl. gnaden nit kloyn beschwerde 
betten, mit gnedigstera vnd gnedigem begern, sych solchs nit ver- 
hindern zu lassen vnd keyn neuherung zu gestatten. 

Darufif geben E. ko. Mt vnd f. gn. wyr vndertenigst vnd vnder- 
teniglich zu erkennen, dass solchs der crbem frey vnd reychstet 
suplication änderst nit dan alleyn aus f urwendigen vrsachen eingeleyb- 
ten beschwerdten haben beschehen, darum aber zuvor, eh dan vnser 
gnedigste vnd gnedige hern die kurfürsten vnd fürsten vnd andere stende 
sich entschlossen, einbracht, damit vnser solch nottürftige suplicacion 
vor derselbigen gnedigsten, gnedigen vnd günstigen beschluss er- 
wogen vnd nit allererst weytters beratschlagen solt verwr Sachen. 

Desshalb e. ko. Mt vnd f. gn., gnedigst vnd gnedig zu ver^ 
nemen haben, dass solches mer zu furderung vnd keyner Verhinder- 
ung anderer Sachen geschehen. Ko. Mt vnd f. gn. haben sich auch 
gnedigst vnd gnedig zu erynnem, das zu vor andern mer reychs- 



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812 

tagen der erbem frey vnd reychstedte beschwerden suplicationwejss 
mermals dargetan vnd gnediglich gebort worden, welchs also zn 
erkennen geb, dyss vnser suplicyren nit neoberungsweyss besunder 
. • . nnser nottarffc balben geschehen ist. 

Dieweyl dan die erbem frey vnd reychstet der rom. kai. Mt 
aller vnser gnedigstem hern vnd Irer Mt in reych hochloblich yor- 
forderong ydesmal alle vndertenigsten gehorsam yngespart yres 
leybs vnd gut geleyst vnd noch zu thon vrbyttich sindt, nach dem 
als wie ander des heyligen reyohs stendt vf dysem keyserlychen 
reychsstag radtschlagen vnd zn schlyssen beechryben vnd erfordert 
sein, in aller vndortenikeyt geneygt alles was za fryd vnd wolfart 
des reychs dyent, zu furdem vnd zn handeln helffen. 

So ist derhalb ir vndertenigst bytt, e. ko. Mt vnd f. gn. wollen 
des selben snplycyrens nit myssfallens tragen, sondern ans erzelten 
vrsachen nit anderer meynnng besohehen seyn, gnedigst vnd gnodiglichen 
vfnemen vnd entschuldigt haben, vnd vf solchs der anzogen beschwert 
halb die erbern frey vnd reychstet nochmals gnedigst vnd gnediglicben 
zu bedencken. Das gegen enher ko. Mt vnd f. gn. vnser gnedigst 
vnd j^edige hern, wollen wyr in aller vntertenigkeit verdynen. 

E. ko. Mt vnd f. g. vndertenige 

Der erbem frey vnd reychstet Botschafter 
vf dyssem reychstag zu speir versamelf 

Hiemit schliesst die Relation, welche leider über die Vorgänge 
nach dem 10. April nichts mehr berichtet. 

A. a. O. Nuxu. 9. 



m. 

Aus den Akten der Reichsstadt Nörd- 

lingen im kgl. bair. Reiciisarciiive zu 

München. 



12. Altbärgermeister Jacob Widemann und Stadtschreiber 

Georg Hair an Bärgermeister und Bath an 

NSrdlingen. 

Speier, 28. Febr. 1529. 
Ersamen Fursichtigen weisen. Vnser vndertenig willig dienst 
allzeit vngesparts vleys berait voran. Besonder günstig gebietend lieb 
Heren. Ynserm jüngsten schreiben nach anf Sontag Beminiscere ver- 



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318 

gangen zu Vlm an E. f. E. w. ausgangen,*) seyen wir Dornstag vor heut 
dato zu Beinhausen zum morgenmal ankörnen vnd des oris vngestüm 
des winds halben auf dem wasser stilligen muessen bis an den abent. 
Nach geligung des winds haben wir vbergeschifft vnd von den Gnaden 
Gottes glücklichen alher gen Speir zagelendet. Aldo noch gar niemand 
von den Erbern Stetten gefunden, wann den Burgermaister von Nurm- 
berg Cristoffen tetzel, vnd N. (sie) Langenmantel von Augspnrg. 
Gleichwol haben sonst vil fürsten herren auch Stet herberg verfahen 
lassen, vnd ist man des kunigs Ferdinands nunmer teglich gewertig. 
So verziehen wir allain auff Gemainer versamlung des Bunds fur- 
schrifften. Alspald vns dieselb behendigt werdet, wollen wir vnserm 
beaelch nach des fomers halben bey dem k. Regiment mit allem 
vleys handeln, vnd ich der Statschreiber mich nachmals zum furder- 
lichsten wider erheben vnd anhaimb ziehen. Es hat auch doctor 
Jacob krell des Fomers procurator auf freitag vergangen etwas gar 
hitzig vnd scharpff vmb einlegung der'gerichtzacta am kayserlichen 
Landgericht zu Onolzspach ergangen, angerufft vnd doctor Hainrich 
darüber bedacht begert, solliche an doctor Johann rechlinger 
gelangen zulassen. Das ist auch schon geschehen, vnd ob doctor 
Rechlinger mitler Zeit vmb solliche acta schreiben wurde, jme die 
zuzuschicken , oder alher zuuerordnen , so waiss Melchior mein 
Substitut dieselben wol zusuchen vnd zafinden. Ob auch ferner 
hie zwischen fomer schreiben vnd ansuchen wierde, wie vnd warumb 
das were, so wissen sich E. f. E. w. gegen demselben allzeit mit 
Rat doctor Rechlingers der notturfft nach in antwurt wol zuhalten. 
Dann on denselben als den der die Punkten, darauff alle Sachen 
beruen, zuuorderst aus einUbung wol weiss, vil gegen jme forner 
zuschreiben etwen misslich sein möcht, in ansehung seins irrigen 
kopfs vnd böslistigkeit. Newe Zeittung, was sich zu Strassburg 
vnd Basel in kurtzon tagen verlauffen vnd begeben haben soll, 
mögen wir nit gründtlichen wissen. Darumben wir dester minder 
dauon schreiben. Allein gedenken wir, wie das E. f. E. w. für 
vns wissen vnd versteen, das gut vnd fruchtpar sein mug, das sich 
E. f. E. w. wie bisher allwegen in Sachen des Eviwgeliums sittigk- 
lichen hatten, leichtlich nit newerung fnrzunemen gestatten. Dan 
wir verhoffen, das wir also in sollichen sachen vor andern erberlich 
vnd wolbedechtlich gehandelt zuhaben, angesehen werden wollen. 
Es geet sonst vber etlich Erber Stet gar vil widerwertigs berufs, 
möchten auch die sachen derselben ort vngeschickt genug gestelt 

1) In einem Sohreiben vom ai. Febraar »tu Ulm bitten die NördUnger Oesandten 
d«m Bathe ml«geib«Ut, daM aie nan naob Speier anfonbreoben ^odiobten^ 



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314 

sein. Man versieht sieh , so der kunig ankompt , eins schnellen 
zazugs von allen Stenden. Seyen von vilen Canizler, Secretarii, 
kuchenmaister vnd einkauffer allhie, bestellen alle nottnrfft. So hat 
vns der Prothonotarj hamerstetten seinem zaschreiben nach einge- 
nomen vnd beweist sich von Gemainer Stet wegen gegen vns in 
alleweg aufs frenntb'chste. Das E. f. E. w. wir in vil bey vor- 
gegebner potscfaafft nit pergen wollen. Dan wir vndertenig willig 
vnd schuldig dienst mit gantzem vlcys zubeweisen vngespart seyen. 
Geben den letzten tag Homungs Anno 29. 
E. f. E. w. vndertenige willige 

Jacob Widemann Alter Bürgermeister vnd 
Georg Mair Statschreiber. 

So vnserer herren vnd freund, der von Dinkelspühel pot disen 
brief selbst personlich antwurt, So wollent jme das Pottenlon von 
Dinckelsspüchel gen Nordlingen begaben vod ein zimlichs tringelt 
damit geben lassen. Dann ^r dorauff ein weil gewarttet hat. Wo 
nit vnd es ein ander bestelt, dem soll das gewonlich pottenlon 
bezalt werden. 

Günstigen lieben Herren. Die ersten nacht, als wir zu Speir 
ankörnen; haben wier in dem Wirtzhaus zu der Kronen ein Haus- 
knecht gefunden, ist von Memmingen bey Gwingen purtig, vnd die 
Zeit vnserer aufrur zu Nordlingen hat der bey Mangel bossen 
gedient, gesehen vnd gemerckt, wie sich Mang geklaidet vnd wie 
ferner zum dritten mal dieselben nach zu jme geschickt hat vnd 
anders raer, das wir aus jm erlemtt vnd noch mer erkundigen, vnd 
wollen denselben knecht nach Bat der gelerten zu kanffligen Rechten 
vnd gedechtnus gerichtlich an gepurenden ortten verhören lassen. 
Ob es schon vmb ein klainen costen ist, verhoffon wir E. f. E. w. 
nutz daraus zusuchen, wollen auch nichts weder muhe noch arbait 
sparen. 

Den fursichtigen , Ersamen vnd weisen herren Burgermeister vnd 
Bat der Stat Nordlingen, vnsem gepietenden günstigen besondem 

lieben Herren. 

A. a. O. Faaoikel 34, Nom. 13. 



13. Widemann und Hair an Nordlingen. 

Speler, 8. März 1529. 
.... Wie vnd was wir E. f. E. w. auff Sontag vergangen 
bey der von DinkelsspUchel Statpoten zugeschriben, das haben die 
vngezweifelt vemomen. Nun gewarttet man auf morgen des kunigs 



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316 



Zukunft gewisslicfaen. Vnd wie man sich alhie noch versieht, 
möchten die forsten ynd Stend des Beichs gar schnell ankörnen, 
ynd znm förderlichsten handeln vnd den abschid machen. Dann die 
nottnrffb das an vilen ortten eruordem will. Es sollen anch gar 
wenig forsten vnd Stend ausbeleiben werden vnd der merer teil 
schon vnder wegen auf den bainen sein. So seyen auch mitler 
Zeit die Stet Gosslar vnd weissenborg am Norckgew selb viert 
ankörnen, vnd hebt an teglichen zazareitten. Wann vns dann die 
furschriflft von gemainer versamlong kompt, wollen wir aoch 
vnuerzogenlichen ewerm beoelch nachkomen vnd handeln. Newer 
Zeitung haben wir nichts sondei-s. Wann wir jrs hiebey sehen, 
werden wir weitters erfaren, soll aoch hienach geschriben werden. 
Geben den dritten tag Mertzens Anno 29. 

A. a. O. Num. 6. 



14. Widemann und Hair an Nördlingen. 

Speier, 8. Mftrz 1529. 

.... Ewr schreiben den sechs vnd zweintzigstcn tag Hornnng 
nechstuerschinen an vns aosgangen, haben wir mitsampt den ein- 
geschlossnen Copeyen Jnnh altende, was allenthalben bey Gemainer 
versamlong vnd von E. f. E. w. kr. Maye. beschehon begem vmb 
hilff vnd forners halben gehandelt worden ist, empfangen, gelesen 
vnd vernomen. Befinden das E. f. E. w. in allowog die Sachen 
fursichtigklichon weisslichen vnd wol bedacht vnd gehandelt haben. 
Wie sich dann Forner in seinen schrifften übet, thot er nach seiner 
art, das man an jme wol gewiss vnd nonmer schier gewonet hat. 
Wir wollen vns aber mit E. f. E.. w. zu Got versehen vnd ver- 
hoffen, es werde vnd solle jne wenig fttrtrdgen, müssen vns also 
gegen jme weren vnd der Zeit erwartten. Was vns dann ewrem 
beueih nach in dem allenthalben zothon vnd zu handeln gepuret, 
daran wollen wir vnserthalben kain vleys an vns ermindern lassen. 
So hat mir dem Statschreiber in disen tagen meiner herren vnd 
sonder vertraoten freund einer in gehaim zooersteen geben , das 
kr. Mt. vnsers allergnedigisten herrens Stathalter vnd Regiments 
Ret im heiligen Reiche ob ewrem Jüngst gethanen schreiben vnd 
bericht an sy gelangt ein sonders gnedigs vnd guts gefallen gohapt. 
Der Zuoersicht, wann er Forner ferrer komen vnd anhalten, das 
der seins erachtens gar mit kortzem bescbaid abgewiesen werden 
solle. Der Zouersicht, so -wir nun Gemainer versamlong forschrifften 
vnd die verschlossen Copeyen damit vberantworten , werden die 



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316 

noch weitter bewegt werden, Gemaine Stet vnd E. L E. w. in 
gnaden zu bedencken. Will es dann E. f. E. w. mch vnsers herrens 
des Bürgermeisters haimkonft vnd vberantworttnng des Fomers 
schreiben Copeyen , an etlich sonder personen vnd Bands Bete 
besc^ehen, wie der in seinem schreiben vermeldet, die villeioht 
etwas scherpfer sein möchten, wann er ferner sich yormals hören 
vnd mercken lassen hat, vns femer mit ewerm bericht vnd benelh 
far not vnd gut ansehen, zuzuschicken wissen, das dieselben nach 
Jren gelegenheit auch zuthon oder zulassen. Wann wir dann ewerm 
beueUi bey dem kay. Regiment gelept, vnd bey Marggraff Georgen 
die Sachen auch mitler Zeit, ob der änderst ankomete, ausgericht 
haben, wollen dann E. w. wie vorgewosen, das ich der Statschreiber 
wider anhaim reitten solle, das bin ich vnuerzogenlich vnd wie sich 
gepart zuthon berait. Doch gewart ich in dem bey nechstem potten 
ewrer antwurt. Newer Zeitung ist nichts sonders vor äugen, 
wann das noch heut vnd morgen etlich vil Fürsten gewisslich 
ankomen werden, vnd handelt ko. Mt. yetzt teglichen personlichen 
im Regiments Rat. Was, ist vns zur zeit verporgen .... 
Geben den achten tag Mertzens Anno 29. 

▲. a. O. Nnm. 11. 



15. Bürgermeister und Bath von Nördlingen an Widemann 

und Hair. 

Nördlingen, 10. März 1529. 
.... Wir haben zway Ewre Jüngste schreyben, das erst bey 
dem Dunckelspuchelischen poten, vnd das ander bey Martin straussen, 
allhie vns gethan, empfangen, vnd darin Ewr ankonnfft gen Spcyr, 
newe Zeitungen vnd annders vernomen. Nun haben wir auch 
mitler Zeit die Furschrifft von Gemainer Versammlung an das 
Keyserlich Regiment, neben andern Copeyen Fomers halben etc. 
bey vnserm Statpoten zugeschickt, vngetzweinelt, seyen euch die 
schon zukomen. Darauff so wöUent ewrm beuelch mit fleys nach- 
komen vnd euch in vnser vnd Gemainer Stat obligenden Sachen 
halten vnd beweisen, das vns vnd Gemainer Stat zu ainichem 
nachteil oder schimpff im wenigisten nit verwisen werden mag. Als 
Jr dann hierin zuthun wol wissen, vnd wir keinen zweiffei tragen. 
So haben sich der Bundt vnd Stettag zu vlm in disen tagen 
geendet, vnd ist ain andrer Bundstag gen Augspurg auff den ersten 
tag Juni nechst angesetzt, wie ir dann, von vnserm Alten Burger- 
meister vessner sein Relation vnd was in gemainer versamlung 



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317 

beschlossen worden, gethan, ynd bey kortzestem eröffnet, wie ir 
dann von ynserm Bathsfreunden, Qeorgon schwinnenbach ynd Hansen 
Bnmeln in irm Darchreyten gen Frankfurt vememen werden. Was 
dann die Erbem Stet potschafften auff dem Stettag gehandelt vnd 
beschlossen haben, das ist in ainem abschied begriffen, Der soll vnd 
wierdet den Erbem Stetten nachgeschickt werden. So vns dann 
derselb znkoropt, vnd was darin E. E. w. noth znwissen ist, das 
wollen wir denselben zum farderlichston znsenden, damit ir auch 
dester gewisser in handlnngen schicken mngen. So hat vns auch 
der Bürgermeister vossner in seiner Belation angetzaigt, welcher 
massen er mit Doctor hegenstein, dem von Nuermberg bestelten, 
geradtschlagt, von wegen eins wolerfarnen Bedners, vnd bey dem- 
selben vnder andern befanden hab, das ain Doctor am kaiserlichen 
Camergericht zu Spejr mitnamen Doctor Ludwig Herrter *) von 
Beytlingen, procurire, der in zu sollichem vnserm vorhaben gantz 
täglich vnd gut ansehe. Darurab so wollent demselbigen Doctor 
Ludwigen nachfrag thun, wie vnd welcher mas er sich halt, vnd 
was seine sytten, thun vnd lassen seyen, vnd vns alsdann dasselb 
neben anderm bey vergebner pottschafft oder in Ewrer ankunfft 
znwissen thun. Wir haben auch in obberuertera Ewerm ersten 
schreiben ain articul vermerkt, welcher massen ir mit einem haus- 
knecht, in der herberg zu der krönen, der vergangner Jar in der 
auffrnr alhie Mang bösen hausknecht gewest sein soll, Bed gehalten, 
vnd mit dem nach der geierton Bath mit Becht ferrer zu handeln 
vorgeh apt haben. Das alles wir für geuellig vnd wolgehandelt bedenken, 
vnd allso ewerm Furnemon nach femer zuhandeln, gantz wol leiden 
mugen, damit wir zu vberflass dester mer grunds gehaben möchten. 
Geben den zehenden tag Mertzens Anno 29. 

Burgermeister vnd Bethe zu Nerdlingen. 



Auf besonderem beigelegten Zettel. 
Lieber alter Bürgermeister vnd statschreiber. 
Hieneben schreiben wir vnseren lieben herren, d^i gesandten 
Bnrgermaistern von Nuermberg, die yetzo zw speyr sein mochten, 

1) Dr. L. Hlrtcr oder Horter, ein Protestant, worde sp&ter in Speier ermordet. 
Dmm sein Mörder nicht entdeckt oder doch nicht bestraft worde, rechnete Landgraf 
PhiUpp TOD Hessen der Stadt Speier so hoch an, dass er ia einem Briefe an Bucer Tom 
11. Not. 1643 sagt, er habe keine Lnst, mit wenig KriegsTolk zom Reichstag nach Speier 
ZQ gehen. „Was sich anoh der stat Speier halb sn Terlassen sei, das wissen wir nit; dss 
aber haben wir TsrsUnden, das der gut Man Doctor Lndwig Horter daselbst JemerUoh 
erstochen worde, darnach nit ein Han gckreet hat, derwegen Vffsehens Ton Noten, dann 
daselbst das chamergericht Tnser höchste Widersacher nnd das pfafTenTolk ein her Tnd 
meister ist** Bommel, Oesch. Phil. d. Grossmflthigen. TTrknndenband. 



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318 

ynd ersuchen die, wie sich gepart, das sie euch mit iren getrewen 
Rethen vnd anderen, ob ir die von vnsertwegen darum icht 
ansuchten, behilffen sein wollen. Darumb so euch was widerwerttigs 
vnd sorgfeltigs fnrfiele, so mugendt Jr allwegen mit Jrm Bath vnd 
gut bedunken handien, vn^etzweifelt die werdens nit weigern. Dat 
vt in literis. 

A.. a. O. Num. 6. 



16. Widemann und Hair an NSrdlingen. 

Speier, 11. MErz 1529. 

.... Wir haben auff heut durch Wolfgangcn lanngenmantel 
Regiments Bat Gemainer versamlung furschrifft in die kayserlichen 
Begierung vberantwurtten lassen, aber eilender geschefft halben hat 
die nit mugen verlesen werden. Darumb vns auch kain boschaid 
gefallen mugen. Aber morgen vnd zu andern tagen wollen wir 
feiren beschaid znerlangen. Newe zeifcung auf vorgestern vnd 
gestern seyen Saltzburg Augspurg drey furstcn von ßaiorn Maintz 
vnd Coln alhie ankörnen. Noch hewt vnd morgen soll Trier vnd 
Hertzog Hanns von Sachssen auch komen. Es seyen Augspurg 
Strassburg vnd ander mer Stet alhie. Item wie wir E. f. E. w. 
verschinen tag weisenburg halben geschriben haben, das ist Weissen- 
bürg am Bein gewesen. Memraingen ist auch hie. Sonst wissen 
wir nichts sonders, dann das man gottlos Practiek wider die Stet 
vnd E wangelisch vben soll in vil 

A. a. O. Num. 13. 



17. Widemann nnd Hair an NSrdlingen. 

Speier, 20. März 1529. 

.... Vnsorm jüngsten schreiben nach fugen E. F. E. w. 
ferner zuwissen, das alle Churfursten on Marggraf ' Joachim , des- 
gleichen auch der merer teil Fürsten des teutschen Beichs vnd 
sonst gar vil Grauen herren Prelaten vnd vast aller Beichstet 
potschafften alhie zu Speir ankörnen seyen. 

Vnd ist der Bcichstag montag nach Judica negstuerschinen 
zu fruer tagszeit in gegenwnrttiger Versammlung aller Churfursten 
(ausgenommen Hertzog Hannsen von Sachssen) Fürsten Grauen 
herren Prelaten vnd StetpotschafiFten im namen des allmechtigen 
mit einem löblichen gesungen Arapt der Heiligen mes von der 
Immerwercnden vnd vnteüparen Driualtigkeit angefangen worden. 



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319 



Nach sollichem volprachten Ampi der mea seyen der kanig 
von Hangern vnd Behem etc. als Stathalter vnd Verweser kr. Mt. 
vnsers allergnedigsten herrens im heiligen Reiche teutscher Nation, 
roitsampt allen Charfarsten wie obgemelt, Fürsten Qraaen herren 
Prelaten vnd Stetten von der kirchen des Thnmstiffts den nechsten 
in das Rathaws gangen. Des orts in gemainer versamlang aller 
Reich Stende ans benelh ko. Mt. der durchlauchtig vnd Hochgepom 
Fürst vnd Herr Friderich Pfaltzgraue bey Rhein Hertzog in Baiern 
vnd Stathalter in aigner person mundtlichen vnd furstlichs gemuets 
dem Reichstag den anfang gemacht vnd darauff kr. Mt. schrifift- 
lichen gewalt vnd darzu die hiebeyaerschlossen Copoy der kayser- 
lichen Instruction verlesen lassen, vnd nachmals für sich selbst vnd 
anstat der andern seiner mit Comissarien kr. Mt. gnedigs begern 
vnd ansinnen mit kurtzen worten erneuert damit beschlossen. Vnd 
daneben ko. Mt. zu Hangern vnd behem auch selbst persönlich 
vnd mundtlich in teutscher Sprach etwas gar hochflechlich vnd 
senlich alle Stend des heiligen Reichs ermanet und gepeten hat, 
die merklich vorsteend not vor äugen des Tarckens tyranney vnd 
einfals in das kunigroich Hungern vnd teutsche land, wie sein Mt. 
des mer wann gewissen vnd warhaflften bericht vnd wamung het, 
zu hertzen zu füren vnd alle desselbigen vilfaltigen sig vnd dabey 
zuermessen, das geringer hilif in frembde land zuthon were, wann 
so es die Stend samentlich oder sonderlichen an jren Farstenthumen 
Landen lentten vnd aigcnthumon beruren wurde, in gar kurtzen 
ordentlichen vnd gegründeten reden. Darüber dann die Churfursten 
Fürsten vnd Stend in gemain des kay. gewalts vnd Instruction 
abschrifft bitten vnd begeren Hessen, sich der notturfft nach darin 
zuuersehen vnd mit gepurender antwurt darauff zu entschliessen 
wissen. Das bewilligt vnd desselbigen tags aller Stend Secretarien 
vnd Statschreibern an die Federn gelesen vnd denen in jre Pflicht 
eingepunden, auch jr yedes namen aufgezaichnet, das sy solUchs weitter 
nit komen oder gelangen lassen wolten, wann an jre herschafften, von 
der wegen ein yegklicher allda were. Wie das auch dauor des Reichs 
marschalck also den Reichstenden verkündet hat vnder äugen. 

Morgens afftermontags giongen Churfursten allain Fürsten 
Qrauen herren vnd prelaten, auch die Erbern Frey vnd- Reichstet 
yede parthey oder Stand dem geprauch nach besonder in jre verordnete 
Stuben zusamen, vnd beratschlagten die Artikul in kr. Mt. ver- 
lesen vnd angeben Instruction. Vnd als die Churfursten fnrsten 
Qrauen herren vnd prelaten die Erbem frey vnd Reichstet potschafften 
nach den aller beschehen beschlussen vnd Ratschlagungen zu jnen 



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320 

emordern vnd den jr vorhaben ansaigen Hessen, er&nd sich daraas, 
das derselben will gemuet vnd maynong im gmnd aller massen 
wie der Erbern frej vnd Reichstet gestanden vnd beschlossen was, 
alles in eins yegklichen Stands absonderung wie vorgemelt. Das 
etwas nit wenig zanerwnndern. Vnd was das jr aller beschlus vnd 
antwurt den kn. Oommissarien eröffnet, das sy die Chnrfursten 
Fürsten vnd Stende des heiligen Reichs der zweyer Artical in der 
Instruction begriffen, nemlichen der Türkischen eilenden vnd ver- 
harlichen hilff, auch der Erhaltung des kn. Regiments vnd Camer- 
gerichts noch zur zeit nichts furzunemen oder zu handeln wissen, 
es were dann der mittelst articul darin, vnsem heiligen glauben 
vnd das gewissen belangend, vor allen dingen erörttert ausgefurt vnd 
gelediget, damitt so man hilff vnd rettung in andere vnd frembde 
land thon seit, das man zuuor wissen vnd verstand haben möchte, 
wie wir im heiligen Reiche teutscher nation in gutem friden mit 
vnd bey einander wonen vnd sitzen künden. Dann an frembde ort 
hilff zu thon, vnd sich selbst zuuerlassen, were nit naturlich oder 
pillich, sonder hoch beschwerlich, wie ein yeder verstendiger das 
abzunemen vnd zuermessen hat. Vnd so das vorgienge vnd 
gescheche, alsdann erkenten sich die Stend des heiligen Reichs ein hilff 
zuthon schuldig, weren des auch als Gristenleut irs vermugens genaigt. 
Daruff sich die kn. Commissanen bedacht vnd auf gestern 
den Stenden wider fnrgehalten haben, kr. Mt. Orator vnd die 
verordneten Commissanen bewegen vnd bedechten, das hieuor zu 
allen vergangnen gehalten Reichstegen die Ordnung gehalten worden 
were, das man die Articul des ausschreiben all wegen zuuerderst 
für äugen genomen, vnd einen nach dem andern darin erörttert 
vnd darauff beschlossen het. Dos freuntlichen vnd gnodigen begerens, 
das sollioher alter geprauch auf disem Reichstag vnd hinfuron auch 
also gehalten vnd gehandelt werden solt. Des die Stend des Reichs 
ein bedacht namen vnd sich abermals ein yegklicher abgesondert 
einer antwurtt darauff entschlossen, vnd einander vast gleichmessiger 
ma3mung wie obb^rurt ist, bogegnetend. Also das die drey Articul 
in der Instruction begriffen durch der Churfursten Fürsten Grauen 
herren Prelaten vnd Stet verordnete ausschus furhanden genomen 
vnd samentlich mit einander zu der notturfft wol bedacht vnd 
beratschlagt, aber darin on widerhindersichpringen an alle Stend 
in gemain vnd Sonderheit mit nichten beschlossen werden solte. 
Darauff es dismals beruet. Vnd seyen von den Erbem Frey- vnd 
Reichstet wegen zum Reichsausschus verordnet herr Jacob stürm von 
Strasburg vnd Cristoff tetzel von Nurmberg. 



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3^1 

Üaneben haben auch die Erbern Stet ein Gemainen anesclras 
vnder jnen selbst zu allen farfallenden saehen verordnet, nemlicben 
▼on der Reinischen banck Goln Worms vnd Franckfart vnd von der 
Sehwebischen banck Augspurg Normberg Vlm vnd von der wegen 
Wolff (sie) langenraantel, Cristoff tetzel vnd BT besserer, auch Mem- 
mingen Hannsen eohinger, die haben xuuorderst auf den mittelsten 
Articul in der Instruction ein maynung begriffen, mit was mae vnd 
aus wellichen merklichen vrsachen diser Articul im heiligen Reich nit 
erlitten werden muge, mit anzaigung was grosse vnru im heiligen 
Reich daraus in allweg entstehen mochte, mit angehencktem bit, 
sollich fumemen abzustellen vQd diso Sachen bey dem Speirischen 
abschid bis auf das kunfftig Concilium beleiben zulassen. Dann 
solte dem articul volg beschechen, were diese handlung vnd Irrung 
des glaubens unuerhörtter vnd vnerortteter Ding abgelaint vnd 
nidergetruckt, auch von onnöten dis falls ferner ein Concilium 
zuhalten mit vilen vnd langen furschlagen. So vns die mit der 
Zeit behendiget werden, die E. f. E. w. auch vnuerhaltsn beleiben. 
Der ho&ung das sollicher articul, der allain durch die pfaffen 
gepracticiret sein soll, mit hilff furderung vnd Rat etlicher Fürsten, die 
anch nit Evangelisch sein sollen, gar abgethan oder zum wenigsten 
dem ein tregliche milterung gemacht werden mus. Wie vnd was 
dann darauff volget, wollen wir anch hinach schreiben, der 
Zuuersicht E. f. E. w. werden vnd wissen sich als die hochuerstendigen 
mitler zeit in Sachen wol zuhalten. Dann souil vnd wir merken, 
es kome wohin es wolle, mugen sich die jrs thons vnd lassens 
bisher vor andern entschuldigen, vnd dermassen anzaigen, das wir 
vns keiner Vngnaden noch geuerden besorgen durffen oder wollen. 
Wir wissen E. f. E. w. sonst in Sonderheit nichts neues zu schreiben, 
dann das vast alle Chur- vnd Fürsten alhie ankomen seyen, on 
Marggraff Joachim von Brandenburg vnd Hertzog Georg von Sachsen, 
der num noch gewertig ist Aber nicht minder eilt man in saehen 
vast vnd versieht sich menigklich, das der Reichstag nit langkwierig 
sein soll oder wird, also das wir vns ob Got will bald haimzukomen 
verho£fon wollen. 

Item so hören vnd merken wir nichts von forner, ist vns 
auch noch kain antwurt vom Regiment auf die vbergeben furschrifft 
vnd Gopey gefallen. So halten wir auch mit gutem verrat nit 
hart darumb an. Sonder wir haben den Secretarium des Regiments 
gepeten vnd den willen befunden, das er die sach in guter gedechtnus 
vnd bey banden behalten wolle, damit so forner kome, das er 
dann gefast sein will. Er bericht vns auch glauplich, das keyserlich 

21 



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822 

Regiment habe dem ferner anf ewr jungst bescheehen schreiben in 
schrifften geantwurt, das die Regierung Ewr erber erpieten für 
gnugsam angenomen vnd erkennt hab, wisse Ewr lieb auch dauon 
nit zutnngen. Das ist das jr jme vermug des heiligen Reichs 
Ordnung glait geben vnd zuschicken wollen. Das ist deam bescheehen, 
aber er hat das nit angenomen .... Geben den zweintzigsten 
tag Mertzens zu Speir Anno 29. 

Auf einem besonderen beiliegenden Zettel. 

Jtem wir haben auch Doctor Ludwig hertter von Reutlingen 
nachgefragt vnd durch vertrawt gut freund vermerkt vnd verstan- 
den, das der gemainer Stat aus vrsachen, die wir E. f. E. w. in 
vnser Haimkunfb noch anzaigen wollen, nit anzunemen oder zuge- 
prauchen sein werde. So sechen wir ausserhalben doctor Fröschen 
vnd anderer par Jungen doctor wenig, die sich an solliche ort 
vorstellen vnd verpflichten lassen möchten. Es haben die von 
Esslingen jetzt aiu Doctor ein Jungen gesellen der Stat kind, der 
auch ligende erbstuck vnd gueter bey jnen hat, angenomen, geben 
dem des Jars himdert vnd zwaintzig gülden vnd vergunnen dem 
daneben zu aduociren. So haben sy auch vor sonst zwen Sindicos. 

Welten aber E. f. E. w. mit einem handien lassen, der in 
Fomers handlung gepraucht werden solt, so möchte dasselb etlichen 
bescheehen schreiben an Doctor Johann Rechlinger zuwider sein. 
Dann doctor Rechlinger ewerm schreiben vnd beuelch nach zu 
sollicher handlung maister Baltassar laymann zu Augspurg hieuor 
bestelt hat. Also wann er* aduociren solte, das der denselben 
allwegen bey banden haben vnd den zu der notturfft berichten 
möchte. Doch nichtz minder was vns E. E. w. beuelchen femer mit 
einem zuhandeln, das wollen wir gern mit vormugklichem vleys thon. 

Jtem so E. f. E. w. vns den Wundwolder Statpoten schicken 
werden, so wöllent dem noch fünfzig gülden geben vns zupringen, 
damit ob es sich lenngor wann wir vns versehen verziechen wierde, 
das wir gefast sein mugen zu der nobturfit vnd auferbemrechnung. 

Es soyen auch vast alle Stet gros vnd klain alhie ankomea 
vnd in treffenlicher anzal zugegen, vnd fa andien nochmals gar 
erberlich vnd eintrechtig. 

Es steet auch Qot hab lob vmb vnns bed gesundheit vnd aller 
Ding halben ganntz wol vnd recht. 

Auf einem sweiten besondem Blatt. 
Gunstiger lieber Herr Bürgermeister woUent den von Werd 
jren Brief hieneben bey aignen potten antwurten vnd den potten 



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^2ä 

sein pottenlon daselbst emi^ahen lassen. Dessgleichen Hannsen 
Warbecken der von Dinkelspüchel bnef auch zustellen lassen. 
Jtem so wist das wir glauplich erkundigt, das Manng bos sein 
hupsch klaid dar inn er ein Ersamen hat wollen hel£fen ermorden 
zu Haidelberg verkauffen lassen, het es auch gern seinem hausknecht 
zukauffen geben vnd ein gülden daran verlieren wollen, aber der 
knecht hat es damals nit annemen wollen. 

Jtem Gunstiger herr wo Jr vnsere herren die Jnstruction nit 
wol lesen künden, so iassens den Melchior ad mundum schreiben. 
Dann ichs der Statschriber mitsampt der von Augspurg vndNurm- 
berg ßindicen in vil von aller Stet wegen abgeschriben vnd mitler 
Zeit andern erbern Stetten leichen müssen, das ichs nit wider 
abschreiben künden. 60 haben wirs sonst in Beten Copey. 

A. a. O. Num. 8. 



18. Widemann und Mair an Nördlingen. 

Speier, 24. Man 1529. 
. • • Wir fugen ewr lieb zu wissen, das wir vom kayserlichen 
Begiment disen gnedigen beschaid erlangt haben, das sy auf ewr 
jungst schreiben an sy gethon, dem Fomer ein meynung zuge- 
schriben vnd zuuersicht haben, er solle vnd werde nit mer bey 
inen anhalten. Ob das aber gescheche, wolle sich die Begierung 
gepurliehen halten. Vnd ein Brsamer Bat vnd Gemaine Stat 
Nördlingen soll alles guts vnd gnedigs willens zu ir der Begierung 
versechon, vnd wir sollen inen in schrifften des glaits halben wie 
wir mundtlioh gethan, bericht geben, damit so Forner ferrer an- 
hielte, das sy sich dester statlicher darnach zurichten wissen. Das 
soll noch hewt oder morgen aufs lengst beschechen. Dann wir 
yetzt in Beichs Bat muessen vememen was sich der ausschus des 
mitlen articuls in der Jnstruction wie euch hieuor beim Birmenter 
zugeschickt entschlossen haben. Dann wie es vns noch ansieht, so 
möoht es zweiflich gnng desshalben steen werden, in ansehung das 
die pfaffhait gar ernstlich handelt vnd anhelt. Nachmals will ich 
mich der Stat^chreiber erheben vnd anhaims thon zum förderlichsten 
ich kan. Wissen sonst E. f. E. w. diser Zeit nit sonders newe 
Zeitung zuschreiben. . . . Geben den vierundzwaintzigsten tag 
Mertzens Anno 29. 

A. ft. O. Nnm. 7. 



21* 



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824 
19« Widemann an HSrdlingen*^) 

Speier, 9. April 1629. 

.... Am sambstag nechstuerschinen nach mittag sein alle 
stend des Reichs zusamen bernfit, vnd dess ansschnss beratslagong 
bevlisen vnd aoff jedes Stands bedencken gestölt worden. Der- 
selbigen des ausschnss verlesen beratschlagung, haben die Stend 
abschritten genomen, vnd die Stett Bolichs widerumb von neuem 
lassen verlesen, vnd nachmals dasselbig am afffcermentag dem ver- 
ordnetten irem grossen ansschoss zn beratslagen vnd artickel irs 
gutten bedünckens darauff zu steelen beaolhen. Das sj dann gethon 
vnd solichs supplication weis gestellt vnd dasselbig die Erbem Stet 
Bottschaffter verhört haben , vnd wollend sollichs den Corfnrsten 
fdrsten vnd Stenden vberantwurten. Was darauff gehandelt vnd 
beslossen wirt, will ich E. f. E. w. mitsampt des Reichs ausschnss 
obgemelter beratslagung auch von der Stett vbergeben suplication 
copy zuschicken, oder mit mir selbs bringen. 

Femer so hab ich e. f. e. w. schreiben durch Endrisen 
Herren schmid emphangen vnd vor zukunfft desselbigen Schreibens 
vnd alsbald marggraf Georg gen Speyr ankomen ist, dem Doctor 
Fröschen den Ratslag von doctor Johann R5hlinger vberantwurt, 
auch ine von wegen e. f. w. gebetten, denselben ratslag zauerlessen, 
auch bey ime Verfasser ^ vnd fürter so ich sein begem wurd, mir 
sollichs helffen zuuollen vnd bey den Fürsten vedrer zu sein, das 
er dann angenomen vnd zu thun sich gutwillig erbotten hat So 
bin ich auch auff yetzig e. f. w. zugeschickt schreiben zu meiner 
herm, der von Nurmberg gesandten potsohafften gangen, in diser 
sach des Fomers halb irs Rats gepflogen, die sich gönstigs gats 
Willens erpotten auch anzaigt vnd geratten haben, laut doctor 
Rohlings anbringen zuthun, doch darinn aussen zu lassen, das sein 
fürstlich gnad sich des fomers entslahen 8511t. Dann sy die von 
Nurmberg achten gentzlichen darftlr, das sich marggraf Oeorg 
des Forners nicht vil annemen, vnd die von Nördlingen vmb aeint- 
willen begeben werd. Es were auch inen lieber, der Ferner were 
vnd blibo zn Onolzbach, alda man seins Wesens vnd geschrais wisseas 
hat. Dann solt er da vertriben, vnd an andere ort komen, vnd 
daselbst durch ine newerung seins geschrais angefangen werden. 
Nachmals bin ich auff e. f. w. schreiben vnd dero vom Nürnberg 
Rathslag zu Herrn Hannsen von Segkendorf dem Öltem gangen, 
bey im von e. t w. wegen mich angezaigt, ich habe bey meim 

1) Dieser BHef ist» wie die nächstfolgenden, von Widemsnns Hand, wihrend 
die trälleren Mair geschrieben hst. 



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826 

g. forsten ynd herren auss beudch E. f. e. w. Werbung vnd an- 
bringen zutbun, mit dienstlich pitt, Sollichs an sein forstlich gnad 
gelangen zulassen, vnd mir seiner forstlichen gelegenheit nach tag 
▼nd stund zu benennen, darinn mein Zugeordnette vnd mich 
gnedigklich zuuerhoren. Sollichs hatt Herr Hanns von Segkendorff 
an sein f. g. gebracht vnd nachmals mir zu antwurt geben, sein 
gnediger fürst vnd herr habe yetzo zu zwayen vrn bey anderen 
fllrsten zu handeln vnd wisse nicht, ob sy aoff morgens wider 
susamen werden komen oder nit. Jch solle aber an mein Herberg 
geen, vnd so es seiner fürstlichen gnaden gelegenhait sein wirt, 
wdlle er nach mir schicken. Jch soll im auch wo ich zu herberg 
lig dasselb auff ain Zedel verzeichnen, das ich gethun hab. Gemelter 
Herr Hanns hat sich gegen mir von e. f. g. wegen vil günstlichs 
willens erbotten, vnd nachmals auff mitwuch nechstuerschinen nach 
mittem tag in der dritten stund nach mir in mdn Herberg geschickt, 
zu meim gnedigen Herren zu komen. Derselben Zeit bin ich in 
dem Stött Bath gewesst. Sobald mir aber soliichs in der fUnfften 
stund angesagt ward, sein Doctor Frosch vnd ich in des margrafen 
Herberg gangen, vnd vns ansagen lassen. Ist vns durch Herr 
Hannsen von Segkendorff die antwurt zo entbotten worden, der 
forst hab gest geladen vnd werde yetzo das nachtmal einnemen, 
vnd so sein fürstlich gnad am morgen Dornstag nicht in Bath oder 
zu den fursten bedörff, wdlle Er, der von Segkendorff widerumb 
nach mir schicken. 

Otlnstig gebietend Lieb Herrn, auff gestern Domstag zu X 
vrn vormittag seind auff Herrn Hannsen von Segendorffs erfordern 
Doctor Frosch vnd ich für marggraf Jerg lassen vnd durch sein 
f. g. in aigner person gnedigklich verhört, vnd nachmals daranff 
durch offtgenannten Herr Hannsen die gnedig antwurt geben worden, 
sein gnediger fürst vnd Herr betten die Werbung vnd zuoerderst 
die diensterbietung ains Bats vnd Statt Nördlingen zu gnedigem 
dank angenomen. Aber auff das ander so vil den Ferner belangte, 
geb sein furstlidi gnad dis antwurt, es mOchte sein. Ferner bette 
sich ain Zeit lang in seiner f. g. Statt Onolzbach als ein gast 
gehalten, vnd bei den Wirtten gezerdt, aber ganz wer one, das er 
von sein f. g. ainichen rat oder Vertröstung gehabt hett. So triegen 
sein L g. auch seines ausrnffens oder verclag^is von ainem Bath 
zu NOrdlingen dhain wissen, Sollichs were auch an sein f. g. nie 
gelangt, vnd ob es bescheen were, oder noch bescheen würde, wolt 
sein f. g. ainem Bath das gnedigklich wissen thon, vnd auch hieuor 
gethun haben. So wer sein f. g. vnuerborgen, das derselben vor- 



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826 

faren gemainer Stat NOrdlingen gnedige Herren gewesen werend. 
Das wolt er nit weniger anch sein, ynd so sy es begerten, den 
Ferner wider gemaine Stat nit enthalten. Were anch ainem Bath 
gemaint, mit Ferner vor sein f. g. in Sachen handien zn lassen, so 
wOlt sein f. g. sich gemainer Statt zu gnedigem gefallen der mühe 
ynderfahen, za nersnchen, ob die sach gtttlich hingelegt werden 
mOchte, dan f. g. were der Statt Nördlingon mit allen gnaden genaigt. 

Sollich gnedig antwort ist zu vndertenigem Danck angunomen 
worden, mit anzaigen, das der gesannt dieselben seinen Herrn ain 
Erbem Rath hochlöblich berömen wölt, die wttrden sonder allen 
Zweifel sollichen gnedigen Beschaid mit vndertenigem vleis alles 
jres vermtigens verdienen. Aber der gntlichen Handelnng halbe 
hett der gesandt dhainen Benelh, wölt aber neben andern sollichs 
an ainen Erbem Rath gelangen lassen. 

Weitter thn ich e. f. e. w. zauememen, das mit dem marg- 
grafen der Anthonj forner auch gen Speir mit dero pferden komen, 
ist aber nit Hofgesind, reytt auff sein aigen pfennig vnd Liferung. 
Ich hab mich auch erkondigt, das er nicht sonderliche gnad beym 
Fürsten, noch gunst bej den vom Adel, allein sein wesen bey den 
Reittem vnd ettlichem Lüderliohem gesind hab. Ich hab anch den 
fbmer noch keinmal im Rathof gesehen, allein auff dem platz vorm 
thum vnd auff dem marckt, vnd wer im bekannt ist, den laufft 
er an, vnd hat seiner gewonheit nach vil red vnd feehtens mit den 
Henden gegen denselben personen. Ich bin zu gott gutter Hoffnung, 
er werd nicht erlangen noch ausbringen, dann ich hab allenthalben 
gute Vertröstung. Ich bin auch bey mein Herrn von angspurg 
dem Hörrwart, vnd Br. Besserem von Vlm gewesen , sy des, so 
auff necbstgehaltenem Reichstag alhie des fomers vnd mang bösen 
halben gehandelt vnd gnediger Beschaid geben worden int, widemmb 
erinnert, vnd darauff von e. f. w. wegen ersucht vnd gebetten, ob 
not tue vnd ich sie anruffen wurd, mir jren Rath vnd hiifliche 
furderang mit zu teilen. Das sy zuthun sich gunstlichs vnd frennt- 
lichs willens erbotten haben. Es ist auch der von vlm widemmb 
zum ausschns vber die Suplication, die im Reichsrath eingelegt vnd 
verlesen werde, verordnet, vnd so fomer supliciren wurd, mir 
solichs durch den von vlm nicht verhalten, sonder bey rath vnd 
hilff mitgetailt, auch bey den andern Herm den verordnetten ditz 
ausschus, nechstuergangener Handlang vnd beschaids vnderricht 
gegeben werden. Deshalben ich nicht gros sorg anff den fomer 
trag, etwas zu erlangen oder auszubringen, allein mus man im sein 
geschray vnd weeen lassen, wie dann sein sidt vnd gewonheit ist. 



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327 

Ich will aber nicht dester minder bey den von Stetten vnd sonst 
andi wo seinthalb die nottorfft erhaisoht, sein des fomers Handlang, 
▼nd hergegen e. t w. gnugsam erbietten endecken vnd zuaersteen 
geben, wie ich dann soUichs an yii ortten schon getan habe. 

E. F. £. W. Schick ich hiemit der Beratslagnng von des 
reichs anssohns ain oopj, dergleichen auch ain copj der Snplication, 
so anff yergangen mitwach von den Stetfcen des reichs stenden 
vberanwnrt ist worden. Aber noch kain beschaid darüber geben. 
So bald das beechieht, will ich e. e. w. aaoh nicht verhalten. 
Sonst wais ich diese Zeit nicht za schreiben. . . . Datum am 9 tag 
appriUis nach mittag anno 29. 
B. F. B. W. 

gehorsamer Barger 

Jacob Widemann. 



Aaf besonderem Blatte : ' 

Günstig gebiettend Lieb herm. B. f. w. tu ich auch zauer- 
nemen, das die konigklich Mt. za bangem vnd Beham alle 
gesannte der Erbem Stettpottschafften far sich erfordern, aber 
daraas drej teil machen lassen. Nemlich am Sambstag nechstaer- 
schinen za vier vm nachmittag die hemachgeschriben stett, nemlich 
05ln, Ach, motz, Hagnaw, kollmar, Schlegstat, offenbarg vnd Speir. 
Nachmals am sonntag za Siben vm vor mittag Bsling, Rotweil, 
Überlingen, Raaensparg, werd, kaaffbewem, Gmand vnd Wejl. 
Denen hat seine ko. Mt. durch Hertzog Friedrichen pfialtzgrafen 
in bjwesen des orators, auch des Bischofs von Trient vnd Hertzog 
Wilhelms furhalten lassen vngeuerlich ain solliche mejnung, kay. 
Mt., auch ko. Mt. vnd sy als Oomissari zeugen gut wissen 
vnd er&mis, das sy die Stett sich bis hieher im Cristenlichen 
glaben, auch kay. Mt. ausgegangen Edicten vnd mandaten gantz 
wol vnd vnderthenigklich gehorsam gehalten betten, aber etweuil 
stett nicht. Nun were aber von kay. Mt. auch jr selbe wegen 
jr gnedigs ansynnen, Begeren vnd Bitt, sie die Stett wollten sich 
also hinftlro wie bisbero im Cristenlichen glaben vnabgefallen oder 
ainich endemng oder newerong halten vnd erzeigen. Daran sy 
dann gott dem allmechtigen ain lob, auch kay. Mt. vnd jnen den 
Comissarien gnedigs gefallen bewisen, kay. Mt., aach sy die Oomissari 
wollten sollichs in gnaden gegen in erkennen, vnd auch sy die Stett 
gebetten haben, das sy bey den andern Stetten, die dann der newen 
sect anhangen, vleis fürwenten, das sie derselbigen abstünden vnd 
dem OhristenHchen glaben anhengig, vnd kay. Mt. mandaten ge* 



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328 

horsam weren. Dann so das nicht besohehen, würde zu besorgen 
sein, es möofate in grose generlicbhait vad anfrnr daraus enisteen, 

Aaff BoUicfa ermanen haben sidi die Stett am Sambstag 
beschickt, durch ain Doctor von M6tz, ynd die Stet am sontag 
frne beschickt, durch den Bürgermaister Ton Eslingen Hold^rmann 
gegen den Comissarien aller gehorsam aoff das vndertenigst erpottea, 
dem nach zu geleben, wie sy bisher Ynd jre Torfordem auch getua 
haben. Es haben auch die beschickten Stett am Sambstag for c^ 
Luterischen Stett vndertenigklich gebetten, sy in gnedigem beudh 
zu haben, wie ich dann in meiner anknnffb femer anzeigen wilL 
Ferrer so ist den von Strassburg vnd Nfimberg ain Zedel 
zugeschickt, vnd dabey befolhen worden, mitsampt den hemach- 
geschriben Stetten im selben Zedel verzeichnet am sontag auff j vr 
nach mittag vor kay. Mt. vnd den Comissarien zu erscheinen vnd 
sein das die Stett, nemlich Strasburg, Frankfurt, Gosler, Northausen, 
Wimpffen, Nürnberg, augspurg, Vlm, Nördling, Bottenparg auff der 
thawber, Bentling, Meming, Hailprun, Costentz, lindaw, Kempten, 
Hall, Wttrmbs, Dinckelspttchel , Winzhaim, Awlen, Bopfing vnd 
Buchhom. Diesen Stetten, so alhie gewesen vnd erschinen sein, 
ist vngeverlich ain sdlich maynung durch vorgemelten Hertzog 
Friedrich in Beisein kay. Mt. vnd der Comissarien furgohalten 
worden, sy die Stett triegen vnd betten gut wissen, was yetzo in 
diesem gegenwirtigen Reichstag an gemain stend des Reichs Inhalt 
der Instruction angebracht, auch mit was Inhalt hieuor von 
kay. Mt. edictum vnd mandate vnsem heiligen glaben betreffend 
ansgangen weren. Demselben betten sich sy die Stett vngehorsam 
gehalten vnd vnder jnen selbst vil newerung im glaben angefangen 
vnd gemacht, daraus dann vil auffruren vnd empörung entsteen 
möchte. Welten deshalben von kay. Mt. vnd jr selbs wegen ain 
gnedige warnung gethun vnd dabei begert und gebetten haben, 
demselben abzusteen, nicht newerung mer zu . machen noch zu 
gestatten, sonder dem Cristenlichen glaben anhengig, aaoh kay. 
Mt. in jren mandaten, wie jre vereitern gehorsam sein. Daim wo 
das nicht bescheen, wurde kay. Mt. zu vngnaden gegen in verur- 
sacht, vnd wie sie sich im glaben auch zu dem gehorsam halten, 
also werden die Comissarj gegen kay. Mt. furderer sein vnd mit 
mer andern wortten. 

Auff sollich anbringen namen der stett potschafft^ ain dein 
Bedencken vnd gaben nachmals durch Hr. Jaeob Sturm von Stras- 
burg vngeuerlieh soUioh maynung zu antwurt, doch anfengküdi 
mit dem tittel vnd der reuerenz, wie sich geburt. Die gesannten 



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$29 

der Brbern Siett hetieii die Mubringimg vnderittnigst yernomen vnd 
▼ennaniien änderst nicht gehandelt zuhaben, dann was in jr gewissen 
im baüigen glaben dnreh die Ler vnd predig des hailigen evange- 
linm aanersteen geben hett. Sy weren auch nicht genaigt, damit 
aoffror oder empemng somaohen, sonder vil lieber die abzustellen, 
vnd kaj. Mt. ni^ianinder dann wie jre yoreltem gehorsam zu sein. 
Aber jr yndertenigst bitt ynd aaraffen were, das zum förderlichsten 
ain OMisiliam gehalten vnd diso sack der misbranch im glauben 
geörttert ynd ain ainhellige yeratentnns gegeben wurde. 

Darauff liess der konig die Stett aostretten ynd nachmals gar 
bald widemmb hinein, ynd jnen durch hieoorgenannten Hertzog 
Friedriehen un sollieh maynung anzaigen, ke. Mt. auch die 
Comissarien betten diso gegeben antwurt gehört^ ynd darin jr 
erbietten yernomen, das sy sich wie jre yoreltem halten wölten. 
Das neme ke. Mt. in gnaden an ynd wolt darauff gebetten haben, 
das sy die yon Stetten helffon furdem, damit diser Beichstag nicht 
yerhindert, sonder die artickl in der Instruction zum furderliohesten 
ge5rttert werden. Das wolte sich sein ke. Mt. gegen kay. Mt. 
berömen ynd für sich selbst in gnaden erkennen. 

Es hat auch ke. Mt. mttntlich die Stett ermant ynd 
gebetten, yleis furzuwenden, ynd die sache nicht yerhindem, damit 
sein Mt. doster forderlich yon diesem Beichstag abgefertigt werde. 

Damit sein die Stett potschafften abgeschiden. 

A. «. O. MaiB. 17. 



20. Widemann an Nördlingen. 

Speier, 15. April 1529. 

.... Als bald Anthonj Ferner alhie komen ynd d^rmassen also 
ymbgeloffen ist, hab ich an die kay. regiemng durch Dootor froschn 
ain suplication Inhalt hiebey liegend copj stellen ynd die selbig 
snpKcation durch Hr. Sebastian Schilling in die Regierung ant- 
wurten lassen. 

Nachmals yber ettlich tag bin ich zu gemeltem Hm Sebastian 
Schilling gangen, dem des Fomers ymblaffen angezaigt ynnd dabey 
befragt, wie die Sachen steen ynd ob die suplication yerlesen wor- 
den sey. Darauff er mir geantwurt, man hab sy zw der Handlung 
gelegt, ynd auch dabey bis in das dritt mal gesi^ ich solle yon 
ains Erbara Bats wegen on allen zweiuel sein. Ferner werd 
nicht erlangen, ynd werde yber iren yoraussgangen Beuelch on 
erinnert der Begierong nicht aussgeen lassen. 



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330 



Nan ist mir aber durch Hm Bern Besserer Brmeisfc xa vlm 
ein supplication , die Fomer in den aisssschQSS geaatwnrt hat, be- 
hendigt, derselben ooppeien ieh hiemit znschieke, vnd hab nicht 
desto minder bis aaff e. f. e. w. femern Besohaid Doctor frosehn ein 
snplication stellen vnd die mit vorwissen wnd berathslagong dero 
Ton Nürnberg einlegen zu lassen willens bin. Das dann yetzo ge- 
scheen ist. Dersselbigen snpplicacion ich auch ein coppj hiemit 
znschick. Es sehe anch die Ton nttmberg für gut an, das mein 
Herr Bürgermeister Anthony ¥on weerd, oder der 9tatsohreiber, die 
dann der Sachen am meisten wissen trügen, alhie were. 

So ist auch meiner person halb an e. & e. w. mein sonder 
pitt, herrab zu uerordnen vnd mit mir abzuwechseln. Dann die 
Lufft will mir nicht allzeit nach pasirin (?) geziemen, damit auch 
meinthalb aim Erbr. Bat vnd gemeiner 'Stat nicht versaumbt oder 
yerschit werd. Dann man wirt yetzo zu der Bewilligung auch 
beschwerdten articklen greifen. Was dann e. e. w. beswert zu sein 
yermaint, mug sy diss halb supplication herab schicken, oder dem 
gesanten beuelh thon« Ich hab auch die von Nümberg gepetten 
meine herrn in der beschwerung günstlichen helffen zu bedenckea. 
Das vnd alles gutten sy sich erbotten, vnd bisshero mit den 
Werken gegen mir gezaigt haben. 

Es sähe mich auch für not vnd nutzpar an, das die zwei 
copeien der Suplicacion, so verschinens reichstags von des fomers vnd 
mang bosens wegen auch eingelegt, und e. e. f. w. durch den alten 
Herrn Bötting vnd mich zugeschickt worden sein, widerumb herab- 
kamen, ob fomer des in vergessen oder Leignen stellen wolt, das 
sy bey der Hand weren. Dann die selbig des fomers vnd yeis 
suplicacion sind ainannd vngleich. 

Herr Bemhart Bomgartter ist nachmals bey mir inn meiner 
Herberg gewesen vnd mir ain andere maynung angezaigt vnd 
nemlieh das es sy nicht far gut ansich, das mein h^r Burger- 
maister weerder, inn des forners Handlung hieher geschickt, sonder 
anhaim gelassen, damit ain ands durch den fomer verbietet, doch 
das nichstdestminder sonst ain ander meiner Herren ainer, oder der 
Statschreiber zum furderlichsten hieher verordnet werd, mit beuelh 
auff die hiemit geschickten artickel vnd hernach geschriben anzaig- 
ung endtlich Bewilligung oder abslagung zuthun. 

Gunstig gebietiend Lieb Herren, es geet gantz selzam zu, 
gott verleihe sein gottlich gnad, dan man vnndersteet sich die Stett 
von ainander zu tringen, wie dann bescbeen ist, vnd e. L e. w. ab 
allen eingeligten schrifften zedeln wol zu uememen haben. Daromb 



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881 



Ton nötten sein wirt, e. f. w. wöll die wol ynd b^rattenlicb be- 
denoken, wöllidiem tsil sy dsn zufall ton vnd anhenngig sein 
w5ll. Denn alle Stet, so noch allhie sein beschickt vnd ir entlich 
maynung darinn abgenomen worden, welche den puncto des glabens 
angenomen, die sind besonder, vnd die damit beschwerdt, auch be- 
sonder yerzaiehnet worden. Ich kan es aber annderst nicht ver- 
steen noch yerdeutechen, dann wölche Stat dem Bö. kayr, od&c dem 
Churfursten von Sachssen, Landgrafen ¥on Hessen vnd den andern 
fursten Inhalt hiebey ligends Zedels anh^gig vnd gehorsam sein 
wöll. Gott verleih vns allen sein gnad. Ich bin aber noch nicht 
beschickt worden, hab mich des auff mein krankhait vnd auch an 
e. f. w. gelangen zu lassen durch doctor Jobsten bey dem mentsischen 
Cantzler entschuldigt, dergleichen durch die von Nümb^g bej den 
Erbem frey vnd Beichstettmi auch bescheen ist« Zu disem mal 
wais ich nicht mer zu schreiben, dann das durch die stennd die 
vnder Haltung Regimente vnd Gamergerichts noch zway Jar aufif 
halben tail bewilligt ist, aber durch die stett noch nit darin be- 
willigt, bis ettlich boschwerd des glabens laut der suplicacion ab- 
getun vnd von Stetten aoch an das Gamergerioht geordnet worden, 
aber der eyllenden vnd verharrlichen Durgkenhilf halb stet man 
in Handlung. Was gehandelt, wirt e. f. w. durch mich vnuerfaalten 
bleiben. 

Günstig Lieb Herrn. Doctor Philips hat mir vom mentzischen 
Cantzler wider antwurt gebracht. Der hat gesagt, der Reichstag 
sey aussgescbriben, das ain yede stat durch ir botschafft mit genüg- 
samem gewalt on hindersich bringen erscheinen soll, vnd wölche 
stat nicht werde entlich antwurt geben, die wtkrde für vngehorsam 
eingeschriben , vnd wiewol er Doctor die von Nördlingen gegen 
Cantzler der mess halben hoch entschuldigt, hab im doch cantzler 
zu antwurt geben, als sy von augspurg ab dem Bundstag gefam 
sein, haben sy ain pfaffen wollen bestellen, mess zu lesen in der 
kirche. Der hab in zu antwurt geben, er bedarff es nit thon, er 
müsse vor erlaptnus vom prediger oder pfarer haben, wollen sy aber, 
so wöll er inen mess in der Stuben lesen, haben sy im zu antwurt 
geben, wöll in der kirche nicht lesen, so bedarff er in der stuben 
auch nifc lesen, vnd seyen also on ain mess von Nördling gefaren, 
darauff hab ich ein Bath hoch entschuldigt. 

Ye länger man Rafch holt, ye Irrigers fürfölt. Deshalben böss 
zu schreiben ist, vnd stet die sach auff dem, so die Stett ainhellig 
volg tätten, was der merer tail der Garfarsten, fursten vnd ander 
stend beslossen, hette der reichstag bald ain end. 



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382 

Es haben mir anch ettlioh Ton Stetten* 00 zn mir ganngea 
sein gesagt, er werde sieh in 3 oder 4 tagen enden. Doch waisst 
niemand was mittler Zeit fiirfölt. Danunb so mag e. f. w. yemand 
mer alher verordnen, oder mir ton oder lassens genügsamen beuelh 
snschicken, gegen wölhem tail ich mich ai^ieng^ machen, oder was 
idi, so ich beschickt werd, zu antwnrt geben soll, vnd das solchs 
znm fnrderiichsten besobee. Dann ich will des potten alhie erwartten, 
ynd mittler Zeit meins yermagens allen vleis forwendsn. 

Vnd so e. f. e. w. Ton vnnötten ansehen wirdet, auff xweif^ch 
verkarrnng des Beichs tags yemand herabKuschicken , so ist mein 
begem, dienstlich pittend, mir noch ain knecht zoschickeii mich 
hinanff zu beleitten. 

Doctor Philips ist seid wideromb bey mir gewesen vnd mir 
angezaigt, er wOll den cansler wol anffhalten, bis mir von e. w. 
antwnrt znkompt, doch das solichs znm fnrderiichsten beschee. 

Der Bapst hat sein Bottschafft vor gemainer aller stennd ver- 
samlnng gehapt, der hat nach ndgennde vier artickel beworben. 

1. Das sein Hailigkait des erbiettens sey, wider den feind 
Cristj den Dirgken, mit Leib vnd gut Hilf zuthun. 

2. Zwischen kay. Mt. vnd dem knnig von Frankreich wöll sein 
Hailigkait selbe in aigner person reytton, vnd helffen ain ver- 
ainigung machen. 

3. Das der Cristenlich glab, wie von idter her, bis auff ain 
concilium gehalten werd. 

4. Wo dann kay. Mt. auch Curfursteo fursten vnd stend des 
Rmchs ain consiliams begeren, wolle sein Hailigkeit ain general 
Goncil halten lassen. 

E. f. E. W. gehorsamer Borger 

Jacob Widemann. 
Ich geb den Botten vor die meyl j Batzen. Daranff hab ich 
im 1 fl. bezalt. Das vbrig will ich im zu seiner anknnfft bezalen. 
Ich han kain eylenden Botten bekomen mögen. 

A. a. O. Nam. 15. 



21. Widemann an Hördlingen. 

Speier, 16. Aprü 15S9. 

... E. f. w. hab ich auff gestern ain aigen potten mit ett- 

liehen schriffben zugeschickt der Hoffnung, es sey e. f. w. nunmer 

zukomen. Desshalben ich diser Zeit e. t w. ferrers nicht grüngt- 

lichs kainer Handlung kann zuschreiben. Dann allein wie hernach 



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888 

Voigt Tnd gott hab lob, das des fomers ynd mein eingelegte Sn;^ 
lication durch meine Herren des aaaschnss darüber verordnet, in 
die kaj. Regierung vbergeben worden. Ynd derselben darin zu 
handeln beuolhen sein. 

Es ist gestert vnd heut kain Baichs Rath gehalten, sonnder 
allein die vom Reichs ausschuss sind stättigs in Hanndlungen bey- 
ainannder, dergleichen auch die Commissarien beyainannder, vnd ist 
die sag vnder vns Stetten, sy traotiren oder begreiffen ain abschid 
vnd werd darnach in gemeiner Verhandlung verlesen, vnd darbey 
angezaigt werden, dess haben sich der merer tail Curfursten, For- 
sten vnd stend entslossen, vnd lassen Inen das also wol gefalleu etc. 
Damit wird sich enden. Aber die Stett werden in nichten be- 
willigen, bis sy in iren beschwerden des glawben vnd andern not- 
turfiligklich verhört, vnd derselben zum tail entledigt werden. 
Sollichs hab ich e. f. w. in eyl nicht wollen verhalten. . . . 

A. ». O. Mum. 9. 



22. Der Batli von NSrdlingen an Widemann und Mair. 

Ndrdlingen, 19. April 1529. 

In dieser Zuschrift an seine Gesandten billigt der Rath zu- 
nftchst deren bisheriges Verhalten in der Streitsache der Stadt mit 
Fomer. Der Rath hat, da sie aus ErfSahrung wissen, dass Fomer, 
„auch mit allem vngrund, seltzam vnd bös list sudit^, die in' 
Speier eingereichten Supplication^i etc. in dieser Sache an Dr. 
Johann Rechlinger nach Augsburg geschickt und dessen Gutachten 
erbeten. Wenn die Sache so lange verschoben wwden kann, so 
sollen die Gesandten weitere Schritte in der Sache nicht thun, bis 
sie dies Gutachten empfangen haben. Werden sie aber gedrängt, 
so wird ihnen nochmals Vollmacht ertheilt, mit Beirath des Dr. 
Frosch in Speier in dieser Sache ganz nach ihrem Ermessen zu 
verfahren. 

Die auf den Glauben sich beziehende Stelle (vergl. oben 
S. 263, Anm.) lautet, wie folgt: 

Femer, Lieben AHerBurgermaister vnd Statschreiber, von wegen 
der gestelten articuln, den heiligen christlichen glauben betreffend, das 
nit allein leib, eher vnd gut, sonder zum maisten die seel vnd das 
gewissen beruert, vnd wol zu bedenken ist, das alles wir, mitsampt 
den beygelegten Zetteln, der verzaichneten Stend des Reiches, die 
das zugesagt, abgeschlagen oder bedacht genommen, von ainem zum 
andern, was vns vnd ^emainer Stat von vnser burgerschafft vnd 



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8^4 

andern daranss eruollgen möchte, vnd zoaor das sollicba die Oöilich 
warhait vnd der grond ist, mit gatem fleyss bewegen vnd berat- 
schlagt, vnd also darauf mit ainem guten merern vns entschlossen 
haben, das wir im namen des AUmechtigen Nttrmberg vnd Vlm 
vnd den andern auf irer Seiten, in dem zugeschickten Zettnl ver- 
zaichnet, doch nit allain irer personen oder wesens halben, sonder 
znuorderst Got vnd der vnabtreiblichen warhait zu gut, anhangen 
vnd nachuolgen, auch vnser leib vnd gtleter nit sparen, vnd also 
besehen wollen, wann vnd wo die sach Ir endschafft gewinnen. 
Oott verleihe sein göttliche gnad darzu, damit es zu dem besten 
gewendt werde. Darumb so mttgent sollich articul von vnsertwegen 
auch abschlagen, vnd darauf bei den gesanndten beder Stet, Naerm- 
berg vnd Ylm, so ir vermerkend, das sy diser vnser abschlagung wissen 
entpfanngen hotten, euch gleich als Dir sich selbs bey inen erkündigen 
vnd erfaren, was willens vnd gemuets sy sein möchten, so es sich zu- 
trueg, dass sy, wir, oder yemand ander, derhalben mit gwallt vberzogen 
oder sonst belestigt würden, das Got verhüete, wie sy sich dagegen 
halten wollen, vnd ob sy sich desshalben bieuor mitainander vnderredt 
vnd beschlossen beten, damit Ir vnns dess zuberichten wissen. 

Vnd dieweil auch Ir Burgerm aister in Ewerm schreiben an- 
regen, das man bald zu den beschwerden articuln greiffen werde, 
wes wir dann beschwert zu sein vermainten, euch desshalben ain 
Suplication zuzuschicken, oder dem gesanndten beuelch zu geben, 
haben wir vns weitter entschlossen, das Ir euch allain, oder mit 
etlichen sondern Steten, dem mindern tail, der beschwerung zu 
beclagen nit einlassen sollen. So aber die Erbem Frey vnd Reichs 
Stet In gemain, oder zum merern tail derselben, Suplicieren wür- 
den, mit denen sollent vnd mugent ir wol anhangen, vnd vnser 
bescbwerd anzaigen. Wie Ir dann in disen vnd allen andern 
Sachen Euch wol zu halten wissen. . . . 

Geben den Neunzehenden tag Apprilis Anno 29. 

Bargermeister vnd Bath zu Nördlingen. 

A. a. O. Num. 8. 



23. Widemann an NSrdlingen. 

8peier, 20. AprU 1529. 
... E. f. e. w. schreiben hab ich mitsampt eingeslossner 
suplicacion vnd Zedeln empfanngen durch den wimboldt, e. f . ge- 
schwom potten, am sambstag zu mittertagzeit neohstverschinen.^) 

1) Alflo un 17. April. Diese Znsclirift des Batbee von Nördlingen scheint nioht 
mehr TorhADden in sein. 



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386 

Dieielbig«n alle gtlMen, ynd iren Inhalt vernomeQ, vnd wiewol ich 
hienor in die kay. Regierong ain snplicacion Inii meim namen ein- 
geben, habe ich doch nichtzdeetminder e. t w. zugeechickte supli- 
cacion auch eingeben lassen. Darauff ich dann gnediger vnd gatter 
antwnrt warttend bin, darnach ich mit allem vleis solicitiren will. 

Des Forners halben, hab ich e. f. w. mehrnmals bey Enndrissen 
Herrnschmid vnderricht vnd anzaignng getbon, dann allein dess 
nicht. Als ferner vnd ich am aller ersten ainander begegnet sein, 
vnd ainander ersehen haben, sein wir baid gegen vnd abeinander 
errQttet worden, doch kainer mit dem andern geredt, dann allein 
das ferner sein Barret gegen mir abzoch, vnd schanckt mir ain 
biokling oder kniebiegen, vnd sprach, Befehl ain gutten morgen, vnd 
gieng damit also für, vnd mit Im der EyseUn wiltmaister zn Crewlss- 
haim. Sonnst sich ich in vil in der Statt wider vnd fürlanffen, 
wie dann sein sidt vnd gewonhait ist» 

Es sein yetzo am sonntag Doctor Lerchenfelder vnd der Ba- 
fahel mit ainander spaciren geritten. Ist inen der ferner begegnet, 
vnd mit im ganngen die Stasel, des heinrich ostermairs weib, Hipsch 
vnd wol heranss gebntzt in ain schönnen mantel. Do hat ferner 
wider sich selbs vnd doch mit lantter stim gesagt, do gee ich mit 
meinen Landsslewten, vnd scheme mich des nicht. Thaet Ir, was 
Ir wölt. Ist also damit fttrgangen. Ich sehe In aber mit niemand 
sondern oder dapffem personen gemainschafft halten, dann mit dem 
kösinger, dem ist er gar wol benolhen 

Mit Doctor froschen hab ich laut e. f. w. eingelegte benelh 
zedels, als fnr mich selbs gehandelt, aber noch bissher nicht be- 
slossen, was mir aber von ime in antwnrt begegnet, will ich e. f. w. 
in schritten, oder durch mich selbs berichten. 

Des Reichs ausschuss handlet von wegen der monnpolia, auch 
der mintz vnd halssgericht halb. Aber die Fugker lassen Irem 
nntz, der monipolien halb, stark solicitiren, mit vbergebnng oder 
zeignng kay. Mt. freyhaitten. 

Der Statschreiber ist anff gestern Montags zn abend zn mir 
gen Speir ankomen. Wir baid wollend den Wnmboldt ain tag 
oder zwen bey vns alhie behalten, ob etwas nöttigs fdrfiel, das wir 
es bei im e. f. w. zaschicken möchten. . • . 

Dat affbermontags nach Jnbilate den 20 tag apprilis ao 29. 

Doctor Philips sailer hat mir glanblich angesagt, wie ko. 
Mt. zn Hnngem vnd Beham nach seim gnedigsten Herren von 
Mentz geschickt, vnd im angezaigt hab, das Bo. kay. Mt. starck 
mit grossen flawffen Volck, anch pferdt, vnd bis in dreissig mal 



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336 

hundert thawsennt Dncaten Tber mer ankörnen, vnd in Ttalien 
zeziehen willens sey. Es haben anch die Hispanier des kaysers 
Sun zu iren knnig gekrönet, auch im als aim knnig gelopt vnd 
geschworen, darob dann kaj. Mt. obgemelt gross frewd hat. 

Doctor Philips hat mir auch weitter angezeigt, das im der 
Menzisph Cantzler gesagt hab, die von Nördlingen haben ain Dafel 
mit aim Omcifix von aim altar genomen vnd ain ander Dafel auff 
die Jüdisch art oder gewonhait daranff gesetzt. 

A.. a. O. Nnm. 10. 



24. Hair an NSrdlingen. 

Speier, 20. April 1529. 

.... Ich fag E. f. E. w. zumssen, das ich aof nechten vmb 
vier haits zu Speier ankörnen bin. Vnd Got hab lob mein herren 
Burgermaister ziemlich gesund befanden, wiewol er hieuor vast 
schwach gewesen. Desshalben ine die artzt nit aussgeen lassen 
wollen. So versieh ich mich, das wir nit lang mer allhie ver- 
harren möchten. Doch will ich auf hewt im Sterken vnd sonst 
weiter erfarung thon aller nottarfft vnd soUichs nachmals £. f. E. w. 
beim Wumbold zum furderlichsten zuschreiben. Auch guten vleys 
furwenden, damit ich den Burgermaister wideman aufrichtig mit 
mir wider haimpring .... 

G^ben den zwainzigsten tag Aprilis Anno 29. 

A. ». O. Mmn. 18. 



25. Widemann and Mair an Nördlingen. 

Speier, 25. April 1529. 

.... Sich haben die Sachen diss gegenwurtigen Reichstags 
abschid dermassen in disen tagen teglichen zugetragen, das wir für 
vnd für verhoffb, E. f. E. w. bej disem iren potten seltzame newe 
zeitong zuzuschicken, vnd darauff denselben also im pesten bey vns 
behalten. Dann wir bissher nit wissen mugen, wie lang es sich 
verziecben oder die handlungen ir endtschafft erraichen mugen. 
Aber wie dem hat man auf gestern den Reichstag geendet vnd den 
abschid besigelt. Doch sein E. f. E. w. auf iren vns gegeben benelch 
nit darinn, sondern bey den vngehorsamoi in höchsten vngnaden 
kay. Mt. Char- vnd fursten, wie das E. f. E. w. so vns dar all- 



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mecbtig mit frewdcn znm furderlicbsten baimhilfft, in unser Rela- 
tion weitter yememen werden. Got wöll das es wol gerat, wann 
die sach darff vil glucks . . . 

Geben den fnnfundzwaintzigsten tag Aprilis auf Soutag Can- 
tate. Anno 29. 

A. ft. O. Num. 16. 



IV. 

Aus dem kgl. bair. geheimen Staats- 
archive zu München.') 



26. Kaiser Karl Y. an Earffirst Ludwig von der Pfalz. 

Burgos, 3. Febr. 1529. 
.... Wir baben den Erwirdigen vnd Edlen , vnsem lieben 
Andecbtigen Baltbasarn von waltkircb, Coadiutom des Stiflfts Cost- 
nitz vnd Postulirten zu Hildessbaim , vnscm Vitzcantzler , Oratorn 
vud Commissarien etlicber Ebafften obligen vnd notsacben balben, 
daran vnser person, dem bailigen Reicbe vnd der gantzen Cbristen- 
bait gantz bocblicben gelegen ist, biedan von vnserm kay. Hofe 
auss Hispanien zu deiner liebd vnd andern vnsern vnd des Reicbs 
loblicben Stenden abgefertigt, vnd Ime beuolben, dir dieselben 
Ebafften vnd notsacben, samt etlicben vnsem maynungen daneben, 
von vnser wegen muntlicb oder scbriftlicb anzuzeigen , wie deine 
liebd von Ime vememen werdet, vnd begoren demnacb an dicb mit 
besonderem gnedigem fleis vnd ernst, du wellest demselben vnserm 
oratorn vnd commissarien in solcbem seinem anbringen, nacb laut 
vnsers Gewaltbrieffs , den wir Ime desbalb zugestelt baben, gleicb 
vns selbs gentzlicben glauben, dicb aucb darauff so gutwillig er- 
zaigen, als des zu dir vnser entlicbe Zuversiebt stebet. Daran be- 
weisst vns deine liebd so bocb als die dieser zeit tbun mag, 
besondem dinst vnd gefallen. Vnd den wir aucb gegen dir vnd 
den deinen mit besonderen gnaden vnd zu allem gaten zu er- 

1) Ana dem reichen Inhalte dleeee Archives, aus welchem unter anderem die 
oben 8. 14 f. 19, 23. 29 tt. 43 ff. 67 f. 63. 131 bU 128, 136 ff. 177. 192 f. 286 f. gegebenen 
i>anrtellangen groMenthella geeohöpft sind, theilen wir hier, um die Zahl der Beilagen 
nicht alUuaehr zu Termehren, nur zwei Schreiben des Kaisers an Kurfürst Ludwig mit 
VergL oben 8. 16 f. 

22 



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388 

khennen nymmermehr vergessen wollen. Geben In vnser Stat 
Burgos in castilien am dritten tag Febmarij Anno d. im 29ten, vnsers 
Kelchs des Komischen im Neundten. 

Eigenhändig beigefügt ist: Thnt auf diss mal bey mir das 
best, das wol Ich bey Euch auch thun. p mu. 
Carol. 

Ad mandatam Caesaree & Catholice M*'* proprium. 
Alexander Schweiss. 

Originftl in den karpfälzischen Akten, Oorrespondenz den Kurfürsten Lndwig. 



27. Kaiser Karl Y. an Eurffirst Ludwig. 

Toledo, 14. Febr. 1529. 

Karl von gots gnaden Erweiter Komischer Kaiser zu allentzeiten 
Merer des Keichs etc. 
Hochgobomer lieber Ohem vnd Churfürst. Vns hadt der Er- 
wirdig vnser Fürst Kath vnd lieber Andcchtiger Balthasar Bischof 
zu Malten, Postulierter zu Hildesshaym vnd Coadiutor zu Gostnitz, 
vnser Vitzcantzler vnd Oratorgeneral im hailigen Keiche, bericht, 
deiner liebd guten willens vnd vnderthenigen erbietens, so er auf 
seine Werbung bei dir fonden bab, das wir mit sonderm wol- 
gefallen vernommen haben , dir des auch gnedigen danck wissen 
vnd sagen, Mit vlois an deine liebd begerond, die well ye in alle 
wege darob sein vnd furdem vnd helffcn, damit solche deiner lieb 
erbieten , auch genants vnsers Vitzcantzlers vnd Orators Werbung 
statlich naher gee, wie wir dan des die gantze zuuersicht nit an- 
ders, zu dir haben, vnd das wir auch gegen deiner lieb mit gnaden 
zu erkennen vnd freundlichen zu beschulden nit vergessen wollen. 
Geben in vnser Stadt Tholeten am 14ten Februarij Anno etc. im 
29ten, Vnser Reiche des Komischen im Neundten vnd der andern 
im 14ten. 

Carol. 
Waltkirch Ad mandatum Caesaree & Catholice M*'» proprium, 

mp. Alexander Schweiss. 

Original an demselben^rte. 



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839 
V. 

Aus dem kgl. bair. Kreisarchive zu 
Würz bürg. 

28. ESBig Ferdinand an Bischof Conrad von Wfirzbnrg.^) 

Innsbrndi, 13. Jan. 1529. 

In diesem Schreiben theilt König Ferdinand dem Bischöfe 
mit, dass er den Reichstag in eigener Person besuchen wolle, und 
bittet den Bischof, ebenfalls persönlich und rechtzeitig in Speier zu 
erscheinen. Wir geben aus dem Schreiben folgende Stellen im Wortlaute : 

. . . vnd wiewol wir für gewiss halten , Ewr freundtschafft 
werde im bodencken der obligenden not, gedachter kay. Mt zu 
vnderthenigem gehorsam , vnd zu fUrderung der hochwichtigen 
grossen Sachen, die auf solchem Reychstage fürgenomen vnd ge- 
handelt werden sollen, solchen Reychstage aygner person besuchen, 
vnd nit aussenpleiben, ... So haben wir doch ewer freundschaflPb 
neben dem nit verhalten wollen, das wir vns nit one kleyne be- 
schwerdt der Stende vnd vndterthanen vnser Königreich, Pursten- 
thumb vnd lande vnd fürnemlich der, den der Tyrannisch turck an 
der band ist, von denselben vnsern konigreichen vnd landen ge- 
tban, vnd seyen ytzo . . . des entlichen Fürnemens, den ernenten 
Reychstag . . . aygner person zu besuchen , . . . Vnd dieweil dann 
die leufiFt dieser Zeit, wie euer freundtschafft wissen, seltzam, ge- 
uerlich, geschwindt vnd also gestalt sein, das die Zeyt nit leyden 
will, das sich die heupter vnd Obern lange Zeit von iren Landen 
. . . enthalten, vnd doch euer freuntschafft personlich gegenwertig- 
keit gemainer Christenheit vnd des hoyligen Reychs Sachen treff- 
lich furdern mögen, so ist vnser freuntlich ansinnen vnd begeren, 
ewer freuntschafft wolle . . . auf gemeltem Reychstage aigner person 
zeitlich erscheinen , mit irem anziehen keynen Verzug geprauchen 
oder waygerung auff ander Fürsten vnd Stende nemen, damit fur- 
derlich vnd schleunig gehandelt vnd solchem reychstage ein gut 
ende gemacht werden möge, vnd vberiger vnkosten vnntttz vnd 
vergebenlich nit verzert werde, vnd ein yeder stand sich dester eher 

wiederumb anheym thun möge 

unterzeichnet sind: Ferdinand, B. Epscos Trid. cancellarius 
und Ferenberg. 

BiflchöiL Würzborger KeichstagHakteii Band 13 nach einer gleichseitigen Oopie. 
1 ) Vergl. oben 8. 43 f und 70. 

22* 



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340 

Die oben S. 70 erwähnte Binladang der Herzoge von Baiem 
ist aus München 4. Febraar 1529 datirt und enthält folgende be- 
merkenswerthe Stelle: „Ewer lieb tragen wissen, das die kejser- 
lich Mt . . . etlicher wichtiger Sachen halb, . . . darundter bej vns 
das furtreflflicbst stuck vnser heiliger Christenlicher glaub vnd 
Religion geachtet wirdet, vnd nichts anders begeren, dann das mit 
verleyhung gotlicher gnaden die eingeriaeeii Irthumben vnd zway- 
ungen abgewendet, vnd der war Christenlichen glaub vnd ainig- 
kheit der Christenlichen kirchen erhalten wurde." Im weiteren 
Verlaufe des Schreibens theilen sie mit, dass sie selbst den Beichs- 
tag besuchen wollen, und ersuchen den Bischof, auch persönlich 
zu erscheinen. Eine Nachschrift bemerkt: „Wo auch e. 1. vnser 
mitgeferdt vnd weggesell seyn wollen, wir dieselben gantz gern 
haben vnd allen freuntlichcn willen vnd geselscbafft leisten.'^ 



In seiner Antwort auf letzteres Schreiben, d. d. Würzburg 
12. Februar (Freitags nach Cinerum) 1529, erklärt der Bischof, 
nicht in Speier erscheinen zu können, da er jetzt seine Lande 
nicht verlassen könne, weil „vil vnser aussgetretten vnterthene vnd 
andere landstreychende böse Buben, sich ytzundt hin vnd wider 
haymlich in vnserm Stiflft vndterschlaiflfen, vnd den gemainen Mann 
durch die Ketzerische vnd vnchristliche widertauf, vnd lesterlich 
vernaynung des heyligen Hochwirdigen Sacraments des leychnams 
vnd pluts Cristi, vnsers herren vnd seligmachers, mit aller prac- 
ticken zu newer auffrur vnd emporung . . . ernstlich vndterfangen.* 

A. a. O. nach gleichzeitiger Oopie. 



29. Instraction des Bischofs von Wfirabarg für seine nach 
Speier abgeordneten Säthe. ') 

Würzhurg, 19. Febr. 1529. 

Da aus dem die Glaubensfrage betreffenden Theile dieser 
Instruction oben S. 133 bis 136 ein Auszug gegeben wurde, so 
beschränken wir uns hier auf einen Auszug aus dem ersten Theile 
derselben, welcher sich auf die TürkenhUlfe bezieht. 

In dieser Beziehung scheint dem Bischöfe der ihm zugesandte 
Vorschlag des Regiments „mit besonderm guten vleis vnd ganta 
getrewer guter maynung gemacht" zu sein. Insonderheit sei es 
wol bedacht, dass man vor Allem dahin wirken müsse, die jetzt 

1) Vergl. o^n 8. 71, U4, 138 ff. and 161. 



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841 



zwischen den Häuptern der Christenheit schwebenden Irmngen bei* 
zulegen, und einen allgemeinen Frieden oder wenigstens „anstandt** 
der Christenheit zu Stande zu bringen. Denn in keiner Nation 
Vermögen stehe es, mit ihrer alleinigen Kraft etwas Fruchtbares 
gegen die Türken auszurichten. Desshalb könne „der statlichen 
vnd beharrlichen hilff halben wider den tttrcken" auf diesem Reichs- 
tage schwerlich etwas „ausstreglichs oder yerfenglichs" gehandelt 
werden, und es sei das Nöthigste, nochmals an Kaiser und Pabst 
die Bitte zu richten, bey den christlichen Häuptern und Potentaten 
anzahalten, dass von allen christlichen Königreichen und Landen 
an eine gelegene Malstatt zusammen geschickt und dort darüber 
berathen und beschlossen werde, wie vil jedes, einzelne Reich und 
Land nach bestem Vermögen dazu beitragen könne, „damit eyn 
gemainer gewaltiger Zug fUrgenomen, auch mit dem ernst wider 
den türcken gehandelt werde, das hinfür das heylig Reich vnd 
gemaine Christenhait seins vberfalls ynd Beschedigung vbrig vnd 
entladen sein möge." 

Doch solle man gewisse Kundschaft zu erfahren suchen, ob 
der Türke jetzt schon im Anzüge gegen das deutsche Reich wäre, 
und alsdann nicht auf fremden Zuzug warten, sondern selbst so 
vil immer möglich, retten und zwar in nachfolgender Weise: 

Da der Anschlag der einzelnen Reichsstände vor vielen Jahren 
bestimmt wurde und sich seitdem die Verhältnisse Vieler geändert 
haben, so solle endlich auf diesem Reichstag den mancherlei Be- 
schwerden durch Vergleich abgeholfen werden. 

Jeder Stand solle sich dann bereit machen, seine Gebühr un- 
verzQglich, sobald es durch die hiezu Verordneten kündlich ange- 
zeigt wird, an den rechten Ort zu senden. Wer solche Hilfe an 
„Volck zu Ross vnd fuss" nicht zu stellen im Stande sei, dem solle 
es auch gestattet sein, die Hülfe an Geld zu leisten. 

Denn es sei nicht thunlich, die Stände allenthalben mit einer 
Hülfe an Geld zu belegen, da durch die stattgehabten Empörungen 
die Unterthanen an vielen Orten hoch beschädigt worden und an 
Baarschaft ganz entblöst seien. Sonderlich sei das im Bisthum 
Würzburg der Fall, wo der Aufruhr besonders heftig gewesen sei 
und die Unterthanen durch eine weitere Auflage nur mit Weib und 
Kind verjagt und zu neuem Aufruhr getrieben werden könnten. 
Man solle sich weiter vergleichen, wie solche Stände zu strafen 
seien, welche ihre Auflage zu geben verweigerten. 

Wenn die Auflage in Geld geschähe, so möchte bei dem ge- 
meinen Manne leicht Argwohn entstehen; dem werde vorgebeugt, 



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842 

„SO man solchen Anschlag der hilf vf volck stelt/' Dem Einwände, 
in diesem Falle werde man zu spät erscheinen, solle dadurch vor- 
gebeugt werden, dass man Zeit und Ort, wo die Hülfe unausbleib- 
lich zu erscheinen habe, genau bestimme. 

Die angrenzenden Stände sollten sich zur Gegenwehr bereit 
machen, die Pässe befestigen und die Türken in ihrem Zage auf- 
halten, bis die anderen Stände ihnen zu Hülfe kommen. 

Die Räthe sollen überhaupt dahin wirken, dass man die Hülfe 
an Volk schicke oder es wenigstens in des Standes Willen stelle, Volk 
oder Geld zu schicken, „vnd doch keyner andern gestalt, dann wan 
der türck vnss zuuberziehen vff den peinen were und daher zuge." 

Bezüglich der übrigen Punkte enthält die Instruction nichts 
von grösserer Bedeutung. 

Den Gesandten wurden Schreiben des Bischofs an die kaiser- 
lichen Commissarien, d. d. Würzburg 16. Februar, und ausserdem 
an König Ferdinand, Probst Waldkirch, den Bischof von Trient 
und Dr. Faber mitgegeben, in denen Bischof Conrad sein Nichter- 
scheinen mit den in suiner Zuschrift an die Herzoge Ton Baiem 
angeführten Gründen entschuldigt. Copien dieser fintschuldigongs- 
schreiben enthält das Würzburger Archiv. 

A. a. O. naob gleichseitigen Abschriften. 



30. Die Würzburger Säthe an Bischof Conrad. 

8peier, 5. Mftn 1529. 
.... Gestern dhonerstag vmb drey hören nach Mittag ist 
Königlich Maiestat zu Hungern vnd Beheim vnser gnedigster herr, 
sampt vnserm gnedigen ijerren dem Bischoue zu Trient vnd hem 
Jergen Truchsessen Stathaltem in Wirtemberg, auch anderm ge- 
wonlichen hoffgesindt, vngeuorlich mit dreyhundert pferdcn alhie 
zu Speyr eingeritten. Derwegen wir vns heut Freitag zu firue in 
seyner kö. Mt. herberg verfugt, vns seyner Mt ansagen lassen, vnd 
als seyn Mt. vns alspalden audientz geben, haben wir seyner Mt. 
e. f. g. gantz willigen vnd gefliessen dhienst, vnd wo es seyner 
Mt. glücklich vnd wol zustünde, das e. f. g. des besonder freude 
hetten. Vnd demnach weyter angezeygt, wie wir beuelhe hetten, 
irer Mt. den Brieff an ir Mt. lautendt, vns von e. f. g. zugestelt, 
zu vberantworten, vnd dieselbig seyn Mt. von e. f. g. wegen zu 
pitten, das ir Mt. e. f. g. auss darin erzelten vrsachen, auch dorn 
schreyben, so e. f. g. an seyn Mt. als Stathalter vnd andern Comis- 
saij gethan, e. f. g. dieser Zeyt aussenpleybens vff diesem Reichs- 



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343 



tage entsbhaldigt haben wolten, a f. g. ¥iab irMi alles meglichen 
yleis verdhienen etc. vnd haben alepalden die brieff vberantwort. 
Darauf seyn Mt. vns aastreten, vnd nach emer kleyoen weyl wider 
fordern, vnd durch gemelten vnifem gnedigen herren von Trient 
antwort geben lassen, der maynang vnd wort. Die Königlich durch- 
lenchtigkeit hett e. f. g. frenntlich zn empietten zn freuntlicbem 
gefallen angeuomen, vnd wo es e. f. g. glücklich vnd wol nach ge- 
fallen zustande, hört seyn königlich Durchleuchtickbeit auch gern. 
Aber belangend e. f. g. entschuldigung des nit erscheynens auf 
diesem Beychstage bedechten Ir kö. D., diweyll die Sachen, darnmb 
dieser Beychstage aussgeschrieben, hoch, gross, vnd wichtig, auch 
die geystlichon nit wenig, sonder vor andern betreffe, derwegen 
woli von notten, das statlich darin gehandelt, vnd das die Chur- 
vnd Fürsten bey solchen handhingen statlich weren, wolten sich 
sein ko. D. versehen, e. f. g. noch bass bedencken vnd nachmals 
zum fttrderHchsten hieher verfQgen, vnd die notturfft handien helffen 
solten. Vnd gleych nach solcher vnsers gnedigen herren von Trients 
Rede fing kö. Mt aygner person anzureden, vnd sagt also. Vnser 
herr vnd freunde von Wirtzpurg hat sich hievor ßö. key. Mt al- 
wegen zu gehorsam vnd woll erzaygt vnd gehalten. Dieweyll wir 
aber nit vememen mögen, das er mit leyps krankbeit beladen vnd 
derhalben zu komen verhindert, darzu auch sein aussenpleiben, die- 
weyll er etwas neher, dann etlich andere Chur- vnd Fürsten ge- 
sessen, vrsach geben mocht, das andere auch nit komen, vnd also 
der handlang des Beychstags verhinderlich sejm mocht. So wollen 
wir vns versehen, gedachter vnser freunde von Wirtzpurg werde 
sich nochmals fürderlich erheben, hieher komen vnd die notturfft 
vff diesem Beychstage handien helffen. Vnd hat demnach 8e3m 
Mt. von vns begert, solchs an e. f. g. gelangen zu lassen, dann 
sein Mt. wolt an e. f. g. auch selbe sehreyben etc. Datum Speier 
freytags nach Oculj Ao XXIX. 

E. f. Q. vndterthenige Marthin von Vssigkheim, Thnmbherr 

vnd Marsylius Prenninger Doctor Cantzler. 

Dem Hochwürdigen Fürsten vnd Herren, Herren Conraden, Bischouen 
zu Wirtzpurgk vnd Hertzogen zu Francken, vnserm gnedigen Herren. 

Zetula. 

Auch gnediger Fürst vnd Herr, wie vns alle sachen ansehen, 

vnd sonderlich dieweyll die fnrirer der Ghur- vnd Fürsten so statlich 

einlauffen, vnd dann auch das gcschrey ist, so wurdt ein grosser 

statlicher Beychstage vnd darauff vil Chur- vnd Fürsten erscheynen. 

A. ft. O. n»ch gleichzeitiger Abschrift 



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344 
81. Die Wfiralmrger Bftthe an Bischof Conrad. ^) 

Speier, 8. Mftra 1629. 

Hochwirdiger Fürst, Gnediger herr. Yns ist hiebeyligende 
Missiae an e. f. g. gestelt, aass Kö. Mt zu Hangern ?nd Beheym 
Cantzley durch eynen Cantzleyschreyber yberantwort vnd dabey von 
gedachter Kö. Mt wegen an vns gesannen worden, dieselb Missiae 
e. f. g. zuzuschicken. Dieweyll wir dann solchs nit abzaschlagen 
gewist, haben wir die angonomen, vnd färter e. f. g. bey gegen- 
wertigem Botten thun zuschicken. Weiten wir e. f. g. vndtertheniger 
maynnng nit verhalten. Dat. Montag nach Letare Anno XXIX. 
E. F. G. vnderthenige 

Martin von Vssigkheim vnd Oantzler von Wirtzpurg. 

Diesem Schreiben war eine Zuschrift des Königs Ferdinand 
an den Bischof vom 5. März beigelegt, in welcher derselbe bemerkt, 
er habe ans dem Briefe des Bischofs ersehen, dass die denselben 
vom Besuche des Beichstags abhaltenden Ursachen „nit also gross 
sein.'* Er hätte trotz ähnlichen Abhaltungen den Reichstag der 
deutschen Nation zu Nutz eigener Person besucht. „Demnach in 
bedencken sollichs, auch das vff bemeltem Beichsdag der notturfft 
nach gedachte vnsers Christlichen glaubens halben, den ordiglich 
zuerhalten, auss der not etwass einsehens bescheen muss, vnd eur 
Freuntschafft aygener Person als nit der Wenigst vnter den gaistlichen 
Fürsten, zu dem die Bhomisch kay. Mt. vnser Lieber bruder vnd genedi- 
ger herr, sonder genedigs vertrawen tregt, sollich treffenlich Sachen 
hoch vnd wol fUrdem mag, So ist in namen hochgedachter key. Mt. 
vnd für vns selbst vnser genedigs vnd freuntlichs begeren vnd bit, die 
wolle sich vnangesehen irer fürgewendten vrsachen innhalt des keyser- 
liehen ausschreybens aygener person zum ehesten hiehere verfliegen vnd 
kains wegs aussenpleypen, damit ander fürsten merers oder wenigers 
ansehens vff e. f. g. nit waygem vnd sich mit Für Wendung gleicher 
vrsachen entschuldigen. Dann e. f. g. ist diese malstatt also gelegen, 
das sie die in vier Dagen erraichen, vnd wo von nordt ist, sich in 
weniger zeit widerumb in iren stifft thun mag .... 

A. a. o. 



82. Bischof Conrad von Wfirzbnrg an König Ferdinand.^ 

Würzburg, 12. März 1529. 
Wir theilen aus diesem Schreiben folgende Stelle mit: 
. . . Hetten wir verhofft E. kbo. w. der gethanen vnser ver- 
vrsachung gesettigt gewesen, vnd vns desshalben bey Ir gnediglich 

1) S. oben & 70. 

2) S. oben S. 70 f. 



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845 

entschnMigt haben sollt. Dwejll wir aber aoss berartem E. kho. 
w. schreiben vememen, das dieselbig vber angezeigt vnser vnd 
vnsers Styffls obligendt vnd ehafft vns abermals erfordern vnd be- 
geren, das wir in aigener person vff den Reichsdag khomen, wollen 
wir vnangesehon wie beschwerlich vns vnd vnserem Styfft das sein 
wurdet, vnsere vnd des itztgedachten vnsers Styffks Sachen zurück 
schlagen, vnd damit kay. Mt< auch E. kho. w. sehen vnd spuren 
m5gen, das wir denselben, wie wir vnsers verhoffens bysshero an- 
ders nit befunden worden, soviel in vnserem thun vnd vermögen 
geren allen vntherthenigen dienstlichen willen beweysen, Vns mit 
hilff des Allmächtigen in den künftigen Osterfeiertagen erheben 
vnd als der gehorsam vnd gutwillig gein Speier vff den Reichsdag 
khommen. ... 

A. ft. o. 



38. Relation der Wfirzbnrger Bäthe fiber die Eröffnung 
des Reichstags.') 

15. Märi 1529. 
Volgents am Sonndag Judica als Hochgemelte khonig, Chur 
vnd Forsten, nemlich khonig Ferdinand zu Hungern vnd Behaim 
Ertzhertzog zu Osterreich etc. Stathalter, die Erzbischoue zu Menntz 
vnd Goln, Pfaltzgraue Ludwig vnd Hertzog Johanns von Saxsen etc. 
Churfursten, Erzbischoue zu Saltzburg, Bischoae zu Bamberg, Speier, 
Angspurg, Triennt vnd Hildessheim , Friderich Wylhelm Ludwig 
vnd Ottheinrich Herzog in Baiem, Fürst Wolff von Anhalt vnd 
Graue Bertholt von Hennenberg, wie vorgemelt zu Speier ankommen 
gewest. Ist vff morgen Monndag die Beichsbandlung anzufangen 
angesagt worden vnd derhalbe Monndage darnach den Funffi&ehen 
Dag Marcij Hochgenanter kayr. Stathalter sampt den anderen Chur- 
vnd Fürsten, aussgenomen der Gburfurst von Saxsen, Fürst von 
Anhalt vnd Graue Bertholt von Hennenberg so mit Ime ankhom- 
men, morgens vmb sex höre in dem Bathoue sich gesammelt, vol- 
gents mit einander in den Dhumbsüfft gangen beim Ampt der 
Heyligen Mess so erlich gesungen worden, gewesen vnd nach auss- 
gang desselben wider inn den Batbhoue (darein Saxsen, Anhalt 
vnd Hennenberg in des ankhommen gwest) gezogen, den anssge- 
schriebon Beichsdag anzufangen. Haben der kayserlich Stathalter, 
Orator vnd Commissarien volgenden kayserlichen gwalt vbergeben, 

1) 8. ot>en S. 192 ff vaid 8- 236, Anm. 



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346 

Es folgt nun die kaiserlicfae Vollmacht, wie bei Müller 14 ff 
und Walch XVI, 315 ff. S. oben S. 27 f, 

„Als balde darnach haben hochgemelte keyserliche Stathalter, 
Orator ynd Commissarien der Batheversammlang volgent Für- 
pringong getban:" 

Es ist nnnmehr die kaiserliche Proposition eingerttckt, von 
welcher der auf die Olanbensfrage sich besiehende Theii bei Müller 
17 ff und Walch XVI, 318 ff sich findet 8. oben S. 104 bis 108. 

▲. ft. o. 



34. Bericht der Würzburger Bäthe Aber die BestaUnng 
des AufNMhussesJ) 

18. Man 1529. 

Vff vorgeschrjbene der konigklichen W. ynd anderer der kay. 
Mi. Cotnmiäsarien Furpringen vnd lostroction haben Chnrfürsten, 
Fürsten vnd Stende sollichs zu beradtschlagen ainen grossen Auss- 
schos von denen so hernach volgen gemacht: 

Chnrfürsten. Beichart Ertzbischoue zu Trier, Johannes Her- 
tzog zu Saxsen. Geistlich Fürsten. Matheus Ei*tzbischoue za Saltz- 
burg, Cbrystoff Bischoue zu Augspurg. WeltUdi Fürston. Hertzog 
Ludwig von Baiern Pfaltzgraue, Margraue Philips von Baden. 

Chnrfürsten Bede. D. Caspar Westhausen , Meintzischer 
Cantzler. Ludwig von Fleckenstein, Pfaltzgrauischer Hoffnieister. 
Graue Diederich von Manderscheit, Colnisch. Geistliobei' Fürsten 
Bede« D. Marsiliüs Prenningcr, Wirtzburgischer Cantzler. D. Jo- 
hann Pabrj, Dhumhor zu Costenntz. Weltlicher Fürsten Bede. 
Dr. Lennhart vonn eck. Bayrisch, Baltasar Schrautenpach, Hessisch. 

Prelaten. Gerwig, Abbt zu Weingarten. Grauen. Bomhart 
Graue zu Solms, Vllrich, Graue zu Helffenstein. Auss den Beich- 
stetten. Hans (sie. darüber geschrieben ist Christoff) kress von 
Nürraberg. Jacob Sturm von Strasspurg. 

Welcher Ausschus seinen Badtschlag daruff verfast vnd am 
Sambstag nach Ostern den dritten Aprilis publiciren lassen, wie 
nach Voigt: 

Nun folgt das Bedenken des Ausschusses. S. oben S. 129 ff. 

A. ft.0. 



1) 8. oben B. 116 ff nnd liS3, Anm. 



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847 

85. Bericht der Wfinbnrger Bäthe fiber die Ankunft der 

Forsten und Botschafter, sowie ttber das Gefolge des 

Bischofs Yon Wflrzbnrg. 

' April 1529. 

Vff solch obangeregt yusers gnedigen herren von Wirtzpnrg 
abfertignng sint die benenten seyner f. g. Beychs Reibe yff Mit- 
wocben nach Beminisccre den 23. Febmarij zwischen ailff vnd 
zwelff boren za Speyr ankomeii| vnd sansten von Fürsten oder 
andern Sfcenden des Beycbs oder derselbigen potscbafftem niemant, 
dan Christopbein Detzeln von wegen der Stat Nnrmberg alda fanden. 
Am donerstag darnach ist der Meintzisch Cantzler Caspar von 
Westbausen anlcomen. 

Vff dhonerstag nach Ocnli ist Königlich Maiestat zu Hangern 
vnd Beheim aach zu Speyr in eyner zimlichen rastnng eingeritten. 
Vff Sonntag Letare ist key. Maye. Orator vnd Vice - Cantzler 
Bischone za Malta Coadiutor za Costnitz vnd postalirter za Hildens- 
haym zu Speyr ankörnen vnd ein tage oder drey heimlich da gewesen, 
ehe man es erüaren. 

Vff dbinstag nach Letare vmb drey boren sint der Ertz- 
bischoue za Saltzparg Cardinal vnd Legat, vnd der Bischoae von 
Aagsparg ankörnen, vnd jnen der könig entgegengeritten. 

Desselbigen dhinstags vmb vier boren ist der Bischoae von Speyr 
vnd Hertzog Friderich von Bayern in der stille anch ankörnen, in des 
königs herberg g^tten, abgestanden vnd hinauf zum könig gangen* 

Vff Mitwoch nach Letare vmb zwo boren sint hertzog Wilhelm, 
hertzog Ludwig und hertzog Ottheynrich von Bayern einkomen vnd 
jnen der könig sampt den obbemelten Fürsten entgogengeritten. Vnd 
alspald die benente Hertzogen von Bayern in jr herberg belaitet 
worden, ist der könig sampt den fürsten den Ertzbischooen von 
Meintz vnd Coln bede churfürsten auch entgegengeritten, dieselbigen 
zu Iren herbergen belaitet. 

Vff Freytag nach Letare vmb zehen boren ist der Bischoue 
von Bamberg vngewarnter sachen eingeritten. Vmb ein bore dar- 
nach ist Pfaltzgraue Ludwig, ChurfÜrst komen, und jme der könig 
vnd die Fürsten entgegengeritten. Am Sambstag nach Letare vmb 
zwo hören ist hertzog Johanns von Sachsen ChurfÜrst vnd Fürst 
Wolffgang von Anhalt komen vnd jnen der könig sampt den Fürsten 
entgegen geritten. 

Am dbinstag nach Judica zu frühe ist Marchgraue Philips 
von Baden eyngeritten. Darnach vmb ein bore ist der Teutsch- 



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848 

meister hohenmeister amptsaerweser Walter yon Gronberg komen« 
Yff Mitwochen nach Judica vmb iwelff hören ist der Ertzbischone 
zu Trier einkomen vnd jme der hertzog von Sachsen vnd fllrst von 
Anhalt entgegen geritten. Vff dhonerstag nach Jadica ist Landt- 
graae Philips von Hessen zu Speyr einkomen, vnd jme der Churftirst 
von Sachsen entgegen geritten. 

Vff dhinstag nach dem heyligen Ostertage ist hertzog heinrioh 
von Braunschweig komen vnd jme der Landtgi*aue von Hessen 
entgegen geritten. Desselbigen Dhinstags ist der Bischoue zu 
Strasspurg einkomen. Freitags nach dem heyligen Ostertage ist 
der Coadjntor zu Fulda zu Speyr einkomen. 

Sambstag darnach vor Mittag vmb YII hören ist Marggrane 
Jerg von Brandenburg komen. Damach vmb zwo hören nach Mittag 
ist vnser gnediger herr von Wirtzpurg eingeritten* Vff Sootag Mias 
dni ist picus Oomes de Mirandula, pepstlicher heyligkeit Orator 
vnd Botschaffber zn Speir anch einkomen. Vff Montag nach Mias 
dni sint der Bischoue zu Vtricht Coadiutor zu Wormbs vnd h^tzog 
Jerg von Pomem komen. 

Vff dhinstag nach Jubilate Sint hertzog Erich von Braunschweig 
vnd hertzog Ernst von Lunenburg komen. It. Paulus Bi8(^oue zu Ghür. 

Als vnser gnediger herr von Wirtzburg am Sambstag nach 
Ostern gen Speior einkhomen, hat s. f. g. den Reisigen Zeug zu 
Beinhausen wider vmbkeren lassen, vnd gohapt hundert vnd 
zwentzig pfert, zwen wegen. So ist ein schiff mit Prouiande vnd 
anderem von Wirtzburg aus auch gen Speier gangen. 

Nachvolgent Retbe vnd von Adel hat vnser gnediger Fürst vnd herr 
von Wirtzburg vff gehaltenem Reichstag zu Speior bey seinen f.g. gebapt. 

Johann von Lichtonstein, Thumbherr, Lantrichter, Martin von 
Vsöickhaim Dhumbherr, Bernbart von Tbungen hoffmeister, Marsylius 
Pronninger Doctor Cantzler, Heuntz Trucbses von Wetzenhausen, 
Marschall, Conradt Braun Doctor, Rethe. 

Panngratz von Thüngen, Neitbart von Thüngen, Anshelm von 
Eltershouen, Hans von Weingarten Stehler; Friderich Zynn Camerer 
(von kontzingen, Brysgawer), Wolff Erlenbeck Trucbses, Götz Fauth 
von Reineck Fürscbneider, Melchior von Rusenpath Schenck, von Adel, 

Claus Meier, Wolff Wammolt, Endres Schade (von Leubols 
Büchner), Philips von Reinstoin, Jberonimus von Rosenaw, Knaben. 

Sonst allerley hoffgesinde das sein f. g. zum essen gemainlich 
zeben Disch vnd darüber gebapt. 

A. a. o. Fol. 17 und 23 f. 



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349 

86. Gntachten des Bischofs von Wfirzbnrg fiber 
das AQsschnssbedenken.^) 

April 1529. 

„Vber obverleybtös des grossen Ausschus gutbedunken hat 
vnser gnediger Herr von Wirtzburg etzlicher artickel halb sich mit 
seiner f. g. Rothen beredt vnd sich des in Reichs Bathe, so der- 
w^en handlang gepflogen, gepraacht wie hernach volgi" 

Den Vorschlag wegen des General- und Nationalconcils be- 
treffend, „Acht vnser gnediger herr von Wirtzburg, das es wohl 
bedacht, vnd lest ime sein f. g. desselben orts des ausschus be- 
denken gefallen." ~^ 

„Aber betreffendt erleuterung vnd erclerung des artickels im 
jüngsten hieuorigen Spejrischen abschid verleibt, .... bedenkt 
vnser gnediger Herr von Wirtzburg, das den Stenden nit wol ge- 
puren wolle, vber kay. Mt. obangeregts artickels vffhebung der- 
wegen in Disputacion einzulassen, es sey auch das, so der ausschus 
am selben ort beratschlagt, vber seiner gnaden versfcandt. So vem 
es aber die Stende laut derselben Radtschlagung zu bewilligen 
macht haben sollten, vnd sollichs auch durch die keyserlichen 
Oommissarien zugelassen wnrt, alsdann wollen sein f. g. ir sollichs 
auch gefallen lassen." 

Die Artikel wegen Sacrament und Messe im Ausschussbedenken 
„siht vnser gnediger herr . . . für ganz nutze vnd notwendig an, 
zuuorderst dieweil nit der wenigst theil vnsers heyligen glaubens 
daran steht.'' 

Die Vorschläge betreffs der Wiedertäufer, der Prediger und 
des Drucks, auch wegen des Friedens Iftsst sich der Bischof ge- 
fallen. In letzterer Beziehung wird aber noch beigefügt: „Aber 
doch damit die Stende des heiligen Reichs sich sollichs friedens 
dester mher haben zu gedrosten, sehen sein f. g, für gut an, das 
ime fall, so einer oder mher einleben des heiligen Reichs Stende 
darüber vberziehen beuehden oder vergewaltigen vnderstehen werden, 
das als dann Rhomischer key. Mt. Stathalter ime heiligen Reich 
sampt dem zugeordneten Regiment, so sie des ersucht oder füre 
sich selbst gewar wurden, als balde anstatt keyserlicher Mt. dem 
oder denselben, so also den friden zunberfaren vorhetten, bey peen 
der acht vnd aberacht (darein der vberfarer gefallen vnd erklert 
sein solle) von sollichem vberzug vnd vergewaltigen abzustehen, 
auch meniglich von demselben vberfaren abzuziehen, ime kain hilff 

1) Vergl. oben 8. 185 f. 



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1^ 

Rathe oder beystannt zu thun, vnd so die sache mt gestillt werden 
wollte, als dan die anderen gehorsamen Stende nach gestalt ynd 
gelegenheit der sach yfizaf orderen, den Jenen so also yberzogen ?nd 
vergwaltigt werden wollten, zu hylff vnd rettung zuzuziehen vnd 
die vberzieher vnd vergewaltiger fried zuhalten, auch derwegen die 
vffgelauffen khosten abzulegen zu gepieten macht haben sollen. 

Mit dem Vorschlage betreffs der eilenden Hülfe ist der Bischof 
einverstanden, wünscht aber zur Vermeidung von Kosten, dass 
die wegen zu hoher Veranschlagung eingereichten Supplicationen, 
statt den 6 Fürsten und 4 Regimentsri&then , dem Begimente 
zur Prüfung und zum Berichte beim nächsten Reichstage übergeben 
werden. Die Vorschläge über die beharrliche Hülfe und den Unter- 
halt von Regiment und Karomergericht lässt sich der Bischof gefallen. 

A. a. o. 



37. SohlQssbericht der Wfirzburger Bäthe. 

Ende Apnl 1529. 

Nach Mittheilnng verschiedener allgemeiner Reichstagsakten, 
z. B. des Schreibens der Stände an den Kaiser, der von dem Be- 
gimente und Kammergerichte den Ständen vorgelegten Artikel 
(s. oben S. 214 f.) und des Abschiedes werden die protestirenden 
Fürsten und Städte aufgezählt. Unter letzteren sind Nördlingen, 
Reutlingen, Isny, Weissenburg und Windsheim nicht genannt; da- 
gegen sind denselben irrthümlich Goslar und Hall beigefügt. Die 
Relation fährt dann fort: 

„Volgents am Sonndag Cantate den Fünff vnd zweintzigsten 
dag Aprilis ist Konig Ferdinandt zu Hungern vnd Behaim zu Speyr 
vffgebrochen, den selben dag gein Heidelberg, dahin er von Pfaltz- 
graue Ludwig ChurfÜrst geladen, geriten. Haben sein kö. Wirde 
etzliche Chur- vnd Fürsten, vnter denen vnser gnediger von W. auch 
gewest, belaithet. Des andern Dags ist sein kho. Wirde vff Oster- 
reich zu geraiset vnd die andern Chur- vnd fürsten Jder seinen 
weg anhaims genomen." 

„So ist hochgedachter vnser gnediger herr von Wirtzbg von 
heidelberg widerumb gein Speier geritten vnd volgenden Domstag 
den XXVÜIten (sie, soll heissen 29.) Aprilis anhaims zu raisen 
daselbst zu Speier vffgeprochen. Also ist diese Reichsversamlung 
volendet worden.'* 

A. ft. o. 



y 



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361 



VI. 

Aus der kgl. bair. Hof- und National- 

Bibliothek zu München.') 

38. Bericht Aber den Einzug der Ffirsten in Speier. 

April 1529. 
Heue MTttuig Ton Speyr tob luutdhng dar Funten elnrejtten Tnd enohelnongi 

MDXXEC. 
Vermerck was für Fttrsten vnd Herrn auff den Reichstag 
ersohinen seyen. 
Erstlich ist Rö. Mayestatt Künig za Hangern vnd Behem 
am donerstag vor Letare zu Speyr eingerytten seyen , vnd jme 
entgegengerytten das Kaiserlich Regiment, vnd sein Küngklich Maye. 
am gestadt des Reyns entpfangen. Also ist die Kö. May. einzogen 
vnd da gelegen drey tag, das dannoch kain Fürst ist kommen. 
Alsbald die Fürsten wäre kandtschafft durch yre dyener gehabt, 
haben sy sich auch gen Speyr verfügt. Vnd am Montag nach Letare 
ist die Kaiserlich Maye. botschafft eingerytten, Herr Sygmund (sie) 
Bischof zu Hildeshaim vnd Bropst zu Waldkirchen, am dinstag nach 
dreyen eingerytten zwen geistlich fursten, Nemlich Bischoff von 
Saltzburg vnd Bischoff von Augspurg, denen die KO. Maye. 
entgegen vnd eingeblay t. Gemelten tag ist anch eingerytten verborgen 
Hortzog Priderich Pfaltzgraff am Reyn, vnd Bischoff von Speyr 
sein bruder vnd für die Kö. Maye. herberg gcrytten vnd abgefallen 
von pferden, zn der Kö. Maye. gelauffen vnd die Kö. Maye. jnen 
entgegen vnd also ainer den andern entpfangen. Am mitwoch nach 
Letare sein eingerytten Hertzog Wilhelm vnd Hertzog Otto 
Haynrich Pfaltzgraff am Reyn wol gerüst, denen auch die Kö. 
Maye. entgegen gerjrtton vnd sy entpfangen. Nachmals seyn ein- 
gerytten zwen geistlich Churfürsten, Bischof von Mentz vnd Bischof 
von Köln, denen anch die Kö. Maye. entgegen gerytten, das den- 
selbigen mit dem Bischoff von Bamberg sechs Fürsten eingerytten 
seyen. Nachmals am Freytag ist eingerytten Pfaltzgraff Ludwig 
Chnrfttrst, der von allen obgemelten Forsten mittsampt der Kö. 
Maye. entgegengerytten, vnd jnen entpfangen. Am Sambstag 
darnach mit geleycher entgegenreyttnng vnd enttpfahung den Hertzog 
Hannsen von Sachssen Chnrfürst jnen eingeblayt vnd entpfongen. 

1) a oben 8. öl. 



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352 

Also hat die Kö. Maye. am Montag nach Judica mittsampt 
obgemelten Fürsten das götlicb ampt der hailigen Mess gehalten, 
Gott dem Almechtigen zu lob, damit sein götliche genad eyn guts 
gelückseligs end wolle verleicben. Vnd nach dem ampt seyen sy 
hyngangen auff das haus vnd die andern Forsten haben sein auff 
dem haus gewardt. Aber er ist nit erschynen gewesen. 
Wie vnd was massen die Fürsten bey dem ampt der g5tlichen 
Mess gestanden seyen etc. 

Auff die rechten seytten des Kors ist am ersten gestanden 
die Kö. Maye. Ferdinandt künig zu Hungern vnd Beham. Nach 
d. Kö. Maye. ist ein standt frey gelassen worden. Darnach ist 
gestanden Bischoff von Montz ChorfÜrst, Nach dem von Ments 
ist gestanden der Bischoff von Köln Churfürst, Nach dem von 
Köln ist gestanden Ffaltzgraff Ludwig Churftirst Nachmals ist 
gestanden Hertzog Ludwig von Bayern an seyn vnd seyns gebrüdem 
statt Hertzog Wylhelms als Hertzogen jn Bayern. Nach Hertzog 
Ludwigen ist gestanden Hertzog Ott Heinrich an statt seyn vnd 
aller Pfaltzgraffen am Beyn. Also ist die Station zu der rechtten 
seytten gewesen. 

Am Mitwochen nach Judica ist eingerytten Bischoff von Tryer 
GhurfÜrst, vnd jme entgegen gerytten sein all obgemelten Fürsten 
mittsampt der Kö. Maye. Aber er villeicht sein (kein?) knndtschafft 
gehabt, das man jme entgegen ist gezogen, sein einreytten hat sich 
yerlengert, das die Fürsten sein im feld nicht gewartten haben 
künden, vnd widerumb hyn haym gerytten. Alls bald darnach so 
alle menschen abgesatlet haben, ist die botschafft kommen, der 
Bischoff von Tryer sey schon bey der statt, jme entgegen zu reytten, 
vnd allso er allaine eingerytten, Sender Hertzog Hanns vonSachssen 
hab jne eingeblayt. Aber die Kö. Maye. von stund zu Fuss in 
sein Herberg gangen vnd yne in seiner herberg entpfangen, vnd 
sich entschuldigt. Gemelten Mitwochen ist auch haymlich ein- 
geriten Margraff von Baden. Am donerstag nach Judica ist die 
Kö. Maye. mittsampt dem tag auff das gegaydt gerytten vnd vnder 
wegen am hyn haim reytten zum Landgraffen von Hessen kommen, 
der denselbigen tag ist eingerytten, jn auff dem feld entpfangen 
vnd gleich auff einer seytten von jme abgestreyfft hat, vnd an 
ainem andern weg hin haim gerytten, vnd hatt den Landgraffen 
nit eingeblayt. Es ist jme auch sunst kain Fürst entgegen 
gerytten, als Hertzog Hans von Sachssen, vnd der Bischoff von 
Köln, vnd gemelter Landgraff wol gerüst eingerytten mit zway 
hundert pferden wol angethon mit hämisch, spyess vnd hauben 



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353 



mit acht Trommettem vnd ein hörbancken vnd zwelff Trabanten. 
Es ligen auch baid Fürsten bey einander zu herberg Hertzog Hanns 
von Sachssen ynd Landgraff von Hessen etc. 

Am dinstag in den Osterfeyrtagen ist ancfa eingerylten Hertzog 
Heinrich von Praonschweigt vnd Bischoff von Strasspnrg, jhnen kein 
Fürst entgegen ist gerytten, Als Landgraff von Hessen vnd sy auff 
dem feld entpfangen vnd sy eingeblayt hat etc. 

Die Fnraten die die herberg bettelt habent, ynd nooh oit all enobinen leyen 
Nemlich Margraff Jochim aus d. marck Charfürst. Hertzog 
Jörg von Sachssen. Margraff Jörg von Brandenburg ist kommen. 
Hertzog von Pnmmem der ist auch kommen. Bischoff von Brichssen. 
Bischoff von Wyrtzburg der ist auch kommen. Bischoff von Frey- 
sing etc. 

Nach einem alten Drucke a. a. O. Eur. 413|ie. 



VIL 

Aus dem Stadtarchive zu Augsburg.*) 



39. Wolfgang Langenmantel an den Bath von Augsburg.^ 

Speier, 23. Febr. 1520. 

Auf den Auftrag des Rathcs vom 16. Februar, die Städte 
Aogsbarg und Kanfbeuem beim Reichstage zu vertreten, antwortet 
er mit der Bitte, eine eigene Botschaft zu demselben zu senden, 
„dieweil, als ich bericht wird, an diesem Beichstag den erbem frey 
vnd Reicbstetten nit am wenigsten gelegen sein will, befind auch 
solichs bey andern stetten, das die gar statlich alhie erscheinen 
werden. Die von Nurmberg haben den tetzel , der ist schon an- 
kumen, bericht mich, es soll noch der krees knmen^ (s. oben S. 84), 
„auch ir doctor ainer vngeuerlich in acht tagen hie ankumen, der- 
gleichen soll strassbnrg anff morgen datto diss auch mit drey Be- 
then ankumen, so werden die von kollen auch inerhalb drey tagen 
vngeuerlich mit drey Beten hie ankumen on den, der von irt wegen 
hie ist, der wirtt dem Regiment sein Zeitt müssen warten." .... 

1) Znr Erapamng von Banm glauben wir nna hier anf ganz karse Ansauge ana 
dem reichen Inhalte der in diesem ArohiTo an fbe wahrten Aktenstücke beschränken xa 
sollen. Dieselben sind in dem Archive chronologisch geordnet. 

2) VergL oben S. 90 f. 

23 



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354 
40. Matthäus Langenmantel an Angsbiirg.^) 

Speier, 15. MErz 1529. 
Kurzer Bericht über die Eröffnung des Reichstags, und Bitte, 
einen weiteren Gesandten zu schicken. „Denn die flirgenomen 
handlungen etwas geeilt werden wollen. Doch verhoff ich, das 
zusampt meinem gnedigsten herm Hertzog Hansen zu Sachsen, des 
Churfürstliche gnaden alhie ankörnen seien, in kürtzo meine gn. 
hm, der Landgraf zu hessen vnd Marggraf Georg zu Brandenburg 
alher komen, dero f. g. die Sachen zuversichtlich nit eilen lassen. 
Sie wollen, das eines ansschuss halb zum vleissigsten gehandelt, 
so vil an inen , fürdem werden , in massen hieuor auf andern 
Reichstagen auch beschehen, wie wol solche handlung des ausschuss 
wegen den geistlichen Fürston vnd iren anhongern, als ich beriebt 
wurd, vast zu wider ist." .... 



41. HatthSns Langenmantel an Augsburg. 

Bpeier, 22. März 1529. 
Bericht über die Sitzung der Stände vom 16. März, die 
Antwort des Königs Ferdinand vom 19. März und die Bestellung 
des Ausschusses. S. oben S. 112 bis 119. Hier heisst es nach 
Aufzählung der Mitglieder des Ausschusses: „In welchen vsschuss, 
vss verseuraniss meins gnodigen hm, des Landtgrauen zu Hessen, 
der zu Spet ankörnen, deshalb in den vsschuss (dem Er zu erhaltung 
rechts Christlichs glaabens nit vbel angestanden were) nit mer er- 
weit werden mögen. Die Churfürsten, Fürsten vnd Stet, die dem 
wort Gottes Cristenlich anhangen, nit wenig vb^rsetzt sein" etc. 
Es folgt ein Bericht über den Ausschuss der Städte (s. oben S. 120) 
und dessen Verhandlungen. Derselbe liegt der oben S. 126 f. ge- 
gebenen Darstellung zu Grunde. Wir geben daraus folgende Stelle 
im Wortlaute: „Daneben erachten etlich der Obern Stet, insonder 
Yberling, Rauensburg vnd kauffbeuem, das der Speyerisch abschid 
erklert werden solt, dan derselbig bey inen vbel verstanden vnd 
misspraucht wurde. Nun betrachten vnser etlich, das derselbig 
abschied etlicher massen erklerung leiden, so vil die weltlieh ober* 
keit, auch besetzten ront, gnlt, Zins vnd einkomen beruren möcht, 
das in demselbigen niemant vorgewaltigt noch Verhinderung oder 
eintrag geschehen solt. Was aber die geistlich Jurisdiction betrifft, 
der sich die geistlichen vndorfangen vnd zu eignen vnderstanden 

1) VergL oben S. 104, 114 und 119. 



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355 



haben (der dan inen dermassen nie gestanden wnrd), in dem können 
wir noch kein gednldliche erleutnog befinden/^ .... Es folgt ein 
oben S. 124 bis 128 von nns benutzter Bericht über die Ansschuss- 
sitzung vom 22. März, ans dem wir Folgendes entnehmen: ,,Aber 
wir von Stetten werden vns von dem Speyeriscben abschid anders 
dan mit einer leidenlichen milterung oder erklerimg noch zur Zeit 
nit tringcn lassen, wol ehe vnser beschworden vnd was vnrats da- 
durch im reich entspringen möcht, bey ko. wird vnd allen Stenden 
anpringen." .... 



42. Herwart, H. Langenmantel und Hagk an Augsburg. 

Speier, 5. und 8. April 1529 

Bericht über Herwart*s Ankunft (s. oben S. 91), über die 
Sitzung vom 3. April (S. 163), das Gutachten evangelischer Räthe 
vom 1. April (S. 172). Ihre eigene Stellung zur Glaubensfrage 
sprechen die Gesandten, unter denen von nun an Herwart offenbar 
allen Einflnss ausübt, folgendermassen aus. Das Gutachten der 
evangelischen Räthe sei auch den Gesandten von Ulm mitgetheilt 
worden. „So steen Si von Vlm der Schrift halb noch im Zweifel, 
gleich so wol als wir, die sich von solchen Churfürsten vnd Fürsten, 
dazu von Strassbnrg vnd Nürnberg, vngern sondern vnd doch auch 
vns der scherpfe mit vnd neben andern nit gern geprauchen wol- 
ten." . . . „Weiter den Glauben bemrend werden wir zum fleissigsten 
handeln, ob es bei dem Speirischen abschid vnd der hienor zuge- 
lassenen Verantwortung gegen Got vnd kaj. Mt. (wie hart das zu 
erhalten) pleibe, vnd möchten vnsers tails wol leiden, dass eben in 
massen des ansschuss begriff vermag, kay. Mt. ersucht wurde, ein 
frey Christenlich Generalconcilium auszuschreiben, anzufahen vnd an 
bestimter Ort einem zu haiton. So vil nun das Sacrament, die 
mess, das Predigen vnd den Glauben mit Drucken oder sonst 
berürt, das soll billich auf das künftig Concil angestelt werden. 
Dan so wir des glaubcns itzo ains woren, bedurften wir kains 
Conciliums.'' . . . 

Diesem Schreiben lag ein Bericht über die Vorforderung der ' 
Städte vor die kaiserlichen Commissarien vom 4. April bei, welcher 
S. 167 ff. benützt ist. 

Eine Zuschrift derselben Gesandten vom 8. April enthält 
einen Bericht über die Supplication der Städte am 8. April. Vergl. 
oben S. 173. 

23« 



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356 

Weiterp Schreiben der Oesandten aus Speier vom 9. und 10. 
April beziehen sich nicht auf die Beichstagsverhandlungen und haben 
kein allgemeineres Interesse. — Der Inhalt der im Concepte bei 
den Akten liegenden Instruction des Rathes von Augsburg fOr seine 
Gesandten vom 10. April ist oben S. 193 angegeben. 



43. Die Augsbnrger Gesandten an Ulrich Bechlinger und 
Anton Bimel, Bargermeister in Augsburg. 

Bpeier, 13. April 1529. 
Bericht über die Sitzung vom 12. April und das Verhalten 
einzelner Städte zu der Beschwerde. Vergl. oben S. 184 ff. und 
S. 191 bis 194, wo auch einzelne Stellen des Berichts im Wortlaute 
gegeben sind. Daran schliesst sich die Bitte um schleunige Zu- 
sendung einer Instruction. „Wir haben desshalben kein ausgedruckten 
befelch. Dieweil dan die sach waytter Raichen mecht, lass wir 
solichs an Euch, wie for stet, gelangen vnd sind desshalb auf das 
baldigst 08 imer sein mag, antwurt gewerttig." 



44. Die Augsbnrger Gesandten an Augsburg. 

Speier, 15. and 17. April 1529. 

Bitte um schleunige Zusendung einer Instruction für ihr Ver- 
halten zum Abschiede. „Denn wir wissen nit, wann man vns um 
ferner antwort anhalten wird, denn mir ist gesagt, das man von 
Regenspurg augspurg Worms vnd Nordhausen endlich antwort mit 
Ja oder Nein haben will, wie wo) es mir nit gesagt ist." VergL 
weiter oben S. 194 f und 192, Anm. Betreffs der Zuschrift des 
Königs von Frankreich an die Stände (s. oben 8. 164), von welcher 
die Gesandten eine Copie beilegen, bemerken sie: ,,i3t liederlich mit 
umgangen worden." 

Ein weiterer Bericht der Gesandton vom 17. April wiederholt 
die Bitte um eine andere Instruction mit der oben S. 195 ange- 
gebenen Begründung. Bericht über die Sitzung vom 16. April. 
(Vergl. oben S. 209 bis 218, wo auch einzelne Stellen des Schrei- 
bens im Wortlaute gegeben sind.) 

Diesem Schreiben lag ein zweites nur von Herwart unter- 
zeichnetes bei, d. d. Speier, 18. April 1529, aus welchem 8. 195 
ein Auszug gegeben wurde. 



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367 
45. Herwart und H. Langenmantel an Augsburg. 

Bpeier, 19. April 1529. 
Nochmalige Bitte um rasche Instruction. S. oben S. 196. 
Aus dem daran sich schliessenden Berichte über die Sitzung vom 
19. April (vergl. oben besonders 8. 229 f und 235 f) theilen wir 
Folgendes mit: „Haytt tag vor mittag ist ko. Mt. im Reichs Bat 
gewest vnd die handlung der gestalten k. instrukzion, vnd auf- 
richtung derselben den glauben, die hilff vnd tirken, das Begiment 
vnd Gamergericht, darauf gefolgte handlung zu danck angenommen, 
hoffen dass der von Sachsen, marggraf, hessen, lünenburg, anholt 
sich dafon nit sondern werden. Der stett vnd Etlicher graffen, die 
solichg widersprochen, ist geschwigen, . . . dabey gebetten, zu den 
sogleich zuordnen vnd nit zu ferruckcn, biss der abschid geferttigt 
scy. Er darauf abgangen. Haben Sachsen mit seim anhang von 
stund an dawider prottestirt, vnd an das kammergericht vnd Begi- 
ment kain 8ta3rr zu geben .... Von stund haben die stett, so den 
abschid nit annemen wollen, dcrmassen ach getan, kostnitz hat 
von stund an seine hcm ferantwartt auf ferklag vnd ferun- 
glimpfung des bischoff vnd der graffen vnd ein gar scharpffe red 
geton. — Nachmals band gemein stett sich beklagt, dass man die 
von strassburg aussgesatzt heit. — Nachmals hat man ain artickel 
von einem ausschuss bedacht forbracht, dass Braders kinder in die 
heuppter vnd nit in die geschlecht Erben sollen. Also lieben hrn 
habt ir in Eil, was heut gehandelt worden ist." . . . 



VIII. 

Aus dem städtischen Archive zu 
Frankfurt a. M.O 



46. Ffirstenberg an Frankfurt. 

Speior, 12., 19. und 30. März 1529, 
Bericht über den Einzug des Königs Ferdinand und anderer 
Fürsten etc. S. oben S. 45 f. Einige glaubten, der Beichstag werde 
am nächsten Montage eröffnet werden. „Ich glaubs aber khaum, 

1) Aach hier beschranken wir uns auf kurze Anssüge ans den wichtigsten 
Briefen. Dieselben befinden sich alle in Band 43 der Frankfurter Beichstagsakten. 



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358 



SO halt ich auch nit, dass vom glauben hie vff diessmal etwas 
tractirt werd, sonder aller ernst clag vnd anliegens ist umb gelt 
widdem Turcken, davon man erschrecklich vnd ganz sorglich an- 
zejgung furbringt. Got ftigs zum besten" .... 

In einem Schreiben vom 19. März gibt Fttrstenberg Nach- 
richt über die Eröffnung des Reichstags (s. oben S. 103 f) und 
die Sitzungen vom 18. und 19. März. 8. oben S. 112, 113 f 
und 116 f. üeber die kaiserliche Proposition urtheilt Fürstenberg: 
„Ich khan änderst nit ermessen, wo der zweyt artickel mit der 
peen gegen die verwiiker, besonder wies die geystlichen nehmen, 
solt volnzogen werden, dass solch embörung, blutvergiessen vnd 
verderben in teutschen landen erfölgen wurd, als in viel hundert 
Jaren nit erhört ist worden, vnd zu abentheuwer den geystlichen 
zum grossen nachteyl." 

Eine weitere Zuschrift Fürstenbergs vom 30. März berichtet 
über Verhandlungen ohne allgemeineres Interesse mit Landgraf 
Philipp wegen einer Streitsache mit dem Abte von Hanau. Im 
Ausschusse werde noch über die drei Artikel verhandelt. „Der 
allmechtig got gcb seyn gnad dazu. Der anfang gefeit mir nit 
zum besten, wolt dass nur dass ende nit böser werd'* .... 



47. Ffirstenberg an Frankfurt. 

Speior, 7. April 1529. 
Nachricht über die Sitzung vom 3. April und das Bedenken 
des Ausschusses. S. oben S. 163. „Der merer theil der stet haben 
des artickels den glauben betreffend grosse beschwerung, seyn auch 
denselbigen aus vilen vrsachen anzunemen nit gemeint. Dan es 
werden in dem allerley wortlin ingephflogten, die den statten, als 
den man vffsitzig vnd gefer ist, nit treglich noch leidlich seyn, mit 
namen dass man niemant an seyner oberke3rt vnd herkhomen ver- 
gewaltigen solt. Damit wurd den geystlichen . . . erfolgen, die 
predicanten zu setzen vnd zu entsetzen, alle missbreuch widder zu 
erheben vnd ander wunder anzurichten. Was guts darauss ent- 
stehen solt, hat eyn yder verstondig zu ermessen." Es folgt sodann 
ein eingehender oben S. 165 bis 170 benutzter Bericht über die 
Vorforderung der Städte vor die kaiserlichen Commissäre. 



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359 
48. Ffirstenberg an Frankfurt. 

Speier, 11. April 1529. 
Bericht über die Sitzung vom 10. April. S. oben S. 178 bis 
182. In demselben beisst es über die Absichten der Geistlichen: 
„Vnd so es lenger bedacht wirt, so die Pfaffen den handel yo 
scher ffor vnd spitziger versehen wollen. Ich glaub sie besorgen sich 
etwas. Ich halt auch, was beschehen thuo inen nit so wehe, als 
die sorg des kanfftigen. Darumb ist aller ire sinne, mut vnd hertz 
solchs fnrtor zu vorkhommen gericht, mitler zeyt mocht man vmb 
dass so verlorn gewest zu recuperiren gedencken. Got der Almechtig 
Schicks zum besten." — Daran schliesst sich eine Bitte um baldige 
Sendung einer Instruction. „Dan ich wolt ye gern e. w. vnd ge- 
meyne stat in gnaden key. Mt. so viel mir möglich behalten, vnd 
ist mir doch daneben auch beschwerlich anzusehen, in dass, so 
widder got auch gegen der wernt nachteylig vnd geuerlich vnd zu 
erhalten nit möglich, zu bewilligen vnd von den merer theyl der 
stette zu sondern" .... 



49. Fürstenberg an Frankfurt. 

Speier, 15. und 17. April 1529. 
Bericht über die Sitzung vom 12. April (s. oben S. 184 ff). 
„Vff montag nach Misericordias dni seyn curf fürsten vnd gemeyn 
stende abermals bey eyn versamelt gewest. Dosolbst hat der 
Meyntzisch Cantzler den statten eröffnet, vrie curf vnd fürsten vnd 
andre dess merer theyl in den Begriff des ausschuss den artickel 
des glaubens belangent verwilligt haben. Alsbald ist darvff eyn 
Rat des Curftirsten von Saxen bey vnd neben gemeyner versamlung 
gestanden vnd sich zu statten gawant vnd gesagt, dass der Cnr- 
fürst von Saxen , Marggraff Jörg von Brandenburg , der Lantgraff 
von Hessen, der Bischoff von Paderborn vnd Osnabrück, der Hertzog 
von Lünanburg, der Fürst von Anhalt, dergleychen graff Jörg von 
Wertheym vor sich vnd etlicher graffen wegen solchen begriff ver- 
lesener notel auss bewegenden vrsachen nit annemen noch bewilligen 
khunden. Vff solchs haben die gesanten der stette ire antwnrt 
geben, dass sich viele der erbam frey vnd Reych statte der ange- 
zogen notel beschweren, inmassen ire snpplication derhalben vber- 
geben femer anzeygt, mit vndertheniger biet, diessa sach bey vorigem 
abschied vff Jüngst gehaltenem Speyerischen Beychsdag vffgariecht 
bleyben zu lassen. Vff solchs hat der Sexischen Ret eynar von 
Minqnitz femer furbracht, damit man nit gedenk, dass gemelte 



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360 

fürsten aas geringer vrsach sonder ans hoher notdurfffc ynd dappheren 
bewegungen solchen abschiedt zu bewilligen abschew trugen, so biet 
Ir curf. g. Iren beriecht darin oyn schriefEt verfasst zu verhören. 
Der ist auch verlesen worden, vnd darin die sach mit höchstem 
ernst weydlich vnd zum besten aussgestrichen. Nach dem allem 
hat der Meyntzisch Oantzler gesagt, nachdem sich die Stette haben 
vememen lassen, dass irer vielen der begrieff anzunemen beschwer- 
lich sey, sollen sich die, die in annemen, dergleychen die, die sich 
dess beschweren, anzeygen. Wiewol solche Zertrennung den stetten 
gemeynlich zuwidder, so seyn doch etlich vnder vns so ongestummig- 
lich , ehe solchs an vns gomuttet , vff solchs getrungen , dass man 
solchs nit hat vmbgehen mögen, besorg es seyn etlich stette von 
phaffen fast dahin gereycht worden, als nemlich vberlingcn, Rotweyl, 
Rauensburg vnd andere, die mit dem Doctor Johannes Fabri viel 
zu thun haben.^' 

Es folgt nun die Nachricht, dass Fürstenberg aus den oben 
S. 197 angeführten Gründen Frankfurt zu den sich beschwerenden 
Städten habe schreiben lassen, sowie der S. 185 f. und 190 f. be- 
nützte Bericht über das Verhalten der einzelnen Städte, femer über 
die Sitzungen vom 13. und 14. April (s. oben S. 207 bis 209). 
Ueber den Ausschluss Miegs vom Regimente bemerkt Fürstenberg: 
„Weyter lass ich e. w. wissen, dass Daniel mühe von Strassburg 
. . . hieher khomen ist. Als er aber vor dem Regiment vnd beforab 
vor kuniglicher Maiestet erschienen, hat man im zu erkhennen geben, 
dass man in nit wolle sitzen lassen, dweyl die von Strassburg die 
mess angestelt haben vnd seyn des stücks in ongenaden, dass ich 
besorg, Strassburg word vom Reych khomen." .... 



50. Ffirstenberg an Frankfurt. 

Speier, 17. April 1529. 

Antwort auf die Instruction des Rathes vom 15. April (vergL 
oben S. 198, wo auch ein Auszug der Instruction und der Antwort 
Füi-stenbergs gegeben ist). Es folgen die S. 183 Anm. und S. 262 
Anm. theilweise im Wortlaute wiedergegebenen Bemerkungen über 
das Verhalten der Städte auf dem Reichstage, ferner ein Bericht 
über die Sitzungen vom 16. und 17. April , dessen Inhalt aus den 
oben S. 209 bis 216 gegebenen Darlegungen erhellt. 



-O — O^S'-O — o— 



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861 

IX. 
Aus dem Archive der Stadt Speier. 

Aus demselben geben wir, da manche Aktenstücke schon von 
Remling abgedruckt worden, nur die in der Policeiverordnung des 
Rathes enthaltene Verordnung über die Preise, welche Wirthe bei 
dem Reichstage ihren Gästen berechnen dnrften. Vorgl. oben S. 38 ff. 



51, Verordnung über die während des Reichstages von 
Wirthen und Gastgebern zn berechnenden Preise. 

Speier, 1529. 

Taxirung der Wirt oder Gastgeber Malzeit Morgen Supen 
Vespei* Irten Slaffdrunck Stalmitt, Auch was der Burger vor Stal- 
mitt vnd leger zu Itz gehaltene Hichstage zw 'Spier von Frembden 
nemen sollen, durch Furbaltung des durchleuchtigsten hochgebomen 
fUrsten vnd herren horren Johansen hertzogen zu Sachsen des heiligen 
Remischen Reichs Ertzmarschalcken vnd ChurfÜsten. Mit anbringen 
kuniglicher Maiestet zw hungern vnd Behem u. im heiligen Reich 
Stathalters, Auch anderer Churfürsten Reten auf bemeltem Richs* 
tage versambt bjsin angezeigt vnd beslossen. 

Erstlichen welicher vrirt oder Gastgebe auf Fleischtage zwey 
ziemlicher guter gericht zusampt Supen gemise kese vnd obs vnd zum 
selben auch einerley (zweierley ?) guts wins zur malezeit gipt. Dem sol 
ein gast nit mere dan zu Jdem Mal Sechs Grenzer geben. Welicher 
aber auf fleischtage drey guter gericht zusampt Supen, gemuse kese 
vnd obs vnd zum selben auch einerley guts wins zur male Zeit 
gipt, Dem soll der gast nit mere dan Sechs (sie, soll nach der 
Taxirung von 1526 ohne Zweifel heissen acht) Grentzer für ein 
MaUeit geben. Vnd so ein wirt oder Gastgebe auf Fischtage 
zweyerley guter gericht von fischen wie auf den fleischtagen zu- 
sampt Supen gemise, kese vnd obs vnd zu demselben zweierley guts 
Wins zur Malzeit gipt, Dem sol der gast vor ein Malzeit nit mer 
den acht Creutzer geben. 

Der Wirt oder Gastgebe sol vor ein ge wonlich ziemlich Morgen 
Sup darzu man kalt fleisch vnd eyer gipt dry Greuzer, für ein 
gewohnlich ziemlich Vesper Irten Acht pfennig, für ein Slaffdrunck 
Acht pfennig, für ein Siroer habem Sechs Greuzer vnd für ein Stal- 
mitt, zw der er hew vnd Stro gipt, auch nit mere dan acht 



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362 

Pfennig nemen. Ynd so der Gast neb.en oder vsserhalb der Malzeit 
Morgen Supen Vesper Vrten vnd slaffdronck vom wirt win zu haben 
begert vnd verordnet, Sol der wirt dem gast Jde mass weins noch 
zar Zeit nit hoher geben oder verrechnen , dan wie er den zum 
Zapfen verschenkt vnd vervngelt. 

So aber der gast an Speisung vnd dranck mher vnd Bulicfaer, 
dan wie gemelt haben wolte, stet zu willen wirts vnd gasts, sich 
deshalben mit einander wie inen geliebt za uertragen vnd halten. 
Doch solle usserthalb desselben sonst witer nymants beswert vber- 
nomen noch änderst dan wie hieuor stet gehalten werden. So aber 
gest zur Morgen Supen Vesper Vrten Slaffdruncken oder sonst witer 
besonder Spise drancke auch zndruncken oder sonst vnlust haben 
oder machen Mrurden, das sollen die gest Jder zeit dem wirt nach 
gepur sonderlichen auch bezalen vnd entrichten. 

Aber vsserthalb den Wirtshusem Soll ein Jder zu t^e vnd 
nacht für ein Stalmit, da der gast selbs hew vnd Stro einkauft» 
Ein Creuzer, Wo aber einer by einem Bürger Stellt , von den er 
hew vnd Stro empfahet, dem soll der gast zu tage vnd nacht 
Jtziger Oelegenheit angesehen , dwill hew vnd Stro etwas in gelt 
bewert ist, vier Creuzer für ein Boss zugeben schuldig sein. Doch 
soll herin wilkare by dem gast vnd Burger Steon, wer das hew 
oder Stro kaufien oder geben wolle. 

Von einem zweytuchichen herrenbeth, in dem zwen ligen 
mögen, dry Creuzer, von einem balbtuchichen Beth, daran auch 
zwei ligen mögen, ein nacht zwen Creuzer, vnd für ein lotterbeth 
ein Creuzer geben. Wo aber der gast mere an Stallmith, Beth, 
kuchen geschirr viele der Stuben vnd besonder gemach Innemen, 
oder dem Burger an behusung verplagen wolte, dan er zur notturft 
bedurft, acht man fttr pillich, das derselb gast sich mit dem Burger 
deshalben auch So uiel vertrage als der Burger sonst dauon haben 
vnd geniessen mochte. 

Die Ordnung soll Iren anfang haben Montags nach Judica 
vnd volgents dermassen also geendet werden Anno 29. 

A. a. O. Fmc. 169. 



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Kegrister. 



Aachen, 91 165 191307 306 327. 
AaleD, 94 167 306 309 32a 
Adriao VI, Pabst, 244 Anm. 
Agricola, Johano, 77 97 f. 
Amann, Ambros., 94. 
Amsdorf, Nico!., 53 93. 
Anshelm, Val., 93. 
Anton von Weerd, 330. 
Augsburg, Bischof Ghrifltoph von, 19 

47 72 117 119 152 345 346 347 

351. 
Augsburg, Stedt, 12 f 90 f % 151 

154 167 172 1^ ff 205 Anm. 

271 306 309 318 321 328 353 ff 

Balder, Christian, 93. 
Baldermann, Job., 89 306 ff. 
Bamberg, Bischof Wigand von, 3 21 

36 38 f 48 70 262 269 345 

347 351. 
Barbi, Graf Wolfgang von, 47. 
Barcellona, Friede von, 7. 
Barfoss, Melch., 63. 
Bathor, Stephan, 10. 
Baumbach, Ewald von, 65 118. 
Baumgartner, Bernhard, 84 330. 
Banmgartner, Hieron., 79 84. 
Belltngshausen, Peter, 90. 
Bergzabern, 12. 
Beringer, Jacob, 95. 
Berstein, Adam von, 94 Anm. 
Besserer, Bernhard, 86 120 127 171 

230 321 326 330. 
Biberach, 24 94 190 199 f 
BiUicanus, 88 
Bimel, Anton, 356. 



Biaurer, Ambros., 13 72 Anm. 87 159. 

Bopfingen, 94 167 307 309 328. 

Boss, Magnus, 314. 

Braun, Dr. Conrad, 348. 

Brenz, Joh., 92. 

Brück, Georg, 74 220. 

Bmnner, Leonhard, 91 Anm, 

Bucer, Martin, 160. 

Buchhom, 94 167 195 Anra. 307 

309 328. 
Bück, Balth., 63. 
Büschler, 199. 
Bund, schwäbischer, 21 ff. 
Burgo, Andreas dfl, 107 Anm. 
Busche, Hermann vom, 79. 
Camerarias, Joachim, 56 Anm., 

75f 84 157 Anm. 
Capito, Wolfg, 159. 
Chur, Bischof Paul von, 49 71 207 f 

348 353. 
Ciarenbach, Adolf, 69 90. 
Clemens VH, Pabst, 4 ff 106 207. 
Colmar, 92 165 190 306 309 327. 
Conrad, Dr , 121. 

ConsUnz, Bischof Hugo von, 12 211. 
Constonz, Stadt, 86 159 167 190 

211 f 214 230 235 263 278 307 

309 328 357. 
Cronberg, Walther von, 48 7 1 115 348. 
Cruciger, Caspar, 156 157 Anm. 

D a n n e r , Gerhard, 91. 

Diller, Michael, 95. 

Dinkelsbühl, 24 94 167 191 306 

309 328. 
Dockheim, Joh. von, 66 121 276- 



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364 



Donaawörih, 24 94 190 195 Anm 327. 
Donisperger, Caspar, 93. 
Drawol, Dieter, 95 275 Anm. 

Eberhard, Anton, 95. 
Eborstein, Phil, ron, 43 f. 
Eck, Leonhard ron, 16 ff 21 ff 54 59 

92 118f 122f 124 160 264 346. 
Edelband, Leonhard von, 91. 
Ehinger, Job , 16 37 Anm. 39 53 88 

102 120 169 f 173 182 183 190 

219 230 235 281 Anm. 321. 
Ehinger, Ulrich, 88. 
EichstAdt, Bischof Gabriel von, 72. 
Elisabeth, Herzogin yonBrauuschweig, 

59 Anm. 
Eltershofen, Ans. von, 348. 
Erasmas, Desiderins, 57 64 Anm. 
Erbaoh, Schenk Eberhard von, 82. 
Erbaoh, Schenk Valentin von, 60 264. 
Erich, Herzog von Braanschweig, 28 

49 59 f 274 348. 
Erlenbook. Wolf, 348. 
Ernst, Markgraf von Baden, 36. 
Ernst, Herzog von Lüneburg, 49 81 

172 184 231 238 254 277 279 

282 348 357 359. 
Ernst, Pfalzgraf, Administrator von 

Passau, 43 62. 
Esslingen, 24 27 91 166 173 190 306 

309 322 327. 

Pah er, Dr. Job., 55 ff aS 98 Anm. 
ICO 117 119 122f 155ffl60166 
183 217 259 Anm. 342 346 860. 

Fagius, Paul, 86. 

Farnbühler, Hans, 87. 

Feldkirch, Bflndnissabrede zu, 52. 

Ferdinand, König von Ungarn und 
Böhmen, 3 8ff lOff 18 28ff 38 
43ff 51 ff 54 76 93 97ff 101 
103 115 ff 152 154 f 164 ff 183 
191ff 200ff 207 209 217f 223ff 
230 237 ff 258 ff 268 272 274 
281 282 286 306 f 310 316 319 
327ff 335 839f 342ff 345 346 
347 350 351 f 354 361. 

Femberger, Joh., 54 339* 



Fleckenstein, Lndwig von, 18 ff 22 f 

60 117 124f 136ff 177 346. 
Flysteden, Peter, 69 90. 
Förster, Dr. Job., 81 176 187 231. 
Ferner, Ant., 88 96 232 Anm. 313 

315 322 323 326 333 335. 
Frankfurt a. M , 92 151 155 Anm. 167 

190 19G ff 271 306 321 328 329 f 

357 ff 
Franz I., König von Frankreich, 1 

163f 291f. 
Franz, Herzog von Lfineburg, 49 81 

231 288 277 Anm. 279 282. 
Frauentraut, Alexins, 81 277 281 Anm. 
Freising, Bischof Philipp von, 62 353. 
Friedberg, 94. 

Friedbold, ChrUtian, 94 219. 
Friedrich, Pfalzgraf. 16 20 23 28 ff 

31 47 57 ff 103 152 165ff 169 

179 198 224 ff 294 307 310 f 319 

827ff 345 347 351. 
Frosch, Dr., 324f 329f 835. 
Fmndsberg, Georg von, 4. 
Fürstenberg, Graf Friedrich von, 82. 
Färstenberg, Graf Wilhelm von, 82 

212 Anm. 
Fflrstenberg, Philipp von, 45 f 97 

112 120 170 182 183 Anm. 185 

186 f 190 f 196 ff 209 Anm. 211 
262 Anm. 357 ff. 

Fugger, 20 Anm 45 90 213 335. 
Fulda, Adam von, 98. 
Fulda, Coadjutor Johann von, 89 49 
71 348. 

Geil fu SS, Michael, 158. 
Georg, Markgraf von Brandenburg, 
49 80f 101 142 f 172 176 184 

187 220 231 238 242 Anm. 254 
272 Anm. 277 279 294 ff 298 
305 316 324 ff 348 353 354 
357 359. 

Georg, Herzog v. Pommern, 49 66 323. 
Georg, Herzog von Sachsen, 3 64 

171 180 f 259 353. 
Geroldseck, Gangolf von, 67 117 262. 
Giengen, 94 190 199. 
Glanz, Johann, 91 205 273. 



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365 



Gmand, Schwäbisch, 94 166 806 

809 827. 
Goldberg, Werner von, 94. 
Goudelsheim, Dr. Pet. von, 66. 
Goslar, 93 167 190 199 306 309 

315 328. 
Grppper, Dr. Joh., 69. 
Grynftusy Simon, 155 ff. 
Gundheim, Phil, von, 152. 

Hagen au, 92 165 173 190306 

309 327. 
Uagenstein, Sebastian, 90. 
5agk, Johann, <)1 120 126f 195a55ff. 
Hall, Schwabisch, 92 167 190 199 

307 309 328. 
Hammerstetten, Protonotar, 37 Anm. 

314. 
Hanan-Lichtonberg, Graf Phil, von, 67. 
Hegenstein, Dr., 317. 
Heideck, Georg von, 59. 
Heidelberg, 17 282 350. 
HeUbronn, 89 167 191 263 278 306 

309 328. 
Heinrich, Domschnlmeister, 94. 
Heinrich, Herzog von Brannschweig, 

13 49 64 125 172 Anm. 255 ff 

262 348 353. 
Heinrich, Pfalzgraf, Coadjutor von 

Utrecht und Worms, 49 61 103 

348. 
Helfenstein, Graf Ulrich von, 85 118 

Anm. 346. 
Henneberg, Graf Berthold von, 39 

66 f 103 345. 
Henneberg, Graf Hermann von, 66. 
Henneberg, Graf Wilhelm von, 39 66. 
Herrenschmid, Andr., 324 335. 
Hersfeld, Abt Kraft von, 71. 
Herwart, Conrad, 91 170 172 193 ff 

212 218 326 355 ff. 
Hildesheim, Bischof Johann von, 12. 
Hildesheim, Postnlirter von, s. Wald- 
kirch. 
Hirter, Dr. Ludwig, 72 317. 
Hoffmeister, Ant., 92. 
Hohenlohe, Graf Albrecht, Georg und 

Wolfgang von, 67. 



Holdermann, Hans, 91 166 328. 
Hummel, Johann, 94. 

Ingenwinkel, Job., 69. 

Joachim, KurfQrst von Brandenburg, 
3 13 15 63 152 171 318 353. 

Johann, Kurfürst von Sachsen, 3f 
13 15 39 43f 48f 53 73 97ff 
102 103 117 ff 123 125 ff 140 f 
152 172 176 178 180 184 187 
208 220 f 231 233 238 254 260f 
269 277 279 282 318 .345 346 
347 351 352 354 357 359 361. 

Johann, Herzog von Jfilich, 66. 

Johann, Pfalzgraf, 63 154. 

Johann Friedrich, Kurprinz, 75. 

Jonas, Dr. Justus, 56 Anm. 

Irenicus, Franz, 65. 

Isny, 86 190 263 278. 

Jud, Peter, 9L 

Kaden, Mich, von, 84 126281 Anm. 

Kämmerer, Veit, 277. 

Karl V., Kaiser, 1 4ff lOff 15f 25 

27 f 100 149 215 227 Anm. 274 

281 286 287 291 335 f 337 f. 
Kaufbeuem, 24 94 127 190 306 309 

327 353 354. ^ 

Kautz, Jacob, 91 Anm. 
Keller, Hans, 23f 87 205 Anm. 
Kempten, 24 45 88 167 190 263 278 

307 309 328. 
Kleeburg, 12. 
Köln, Kurfürst Hermann von, 15 48f 

68f 103 119 318 345 347 351. 
Köln, Stadt, 90 96 120 191 306 308 

321 327 353. 
König, Dr. Job., 73. 
Königsbrunn, Abt Melch. von, 2 Anm. 
Krapf, Peter, 91. 
Kranich, Johann, 228 Anm. 
KreU, Dr. Jacob, 313. 
Kress, Christoph, 84 118 Anm. 346 

353. 

L a m b a d , Ewald von, 120. 
Langenmantel , Matthäus, 91 120 

124 Anm. 126 128 Anm. 193ff 321 

354 ff. 



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366 



Langenmantel, Wolfgang, 90 313 

318 353. 
Laymann, Balth., 322. 
Leodius, Habert Thomas, 161 35 

58 Anm. 
Lerchenfelder, Dr., 335. 
Lichtenstein, Job. von, 348. 
Lindau, 87 159 167 190 230 263 

278 307 309. 
Luwenstein, Job. von, 227 Anm. 328. 
Lacbs, Dr Mattb , 62 120. 
Ludwig, Herzog von Baiem, 3 16 

44 48 ÖÖ 103 109 117 119 124 

152 154 262 340 345 346 347. 
Ludwig, König ron Ungarn, 8. 
Ludwig, Kurfürst von der Pfal«, 3 

11 13 f 19 f 23 27 29 48 80f 
99 103 119 136 fr 164 177 206 
Anm. 261 268 if 282 337 f 345 
347 350 351. 

Ludwig, Pfalzgraf von ZwelbrOcken, 

12 61 62 f. 
Lübeck, 200 309. 

Lutber, Dr. Martin, 53 64 111 159 
199 Anm 221 f 287. 

Mainz, Kurfürst Albrecbt von, 3 15 

18 30 48 67 f 103 119 154 164 

261 269 318 835 347 351. 
Blair, Georg, 89 191 232 Anm. 312 

bis 337. 
Manderscbied, Graf Dietricb von, 67 

69 117 124 346. 
Mansfeld, Graf Albrecht von, 72 74 

82 102. 
Mansfeld, Graf Hoyer von, 43 67. 
Marie, Königin von Ungarn, 57. 
Matt, (Mar), kais. Fiscal, 120, 276. 
Meier, Claus, 348. 
Melanohthon, Philipp, 56 75 ff 102 112 

122 155ff 160ff 220ff 235 255. 
Melander, Dionysius, 100. 
Memmingen, 2 Anm. 23 f 45 87 159 

167 190 263 278 306 309 

321 328. 
Metz, 91 165 191 306. 
Meurer, Friedrich, 94 Anm. 158. 
Meyenburg, Mich., 94 120 126. 



Mieg, Daniel, 200 ff 360. 
MinkwiU, Hans yon, 74 186 f 360. 
Mirandula, Graf Job. Thom. Pious 

▼on, 49 207 ff 332 348. 
Mock, Conrad, 93 185. 
Mühlhausen, 94 190. 
Mutterstadt, Peter, 78 Anm. 277. 
N e i d h a r d , Bundeshauptmann, 24. 
Nibrücken, Job , von, 91. 
Nördlingen, 37 Anm. 88 97 167 191 i 

263 278 306 309 312 ff 328. 
Nordhausen, 93 167 193 306 309 

328 356. 
Nuenar, Graf Hemnann von, 99 264. 
Nürnberg, 23 84 142 ff 151 167 172 

190 205 Anm. 218 f 221 f 230 

263 270 278 298 f 306 309 

321 328 
Oberstein, Graf Wirich von, 

66 172. 
Oecolampadius, Job , 124 Anm. 160 ff. 
Oettiogen, Graf Karl, Ludwig und 

Wolfgang von, 67. 
Offenburg, 94 165 191 306 309 327. 
Onolzbach, 324 f. 
Oranien, Prinz Philibert von, 6. 
Ostermaier, Stasel, 232 Anm. 335. 
Otto Heinrich, Pfalzgraf, 19 23 43 

48 62 121 345 347 351. 

Pack, Otto von, 3. 

Paderborn, Bischof Erich von, 72 

184 359. 

Pfarrer, Mathias, 82 f 120 171 183 

185 200 211 234. 

Philipp , Landgraf von Hessen ,2 18 
21 49 77 ff 98 100 115 119 123 
160 170 ff 176 184 187 208 f 
218ff 221f 230 231 238 268 
277 279 282 317 Anm. 347 352 
354 357 359. 

Philipp, Markgraf von Baden, 48 
65 f 115 117 119 125 128 141 
154 164 177 255ff 346 347 352. 

Philipp, Pfalsgraf, 43. 

Planitz, Hans von, 74f 201f 220. 

Plarer, Christoph, 73 152. 

Prag, la 



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367 



Prenninger, Dr. Manilias, 70 117 
133 ff 151 152 343 846. 

Rafael, 335. 

Rathbof in Speier, 223 ff 345. 

Ravensburg, 92 127 166 183 190 

306 309 327 354 360. 
Rechberg, Knnz von, 62 120 264. 
Recblinger, Dr. Job., 313 322 324. 
Recblinger, Uhicb, 356. 
Regensburg, 12 29 94 192 356. 
Regensburg, Administrator Jobann 

▼on, 62. 
Reibeisen, Dr. leimen, 73. 
Reinstein, Pbil. von, 348. 
Retseber in Speier, 223 ff. 
Renss, Heinrieb, 67 264. 
Renüingen, 2 Anm. 89 167 190 263 

278 306 309 328. 
Reutte, 45. 
Reyd, Job. von, 90. 
Riesser, Hans, 89 306 ff. 
Rosenau, Hieron, von, 348. 
Rösslin, Dr. Stepban, 62. 
Ross, Dr. Augustin, 62. 
Rotacb, Convent zu, 271. 
Rotbenburg a. T., 91 167 191 306 

309 328. 
Rottweil, 92 f 127 166 173 183 190 

306 309 327 360. 
Ruf, Hans, 94. 
Rumel, Hans, 317. 
Rusenpatb, Melcb. von, 348. 

Balm, Graf Nicolans von, 54. 
Salzburg, Cardinalerzbischof Mathlns 

von, 3 19 44 47 69 f 117 119 

125 164 261 f 318 345 346 

«47 351. 
Salzmann, Pancratius, 81 277, 
Sam, Conrad, 97 159. 
Sanct Gallen, Abt Franz von, 89. 
Sanct Gallen, Stadt, 89 159 190 

263 278. 
Scbade, Andr., 348. 
Scbauenberg, Graf Georg und Hans 

von, 67. 
Sobellenberg, Ulricb, 152. 



Scbenk, Dr Jacob, 78 Anm. 

Schenk, Simpreobt, 159. 

Schilling, Dr. Sebastian, 85 152 202 

276 829. 
Schleicher, Daniel, 86. 
Sohlettstadt, 165 306 309 327. 
Schlupf, Pfarrer, 92. 
Schmalkalden, 3 13. 
Schmid, Sebastian, 198. 
Sohnepi; Erhard, 79 f 99. 
Schrautenbach , Balthasar von, 79 

118 Anm. 120 346. 
Schwarzburg, Graf Gfintber von, 67. 
Schwebel, Jobann, 162. 
Schweinfhrt, 94 167 191 306 309. 
Schwinnenbaohy Georg, 317. 
Seckendorf, Hans von, 80 294 ff 325. 
Seiler, Dr. Philipp, 63 192 331 332 

335 336. 
Sessler, Dr. Wilhelm, 63. 
Sickingen, Hans von, 154. 
Siegen, Arnold von, 90. 
Sleidanus, Johann, 69. 
Solms, Graf Bernhard von, 67 117 

125 262 346. 
Spalatin, 39 98 99 Audi. 
Speier, Bischof Georg von, 12 47 61 

98 154 270 345. 
Speier, SUdt, 27 ff 32 ff 43 ff 94 f 99 

165 191 262 283 306 309 317 

Anm. 327 347 351 360 f. 
Spengler, Lazarus, 84 142 237 Anm. 

297 f. 
Stettner, Leonbard, 74 277. 
Strassburg, Bischof Wilhelm von, 49 

71 95 121 154. 
Strassburg, Stadt, 12 84 ff 154 159 

172 190 200 ff 212 Anm. 214 

218f 280 235 258 263 270 278 

806 309 328 360. 
Stflcklin, Conrad, 93. 
Sturm, Jacob, 85f 102 1Ö8 118 f 

120 123 125 ff 129 Anm 141 

150f 168ffl78 179f 183 184f 

190 212 Anm. 218 234 235 320 

328 346. 
Sturm, Jobann, 69 Anm, 
Suleiman II., Sultan, 9 f 105 149 292. 



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368 



Sult», Graf Rudolph von, 52. 
Susanna, Pfalzgräfin, 62. 
Tauben heim, Christoph Ton, 74. 
ToUel, ChriBtoph, 46 84 118 125 ff 

141 f 178 313 320 321 347 353. 
Than, Dr. Albrecht, 63, 
Themar, Dr. Job. W. yon, 159 Anm. 
Thflngen, Bernh., Neidhard und Pangr. 

von, 348. 
Thum, Dr. Wolfgang von, 120. 
Tremberg, 120. 
Trient, Bischof Bernhard von, 28 45 

53 f 165 286 f 310 339 342 343 
845. 

Trier, Kurfürst Richard von, 3 15 18 
49 68 115 117 124 281 318 346 
348 352. 

Trachsesfl, Georg von Waldbui^, 44 

54 238 264 342. 

Trncbsess, Wilhelm von Waldburg, 54 

Tuberinus, 78 Anm. 

Ueberlingen, 22 92 127 166 
173 183 190 306 309 354 360. 

Ulm, Bundestag su, 18 24 f 45. 

Ulm, Stadt, 86 159 172 190 218 f 
263 270 278 306 309 321 328. 

Ulrich, Herzog von Würtemberg, 8 
171 268. 

Ulrich, Eucharius, 84 277. 

Ussigheim, Martin von, 70 343 ff 348. 

Vogler, Dr. Georg, 81 237 297 f. 

Volkbeimer, Clemens, 84. 

W a I d k i r c h , Probst Balthasar von, 
llff 28 47 58 Anm. 65 97 105 
108 111 165 179 183 223 307 
310f 337 338 342 345 347 351. 

Wammolt, Wolf, 348. 

Waldshut, Bflndniss su, 52. 

Wangen, 94 191. 

Warbeck, Hans, 323. 

Weidmann, Dr. Beatus, 55 191 194. 



WeU, 94 166 190 306 309. 
Weingarten, Abt Gerwig von, 72 f 

117 119 122 259 Anm. 262. 
Weingarten, Hans von, 348. 
Weiss, Jost, 89 118. 
Weissenburg, Abt Radiger von, 72, 
Weissenburg am Nordgau, 89 190 

263 278 315. 
Wernitzer, Bonifacius, 91. 
Wertheim, Graf Georg von, 82 182 184 

359. 
Westhausen, Dr. Caspar von, 48 68 
117 180 184 186 275 Anm. 331 
346 347 359f. 
Wetzenhausen, Heinz Truchsess von, 

348. 
Wetzlar, 94 191. 
Wiedemann, Jacob, 89 185 191 f 232 

Anm. 312 bis 337. 
Wilhelm, Hersog von Baiem, 3 8 
16ff 28 44 48 59 109 165 286 
310 340 345 347 351. 
Wimbold (Wumbold), 334 335 836. 
Wimpfen, 94 191 306 309 328. 
Wimpheling, Jacob, 85. 
Windsheim, 89 167 190 263 278 306 

309 328. 
Wolf, Hans, 90^ 

Wolfgang, Fflnt von Anhalt, 48 81f 
103 176 184 187 231 238 254 
277 279 345 857 359. 
Wol&tein, Adam von, 67. 
Worms, Stadt, 91 167 193 307 309 

321 328 356. 
Worms, Tag zu, 4. 
Würzburg, Bischof Conrad von, 3 19 
Anm. 21 37 43 49 70 f 111 114 
133ff 269 282 Anm. 339 - 350 353 
Zapolya, Joh., 8ff 109 151 210. 
Zinn, Priedr., 348. 
Zwick, Conrad, 87 235. 
Zwingli, Ulrich, 159 ff 258 Anm. 



-i-<S^>- 



Berichtlgungen. 

Seite 49, Zeile 10 von unten int fit»tt 4. 11., S. 167, Zeile 8 von nnten ttatt Nämberger 
Nfirdlinger. 8. 191. Z. 11 ▼. o. statt 12. 15, 8. 236, Z. 21 t. o. sUtt 14 1? zu lesen. 



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